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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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2- 


der 


Naturwissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions-Comite. 


Jahrgang  1901. 


Mit  1 Karte,  3 Tafeln  und  3 Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1902. 


Inhalt  des  Jahrganges  1901. 


Friedrich  Easpe  f S.  V. 

Verzeichniss  der  Mitglieder  S.  VII. 

A.  Sitzungshericlite. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3 und  17.  — Heller,  K. : Ausgestorbene  madagassische 
Eiesenstrausse  S. 4.  — Nitsche,  H.:  Stimmapparat  der  Cicaden  S. 3;  Beobachtungen 
über  tropische  Ameisen,  zoologische  Eeiseeindrücke  in  Südungarn,  Vorlage  eines  Kranich- 
kopfes S.  4;  zoologische  Seiten  der  Malaria- Frage  S.  17 ; neue  Litteratur  S.  3 und  17.  — 
Eeibisch,  Th.:  Demonstration  von  Missbildungen  S.  17,  mit  Bemerkungen  von 
H.  Nits  che.  — Eibbe,  K. : Künstliche  Erzeugung  von  Schmetterlingsvarietäten  S.  3. — 
Eichter,  A.:  Vorlage  eines  Elephantenstosszahnes  S.  4. — Schiller,  K.:  Grattungs- 
kennzeichen  der  in  Sachsen  vorkommenden  Hydrachniden  S.  4;  Vorlage  von  Acridium 
tartaricum^  neue  Litteratur  S.  3.  — Viehmeyer,  H.:  Wie  finden  die  Ameisen  den 
Weg  zu  ihrem  Neste  zurück?  S.  3. 

II.  Section  für  Botanik  S.  4 und  17.  — Beck,  E.;  Einige  Parasiten  von  forstlicher 
Bedeutung  S.  5;  ....  und  Nitsche,  H.:  Bekämpfung  des  Schüttepilzes  S.  5.  — 
Drude,  O.:  Holzzu^vachs  beim  Lärchenkrebs  S.  5;  Jubiläum  der  K.  K.  Zoologisch- 
botanischen Gesellschaft  in  Wien,  Gründung  einer  internationalen  Botaniker -Vereinigung, 
Kuntze’s  Eingabe  betreffend  einen  Staatszuschuss  zu  Eugler’s  „Pflanzenreich“,  syste- 
matische Morphologie  der  Gattungen  Abies^  Picea ^ Larix  und  Linus  S.  6;  einige 
physiologische  Culturversuche  S.  17;  Aussaat -Ergebnisse  von  Samen  einer  gelben 
Eeineclaudensorte , Anstrichmittel  gegen  Hasenfrass,  Topographie  der  Ehön,  über 
Euphrasia  minima  Jacqu.,  Hügelflora  der  Basalte  des  Lausitzer  Hügellandes  S.  18; 
Vorlage  eines  Pm-ws -Zweiges  S.  4;  neue  Litteratur  S.  5 und  18;  ....  und 
Nitsche,  H.:  Neuere  Anschauungen  auf  dem  Gebiete  der  Descendenztheorie  S.  5.  — 
Fritzsche,  F.:  Neue  Funde  des  Elbhügellandes  S.  18.  — Missbach,  E. : Bestände 
von  Rhododendron  myrtifolnmi  in  Siebenbürgen  S.  19.  — Naumann,  A.:  Wand- 
tafeln für  den  botanischen  Unterricht,  botanische  Ergebnisse  seiner  Eeise  nach 
Siebenbürgen  S.  19.  — Nitsche,  H.:  Leuchten  der  Hallimasch -Mycelien  S.  5.  — 
Schneider,  ü.:  Vorlage  und  Besprechung  einer  Sammlung  von  Skorpionen  S.  19. 
— Schorle r,  B.:  Bryogeographische  Forschungen  von  A.  GeheebS.  18. — Thümer,A.: 
Demonstration  eines  Mikroskops  S.  5;  Flora  der  Commons  S.  19.—  Wobst,  K.:  Neue 
Funde  ausserhalb  Sachsens  S.  19.  — Worgitzky,  G.:  Leber  Blüthengeheimnisse  S.  19, 
mit  Bemerkungen  von  O.  Drude. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  6 und  20.  — Bergt,  W. : Lausitzer 
Diabas  mit  Kantengeröllen , Erzlagerstätten  und  Erzgänge  bei  Freiberg  S.  7 ; über 
Kugelgranite  S.  20;  neue  Litteratur  S.  7 und  20.  — Döring,  H.:  Strudellöcher  im 
Elbbett,  geschrammte  Geschiebe  von  Zschertnitz  S.7.  — Engelhardt,  H.:  Geologische 
Beschaffenheit  und  Erforschung  Bosniens  S.  6.  — Kalkowsky,  E.:  Schlammvulkan 
von  Modena,  Flysch  in  Ligurien,  eruptiver  Gneiss  des  Erzgebirges,  Erkennung 
künstlich  gebleichter  Granite  S.  20;  Vorlagen  S.  6;  neue  Litteratur  S.  6,  7 und  20.  — 
Kruft,  L.:  Phosphoritknollen  im  vogtländischen  Silur  und  ihre  organischen  Ein- 
schlüsse S.  20.  — Nessig,  E.:  Neue  Bohrung  in  der  Dresdner  Haide  S.  6.  — 
Petrascheck,  W.;  Ammoniten  der  sächsischen  Kreide  S.  7.  — Wagner,  P.:  Das 
Centralplateau  in  Frankreich  S.  6. 

IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen  S.  7 und  20.  — Deichmüller,  J.:  Hügel- 
gräber nördlich  von  Bucha  in  Sachsen  S.  7;  neue  Urnenfunde  in  Blasewitz  S.  8;  Inven- 
tarisirang  der  urgeschichtlichen  Alterthümer  des  Königreichs  Sachsen  S.  20;  neue 


IV 


Litteratur  S.  8.  — Deichmüller,  J.,  Döring,  H.  und  Ludwig,  H.:  Vorlage  und 
Besprechung  neuer  Funde  von  Steingeräthen , Urnen , Bronzen  u.  s.  w.  aus  Sachsen 
S.  7,  8,  20  und  21.  — Döring,  H.:  Burgwälle  von  Schliehen  und  Cosilenzien  S.  7.  — 
Engelhardt,  H.:  Bunensteine  von  Bornholm  S.  7.  — Jentsch,  A.:  Slavisches 
Grefäss  mit  Leichenhrand  S.  20. — Wiechel,  H.;  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen  S.8.  — 
Excursion  nach  der  Göhrischschanze  bei  Diesbar  S.  8. 

V.  Section  für  Physik  und  Chemie  S.  8 und  21.  — Kühler,  W.;  Die  gebräuchlichen 
Methoden  der  drahtlosen  Telegraphie  S.  21.  — Schlossmann,  A. : Bedeutung  des 
Phosphors  in  der  belebten  Natur  S.  8.  — Walther,  R.  von:  Beductionen  mit  Hülfe 
von  Metallen,  die  Aluminothermie  S.  8.  — Excursion  nach  der  Nährmittelfahrik 
von  Dr.  Klopfer  in  Leubnitz -Neuostra  S.  9. 

YI.  Section  für  Mathematik  S.  9 und  21.  — Heger,  B.:  Ueher  Parabel  und  Ellipse 
S.  9;  über  einen  Satz  der  Determinanten  - Theorie  S.  24.  — Henke,  B.:  Die  Be- 
ziehungen des  Dreiecks  zum  Kreise  im  geometrischen  Unterricht  S.  23. — Krause,  M.: 
Charles  Hermite  S.  9.  — Naetsch,  E.;  Ueher  ein  in  der  Vector- Analysis  auftretendes 
System  partieller  Differentialgleichungen  I.  Ordnung  S.  10.  — Bohn,  K.;  Die 
8 Schnittpunkte  dreier  Flächen  II.  Grades  S.  22.  — Weinmeister,  Ph.:  Schmiegungs- 
parabeln der  Ellipse  S.  9;  Ankreis -Mittelpunkte  der  Dreiecke  mit  gleichem  Um-  und 
Inkreis  S.  10;  die  Strophoide  (Quetelet’sche  Fokale)  in  synthetischer  Behandlung  S.  21. 

YIT.  Hauptversammlimgen  S.  10  und  24.  — Beschluss  über  Beginn  der  Sitzungen  S.  11. — 
Beamte  im  Jahre  1902  S.  29. — Wahl  eines  Mitgliedes  des  Verwaltungsrathes  S.  11. — 
Kassenabschluss  für  1900  S.  10,  11  und  13.  — Voranschlag  für  1901  S.  10.  — Frei- 
willige Beiträge  zur  Kasse  S.28. — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  12.  und  27. — 
Bericht  des  Bibliothekars  S.  31.  — Dr.  Fr.  Baspe  f S.  11.  — Drude,  0.:  Die  Ent- 
wickelung der  „Technischen  Botanik“  bis  1900  S.  24.  — Engelhardt,  H.:  Vorlage 
von  Pflanzen  aus  Californien  S.  10. — Foerster,  Fr.:  Ueher  elektrische  Oefen  S.  10; 
Demonstrationen  S.  11.  — Hempel,  W.:  Vorkommen  des  Schwefels  in  der  Natur 
S.  11.  — Nitsche,  H. : Das  Benthier  als  Jagd-  und  Hausthier  der  Polarvölker  S.  26.  — 
Schiller,  K.:  Vorlage  von  Apus  productus  S.  11,  von  Polyporus  giganteus  S.  26. — 
Schlossmann,  A. ; Die  biologischen  Anschauungen  des  i 9.  Jahrhunderts  S.  26.  — 
Wolf,  C.:  Infectionskrankheiten  und  die  Art  der  Uehertragung  derselben  auf  den 
menschlichen  Körper  S.  11.  — Excursion  nach  Waldheim  S.  11,  nach  dem  K.  Fernheiz- 
und  Elektricitätswerk  in  Dresden  S.  12,  nach  dem  Albertpark  in  Dresden  S.  26. 


B.  Abhandlungen. 

Deichmüller,  J. : Ein  verziertes  Steinheil  aus  Sachsen.  Mit  1 Abbildung.  S.  16. 
Frenzei,  A,:  Ueber  ein  Steinbeil  von  Halsbach.  Mit  2 Abbildungen.  S.  111. 
Kalkowsky,  E.:  Die  Verkieselung  der  Gesteine  in  der  nördlichen  Kalahari.  Mit 
3 Tafeln.  S.  55. 

Krause,  M.:  Charles  Hermite.  S.  3. 

Nessig,  B.:  Tiefbohrung  in  der  Dresdner  Haide.  S.  14. 

Petrascheck,  W.:  Ueber  eine  Discordanz  zwischen  Kreide  und  Tertiär  bei  Dresden,  S.  108. 
Wiechel,  H.:  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen.  Mit  1 Karte.  S.  18. 


Die  Axitoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen, 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder  - Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


t 

Dr.  Friedrich  Raspe. 

Am  7.  April  1901  verschied  in  Dresden  der  Chemiker  Dr.  Friedrich 
Raspe,  wirkliches  Mitglied  unserer  Gesellschaft  seit  1880. 

Friedrich  Raspe  wurde  am  15.  März  1836  in  Rostock  geboren,  wo  sein 
Vater  als  Professor  der  Rechte  an  der  Universität  wirkte.  Nach  dem 
Besuch  des  Gymnasiums  seiner  Vaterstadt  und  nach  dem  Abschluss  seiner 
Lehrzeit  als  Apotheker  in  Hamburg  war  er  mehrere  Jahre  als  Apotheker- 
gehülfe  in  Chemnitz  und  Gotha  thätig  und  studirte  dann  in  Rostock,  wo 
er  1862  den  Doctorgrad  erlangte.  1863  associirte  er  sich  mit  dem  Apo- 
theker Minder  in  Moskau,  um  eine  von  diesem  geplante,  mit  der  Apo- 
theke verbundene  Mineralwasserfabrik  einzurichten.  Durch  unermüdliche 
Thätigkeit  und  peinlichste  Sorgfalt  bei  der  Herstellung  der  künstlichen 
Mineralwässer  der  verschiedensten  Art  brachte  er  diese  Fabrik  schnell  zu 
grosser  Blüthe.  1866  verheirathete  er  sich  mit  Marie  Feuereisen  und 
lebte  mit  ihr  bis  zu  seinem  Tode  in  glücklichster,  durch  sieben  Kinder 
gesegneter  Ehe.  Die  anstrengende  Thätigkeit  und  das  für  ihn  ungünstige 
Klima  von  Moskau  erschütterten  seine  Gesundheit  leider  derart,  dass  er 
sich  genöthigt  sah,  1877  seinen  Wirkungskreis  aufzugeben;  seitdem  lebte 
er  mit  seiner  Familie  in  Dresden  in  leidlich  wiederhergestellter  Gesundheit. 

Die  unfreiwillige  Muse,  zu  der  der  energische  und  an  rastloses 
Schaffen  gewöhnte  Mann  schon  mit  41  Jahren  gezwungen  war,  füllte  er 
mit  praktischen  Arbeiten,  z.  B.  mit  der  Herstellung  von  Obstweinen,  vor 
allem  aber  mit  chemischen  Untersuchungen  und  litterarischen  Arbeiten 
aus  dem  Gebiete  seiner  früheren  Thätigkeit  aus.  1885  erschien  bei 
Wilhelm  Baensch  in  Dresden  sein  hervorragendes  Werk  ,, Heilquellen- 
Analysen  für  normale  Verhältnisse  und  zur  Mineralwasserfahrikation  be- 
rechnet auf  10000  Theile“,  in  welchem  alte  und  neue  Analysen  der  Heil- 
quellen fast  aller  Badeorte  der  Erde  kritisch  gesichtet  und  zum  Zwecke 
der  bequemeren  Handhabung  für  den  Fabrikanten  nach  einheitlichen  Ge- 
sichtspunkten umgerechnet  sind.  Die  hier  mit  ganz  ungewöhnlicher  Sorg- 
falt und  ausserordentlicher  Gewissenhaftigkeit  aufgestellten  Tabellen  bilden 
eine  wesentliche  Besonderheit  der  kurz  vor  Raspe’s  Hinscheiden  erschienenen 
vierten  Auflage  von  L.  von  Bertenson’s  „Heilwässer,  See-  und  Schlamm- 
bäder in  Russland  und  im  Auslande“.  In  der  Vorrede  zu  diesem  Werke 
gedenkt  der  Verfasser  mit  besonderer  Dankbarkeit  der  mühevollen  und 
selbstlosen  Hülfe,  die  ihm  Raspe’s  bis  in  die  neueste  Zeit  fortgesetzten 
Untersuchungen  gewährt  haben.  Das  Material  für  den  grössten  Theil  einer 

* 


neuen  vermehrten  und  umgearbeiteten  Auflage  seines  umfangreichen  Werkes 
über  die  HeiL^aellen- Analysen  hat  Fr.  Raspe  hinterlassen.  Zahlreiche 
kleinere  Abhandlungen  aus  seiner  Feder  finden  sich  in  verschiedenen  Fach- 
zeitschriften, im  Archiv  für  Hygiene  eine  Arbeit  über  ,, Frauenmilch  und 
künstliche  Ernährung  der  Säuglinge“,  auf  Grund  eigener  Untersuchungen 
der  Milch  verschiedener  Frauen  von  der  ersten  Woche  bis  zum  vollendeten 
ersten  Lebensjahre  des  Säuglings;  in  den  achtziger  Jahren  in  der  Zeit- 
schrift für  Mineralwasserfabrikation  eine  Reihe  von  Aufsätzen,  in  denen  er 
das  Verfahren  der  Fabrikation  wesentlich  aufklärte  und  sich  energisch 
gegen  die  Kunstbrunnenwässer  ä la  Appollinaris  aussprach;  in  der  Zeit- 
schrift für  die  gesammte  Kohlensäure -Industrie  noch  1896  eine  Abhand- 
lung über  „Die  Angabe  der  Mineralwasser- Analysen  in  Form  von  Ionen“. 

Im  Jahre  1880  trat  der  Verewigte  als  wirkliches  Mitglied  in  unsere 
Gesellschaft  ein  und  nahm  mit  regem  Interesse  bis  kurz  vor  seinem  Tode 
an  den  Sitzungen  derselben  Theil,  selbst  durch  zahlreiche  kleinere  Mit- 
theilungen, Vorlagen  und  einzelne  grössere  Vorträge,  u.  a.  über  den  Ein- 
fluss der  Wasserleitung  und  der  Canalisation  auf  die  Infection  und  die 
Desinfection  des  Bodens,  über  Untersuchungen  der  Frauenmilch,  über  einen 
alten  Begräbnissplatz  bei  Moskau,  zur  Belebung  der  wissenschaftlichen  Ver- 
handlungen nicht  unwesentlich  beitragend.  In  den  Jahren  1883 — 1885 
gehörte  er  dem  Vorstande  der  Sectionen  für  Zoologie  und  für  vorgeschicht- 
liche Forschungen  an,  Anfang  1888  berief  ihn  das  Vertrauen  unserer  Mit- 
glieder in  den  Verwaltungsrath  der  Gesellschaft,  dem  er  bis  zu  seinem 
Tode  angehörte  und  als  dessen  Vorsitzender  er  in  den  Jahren  1891 — 1897 
die  vermögensrechtlichen  Angelegenheiten  der  Isis  mit  grosser  Hingebung 
leitete. 

Asthmatische  Leiden,  zu  denen  er  den  Grund  schon  früher  gelegt 
hatte,  quälten  ihn  seit  einigen  Jahren  derart,  dass  er  trotz  energischen 
Kampfes  seiner  Willenskraft  gegen  die  Leiden  seines  Körpers  allmählich 
jede  ernstliche  Arbeit  einstellen  und  auch  den  Sitzungen  unserer  Gesell- 
schaft oftmals  fernbleiben  musste.  Am  7.  April  1901  verschied  er  nach 
kurzer  Krankheit  an  Herzlähmung,  betrauert  von  Allen,  die  ihm  im  Leben 
nahe  gestanden  und  seinen  scharfen  Verstand,  seine  Willenskraft  und  die 
unbedingte  Rechtlichkeit  seines  Charakters  kennen  gelernt  hatten.  Unsere 
Gesellschaft  wird  dem  Verewigten  in  dankbarer  Anerkennung  seiner  Ver- 
dienste ein  dauerndes  Andenken  bewahren. 


Verzeiclmiss  der  Mitglieder 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden 

im  Juni  1901. 


Berichtigungen  bittet  man  an  den  Secretär  der  Gesellschaft, 
d.  Z.  Prof.  Dr.  J.  Y.  Deichmiiiler  in  Dresden,  K.  Mineral.  - geologisches  Museum  im 

Zwinger,  zu  richten. 


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L Wirkliche  Mitglieder. 

A.  in  Dresden,  jaurder 

Aufnahme. 

1.  Alvenslelbeii,  Ludw.  Osc.  von,  Landschaftsmaler,  Kaitzerstr.  7 1895 

2.  Baensclij  Wilh.,  Yerlagsbuchhandlung  und  Buchdruckerei,  Waisenhausstr.  34  1898 

3.  Barth,  Gurt,  Dr.  phil,  Chemiker  an  der  städtischen  G-asanstalt,  Königshriicker- 

strasse  97  ....  1899 

4.  Baumeyer,  Gr.  Hermann,  Privatus,  Holbeinstr.  38  1852 

5.  Beck,  P.  Heinr.,  Bezirksschullehrer,  Lortzingstr.  15 1896 

6.  Beckel,  Eduard,  em.  Lehrer,  Schandauerstr.  33  1900 

7.  Becker,  Herrn.,  Dr.  med.,  Pragerstr,  46  1897 

8.  Beiger,  Grottl.  Bud.,  Bürgerschullehrer,  Wittenbergerstr.  67  ......  . 1893 

9.  Berger,  Carl,  Dr.  med.,  Struvestr.  14 1898 

10.  Bernkopf,  G-eorg,  Bildhauer,  Wittenbergerstr.  43  1900 

11.  Besser,  C.  Ernst,  Professor  a.  D., , Löbtauerstr.  24  1863 

12.  Beyer,  Th.  Washington,  Maschinenfabrikant,  Grossenhainerstr.  19 1871 

13.  BeytMen,  Adolf,  Dr.  phiL,  Director  des  ehern.  Untersuchungsamtes  der  Stadt 

Dresden,  Lothringerstr.  2 1900 

14.  Biedermann,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Thierärztlichen  Hochschule 

und  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Eabenerstr.  7 1898 

15.  Bley,  W.  Carl,  Apothekenverwalter  am  Stadtkrankenhause,  Friedrichstr.  39  . 1862 

16.  Bock,  G.  Max.,  Dr.  phil , Fabrikbesitzer,  Beethovenstr.  3 1900 

17.  Böttger,  Adolf,  Realschuloberlehrer,  Zölliierstr.  19  . 1897 

18.  Bose,  0.  Mor.  von,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Leipzigerstr.  11 1868 

19.  Botke,  F.  Alb.,  Dr.  phil,  Professor,  Conrector  an  der  Dreikönigschule,  Tieck- 

strasse  9 1859 

20.  Ca  ’herla,  Gust.  Mor.,  Privatus,  Bürgerwiese  8 . 1846 

21.  Ca  .berla,  Heinr.,  Privatus,  Bürgerwiese  8 . . . 1897 

22.  Crnsius,  Georg,  Dr.  phil.,  Privatus,  Lindengasse  24 1888 

23.  Cüppers,  Friedr.,  Kaufmann,  Comeniusstr.  43  1896 

24.  Belchmüller,  Joh.  Vict.,  Dr.  phil.,  Professor,  Custos  des  K.  Mineral.-geolog. 

Museums  nebst  der  Prähistor.  Sammlung,  Fürstenstr.  64  1874 

25.  Bensf,  Paul,  Dr.,  Ingenieur,  Reichenbachstr.  13 1901 

26.  Dörng,  Herrn.,  Bezirksschuloberlehrer,  Reissigerstr.  19 1885 

27.  Boering,  Carl,  Bezirksschullehrer,  an  der  Ziegelscheune  22. 1899 

28.  Br  j 9,  Osc.,  Dr.  phil.,  Geh. Hofrath,  Professor  an  der  K. Technischen  Hochschule 

und  Director  des  K.  Botanischen  Gartens,  Stübel- Allee  2 1879 

29.  Ebertj  Gust.  Rob.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.,  Gr.  Plauenschestr.  15  ...  . 1863 

30.  Ebert,  Otto,  Lehrer  an  der  Taubstummenanstalt,  Löbtauerstr.  9 1885 

31.  Elinert,  Osc.  Max,  Yermessungsingenieur,  Zinzendorfstr.  50 1893 

32.  Engelhardt,  Bas.  von,  Dr.  phil,  Kais.  Russ.  Staatsrath,  Astronom,  Liebig- 

strasse  1 .....  • 1884 

33.  Engelhardt,  Herrn.,  Professor  an  der  Dreikönigschule,  Bautznerstr.  34 . . . 1865 

34.  Fischer,  Hugo  Rob.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Schnorr- 

strasse 57  . 1879 

35.  Flachs,  Rieh.,  Dr.  med.,  Pragerstr.  21 1897 

36.  Foerster,  J.  S.  Friedr.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Werderstr.  23  ...  1895 

37.  Freude,  Aug.  Bruno,  Bürgerschullehrer,  Peterstr.  40  1889 

38.  Freyer,  Carl,  Bürgerschullehrer,  Tittmannstr.  25  1896 


X 


Jahr  der 
Aufnahme. 

39.  Friedricli,  Edm.,  Dr.  med.,  Sanitätsratli,  Lindengasse  20  1865 

40.  Frölicli,  Gust.,  K.  HofarcMtect  und  Hofbauinspector,  Ludwig  Richterstr.  9 . 1888 

41.  Galewskjj  Eug.  Eman.,  Dr.  med.,  Waisenhausstr.  8 1899 

42.  Gebliardt,  Mart.,  Dr.  pMl.,  Oberlehrer  am  Vitztlium’schen  Gymnasium,  Winckel- 

mannstr.  47  1894 

43.  Geinitz,  0.  Leop.,  Büreau- Assistent  an  den  K.  Sächs.  Staatsbahnen,  Lindenau- 

strasse  10 1886 

44.  Giseke,  Carl,  Privatus,  Franklinstr.  9 , 1893 

45.  Grayelius,  Harry,  Dr.  phil.,  Astronom,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Reissigerstr.  13 1897 

46.  Grosse,  C.  Joh.,  Dr.  med.,  Kyffhäuserstr.  20  1895 

47.  Grub,  Carl,  Stabsapotheker  a.  D.,  Hassestr.  6 1890 

48.  Grübler,  Mart.,  Kais.  Russ.  Staatsrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 
schule, Sedanstr.  18 1900 

49.  Grimdler,  Joh.,  Dr.  med.,  Comeniusstr,  31 1897 

50.  Gübiie,  Herrn  Beruh.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Jägerstr.  28  1896 

51.  Günther,  Rud.  Biederm.,  Dr.  med..  Geh.  Rath,  Präsident  des  K.  Landes- 

medicinal- Collegiums,  Eliasstr.  22  1873 

52.  Guthmann,  Louis,  Fabrikbesitzer,  Pragerstr.  34  1884 

53.  Hänel,  F.  Paul,  Chemiker,  Hertelstr.  29  1899 

54.  Hallwachs,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Münchnerstr.  2 1893 

55.  Hartmann,  Alb.,  Ingenieur,  Reichenbachstr.  11 1896 

56.  Hefelmann,  Rud.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Schreibergasse  6 1884 

57.  Heger,  Gust.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  und 

am  'Wettiner  Gymnasium,  Winckelmannstr.  37  1868 

58.  Heinrich,  Carl,  Buchdruckereibesitzer,  Nieritzstr.  14 1898 

59.  Heller,  Carl,  Dr.  phil.,  Custos  des  K.  Zoolog,  und  Anthrop.-ethnogr.  Museums, 

Franklinstr.  22 • 1900 

60.  Helm,  Georg  Ferd.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Lindenaustr.  1 a 1874 

61.  Hempel,  Waith.  Matthias,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Tech- 

nischen Hochschule,  Zelleschestr.  44  1874 

62.  Henke,  C.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor,  Conrector  an  der  Annenschule,  Lindenau- 

strasse  9 1898 

63.  Hertwig,  Theod.,  Bergdirector  a.  D.,  Holbeinstr.  26  1888 

64.  Hirt,  F.  Rob.,  Stadtrath  a.  D.,  Fabrikbesitzer,  Bürgerwiese  1 1886 

65.  Hofmann,  Alex.  Emil,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Goethestr.  5 1866 

66.  Hoyer,  C.  Ernst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Realschule,  Schubertstr.  29  1897 

67.  Hübner,  Georg,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Am  Markt  3 und  4 1888 

68.  Jabr,  J.  Rieh.,  Photochemiker,  Schubertstr.  15 1899 

69.  Jenke,  Andreas,  Bezirksschullehrer,  Circusstr.  10 1891 

70.  Jentscli,  Joh.  Aug.,  Bezirksschullehrer,  Eisenbergerstr.  13 1885 

71.  Jühling,  Frz.,  Streichinstrum.-  und  Saitenfabrikant,  Stephanienstr.  43  . . . 1900 

72.  IMe,  Carl  Herrn.,  Professor  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Kamenzerstr.  9 1894 

73.  Kämnitz,  Max,  Chemiker,  Bautznerstr.  79  1894 

74.  Käseberg,  Mor.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Institutslehrer,  Kl.  Plauenschestr.  29  . . . 1886 

75.  Kalkowsky,  Ernst,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule 

und  Director  des  K.  Miner.-geolog.  Museums  nebst  der  Prähistor.  Sammlung, 
Franklinstr.  32  1894 

76.  Kayser,  Agnes,  Sanitätsraths -Wittwe,  Terrassenufer  3 1883 

77.  Kelling,  Ein.  Georg,  Dr.  med.,  Christianstr.  30  1899 

78.  Klälir,  Max.,  Realscliullehrer,  Bergmannstr.  18 1899 

79.  Klein,  Herrn.,  Dr.  phil,  Professor  a.  D.,  Grosse  Plauenschestr.  15  ....  1863 

80.  Klette,  Alphons,  Privatus,  Residenzstr.  18 1883 

81.  König,  Clem.,  Professor  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Katharinenstr.  16.  1890 

82.  Kopeke,  Clauss,  Geh.  Rath,  Strehlenerstr.  25  1877 

83.  Kranse,  Mart.,  I)r.  phil.  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Kaitzerstr.  12 1888 

84.  Krone,  Herrn.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Josephinenstr.  2 1852 

85.  Kühnseberf,  Emil,  Fabrikbesitzer,  Gr.  Plauenschestr.  20  1866 

86.  Knntze,  F.  Alb.  Arth.,  Bankier,  an  der  Kreuzkirche  1 1880 

87.  Ledebnr,  Hans  Em.  Freiherr  von,  Friedensrichter,  Uhlandstr.  6 . ...  1885 

88.  Ledien,  Franz,  Garten-Inspector  am  K.  Botanischen  Garten,  Stübel- Allee  2 1889 


XI 


JaJir  der 
Aufnahme. 

89.  Lehmann,  F.  Georg’,  K.  Hofbuchhändler,  Albrechtstr.  22 1898 

90.  Leuner,  F.  Osc.,  Ingenieur,  Lannerstr.  3 1885 

91.  Lewicki,  J.  Leonidas,  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Zelleschestr.  29  1875 

92.  Lohmann,  Hans,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Falkenstr.  7 . 1896 

93.  Lohrmann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  II.  Realschule,  Struvestr.  34  1892 

94.  Lottermoser,  C.  A.  Alfred,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Zelleschestr.  31 1898 

95.  Ludwig,  J.  Herrn.,  Bezirksschullehrer,  Wintergartenstr.  58  1897 

96.  Mann,  Max  Georg,  Dr.  med.,  Ostra- Allee  7 1900 

97.  Meier,  E.  F.  Gust.,  Gymnasiallehrer,  Gr.  Plauenschestr.  17/19 1900 

98.  Meinert,  Eug.,  Dr.  jur.,  Moltkeplatz  3 1895 

99.  Meissner,  Herrn.  Linus,  Bürgerschullehrer,  Löbtauerstr.  24 1872 

100.  Menzel,  Paul,  Dr.  med.,  Mathildenstr.  46  1894 

101.  Meyer,  Ad.  Beruh.,  Dr.  med..  Geh.  Hofrath,  Director  des  K.  Zoolog,  und 

Anthrop.-ethnogr.  Museums,  Wienerstr.  43  1875 

102.  Meyer,  Ernst  von,  Dr.  phil..  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Lessingstr.  6 1894 

103.  Modes,  Herrn.,  Ingenieur,  Antonstr.  18 1887 

104.  Möhlau,  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Semperstr.  4 1895 

105.  Mollier,  Rob.  Rieh.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Uhlandstr.  40  1897 

106.  Morgenstern,  Osc.  Wold.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Chemnitzerstr.  21  1891 

107.  Mühlfriedel,  Rieh.,  Bezirksschuloberlehrer,  Ludwigstr.  1 1898 

108.  Müller,  C.  Alb.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  öffentlichen  Handelslehranstalt, 

Albrechtstr.  35  1888 

109.  Müller,  Herrn.  Otto,  Forstassessor,  Circusstr.  6 1896 

HO.  Müller,  Max  Erich,  Dr.  phil,  Chemiker,  Wasastr.  15 1898 

111.  /Naumann,  0.  Arno,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Botanischen  Garten  und  Lehrer 

an  der  Gartenbauschule,  Nicolaistr.  19 1889 

112.  Nessig,  Rob.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Lutherplatz  9 . 1893 

113.  Niedner,  Ohr.  Franz,  Dr.  med.,  Obermedicinalrath,  Stadtbezirksarzt,  Winckel- 

mannstrasse  33  1873 

114.  T^owotny,  Franz,  Oberfinanzrath  a.  D.,  Chemnitzerstr.  27  1870 

115.  Pattenkausen , Beruh.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  und 

Director  des  K.  Mathem.-physikaL  Salons,  Eisenstuckstr.  43  1893 

116.  Paulack,  Theod.,  Apotheker,  Paul  Gerhardtstr.  4 1898 

117.  Pestei,  Rieh.  Martin,  Mechaniker  und  Optiker,  Hauptstr.  1 und  3 . . . . 1899 

118.  Peuckert,  F.  Adolf,  Institutslehrer,  Seilergasse  2 1873 

119.  Pfitzner,  Paul,  Dr.  phil.,  Gymnasiallehrer,  Fürstenstr.  3 1901 

120.  Pötschke,  Jul.,  Techniker,  Gärtnergasse  5 1882 

121.  Pohle,  Rieh.,  Ingenieur,  Schweizerstr.  12 1897 

122.  Polscher,  A.,  Zahnkünstler,  Pragerstr.  13 1897 

123.  Prinzhorn,  Joh.  Ludw.,  Pastor  und  Director  a.  D.,  Zinzendorfstr.  13  . 1896 

124.  Putscher,  J.  Wilh.,  Privatus,  Bergstr.  4:4  \ 1872 

125.  Raheuhorst,  G.  Ludw.,  Privatus,  Stolpenerstr.  8 . 1881 

126.  Range,  E.  Alb.,  Finanz-  und  Baurath,  Moltkeplatz  9 1898 

127.  Rehenstorff,  Herrn.  Alb.,  Oberlehrer  beim  K.  Cadettencorps,  Priessnitzstr.  2 1895 

128.  Reichardt,  Alex.  Wilibald,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gymnasium, 

Chemnitzerstr.  35  1897 

129.  Renk,  Friedr.,  Dr.  med..  Geh.  Medicinalrath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule  und  Director  der  Centralstelle  für  öffentliche  Gesundheitspflege, 
Residenzstr.  16 1894 

130.  Richter,  C.  Wilh.,  Dr.  med.,  Hähnelstr.  1 1898 

131.  Richter,  Conr.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Leipzigerstr.  9 1895 

132.  Risch,  Osc.,  Privatus,  Gutzkowstr.  10 1893 

133.  Röhner,  C.  Wilh.,  Bezirksschullehrer,  Elisenstr.  16 ' . 1898 

134.  Rohn,  Carl,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hoch- 

schule, Liebigstr.  18 1885 

135.  Salhach,  Franz,  Ingenieur,  Yictoriastr.  3 1895 

136.  Schanz,  Alfr.,  Dr.  med.,  Räcknitzstr.  13 1897 

137.  Scheele,  Curt,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  Wettiner  Gymnasium,  Blasewitzer- 

strasse  13 1893 


XII 


Jahr  der 
Aufnahme. 


138.  Schiller,  Carl,  Privatus,  Bautznerstr.  47  1872 

139.  Schlossmann,  Arth.  Herrn.,  Dr.  med.,  Privatdocent  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Franklinstr.  7 ..........  1896 

140.  Schmidt,  Herrn.  Gr.,  Bezirksschullehrer,  Niederwaldstr.  15 1898 

141.  Schneider,  Beruh.  Alfr.,  Dr.  phil.,  Corpsstabsapotheker,  Bietschelstr.  14  . . 1895 

142.  Schniise,  Wilh.,  Privatus,  Werderstr.  22  1901 

143.  Schöpf,  Adolf,  Betriebsdirector  des  Zoologischen  Gartens,  Thiergartenstr.  1 1897 

144.  Schorler,  Beruh.,  Dr.  phil.,  Bealschullehrer  und  Assistent  an  der  K.  Tech- 

nischen Hochschule,  Haydnstr.  5 . . 1887 

145.  Schulze,  Georg,  Dr.  phil,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Markgrafen- 

strasse 34  1891 

146.  Schulze,  Jul.  Ferd.,  Privatus,  Liebigstr.  2 1882 

147.  Schuster,  Osc.,  Generalmajor  z.  D.,  Sedanstr.  1 1869 

148.  Schwede,  Pud.,  Chemiker,  Gutzkowstr.  28  1901 

149.  Schweissinger,  Otto,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Medicinalassessor,  Dippoldis- 

waldaerplatz  3 ......................  1890 

150.  Schweizer,  Mor.,  Bürgerschullehrer,  Kl.  Plauenschestr.  12 1891 

151.  Seyde,  F.  Ernst,  Kaufmann,  Strehlenerstr.  29  1891 

152.  Siegert,  Theod.,  Professor,  Antonstr.  16 1895 

153.  Siemens,  Friedr.,  Dr.  ing.,  Civilingenieur  und  Fabrikbesitzer,  Liebigstr.  4 1872 

154.  Siemers,  Auguste,  Privata,  Schnorrstr.  45  1872 

155.  Siemers,  Florentine,  Tonkünstlers  Wittwe,  Schnorrstr.  45  1872 

156.  Stiefelhagen,  Hans,  Bezirksschullehrer,  Lüttichaustr.  13 1897 

157.  Streit,  Wilh.,  Yerlagsbuch-  und  Kunsthändler,  Uhlandstr.  8 1897 

158.  Stresemann,  Bich.  Theod.,  Dr.  phil.,  Apotheker,  Pesidenzstr.  42  ....  1897 

159.  Struve,  Alex.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer,  Struvestr.  8 . . . . 1898 

160.  Stübel,  Mor.  Alphons,  Dr.  phil.,  Geolog,  Feldgasse  10 1856 

161.  Stutz,  Ludw.,  Docent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  Schnorrstr.  38  . 1900 

162.  Teichmaiin,  Balduin,  Major  a.  D.,  Comeniusstr.  16 1895 

163.  Tempel,  Paul,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Keustadt,  Markgrafen- 

strasse 37  1891 

164.  Thallwitz,  Joh.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Annenschule,  Schnorrstr.  70  . 1888 

165.  Thiele,  Carl,  Apotheker,  Leipzigerstr.  60  1900 

166.  Thiele,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  Winckelmannstr.  27  1895 

167.  Thonner,  Franz,  Privatus,  Uhlandstr.  9 1896 

168.  Toepler,  Aug.,  Dr.  phil.  et  med..  Geh.  Hofrath,  Professor  a.  D.,  Winckel- 

mannstr. 43  1877 

169.  Toepler,  Max.,  Dr.  phil.,  Privatdocent  und  Adjunct  an  der  K.  Techn.  Hoch- 

schule, Winckelmannstr.  43  1896 

170.  Ulbricht,  F.  Pich.,  Dr.  phil.,  Oberbaurath,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Strehlenerstr.  43  1885 

171.  Umlauf,  Carl,  Dr.  phil,  Oberlehrer  an  der  Dreikönigschule,  Schillerstr.  40  . 1897 

172.  Yetters,  Carl  W.  E.,  em.  Bürgerschuloberlehrer,  Görlitzerstr.  28  1865 

173.  Yiehmeyer,  Hugo,  Bezirksschullehrer,  Peissigerstr.  21  . . 1898 

174.  Yieth,  Joh.  von,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  am  K.  Gymnasium  zu  Neustadt,  Arndt- 

strasse 6 1884 

175.  Yogel,  G.  Clem.,  Bezirksschullehrer,  Lindenaustr.  25  1894 

176.  Yogel,  J.  Carl,  Fabrikbesitzer,  Leubnitz  er  str.  14 1881 

177.  Yorländer,  Herrn.,  Privatus,  Parkstr.  2 1872 

178.  Wähmanu,  Friedr.,  Bezirksschullehrer,  Hüblerstr.  10 1898 

179.  Wagner,  Paul,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  I.  Pealschule,  Hüblerstr.  9 . . 1897 

180.  Walther,  Peinhold  Freiherr  von,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen 

Hochschule,  Schnorrstr.  40  1895 

181.  Weber,  Friedr.  Aug.,  Institutslehrer,  Circusstr.  34  1865 

182.  Weigel,  Johannes,  Kaufmann,  Marienstr.  12 1894 

183.  Weissbach,  Pob.,  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule, 

Schnorrstr.  5 1877 

184.  Werther,  Johannes,  Dr.  med.,  Pragerstr.  15 1896 

185.  Wiechel,  Hugo,  Finanz-  und  Baurath,  Bismarckplatz  14 1880 

186.  Wilkens,  Carl,  Dr.  phil.,  Director  der  Steingutfabrik  von  Villeroy  & Boch, 

Leipzigerstr.  4 1876 

187.  Witting,  Alex.,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Kreuzschule,  Waterloostr.  13  . 1886 

188.  Wobst,  Carl,  Professor  an  der  Annenschule,  Ammonstr.  78  . 1868 


189.  Worgitzky,  Eug.  Georg,  Dr.  phil.,  Oberlehrer  an  der  Kreuzschule,  Elisenstr.  28  1894 


XIII 


Jahr  der 
Aufnahme. 

190.  Zeuner,  Gust.,  Dr.  pMl-,  Geh.  Eath,  Professor  a.  D.,  Lindenaustr.  1 a . . . 1874 

191.  Zielte,  Otto,  Apotheker,  Altmarkt  10 1899 

192.  Zipfel,  E.  Aug.,  Oberlehrer  und  Dirigent  der  II.  städtischen  Fortbildungs- 

schule, Zöllnerstr.  7 1876 

193.  Zschuppe,  F.  Aug.,  Finanz -Yermessungsingenieur,  Holbeinstr.  15  ...  . 1879 

B.  Ausserhalb  Dresden. 

194.  Beck,  Ant.  Eich.,  Forstassessor  in  Tharandt 1896 

195.  Bergt,  Waith.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Technischen  Hochschule  und 

Assistent  am  K.  Mineral.- geolog.  Museum,  in  Plauen  b.  Dr.,  Bienertstr.  19  1891 

196.  Boxherg,  Georg  von,  Eittergutsbesitzer  auf  Eehnsdorf  bei  Kamenz  . . . 1883 

197.  Carlowitz,  Carl  von,  K.  Kammerherr,  Majoratsherr  auf  Liebstadt  ....  1885 

198.  Contractor,  Koshirvan,  Student  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  . . 1899 

199.  Degenkolh,  Herrn.,  Eittergutsbesitzer  auf  Eottwerndorf  bei  Pirna  ....  1870 

200.  Dressier,  Heinr.,  Seminar-Oberlehrer  in  Plauen  b.  Dr.,  Eeisewitzerstr.  30  . 1893 

201.  Drosshach,  G.  P.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Freiberg 1897 

202.  Engelhardt,  Eud.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Eadebeul,  Goethestr.  7 . . . . 1896 

203.  Pickel,  Joh.,  Dr.  phil,  Professor  am  Wettiner  Gymnasium,  in  Alt-Gruna, 

Pirnaischestr.  37 ' 1894 

204.  Francke,  Hugo,  Dr.  phil.,  Mineralog  in  Plauen  b.  Dr.,  Eathhausstr.  5 . . . 1889 

205.  Fritzsche,  Felix,  Privatus  in  Niederlössnitz,  Wilhelmstr.  2 1890 

206.  Günther,  Osw.,  Chemiker  in  Pirna,  Gartenstr 1899 

207.  Günther,  Eich.,  Architect  in  Blasewitz,  Forsthausstr.  7 1891 

208.  Hähle,  Herrn.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Eadebeul,  Albertstr.  5 1897 

209.  Jacohy,  Julius,  K.  Hofjuwelier  in  Blasewitz,  Emser  Allee  12 1882 

210.  Jentzsch,  Albin,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Eadebeul,  Goethestr.  181  . . 1896 

211.  Keil,  Eich.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.,  Fabrikbesitzer  in  Eadebeul,  Garten- 

strasse 18 1873 

212.  Kesselmeyer,  Charles,  Esqu.,  in  Bowdon,  Cheshire 1863 

213.  Klette,  Emil,  Privatus,  in  Trachenberge  b.  Dr.,  Kändlerstr.  8 . . . . • 1895 

214.  Krutzsch,  Herrn.,  K.  Oberförster  in  Hohnstein  . . . • 1894 

215.  Lewicki,  Ernst,  Ingenieur,  Adjunct  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  in 

Plauen  b.  Dr.,  Bernhardstr.  20  1898 

216.  Müller,  Eud.  Ludw.,  Dr.  med.  in  Blasewitz,  Friedrich  Auguststr.  25  . . . 1877 

217.  Naetsch,  Emil,  Dr.  phil.,  Privatdocent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  in 

Blasewitz,  Striesenerstr.  5 1896 

218.  Naumann,  Bruno,  Geh.  Commerzienrath  in  Losch witz,  Bautznerstr.  20  . . 1900 

219.  Oshorne,  Wilh.,  Privatus  in  Serkowitz,  Wasastr.  1 1876 

220.  Oshorne,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Chemiker,  in  Serkowitz,  Wasastr.  1 1898 

221.  Ostermaier,  Joseph,  Kaufmann  in  Blasewitz,  Striesenerstr.  27  1896 

222.  Petrasclieck , Wilh.,  Dr.  phil.,  Assistent  am  mineralog.  Institut  der  K. 

Technischen  Hochschule,  in  Plauen  b.  Dr.,  Hohestr.  17 1900 

223.  Reihisch,  Theod.,  Privatlehrer  in  Plauen  b.  Dr.,  Bienertstr.  24  1851 

224.  Richter,  F.  Arth.,  Privatus  in  Blasewitz,  Marschall- Allee  18 1899 

225.  Scheidhauer,  Eich.,  Civilingenieur  in  Blasewitz,  Thielaustr.  4 1898 

226.  Schreiter,  Br.,  Bergdirector  a.  D.  in  Berggiesshübel 1883 

227.  Schunke,  Th.  Huldreich,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer,  in  Blasewitz,  Waldpark- 

strasse 2 1877 

228.  Seidel,  T.  J.  Eudolf,  Kunst-  und  Handelsgärtner  in  Laubegast,  Uferstr.  7 . 1899 

229.  Süss , P. , Dr.  phil. , Assistent  an  der  K.  Technischen  Hochschule,  in  Blase- 

^ witz,  Dohnaerstr.  4 1899 

230.  Thoss,  Fr.  Aug.,  Seminaroberlehrer  in  Plauen  b.  Dr.,  Hohestr.  56  ...  . 1898 

231.  Thümer,  Ant.  Jul.,  Institutsdirector  in  Blasewitz,  Eesidenzstr.  12  ...  . 1872 

232.  Weher,  Eich.,  Apotheker  in  Königstein  a.  E 1893 

233.  Weinmeister,  Joh.  Philipp,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in 

Tharandt 1900 

234.  Wislicenus,  Adolf,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  1899 

235.  Wolf,  Curt,  Dr.  med.,  K.  Polizeiarzt  in  Plauen  b.  Dr.,  Eeisewitzerstr.  22  . 1894 

236.  Wolf,  Theod.,  Dr.  phil,  Privatgelehrter  in  Plauen  b.  Dr.,  Hohestr.  15  . . . 1891 

237.  Zschau,  E.  Fchgtt.,  Professor  a.  D.  in  Plauen  b.  Dr.,  Poststr.  6 1849 


XIV 


n.  Ehrenmitglieder.  jaur  der 

Aufnahme. 

1.  Agassiz,  Alex.,  Dr.  pMl.,  Curator  a.  D.  des  Museums  of  Comparative  Zoology  in 

Cambridge,  Mass.  . 1877 

2.  Carus,  Jul.  Yict.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Leipzig  . . . 1869 

3.  Credner,  Herrn.,  Dr.  phiL,  Geh.  Bergrath,  Professor  an  der  Universität  und 

Director  der  geologischen  Landesuntersuchung  des  Königreichs  Sachsen  in 
Leipzig  (1869)1895 

4.  Flügel,  Felix,  Dr.  phil.,  Vertreter  der  Smithsonian  Institution  in  Leipzig  . 1855 

5.  Galle,  J.  G.,  Dr.  phil.,  Geh.  Begierungsrath,  Professor  a.  D.  in  Potsdam  . . 1866 

6.  Haugliton,  ßev.  Sam.,  Professor  am  Trinity  College  in  Dublin 1862 

7.  Jones,  T.  Rupert,  Professor  a.  D.  in  London  1878 

8.  Köllicker,  Alb.  von,  Dr.,  Geh.  Rath,  Professor  an  der  Universität  in  Würzburg  1866 

9.  Laube,  Gust.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Prag  ......  1870 

10.  Ludwig,  Friedr.,  Dr.  phil,  Professor  am  Gymnasium  in  Greiz  ....  (1887)1895 

11.  Magnus,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin  .....  1895 

12.  Mercklin,  Carl  von,  Dr.,  Geh.  Rath,  in  Petersburg 1868 

13.  MöM,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  in  Kassel 1875 

14.  Mtsche,  Hinr.,  Dr.  phil.,  Geh.  Hofrath,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in 

Tharandt  1893 

15.  Hostiz-Wallwitz,  Herrn,  von,  Dr.,  Staatsminister  a.  D.  in  Dresden,  Kaiser 

Wilhelmsplatz  10  1869 

16.  Omboni,  Giov.,  Professor  an  der  Universität  in  Padua  ........  1868 

17.  Silva,  Mig.  Ant.  da,  Professor  an  der  Ecole  centrale  in  Rio  de  Janeiro  . . 1868 

18.  Stacke,  Guido,  Dr.  phil.,  K.  K.  Oberbergrath,  Director  der  K.  K.  Geolo- 

gischen Reichsanstalt  in  Wien  . (1877)1894 

19.  Tsckermak,  Gst.,  Dr.,  Hofrath,  Professor  an  der  Universität  in  Wien  . . . 1869 

20.  Yerbeek,  Rogier  D.  M.,  Dr.  phil,  Director  der  geologischen  Landesuntersuchung 

von  Niederländisch-Indien  in  Buitenzorg 1885 

21.  Yirckow,  Rud.,  Dr.  med.,  Geh.  Medicinalrath,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin  1871 

22.  Wolf,  Frz.,  Dr.  phil,  Professor,  Realschuldirector  in  Rochlitz 1895 

23.  Zeuner,  Gust.,  Dr.  phil.  Geh.  Rath,  Professor  a.  D.  in  Dresden,  Lindenaustr.  la  1874 

24.  Zirkel,  Ferd.,  Dr.  phil.  Geh.  Rath,  Professor  an  der  Universität  in  Leipzig  . . 1895 


III.  Correspondirende  Mitglieder. 


1.  Alberti,  Osc.  von,  Bergamtsreferendar  in  Freiberg  . 1890 

2.  Altenkirck,  Gust.  Mor.,  Dr.  phil,  Realschullehrer  in  Osehatz 1892 

3.  Amthor,  C.  E.  A.,  Dr.  phil,  in  Hannover  .............  1877 

4.  Ancona,  Cesare  de,  Dr.,  Professor  am  R,  Instituto  di  studi  superiori  in  Florenz  1863 

5.  Ardissone,  Frz.,  Dr.  phil,  Professor  an  dem  Technischen  Institut  und  der 

Ackerbauschule  in  Mailand 1880 

6.  Artzt,  Ant.,  Vermessungsingenieur  in  Plauen  i.  V 1883 

7.  Aseherson,  Paul,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin  ....  1870 

8.  Bachmann,  Ewald,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Realschule  in  Plauen  i.  V.  . 1883 

9.  Baessler,  Herrn.,  Director  der  Strafanstalt  in  Voigtsberg 1866 

10.  Baldauf,  Rieh.,  Bergdirector  in  Dux 1878 

11.  Baltzer,  Armin,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Universität  in  Bern 1883 

12.  Bernhardt,  Joh.,  Landbauinspector  in  Altenburg,  . . 1891 

13.  Bibliothek,  Königliche,  in  Berlin 1882 

14.  Blanford,  Will  T.,  Esqu.,  in  London  1862 

15.  Blaschka,  Rud.,  naturwissensch.  Modelleur  in  Hosterwitz  .......  1880 

16.  Blochmann,  Rud.,  Dr.  phil,  Physiker  am  Marine-Laboratorium  in  Kiel  . . 1890 

17.  Bombicci,  Luigi,  Professor  an  der  Universität  in  Bologna  1869 

18.  Brusina,  Spiridion,  Professor  an  der  Universität  in  Agram . 1870 

19.  Bureau,  Ed.,  Dr.,  Professor  am  naturhistor.  Museum  in  Paris 1868 

20.  Carstens,  C.  Dietr.,  Ingenieur  in  Varel  ..............  1874 

21.  Conwentz,  Hugo  Wilh.,  Dr.  phil,  Professor,  Director  des  Westpreuss.  Pro- 

vincialmuseums  in  Danzig  . 1886 

22.  Banzig,  Emil,  Dr.  phil,  Oberlehrer  an  der  Realschule  in  Rochlitz  ....  1883 

23.  Bathe,  Ernst,  Dr.  phil,  K.  Preuss.  Landesgeolog  in  Berlin 1880 


XV 


Jahr  der 
Aufnahme. 

24.  Dittmarsch,  A.,  Bergschuldirector  in  Zwickau 1870 

25.  Döll,  Ed.,  Dr.,  Oberrealschuldirector  in  Wien 1864 

26.  Doss,  Bruno,  Dr,  pMl.,  Docent  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga 1888 

27.  Bziediiszycki,  Wladimir  Graf,  in  Lemberg 1852 

28.  Eisei,  Bob.,  Privatus  in  Gera 1857 

29.  Flolir,  Conrad,  Amtsgerichtsrath,  Amtsrichter  in  Leipzig 1879 

30.  Erencli,  C.,  Esqu.,  Governement  Entomologist  in  Melbourne 1877 

31.  Frenzei,  A.,  Dr.  phil.,  Lehrer  an  der  Bergschule  und  K.  HüttenchemikerinEreiberg  1872 

32.  Friederich,  A.,  Dr.  med.,  Sanitätsrath  in  Wernigerode 1881 

33.  Friedrich,  Osc.,  Dr,  phil.,  Professor,  Conrector  am  Gymnasium  in  Zittau  . 1872 

34.  Fritsch,  Ant.,  Dr.  med,,  Professor  an  der  Universität  und  Gustos  am  böhmi- 

schen Landesmuseum  in  Prag 1867 

35.  Gaudry,  Alb.,  Dr.,  Membre  de  Flnstitut,  Professor  am  naturhistorischen 

Museum  in  Paris 1868 

36.  Geheeh,  Adelb.,  Apotheker  in  Freiburg  i.  Br 1877 

37.  Geinitz,  Frz.  Eug.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Rostock  . . . 1877 

38.  Gonnermann,  Max,  Dr.  phil.,  Apotheker  und  Chemiker  in  Rostock  . . . 1865 

39.  Groth,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  München 1865 

40.  Hartung,  H.,  Bergmeister  in  Lobenstein 1867 

41.  Heim,  Alb.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Universität  und  am  Polytechnikum  iiiZürich  1872 

42.  Heine,  Ferd.,  K.  Domänenpächter  und  Klostergutsbesitzer  auf  Hadmersleben  1863 

43.  Hennig,  Georg  Rieh.,  Dr.  phil.,  Docent  am  Kais.  Polytechnikum  in  Riga  . 1888 

44.  Herb,  Salinendirector  in  Traunstein 1862 

45.  Hering,  C.  Adolf,  Berg-  und  Hütteningenieur  in  Freiberg 1895 

46.  Herrmann,  Wilh.,  Dr.  theoi.  et  phil.,  Professor  an  der  Universität  in  Marburg  1862 

47.  Hihsch,  Emanuel,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  Höh.  Ackerbauschule  in  Lieb- 

werd  bei  Tetschen 1885 

48.  Hilgard,  W.  Eug.,  Professor,  an  der  Universität  in  Berkeley,  Californien  . . 1869 

49.  Hilgendorf,  Frz.,  Dr.  phil.,  Professor,  Custos  am  K.  zoolog.  Museum  in  Berlin  1871 

50.  Hirzel,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Leipzig 1862 

51.  Hofmann,  Herrn.,  Bürgerschullehrer  in  Grossenhain 1894 

52.  Hühner,  Ad.,  Oberliüttenmeister  auf  der  Halsbrückner  Hütte  bei  Freiberg  . 1871 

53.  HnU,  Ed.,  Dr.,  Professor  in  London 1870 

54.  Israel,  ,A.,  Oberschulrath,  Seminardirector  a D.  in  Blase witz 1868 

55.  Issel,  Arth.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Genua 1874 

56.  Jentzscli,  Alfr.,  Dr.  phil,  Professor,  K.  Preuss.  Landesgeolog  in  Berlin  . 1871 

57.  Kesselmeyer,  Wilh.,  in  Manchester 1863 

58.  Kirhacli,  Fr.  Paul,  Dr.  phil,  Oberlehrer  an  der  Realschule  in  Meissen  . . 1894 

59.  Klein,  Herrn.,  Herausgeber  der  „Gaea“  in  Köln 1865 

60.  Köhler,  Ernst,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  a.  D.  in  Schneeberg 1858 

61.  König  von  Warthausen,  Wilh.  Rieh.  Freiherr  von,  Kammerherr  auf  Wart- 

hausen bei  Biberach 1855 

62.  Kornhuher,  Andreas  von,  Dr.,  Professor  am  Polytechnikum  in  Wien  . . . 1857 

63.  Krebs,  Willi.,  Privatgelehrter  in  Altona 1885 

64.  Krieger,  W.,  Lehrer  in  Königstein 1888 

65.  Kühn,  Em.,  Dr.  phil.,  Sclmlrath,  Bezirksschulinspector  in  Leipzig  ....  1865 

66.  Kyber,  Arth.,  Chemiker  in  Riga 1870 

67.  Lange,  Theod.,  Dr.  phil,  Apotheker  in  Werningshausen 1890 

68.  Lanzi,  Matthaeus,  Dr.  med.,  in  Rom 1880 

69.  Lapparent,  Alb.  de,  Ingenieur  des  mines,  Professor  in  Paris 1868 

70.  Lefevre,  Theod.,  Dr.,  in  Brüssel  1876 

71.  Le  Jolis,  Aug.,  Dr.  phil.,  Präsident  der  Societe  nation.  des  Sciences  natur. 

et  mathem.  in  Cherbourg 1866 

72.  Leonhardt,  Otto  Emil,  Seminaroberlehrer  in  Nossen 1890 

73.  Lüttke,  Joh.,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Hamburg 1884 

74.  Mayer,  Charles,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Zürich 1869 

75.  Mehnert,  Ernst,  Dr.  phil.,  Seminaroberlehrer  in  Pirna 1882 

76.  Menzel,  Carl,  Oberbergrath,  Bergamtsrath  in  Freiberg 1869 

77.  Möller,  Valerian  von,  Kais.  Russ.  Staatsrath,  Oberberghauptmann  in  Peters- 

burg   1869 

78.  Naschold,  Heinr.,  Dr.  phil,  Fabrikbesitzer  in  Aussig 1866 

79.  Naumann,  Ernst,  Dr.  phil,  Geolog  in  Berlin • . . . 1898 

80.  Naumann,  Ferd.,  Dr.  med.,  Marinestabsarzt  a.  D.  in  Gera 1889 

81.  Naumann,  Herrn.,  Professor  an  der  Realschule  in  Bautzen 1884 


XVI 


Jahr  der 
Aufnahme. 

82.  Nobbe,  Friedr.,  Dr.  phil,  Geh.  Hofrath,  Prof,  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  1864 

83.  Pabst,  Mor.,  Dr.  phil.,  Professor,  Conrector  am  Pealgymnasium  in  Chemnitz  1866 

84.  Pabst,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Custos  der  naturhistor.  Sammlungen  in  Gotha  . . 1881 

85.  Papperitz,  Erwin,  Dr.  phil.,  Oberhergrath,  Professor  an  der  K.  Bergakademie 

in  Freiherg 1886 

86.  Pescbel,  Ernst,  Lehrer  in  Nünchritz 1899 

87.  Petermann,  A.,  Dr.,  Director  der  Station  agronomique  in  Gemhloux  . . . 1868 

88.  Pigorini,  L.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  und  Director  des  Museums 

Kircherianum  in  Pom 1876 

89.  Prasse,  Ernst  Alfr.,  Betriehsingenieur  a.  D.  in  Leipzig 1866 

90.  Rebmann,  Antoni,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Lemberg  ....  1869 

91.  Reiche,  Carl,  Dr.  phil.,  in  Santiago,  Chile 1886 

92.  Reidemeister,  C.,  Dr.  phil.,  Fabrikdirector  in  Schönebeck 1884 

93.  Schimpf ky,  Paul  Bich.,  Lehrer  in  Lommatzsch 1894 

94.  Schlichen,  H.  L.  von.  Oberst  z.  D.  in  Badebeul 1862 

95.  Schneider,  Osc.,  Dr.  phil.,  Professor  a.  D.  in  Blasewitz 1863 

96.  Schnorr,  Veit  Hanns,  Professor  a.  D.  in  Zwickau 1867 

97.  Schreiber,  Paul,  Dr.  phil.,  Professor,  Director  des  K.  Sächs.  Meteorolog. 

Instituts  in  Chemnitz 1888 

98.  Scott,  Dr.  phil.,  Director  der  Meteorological  Office  in  London 1862 

99.  Seidel,  Osc.  Mor.,  Seminaroberlehrer  in  Zschopau 1883 

100.  Seidel,  Heinr.  Beruh.,  Seminaroberlehrer  in  Zschopau 1872 

101.  Seidlitz,  Georg  von,  Dr.  phil,  in  Ludwigsort  bei  Königsberg  i.  Pr.  ...  1868 

102.  Sieber,  Georg,  Bittergutspächter  in  Grossgrabe  bei  Kamenz 1879 

103.  Sonntag,  F.,  Privatus  in  Berlin 1869 

104.  Stanss,  Waith.,  Dr.  phil,  Chemiker  in  Hamburg 1885 

105.  Stephani,  Franz,  Kaufmann  in  Leipzig 1893 

106.  Sterzei,  Joh.  Traug.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  I.  höheren  Mädchenschule 

in  Chemnitz 1876 

107.  Steuer,  Alex.,  Dr.  phil,  Grossherzogi.  Hess.  Landesgeolog  in  Darmstadt  . 1888 

108.  Stevenson,  John  J.,  Professor  an  der  University  of  the  City  in  New-York  1892 

109.  Stossich,  Mich.,  Professor  in  Triest 1860 

HO.  Temple,  Bud.,  Director  des  Landesversicherungsamts  in  Pesth 1869 

111.  Ulbricht,  B.,  Dr.  phil,  Professor  a.  D.  in  Dahme 1884 

112.  Ulrich,  George  H.  F.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  Universität  in  Dunedin, 

Neu- Seeland 1876 

113.  Tater,  Heinr.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt  . 1882 

114.  Tetters,  K.,  Dr.  phil,  Professor  an  den  Technischen  Staatslehranstalten  in 

Chemnitz 1884 

115.  Yoigt,  Bernh.,  Steuerrath,  Bezirkssteuerinspector  in  Chemnitz 1867 

116.  Yoretzsch,  Max,  Dr.  phil,  Professor  am  Herzog!  Ernst-Bealgymnasium  in 

Altenburg 1893 

117.  Wartmann,  B.,  Dr.  med.,  Professor  in  St.  Gallen 1861 

118.  Weinland,  Dav.  Friedr.,  Dr.,  in  Hohen  Wittlingen  bei  Urach 1861 

119.  Weise,  Aug.,  Buchhalter  in  Ebersbach 1881 

120.  Welemeiishy,  Jac.,  Dr.  med.  in  Prag 1882 

121.  White,  Charles,  Dr.,  Curator  am  National -Museum  in  Washington  . . . 1893 

122.  Wiesiier,  Jul.,  Dr.,  Professor  an  der  Universität  in  Wien 1868 

123.  Wolff,  F.  A.,  Seminaroberlehrer  in  Pirna  1883 

124.  Wünsche,  F.  Otto,  Dr.  phil,  Professor  am  Gymnasium  in  Zwickau  . . . 1869 

125.  Zimmermann,  Osc.,  Dr.  phil,  Professor  am  Bealgymnasium  in  Chemnitz  . 1880 


Sitzungsberichte 

der 

N aturwissenschaftlichen  G-esellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1901. 


1.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  21.  Februar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H. 
Nitsche.  — Anwesend  30  Mitglieder  und  Gäste. 

Herr  K.  Ribbe  als  Gast  berichtet  über  die  von  ihm  angestellten 
Versuche,  durch  Einwirkung  hoher  und  niederer  Temperaturen  auf  die 
Jugendstadien  Schmetterlingsvarietäten  künstlich  zu  erzeugen. 

Verwendet  wurden  hierzu  Vanessa  Jo,  V.  Atalanta,  Y.  Poly chlor os , V.  Urticae 
und  V.  Antiopa.  Die  Ergebnisse  dieser  Zuchtversuche  werden  vorgelegt. 

Der  Vorsitzende  lässt  folgende  mit  dem  Inhalt  des  Vortrags  in 
Beziehung  stehende  Werke  herumgehen: 

Weismann,  A.:  Studien  zur  Descendenztheorie.  I.  Ueber  den  Saisondimor- 
phismus der  Schmetterlinge.  Leipzig  1875; 

Derselbe;  Neue  Versuche  zum  Saisondimorphismus  der  Schmetterlinge. 
Jena  1895; 

Fischer,  E.;  Transmutation  der  Schmetterlinge  infolge  Temperaturänderungen. 
Berlin  1895; 

Derselbe:  Experimentelle  Untersuchungen  und  Betrachtungen  über  das  Wesen 
und  die  Ursachen  der  Aberrationen  in  der  Faltergruppe  Vanessa.  Berlin  1896. 

Privatus  K.  Schiller  legt  eine  der  Mediterranfauna  angehörige  Heu- 
schrecke Acridium  tartariciim  (— A.  aegyptium  L.)  in  einem  frischen, 
nach  Dresden  mit  italienischem  Gemüse  eingeschleppten  Exemplare  vor 
und  erläutert  deren  Unterschiede  von  der  eigentlichen  Wanderheuschrecke. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  den  Stimmapparat  der  Cicaden 
unter  Vorlegung  von  Präparaten. 


Zweite  Sitzung  am  11.  April  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 
— Anwesend  35  Mitglieder  und  1 Gast. 

Bibliothekar  K.  Schiller  legt  als  neue  Erwerbung  vor: 

Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft,  Band  XXV, 
Heft  1 und  2. 

Bezirksschullehrer  H.  Viehmeyer  hält  einen  Vortrag  über  die  Frage: 
Wie  finden  die  Ameisen  den  Weg  zu  ihrem  Neste  zurück?  Als 
einschlägige  Litteratur  legt  der  Vortragende  vor: 

Lubbock,  J.;  Ameisen,  Bienen  und  Wespen.  Beobachtung  u.  s.  w.  Leipzig  1883; 
Derselbe:  Die  Sinne  und  das  geistige  Leben  der  Thiere,  insbesonders  der 
Insecten.  Leipzig  1899 ; 

Weismann,  A.;  Wie  sehen  die  Insecten?  Deutsche  Rundschau  1895,  Heft  9; 


4 


Was  mann,  E.:  Die  psychischen  Fähigkeiten  der  Ameisen.  Mit  3 Taf. 
Stuttgart  1899; 

Bethe,  A.:  Dürfen  wir  den  Ameisen  und  Bienen  psychische  Qualitäten  zu- 
schreiben? Bonn  1898. 

Anschliessend  hieran  referirt  der  Vorsitzende  über  einige  von  C.  Chun 
während  der  Reise  der  „Valdivia“  gemachte  Beobachtungen  über  tro- 
pische Ameisen. 

Prof.  Dr.  H.  Nits  che  legt  den  frischen  Kopf  eines  vor  wenigen 
Tagen  in  Grünberg  bei  Hermsdorf,  12  km  nördlich  von  Dresden  erlegten 
Kranichs  vor  und  bespricht  Kopfgefieder  und  Schnabelbau. 

Gustos  Dr.  K.  Heller  hält  unter  Vorlegung  von  Skelett-  und  Eier- 
abbildungen einen  Vortrag  über  die  ausgestorbenen  madagassischen 
Riesenstrausse. 


Dritte  Sitzung  am  20.  Juni  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath.  Prof. 
Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  27  Mitglieder. 

Privatus  K.  Schiller  bespricht  die  Gattungskennzeichen  der  in 
Sachsen  vorkommenden  Hydrachniden  unter  Vorlegung  einiger 
lebender  Thiere,  mikroskopischer  Präparate  und  besonders  vieler  selbst- 
gefertigter Abbildungen. 

Auf  Anregung  des  Vorsitzenden  wird  der  Vortragende  gebeten,  die  instructive,  an 
der  schwarzen  Tafel  vorgeführte  Bestimmungstabelle  der  Gattungen  mit  erläuternden 
Abbildungen  für  die  Abhandlungen  der  Gesellschaft  auszuarbeiten. 

Es  circulirt  ein  von  Chemiker  A.  Richter  mitgebrachter  Querschnitt 
eines  Elephantenstosszahnes  mit  eingewachsener  Bleikugel. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  über  die  von  ihm  auf  einem 
Frühjahrsausfluge  gewonnenen  zoologischen  Reiseeindrücke  in  Süd- 
ungarn unter  Vorlegung  verschiedener  Objecte. 

Erläutert  wird  der  Vortrag  durch  Projectionsbilder,  unter  denen  Originalaufnahmen 
von  Seeadlerhorsten  und  ein  Seeadlerflugbild  hervorzuheben  sind. 


11.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  10.  Januar  1901  (in  Gemeinschaft  mit  der  Section 
für  Zoologie).  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend 
58  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  begrüsst  die  Versammlung  im  begonnenen  neuen 
Jahrhundert  und  hebt  hervor,  dass  das  für  den  heutigen  Abend  zum  Doppel- 
vortrag von  botanischer  und  zoologischer  Seite  gewählte  Thema  dazu  be- 
stimmt sei,  einen  Rückblick  auf  eine  der  gewaltigsten  Leistungen  in  der 
letzten  Hälfte  des  verflossenen  Jahrhunderts  zu  veranstalten  und  Umschau 
zu  halten,  welchen  Einfluss  diese  Leistungen  auf  die  weitere  Forschung 
unserer  Zeit  zu  nehmen  haben. 

Vor  Beginn  der  Vorträge  wird  ein  lebender  Zweig  von  Pinus  Pinaster 
= P.  maHtima  mit  Zapfen  aus  Südfrankreich  vorgelegt; 


5 


ferner  demonstrirt  Institutsdirector  A.  Thümer  sein  grosses  Mikro- 
skop von  Leitz  in  Wetzlar,  dessen  Vergleicli  mit  dem  ähnlichen  von 
Seibert  in  Wetzlar  gewünscht  worden  war. 

Der  Doppelvortrag  über  neuere  Anschauungen  auf  dem  Gebiete 
derDescendenztheorie  wird  dann  von  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude 
und  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  in  gegenseitiger  Ergänzung  gehalten,  woran 
sich  ein  lebhafter  Meinungsaustausch  im  Anschluss  an  einige  neuerdings 
erschienene  Bücher  anknüpft. 

Im  botanischen  Theil  bespricht  vom  botanischen  Standpunkte  0.  Drude  die  von 
Sachs  aufgestellten  „Architypen“  mit  den  von  von  Wettstein  daran  angeknüpften 
Modificationen  und  sucht  dieselben  mit  den  von  Koken  („Die  Vorwelt  und  ihre  Ent- 
wickelungsgeschichte“, 1893)  ausgesprochenen  Ideen  über  die  sehr  frühzeitige  Trennung 
der  wesentlichsten  Thiertypen  in  Einklang  zu  setzen. 

Vom  zoologischen  Standpunkte  unterzieht  H.  Nitsche  Fleischmann’s  Buch; 
„Die  Descendenztheorie“  einer  eingehenden  Kritik. 


Zweite  Sitzung  am  7.  März  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  32  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  an  neuerer  Litteratur  vor: 

Plowright,  Oh.;  A monograph  of  the  British  Uredineae  and  Ustilagineae. 
London  1899; 

Dalla  Tor  re  und  L.  Graf  von  Sarntheim:  Die  Litteratur  der  Flora  von 
Tirol,  Vorarlberg  und  Liechtenstein.  Innsbruck  1900; 

Müller,  K.;  Genera  muscorum  frondosorum.  Leipzig  1901; 

Mac  Millan,  C.:  Minnesota  plant  life.  St.  Paul,  Minnesota  1899; 

Wissenschaftliche  Beiträge  zum  Gedächtniss  der  100jährigen  Wiederkehr 
des  Antritts  von  L.  von  Humboldt’s  Reise  nach  Amerika  am  5.  Juni  1799. 
Ges.  für  Erdkunde  zu  Berlin  1899. 

Forstassessor  R.  Beck  hält  einen  Vortrag  über  einige  Parasiten 
von  forstlicher  Bedeutung  unter  Vorlage  natürlichen  Demonstrations- 
materials und  entsprechender  Abbildungen. 

Vortragender  bespricht  unter  Berücksichtigung  der  Lebensweise  und  der  wirksamen 
Gegenmittel  von  den  Wurzelparasiten;  Agaricus  melleus  und  Trametes  radiciperda, 
von  Stammparasiten:  Trametes  pini^  von  Rindenparasiten : die  krebserzeugenden  Nectrien 
und  vor  allem  Peziza  Willkommii^  den  Lärchenkrebs,  schliesslich  von  Nadelparasiten; 
Hysterium  Pinastri^  welches  die  Pilzschütte  erzeugt. 

Zu  einer  Aussprache  regt  eine  Bemerkung  des  Prof.  Dr.  H.  Nitsche 
an,  welcher  eine  eigene  Erfahrung  über  das  Leuchten  der  Hallimasch- 
Mycelien  mittheilt. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  berichtet  über  eine  den  Holzzuwachs 
beim  Lärchenkrebs  betreffende  Beobachtung  Sorauer’s. 

Prof.  Dr.  H.  Nitsche  macht  auf  die  Schwierigkeit  der  Bekämpfung 
des  Schüttepilzes  durch  Bespritzung  mit  Bordelaiser  Brühe  aufmerksam, 
welche  bei  grösseren  Beständen  in  der  Beschaffung  des  nöthigen  Wassers 
liegt. 

Forstassessor  R.  Beck  theilt  die  Beobachtungen  Tuboeufs ‘mit,  dass 
das  Bespritzen  bei  Sämlingen  und  einjährigen  Pflanzen  unwirksam  ist. 

Der  Vorsitzende  macht  noch  einige  Mittheilungen  über  die  K.  K. 
Zoologisch-botanische  Gesellschaft  in  Wien  und  ihre  Wirksamkeit. 


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Dritte  Sitzung  am  2.  Mai  1901  (im  K.  Botanisclien  Garten).  Vor- 
sitzender: Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  27  Mitglieder. 

Der  Sitzung  ist  eine  Monatsversammlung  im  botanischen  Garten  mit 
Besichtigungen  vorausgegangen. 

Der  Vorsitzende  berichtet  über  seine  Reise  nach  Wien  zum  Jubiläum 
der  K.  K.  Zoologisch-botanischen  Gesellschaft,  erzählt  von  der 
liebenswürdigen  Aufnahme,  die  er  sowohl  für  seine  Person  wie  als  Vertreter 
der  ,,Isis“  daselbst  gefunden  und  hofft,  die  botanische  Section  selbst  einmal 
dorthin  zu  floristischen  Studien  führen  zu  können  (zu  Pfingsten  1902). 

Derselbe  legt  einen  Aufruf  zur  Gründung  einer  internationalen 
Botaniker-Vereinigung  („Association  internationale  des  botanistes“)  vor, 
wozu  die  Anregung  von  Genf  ausgeht,  und  bespricht  die  darin  hervor- 
tretenden Tendenzen. 

Gleichfalls  bespricht  er  in  herber  Kritik  als  schlechtes  Zeichen  der 
Zeit  Dr.  0.  Kuntze’s  Eingabe  an  den  preussischen  Landtag  zur  Verhinder- 
ung eines  Staatszuschusses  zu  Engler’s  „Pfianzenreich“,  — eine  Frucht  der 
durch  die  Nomenclatur-Streitigkeiten  hervorgerufenen  Zersetzung  unter  den 
Botanikern. 

Im  Anschluss  an  die  im  Garten  vorangegangenen  Demonstrationen  hält 
Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  einen  Vortrag  über  die  systematische 
Morphologie  der  Gattungen  Ahies,  Picea,  Larix  und  Pinus  unter 
vergleichender  Heranziehung  der  verwandten  Gattungen  Cedrus,  Pseudo- 
tsuga und  Tsuga. 

Die  Gesammtsumme  der  Arten  dieser  Gattungen  betrug  in  Endlicher’s  Synopsis 
Coniferariim  112,  jetzt  etwa  125—130,  von  denen  auf  Europa  4 Tannen,  3 Fichten, 
2 Lärchen,  11  Kiefern  entfallen.  (Ein  Eingehen  auf  die  Sectionen,  endemischen  Arten, 
geographischen  Areale  als  Fortsetzung  des  Vortrags  ist  für  eine  ähnliche  Sitzung  im 
botanischen  Garten  für  das  Jahr  1902  beabsichtigt.) 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Erste  Sitzung  am  17.  Januar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  34  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  macht  Mittheilung  über  eine  neue  Boh- 
rung in  der  Dresdner  Haide,  welche  Thonlager  im  Haidesand  und  das 
alte  Elbbett  auf  Plänerunterlage  aufschloss.  (Vergl.  Abhandlung  II.) 

Prof.  H.  Engelhardt  berichtet  über  die  geologische  Beschaffen- 
heit und  Erforschung  Bosniens. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  hält  einen  Vortrag  über  das  Central- 
Plateau  in  Frankreich  unter  Vorlage  von  Karten  und  zahlreichen 
Photographien. 


Zweite  Sitzung  am  14.  März  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
ke wsky.  — Anwesend  40  Mitglieder. 

^ Der  Vorsitzende  legt  einige  neu  erworbene  Mineralien  und  neue 
Litteratur  vor. 


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Dr.  W.  Petrascheck  hält  einen  Vortrag  über  die  Ammoniten  der 
sächsischen  Kreide  unter  Vorlage  der  neu  bestimmten  Arten. 

Prof.  Dr.  AV.  Bergt  legt  Lausitzer  Diabas  mit  Kantengeröllen 
vor  (vergl.  Abhandl.  der  Isis  1900,  Heft  2,  S.  111)  und 

spricht  dann  über  die  Erzlagerstätten  bei  Freiberg  in  Sachsen. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  legt  vor  und  bespricht  R.  Beck:  Die  Lehre 
von  den  Erzlagerstätten.  Berlin  1901. 


Dritte  Sitzung  am  9.  Mai  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W.  Bergt. 
— Anwesend  29  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  neue  Litteratur  vor  und  hält  einen  Vortrag 
über  die  Erzgänge  von  Freiberg. 

Oberlehrer  H.  Döring  macht  Mittheilung  über  Strudellöcher  im 
Elbbett  und  über  geschrammte  Greschiebe  im  Gescbiebelebm  von 
Zschertnitz. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  7.  Februar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  20  Mitglieder. 

Prof.  H.  Engelhardt  bringt  Nachbildungen  mehrerer  Runensteine 
von  der  Insel  Bornholm  zur  Ansicht  und  erläutert  deren  Inschriften. 

Oberlehrer  H.  Döring  berichtet  über  einen  Besuch  des  Burgwalls 
von  Schlieben  und  des  zwischen  Cosilenzien,  Cröbeln  und  Oschätzchen 
gelegenen  Rundwalls. 

Lehrer  H.  Ludwig  legt  einen  zwischen  Nickern  und  Sobrigau 
gefundenen  Mahlstein  aus  Quarzporphyr,  mehrere  Gefässe  aus  den 
ürnenfeldern  bei  Kauscha  und  Kleinzschachwitz  und  ein  in  der 
Elbe  bei  Laubegast  aufgefundenes  Flachbeilchen  aus  Hornblende- 
schiefer vor. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  spricht  über  die  von  ihm  mit  Pastor  Rin- 
hardt in  Bucha  im  Herbst  1900  untersuchten  Hügelgräber  im  Lamperts- 
walder  Rittergutsforst  nördlich  von  Bucha  in  Sachsen. 

Die  in  den  Grabhügeln  aufgefundenen  Thongefässe,  darunter  nicht  selten  Buckel- 
gefässe  verschiedener  Form,  beweisen,  dass  diese  Hügelgräber  derselben  Zeit  angehören 
wie  die  Urnenfelder  vom  älteren  Lausitzer  Typus.  Zur  Vorlage  kommen  auch  photo- 
graphische Aufnahmen  der  Hügelgräber-Gruppe  und  einzelner  besser  erhaltener  Grab- 
hügel. 

Zum  Schluss  macht  Derselbe  noch  aufmerksam  auf  einige  ausgestellte 
Fundstücke:  den  Abguss  einer  eisernen  Axt  mit  Silbertauschirung 
von  Guben  in  der  Niederlausitz,  einen  Bronzedolch  aus  der  Luppe- 
aue  bei  Grossdölzig  westlich  von  Leipzig  und  einen  prachtvollen,  32  cm 
langen  Bronzedolch  aus  dem  Lehmlager  der  Nötzold’schen  Dampfziegelei 


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in  Briessnitz  bei  Dresden,  welcher  von  Herrn  M.  Nötzold  nebst  einem 
daselbst  bereits  vor  mehreren  Jahren  gefundenen  Flachcelt  aus  Bronze 
der  K.  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden  als  Geschenk  überwiesen 
worden  ist. 


Zweite  Sitzung  am  18.  April  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J.  Deich- 
müller. — Anwesend  35  Mitglieder  und  3 Gäste. 

Der  Vorsitzende  bespricht  folgende  neuerschienene  Schriften: 

Beltz,  E.;  Neue  steinzeitliclie  Funde  in  Mecklenburg.  Jahrbuch,  des  Vereins 
für  mecklenburg.  Geschichte  LXVI,  S.  115  u.  f. ; 

Götze,  A.:  Beiträge  zur  Kenntniss  der  neolithischen  Keramik.  Zeitschrift 
für  Ethnologie  und  Verhandl.  d.  Berliner  Ges.  lür  Anthropologie  1900; 

Keinecke,  P.:  Zur  jüngeren  Steinzeit  in  West-  und  Süddeutschland.  West- 
deutsche Zeitschrift  für  Geschichte  und  Kunst  XIX,  Heft  III. 

Derselbe  berichtet  weiter  über  neue  Funde  auf  dem  Urnenfelde 
vom  älteren  Lausitzer  Typus  in  Blasewitz,  Emser-Allee  No.  9,  und 

legt  vor  ein  im  Lehm  der  Nötzold’schen  Dampfziegelei  in  Briessnitz 
gefundenes  Steinbeil,  einen  Steinhammer  aus  dem  Garten  des  Stadt- 
guts in  Lommatzsch  und  zwei  Steinbeile  aus  dem  Aulehm  der 
J.  A.  Rose’schen  Ziegelei  nordwestlich  von  Borna. 

Finanz-  und  Baurath  H.  Wiechel  hält  einen  Vortrag  über  die  ältesten 
Wege  in  Sachsen  und  ihre  Beziehung  zur  ältesten  Geschichte 
und  zu  prähistorischen  Fundstätten.  (Vergl.  Abhandlung  IV.) 


Excursion.  Am  15.  Juni  1901  besuchten  12  Mitglieder  die  auf  dem 
linken  Elbufer  unterhalb  Meissen,  Diesbar  gegenüber  gelegene  Göhrisch- 
schanze. 

Die  hohe  Umwallung  ist  auf  der  Nord-  und  Nordwestseite  des  Göhrischfelsens  noch 
wohlerhalten;  zahlreiche  in  dem  vom  Wall  umschlossenen  Kessel  gesammelte  Geiäss- 
scherben  und  eine  bereits  in  früherer  Zeit  daselbst  gefundene  Lanzenspitze  aus  Bronze 
weisen  darauf  hin,  dass  die  Anlage  der  ümwallung  bereits  in  vorslavischer  Zeit  er- 
folgt ist. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Erste  Sitzung  am  24.  Januar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  B.  Frei- 
herr von  Walther.  — Anwesend  50  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.  A.  Schlossmann  hält  einen  Vortrag  über  die  Be- 
deutung des  Phosphors  in  der  belebten  Natur  und  erläutert  seine 
Ausführungen  durch  Versuche. 


Zweite  Sitzung  am  21.  März  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  K.  Frei- 
herr von  Walther.  — Anwesend  38  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  von  Walther  spricht  über  Reductionen  mit  Hülfe 
von  Metallen  und  über  die  Aluminothermie  und  erläutert  seine 
Ausführungen  durch  zahlreiche  Versuche. 


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Vortragender  bespricht  zunächst  die  Reductions weisen  und  Reductionsmittel  für 
Metalle  und  geht  dann  ausführlicher  ein  auf  Versuche,  die  schon  aus  den  Zeiten  Berzelius’ 
und  Wöhler’s  stammen,  aber  erst  durch  Clemens  Winkler  eine  rationelle  Untersuchung 
gefunden  haben,  nämlich  aus  Metalloxydverbindungen  und  einem  zweiten  Metall  das  erste 
zu  verdrängen  und  zu  isoliren.  Dieser  Vorgang  ist  wesentlich  begründet  in  der  Differenz 
der  Wärmetönungen  der  betreffenden  Metalle.  So  ist  es  beispielsweise  möglich,  Natrium, 
Kalium,  Calcium, Rubidium,  Chrom,  Cer  (ebenso  wie  die  Metalloide  Kohlenstoff,  Silicium)  etc. 
aus  ihren  Oxyden  durch  Erhitzen  mit  Magnesium  zu  gewinnen.  Noch  energischer  wie 
Magnesium  wirkt  Aluminium,  welches  den  Vortheil  grösserer  Billigkeit  hat.  Letzteres 
wird  nach  dem  Vorschläge  von  Dr.  (doldschmidt- Essen  gegenwärtig  zu  den  sogenannten 
aluminothermischen  Processen  benutzt. 

Vortragender  bespricht  des  Weiteren  die  Anwendungsformen  des  „Thermit“  (einer 
Mischung  von  Eisenoxyd  und  Aluminiumpulver)  und  das  mit  dieser  Mischung  durch- 
geführte neue  (doldschmidt’sche  Schweiss-  und  Giessverfahren. 


Excursion.  An  Stelle  der  dritten  Sitzung  fand  am  6.  Juni  1901 
eine  Excursion  unter  Führung  von  Prof.  Dr.  R.  von  Walther  nach  der 
neuen  Nährmittelfabrik  von  Dr.V.  Klopfer  in  Leubnitz-Neuostra 
statt,  deren  moderne  Einrichtung  den  zahlreich  erschienenen  Theilnehmern 
von  dem  Besitzer  selbst  in  der  zuvorkommendsten  Weise  erläutert  wurde. 


Vl.  Section  für  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  14.  Februar  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  8 Mitglieder. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  Parabel  und  Ellipse. 

Der  Vortragende  entwickelt  Methoden,  um  ohne  analytisch-geometrische  Hülfsmittel 
die  Krümmung  von  Kegelschnitten,  speciell  die  Krümmung  der  Parabel  und  der  Ellipse 
zu  untersuchen.  Dabei  wird  jedesmal  zuerst  der  besondere  Fall  der  Krümmung  im 
Scheitel,  resp.  in  den  Scheiteln,  erledigt  und  nachher  die  Krümmung  in  einem  beliebigen 
Punkte  der  betreffenden  Curve  besprochen.  Ausserdem  wei'den  einige  Anwendungen 
der  gefundenen  Resultate  gegeben,  u.  a.  eine  auf  Benutzung  mehrerer  Krümmungskreise 
beruhende  N äherungsconstruction  der  Ellipse. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  kurze  Discussion. 


Zweite  Sitzung  am  18.  April  1901.  — Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  14  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  über  Charles  Hermite. 
(Vergl.  Abhandlung  I.) 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  spricht  über  die  Schmiegungsparabeln 
der  Ellipse. 

Als_  Schmiegungsparabel  einer  gegebenen  Ellipse  ist  eine  Parabel  zu  bezeichnen, 
sobald  die  vier  gemeinschaftlichen  Punkte  der  beiden  Kegelschnitte  zusammenfallen. 
Redner  zeigt,  wie  eine_  Reihe  von  Aufgaben,  zu  denen  die  Schmiegungsparabeln  einer 
Ellipse  Anlass  geben,  in  einfachster  Weise  gelöst  werden  können;  und  zwar  dient  als 
Ausgangspunkt  der  Betrachtungen  die  Thatsache,  dass  die  gegebene  Ellipse  und  eine 
beliebige  Schmiegungsparabel  derselben  durch  eine  geeignete  Parallelprojection  stets 
übergeführt  werden  können  in  einen  Kreis  und  eine  Parabel,  welche  von  dem  letzteren 
in  ihrem  Scheitel  osculirt  wird. 


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Dritte  Sitzung  am  13.  Juni  1901  — Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  11  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  E.  Naetsch  spricht  über  ein  in  der  Vector- Analysis  auf- 
tretendes System  partieller  Differentialgleichungen  1.  Ordnung. 

Nach  einigen  kurzen  Bemerkungen  über  Entstehung  und  Grundlagen  der  Vector- 
Analysis,  insbesondere  über  die  Begriffe  Vector,  Divergenz  und  Curl,  bespricht  Vor- 
tragender die  Aufgabe,  einen  Vector  58  zu  ermitteln,  dessen  Curl  ein  gegebener  Vector 
(S  sein  soll;  dieselbe  ist  identisch  mit  dem  Problem,  drei  Functionen  X,  Y,  Z der  drei 
Veränderlichen  x,  z zu  finden,  welche  mit  drei  gegebenen  Functionen  P,  Q,  R dieser 
drei  Veränderlichen  durch  die  Gleichungen 

Zy  Yz  = P,  Xz  Zx  — Q,  Yx  Xy  = R 
Zusammenhängen.  Es  wird  auseinandergesetzt,  dass  man  dieses  Problem  vollständig 
erledigen  kann,  ohne  von  der  Theorie  der  partiellen  Differentialgleichungen  II.  Ordnung 
Gebrauch  zu  machen;  nur  der  Lehre  vom  Jacobi’schen  Multiplicator  und  der  Theorie 
des  Pfaff  sehen  Problems  hat  man  je  einen  Satz  zu  entlehnen. 

Hierauf  .bespricht  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  die  Ankreis-Mittel- 
punkte der  Dreiecke,  die  denselben  Umkreis  und  Inkreis  haben. 

Jene  Punkte  gehören  einem  dritten  Kreise  an,  dessen  Durchmesser  noch  einmal 
so  gross  als  der  des  Umkreises  ist  und  der  ausserdem  mit  dem  Umkreis  den  Inkreis- 
Mittelpunkt  zum  äusseren  Aehnlichkeitspunkt  hat. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  31.  Januar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr. 
Foerster.  — Anwesend  88  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  legt  eine  Sammlung  getrockneter  wildwachsender 
Pflanzen  und  eine  grössere,  aus  einer  Sequoia  geschnittene  Platte  aus 
Californien  vor. 

Prof.  Dr.  Fr.  Foerster  spricht  über  elektrische  Oefen. 

Der  Vortragende  schildert  die  wesentlichen  Ergebnisse,  welche  Moissan  mit  Hülfe 
der  hohen  Temperaturen  des  elektrischen  Ofens  erzielt  hat.  Er  verweilt  dabei  besonders 
bei  den  Versuchen  über  die  künstliche  Darstellung  des  Diamanten  und  bei  den  von 
Moissan  besonders  eingehend  bearbeiteten  neuen  und  eigenartigen  Kohlenstoffverbindungen 
der  Elemente.  Von  diesen  werden  besonders  die  technisch  wichtigen,  das  Calciumcarbid 
und  das  Siliciumcarbid  (Carborundum)  ausführlicher  behandelt  und  dabei  das  technische 
Arbeiten  mit  dem  elektrischen  Ofen  näher  beschrieben  und  an  kleinen  Modellen  vor- 
geführt. Zum  Schluss  wird  die  Frage  nach  der  billigsten  Gewinnung  elektrischer  Energie 
erörtert  und  der  grosse  Einfluss  dargelegt,  den  das  Vorhandensein  grosser  geeigneter 
Wasserkräfte  auf  die  Centralisation  und  die  Ausbildung  gewisser  Theile  der  elektro- 
chemischen Technik  in  den  Alpen  ausgeübt  hat. 


Zweite  Sitzung  am  28.  Februar  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr. 
Foerster.  — Anwesend  42  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  erstattet  Bericht  über  den  Kassenabschluss 
der  Gesellschaft  vom  Jahre  1900  (vergl.  S.  13)  und  legt  den  Voranschlag 
für  1901  vor,  welcher  genehmigt  wird. 

Als  Rechnungsrevisoren  werden  Bankier  A.  Kuntze  und  Architect 
R.  Günther  gewählt. 


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Hieran  schliessen  sich  die  von  Prof.  Dr.  Fr.  Fo erster  angekiindigten 
Demonstrationen. 

Es  werden  zunächst  Exemplare  der  auf  der  Pariser  Ausstellung  von  Chenal, 
Douillet  & Co.  ausgestellten,  sehr  sorgfältig  gereinigten  Salze  des  Neodyms  und  Prase- 
odyms, sowie  des  G-adoliniums  und  Samariums  vorgelegt.  Die  Salze  der  beiden  ersteren 
Metalle  zeigen  ähnliche  complementäre  Färbungen  wie  die  von  Kobalt  und  Nickel. 

In  zweiter  Linie  gelangen  Aluminiumstücke  zur  Vorlage,  welche  die  Verwendung 
dieses  Metalles  zu  elektrischen  Leitungen  illustriren,  sowie  eine  Sammlung,  welche  die 
mannigfache  Verwendbarkeit  des  Magnaliums  darthut. 

An  dritter  Stelle  wird  eine  grössere  Sammlung  von  mit  Glanzgold,  Glanzplatin 
und  ähnlichen  Edelmetallen  überzogenen  Porzellan-  und  Glasgegenständen  besprochen, 
und  dabei  insbesondere  die  durch  Glanzmetalle  beim  Aufträgen  in  verschieden  dicker 
Schicht  hervorgerufene  Aenderung  der  Färbungen  hervorgehoben.  Die  Sammlung  zeigt 
stetige  Uebergänge  von  den  Färbungen  der  reinen  Metalle  zu  denen,  mit  welchen  die 
Metalle  Glasflüsse  färben,  und  deren  Uebereinstimmung  mit  den  Farben  der  colloidalen 
Metalllösungen  durch  Versuche  nachgewiesen  wird. 


Dritte  Sitzung  am  28.  März  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr.  Fo  er  st  er. 
— Anwesend  79  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  H.  Engelhardt  theilt  mit,  dass  die  Rechnungsrevisoren  den 
Kassenabschluss  für  1900  geprüft  und  richtig  befunden  haben.  Der 
Kassirer  wird  hierauf  entlastet. 

Sodann  wird  beschlossen,  die  Sectionssitzungen  wie  die  Haupt- 
versammlungen in  Zukunft  pünktlich  um  8 Uhr  beginnen  zu  lassen. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel  hält  dann  einen  Vortrag  über 
das  Vorkommen  des  Schwefels  in  der  Natur. 


Vierte  Sitzung  am  25.  April  1901.  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engel- 
hardt. — Anwesend  30  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  widmet  dem  am  7.  April  1901  verstorbenen  lang- 
jährigen zweiten  Vorsitzenden  der  Gesellschaft  Dr.  Fr.  Raspe  einen 
ehrenden  Nachruf. 

Privatdocent  Dr.  C.  Wolf  spricht  über  Infectionskrankheiten  und 
über  die  Art  der  üebertragung  derselben  auf  den  menschlichen 
Körper. 

An  verschiedenen  Karten  wird  gezeigt,  wie  sich  Infectionskrankheiten  über  die 
Erde  und  in  einzelnen  Städten  verbreiten,  an  tabellarischen  Zusammenstellungen  die 
Sterblichkeit  an  Lungenschwindsucht  in  Städten  von  mehr  als  500000  Einwohnern,  nach 
Altersklassen  und  Geschlechtern  geordnet,  die  Abnahme  der  Sterblichkeit  an  Tuberkulose 
in  verschiedenen  deutschen  Staaten  im  Vergleich  zu  Oesterreich -Ungarn  und  die  Zu- 
nahme der  Tuberkulose  an  Rindern  und  Schweinen. 

Privatus  C.  Schiller  zeigt  lebende  Exemplare  von  Apus  pro- 
ductus  L.  aus  Wiesengräben  in  der  Nähe  des  Grossen  Gartens  in  Dresden. 

An  Stelle  des  verstorbenen  Dr.  Fr.  Raspe  wird  als  Mitglied  des  Ver- 
waltungsrathes  Prof.  Dr.  F.  G.  Helm  gewählt. 


Excursionen.  Am  16.  Mai  1901  vereinigten  sich  14  Mitglieder  zu 
einem  Ausfluge  nach  Waldheim,  um  die  Granulite  mit  den  sie  durch- 


12 


setzenden  Granitgängen  und  die  Serpentine  der  dortigen  Gegend  zu  be- 
sichtigen. Der  Weg  wurde  von  Waldheim  durch  das  Zschopauthal  bis 
Kriebstein -Ehrenberg  und  zurück  über  die  goldene  Höhe  nach  Waldheim 
genommen.  — 

Am  27.  Juni  1901  besichtigten  46  Mitglieder  und  Gäste  das  K.  Fern- 
heiz- und  Elektricitätswerk  in  Dresden. 

Gell.  Baiirath  J.  E.  Temper  erläuterte  an  der  Hand  von  Plänen  in  längerem  Vor- 
trage die  Grundgedanken,  welche  zur  Errichtung  des  Fernheizwerkes  geführt  hatten 
und  hei  seiner  Erbauung  verfolgt  wurden.  Alsdann  fand  ein  Pundgang  durch  die  Kessel- 
und  Maschinenräume  des  Fernheizwerkes  und  der  damit  verbundenen  elektrischen  Licht- 
station statt,  an  welchen  sich  eine  ausgedehnte  Wanderung  durch  den  die  Eerndampf- 
leitung  und  die  elektrischen  Lichtleitungen  einschliesseuden  unterirdischen  Kanal  an- 
schloss. 


Yeränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  21.  Januar  1901  starb  Bankbeamter  Paul  Stopp  in  Dresden, 
wirkliches  Mitglied  seit  1895. 

Am  7.  April  1901  verschied  in  Dresden  Chemiker  Dr.  Friedrich  Haspe, 
wirkliches  Mitglied  seit  1880. 

Nekrolog  s.  am  Anfänge  dieses  Heftes. 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Denso,  Paul,  Dr.,  Ingenieur  in  Dresden, 

Pfitzner,  Paul,  Dr.  phih,  Gymnasiallehrer  in  Dresden 
Schnuse,  Wilh.,  Privatus  in  Dresden,  am  28.  Februar  1901; 
Schwede,  Hud.,  Chemiker  in  Dresden,  am  31.  Januar  1901. 


am  27.  Juni  1901; 


In  die  wirklichen  Mitglieder  sind  übergetreten: 

Lohrmann,  Ernst,  Dr.  phil.,  Healschullehrer  in  Dresden; 
Richter,  Conrad,  Realgymnasialoberlehrer  in  Dresden. 


Kassenabschluss  der  Gesellschaft  ISIS  vom  Jahre  1900. 

Position.  Einnalmie,  Position.  Ausgabe. 


13 


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Dresden,  am  27.  Februar  1901.  Hofbuchhändler  G.  Lehmann,  z.  Z.  Kassirer  der  Isis. 


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Sitzungsberichte 

der 

N aturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1901. 


I.  Section  für  Zoologie. 


Yierte  Sitzung  am  5.  December  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  49  Mitglieder  und  Gäste. 

Director  Th.  Reihisch  demonstrirt  mit  kurzen  Erläuterungen  zwei 
Missbildungen,  das  Gehörn  einer  vierhörnigen  Ziege  und  das  Rumpf- 
und Extremitätenskelett  eines  dreibeinigen  Huhnes. 

In  der  sich  anschliessenden  Besprechung,  an  welcher  sich  Geh.  Hof- 
rath Prof.  Dr.  0.  Drude  und  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel  be- 
theiligen, weist  der  Vorsitzende  darauf  hin,  dass  hei  dem  Huhne  offenbar 
ein  Fall  von  unvollkommener  Doppelmissbildung  vorliege,  und  erläutert 
die  Entstehung  solcher  Doppelbildungen  an  einigen  anderen  Beispielen. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  bespricht  alsdann  in  längerem, 
durch  Tafeln  und  Präparate  erläutertem  Vortrage  die  zoologischen 
Seiten  der  Malaria-Frage  unter  Hinweis  auf  eine  Reihe  ähnlicher 
Krankheiten,  welche  gleichfalls  auf  durch  Arthropodenstiche  verursachter 
Infection  mit  krankheitserregenden  Protozoen  beruhen. 

Es  werden  von  letzteren  besonders  besprochen  die  Tsetsefliegen -Seuche  der  süd- 
afrikanischen und  das  Texasfieber  der  amerikanischen  Rinder.  Der  Vortragende  knüpft 
seine  Darlegungen  an  das  neuerschienene  Werk  von  F.  Doflein:  Die  Protozoen  als 
Parasiten  und  Krankheitserreger.  Jena  1901. 

Ausserdem  gelangt  zur  Vorlage  A.  Labbe:  Sporozoa.  5.  Lief,  von:  Das  Thierreich. 
Eine  Zusammenstellung  und  Kennzeichnung  der  recenten  Thierformen,  herausgegeben 
von  der  deutschen  zoologischen  Gesellschaft.  Berlin  1899. 

An  der  folgenden  Discussion  betheiligen  sich  Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  0.  Drude,  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  W.  Hempel,  Medicinalrath  Dr. 
W.  Hesse,  Dr.  A.  Schlossmann  und  Dr.  A.  Stübel. 


II.  Section  für  Botanik. 


Vierte  Sitzung  am  3.  October  1901  (im  K.  Botanischen  Garten). 
Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  18  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  bespricht  einige  physiologische 
Cultur versuche  mit  Vorführung  der  betreffenden  Pflanzen. 

1.  Maispflanzen  auf  Wasser  cultivirt  und  mittelst  Nährstofflösung  bis  zur  Er- 
zeugung von  Kolben  gebracht. 


18 


2.  Kürbispflaiizen  iii  gewöhnlicher  aber  sehr  nährstoifarmer  Erde,  welcher  ein  dem 
normalen  Nährstoff bedürfnisse  entsprechendes  Nährsalzgemenge,  aber  z.  Th.  ohne  das 
nothwendige  Stickstoffsalz,  zugesetzt  wurde,  zur  Demonstration  der  Wichtigkeit  dieses 
Nährstoffes.  Pflanzen  ohne  jede  Nährsalzzusätze  werden  nicht  schlechter  als  die  letzteren. 
Früchte  lagen  ebenfalls  vor, 

3.  Erbsen,  in  derselben  Weise  behandelt  wie  die  Kürbispflanzen,  zeigten  ein 
anderes  Verhalten  als  diese;  das  Fehlen  einer  Stickstoffgabe  beeinträchtigt  ihre  Ent- 
wickelung nicht,  da  sie  sich  durch  Symbiose  mit  Wurzelbakterien  den  Stickstoff'  der 
Luft  nutzbar  machen. 

Derselbe  berichtet  ferner  über  Aussaat-Ergebnisse  von  Samen 
einer  gelben  Reineclaudensorte,  welche  blaufrüchtige  Bäume  er- 
gab, und 

legt  zur  Warnung  vor  einem  gegen  Hasenfrass  empfohlenen 
Anstrichmittel  ,,Antilepin“  gespaltene  Stammstücke  eines  Pflaumen- 
baumes vor,  dessen  in  diesem  Jahre  zu  bildender  Jahresring  an  den  be- 
strichenen Stellen  zerstört  bez.  nicht  zur  Entwickelung  gekommen  war, 
was  den  Tod  des  Baumes  im  Sommer  herbeiführte.  Apfel-  und  Birnbäume 
hatten  nicht  in  demselben  Masse  gelitten. 

Dr.  B.  Schorler  spricht  über  bryogeographische  Forschungen 
von  A.  Geheeb  (früher  in  Geisa,  jetzt  in  Freiburg  i.  B.),  welche  die  Be- 
deutung der  Moosflora  der  Rhön  in  pflanzengeographischer  Hinsicht  be- 
sonders an  dem  reizend  geschriebenen  Aufsatz  über  ,,die  Milseburg“  in 
das  rechte  Licht  setzen. 

Der  Vorsitzende  erläutert  die  Topographie  der  Rhön  an  einer 
von  ihm  im  Sommer  aufgenommenen  Skizze  für  die  Vertheilung  der  Vege- 
tationsformationen in  der  Rhön. 

Zur  Vorlage  gelangen  noch: 

Dennert,  E.:  Die  Wahrheit  über  Ernst  Häckel  und  seine  Welträthsel. 

Halle  1901; 

Nippold,  Fr.:  Kollegiales  Sendschreiben  an  Ernst  Häckel.  Berlin  1901. 

Die  Nothwendigkeit,  sich  mit  dem  Inhalt  der  „Welträthsel“  Häckel’s 
selbst  bekannt  zu  machen,  wird  betont. 


Fünfte  Sitzung  am  10.  October  1901  (Floristenabend).  Vorsitzender: 
Prof.  K.  Wobst.  — Anwesend  27  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  legt  vor  und  bespricht  Euphrasia 
minima  Jacqu. 

Diese  alpine  Form  wurde  von  Dr.  F.  Naumann- Hera  in  diesem  Jahre  bei  ge- 
nannter Stadt  gesammelt  und  dem  Herb.  Flor.  Saxonica  übermittelt.  Im  Anschluss 
daran  erläutert  Vortragender  eingehend  die  Arten  genannter  Gattung,  ganz  besonders 
den  Euphrasia  Typus. 

Derselbe  spricht  weiter  über  die  interessante  Hügelflora  der 
Basalte  des  Lausitzer  Hügellandes  und  legt  zahlreiche  Formen  aus 
genanntem  Gebiete  im  Bereich  des  „Bernstädter  Hügellandes“  zwischen 
Löbau  und  Zittau  vor. 

Privatus  F.  Fritzsche  bringt  zur  Vorlage  eine  Anzahl  neuer  Funde 
des  Elbhügellandes  zwischen  Dresden  und  Meissen. 


19 


Prof.  K.  Wobst  berichtet  über  zwei  neue  Funde  ausserhalb 
Sachsens. 

1.  Medicago  arabica  All.  {M.  maculata  Wils.)  mit  Wollstaub,  welcher  als  Dünger 
verwandt  wurde,  bei  Heinersdorf,  Kreis  Lebus,  1901  eingesclileppt; 

2,  Cirsium  olerarium  x arvense.  Ein  einziges  Exemplar  zwischen  zahlreichen 
Stammformen  genannten  Bastards  Juli  1900  bei  Bad  Salzungen  in  Thüringen  gesammelt. 

Assistent  Dr.  A,  Naumann  hält  einen  Vortrag  über  die  bota- 
nischen Ergebnisse  seiner  Reise  nach  Siebenbürgen,  mit  Zu- 
grundeleguDg  zahlreicher  von  ihm  gesammelter  Pflanzen,  welche  nach 
Formationen  auf  grossen  Papptafeln  zusammengestellt  waren. 

Im  Anschluss  daran  schildert  Lehrer  R.  Missbach  seine  Beobachtungen 
über  die  Bestände  von  Bhododendron  myrtifolium  im  genannten 
Gebiete. 

Dr.  A.  Naumann  giebt  noch  Auskunft  über  das  Vorkommen  von 
Tanne,  Zirbelkiefer  und  Lärche  in  Siebenbürgen. 


Sechste  Sitzung  am  21.  NoYemher  1901  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Zoologie).  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  — 
Anwesend  40  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  zeigt  mehrere  lebende  Exemplare  von 
Euscorpius  italiais  und  eine  reiche  Sammlung  z.  Th.  in  Spiritus,  z.  Th. 
trocken  conservirter  Skorpione  aus  allen  Welttheilen. 

Er  bespricht  deren  Lebensweise  in  Freiheit  und  Gefangenschaft.  Selbstmord  des 
Skorpions  in  der  Gefangenschaft  ist  von  zuverlässigen  Beobachtern  noch  niemals  be- 
richtet worden. 

Dr.  G,  Worgitzky  legt  sein  Buch  über  „Blüthengeheimnisse“ 
(erschienen  bei  Teubner  in  Leipzig)  vor  und  macht  in  seinem  Vortrage 
über  die  Entwickelung  dieser  Kenntnisse  besonders  auf  die  neueren 
Knuth’schen  Arbeiten  aufmerksam. 

Der  Vorsitzende  betont  die  hohe  Bedeutung  des  vom  Vortragenden 
erwählten  Themas  für  die  heutige  Biologie,  sowohl  nach  der  Seite 
der  floristischen  Landesforschung  als  nach  der  des  naturkundlichen  Unter- 
richts, und  hebt  das  Bedürfniss  hervor,  dass  ein  ausgezeichneter  und 
kritischer  Bearbeiter  der  zahlreich  sich  findenden  Einzelheiten  auch  für 
die  Zwecke  unserer  Arbeitstheilung  in  der  Isis  erstehe,  welche  Lücke  der 
Vortragende  ausfüllen  möge. 

Dr.  A.  Naumann  zeigt  Wandtafeln,  welche  er  für  den  bota- 
nischen Unterricht  in  der  hiesigen  Gartenbauschule  angefertigt  hat, 
die  wie  das  vorerwähnte  Buch  die  Blüthenformen  und  ihre  Anpassung 
für  eine  durch  Insecten  herbeizuführende  Fremdbestäubung  demonstriren. 

Institutsdirector  A.  Thümer  schildert  von  einer  Reise  durch  England 
die  Flora  gewisser  als  „Commons“  (Gemeingut)  bezeichneter  Landstriche, 
welche,  da  sie  nicht  irgendwie  in  Benutzung  genommen  werden  dürfen, 
die  ursprüngliche  Pflanzendecke  bewahren. 

Ein  Hauptrepräsentant  der  dortigen  Flora,  TJlex  nanus^  lag  im  Herbarexemplar  vor. 


20 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Tierte  Sitzung  am  17.  Octolber  1901.  Vorsitzender  : Prof.  Dr.  E. 
Kalkowsky.  — Anwesend  45  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt  neue  Litteratur  vor. 

Prof.  Dr.  W.  Bergt  referirt  über  die  Arbeit  von  J.  T,  Sterzei:  Gruppe 
verkieselter  Araucariten- Stämme.  Chemnitz  1900,  und  über  die  Unter- 
suchungen von  F.  E.  Suess  über  den  Moldavit. 

Derselbe  spricht  ferner  über  Kugelgranite  unter  Vorlage  von 
Stufen  aus  Dr.  A.  Stübel’s  Sammlung. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  einen  Vortrag  über  den  Schlamm- 
vulkan von  Modena,  den  Flysch  in  Ligurien  und  den  angeblich 
eruptiven  Gneiss  des  Erzgebirges. 


Fünfte  Sitzung  am  12.  December  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
E.  Kalkowsky.  — Anwesend  35  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  führt  eine  Reaction  aus,  durch  die  es  möglich  ist, 
künstlich  mit  Schwefelsäure  gebleichte  Werkstücke  von  Granit  als  solche 
zu  erkennen,  ohne  sie  zerschlagen  zu  müssen. 

Dr.  L.  Kruft  hält  einen  Vortrag  über  die  Phosphoritknollen  im 
vogtländischen  Silur  und  ihre  organischen  Einschlüsse. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Dritte  Sitzung  am  14.  November  1901.  Vorsitzender  Prof.  Dr. 
J.  Deichmüller.  — Anwesend  24  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  spricht  über  die  von  ihm  im  Sommer  d.  J. 
im  Aufträge  des  K.  Sächs.  Ministeriums  des  Innern  begonnene  Inven- 
tarisirung  der  vorgeschichtlichen  Alterthümer  des  Königreichs 
Sachsen  und  über  deren  bisherige  Ergebnisse. 

Oberlehrer  H.  Döring  legt  bearbeitete  Feuersteine  und  Gefäss- 
scherben  mit  Bandverzierung  aus  einer  Sandgrube  bei  Merschwitz  vor 
und  bespricht  Gefässreste  und  Thierknochen,  u.  a.  drei  linke  Unter- 
kieferhälften vom  Biber,  aus  einer  slavischen  Siedelung  östlich  vom 
Burg  wall  bei  Leckwitz,  germanische  und  slavische  Scherben  vom 
Burgberg  bei  Zehren  und  ein  ziemlich  vollständig  erhaltenes  Gefäss 
von  der  Heidenschanze  bei  Koschütz,  welches  keine  Spur  der  An- 
wendung der  Drehscheibe  erkennen  lässt  und  doch  einen  sogenannten 
Bodenstempel,  eine  Töpfermarke  zeigt. 

Lehrer  J.  A.  Jentsch  macht  auf  den  Fund  eines  slavischen*^, Ge- 
fässes  mit  Leichenbrand  von  Lössnig  bei  Strehla  a.  E.  aufmerksam, 
welches  in  den  Verhandl.  d.  Berl.  Ges.  f.  Anthropologie  1901,  S.  39,  be- 
schrieben ist. 


21 


Lehrer  H.  Ludwig  legt  Gefässscherben  vor,  die  aus  einer  Herd- 
stelle in  der  Nähe  der  Windmühle  von  Niedersedlitz  stammen 
und  die  solchen  aus  Gräberfeldern  vom  Lausitzer  Typus  ähnlich  sind, 
ferner  aus  Herdstellen  in  der  Nähe  des  Gräberfeldes  der  La  Tene-Zeit 
bei  Kauscha  ein  Flachbeil  aus  Gneiss,  ein  sogenanntes  Webstuhl- 
gewicht und  Gefässscherben,  aus  dem  Gräberfelde  von  Kauscha 
selbst  die  Bruchstücke  einer  Thonschale  und  einen  Eisenring,  einen 
zwischen  Niedersedlitz  und  Lockwitz  gefundenen  Klopfstein,  ein 
in  der  Elbe  bei  Riesa  gefundenes  Steinbeil  aus  Amphibolit,  Reste 
grösserer,  dickwandiger  Gefässe  vom  Kuhhübel  bei  Sörnewitz  und  eine 
geschnittene,  an  einer  Seite  doppelt  durchlochte  Knochenplatte  von 
der  Heidenschanze  bei  Koschütz. 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  bringt  aus  den  neueren  Erwerbungen  der 
K.  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden  mehrere  Beile  aus  Amphibolit 
zur  Vorlage,  welche  in  der  Umgebung  von  Nünchritz,  auf  der  Ritter- 
gutsflur Riesa  und  beim  Kirchenbau  in  Zeithain  aufgefunden  worden 
sind,  weiter  eine  sauber  gearbeitete  Pfeilspitze  aus  weissem  Feuerstein 
von  Roda  bei  Grossenhain,  ein  beim  Abteufen  eines  Brunnens  in  der  Brauerei 
Chrieschwitz  bei  Plauen  i.  V.  gefundenes  Amphibolitbeil,  einen  aus 
neun  Gegenständen  bestehenden  jüngeren  Bronzedepotfund  von  Lausa 
bei  Dresden  und  verschiedene  Beigaben  aus  Skelettgräbern  der  Völker- 
wanderungszeit bei  Werningshausen  im  Herzogthum  Sachsen-Co- 
burg-Gotha. 

Derselbe  macht  zum  Schluss  noch  aufmerksam  auf  einen  roh  be- 
arbeiteten Hammer  aus  Gneiss  mit  angefangener  Bohrung  von  Lockwitz 
und  auf  einen  Hammer  aus  Diabas  von  Naundorf  bei  Ortrand, 
dessen  Form  auf  nordische  Herkunft  schliessen  lässt. 


V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 


Dritte  Sitzung  am  7.  November  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
R.  Freiherr  von  Walther.  — Anwesend  101  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  W.  Kühler  hält  einen  Experimentalvortrag  über  die  gebräuch- 
lichen Methoden  der  drahtlosen  Telegraphie. 


VI.  Section  für  Mathematik. 


Vierte  Sitzung  am  10.  October  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  9 Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  spricht  über  die  Strophoide  (Que- 
telet’sche  Fokale)  in  synthetischer  Behandlung. 

Vortragender  hebt  einleitend  hervor,  dass  bei  einer  Reihe  von  ebenen  Curven,  die 
in_  der  Regel  nach  den  Methoden  der  analytischen  Geometrie  behandelt  werden , zahl- 
reiche Eigenschaften  auch  in  leichter  und  eleganter  Weise  auf  elementarem,  synthetischem 


22 


Wege  gefuudeu  werden  können,  sobald  ein  genügend  einfaches  Entstehnngsgesetz  der 
betreffenden  Cnrve  vorliegt.  Ein  ausgezeichnetes  Beispiel  hierfür  bietet  die  Strophoide, 
über  deren  Geschichte  und  Litteratur  der  Redner  eine  Reihe  von  Mittheilungen  macht. 

Als  Ausgangspunkt  für  die  synthetische  Behandlung  der  Strophoide  dient  ein 
Entstehungsgesetz,  bei  welchem  ein  fester  Punkt  F — „Brennpunkt“  — , eine  feste 
Gerade  — „Leitlinie“  — und  ein  auf  der  letzteren  gelegener  zweiter  fester  Punkt  0 
vorausgesetzt  werden ; wenn  dann  ein  beliebiger  Punkt  Q,  der  Leitlinie  mit  F durch  eine 
Gerade  verbunden  und  auf  letzterer  ein  Punkt  P so  bestimmt  wird,  dass  PQ  = OQ,  ist, 
so  gehöi’t  P der  Strophoide  an.  Aus  dieser  Entstehungsart  wird  ohne  Schwierigkeit 
eine  zweite  hergeleitet,  bei  welcher  die  Strophoide  als  geometrischer  Ort  für  den 
Scheitel  eines  veränderlichen  Winkels  erscheint,  dessen  Halbirungslinie  und  dessen  einer 
Schenkel  durch  je  einen  festen  Punkt  gehen,  während  der  andere  Schenkel  einer  festen 
Richtung  parallel  ist.  Auch  wenn  drei  feste  Punkte  A,  B,  C gegeben  sind,  und  nun- 
mehr Winkel  construirt  werden,  deren  beide  Schenkel  bez.  durch  A und  durch  B gehen, 
während  die  Halbirungslinien  durch  C verlaufen,  erhält  man  als  geometrischen  Ort  für 
die  Scheitel  eine  Strophoide.  Aus  den  Entstehungsgesetzen  leitet  Redner  eine  Reihe 
von  Eigenschaften  der  Strophoide  ab,  welche  sich  auf  den  Doppelpunkt  und  die  zuge- 
hörigen Tangenten,  die  Asymptote,  den  Wendepunkt  u.  a.  beziehen;  auch  der  besondere 
Fall  der  sogenannten  geraden  Strophoide,  bei  welcher  OF  senkrecht  zur  Leitlinie  ist, 
wird  in  Betracht  gezogen.  Eingehende  Behandlung  finden  sodann  die  zahlreichen  und 
interessanten  Beziehungen  zu  den  Kegelschnitten,  mit  denen  die  Strophoide  auf  mannig- 
fache Weise  in  Zusammenhang  gebracht  werden  kann.  Eine  besondere  Beleuchtung 
erfährt  die  Rolle,  welche  die  Strophoide  als  Quetelet’sche  Fokale  spielt:  Wenn  E irgend 
eine  die  Achse  eines  gegebenen  Rotationskegels  enthaltende  Ebene,  t eine  zu  E senk- 
rechte Tangente  dieses  Kegels  ist , und  nunmehr  durch  t beliebige  Ebenen  gelegt  werden, 
so  ist  der  Ort  der  Brennpunkte  der  entstehenden  Kegelschnitte  eine  in  E gelegene 
Strophoide,  welche  als  Quetelet’sche  Fokale  bezeichnet  wird;  ihr  Brennpunkt  ist  der 
Spurpunkt  der  Geraden  t auf  der  Ebene  E. 


Fünfte  Sitzung  am  21.  November  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  13  Mitglieder. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  K.  Rohn  spricht  über  die  acht  Schnittpunkte 
dreier  Flächen  H.  Grades^'). 

Da  sich  leicht  beweisen  lässt,  dass  die  sämmtlichen  oo"  Flächen  II.  Grades,  welche 
man  durch  sieben  willkürlich  angenommene  Punkte  legen  kann,  stets  noch  durch  einen 
gewissen  achten  Punkt  hindurchgehen,  so  ist  sicher,  dass  die  acht  Schnittpunkte  dreier 
beliebiger  Flächen  II.  Grades  nicht  voneinander  unabhängig  sein  können,  dass  vielmehr 
jeder  einzelne  von  ihnen  durch  die  sieben  übrigen  bestimmt  sein  muss.  Es  entsteht 
daher  das  Problem , zu  sieben  gegebenen  Punkten  eines  solchen  Punktsystems  den  achten 
Punkt  zu  finden,  ein  Problem,  welches  sowohl  geometrisch -constructiv,  als  auch  analy- 
tisch behandelt  werden  kann.  Redner  giebt  — nach  einigen  Notizen  historischen  und 
litterarischen  Inhalts  — im  ersten  Theile  seines  Vortrages  eine  analytische  Lösung  des 
Problems;  dieselbe  besteht  darin,  dass  ein  Weg  gezeigt  wird,  auf  dem  man  zu  linearen 
Gleichungen  gelangen  kann,  denen  die  Coordinaten  des  gesuchten  Punktes  Genüge 
leisten  müssen. 

Vortragender  bezeichnet  durch  1,  2,  3 ...  8 die  acht  Punkte  des  in  Frage  kommenden 
Punktsystems , durch  0 einen  weiteren , laufenden  Punkt  und  durch  (i,  k,  1,  m)  die  aus 
den  16  homogenen  Coordinaten  der  vier  Punkte  i,  k,  1,  m gebildete  vierreihige  Determinante. 
Dann  kann  zunächst  leicht  nachgewiesen  werden,  dass  die  Gleichung 

(8524)  (6724)  + (8624)  (7524)  + (8724)  (5624)  = 0 
eine  Identität  ist.  Ferner  lässt  sich  sofort  übersehen,  dass  die  in  Bezug  auf  die  Co- 
ordinaten des  laufenden  Punktes  0 quadratische  Gleichung 

Q (8520)  (6730)  + u (8620)  (7530)  + r (8720)  (5630)  = 0 

eine  Fläche  II.  Grades  dar  stellt,  welche,  wie  auch  die  Coeffizienten  ^,(r,  r gewählt  werden 
mögen,  stets  durch  die  sechs  Punkte  2,  3,  5,  6,  7,  8 hindurchgeht;  und  wenn  insbesondere 


*)  lieber  den  gleichen  Gegenstand  hatte  Vortragender  bereits  in  der  vorangehenden 
(vierten)  Sectionssitzung  eine  Mittheilung  gemacht. 


23 


^ = (6724):  (6734),  (T  = (7524) : (7534) , r = (5624) : (5634) 

gesetzt  wird,  so  enthält  die  betreffende  Fläche  auch  noch  den  Punkt  4,  wie  man  mit 
Hilfe  der  obigen  Identität  sofort  verifiziren  kann.  Da  mithin  diese  Fläche  durch  sieben 
Punkte  des  betrachteten  Punktsystems  geht,  muss  auf  ihr  auch  noch  der  achte  Punkt 
desselben,  d.  h.  der  Punkt  1,  gelegen  sein,  es  muss  also  zwischen  den  Coordinaten  der 
acht  Punkte  des  Systems  die  ßelation 

(6724)  (8521)  (6731)  (7524)  (8621)  (7531)  (5624)  (8721)  (5631)  _ 

(6734)  ” (7534)  (5634) 

stattfinden.  Diese  ist  aber  offenbar  eine  in  Bezug  auf  die  Coordinaten  des  Punktes  8 
lineare  Gleichung. 

Im  zweiten  Th  eile  des  Vortrages  werden  die  Resultate  der  analytischen  Be- 
trachtungen geometrisch  gedeutet. 


Sechste  Sitzung  am  12.  Decemher  1901.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  M.  Krause.  — Anwesend  14  Mitglieder. 

Conrector  Prof.  Dr.  R.  Henke  spricht  über  die  Beziehungen  des 
Dreiecks  zum  Kreise  im  geometrischen  Unterricht. 

Den  Gegenstand  des  Vortrages  bilden  eine  Reihe  von  Tbatsachen  aus  der  Geometrie 
des  ebenen  Dreiecks,  welche,  obwohl  im  geometrischen  Unterricht  nur  selten  berück- 
sichtigt, demselben  dennoch  sehr  wohl  auf  seinen  verschiedenen  Stufen  zugänglich  sind 
und  auch  reichhaltigen  Stoff  zu  Aufgaben  constructiver  und  rechnerischer  Art  bieten. 

Im  ersten  Theile  des  Vortrages  handelt  es  sich  in  der  Hauptsache  um  gewisse 
Beziehungen,  zu  denen  man  gelangen  kann,  wenn  ein  beliebiges  Dreieck,  sein  Umkreis 
und  die  Halbirungslinie  eines  Dreieckswinkels  in  Betracht  gezogen  wird.  Dabei  werden 
die  Seiten  und  Winkel  des  Dreiecks,  sowie  die  Radien  des  Umkreises  und  Inkreises  in 
der  üblichen  Weise  bezeichnet,  ausserdem  wird  A(a  — 5)  = cZ,  — ß)==  (f  gesetzt,  und 
unter  q der  Abstand  der  Seite  c vom  Schnittpunkte  des  Umkreises  mit  der  Halbirungs- 
linie des  Winkels  y verstanden.  Auf  Grund  der  gedachten  Beziehungen  lässt  sich  als- 
dann das  Dreieck  construiren,  bez.  berechnen,  wenn  r,  g,  d oder  h,  g,  d oder  r,  Ä,  d ge- 
geben sind,  wobei  in  den  beiden  ersten  Fällen  das  Dreieck  eindeutig,  im  dritten  Falle 
hingegen  zweideutig  bestimmt  ist. 

Im  zweiten  Theü  seines  Vortrages  zieht  Redner  den  Feuerbach’schen  Kreis  in 
Betracht  und  giebt  einen  Beweis  des  Feuerbach’schen  Satzes,  nach  welchem  dieser  Kreis 
sowohl  den  Inkreis,  als  auch  die  drei  Ankreise  des  Dreiecks  berührt.  Dabei  wird 
der  Aufgabe  gedacht,  ein  Dreieck  aus  r,  g,  d zu  construiren,  welche  im  Allgemeinen 
zwei  Lösungen  zulässt.  Ein  bemerkenswerther  Umstand  zeigt  sich,  wenn  man  von 
irgend  einem  Punkte  U des  Umkreises  Lothe  auf  die  drei  Seiten  des  Dreiecks  fällt  und 
die  gerade  Linie  (Simson’sche  Gerade)  construirt,  auf  welcher  die  Fusspunkte  dieser  drei 
Lothe  gelegen  sind;  wird  nämlich  U mit  dem  Höhenpunkte  E des  Dreiecks  verbunden, 
so  liegt  der  Halbirungspunkt  V von  UH  stets  auf  der  genannten  geraden  Linie;  und 
wenn  U den  ganzen  Umkreis  durchläuft,  so  beschreibt  gleichzeitig  V den  Feuerbach’schen 
Kreis.  Zu  interessanten  Betrachtungen  giebt  auch  der  Begriff  der  Gegentransversale*) 
Anlass.  Verbindet  man  irgend  einen  Punkt  P der  Ebene  mit  den  drei  Ecken  eines 
gegebenen  Dreiecks  und  construirt  zu  diesen  drei  Verbindungslinien  die  Gegentrans- 
versalen, so  gehen  die  letzteren  durch  einen  Punkt  Pj,  den  sogenannten  Gegenpunkt 
von  P in  Bezug  auf  das  betreffende  Dreieck.  Ist  insbesondere  P ein  Punkt  des  Um- 
kreises, so  liegt  Pj  unendlich  fern,  indem  alsdann  die  drei  Gegentransversalen  zu  ein- 
ander parallel  sind. 

An  der  auf  den  Vortrag  folgenden  Discussion  betheiligen  sich  Prof. 
Dr.  Ph.  Weinmeister,  Prof.  Dr.  R.  Heger  und  Dr.  J.  von  Vieth. 


*)  Zwei  von  einer  Ecke  des  Dreiecks  ausgehende  Transversalen  desselben  werden 
Gegentransversalen  genannt,  wenn  sie  symmetrisch  liegen  zur  Halbirungslinie  des  be- 
treffenden Dreiecks  Winkels. 


24 


Hierauf  spricht  Prof.  Dr.  R.  Heger  über  einen  Satz  der 
m in  an  ten -Theorie. 

Die  Ausführungen  des  Vortragenden  beziehen  sich  auf  den  Nachweis, 

Gleichung  ^ _ ^gj  (34  ^ a)  = 0, 

in  welcher  « zur  Abkürzung  steht  für  567 . . .n,  eine  Identität  ist. 


Deter- 
dass  die 


VII.  Hauptversammlungen. 


Fünfte  Sitzung  am  24.  October  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
Fr.  Fo erster.  — Anwesend  47  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  spricht  über  die  Entwickelung 
der  „Technischen  Botanik“  bis  1900, 

Die  „Technische.  Botanik“  begreift  in  sich  diejenigen  Beziehungen  der  Wissen- 
schaft zu  der  anwendenden  Praxis,  welche  zum  Lehrgebiet  der  technischen  Hochschulen 
gehören.  Sie  ist  demgemäss  an  sich  kein  eigenes  abgeschlossenes  Wissensgebiet,  son- 
dern vielmehr  eine  sich  in  stetiger  Weiterentwickelung  befindende  Kette  vielseitiger 
Beziehungen,  welche  ebenso  sehr  vom  Fortschritte  der  reinen  Wissenschaft  als  von  den 
Forderungen  technologischer  Praxis  abhängen.  Die  Fortschritte  in  der  Erkenntniss  der 
Gährungsphysiologie  einerseits  und  das  Bedürfniss,  die  zu  Papier  benutzten  pfianzlichen 
Rohstoffe  bei  ihrer  steten  Vermehrung  sicher  mikroskopisch  unterscheiden  zu  können, 
anderseits  mögen  als  zwei  treffliche  Beispiele  für  diese  Beziehungen  und  ihre  Ab- 
hängigkeit dienen. 

Den  Haupttheil  der  Technischen  Botanik  bildet  die  seit  1793  von  Beckmann 
und  Böhmer  wissenschaftlich  begründete  und  begrenzte  technologische  Rohstofflehre 
oder  „Waarenkunde“,  welche  zuerst  mit  äusseilichen  Beschreibungen  und  der  Aufzählung 
der  besonderen  Eigenschaften  der  diese  Rohstoffe  liefernden  Nutzpflanzen  und  der 
geographischen  Verbreitung  derselben  begann.  Heute  erkennen  wir  in  der  festen  Ver- 
bindung dieser  älteren  ,,Waarenkunde“  mit  der  bestimmenden  Anatomie  und  der  Zell- 
physiologie das  wissenschaftliche  Gefüge  und  den  dauernd  befestigten  Untergrund,  auf 
dem  allein  die  Beziehungen  zwischen  den  Bedürfnissen  der  Technologie  und  der  wissen- 
schaftlichen Botanik  zur  selbständigen  Blüthe  gelangen  können,  und  "dies  liefert  zugleich 
den  Massstab  für  unsere  Beurtheilung  in  der  Geschichte  der  Rohstofflehre  und  ihrer 
eigenen  Handbücher.  Wenn  wir  die  jetzt  an  der  Jahrhundertwende  erscheinende  neue 
Rohstofflehre  von  J,  Wiesner  in  ihrer  chemisch- physiologisch  und  anatomisch-systematisch 
durchgeführten  Vertiefung  mit  den  vor  mehr  als  100  Jahren  erschienenen,  damals  hoch- 
gelehrten und  dem  entstehenden  Bedürfniss  der  Praxis  vollkommen  gerecht  werdenden 
Büchern  von  Beckmann  und  Böhmer  vergleichen,  so  überblicken  wir  sofort  den 
ganzen  Entwickelungsgang  und  wissenschaftlichen  Fortschritt  der  technischen  Botanik 
und  sehen,  dass  wie  auf  anderen  Gebieten  so  auch  hier  aus  einer  einfachen  Empirie 
sich  ein  complicirtes  Lehrsystem  entwickelte.  Die  ,,Waarenkunde“  bezeichnete  einen 
Lehrgegenstand  für  technische  Gewerbeschulen,  die  Rohstofflehre  von  heute  einen  solchen 
für  die  technischen  Hochschulen  der  Gegenwart. 

Die  ersten  Jahrzehnte  des  nunmehr  abgeschlossenen  Jahrhunderts,  in  dem  neben 
so  vielen  blühenden  Gebieten  angewendeter  Natuiforschung  auch  die  technische  Botanik 
heranwuchs  als  ein  in  seiner  Bedeutung  kaum  schon  genügend  gewürdigter  Zweig, 
zeigten  nach  den  Eingangs  genannten  Werken  keinerlei  grössere  Fortschritte.  Die 
mikroskopische  Technik  musste  sich  erst  selbst  zu  grösserem  Umfange  ausbilden,  und 
nachdem  Schleiden’s  vernichtende  Kritik  gegen  den  lahmen  Geist  in  der  Botanik  der 
vierziger  Jahre  und  gegen  die  Ablehnung  alles  dessen,  was  die  Praxis  mit  wissen- 
schaftlicher Anregung  zu  befruchten  im  Stande  sei,  auch  die  noch  mangelhaft  genug 
gebliebenen  Beziehungen  auf  technischem  Gebiete  herb  hervorgehoben  hatte,  blieb  es 
einigen  Arbeiten  von  Schacht  und  Reis  sek  zunächst  Vorbehalten,  die  neue  Zell- 
physiologie auf  dem  Gebiete  der  Technologie  der  Gespinnstfasern  praktisch  zu  ver- 
werthen  und  eine  Brücke  von  der  Waarenkunde  zur  angewandten  Anatomie  herüber  zu 
schlagen.  Aber  eine  grosse  Entscheidung  wurde  dadurch  noch  nicht  herbeigeführt. 
Dieselbe  konnte  erst  durch  moderne  Umarbeitung  des  Gesammtstoffes  erfolgen,  durch 


25 


zielbewusstes  Vorgehen  und  Belehren  der  Jünger  dieser  Kichtung,  und  hier  war  der 
Mann  der  That  Julius  Wiesner  in  Wien,  & zuerst  an  der  dortigen  Technischen 
Hochschule  die  Fundamente  der  ganzen  uns  heute  beschäftigenden  Bichtung  neu  be- 
gründete. Seine  Einleitung  in  die  „Technische  Mikroskopie“  vom  Jahre  1867  und  seine 
erste  Ausgabe  der  „Rohstoffe  des  Pflanzenreiches“  im  Jahre  1873  sind  die  Marksteine 
der  eigenartigen  und  kräftigen  Entwickelung  eines  neuen  Lehrzweiges  angewandter 
Botanik.  Auch  nach  seinem  üebertritt  von  der  Technischen  Hochschule  zur  pflanzen- 
physiologischeii  Lehrkanzel  an  der  Universität  in  Wien  hat  Wiesner  dieses  Kind  seiner 
ersten  wissenschaftlichen  Anstrengungen  weiter  gepflegt  und  konnte  es  unter  der  Obhut 
von  Schülern  kräftig  heranwachsen  sehen.  So  ist  die  zweite  Ausgabe  seiner  „Rohstoffe“, 
von  der  jetzt  erst  noch  der  1.  Band  vollendet  vorliegt*),  ein  ebenso  bedeutungsvoller 
Markstein  für  das  Ende  unseres  Jahrhunderts.  Nicht  weniger  als  elf  Autoren  haben 
neben  Wiesner  an  demselben  mitgewirkt,  ausser  Miko  sch  in  Brünn  und  Molisch  in 
Prag  lauter  Wiener  Naturforscher;  ihr  stattlicher  Kreis  zeigt  ebenso  deutlich  den  Um- 
fang und  die  Mannigfaltigkeit  verschiedenartiger  Beziehungen  in  der  Rohstofflehre,  als 
die  Blüthe,  zu  der  dieser  Zweig  der  Wissenschaft  gerade  in  Wien  gelangt  ist.  „Die 
technische  Waarenkunde  auf  wissenschaftliche  Orundlage  gestellt  zu  haben  bleibt  ein 
Verdienst  Wiesner’ s“,  so  lautet  in  knappen,  sehr  viel  Wahrheit  in  sich  schliessenden 
Worten  ein  Ausspruch  in  der  Geschichte  der  Botanik  in  Wien  im  Jubelbande  der 
dortigen  zoologisch -botanischen  Gesellschaft  1901. 

Die  einer  wissenschaftlich  begründeten  Lehre  von  den  technisch  verwendeten  Roh- 
stoffen des  Pflanzenreichs  zufallendeu  Aufgaben  erstrecken  sich  auf  folgende  Hauptpunkte : 

1.  Genaue  Unterscheidung. 

2.  Ermittelung  der  die  Verwendung  beeinflussenden  Eigenschaften,  vom  botanischen 

Standpunkte. 

3.  Ermittelung  der  Herkunft  und  Gewinnungsweise: 

a)  nach  anatomischer  Organographie, 

b)  nach  systematischer  Charakterisirung, 

c)  nach  Heimath,  bez.  Culturgebiet  und  geographischen  Rassen. 

Zumeist  werden  sich  die  praktischen  Technologen  mit  Punkt  1 — 2 begnügen  und 
sich  durch  diese  zu  mikroskopischen  Untersuchungsmethoden  führen  lassen. 

Immer  mehr  stellt  sich  eine  nützliche  Arbeitstheilung  zwischen  Mitteleuropa  und 
den  reichen  tropischen  Productionsländern  heraus  der  Art,  dass  die  Entfaltung  der 
technologischen  Industrie  zur  Verarbeitung  von  Rohstoffen  in  den  Ländern  der  nördlich 
gemässigten  Zone  stattfindet,  während  die  Tropen  zur  Entfaltung  des  Plantagenbaues 
und  der  rationellen  Ausbeutung  natürlicher  Vegetationsbestände  zur  Gewinnung  solcher 
Rohstoffe  schreiten.  In  der  Vielseitigkeit  wissenschaftlicher  und  praktischer 
Rücksichten  entwickelt  sich  dabei  die  Rohstofflehre  der  Pflanzen  zu 
einer  besonderen  Disciplin,  und  der  Lage  der  Sache  nach  zu  der  bota- 
nischen Besonderheit  technischer  Hochschulen. 

So  können  wir  heute  mit  besonderem  Stolz  auf  das  schauen,  was  auf  diesem  Ge- 
biete von  1870 — 1900  geleistet  worden  ist;  war  die  erste  Periode  der  Geschichte  der 
„Technischen  Botanik“  von  1793 — 1867  im  Wesentlichen  „Waarenkunde“,  so  gestaltete  sich 
die  zweite  Periode  seit  Wiesner ’s  „Technischer  Mikroskopie“  zu  einer  strebsamen 
Vertiefung  auf  dem  Gebiete  der  anatomisch  - physiologischen  Mikroskopie,  welche  leb- 
haften Antheil  an  dem  Gesammtfortschritte  der  Wissenschaft  nahm  und  in  einer  grossen 
Zahl  technisch  wichtiger  Pflanzenkörper  das  wissenschaftliche  Lehrgebäude  selbständig 
förderte.  Allseitig  ist  das  Interesse  an  den  Nutzpflanzen  und  ihren  Producten  erwacht; 
die  botanischen  Museen  eröffnen  diesen  ihre  Säle  und  bemühen  sich,  gemeinnütziges 
Wissen  dadurch  zu  fördern;  Monographien  aus  den  Tropen  werden  in  ihnen  zu  dem 
Zwecke  bearbeitet,  wie  z.  B.  der  grosse  Band  über  die  „Nutzpflanzen  Ostafrikas“  aus 
dem  Berliner  Museum.  Gleichzeitig  arbeitet  dm  Chemie  mächtig  an  der  Synthese  so 
vieler  Dinge,  die  sie  aus  dem  Pflanzenreiche  kennen  lernte,  und  sucht  die  Natur  der 
Rohstoffe  von  ihrem  Standpunkte  aus  ebenfalls  zu  charakterisiren  und  aufzuhellen. 

So  lässt  sich  erwarten,  dass  die  technischen  Hochschulen  diesen  Zweig  der  Botanik 
weiterhin  kräftig  ausbilden  helfen  werden,  den  sie  als  ihr  eigenstes  Gebiet  im  Kreise 
der  organischen  Naturwissenschaften  überkommen  haben.  Die  jetzt  noch  geringe  Schüler- 
zahl wird  sich  in  dem  Umfange  heben,  wie  die  Verwendung  der  analytischen  Mikros- 


*)  Die  Rohstoffe  des  Pflanzenreichs;  Versuch  einer  technischen  Rohstoff  lehre  des 
Pflanzenreiches.  Von  Dr.  Julius  Wiesner.  Leipzig,  Verlag  von  W.  Engelmann. 
Bd.  I,  1900.  795  S.  8 <>. 


26 


kopie  auch  in  den  Untersuchmigsämtern  für  Nahrungsmittel  und  für  landwirthschaft- 
liche  Grewerhe  steigt.  Die  einmal  geknüpfte  Verbindung  der  Botanik  mit  den  tech- 
nischen Hochschulen  wird  sich  von  selbst  kräftigen  und  vertiefen,  sowohl  wegen  ihrer 
jetzt  die  weitesten  Kreise  beschäftigenden  physiologischen  Lehrmethode,  als  auch  wegen 
der  den  Sinn  auf  grosse  Verbindungen  richtenden  Weltlage. 

Privatus  K.  Schiller  lässt  zum  Schluss  einen  Polyporus  giganteus 
circuliren.  


Sechste  Sitzung  am  28.  November  1901.  Vorsitzender;  Prof.  Dr. 
Fr.  Foerster.  — Anwesend  51  Mitglieder  und  4 Gäste. 

Nach  der  Wahl  der  Beamten  der  Gesellschaft  für  das  Jahr  1902 
(s.  S.  29)  spricht 

Dr.  A.  Schlossmann  unter  Vorführung  zahlreicher  Projectionsbilder 
über  die  biologischen  Anschauungen  des  19.  Jahrhunderts. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  längere  Discussion,  an  welcher 
sich  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof.  Dr.  Fr.  Foerster,  Geh.  Hof- 
rath Prof.  Dr.  E.  von  Meyer  und  der  Vortragende  betheiligen. 


Siebente  Sitzung  am  19.  December  1901.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
Fr.  Foerster.  — Anwesend  61  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  spricht  in  längerem,  durch  Wand- 
tafeln, Projectionsbilder,  Geweihe  und  Modelle  erläutertem  Vortrage  über 
das  Kenthier  als  Jagd-  und  Hausthier  der  Polarvölker. 

Hervorzubeben  ist  aus  der  Darstellung,  dass  der  Vortragende,  gestützt  auf  eigene 
eingehende  Studien,  nach  weist,  dass  das  Kenthier  von  den  verschiedenen  altweltlichen 
Polarvölkern  als  Hausthier  in  vier  ganz  verschiedenen  Weisen  genützt  wird. 

Bei  den  Lappen  ist  das  Ren  im  Sommer  Melkthier  und  Tragthier,  während  es  im 
Winter  einspännig  den  einem  halben  Boote  ähnlichen  Schlitten  zieht.  Als  Reitthier 
verwenden  es  die  Lappen  niemals. 

Bei  allen  weiter  östlich  wohnenden  Renthierzüchtern  wird  das  Ren  dagegen  nicht 
gemolken,  sondern  nur  als  Transportthier  verwendet. 

Bei  den  Samojeden  zieht  dasselbe  sowohl  im  Sommer  wie  im  Winter  den  mehr- 
spännigen  Kufenschlitten,  dessen  Sitz  ziemlich  hoch  über  den  Kufen  steht. 

Von  den  Tungusen  (und  Jakuten)  wird  das  Ren  nicht  vor  den  Schlitten  gespannt, 
sondern  als  Reit-  und  Tragthier  benutzt.  Reit-  und  Lastsattel  sind  nach  dem  Muster 
des  gewöhnlichen  Bocksattels  für  Pferde  gebaut,  so  dass  dieser  Lastsattel  sich  typisch 
unterscheidet  von  dem  nach  ganz  anderen  Principien  gebauten  Lastsattel  der  Lappländer. 

Die  Behringsvölker  des  östlichsten  Asiens,  besonders  die  Tschuktschen  und  Korjäken 
benutzen  dagegen  das  Ren  wieder  ausschliesslich  als  Zugthier  an  mehrspännigen  Kufen- 
schlitten, dessen  Sitz  aber,  wie  der  der  Hundeschlitten,  sehr  niedrig  steht. 

Aus  letzteren  Thatsachen  ergiebt  sich  mit  grosser  Wahrscheinlichkeit,  dass  bei 
den  Tungusen  die  Renthiernutzung  nicht  ursprünglich  üblich  war,  sondern  bei  ihnen 
das  Ren  an  die  Stelle  des  Pferdes  trat,  als  dieser  mongolische  Volksstamm  aus  seiner 
ursprünglichen  südlichen  Heimath  in  die  polaren  Gebiete  hinaufgedrängt  wurde. 

Ebenso  scheinen  die  Behringsvölker  aus  ihrer  eigentlichen  Heimath,  dem  nörd- 
lichsten Amerika  nur  den  Hund  als  Zugthier  mitgebracht  und  erst  in  Asien  das  Ren 
als  theilweisen  Ersatz  für  ihn  angenommen  zu  haben. 


Excursion.  An  Stelle  der  Hauptversammlung  vom  26.  September  1901 
fand  am  Nachmittag  des  28.  September  d.  J.  unter  Führung  von  Prof. 
H.  Engelhardt  eine  Besichtigung  des  Albertparkes  in  Dresden- 
Neustadt  statt,  an  welcher  sich  12  Mitglieder  und  Gäste  betheiligten. 


27 


Yeränderungen  im  Mitgliederbestände. 


Gestorbene  Mitglieder: 

Am  14.  September  1901  starb  in  Blasewitz  Architect  Richard  Günther, 
wirkliches  Mitglied  seit  1891. 

Am  1.  December  1901  starb  der  consultirende  Bergingenieur  Adolf 
Hering,  von  1895 — 1899  wirkliches  Mitglied  unserer  Gesellschaft,  seitdem 
correspondirendes  Mitglied  in  Freiberg. 

Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 


Barthel,  Theod.,  Kais.  Obertelegraphenassistent  in  Dresden,  am  19.  De- 
cember 1901; 

Dieseldorff,  Arth.,  Dr.  phiL,  Assistent  am  mineralog.  Institut 
der  K.  Technischen  Hochschule  in  Dresden, 

Fehrmann,  Max,  Bürgerschullehrer  in  Dresden, 

Gerlach,  G.  Th.,  Dr.  phil,  Privatus  in  Dresden,  am  28.  November  1901; 
Hesse,  Waith.,  Dr.  med.,  Medicinalrath  in  Dresden, 

His,  Wilh.,  Dr.  med.,  Oberarzt  am  städtischen  Krankenhaus 
in  Dresden, 

Hoffmann,  Rieh.,  Dr.  med.  in  Dresden, 

Kunz-Krause,  Herrn.,  Dr.  phil,  Professor  an  der  K.  Thierärztlichen  Hoch- 
schule in  Dresden,  am  28.  November  1901; 

Meigen,  Frdr.,  Dr.  phil.,  Realschuloberlehrer  in  Dresden,  am  19.  De- 
cember 1901 ; 

Meis  er,  Emil,  Mechaniker  in  Dresden,  am  28.  November  1901; 

Müller,  Otto,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  19.  December  1901; 

Richter,  M.  Em.,  Dr.  jur.,  Rechtsanwalt  in  Dresden,  am  28.  November  1901; 
Rössner,  Paul,  Bezirksschullehrer  in  Löbtau, 

Schanz,  Fritz,  Dr.  med.  in  Dresden, 


am  24.  Oc- 
tober  1901; 


am  19.  De- 
cember 
1901; 


I am  19.  December  1901. 


In  die  wirklichen  Mitglieder  sind  übergetreten: 

Stauss,  Waith.,  Dr.  phil.,  Chemiker  in  Dresden; 

Vater,  Heinr.,  Dr.  phil.,  Professor  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt. 


Neu  ernanntes  Ehrenmitglied: 

Rad  de,  Gust.,  Dr.  phil.,  Kais.  Russ.  Staatsrath,  Director  des  Kaukasischen 
Museums  in  Tiflis,  am  28.  November  1901. 

In  die  correspondirenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 
Petrascheck,  Wilh.,  Dr.  phil.,  Sectionsgeolog  in  Wien. 


28 


Freiwillige  Beiträge  zur  Gesellschaftskasse 

zahlten:  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Bachmann,  Plauen  i.  V., 
3 Mk.;  K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Modelleur  Bl  aschka, 
Hosterwitz,  3 Mk.;  Privatus  Eisei,  Gera,  3 Mk.;  Bergmeister  Hartung, 
Lohenstein,  4 Mk.;  Bergingenieur  Hering,  Freiherg,  3 Mk.  15  Pf.;  Prof. 
Dr.  Hibsch,  Liebwerd,  3 Mk.;  Bürgerschullehrer  Hof  mann,  Grossenhain, 
3 Mk.;  Apotheker  Dr.  Lange,  Werningshausen,  6 Mk,;  Fabrikbesitzer 
Dr.  Naschold,  Aussig,  15  Mk.  10  Pf.;  Prof.  Naumann,  Bautzen,  3 Mk.; 
Stabsarzt  Dr.  Naumann,  Gera,  3 Mk.;  Betriebsingenieur  a.  D,  Prasse, 
Leipzig,  6 Mk.;  Dr.  Reiche,  Santiago -Chile,  3 Mk.;  Director  Dr.  Reide- 
ln ei  st  er,  Schönebeck,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Schneider,  Blasewitz,  9 Mk. ; 
Oberlehrer  Seidel  I,  Zschopau,  3 Mk.  20  Pf.;  Rittergutspachter  Sieber, 
Grossgrabe,  3 Mk.  15  Pf.;  Fabrikbesitzer  Dr.  Siemens,  Dresden,  100  Mk.; 
Dr.  Stau  SS,  Hamburg,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk.;  Landes- 
geolog Dr.  Steuer,  Darmstadt,  3 Mk.  10  Pf.;  Prof.  Dr.  Vater,  Tharandt, 
3 Mk.;  Oberlehrer  Wolff,  Pirna,  3 Mk.  — ln  Summa  197  Mk.  70  Pf. 


G.  Lehmann, 
Kassirer  der  „Isis“. 


29 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1902. 

Yorstand. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr.  Foerster. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Directorium. 

Erster  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr.  Foerster. 

Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstände: 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche, 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude, 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky, 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller, 

Privatdocent  Dr.  A.  Schlossmann, 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 

Erster  Secretär:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Y erwaltungsrath. 

Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Mitglieder:  1.  Fabrikbesitzer  L.  Gut h mann, 

2.  Privatus  W.  Putscher, 

3.  Fabrikbesitzer  E.  Kühnscherf, 

4.  Prof.  Dr.  G.  Helm, 

5.  Prof.  H.  Fischer, 

6.  Fabrikbesitzer  Dr.  Fr.  Siemens. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Bibliothekar:  Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Sectionsheamte. 

I.  Seetion  für  Zoologie. 

Vorstand:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche. 
Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz. 

Protocollant:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 

II.  Seetion  für  Botanik. 

Vorstand:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude. 

Stellvertreter:  Prof.  K.  Wobst. 

Protocollant:  Garteninspector  F.  Le  dien. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


30 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  E,  Kalkowsky. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  W.  Bergt. 

Protocollant:  Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner. 

IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  H.  Döring. 

Protocollant:  Taubstummenlehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Lehrer  H.  Ludwig. 

V.  Section  für  Physik  und  Chemie. 

Vorstand:  Privatdocent  Dr.  A.  Schlossmann. 

Stellvertreter:  Dr.  A.  Beythien. 

Protocollant:  Dr.  H.  Thiele. 

Stellvertreter:  Dr.  R.  Engelhardt. 

VI.  Section  für  Mathematik. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 

Stellvertreter : Oberlehrer  Dr.  A.  W i 1 1 i n g. 

Protocollant:  Privatdocent  Dr.  E.  Naetsch. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 


Redactions  - Comite. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1901  wurde  die  Bibliothek  der  ,,Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Tauscli. 

I.  E 11.  x*  o p a. 

1.  Deutschland. 

Altenburg:  Naturforschende  Gesellschaft  des  Osterlandes.  — Mitteil.,  neue 
Folge,  9.  Bd.  [Aa  69.] 

Annaher g-BuchhoU:  Verein  für  Naturkunde. 

Augsburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg. 
Bamberg:  Naturforschende  Gesellschaft.  — XVIII.  Bericht.  [Aa  19.] 
Bautzen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“. 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhandl.,  Jahrg.42. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  52,  Heft  3 
und  4;  Bd.  53,  Heft  1-3.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verhandl.,  Juni  1900  bis  April  1901.  [G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  Bheinlande,  Westfalens 
und  des  Keg.-Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  57.  Jahrg.  [Aa  93.] 
Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
ber.,  1900.  [Aa  322.] 

Braunschtveig:  Verein  für  Naturwissenschaft. 

Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XV,  Heft  3; 
Bd.  XVH,  Heft  1.  [Aa  2.] 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 78.  Jahresber. 
[Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Chemnitz:  K.  Sächsisches  m.eteorologisches  Institut.  — Jahrbuch,  XVI.  Jahrg., 
1. — 2.  Abth.  [Ec  57.]  — Abhandl.,  Heft  5 — 6.  [Ec  57  b.]  — Dekaden 
Monatsberichte  1900.  [Ec  57c.]  — Das  Klima  des  Königreichs  Sachsen, 
Heft  6.  [Ec  57.] 

Danziq:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Schriften,  Bd.  X,  Heft  2 — 3. 
[Aa  80.] 

Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  Grossherzogi.  geologische  Landes- 
anstalt. — Notizbl.,  4.  Folge,  21.  Heft.  [Fa  8.] 

Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landesteile. 


32 


Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. — Jahresber.,  1899 — 1900. 
[Aa  47.] 

Dresden:  Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  ,,Flora‘^  — Sitzungsber. 

u.  Abbandl.,  4.  u.  5.  Jabrg.  [Ca  26.] 

Dresden:  K.  Mineralogisch -geologisches  Museum. 

Dresden:  K.  Zoologisches  und  Anthrop.-ethnogr.  Museum. 

Dresden:  K.  Oeffentliche  Bibliothek. 

Dresden:  Verein  für  Erdkunde. 

Dresden:  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  — Neues  Archiv  für  Sachs. 

Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XXIl.  [G  75.] 

Dresden:  Oekonomische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittheil. 

1900— 1901.  [Ha  9.] 

Dresden:  K.  Thierärztliche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinär  wesen 
in  Sachsen,  45.  Jahrg.  [Ha  26.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  über  die  K.  Sächs. 
Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1900 — 1901;  Verzeichniss  der  Vorlesungen 
und  Uehungen  sammt  Stunden-  und  Studienplänen,  S.-S.  1901,  W.-S. 

1901— 1902.  [Je  63.]  — Personalverz.  Nr.  XXIH.  [Je  63b.] 
Dürhlieim:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Rheinpfalz  „Pollichia“.  — 

LVH.  u.  LVHI.  Jahresber.;  Mitteil.  Nr.  13 — 15.  [Aa  56.] 

Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Elberfeld:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 85.  Jahresber.  [Aa  48b.] 
Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfiwt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften.  — Jahrb.,  Heft  XXV 
bis  XXVII.  [Aa  263.]  _ 

Erlangen:  Physikalisch -medicinische  Societät. 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenhergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1901.  [Aa  9 a.] 

Frankfurt  a.  M,:  Physikalischer  Verein.  — Jahresber.  für  1899—1900. 
[Eb  35.] 

Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — „Helios“,  18.  Bd.;  Societatum  litterae,  Jahrg.  XIV. 
[Aa  282.] 

Freiberg:  K.  Sächs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  136.  Studien- 
jahr. [Aa  323.] 

Frefburg  i.  B.:  Naturfor sehende  Gesellschaft. 

Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften. 

Giessen:  Oberhessisebe  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde. 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Abhandl.,  Bd.  23.  [Aa  3.J 
Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  76;  Codex  diplomat.  Lusatiae  superioris  H, 
Bd.  II,  Heft  1.  [Aa  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 
Greifsiuald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mittheil.,  32.  Jahrg.  [Aa  68.] 

Greifsiuald:  Geographische  Gesellschaft. 

Guben:  Niederlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte.  — 
Mittheil.,  VI.  Bd.,  Heft  6 — 8.  [G  102.] 

Güstroiu : Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg. 

Halle  a.  S.:  Naturforschende  Gesellschaft. 


33 


Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Carolinische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXVI,  Nr.  12;  Heft  XXXVII.  [Aa  62.] 

Halle  a.  S.:  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jahrg.  1901.  [Fa  16.] 
Hamburg:  Naturhistorisches  Museum.  — Jahrbücher,  Jahrg.  XVII,  mit  Bei- 
heft 1—4.  [Aa  276.] 

Hamburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Abhandl.,  Bd.  XVI,  2.  Hälfte. 

[Aa  293.]  — Verhandl.,  HI.  Folge,  8.  Heft.  [Aa  293b.] 

Hamburg:  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung.  — Verhandl., 
Bd.  XI.  [Aa  204.] 

Hanau:  Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Hannover:  Naturhistorische  Gesellschaft.  - — Jahresber.  48  u,  49.  [Aa  52.] 
Hannover:  Geographische  Gesellschaft. 

Heidelberg:  Naturhistorisch -medicinischer  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  VI, 
Heft  4 — 5.  [Aa  90.] 

Hof:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landeskunde. 
Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  XIV.  [Aa  88. 
Karlsruhe:  Badischer  zoologischer  Verein.  — Mitteil.,  Nr.  1 — 10.  [Ba  27. 
Kassel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abhandl.  und  Bericht,  Nr.  46.  [Aa  242.^ 
Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde.  — Zeitschr., 
Bd.  XXIV,  2.  Heft;  Bd.  XXV;  Mittheil.,  Jahrg.  1899  u.  1900.  [Fa  21.] 
Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig -Holstein.  — ScWften, 
Bd.  XH,  1.  Heft.  [Aa  189.] 

Köln:  Redaction  der  Gaea.  — Natur  und  Lehen,  Jahrg.  37.  [Aa  41.] 
Königsberg  i.  Pr.:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
41.  Jahrg.  [Aa  81.]  — Bericht  über  die  Verwaltung  des  Ostpreus- 
sischen  Provinzialmuseums  von  1893  — 95.  [Aa  81b.] 

Königsberg  i.  Pr.:  Altertums -Gesellschaft  Prussia. 

Krefeld:  Verein  für  Naturkunde. 

Landshut:  Botanischer  Verein.  — Bericht  16.  [Ca  14.] 

Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg.  26  u.  27. 
[Aa  202.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-phys.  Classe,  LH.  Bd.,  Heft  6 u.  7;  LIII.  Bd., 
Heft  1 — 3.  [Aa  296.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung.  — Erläuterungen 
zu  Sect.  Glauchau -Waldenburg  (Bl.  94),  2.  Aufl.  [De  146.] 

Lübeck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum.  — 
Mitteil.,  2.  Reihe,  Heft  14  u.  15.  [Aa  279  b.] 

Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 

— Jahresh.  XV,  mit  Erinnerungsschrift.  [Aa  210.] 

Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Mainz:  Römisch -germanisches  Centralmuseum.  — Bericht  1895  — 1900. 
[G  145.] 

Mannheim:  Verein  für“  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesummten  Naturwissen- 
schaften. — Sitzungsber.,  Jahrg.  1899  u.  1900.  [Aa  266.] 

Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  Meissen  i.  J.  1900.  [Ec  40.]  — Mittheilungen  aus  den 
Sitzungen  des  Vereinsjahres  1900 — 1901.  [Aa  319.] 

Münster:  Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 
Neisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  ,,Philomathie“.  — 30. Bericht.  [Aa28.] 


34 


Nürnberg:  Naturhistorische  Gesellschaft.  — Festschrift  zur  Säcularfeier 
1901.  [Aa  5.] 

Offenhach:  Verein  für  Naturkunde.  — 37. — 42.  Bericht.  [Aa  27.] 
Osnabrück:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — XIV.  Jahresber.  [Aa  177.] 
Fassau:  Naturhistorischer  Verein.  — 18.  Jahresber.  [Aa  55.] 

Posen:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Zeitschr.  der  botan.  Abtheil., 
7.  Jahrg.,  Heft  3;  8.  Jahrg.,  Heft  1 — 2.  [Aa  316.] 

Regensburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Regensburg:  K.  botanische  Gesellschaft. 

Reichenbach  i.  V.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Reutlingen:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  Ornithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 
Geflügelzucht,  Jahrg.  XXV.  [Bf  57.] 

Stuttgart:  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  57.  [Aa  60.] 

Stuttgart:  Württembergischer  Altertums  verein.  — Württemberg.  Viertel- 
jahrshefte für  Landesgeschichte,  n.  F.,  10.  Jahrg.  [G  70.] 

Tharandt:  Redaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  LV;  LVI,  Heft  1.  (In  der  Bibliothek 
der  Versuchsstation  im  botan.  Garten.) 

Thorn:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen.  — Die  Saecularfeier  mit 
Festschr.,  1901.  [Aa  262.] 

Ulm:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften. 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein.  ^ — Mittheil.,  n.F.,  15.  Heft.  [Ca  23.] 
Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde. 

Würzburg:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1900.  [Aa  85.] 

Zerbst:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Zivickau:  Verein  für  Naturkunde. 

2.  Oesterreich-Ungarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbelehrlingsschule.  — XXV.  Jahresber.  [Je  105.] 

Brünn:  Naturforschender  Verein.  — Verhandh,  Bd.  XXXVHI,  u.  18.  Bericht 
der  meteorolog.  Commission.  [Aa  87.] 

Brünn:  Lehrerverein,  Club  für  Naturkunde.  — Bericht  HI.  [Aa  330.] 
Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtani  Közlöny,  XXX. 

köt.,  10 — 12.  füz.;  XXXI.  köt.,  1 — 9.  füz.  [Da  25.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften. — Mathemat.  u.  naturwissensch.  Berichte, 
14.— 16.  Bd.  [Ea  37.] 

Graz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — Mittheil.,  Jahrg. 
1900.  [Aa  72.] 

Hermannstadt:  SiebenbürgischerVerein  für  Naturwissenschaften. — Verhandl. 

und  Mittheil.,  L.  Jahrg.  [Aa  94.] 

Iglo:  Ungarischer  Karpathen -Verein. 


35 


Innsbruck:  Naturwissenschaftlicli-medicinisclier  Verein.  — Berichte,  XXVI. 
Jahrg.  [Aa  171.] 

Klagenfurt:  Natur  historisches  Landes -Museum  von  Kärnthen. — Jahrbuch, 
26.  Heft.  [Aa  42.]  — Diagramme  der  magnet.  u.  meteorolog.  Beobacht, 
zu  Klagenfurt,  1900.  [Ec  64.] 

Krakau:  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1900,  Nr.  10;  1901, 
Nr.  4-7.  [Aa  302.] 

Laibach:  Musealverein  für  Krain. 

Lins:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — 30.  Jahresber. 
[Aa  213.] 

Lins:  Museum  Francisco-Carolinum.  — 59.  Bericht  nebst  der  53.  Lieferung 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Prag:  Deutscher  naturwissenschaftlich -medicinischer  Verein  für  Böhmen 
„Lotos“.  — Sitzungsber.,  Bd.  XX.  [Aa  63.] 

Prag:  K. Böhmische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Sitzungsber.,  mathem.- 
naturwissensch.  CI.,  1900.  [Aa  269.]  — Jahresber.  für  1900.  [Aa  270.] 
Prag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Geschäftsber. 

1900.  [Aa272.]  — Pamätky  archaeologicke,  dil.XVIIl,  ses.6 — 8;  dil.XIX, 
ses.  1 — 5.  [G71.]  — Starozit  nosti  zeme  ceske,  dil.  1,  svazek2.  [G71.] 

IVag:  Lese-  und  Bedehalle  der  deutschen  Studenten.  — Jahresber.  für  1900. 
[Ja  70.] 

Prag:  Ceska  Akademie  Cisare  Frantiska  Josefa.  — Kozpravy,  trida  II, 
rocnik  9.  [Aa  313.] 

Presbmg:^  QTQm  für  Heil- und  Naturkunde.  — Verhandl.,  n.F.,  Heftl2.  [Aa92.] 
Peichenberg:  Verein  der  Naturfreunde.  — Mittheil.,  Jahrg.  32.  [Aa  70.J 
Salsburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mittheil.,  Bd.  XL. 
[Aa  71.] 

Temesvär:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudomänyi  Füzetek,  XXIV.  köt.,  füz.  4;  XXV.  köt.  [Aa  216.] 
Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Comitates. 
Triest:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Mittheil,  der  praehistor. 
Commission,  Bd.  5.  [G  111.]  — Anzeiger,  1898,  Nr.  13—27;  1899; 
1900;  1901,  Nr.  1-20.  [Aa  11.] 

Wien:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse.  — 
Schriften,  Bd.  XLI.  [Aa  82.] 

Wien:  K.  K.  naturhistorisches  Hofmuseum.  — Annalen,  Bd.  XV,  Nr.  3 — 4. 
[Aa  280.] 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Bd.  XXX,  Heft  6; 

Bd.  XXXI,  Heft  1—5;  Generalregister  zu  Bd.  XXI— XXX.  [Bd  1.] 
Wien:  K.  K.  geologische  Reichsanstalt.  — Abhandl.,  Bd.  XVI,  Heft  1.  [Da  1.] 
— Jahrbuch,  Bd.  L,  Heft  2.  [Da  4.]  — Verhandl.,  1900,  Nr.  13—18; 

1901,  Nr.  1 — 14.  [Da  16.]  — Geologische  Karte  der  Oesterreich- 
Ungarischen  Monarchie.  S.-W.- Gruppe,  Nr.  71  u.  Nr.  121,  mit  Erläut. 
[Da  33.] 

Wien:  K.  K.  zoologisch -botanische  Gesellschaft  — Verhandl.,  Bd.  L,  u. 
Festschrift.  [Aa  95.] 

Wien:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität. 

Wien:  Central  - Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1898;  1899,  1.  Theil.  [Ec  82.] 


36 


3.  Rumänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Roumanie. 

4.  Schweiz. 

: Aargauische  naturforschende  Gesellschaft. — Mittheil.,  Heft  9.  [Aa317.] 
Basel:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.,  Bd.  XIII,  Heft  1 — 2; 

Register  für  Bd.  XI-— XH;  Bd.  XIV.  [Aa  86.J 
Bern:  Naturforschende  Gesellschaft.  — MittheiL,  Nr.  1451—1499.  [Aa  254.' 
Bern:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  11.  [Ca  24.' 
Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft.  — Verhandl.  der  82. 

u.  83.  Jahresversammlung.  [Aa  255.] 

Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Graubündens. 

Frauenfeld:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft.  — Mitteil.,  Heft  14. 
[Aa  261.] 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  vol,  VHI. 
[Aa  264.]  — Memoires:  Chemie,  Bd.  I,  no.  1 — 2;  Botanik,  Bd.  1,  no.  1; 
Geologie  und  Geographie,  Bd.  I.  [Aa  264h.] 

St.  Gallen:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht  für  1898— 99.  [Aa  23.] 
Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  4.  ser., 
vol.  XXXVI,  no.  138;  vol.  XXXVll,  no.  139 — 141.  [Aa  248.] 
Neuchatel:  Societe  des  Sciences  naturelles. 

Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — Mittheil,, 
Vol.  X,  Heft  8.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles. 
Winterthur:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Viertel] ahrsschr.,  Jahrg.  45, 
Heft  3 — 4;  Jahrg. 46,  Heft  1 — 2.  [Aa  96.]  — Neujahrsbl.  1901.  [Aa  96b.] 

5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France. 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Memoires, 
ser.  5,  tome  V,  cah.  2;  appendice  au  tome  V;  proces  verbaux,  annee 
1899—1900.  [Aa  253.] 

Cherbourg:  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques.  — 
Memoires,  tome  XXXI.  [Aa  137.] 

Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  helles  lettres.  — Memoires,  tome  VII. 
[Aa  138.]  ^^  ^ 

Le  Mans:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXIX,  fase.  4;  tome  XXX,  fase.  1.  [Aa  221.] 

Lyon:  Societe  Linneenne. 

Lyon:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  industrie. 

Lyon:  Academie  des  Sciences  et  lettres. 

Paris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXV.  [Ba  24.] 
Toulouse:  Societe  Frangaise  de  botanique. 

6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  m.alacologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  XXXIV 

bis  xxxy.  [Bi  1.] 

Brüssel:  Societe  entomologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  XLIV. 
[Bk  13.]  — Memoires,  tome  VIII.  [Bk  13b.] 


37 


Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique.  — Bulletin,  tome  XXXIX. 
[Ca  16.] 

Gembloux:  Station  agronoinique  de  l’etat.  — Bulletin,  no.  69 — 70.  [Hb  75.] 
Lüttich:  Societe  geologique  de  Belgique. 

7.  Holland. 

Gent:  Kruidkundig  Genootscbap  ,,I)odonaea“. 

Groningen:  Naturkundig  Genootscbap.  — Centralbureau  voor  de  Kennis 
van  de  Provincie  Groningen  en  omgebgen  streken:  Bejdragen,  deel  1, 
stuk  3—4.  [Je  80  b.] 

Hartem:  Musee  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  VII,  p.  3.  [Aa  317.] 
Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Archives  Neerlandaises 
des  Sciences  exactes  et  naturelles,  ser.  II,  tome  IV,  livr.  3 — 3;  tome 
V u.  VI.  [Aa  357.] 

8.  Luxemburg. 

Luxemburg:  botanique  du  Grandduche  de  Luxembourg. — Memoires 

et  travaux,  Nr.  XIV.  [Ca  11.] 

Luxemburg:  Institut  grand-ducal.  — Publications,  tome  XXVI.  [Aa  144.] 
Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  ,, Fauna“.  — Mittheil.,  10. 
Jahrg.  [Ba  36.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  Fanno  1900.  [Aa  199.} 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — Atti,  ser.  4,  vol.  XIII. 

[Aa  149.]  — Bollettino,  ^fasc.  LXIV — LXX.  [Aa  149b.] 

Florenz:  B.  Instituto.  — Section  für  Physik  und  Naturgesch.,  Publicat., 
Nr.  38  — 39;.  Section  für  Medicin  und  Chirurgie,  Publicat..  Nr.  15, 
18  — 30.  [Aa  339.] 

Florenz:  Societa  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XXXII,  tr.  4; 
anno  XXXIII,  tr.  1 — 3.  [Bk  193.] 

Mailand:  Societa  Italiana  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  XXXIX, 
fase.  3 — 4;  vol.  XL,  fase.  1—3.  [Aa  150.]  — Memorie,  vol.  VI,  fase.  3. 
[Aa  150b.] 

Mailand:  B.  Instituto  Lombardo  di  scienze  e lettere.  — Bendiconti,  ser.  3, 
vol.  XXXIII.  [Aa  161.]  — Memorie,  vol.  XVIII,  fase.  11;  vol.  XIX, 
fase.  1—4.  [Aa  167.] 

Modena:  Societa  dei  naturalisti. 

Padua:  Societa  Veneto  Trentina  di  scienze  naturali. 

Palermo : Societa  di  scienze  naturali  ed  economiche.  — Giornale,  vol.  XXII. 
[Aa  334.] 

Parma:  Bedazione  del  Bullettino  di  paletnologia  Italiana. 

Pisa:  Societa  Toscana  di  scienze  naturali. — Processi  verbali,  vol. XII  (35.  XL 
1900-5.  V.  1901.)  [Aa  309.] 

Pom:  Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Bendiconti,  ser.  5,  vol.  IX,  3.  sem., 
fase.  11 — 13;  vol.  X,  1.  sem.;  3.  sem.,  fase.  1 — 11.  [Aa  336.] 

Pom:  B.  Comitato  geologico  dTtalia. 

Turin:  Societa  meteorologica  Italiana.  — Bollettino  mensuale,  ser.  II, 
vol.  XX,  no.  7 — 13;  vol.  XXI,  no.  1—8.  [Ec  3.] 

Venedig:  B.  Instituto  Veneto  di  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  di  Verona. — Atti  e Memoire,  ser.  IV,  vol.L,  fase.  1.  [Ha  14.] 


38 


10.  Grrossbritannien  und  Irland. 

Dublin:  Royal  geological  society  of  Irland. 

Edinhurg:  Geological  Society.  — Transactions,  vol.  VIII,  p.  1.  [Da  14.] 
Edinburg:  Scottish  meteorological  society.  — Journal,  new.  ser.,  no.70 — 79. 
[Ec  3.] 

Glasgotv:  Natural  history  society. 

Glasgoiv:  Geological  society. 

Manchester:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  XXVII,  p.  1 — 7.  [Da  20.] 
Neivcastle-upon-Tyne:  Tynesicle  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Northumberland,  Durham  and  Newcastle -upon-Tyne. 

11.  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarsberetning  1900;  Aarbog  1900,  2.  Heft  und  1901, 
1.  Heft.  [Aa  294.]  — Meeresfauna  von  Bergen,  Heft  1.  [Aa  294b.] 
Cliristiania:  Universität. 

Christiania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmerksers  bevaring.  — 
Aarsberetning  for  1898 — 1900.  [G  2.]  — Kunst  og  handverk  fra 
Norges  fortid,  2.  Reihe,  Heft  4.  [G  81.] 

Stochholm:  Entomologiska  Föreningen.  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  21. 
[Bk  12.] 

Stockholm:  K.  Vitterbets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien.  — Mänads- 
blad,  1896  u.  1900.  [G  135  a.] 

Tromsoe:  Museum. — Aarsberetning  1898 — 1900;  Aarshefter  XXHI.  [Aa  243.] 
Upsala:  Geological  institution  of  the  university.  — Bulletin,  vol.  V,  p.  1. 
[Da  30.] 

12.  Russland. 

Ekqtharpienburg : Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  tome  XXH.  [Aa  259.] 

Helsingfors:  Societas  pro  fauna  et  flora  fennica. 

Kharkow:  Societe  des  naturalistes  ä l’universite  imperiale. 

Kiew:  Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XVI,  livr.  2.  [Aa  298.] 
Moskau:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  — Bulletin,  1900;  1901,  no.  1—2. 
[Aa  134.]  ^ 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle  - Russie.  — Memoires, 
tome  XXHI,  p.  1 — 2.  [Aa  256.] 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten.  — Acta  horti  Petropolitani,  tomeXVI; 
tome  XV Hl,  fase.  1—3.  [Ca  10.] 

Petersburg:  Comite  geologique.  — Bulletins,  vol.  XIX;  XX,  no.  1 — 6.  [Da  23.] 
— Memoires,  vol.  XIII,  no.  3;  vol.  XVHI,  no.  1 — 2.  — - Bibliotheque 
geologique  de  la  Russie,  1897.  [Da  24.] 

Petersburg:  Physikalisches  Centralobservatorium.  — Annalen,  Jabrg.  1899. 
[Ec  r.] 

Petersburg:  Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletin,  nouv.  serie  V, 
tome  XII,  no.  2 — 5;  tome  XHI,  no.  1—3.  [Aa  315.] 

Petersburg:  Kaiserl.  mineralogische  Gesellschaft.  — Verbandl.,  2.  Ser., 
Bd.  38,  Lief.  2;  Bd.  39,  Lief.  1.  [Da  29.]  — Travaux  de  la  section 
geologique  du  cabinet  de  sa  majeste,  vol.  IH,  livr.  2;  vol.  IV.  [Da  29c.] 
Riga:  Naturforscher-Verein.  — Arbeiten,  n.  F.,  10.  Heft.  [Aa  12.]  — 
Korrespondenzblatt,  XLIV.  [Aa  34.] 


39 


II«.  ^ m e I*  i li  a. 

1.  Nord-Amerika. 

Alhany:  New  York  state  museum  of  natural  history.  — Annual  report 
49,  p.  3;  50,  p.  2;  51.  [Aa  119.J 

Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulars,  vol.  XIX, 
no.  144—147;  vol.  XX,  no.  148-153;  vol.  XXL  no.  154.  [Aa  278.]  — 
American  Journal  of  mathematics,  vol.XXII,  no.  2 — 4;  vol. XXIII.  [Ea38.] 
— American  Chemical  Journal,  vol.  XXIII,  no.5 — 6;  vol. XXIV;  vol.  XXV; 
vol.  XXVI,  no.  1 — 3.  [Ed  60.]  — Studies  in  histor.  and  politic. 

Science,  ser.  XVIII,  no.  5—12;  ser.  XIX,  no.  1 — 9.  [Fb  125.]  — 
American  Journal  of  philology,  vol.  XXI,  no.  1 — 4;  vol.  XXII,  no.  1—2. 
[Ja  64.]  — Maryland  geological  survey,  Allegany  county,  w.  Atlas; 
Maryland  and  its  natural  recources;  eocene  report.  [Da  35.] 
Berkeley:  University  of  California. — Departement  of  geology;  Bulletin  II, 
no.  7;  register  1899—1900,  vol.  II,  no.  1;  presidents  report,  vol.  II, 
no.  3;  library  bulletin,  no.  13.  [Da  31.] 

Boston:  Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  XXIX,  no.  9 — 14. 

[Aa  111.]  — VIemoirs,  vol.  V,  no.  6—7.  [Aa  106.] 

Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XXXVI,  9 — 29;  vol.  XXXVII,  1 — 3.  [Aa  170.]  — Occasional 
papers,  vol.  I,  p.  3.  [Aa  111b.] 

Buffalo:  Society  of  natural  Sciences.  — Bulletin,  vol.  VII,  no.  1.  [Aa  185.] 
Cambridge:  Museum  of  comparative  zoology.  — Bulletin,  vol.  XXXVI, 
no.  5-8;  vol.  XXXVII,  no.  3;  vol.  XXXVIII,  no.  1-4;  vol.  XXXIX, 
no.  1.  — Annual  report  1898  — 1901.  [Ba  14.] 

Chicago:  Academy  of  Sciences. 

CJiicago:  Field  Columhian  Museum.  — Publications  45,  51  — 59.  [Aa  324.] 
Davenport:  Academy  of  natural  Sciences. 

Halifax:  Nova  Scotian  institute  of  natural  Science.  — Proceedings  and 
transactions,  2.  ser.,  vol.  III,  p.  2.  [Aa  304.] 

Lawrence:  Kansas  University.  — Quarterly,  series  A:  Science  and  mathe- 
matics, vol.  IX,  no.  3 — 4;  vol.  X,  no.  1 — 2.  [Aa  328.] 

Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  and  letters.  — Transactions, 
vol.  XII,  p.  2;  vol.  XIII,  p.  1.  [Aa  206.] 

Mexiko:  Sociedad  cientifica „Antonio  Alzate“. — Memorias  yBevista,  tomoXIII, 
cuad.  1 — 2;  tomo  XIV,  cuad.  11—12;  tomo  XV,  cuad.  1 — 10.  [Aa  291.] 
Mexiko:  Instituto  geologico  de  Mexico:  ßosqueio  geologico,  boletin  10 — 13. 
[Da  32.]. 

Mikuaukee:  Public  Museum  of  the  City  of  Milwaukee. 

Milwaukee:  Wisconsin  natural  history  society.  — Bulletin,  new  ser.,  vol.  I, 
no.  3 — 4.  [Aa  233.] 

Montreal:  Natural  history  society.  — The  canadian  record  of  Science, 
vol.  VIII,  no.  6.  [Aa  109.] 

Neiv-Haven:  Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences.  — Transactions, 
vol.  X,  p.  2.  [Aa  124.] 

New-  York:  Academy  of  Sciences. — Annals,  vol.  XIII,  no.  1 — 3.  | Aa  101.]  — 
Memoirs,  vol.  II,  p.  2—3.  [Aa  258b.] 

New  - York : American  mmseum  of  natural  history. 

Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  1900,  p.  II — III; 
1901,  p.  I.  [Aa  117.] 


40 


Philadelphia : American  philosophical  society.  — Proceedings,  vol.  XXXIX ; 
vol.  XL.  f Aa  283.] 

Philadelphia'.  Wagner  free  Institute  of  Science. 

Philadelphia:  Zoological  society.  — Annual  report  29.  [Ba  22.] 
Rochester:  Academy  of  Science.  — Proceedings,  vol.  IV,  pag.  1 — 64.  [Aa  312.] 
Eochester:  Geological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  XI;  Index  to 
vol.  I-X.  [Da  28.] 

Salem:  Essex  Institute. 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences.  — Proceedings,  3.  ser., 
vol.  II,  no.  1 — 6.  [Aa  112.]  — Occasinal  papers,  vol.  VII.  [^Aa  112b.] 
St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  IX,  no.  6 — 9;  vol.  X, 
no.  1 — 8.  [Aa  125.] 

St.  Louis:  Missouri  botanical  garden.  — 12.  annual  report.  [Ca  25.] 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science. 

Toronto:  Canadian  institute.  — Proceedings,  vol.  II,  p.  4.  [Aa  222.]  — 
Transactions,  vol.  VII,  p.  1.  [Aa  222b.] 

Tiifts  College. 

Washington:  Smitbsonian  Institution. — Annual  report  1898  und  1899. — 
Report  of  the  U.  St.  nat.  museum,  1897,  p.  2;  1898;  1899.  [Aa  120  c.] 
Washington:  United  States  geological  survey.  — XX.  annual  report, 
p.  2 — 7;  XXI.  annual  report,  p.  1,  6.  [De  120  a.]  — Bulletin,  no.  163 
l3is  176.  [De  120b.]  — Monographs,  vol.  XXXIX  u.  XL.  [De  120c. 
— Preliminary  report  on  the  Cape  Xome  gold  region  Alaska.  [De  1 20  d.^ 
Washington:  Bureau  of  education. 

2.  Süd-Amerika. 

Buenos- Aires:  Museo nacional. — Communicaciones,  tomoI,no.8— 9.  [Aal47b.] 
Buenos -Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  L,  entr.  4 — 6; 

tomo  LI;  tomo  LII,  entr.  1 — 3.  [Aa  230.] 

Cordoha:  Academia  nacional  de  ciencias.  — Boletin,  tomo  XVI,  entr.  2 — 4. 
[Aa  208  a.] 

Moritevideo:  Museo  nacional.  — Anales,  fase.  XVII — XXL  [Aa  326.] 

Rio  de  Janeiro:  Museo  nacional. 

San  Jose:  Instituto  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa  Rica.  — 
Insectos,  Moluscos  de  Costa  Rica.  [Aa  297.] 

Säo  Paulo:  Commissäo  geographica  e geologica  de  S.  Paulo. 

La  Plata:  Museum. 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein. 


111.  A.  s i e n« 

Batavia:  K.  naturkundige  Vereeniging.  — Xatuurk.  Tijdschrift  voor 
Nederlandsch  Indie,  Deel  60.  [Aa  250.] 

Calcutta:  Geological  survey  of  India.  — Memoirs,  vol.  XXVIII,  p.  2; 
vol.  XXX,  p.  2;  vol.  XXXI,  p.  1;  vol.  XXXIII,  p.  1.  [Da  8.]  — Palaeon- 
tologia  Indica,  ser.  XV,  vol.  III,  p.  2;  ser.  IX,  vol.  II,  p.  2;  vol.  III,  p.  1; 
new.  ser.,  vol.  I,  p.  3.  [Da  9.]  — General  report  1900 — 1901.  [Da  18.] 
Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens.  — 
Mittheil.,  Bd.  VIII,  Th.  2 u.  Supplem.  [Aa  187.] 


41 


IV-  ^ n s t r a 1 i e n. 

Melbourne:  Mining  department  of  Victoria.  — Annual  report  of  the  secretary 
for  mines,  1900.  [Da  21.] 


B.  Durch  Creschenke. 

Aquila^  Zeitschrift  für  Ornithologie,  Jahrg.  V— VI.  [Bf  68.] 

Beythien,  A,:  11  Separata  über  Untersuchungen  der  Nahrungs-  und  Ge- 
nussmittel. 1900.  [Hb  129  k — q.] 

Blanforcl,  W.  T.:  The  distribution  of  vertebrate  animals  in  India,  Ceylon 
and  Burma.  Sep.  1901.  [Bb  59b.] 

Conwentz,  H.:  Subfossile  Beste  der  Wassernuss.  Sep.  1900.  [Cd  109b |. 
Credner,  H.:  Die  vogtländischen  Erdbebenschwärme  während  des  Juli 
und  des  August.  Sep.  1900.  [De  137i.] 

Credner,  H.:  Das  sächsische  Schüttergebiet  des  Sudetischen  Erdbebens 
am  10.  Januar  1901.  Sep.  [De  137  k.] 

Credner,  H.:  Armorika.  Sep.  1901.  [De  1371.] 

Dathe,  JE.:  6 Separata  über  geologiscbeVerhältnisse  in  Schlesien.  [De  196k— p.] 
DeichmüUer,  J.:  Die  steinzeitlichen  Funde  im  Königreich  Sachsen.  Sep. 
1900.  [G  119c.] 

Engelhardt,  H.:  üeber  Tertiärpflanzen  vom  Himmelsberge  bei  Fulda. 
Sep.  1901.  [Dd  94r.] 

Frenzd,  A.:  üeber  den  Plusinglanz.  Sep.  1901.  [Db  93h.] 

Fritsch,  A.:  Fauna  der  Gaskohle  und  der  Kalksteine  der  Permformation 
Böhmens.  Bd.  IV,  Heft  3.  [Dd  19.] 

Oeinits,  E.:  Mittheilungen  aus  der  Grossherzogi. Mecklenburgischen  Landes- 
anstalt. Nr.  XII  u.  XIIL  [De  217h-i.] 

Goppelsroeder,  F.:  Capillaranalyse  und  das  Emporsteigen  der  Farbstoffe 
in  den  Pflanzen.  Sep.  1901.  [Cc  66.] 

Hartmann,  Q.:  Die  kreisende  Energie  als  Grundgesetz  der  Natur.  [Eb  47.] 
Hang,  H:  Vergleichende  Erdkunde  und  alttestamentlich- geographische 
Weltgeschichte.  Mit  Atlas.  1894.  [Fb  133.] 

Maiden,  gardens  and  domains  in  Sydney.  Report  for  1899.  (Cd  118.] 

Möhl,  H : Die  Witterungsverhältnisse  des  Jahres  1900.  [Ec  91.] 
Neupert,  C.:  Mechanik  des  Himmels  und  der  Moleküle.  1901.  [Ea  47.] 
Niedenza,  F.:  Arbeiten  aus  dem  botanischen  Institut  in  Braunsberg,  Ost- 
preussen.  I.  [Cd  124.] 

Fassalsky,  P.:  Anomalies  magnetiques  dans  la  region  des  mines  de  Krivoi- 
Bog.  1901.  [Ec  98.] 

Raleigh:  Elisha Mitchell  scientific  society. — Journal,  vol.XVII,p. 1—2.  [Aa300.] 
Rütimeyer,  L.:  Gesammelte  kleine  Schriften.  [Ab  90.] 

Salonique:  Bulletin  annuaire  de  la  Station  meteorologique,  1899.  [Ec  89. 
Sars,  G.:  An  account  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  IV,  p.  1 — 2.  [Bl  29b. 
Schmidt,  E.  v. : Eine  neue  physiolog.  Thatsache  psycholog.  gedeutet.  [Bc  47. 
Staudinger,  0.:  Biogr.,  gegeben  von  Prof.  0.  Schneider.  Sep.  1900.  [Jb  86. 
Sterzei,  J.  T.:  6 Separata.  [Dd  93 i — o.] 

Stevensen,  J.:  7 Separata.  [De  222g — n.] 

Stossich,  M.:  Osservazioni  elmintologiche.  Sep.  1901.  [Bm  54hh.] 

Stühel,  A.:  Ein  Wort  über  den  Sitz  der  vulkanischen  Kräfte  in  der  Gegen- 
wart. [De  237  b.] 

Theile,  F.i  Selbstbiographie.  [Jb  79b.] 


42 


Thonner,  F.:  Excursionsflora  von  Europa.  1901.  [Cd  125.] 

Voretzsch,  M.:  Die  Beziehungen  des  Kurfürsten  Ernst  und  des  Herzogs 
Albrecht  von  Sachsen  zur  Stadt  Altenhurg.  Sep.  [G  146.] 

Wien:  K.K.  Central -Commission  für  Erforschung  und  Erhaltung  der  Kunst- 
und  historischen  Denkmale.  Bericht  für  1900.  [G  142.] 

Wislicenus,  H.:  Zur  Beurtheilung  und  Abwehr  von  Bauchschäden.  Sep. 
1901.  [Ed  70.] 

Wolfj  F.:  Unser  Bochlitz.  1901.  [Ja  81.] 

Wolf^  Th.:  Potentillenstudien,  I.  1901.  [Cd  123.] 

Worgitzlcy,  G.:  Blütengeheimnisse.  1901.  [Cc  68.] 

Ziegler^  J.  und  König^  W.:  Das  Klima  von  Frankfurt  a.  M.  [Ec  85.] 


C.  Durch  Kauf. 


Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft, 
Bd.  XXV,  Heft  2;  Bd.  XXVI,  Heft  3;  Bd.  XXVIII.  [Aa  9.] 

Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  neueFolge,  Bd.HI,  Heft  1,  mit  Beil.  [Gl.] 
Anzeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XXIV.  [Ba  21.] 

Bronn' s Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  H,  Abth.  3 (Echino- 
dermen).  Lief.  37 — 43;  Bd.  III  (Mollusca),  Lief.  54  — 61;  Suppl., 
Lief.  26 — 30;  Bd.  V (Crustacea),  Abth.  2,  Lief.  60—62;  Bd.  VI,  Ahth.  1 
(Pisces),  Lief.  1.  [Bb  54.] 

Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz : Ueber  Berg  und  Thal,  Jahrg.  1901. 
[Fa  19.] 

Hedwigia,  Bd.  40.  [Ca  2.] 

Jahrbuch  des  Schweizer  Alpenclub,  Jahrg.  36.  [Fa  5.] 

Monatsschrift,  deutsche  botanische,  Jahrg.  19.  [Ca  22.] 

Nachrichten,  entomologische,  Jahrg.  17.  [Bk  235.]  (Vom  Isis -Lesezirkel.) 
Natur,  Jahrg.  49.  [Aa  76.]  (Vom  Isis- Lesezirkel.) 

Prähistorische  Blätter,  Jahrg.  XHI.  [G  112.] 

Suess,  E,\  Das  Antlitz  der  Erde.  Bd.  III,  1.  [De  161.] 

Wochenschrift,  naturwissenschaftliche,  Bd.  XVI.  [Aa  311.]  (Vom  Isis -Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift,  allgemeine,  für  Entomologie,  Bd.  VI.  [Bk  245.] 

Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften,  Bd.  73,  Nr.  3 — 6; 

Bd.  74,  Nr.  1—2.  [Aa  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  18.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XVII,  Heft  2—4; 

Bd.  XVIII,  Heft  1—2.  [Ee  16.] 

Zeitschrift,  Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  51.  [Ca  8.] 

Zeitung,  botanische,  Jahrg.  59.  [Ca  9.] 


Abgeschlossen  am  31.  December  1901. 


C.  Schiller, 
Bibliothekar  der  „Isis“. 


Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
,,Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1901. 


I.  Charles  Hermite*). 


Yon  Martin  Krause. 


Am  14.  Januar  d.  J.  starb  in  Paris  der  Altmeister  der  französischen 
Mathematiker,  Charles  Hermite.  Ein  Leben,  aiisgefüllt  von  der  reinsten 
und  tiefsten  Pflege  unserer  schönen  Wissenschaft,  reich  an  Erfolgen  und 
Ehren,  nahm  damit  sein  schmerzliches  Ende.  Wie  weit  verbreitet  und 
hochangesehen  der  Name  Hermite  war,  wie  einschneidend  und  mächtig 
seine  Arbeiten  auf  den  verschiedenen  Gebieten  unserer  Wissenschaft  ge- 
wirkt hatten,  das  zeigte  sich  vor  allem  an  seinem  70.  Geburtstage,  den 
er  am  24.  December  1892  in  voller  geistiger  und  körperlicher  Frische 
verleben  durfte.  Die  gesammten  Mathematiker  Frankreichs  vereinigten  sich 
mit  vielen  Hunderten  von  Mathematikern  aus  der  ganzen  civilisirten  Welt, 
darunter  die  besten  Namen,  um  ihm  ihre  Huldigung  und  den  Ausdruck 
ihrer  Dankbarkeit  darzubringen. 

Wir  Deutschen  haben  besonderen  Grund,  seiner  mit  Pietät  zu  gedenken. 
Als  junger  Student  sandte  er  seine  Erstlingsarbeiten  an  Jacobi,  aus  dessen 
Schriften  sie  hervorgegangen  waren,  und  nahm  von  ihm  die  ersten  Lor- 
beeren in  seinem  an  Erfolgen  so  reichen  Leben  entgegen.  Jacobi’ s Ein- 
fluss hat  ihn  sein  Leben  lang  begleitet  — die  Fundamenta  nova  lagen 
stets  auf  seinem  Arbeitstische  — daneben  aber  verbanden  ihn  unausgesetzt 
enge  wissenschaftliche  und  persönliche  Beziehungen  mit  den  besten  unserer 
deutschen  Mathematiker,  mit  Borchardt,  Kronecker,  Heine  und  vielen 
der  jetzt  noch  Lebenden.  In  einer  etwas  dürren  Zeit  war  es  ihm  be- 
schieden,  das  Studium  der  Werke  von  Gauss  und  von  Jacobi  in  Frank- 
reich heimisch  zu  machen,  und  während  seines  ganzen  wissenschaftlichen 
Lebens  war  er  ein  Vermittler  der  deutschen  und  der  französischen  Mathematik. 
Als  Rosenhain,  als  Kronecker,  Kummer  und  Weierstrass  uns  durch 
den  unerbittlichen  Tod  entrissen  wurden,  da  war  er  es,  der  ihren  Verlust 
in  der  französischen  Academie  verkündigte  und  dem  Schmerze  um  den- 
selben beredten  Ausdruck  gab.  Als  die  Universität  Heidelberg  im  Jahre 
1886  ihr  fünfhundertjähriges  Jubiläum  feierte,  da  nahm  er  als  Ehrengast 
und  Vertreter  der  französischen  Academie  daran  Theil,  kurz,  bei  allen 
Gelegenheiten,  wo  er  konnte,  zeigte  er  sein  Interesse  und  seine  Sympathie 
für  unsere  deutsche  Wissenschaft. 


*)  Vortrag,  gehalten  in  der  mathematischen  Section  der  naturwissenschaftlichen 
Gesellschaft  Isis  in  Dresden  am  18.  April  1901. 


4 


Umgekelirt  aber  ist  sein  Einfluss  auf  die  Entwickelung  der  mathe- 
matischen Studien  in  Deutschland  in  den  letzten  Jahrzehnten  ein  grosser 
und  mächtiger  gewesen.  In  erster  Linie  waren  es  naturgemäss  seine 
Schriften,  die  sich  hierbei  wirksam  zeigten,  zumal-  ein  wichtiger  Theil  der- 
selben in  deutschen  Journalen  veröffentlicht  ist,  daneben  aber  war  es  auch 
der  Einfluss  seiner  ebenso  liebenswürdigen,  wie  mächtigen  Persönlichkeit, 
die  sich  in  seinen  Briefen  an  alle  diejenigen  aussprach,  die  sich  ihm 
wissenschaftlich  nahten.  In  seiner  Begrüssungsrede  am  24.  December  1892 
sagte  Herr  Darboux  mit  vollem  Hecht:  ,,Accueillant  avec  bienveillance 
toutes  les  Communications,  M.  Hermite  n’a  pas  tarde  ä entrer  en  relations 
avec  les  etudiants  et  les  geometres  du  monde  entier.  Bepondant  ä tous, 
au  plus  humble  comme  au  plus  illustre,  sans  mesurer  son  temps  ni  sa 
peine,  que  de  fois  il  a su  repandre  d’une  main  liberale,  et  sans  rien  re- 
clamer  pour  lui  meme,  ces  indications  geniales,  qui  communiquees  ä un 
esprit  bien  doue,  peuvent  Feclairir  subitement,  lui  faire  franchir  le  pas 
difficile  et  lui  inspirer  une  longue  suite  d’excellents  travaux.“ 

Unter  diesem  Briefwechsel  nimmt  der  mit  deutschen  Mathematikern 
einen  hervorragenden  Platz  ein.  Selbstverständlich  ist  es  nicht  möglich, 
das  von  hier  aus  statistisch  festzustellen,  sicher  aber  hat  Hermite  durch 
seine  stets  anerkennende,  aufmunternde  und  liebenswürdige  Art  auf  viele 
unserer  deutschen  Fachgenossen  in  glücklichster  Weise  gewirkt. 

Da  ist  es  denn  eine  Pflicht  der  Pietät,  wenn  seiner  auch  bei  uns  in 
dankbarer  und  eingehender  Weise  gedacht  wird. 

Ueber  die  äusseren  Lebensschicksale  Hermite’s  ist  mir  nur  wenig 
bekannt  geworden.  Zu  Dieuze  in  Lothringen  im  Jahre  1822  geboren,  be- 
suchte er  nach  einander  das  Lyceum  von  Nancy  und  die  Lyceen  „Henry  IV“ 
und  „Louis  le  Grand“  in  Paris.  Schon  auf  der  Schule  fesselte  ihn  die 
Lectüre  mathematischer  Werke,  insbesondere  der  Algebra  von  Lagrange 
und  der  Zahlentheorie  von  Gauss.  Er  pflegte  später  öfters  zu  bemerken, 
dass  es  vor  allem  diese  Werke  gewesen  seien,  aus  denen  er  Algebra  ge- 
lernt habe.  Ende  1842  bezog  er  die  polytechnische  Schule  in  Paris  in 
der  Absicht,  Ingenieur  zu  werden.  Hier  fesselte  ihn  aber  das  Studium 
der  reinen  Mathematik  in  dem  Grade,  dass  er  die  praktische  Laufbahn 
aufgab  und  sich  ganz  der  reinen  Mathematik  zuwandte.  1848  begann 
Hermite  als  Repetent  für  analytische  Mathematik  am  Polytechnicum  seine 
Lehrthätigkeit.  Im  Jahre  1856  wurde  er  zum  Mitgliede  der  Pariser  Academie 
der  Wissenschaften  gewählt,  im  Jahre  1862  schaffte  man  für  ihn  einen 
Lehrstuhl  an  der  Ecole  Normale,  nur  wenig  später  wurde  er  zu  gleicher 
Zeit  Professor  an  der  Ucole  Polytechnique  und  an  der  Sorbonne.  Hier 
entfaltete  er  eine  äusserlich  und  innerlich  reich  gesegnete  und  bedeutungs- 
volle Thätigkeit,  unter  anderem  war  es  ihm  vergönnt,  jene  hervorragenden 
jungen  Männer  zu  seinen  begeisterten  Schülern  zu  zählen,  die  jetzt  den 
ersten  Platz  unter  den  Mathematikern  Frankreichs  einnehmen. 

Bewunderungswürdig  war  die  geistige  Frische,  die  er  sich  bis  an  sein 
Ende  bewahrte.  Bis  in  die  letzten  Lebensjahre  hinein  noch  schöpferisch 
thätig,  beobachtete  er  die  mathematische  Entwickelung  der  neuesten  Zeit 
mit  Liebe  und  mit  Interesse.  Fand  auch  nicht  jede  Phase  derselben  seine 
Zustimmung,  so  schied  er  doch  mit  der  Ueberzeugung  und  der  Gewissheit 
aus  dem  Leben,  dass  der  Mathematik  im  20.  Jahrhundert  eine  glückliche 
und  grosse  Zukunft  gewiss  sei. 


5 


Die  Zahl  der  in  vielen  Zeitschriften  der  verschiedensten  Länder  zer- 
streuten Arbeiten  von  Hermite  ist  eine  sehr  bedeutende,  die  Arbeiten 
selbst  erstrecken  sich  im  wesentlichen  auf  drei  Gebiete,  die  Analysis,  die 
Algebra  und  die  Zahlentheorie. 

Es  kann  mir  nicht  beikommen,  im  Laufe  einer  kurzen  Stunde  eine 
eingehende  und  abgeschlossene  Würdigung  aller  dieser  vielen  Arbeiten 
geben  und  damit  den  wissenschaftlichen  Inhalt  eines  so  überaus  reichen 
und  gesegneten  Lebens  erschöpfend  darstellen  zu  wollen.  Schon  die  Art 
seiner  Arbeiten  würde  das  unmöglich  machen.  Mit  dem  sicheren  Blicke 
des  Genies  hat  Hermite  es  verstanden,  Probleme  herauszufinden  und  zu 
bearbeiten,  die  den  Keim  einer  grossen  Entwickelung  in  sich  trugen,  und 
hat  dieser  Entwickelung  die  Wege  gezeigt  und  geebnet.  Unter,  solchen 
Umständen  schliesst  eine  eingehende  Darstellung  seiner  Arbeiten  zu  gleicher 
Zeit  die  Geschichte  grösserer  mathematischer  Disciplinen  in  den  letzten 
fünfzig  Jahren  in  sich  und  würde  mehr  Zeit  beanspruchen  als  mir  zur 
Verfügung  steht.  Ich  will  mich  daher  damit  begnügen,  gewisse  Arbeiten 
analytischen  Charakters  zusammen  mit  ihren  Anwendungen  auf  Algebra 
und  Zahlentheorie  in  etwas  ausführlicherer  Weise  zu  besprechen,  die  übrigen 
Arbeiten  Hermite ’s  dagegen  nur  kurz  zu  charakterisiren. 

Eine  überaus  grosse  Anzahl  analytischer  Arbeiten,  die  ihn  vor  allem 
in  den  späteren  Jahren  seines  Lebens  in  Anspruch  nahmen,  fällt  in  das 
Gebiet  der  Differential-  und  Integralrechnung  sammt  deren  mannigfachen 
Anwendungen  und  Beziehungen  zu  anderen  Theorien,  wie  der  Theorie  der 
Fourier’schen  Reihen,  der  elementaren,  der  Kugel,  der  Bernouilli’schen 
und  der  Gammafunctionen.  Es  sind  vielfach  kleinere  Aufgaben,  die  hier 
behandelt  werden.  Hermite  liebte  es,  einzelne  specielle  Probleme,  auch 
solche,  die  schon  von  anderen  Analytikern  behandelt  waren,  herauszugreifen 
und  in  eigenartiger  Weise  zu  Ende  zu  führen.  Hierhin  gehören  Aufgaben 
aus  der  Theorie  der  höheren  Differentialquotienten,  der  Mac-Laurin’schen 
Reihe,  der  Interpolationstheorie,  der  Partialbruch-Entwickelung  gebrochener 
Functionen,  der  Auswerthung  bestimmter  und  unbestimmter  Integrale, 
Beziehungen  zwischen  der  Integralrechnung  und  den  Kettenbrüchen,  Ent- 
wickelung wichtiger  Eigenschaften  der  Gammafunctionen  und  ähnliche 
Probleme.  Es  sind  nicht  immer  die  höchsten  Aufgaben,  die  sich  hier  dar- 
bieten, gleichbleibend  ist  aber  das  analytische  Geschick  und  die  Originalität 
in  der  Behandlung  derselben.  Es  zeigt  sich  eine  Meisterschaft  und  eine 
Feinheit  in  der  Behandlung  des  Calcüls,  wie  sie  vor  ihm,  etwa  Gauch y 
besessen  hat  und  wie  sie  heute  immer  mehr  und  mehr  im  Verschwinden 
begriffen  ist. 

Unter  allen  jenen  vielen  Arbeiten  dürften  nun  wohl  den  ersten  Platz 
diejenigen  über  die  Kettenbrüche  einnehmen,  die  ihn  lange  beschäftigten, 
ihn  im  Jahre  1873  zu  der  folgenschweren  Untersuchung  über  die  Zahl  e 
führten  und  damit  die  Brücke  zur  Lösung  des  Quadraturproblemes  des 
Kreises  abgaben.  Jahrhunderte  lang  hatten  sich  Berufene  und  Unberufene 
damit  beschäftigt,  die  Quadratur  des  Kreises  mit  Hülfe  von  Zirkel  und 
Lineal  ‘ durchzuführen , ohne  weder  dieses  Problem  lösen,  noch  die  Un- 
möglichkeit seiner  Lösung  nachweisen  zu  können.  Es  ist  das  grosse  Ver- 
dienst von  Hermite,  hier  die  Wege  geebnet  zu  haben.  Im  Jahre  1873 
erschien  die  schon  angedeutete  Arbeit  über  die  Zahl  e.  In  ihr  wies  er 
nach,  dass  e nicht  Wurzel  einer  algebraischen  Gleichung  irgend  welchen 
Grades  mit  rationalen  Coefficienten  sein  kann  und  zwar  geschah  der  Nach- 


6 


weis  mit  Hülfe  gewisser  Relationen  zwischen  bestimmten  Integralen,  die 
auf’s  engste  mit  der  Theorie  der  Kettenbrüche  Zusammenhängen.  Her  mite 
konnte  damals  einen  Zusammenhang  zwischen  seinen  Theorien  und  dem 
Quadraturprohlem  nicht  entdecken  oder  doch  nicht  durchführen  — wenigstens  • 
schreibt  er  in  demselben  Jahre  1873  an  Borchardt:  „Je  ne  me  hasarderai 
point  ä la  recherche  d’une  demonstration  de  la  transcendance  du  nombre  n. 
Que  d’autres  tentent  l’entreprise,  nul  ne  sera  plus  heureux  que  moi  de 
leur  succes,  mais  croyez-m’en,  mon  eher  ami,  il  ne  laissera  pas  de  leur 
coüter  quelques  efforts“. 

Und  doch  bildeten  seine  Untersuchungen  die  wesentliche  Grundlage 
für  die  Lösung  des  Problems,  die  im  Jahre  1882  von  Herrn  Lindemann 
gegeben  wurde  und  allen  bisherigen  Versuchen  einen  glänzenden  Abschluss 
gab.  Muss  hiernach  Herrn  Linde  mann  schlechterdings  die  endgültige 
Lösung  des  berühmten  Problems  als  grosses  Verdienst  zugeschrieben  werden, 
so  darf  doch  auch  das  Verdienst  von  Hermite  hierbei  nicht  ausser  Acht 
gelassen  werden.  Mit  Recht  bemerkt  hierzu  Herr  Camille  Jordan; 
„On  se  ferait  une  idee  bien  incomplete  du  role  des  grandes  esprits  en 
les  mesurant  exclusivement  sur  les  verites  nouvelles  qu’ils  ont  enoncees 
explicitement.  Les  methodes  qu’ils  ont  leguees  ä leurs  successeurs,  en 
leur  laissant  le  soin  de  les  appliquer  ä de  nouveaux  prohlemes  qu’eux-memes 
ne  prevoyaient  peut-etre  pas,  constituent  une  autre  part  de  leur  gloire  et 
parfois  la  principale,  comme  le  montre  l’exemple  de  Leibnitz‘‘. 

Wir  kommen  nunmehr  zu  einer  zweiten  grossen  Kategorie  von  Arbeiten, 
die  sich  auf  die  Theorie  der  elliptischen  und  hyperelliptischen  Transcen- 
denten  und  deren  mannigfache  Anwendungen  beziehen.  Wie  ein  rother 
Faden  ziehen  sich  diese  Arbeiten  durch  das  Leben  von  Hermite  — sie 
beginnen  mit  dem  Jahre  1843,  werden  zeitweise  durch  andere  Arbeiten 
durchbrochen,  kehren  aber  bis  in  sein  spätes  Alter  immer  wieder.  In 
einer  seiner  ersten  Arbeiten  aus  diesem  Gebiete,  die  sich  in  einem  Briefe 
an  Jacobi  aus  dem  Jahre  1844  befindet,  wird  schon  jenes  wichtige 
Princip  entwickelt,  welches  unter  dem  Namen  des  Hermite’schen  Trans- 
formationsprincipes  bekannt  geworden  ist  und  eine  überaus  einfache  Dar- 
stellung der  überwiegenden  Mehrzahl  der  Thetarelationen  zulässt.  Kurz 
skizzirt  besteht  der  Inhalt  jenes  Theorems  darin,  dass  alle  ganzen  trans- 
cendenten  Functionen,  die  gewissen  Functionalgleichungen  Genüge  leisten, 
sich  aus  einer  bestimmten  Anzahl  bekannter  Functionen  linear  zusammen- 
setzen lassen. 

Hermite  giebt  in  der  citirten  Arbeit  die  ersten  Anwendungen  auf  die 
Transformationstheorie  — in  späteren  Jahren  verwendet  er  sein  Theorem 
in  ausführlicher  Weise  für  die  Entwickelung  der  gesammten  Theorie  der 
elliptischen  Functionen  und  zvrar  in  dem  Anhang  zur  sechsten  Ausgabe 
von  Lacroix’s  Traite  elementaire  de  calcul  differentiel  et  integral.  Andere 
Autoren  haben  sich  diesem  Verfahren  angeschlossen,  insbesondere  möge 
hier  auf  das  bekannte  Werk  von  Weber  verwiesen  werden.  Die  Vorzüge 
der  hier  vertretenen  Auffassungsweise  beruhen  in  der  ungemeinen  Durch- 
sichtigkeit, Klarheit  und  Allgemeinheit  der  Methoden,  Vorzüge,  vor  denen 
die  Nachtheile,  die  in  der  heuristischen  Art  des  Vorgehens  beruhen,  zurück- 
treten müssen. 

Auch  sonst  hat  Hermite  sich  mit  der  Transformationstheorie  viel- 
fach beschäftigt.  In  das  Jahr  1858  fällt  die  vollständige  Bestimmung  der 
Constanten  für  die  lineare  Transformation  der  Thetafunctionen  mit  Hülfe 


7 


der  Gaus si sehen  Summen  und  etwa  in  dieselbe  Zeit  gehört  die  Auf- 
stellung der  Transformationstabellen  für  die  schon  von  Jacob i eingeführ- 
ten achten  Wurzeln  der  Moduln  der  elliptischen  Functionen  sowie  einiger 
anderer  Ausdrücke.  Beide  Untersuchungen  haben  auf  das  Wesentlichste 
zur  Förderung  der  Transformationstheorie  Anlass  gegeben  und  eine  weitere 
Anzahl  wichtiger  Arbeiten  aus  demselben  Gebiete  hervorgerufen,  von  denen 
hier  nur  an  die  Arbeiten  der  H.  H.  Weber  und  Koenigsberger  erinnert 
werden  möge. 

In  eingehender  Weise  hat  sich  sodann  Her  mite  mit  den  allgemeinen 
doppelt  periodischen  Functionen  beschäftigt,  die  er  in  drei  Arten  eintheilt. 
Für  die  Functionen  erster  und  zweiter  Art  giebt  er  eine  Zerfällung  in 
gewisse  Elementarfunctionen  und  auch  bei  den  Functionen  dritter  Art,  die 
er  vielfach  in  den  Kreis  seiner  Betrachtungen  zieht,  ist  ihm  die  Elementar- 
function bekannt,  auf  welche  Herr  Appell  in  seinen  grundlegenden  Arbeiten 
über  diese  Functionen  geführt  wird.  Diese  Elementarfunctionen  sowie 
andere  einfache  doppelt  periodische  Functionen  der  verschiedenen  Arten 
sucht  Her  mite  auf  mannigfachem  Wege  durch  unendliche  Reihen,  seien  es 
Potenz  oder  Fourier’sche  Reihen,  darzustellen.  Er  kommt  hierbei  in  glück- 
lichster Weise  zu  neuen  Resultaten,  die  befruchtend  und  anregend  auf  die 
spätere  Entwickelung  der  genannten  Disciplinen  gewirkt  haben  und  zu  dem 
eisernen  Bestand  der  heutigen  Theorie  der  elliptischen  Eunctionen  gehören. 

Mit  den  angedeuteten  Arbeiten  ist  der  Kreis  der  Hermite’schen 
Untersuchungen  aus  der  Theorie  der  elliptischen  Transcendenten  aber  noch 
keineswegs  abgeschlossen.  Es  finden  sich  noch  Arbeiten  über  die  ver- 
schiedensten Theile  derselben,  über  das  Additionstheorem,  über  die  Reihen- 
entwickelungen für  den  Modul  der  elliptischen  Functionen,  über  die  Inte- 
graltheorie, weitere  specielle  Fragen  der  Transformationstheorie  u.  s.  f.,  so 
dass  man  füglich  sagen  kann,  dass  es  nur  wenige  Theile  dieser  weitver- 
zweigten Wissenschaft  geben  dürfte,  die  von  ihm  nicht  wesentlich  ge- 
fördert sind.  Die  Arbeiten  reichen  bis  in  sein  Alter  — es  finden  sich  in 
ihnen  eine  Fülle  von  Keimen,  die  noch  der  Entwickelung  harren. 

Neben  der  Pflege  der  eigentlichen  Theorie  hat  Her  mite  es  sich  an- 
gelegen sein  lassen,  Beziehungen  zu  andern  Disciplinen  herzustellen  und  zwar 
zu  der  Algebra,  der  Zahlentheorie  und  der  Theorie  der  Differentialgleich- 
ungen. 

Nachdem  Abel  im  Jahre  1824  die  Unmöglichkeit  nachgewiesen  hatte, 
allgemeine  algebraische  Gleichungen  vom  5.  Grade  mit  Hülfe  von  Irrationali- 
täten zu  lösen,  handelte  es  sich  darum,  Kategorien  von  Gleichungen  heraus- 
greifen, die  algebraisch  lösbar  sind.  Es  war  Galois  beschieden,  auf  diesem 
Gebiete  bahnbrechend  vorzugehen.  Seine  erste  Arbeit  über  die  algebra- 
ische Auflösung  der  Gleichungen  stammt  aus  dem  Jahre  1830,  seine  letzten 
Betrachtungen  finden  sich  in  einem  Schreiben,  das  er  einen  Tag  vor  seinem 
im  Jahre  1832  im  Duell  erfolgten  Tode  an  seinen  Lehrer  Chevalier  ge- 
richtet hat.  Galois  stellt  den  so  folgenschwer  gewordenen  Begriff  der 
Gruppe  einer  algebraischen  Gleichung  auf  und  wendet  denselben  auf  die 
Modulargleichungen  an,  die  vor  allem  von  Jacobi  in  die  Theorie  der 
elliptischen  Functionen  eingeführt  worden  sind.  Es  gelingt  ihm  die  Gruppe 
derselben  zu  bestimmen,  er  giebt  ferner  an,  dass  die  zu  den  Transforma- 
tionsgraden 5,  7,  11  gehörenden  Modulargleichungen  erniedrigt  werden 
können.  An  diese  letzten  Resultate  von  Galois  knüpft  Her  mite  an.  In 
einer  berühmt  gewordenen  Arbeit  vom  April  1858  führt  er  die  Reduction 


8 


für  den  5.  Transformatioiisgrad  wirklich  durch.  Die  Modulargleichung  ist 
vom  6.  Grade,  nennt  man  ihre  Wurzeln  in  bestimmter  Reihenfolge 
^2’  '^3’  '^4’  und  setzt  y =={Vq  — Voq)  {v^  — {v^  — z^g),  so  leistet  y einer 

Gleichung  5.  Grades  Genüge,  die  unmittelbar  auf  die  bekannte  Jerrard- 
Bring’sche  Form  zu  reduciren  ist.  Damit  war  das  lange  vergeblich  unter- 
suchte Problem  gelöst,  die  Auflösung  der  allgemeinen  Gleichung  5.  Grades 
in  glänzender  Weise  zu  Ende  geführt.  Die  Hermite’sche  Entdeckung 
traf  sich  mit  einer  von  Kronecker.  Schon  im  Juni  desselben  Jahres 
th  eilte  letzterer  H er  mite  mit,  dass  er  sich  vor  zwei  Jahren  mit  ähnlichen 
Untersuchungen  beschäftigt  habe  und  gab  eine  zweite  Lösung  desselben 
Problems.  Mit  diesen  beiden  Arbeiten,  denen  sich  sehr  bald  solche  von 
Brioschi  anschlossen,  war  der  Weg  für  die  mächtige  Entwickelung  ge- 
ebnet, welche  die  Theorie  der  Gleichungen  5.  Grades  seither  gefunden  hat. 

Auch  nach  anderer  Richtung  hin  zeigte  sich  die  Beschäftigung  mit 
den  Modulargleichungen  für  die  Algebra  von  grosser  Bedeutung.  Es  ge- 
lang Hermite  im  Jahre  1859  die  Discriminantengleichungen  derselben 
wirklich  aufzulösen  und  damit  eine  neue  Kategorie  von  Gleichungen  höheren 
Grades  der  Rechnung  zugänglich  zu  machen.  Der  Grundgedanke  dieser 
Auflösung  beruht  darin,  dass  zu  gleichen  Moduln  der  elliptischen  Func- 
tionen Werthe  der  Thetaparameter  gehören,  die  in  einer  linearen  Bezieh- 
ung zu  einander  stehen.  Hermite  hat  diesen  Satz  seiner  Arbeit  aus  dem 
Jahre  1859  stillschweigend  und  ohne  Beweis  zu  Grunde  gelegt,  im  Jahre 
1877  kommt  er  in  einem  Briefe  an  Herrn  Fuchs  auf  denselben  zurück  und 
zwar  mit  folgenden  Worten:  ,,N’y  aurait  il  point  lieu  d’observer  qu’en 
faisant  = il  resulte  de  votre  analyse  que  toutes  les  Solutions  de 

l’equation  f {H)  = f {Ho)  soht  donnees  par  la  formule  H — ^ 

en  insistant  sur  Fextreme  importance  de  ce  resultat,  pour  la  deter- 
niination  des  modules  singuliers  de  M.  Kronecker,  et  en  remarquant  que 
les  belles  decouvertes  de  l’illustre  geometre,  sur  les  applications  de  la 
theorie  des  fonctions  elliptiques  ä Tarithmetique  paraissent  reposer  essen- 
tiellement  sur  cette  proposition,  dont  la  demonstration  n’avait  pas  encore 
ete  donnee?“ 


Wir  stehen  hier  bei  einem  der  folgenschwersten  Punkte  in  der  Ent- 
wickelung der  heutigen  Functionentheorie.  Noch  in  demselben  Jahre  1877 
erklärte  Herr  Dedekind  in  seiner  fundamentalen  Arbeit  über  die  Modul- 
functionen jenen  Satz  als  die  Grundlage  seiner  Theorie.  Sie  alle  wissen, 
welchen  grossartigen  Aufschwung  diese  und  ähnliche  Theorien  in  den  Händen 
der  ersten  Mathematiker  unserer  Zeit  sowie  ihrer  Schüler  genommen  haben 
und  da  dürfte  es  von  Interesse  sein  hervorzuheben,  dass  Hermite  den 
fundamentalen  Lehrsatz  unabhängig  von  Kronecker  schon  im  Jahre  1859 
benutzt  und  im  Jahre  1877  zuerst  auf  seine  Bedeutung  öffentlich  aufmerk- 
sam gemacht  hat. 

Weitere  Anwendungen  'der  elliptischen  Functionen  beziehen  sich  auf 
die  Zahlentheorie.  Auf  derartige  Anwendungen  hatte  schon  Jacobi  in  den 
Fundamenten  und  später  in  einer  Arbeit  im  37.  Bande  des  Crelle’schen 
Journals  aus  dem  Jahre  1848  hingewiesen. 

Im  Jahre  1859  eröffnete  Kronecker  ein  neues  Gebiet  unerwarteter 
Beziehungen  und  erweiterte  dasselbe  in  den  Jahren  1862  und  1875.  Er 
zeigte  nämlich,  dass  mit  Hülfe  der  complexen  Multiplication  der  elliptischen 


9 


Functionen  eine  Reihe  merkwürdiger  Beziehungen,  zwischen  den  Classen- 
zahlen  gewisser  quadratischer  Formen  hergestellt  werden  können  und  gab 
eine  eigenartige  Darstellung  von  drei  Producten  von  je  drei  Thetafunc- 
tionen mit  Hülfe  der  unendlichen  Reihen.  An  diese  Arbeiten  von  Kronecker 
knüpfen  eine  Anzahl  von  Arbeiten  von  Her  mite  an,  und  zwar  stammen 
die  ersten  aus  den  Jahren  1861  und  1863,  während  die  letzten  in  das  Jahr 

1884  und  später  fallen.  Die  Grundlage  von  Hermite  ist  eine  wesentlich 
andere  als  bei  Kronecker.  Er  legt  die  Theorie  der  doppelt  periodischen 
Functionen  dritter  Art  zu  Grunde  und  zwar  insbesondere  die  Entwickelung 
in  Fourier’sche  Reihen.  Indem  er  eine  und  dieselbe  Function  auf  mehr- 
fachem Wege  darstellt  und  die  Integral theorie  hinzunimmt,  erhält  er  durch 
einige  wenige  geschickte  Operationen  die  vorhin  genannten  Kroneck er- 
sehen Resultate.  Hermite  geht  aber  noch  über  'dieselben  hinaus.  Er 
zieht  auch  weitere  Producte  von  Thetafunctionen  in  Betracht  und  zwar 
von  drei  und  fünf  Factoren  und  bestimmt  mit  ihrer  Hülfe,  wie  oft  eine 
ganze  Zahl  als  Summe  von  drei  und  von  fünf  Quadraten  dargestellt  werden 
kann.  Auch  sonst  enthalten  die  diesbezüglichen  Arbeiten  noch  viele  neue 
Resultate  zahlentheoretischer  Natur.  Bei  allen  diesen  Arbeiten  sind  vor 
allem  die  schönen  und  durchsichtigen  Methoden  zu  bewundern,  welche  die 
neuen  arithmetischen  Sätze  von  vorneherein  in  ein  eigenartiges  und  helles 
Licht  setzen. 

Die  dritte  Anwendung  der  elliptischen  Functionen  bezieht  sich  auf  die 
Theorie  der  Differentialgleichungen.  Aufgaben  aus  der  Wärmelehre  führten 
Lame  zu  einer  Differentialgleichung  zweiter  Ordnung,  die  neben  einer 
ganzen  positiven  Zahl  n noch  einen  willkürlichen  Parameter  h enthielt.  Es 
gelang  Lame  ein  Integral  dieser  Gleichung  zu  finden,  wenn  h in  bestimmter 
Weise  gewählt  wird,  Liouville  und  unabhängig  von  ihm  Heine  haben 
für  dieselben  Werthe  von  h das  zweite  Integral  bestimmt. 

An  diese  Arbeiten  knüpft  Hermite  an  und  findet  im  Jahre  1872  für 
einen  beliebigen  Werth  von  h die  beiden  Integrale  der  vorgelegten  Gleichung 
und  zwar  mit  Hülfe  der  von  ihm  eingeführten  doppeltperiodischen  Functionen 
zweiter  Art.  Hermite  hat  seine  Resultate  im  Jahre  1872  zunächst  nur  einem 
kleineren  Kreise  zugänglich  gemacht,  erst  im  Jahre  1877  wurden  sie  durch 
Veröffentlichung  in  den  Comptes  Rendus  weiteren  Kreisen  bekannt.  Auch 
hier  begegnet  er  sich  mit  den  Arbeiten  eines  deutschen  Mathematikers 
und  zwar  von  Herrn  Fuchs.  Letzterer  legte  in  demselben  Jahre  1877 
seinen  diesbezüglichen  Untersuchungen  die  Theorie  gewisser  allgemeiner 
Differentialgleichungen  zweiter  Ordnung  zu  Grunde,  mit  denen  er  sich  schon 
früher  beschäftigt  hatte  und  gelangte  durch  Umkehrung  der  Integrale  zur 
Integration  der  Lame’schen  Differentialgleichung  im  Hermite’schen  Sinne. 
Mittlerweile  hatten  auch  andere  Mathematiker  diesem  interessanten  Gegen- 
stand ihre  Aufmerksamkeit  zugewandt,  vor  allem  war  es  wieder  Brioschi, 
neben  ihm  die  Herren  Mittag-Leffler  und  Picard.  In  enger  Fühlung 
mit  ihnen  gelang  es  Hermite  noch  weitere  Differentialgleichungen  mit 
doppeltperiodischen  Coefficienten  der  Integration  zugänglich  zu  machen. 

Alle  die  soeben  skizzirten  Hermite’schen  Untersuchungen,  die  im  Jahre 

1885  in  einem  eigenen  Werke  zusammengefasst  wurden,  sind  verwoben  mit 
der  Lösung  einiger  mechanischer  Probleme  und  zwar  des  Jacobi’schen  Ro- 
tationsproblemes,  des  Problemes  der  Gleichgewichtsfigur  einer  elastischen 
Feder  und  des  sphärischen  Pendels,  die  alle  drei  mit  Hülfe  der  doppelt- 
periodischen Functionen  zweiter  Art  zu  Ende  geführt  werden.  Das  ge- 


10 


nannte  Werk  gehört  zu  den  schönsten  Erzeugnissen  unserer  mathematischen 
Litteratur.  Es  zeichnet  sich  ebenso  durch  Gedankenreichthum  wie  durch 
Eleganz  der  Darstellung  aus  und  hat  Anregung  zu  einer  grossen  Reihe 
weiterer  Arbeiten  über  dasselbe  Gebiet  gegeben,  von  denen  nur  nochmals 
auf  die  geistvollen  Arbeiten  von  Herrn  Picard  hingewieseii  werden  möge. 
— Mit  der  Theorie  der  elliptischen  Functionen  ist  die  der  hyperelliptischen 
enge  verbunden.  In  ihr  Gebiet  fällt  eine  der  ersten  Arbeiten  von  Her  mite. 
In  einem  Briefe  an  Jacobi  vom  Januar  1843  giebt  der  zwanzigjährige 
Student  die  Lösung  des  Divisionsproblemes  der  hyperelliptischen  Func- 
tionen erster  Ordnung  und  zwar  sowohl  für  beliebige  Werthe  des  Argu- 
mentes, wie  für  die  Nullwerthe  derselben,  Jacobi  erkannte  sofort  die 
hohe  Bedeutung  der  Arbeit,  die  ihren  Verfasser  mit  einem  Schlage  den 
Mathematikern  ersten  Ranges  gleichstellte.  Er  antwortete  ihm  mit  den 
Worten:  ,,Je  vous  remercie  bien  sincerement  de  la  belle  et  importante 
communication  que  vous  venez  de  me  faire,  touchant  la  division  des  fonc- 
tions  abeliennes.  Vous  vous  etes  ouvert  par  la  decouverte  de  cette  divi- 
sion un  vaste  champ  de  recherches  et  de  decouvertes  nouvelles  qui  annon- 
cent  un  grand  essor  ä hart  analytique.  Je  vous  prie  de  faire  mes  compli- 
ments  ä mon  illustre  ami  M,  Liouville.  Je  lui  sais  bon  gre  d’avoir  bien 
voulu  me  procurer  le  grand  plaisir  que  j’ai  ressenti  en  lisant  le  Memoire 
d’un  jeune  geometre,  dont  le  talent  s’annonce  avec  tant  d’eclat  dans  ce 
que  la  Science  a de  plus  abstrait.“  Lame  und  Liouville  erstatteten  der 
französischen  ikcademie  über  die  Arbeit  Bericht  und  veranlassten  ihre  Auf- 
nahme in  den  Recueil  des  Savants  etrangers. 

In  das  Jahr  1855  fällt  die  classische  Arbeit  über  die  Transformation 
der  Abel’schen  Functionen.  Wer  immer  sich  auf  diesem  schwierigen  Ge- 
biet bethätigen  will,  wird  zu  derselben  als  dem  Quell  und  dem  Ausgangs- 
punkt aller  weiteren  Untersuchungen  zurückgehen  müssen.  Was  Göpel 
und  Rosenhain  für  die  allgemeine  Theorie  der  hyperelliptischen  Func- 
tionen geleistet  haben,  das  hat  Hermite  für  die  Transformationstheorie  ge- 
leistet — er  hat  das  Fundament  gegeben,  auf  welchem  mit  Sicherheit  weiter 
gebaut  werden  kann. 

Neben  all’  diesen  vielen  speciellen  Functionen  blieb  Hermite  auch 
der  Theorie  der  analytischen  Functionen  nicht  ferne.  In  einem  Alter,  in 
dem  es  im  Allgemeinen  schon  schwer  wird,  sich  in  neue  fremdartige  Ideen- 
kreise hereinzudenken,  widmete  er  sich  dem  Studium  der  Weierstrass- 
schen  und  Mittag-Leffler’schen  Arbeiten  und  kam  hierbei  zu  neuen 
selbstständigen  Methoden,  sowie  zahlreichen  Anwendungen,  die  er  in  mehreren 
Arbeiten  aus  dem  Jahre  1880  und  später  niederlegte.  Daneben  liess  er 
sich  angelegen  sein,  das  Studium  der  Weierstrass’schen  Arbeiten  in  Frank- 
reich einzubürgern,  mit  welchem  Erfolge,  das  lehren  die  schönen  Arbeiten 
der  jungen  französischen  Mathematiker  auf  diesem  Gebiet. 

Mit  dem  soeben  Bemerkten  dürfte  der  Kreis  der  Arbeiten  einigermassen 
umgrenzt  sein,  die  entweder  rein  analytischen  Charakters  sind  oder  mit 
der  Analysis  in  tieferer  Beziehung  stehen.  Zu  ihnen  kommt  eine  grössere 
Anzahl  von  Arbeiten  arithmetischen  und  algebraischen  Inhalts,  wobei 
freilich  eine  scharfe  Umgrenzung  nicht  möglich  ist,  da  auch  in  ihnen  sich 
Untersuchungen  rein  analytischer  Natur  vorfinden.  Alle  diese  Arbeiten 
fallen  in  sein  kräftigstes  Mannesalter.  Die  Erfindungsgabe  zeigt  sich  in 
ihnen  in  bewunderungswürdiger  Weise.  Die  neuen  Ideen,  die  neuen  Re- 
sultate und  Sätze  drängen  einander,  sie  bringen  den  Namen  Hermite  in 


11 


immer  weitere  und  weitere  Kreise  und  eröffnen  dem  Vierunddreissigjährigen 
die  Hallen  der  französischen  Academie. 

Die  Arbeiten  arithmetischen  Charakters  setzen  ungefähr  im  Jahre  1850 
ein.  Ihr  Zweck  war  es,  zunächst  die  Annäherungsmethode  schärfer  zu 
untersuchen,  die  Jacobi  in  seiner  bekannten  Arbeit  über  die  Unmöglich- 
keit von  Functionen  einer  veränderlichen  Grösse  mit  mehr  als  zwei  Perioden 
aufgestellt  hatte.  Her  mite  überzeugte  sich  bald,  dass  diese  Fragen,  sowie 
eine  grosse  Anzahl  ähnlicher  von  der  Keduction  der  quadratischen  Formen 
abhängig  zu  machen  ist.  „Mais  une  fois  arrive  ä ce  point  de  vue“,  so 
schreibt  er  im  Jahre  1850  an  Jacobi,  „les  problemes  si  vastes  que  j’avais 
cru  me  proposer,  m’ont  semble  peu  de  chose  ä cote  des  grancles  questions 
de  la  theorie  des  formes,  considerees  d’une  maniere  generale.“  Auf  diesem 
Wege  gelangt  er  zu  der  arithmetischen  Theorie  der  Formen  und  traf  sich 
hierbei  mit  den  Arbeiten  von  Gauss,  Eisenstein,  Jacobi  und  Anderen. 

Her  mite  untersuchte  zunächst  die  quadratischen  Formen  mit  beliebig 
vielen  Veränderlichen.  Er  führte  sie  auf  gewisse  reducirte  Formen  zu- 
rück und  wies  nach,  dass  die  Classenanzahl  bei  vorgelegter  Determinante 
und  ganzzahligen  Coefficienten  eine  endliche  ist.  Für  den  Fall  der  in- 
definiten Formen  war  hierbei  eine  grosse  Anzahl  von  Schwierigkeiten  zu 
überwinden,  die  er  in  geistvollster  Weise  löste.  Er  führte  dazu  unter 
anderem  den  Begriff  der  continuirlichen  Veränderungen  in  die  Formen- 
theorie ein  und  gab  damit  eine  Reduction  von  Fragen  über  ganze  Zahlen 
auf  Fragen  rein  analytischen  Charakters.  Auch  das  Problem,  die  Trans- 
formationen einer  Form  in  sich  selbst  zu  finden,  musste  in  Angriff  ge- 
nommen werden. 

In  ähnlicher  Weise  wird  die  Theorie  der  Formen  von  beliebigem  Grade 
untersucht,  welche  in  lineare  Factoren  zerfällt  werden  können.  Hier  findet 
Her  mite  jenen  schönen  Satz  über  die  vertauschbaren  ganzzahligen  Trans- 
formationen einer  Form  in  sich,  welche  die  Theorie  derselben  auf  die  Po- 
tenzen von  Transformationen  zurückführt. 

Auch  die  Hinzunahme  complexer  Grössen  zeigt  sich  von  schwerwie- 
gender Bedeutung.  Hermite  führte  zuerst  die  nach  ihm  benannten  bilinearen 
Formen  mit  conjugirt  complexen  Veränderlichen  ein  und  gab  damit  die 
Grundlage  für  weitgehende  neuere  Untersuchungen,  unter  denen  vor  allem 
diejenigen  von  Herrn  Picard  zu  erwähnen  sind.  Daneben  gelang  es  ihm, 
die  schönen  Sätze  von  Jacobi  über  die  Zerlegung  ganzer  Zahlen  in  die 
Summe  von  vier  Quadraten  von  neuem  zu  beweisen.  Auch  die  Theorie 
der  in  Linearfactoren  zerlegbaren  Formen  beliebigen  Grades  mit  ganzen 
complexen  Coefficienten  wurde  in  den  Bereich  der  Betrachtungen  gezogen 
und  gab  Anlass  zu  dem  berühmten  Satze,  dass  die  Wurzeln  der  algebra- 
ischen Gleichungen  mit  ganzen  complexen  Coefficienten  und  gleicher  Dis- 
criminante  sich  durch  eine  begrenzte  Anzahl  von  einander  verschiedener 
Irrationalitäten  ausdrücken  lassen. 

Glänzend  waren  die  Anwendungen  auf  die  Algebra.  Es  gelang  ihm, 
das  Sturm’sche  Problem  über  die  Anzahl  der  reellen  Wurzeln  einer 
algebraischen  Gleichung  zwischen  vorgelegten  Grenzen  auf  Grund  des 
Trägheitsgesetzes  der  quadratischen  Formen  in  einer  eleganten  Form  zu 
lösen.  Herr  Weber  hat  diese  Lösung  in  seiner  Algebra  dem  deutschen 
Publicum  allgemein  zugänglich  gemacht.  Auch  algebraische  Gleichungen 
mit  complexen  Coefficienten  werden  betrachtet.  Hermite  associirt  den- 
selben gewisse  quadratische  Formen  und  kommt  damit  zu  Resultaten, 


12 


welche  die  Cauchy’schen  Theoreme  über  die  Anzahl  complexer  Lösungen 
in  einem  vorgeschriebenen  Bereiche  als  unmittelbare  Folgerung  ergeben. 
Mittlerweile  war  eine  neue  Richtung  in  der  Formentheorie  hervorgetreten. 
Durch  die  Bemühungen  von  Boole  und  Cayley  hatten  sich  in  den  vier- 
ziger Jahren  des  vorigen  Jahrhunderts  die  ersten  Keime  der  Invarianten- 
theorie entwickelt.  Auch  hier  war  es  Hermite  beschieden,  schöpferisch 
in  die  Entwickelung  einzugreifen  und  neue  Wege  vorzuschreiben,  die 
später  von  Anderen  weiter  verfolgt  werden.  Seine  Arbeiten  beginnen  im 
wesentlichen  im  Jahre  1854  und  berühren  sich  vielfach  mit  den  Arbeiten 
von  Cayley  und  Sylvester,  so  dass  es,  wie  Herr  Jordan  sagt,  schwer, 
ja  kaum  wünschenswerth  ist,  den  Antheil  eines  Jeden  an  dem  gemeinsamen 
Werke  zu  präcisiren.  „Wir,  Cayley,  Hermite  und  ich“,  so  sagt  Syl- 
vester, ,, bildeten  damals  eine  invariante  Trinität“.  Jedenfalls  ist  Hermite 
das  berühmte  Reciprocitätsgesetz  zuzuschreiben,  welches  die  invarianten 
Bildungen  im  binären  Gebiete  in  einer  merkwürdigen  Art  zu  Paaren  ordnet 
und  eine  überaus  grosse  Anzahl  wichtiger  Anwendungen  zulässt.  Indem 
Hermite  ferner,  wie  H.  F.  Meyer  bemerkt,  im  Falle  einer  binären  Form 
ungerader  Ordnung  zwei  lineare  Covarianten  als  neue  Veränderliche  ein- 
führt, vermag  er  die  erstere  in  eine  „typische“  Gestalt  zu  bringen,  in 
welcher  die  Coefficienten  selbst  Invarianten  sind.  Im  unmittelbaren  Zu- 
sammenhänge damit  stehen  die  Systeme  „associirter  Formen“,  von  denen 
jede  weitere  zur  ursprünglichen  Form  gehörige  Bildung  in  rationaler  Weise 
abhängt.  Eine  überaus  interessante  Anwendung  dieser  Theoreme  bezieht 
sich  auf  die  Formen  5.  Grades.  Hier  findet  Hermite  neben  den  drei 
von  Sylvester  entdeckten  Invarianten  eine  vierte  von  der  Eigenschaft, 
dass  sich  alle  anderen  Invarianten  als  ganze  Functionen  dieser  vier  fun- 
damentalen Grössen  darstellen  lassen.  Dieselbe  bietet  das  erste  Beispiel 
einer  schiefen  Invariante  dar,  d.  h.  einer  solchen,  die  in  sich  selbst  multi- 
plicirt  mit  einer  ungeraden  Potenz  der  Substitutionsdeterminante  übergeht. 
Die  Coefficienten  der  typischen  Form  vom  5.  Grade  drücken  sich  rational 
durch  diese  Invarianten  aus.  Hieraus  folgert  Hermite,  dass  jede  Gleichung 
5.  Grades  so  umgeformt  werden  kann,  dass  sie  nur  von  zwei  Parametern 
abhängt,  die  absolute  Invarianten  sind,  und  giebt  Invariantenkriterien  für 
die  Realität  ihrer  Wurzeln. 

„La  lecture  de  ces  beaux  Memoires“,  so  sagt  Herr  Picard,  „laisse 
une  impression  de  simplicite  et  de  force;  aucun  mathematicien  du 
XIX®  siede  n’eut,  plus  qu’ Hermite,  le  secret  de  ces  transformations  al- 
gebriques  profondes  et  cachees  qui,  une  fois  trouvees,  paraissent  d’ailleurs 
si  simples.  C’est  ä un  tel  art  du  calcul  algebrique  que  pensait  sans  doute 
Lagrange,  quand  il  disait  ä Lavoisier  que  la  Chimie  deviendrait  un 
jour  facile  comme  FAlgebre“. 

Ich  bin  am  Schlüsse  meiner  Betrachtungen  angelangt.  Vieles  habe 
ich  nur  andeuten  und  flüchtig  berühren  hönnen,  vielleicht  aber  dürften 
Sie  doch  aus  dem  Bemerkten  entnommen  haben,  wie  mächtig  und  um- 
fassend der  Geist  war,  der  mit  Hermite  dahingegangen  ist. 

Ungezählte  Jünger  unserer  Wissenschaft  haben  aus  seinen  Werken 
Weisheit  und  Belehrung  gezogen.  Wie  aus  einem  tiefen  unerschöpflichen 
Born,  so  strömen  aus  ihnen  krystallhell  eine  Fülle  neuer  Gedanken  und 
zwingen  den  Leser  zur  Mit-  und  Fortarbeit.  Viele  seiner  Ideen  und 
Resultate  sind  zum  Gemeingut  unserer  Wissenschaft  geworden,  aber  auch 
sie  wird  man  in  Zukunft  gerne  an  der  Quelle  studiren  wollen,  viele  andere 


13 


dagegen  harren  noch  der  Entwickelung.  So  hat  sich  denn  Her  mite  in 
seinen  Werken  ein  Monument  gesetzt,  welches  die  Zeiten  überdauern 
wird  und  seinen  Namen  mit  dem  Zauber  der  Unsterblichkeit  umgiebt. 
Wir  aber,  die  wir  ihm  persönlich  nahen  durften,  werden  des  grossen  und 
gütigen  Mannes  nimmermehr  vergessen  1 


Litteraturangaben. 

Ausser  den  Werken  von  Hermite  habe  ich  benutzt: 

1.  Die  Fortschritte  der  Mathematik. 

2.  Enneper:  Elliptische  Functionen.  Theorie  und  Geschichte. 
Halle  1890. 

3.  Krause:  Theorie  der  doppeltperiodischen  Functionen  einer 
veränderlichen  Grösse.  Leipzig.  Litteraturnachweise. 

4.  F.  Klein:  Vorlesungen  über  das  Ikosaeder.  Leipzig  1894. 

5.  Franz  Meyer:  Bericht  über  den  gegenwärtigen  Stand  der 
Invariantentheorie.  Jahresbericht  der  deutschen  math.  Ver- 
einigung 1892. 

6.  Vahlen:  Arithmetische  Theorie  der  Formen.  Encyklopädie  der 
math.  Wissenschaften. 

7.  Jubile  de  Hermite.  Paris  1893. 

8.  Notice  sur  M.  Ch.  Hermite;  par  M.  C.  Jordan.  Comptes  Rendus 
21.  Janvier  1901. 

Nach  Fertigstellung  des  Manuscriptes  wurde  mir  die  Arbeit  von  Herrn 
Picard  über  Hermite  aus  dem  letzten  Hefte  der  Annales  de  TlScole  Nor- 
male bekannt.  Ich  konnte  diese  geistvolle  und  eingehende  Untersuchung 
unter  solchen  Umständen  nicht  mehr  in  eingehender  Weise  berücksichtigen 
— immerhin  sind  einige  Bemerkungen  derselben  in  den  Vortrag  auf- 
genommen worden. 


II.  Tiefbohrmig  ln  der  Dresdner  Haide. 

Von  Dr.  Robert  Wessig. 


Eine  im  Jahre  1899  in  der  Dresdner  Haide  hinter  dem  Waldschlösschen 
vorgenommene  Bohrung*)  schloss  in  einer  Tiefe  von  20,80  m ein  3,70  m 
mächtiges  Thonlager  auf  und  führte  weiter  in  die  diluvialen  Thalkiese 
und  Thalsande  des  Elbstromes  bis  zur  Teufe  von  40, lo  m hinab.  Als 
weiterer  Beitrag  zur  Kenntniss  der  Untergrundverhältnisse  des  rechten 
Elbufers  dient  folgende  Bohrliste,  die  sich  aus  einer  in  unmittelbarer  Nähe 
des  erwähnten  Aufschlusses  im  Frühjahr  1900  vorgenommenen  Tiefbohrung 
ergab : 


Haidesand 


0,00- 

0,30- 

10,20- 

13.40- 
18,10- 
18,60- 
20,20- 
20,60- 

21.30- 

23.80- 

24.40- 
26,15- 

26.50- 
27,10 
32,20- 
33,70- 

34.80- 

36.30- 
38,40  - 

40.30- 

41.50- 

42.40- 

44.80- 
45,30 


0,30  m 

10.20  55 

13,40  55 

-18,10  ,5 

■18,60  „ 

20.20  ,5 
•20,60  „ 

21.30  „ 
23,80  „ 
■24,40  55 
26,15  5, 
26,50  55 
■27,10  „ 

32.20  55 

33.70  „ 
-34,80  55 
■36,30  55 
■ 38,40  55 

40.30  55 
■41,50  55 
•42,40  „ 
-44,80  „ 

-45,30  „ 

45.70  55 


aufgefüllter  Boden, 
grauer  Sand, 

grauer  Sand  mit  Steinen  (Granitfragmente), 

gelber  Sand  mit  Steinen, 

grauer,  feiner  Sand, 

feiner  Kies, 

grober  Kies, 

brauner  Thon, 

blauer  Thon, 

Thon  mit  Eisensandschichten, 
thoniges  Gerolle, 
grober  Kies, 
grauer  Sand, 

Erbskies, 
grober  Kies, 
feiner  Sand, 
grober  Kies, 
feiner  Sand, 
feiner  Kies, 
grober  Kies, 
feiner  Kies, 

grober  Kies  (einschliessl.  schlammige  Schicht 
5 — 10  cm  mächtig), 
grober,  thoniger  Kies, 
grober  Kies, 


*)  Abhandl.  d.  naturwiss.  Ges.  Isis  in  Dresden  1899,  S.  16. 


15 


45,70  — 47,20  m feiner  Kies, 

47,20  — 47,35  „ gelber  Thon, 

47,35  — 47,90  „ blauer  Thon, 

47,90 — 50,oo  „ Pläner  (Labiatus- Pläner). 

Aus  dem  gebotenen  Profile  geht  abermals  die  Anwesenheit  des  Thon- 
lagers in  einer  Mächtigkeit  von  3,80  m hervor,  lieber  demselben  sammeln 
sich  die  „verlorenen  Wasser“  der  Haidesandterrasse  an  (auch  in  den  Brunnen 
der  Simmig’schen  Villen  nachgewiesen).  Der  Thon  offenbarte  als  speckiges 
Material  die  bekannte  Beschaffenheit,  d.  h.  er  zerfloss  beim  Brennen  im 
Steingutofen  bei  1250^  in  Folge  des  starken  Eisen-  und  Kalkgehaltes  zu 
einem  rothbraunen  Kuchen,  ein  Verhalten,  welches  z.  B.  dem  Brongniarti- 
Mergel  nicht  eigen  ist.  Die  über  dem  Thone  lagernden  Sande  erwiesen 
sich  als  echte  Haidesande,  die  nur  direct  im  Hangenden  des  Thones  in 
Kies  übergingen,  so  dass  wir  hier,  wie  anderwärts  im  Gebiet,  die  kiesigen 
Basisschichten  des  Haidesandes  vor  uns  haben.  Dies  Verhältniss  kommt 
auch  zum  Ausdruck  durch  die  Vergleichung  der  trigonometrischen  Fest- 
punkte, die  hier  in  Frage  kommen.  Der  im  Niveau  der  jüngsten  Thal- 
stufe der  Elbe  befindliche  Elbbolzen  Nr.  736  an  der  Südwestecke  des 
Wasserwerkes  zeigt  109, 094  m,  das  Terrain  in  der  Umgebung  des  Bohr- 
loches 133,772  m,  so  dass  das  Niveau  des  Thonlagers  bei  einer  Tiefenlage 
von  20,60 — 24,40  m ziemlich  genau  der  Höhenlage  der  unteren  Elbaue 
entspricht.  Damit  ist  die  Entstehung  des  Thones  als  Elbschlick  über  dem 
alten  zugeschütteten  Elbbett  wahrscheinlich  gemacht,  auch  besonders  des- 
halb, weil  unter  dem  Thon  der  Bohrer  deutliche  Elbschotter  mit  zahl- 
reichen, charakteristischen  Geschieben,  als  Basalt,  Phonolith,  Quadersand- 
stein, metamorphosirte  Andalusitgneisse  und  selbst  Porzellanjaspis  von  den 
Kohlenbrandherden  aus  Böhmen  durchteufte. 

Wie  aus  der  Bohrliste  ersichtlich,  findet  eine  deutliche  Wechsellagerung 
von  Sand  und  Kies  statt,  und  schliesslich  folgen  bei  47,35  m blaue  Thone, 
die  nach  dem  Befunde  als  verwitterte  und  aufgearbeitete  Pläner  anzusehen 
sind  und  die  im  Gegensätze  zu  dem  oben  erwähnten  Thone  beim  Brennen 
wenig  deformirte,  gelbgraue  Scherben  lieferten.  Unter  dieser,  nur  wenig 
mächtigen  Lage  erscheint  der  feste  Labiatus -Pläner,  das  Grundgebirge 
der  Elbthalwanne,  welches,  durch  die  Lausitzer  Verwerfung  am  Lausitzer 
Granit  abgesunken,  sich  sicher  bis  zum  Bruchrande  der  Granitplatte  unter 
der  Haidesandterrasse  hinzieht,  wie  die  Aufschlüsse  an  den  Hellerbergen 
verrathen.  Ausser  im  artesischen  Brunnen*)  auf  der  Antonstrasse,  im 
Brunnen  der  Werft  zu  Uebigau*)  und  im  Bohrloch  im  Priessnitzgrunde**) 
sind  die  Pläner  auf  dem  rechten  Elbufer  sonst  nirgends  in  der  Tiefe  auf- 
geschlossen worden,  und  dürfte  die  jüngste  Bohrung  als  weiterer  Beitrag 
zur  Lösung  der  Frage  nach  der  Entstehung  des  Elbthales,  der  Lage  und 
Ausdehnung  des  diluvialen  Elbbettes  dienen. 


*)  Sect.  Dresden,  S.  84. 

**)  Abhandl.  d.  naturwiss.  Ges.  Isis  in  Dresden  1899,  S.  16. 


III.  Ein  verziertes  Steinbeil  aus  Sachsen. 


Von  J.  Deiehmüller. 


Im  Herbst  vorigen  Jahres  kam  die  Königliche  Prähistorische  Samm- 
lung in  Dresden  in  den  Besitz  von  drei  Steingeräthen,  welche  auf  der  Flur 
Zeicha  bei  Mügeln,  Regierungsbezirk  Leipzig,  von  dem  dortigen  Guts- 
besitzer Herrn  Grüble  bei  der  Bestellung  seiner  Felder  einzeln  gefunden 
und  Herrn  Oberlehrer  Fl.  Schubert  in  Mügeln  als  Geschenk  für  das  Dresdner 
Museum  übergeben  worden  waren.  Das  eine  derselben  ist  ein  wohlerhal- 
tenes, 19  cm  langes,  facettirtes  Steinbeil  aus  Amphibolit  von  der  in  Sachsen 
schon  mehrfach  gefundenen  Form  mit  Verstärkungsrippen  zu  beiden  Seiten 
des  Schaftlochs,  das  zweite  das  11  cm  lange  Schneidenende  eines  am 
Schaftloch  abgebrochenen  Steinbeils  von  viereckigem  Querschnitt  aus  ähn- 
lichem Gestein;  das  dritte,  auch  nur  ein  Schneidenende,  zeichnet  sich 
durch  die  auf  demselben  angebrachten  vertieften  Ornamente  aus. 

Das  wenig  mehr  als  8 cm  lange  Bruchstück  hat  schlank  dreieckigen, 
nach  der  stumpfen  Schneide  zugerundeten  Grundriss  (siehe  nebenstehende 
Abbildung),  fast  rechteckigen,  an  der  Bruchfläche  4 cm 
breiten  und  3 cm  hohen  Querschnitt  und  an  der  Schneide 
eine  Höhe  von  2,3  cm.  Ober-  und  Unterfläche  sind  eben, 
die  Seitenflächen  gleichmässig  flach  gewölbt.  Mit  Aus- 
nahme der  unteren  Fläche  sind  alle  übrigen  mit  ver- 
tieften, eingeritzten  Ornamenten  bedeckt.  Auf  den  Seiten- 
flächen verlaufen  je  vier  ungleich  starke,  bis  1 mm  tiefe 
und  breite  Längslinien  in  ziemlich  regelmässigen  Ab- 
ständen von  7 mm,  die  auf  der  in  der  Abbildung  sicht- 
baren Seitenfläche  4 cm,  auf  der  gegenüberliegenden 
4,5  cm  vor  der  Schneide  enden.  Die  obere  Fläche  wird 
längs  der  Mitte  durch  eine  3 — 3,5  mm  breite,  gegen 
1 mm  tiefe,  nach  der  Schneide  verflachte,  gerundete 
1/2  der  natürl.  Grösse.  Furche  getheilt,  von  welcher  beiderseits  schief  nach  den 
Rändern  unregelmässige,  eingeritzte  schwächere  Linien  abzweigen,  wodurch 
ein  tannenzweigartiges  Ornament  entsteht. 

Das  zu  dem  Geräth  verwendete  Gestein  ist  nach  der  im  Königlichen 
Mineralogisch -geologischen  Museum  in  Dresden  durch  Prof.  Dr.  W.  Bergt 
ausgeführten  mikroskopischen  Untersuchung  ein  massiger  „Grünstein“, 
wahrscheinlich  ein  durch  Gebirgsdruck  besonders  in  der  Zusammensetzung 
veränderter,  in  der  Struktur  aber  noch  erkennbarer,  feinkörniger  Diabas. 


17 


Derartige  verzierte  Steingeräthe  gehören  allgemein  zu  den  Seltenheiten; 
unter  den  aus  dem  Königreich  Sachsen  bisher  bekannten,  nicht  aus  Feuer- 
stein hergestellten  Steinwerkzeugen,  deren  Zahl  bereits  mehr  als  300  be- 
trägt, ist  das  Zeicha’er  Bruchstück  das  einzige,  welches  mit  vertieften 
Linien  geziert  ist.  Ein  dem  hier  beschriebenen  ähnliches  tannenzweigartiges 
Ornament  hat  E.  Friedei  auf  dem  Bahnende  eines  Steinhammers  von  Jüter- 
bogk  gefunden  und  in  den  Verhandlungen  der  Berliner  Gesellschaft  für 
Anthropologie  1875,  S.  183  abgebildet. 


f 


IV.  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen*). 


Yon  Finanz-  und  Baurath  H.  Wiechel. 
Mit  1 Karte. 


Die  Eckpunkte  des  zu  untersuchenden  Gebietes  bilden  im  Nordwesten 
die  Saaleübergänge  Halle,  Merseburg,  Weissenfels,  Naumburg,  im  Süd  westen 
die  Uebergangspunkte  am  Nordrande  des  Fichtelgebirges  Hof,  Asch,  Eger; 
im  Süden  bildet  die  Eger  und  Prag,  im  Osten  die  Iser-Neisselinie  die 
Interessengrenze,  während  im  Norden  die  altalluviale  Niederung  Eilenburg- 
Torgau-Elsterwerda-Senftenberg-Eriebus  einen  natürlichen  Abschluss  dar- 
bietet. 

Dieses  Gebiet  wurde  noch  1100  n.  Chr.  quer  durchzogen  von  einem  20 
bis  60  km  breiten  Waldgebirge,  dessen  etwa  1250  n.  Chr.  vollendete  Rodung 
und  Besiedelung  dem  Lande  die  äussere  Erscheinung  gegeben  hat,  welche 
es  fast  unverändert  noch  heute  besitzt.  Eine  ähnliche  durchgreifende  Ver- 
änderung des  ganzen  Landesbildes  könnte  man  sich  für  die  Zeit  des  Ueber- 
ganges  von  Weidewirthschaft  zum  Ackerbau  vorstellen;  indessen  fehlen,  um 
hierauf  einzugehen,  heute  noch  ausreichende  Anhaltspunkte.  Bestehen  doch 
noch  Zweifel  über  die  Agrarzustände  in  der  Broncezeit,  deren  Spuren  fast 
in  allen  Ortschaften,  die  die  deutsche  Eroberung  seit  etwa  800  n.  Chr. 
von  Slaven  besiedelt  antraf,  zu  Tage  treten.  Das  Bedürfniss  nach  einem 
sicheren  Heim  für  den  langen  Winter,  nach  Ansammlung  von  Essvorrath 
für  die  unwirthlichen  Monate  kann  schon  in  der  jüngeren  Steinzeit,  deren 
Eundgebiet  sich  in  unerwarteter  Weise  fortwährend  erweitert,  zu  einer  ge- 
wissen Sesshaftigkeit,  Bodenvertheilung  und  Bodenbearbeitung  geführt  haben, 
wozu  übrigens  auch  der  milde  fruchtbare  Lössboden  auf  der  Linie  Pegau- 
Lommatzsch-Bautzen  einladen  musste.  Jedenfalls  hat  sich,  wie  alle  prä- 
historischen Funde  beweisen,  das  Leben  der  Bewohner  seit  den  ältesten 
Zeiten  auf  demselben  Gebiete  abgespielt,  auf  dem  wir  die  Siedelungen 
der  Wenden  bei  der  deutschen  Besitzergreifung  vorfinden,  auf  einem 
Gebiet,  das  sich  in  seinem  Aeusseren  nur  wenig  verändert  erhalten  haben 
dürfte. 

Untersuchungen  über  die  ältesten  Wege  im  Zeitabschnitte  der  deutschen 
Besitznahme,  also  etwa  800  bis  1200  werden  daher  nicht  nur  grundlegende 
Bedeutung  für  die  Weiterverfolgung  der  Entwickelung  des  Wegenetzes  bis 


*)  Unter  Benutzung  seines  am  18.  April  1901  in  der  Section  für  prähistorische 
Forschungen  der  naturwissenschaftlichen  Glesellschaft  Isis  in  Dresden  gehaltenen  Vortrags. 


19 


zur  Neuzeit,  sondern  auch  für  die  Rückblicke  in  die  vorhistorische  Zeit 
besitzen. 

Die  historischen  Nachrichten,  die  wiederholt  bearbeitet  worden  sind*), 
beschränken  sich  für  die  älteste  Zeit  auf  Nennung  einiger  weniger  Orts- 
und Localnamen  in  Berichten  über  Heereszüge  und  vereinzelte  Reisen  oder 
über  Zollstätten.  So  werthvoll  diese  Anhaltspunkte  sind,  so  reichen  sie 
doch  nicht  aus,  ein  Wegenetz  für  jene  alte  Zeit  aus  ihnen  zu  construiren, 
so  wenig  wie  man  aus  den  Triangulationspunkten  einer  Landesvermessung 
eine  Landkarte  zu  entwerfen  vermag. 

Für  die  Erkenntniss  der  Einzelheiten  der  ältesten  Wegeanlagen  fliesst 
aber  eine  überraschend  reiche  Quelle,  aus  der  noch  wenig  geschöpft  worden 
ist  — das  ist  die  Spur  der  Vorzeit  auf  dem  heutigen  Antlitz  des  Landes. 
So  mancher  älteste  Weg  ist  noch  vorhanden,  sei  es  in  der  vornehmen 
Gestalt  einer  grossen  Strasse  oder  eines  bescheidenen  Verbindungsweges, 
oder  gar  nur  als  vom  Verkehr  verlassener,  grasüberwucherter  Feldweg,  als 
seitab  liegen  gebliebener  Hohlweg  von  Strauch-  und  Baumwuchs  erfüllt. 
Ja  bis  zum  Feldrain,  bis  zur  Grenzlinie  schreitet  die  Rückbildung  vor, 
wenn  nicht  gar  durch  Zusammenlegungen  von  Feldfluren  jedwede  Spur  des 
alten  Weges  in  den  Ackerfurchen  untergeht. 

Aber  nicht  nur  die  sichtbar  wie  auf  einem  Palimpseste  auf  der  Landes- 
oberfläche von  den  aufeinanderfolgenden  Jahrhunderten  eingegrabenen  Weg- 
zeichnungen selbst  sind  uns  zur  Entwirrung  aufbewahrt,  sondern  auch  un- 
sichtbare, aber  gleich  fest  an  die  Scholle  gebundeneUeberlieferungen  erzählen 
von  den  ältesten  Wegen:  die  Localnamen,  zunächst  die  Wegnamen  selbst. 
Bei  der  Treue  der  Erhaltung  vieler  Localnamen  lässt  sich  sogar  zuweilen 
noch  deren  althochdeutscher  oder  mittelhochdeutscher  Charakter  und  da- 
mit deren  Zeitstellung  erkennen. 

Alle  diese  topographischen  Einzelheiten  und  Flurnamen  liefert  in  un- 
übertrefflicher Klarheit  die  Landesaufnahme  des  kursächsischen  In- 
genieurcorps aus  der  Zeit  um  1780,  die  in  Kupfer  gestochen  als 
Oberreit’scher  Atlas**)  bekannt  ist. 

Es  ist  nun  versucht  worden,  an  der  Hand  der  historischen  Angaben 
unter  Voraussetzung  eines  Siedelungszustandes  vor  der  deutschen  Colonisa- 
tion,  also  vor  1200  die  ältesten  Wegzüge  in  allen  Einzelheiten  aus  dem 
vielgefalteten  Antlitz  des  Landes  selbst  abzulesen.  Ehe  auf  die  einzelnen 
Wegzüge  eingegangen  wird,  sind  die  Grundsätze  in  der  Eührung  der  Strassen 
und  die  mit  dem  Wege  im  Zusammenhang  stehenden  Anlagen,  wie  sie  jener 
Culturepoche  in  unserem  Gebiete  entsprechen,  zu  erörtern. 


*)  H.  Scliurtz:  Die  Pässe  des  Erzgebirges.  Leipzig  1891.  — A Simon:  Die 
Verkehrsstrassen  in  Sachsen  n.  s.  w.  Stuttgart  1892. 

Zn  nennen  sind  noch:  » 

0.  Posse:  Die  Markgrafen  von  Meissen.  Leipzig  1881.  Umfasst  die  Zeit  von 
968  bis  1156.  — E.  0.  Schulze:  Die  Colonisirung  und  Germanisirung  der  Gebiete 
zwischen  Saale  und  Elbe.  Leipzig  1896. 

**)  Es  ist  zu  bedauern,  dass  diese  Karte  für  wissenschaftliche  Zwecke  nicht  mehr 
abgedruckt  und  in  den  Handel  gebracht  wird.  Auf  kostspielige  Nachträge  könnte  wohl 
verzichtet  werden,  da  neuere  Kartenwerke  das  moderne  Bedürfniss  befriedigen.  Die 
Vervielfältigung  der  älteren  Platten,  sei  es  auch  nur  durch  Umdruck,  ist  aber  für  die 
culturgeschichtliche  Forschung  so  werthvoll,  weil  sie  eine  Fülle  von  Einzelheiten  und 
Namen  enthalten,  die  man  auf  den  neuen  Kartenwerken  vermisst. 

*>!= 


20 


Di©  Trassirung  der  Wege. 

Wenn  auch  Wege  sowohl  in  der  Urzeit  wie  heute  jede  Einzelsiedelung 
mit  der  benachbarten  verbanden,  also  in  der  Gesammtheit  ein  unentwirr- 
bar dichtes  Netz  bildeten, 

„Seitab  liegt  der  Sitz  des  Feindes 
Wenn  er  am  Wege  auch  wohnt; 

Zum  Freunde  aber  führt  ein  Richtsteig, 

Zog  er  auch  fernhin  fort.“  (Edda.) 

so  hoben  sich  doch  immer  die  „länderverbindenden“  Hauptwege  ab,  um  die 
es  sich  hier  nur  handelt.  Diese  Wege  mieden  nun  in  alter  Zeit  mit 
Aengstlichkeit  das  Alluvium,  die  Thalaue  sowohl  in  der  Längserstreckung 
der  Thäler  als  auch  bei  Durchquerungen,  so  dass  immer  der  bestgangbare 
Pass  durch  das  Inundationsgebiet  sorgfältig  ausgesucht  wurde.  Auch  die 
Lage  unmittelbar  parallel  dem  Alluvialrande  auf  erhöhtem  Boden  war  un- 
beliebt wegen  der  Nothwendigkeit,  zahllose  Querbäche  zu  kreuzen  und  das 
gerade  an  den  Stellen,  wm  diese  Seitenzuflüsse  das  meiste  Wasser  führen.. 
Die  ältesten  Wege  ziehen  sich  daher  stets  in  der  Nähe  der  Wasserscheiden 
auf  den  Landrücken  hin,  ohne  gerade  peinlich  diese  Lage  zu  suchen, 
weil  die  Kreuzung  kurzer  Wasserläufe  in  der  Nähe  des  Ursprunges,  mithin 
ohne  grösseres  Sammelgebiet,  nie  schwierig  ist.  Oft  findet  man  gerade  an 
diesen  Uebergängen  Damm-  und  Teichanlagen  zur  Anstauung  der  nicht 
übermässigen  Wasserläufe  und  fast  regelmässig  findet  sich  dann  der  Local- 
name „Strassenteich“  oder  „alte  Teich“. 

Besondere  Schwierigkeiten  bereitete  stets  die  Querung  wasserreicher 
Thalauen.  Hier  mussten  Siedelungen,  Schutzbauten  von  Uranfang  an  ent- 
stehen, war  doch  das  Heer,  der  Reisende  bei  hohem  Wasserstand,  wie  ihn 
nicht  nur  das  Schneeschmelzen,  sondern  auch  Gewitterregen  erzeugen  konnten, 
geradezu  gezwungen,  wie  wiederholt  historisch  überliefert,  wochenlang  auf 
günstige  Verhältnisse  zu  warten.  Dass  a,us  diesen  Siedelungen  an  den 
Fürthen  die  meisten  grösseren  Orte,  Handelsstädte  erwachsen  sind,  ist  be- 
kannt. 

Auf  einen  wuchtigen  Umstand  ist  hier  noch  hinzuweisen.  Konnten 
die  ältesten  Wegzüge  nicht  an  der  Grenze  zwischen  Alluvium  und  Diluvium 
gesucht  werden,  so  ist  doch  diese  Scheidelinie  von  ausschlaggebender  Be- 
deutung für  die  Siedelungen.  Alle  alten  Orte  finden  sich  wie  Perlenschnuren 
zu  beiden  Seiten  der  Alluvialränder  aufgereiht.  In  die  Thalaue  selbst  baute 
man  nur  die  Zufluchtsorte,  Wasserburgen.  In  diesem  Zusammenhang  sind 
auch  die  Pfahlbauten  zu  erwähnen.  Mit  Zunahme  der  Cultur  rutschen  die 
alten  Strassen  so  zu  sagen  zu  Thal.  Schon  die  wasserbaukundigen  Colonisten 
aus  Friesland,  Holland,  Vlamland  werden  in  den  Jahren  1100  bis  1250  das 
ihrige  zu  diesem  Process  beigetragen  haben.  So  läuft  der  erkennbar  älteste 
Südweg  von  Leipzig,  der  „Dösener  Marktweg“  bei  Wachau,  unter  dem  höchst 
bezeichnenden  Namen  „Heerwmg“  etwa  13  km  landeinw^ärts  vom  Pleissenauen- 
rand,  dem  entlang  die  „alte  Poststrasse“  über  Rötha  nach  Borna  hinzieht, 
während  von  Crostewitz  ab  die  „alte  Strasse“  die  Verbindung  mit  dem  Heer- 
w^eg  in  Magdeborn  herstellt.  Offenbar  ist  die  Bezeichnung  „alt“  nur  eine 
relative,  sie  liefert  für  die  absolute  Zeitstellung  noch  kein  entscheidendes 
Merkmal.  Aehnlich  liegt  es  bei  der  alten  Hauptstrasse  Chemnitz-Lichtenstein- 
Zwickau,  die  in  der  Kappelbachaue  und  weiter  im  Lungwitzthale  hinzieht 
und  wohl  erst  nach  1100,  Lichtenstein  wird  um  1200  erstmalig  genannt, 


21 


aufkommt.  In  der  „Pflockenstrasse“  von  Chemnitz  über  den  Zschockenberg 
und  der  anschliessenden  „Freitagsstrasse“  nach  Zwickau,  die  sich  immer 
auf  den  Höhenrücken  halten,  sodann  in  der  mehr  nördlich  von  Chemnitz 
durch  den  Rabensteiner  Wald  ziehenden  „Hartstrasse‘‘ über  den  Rödenberg 
dicht  nördlich  Hohenstein  nach  Glauchau  haben  wir  wahrscheinlich  die  ältesten 
West- Ost-Wege  dieser  Gegend  vor  uns.  Ein  drittes  Beispiel  einer  alten  Thal- 
strasse bietet  der  später  zur  Hohen-  und  Stapelstrasse  ausgewachsene  Weg 
Altenburg -Gössnitz -Werdau,  der  die  Pleissenaue  nicht  verlässt  und  mit  der 
Entwickelung  Altenburgs  aufgekommen  sein  dürfte,  während  die  ohne  Zweifel 
ältere  Nordsüdstrasse  etwa  12  km  westlich  von  Luckau  auf  dem  Rücken  über 
Meuselwitz,  Kayna,  Hohenkirchen,  Ronneburg  nach  Reichenbach  u.  s.  w. 
hinzieht. 

Es  soll  nur  angedeutet  werden,  dass  fernere  Untersuchungen  auch 
die  verschiedene  Lage  von  Sommerwegen  und  Winterwegen  erkennen  lassen 
mögen,  da  das  winterlich  hartgefrorene  Alluvium  manche  wünschenswerthe 
Durchquerungen  zulässt,  die  im  Sommer  besser  umgangen  werden. 

Die  Scheu  vor  dem  tieferen  Wasser  bringt  es  auch  mit  sich,  dass  die 
ältesten  Wege  gern  einzelne  Flussarme  oder  Nebenflüsse  vor  der  Vereinigung 
durchqueren,  weil  jeder  einzelne  Wasserlauf  leichter  zu  bewältigen  ist,  als 
nach  der  Vereinigung.  Bekanntlich  verfährt  die  neuere  Wegebaukunst 
genau  entgegengesetzt,  so  dass  derartige  alte  Trassirungen  seltsam  anmuthen. 

Die  Unabhängigkeit  der  ältesten  Wege  von  den  Einzelheiten  der  Fluss- 
windungen ermöglicht  auf  dem  hindernisslosen  Rückengebiet  eine  schlanke 
Linienführung  ohne  Knicke  oder  scharfe  Abbiegungen.  Da  die  Baukunst 
hier  nicht  wie  bei  den  alten  Römerstrassen  in  Spiel  kommt,  sind  genau 
eingefluchtete,  geradlinige  Richtungen  bei  alten  Wegen  absolut  ausgeschlossen, 
solche  schnurgerade  Linien  sind  sogar  ein  untrügliches  Kennzeichen  moderner 
Entstehung.  Trotzdem  lassen  sich  in  unserem  Gebiete  zahlreiche  alte  100 
bis  200  km  lange  Wegrichtungen  erkennen,  die  gleichsam  als  Naturproducte 
entstanden  sind,  die  zwar  keine  schnurgerade  Linie  bilden,  aber  von  ihr 
kaum  mehr  als  einige  wenige  Kilometer  abweichen,  so  der  210  km  lange 
Wegzug  Halle-Strehla-Bautzen-GöiTitz  mit  nirgends  mehr  als  4 km  Seiten- 
abweichung. 


Localnamen  an  Wegen. 

Von  der  Heranziehung  der  vorgeschichtlichen  Funde  selbst  soll  hier 
abgesehen  werden,  da  sie  noch  nicht  in  grösserem  Umfange  für  unser 
Gebiet  veröffentlicht  sind  und  da  sie  ausserdem  für  die  Ermittelung  von 
Durchgangsstrassen  nur  dann  bestimmend  sein  können,  wenn  es  sich  um 
sogenannte  Depotfunde,  die  wandernden  Händlern  zuzuschreiben  sein  dürften, 
handelt.  Geräthe,  Waffen,  Schmuck,  Begräbnissbeigaben  vertheilen  sich 
dagegen  offenbar  über  sämmtliche  Siedelungen  und  sind  keineswegs  an 
Heerstrassen,  Handelswege  gebunden. 

Entscheidende  Bedeutung  haben  aber  die  Localnamen,  welche  für 
unser  Gebiet  die  Oberreit’sche  Specialkarte  in  reichster  Fülle  darbietet 
und  zwar  zunächst  die  Wegenamen  selbst.  Wir  lassen  eine  Sammlung 
aus  Sachsen  folgen. 

Heerweg,  Heerstrasse,  Kriegerstrasse,  Reiterweg,  Rennweg,  Rennsteig 
(d.  i.  Rennerweg,  Courierpfad,  Läuferweg),  Kaiserstrasse,  Kaiserweg,  alte 
Königsweg,  Königstrasse,  Grafenweg,  Staatssteig (1),  hohe  Strasse,  hohe 


22 


Weg,  Hoclisteig  sprechen  für  sich;  ebenso  kleine  Strasse,  Schleifweg,  Dieb- 
steig, Diebstrasse,  Räuberstrasse,  Pascherweg,  Bettelsteig,  Zigeunerberg, 
Ziegersteig,  Mörderweg,  Galgenweg,  Amtsweg,  Gerichtssteig.  Andere  un- 
günstige Eigenschaften  bezeichnen  die  Namen  Höllenweg,  Höllsteig,  schlimme 
Weg,  Elendsweg,  Hundemarterweg,  Lottersteig,  Pestweg,  Pestilenzweg 
(Umgehung  verpesteter  Orte),  rauhe  Weg.  Der  Strassenverkehr  führt  zu 
den  Namen  Rollweg,  Spurweg,  Kutschweg,  Katzschweg,  Karrnweg,  Kärrner- 
weg, Reitersteig,  Wanderweg,  Ranzenweg,  Geleitsstrasse,  alte  Poststrasse, 
Poststeig,  Botenweg,  Briefsteig,  Briefträgerweg;  ferner  nach  dem  trans- 
portirten  Gegenstand:  Alte  Salzstrasse,  Eisenweg,  Zinnstrasse,  Silbersteig, 
(Katzensilberweg),  Eisensteinweg,  Kalkweg,  Thonstrasse,  Topfgasse,  Töppel- 
strasse,  alte  Kohlstrasse  (Holzkohlen),  Pechweg,  Fischweg,  Garnstrasse, 
Schachtelweg,  Klötzerweg,  Ziegelweg,  Methsteig,  Malzweg,  alte  Bierweg, 
Bierstrasse,  Zwiebelberg,  Brodsteig,  Butterstrasse,  Buttermilchsteig,  Molken- 
steig, Milchsteig,  Holzweg,  Holzstrasse,  Beersteig,  Viehweg,  Schaafweg,' 
Triftweg,  Sauweg,  Ochsenweg,  Bocksweg,  Mistweg.  Hierzu  treten  die 
Bezeichnungen,  die  von  den  benutzenden  Personen  und  gewissen  persönlichen 
Beziehungen  entlehnt  sind:  Hofweg,  Zehendweg,  Zehndenweg,  Eröhnerweg, 
Frohnweg,  Bauersteig,  Feldweg,  Scheibenweg,  Folgenweg,  Hufenweg,  Land- 
steig, Graslersteig,  Grassteig,  grüne  Weg,  Kleesteig,  Heuweg,  Rasenweg, 
Häuersteig,  Hauerweg,  Hüttensteig,  Zechensteig,  Hammerweg,  Köhlerweg, 
Ascheweg,  Töpfersträsse,  Glaserweg,  Leineweberweg,  Drechslerweg,  Zimmer- 
steig, Pfeiferweg,  Böttchersteig,  Bäckerstrasse,  Gärtnerweg,  Fischersteig, 
Tuchmachersteig,  Marktsteig,  Messweg.  An  den  Wald  erinnern:  Wald- 
strasse, Forstweg,  Buschweg,  Harthweg,  Hartstrasse,  Leithenweg,  Wurzel- 
weg, Heideweg,  Hahneweg,  Hainweg,  Haickweg,  Heckenweg,  Heegweg,  Erl- 
weg, Ebschweg,  Espigweg,  Eichweg,  Lindenweg,  Rothweg,  Brandweg,  Dorn- 
gasse, während  Steinweg,  Bohlweg,  Reissigweg,  Strauchweg  sich  auf  die 
Oberflächenbefestigung  des  Weges  beziehen  werden.  Nach  der  Lage  sind 
die  Namen  gegeben:  Bergweg,  Bergstrasse,  Kammweg,  Fürstenweg  (d.  i. 
Eirstweg),  lange,  schiefe,  krumme  Weg,  tiefe,  breite,  schmale  Weg,  Hohl- 
weg, Winkelweg,  Mittelweg,  Querweg,  Kreuzweg,  keilige  Weg,  Zwiesel- 
weg (Gabelung),  die  Dehne.  Die  kirchlichen  Einrichtungen  spiegeln  sich 
wieder  in:  Kirchweg,  Brautweg,  Heiligenweg,  Pfaffenweg,  Pfaffengasse, 
Nonnenweg,  Münchweg,  Mönchsweg,  Bischofsweg,  Pfarrsteig,  Pfarrweg, 
Todtenweg,  Leichenweg,  Spitalweg,  Spittelweg,  Schülersteig.  Auf  Grenzen 
beziehen  sich:  Grenzweg,  Markweg,  Scheidung,  Rainweg,  Limselweg  (von 
limes?).  Zum  Schlüsse  noch  einige  seltenere  Namen:  Hessweg,  Klüften- 
steig,  Kliebenstrasse,  Stelzenweg,  Kesselweg,  Hordweg,  Feilweg,  Zoppei- 
steig, Lageweg,  Pflockenstrasse  (Pflocken  = Wollkämmereiabfall),  Liebstrasse, 
Krutschenweg,  Brauschenweg,  Warmweg,  Raitzenweg  (Raita  = Heerfahrt), 
Hipweg,  Engelweg,  Rosenweg,  Wisselsweg,  der  Schlung,  Lachtweg,  Klingen- 
weg, Nieschweg,  Kalaunenweg. 

Die  Namensübersicht  ist  in  weiterem  Umfange  dargeboten  worden, 
um  ein  Bild  der  Mannigfaltigkeit  der  Benennungen  zu  geben;  allerdings 
wird  nur  ein  kleiner  Theil  der  Namen  aus  ältester  Zeit  stammen. 

Entlang  der  Wege  müssen  in  gewissen  Abständen  U nterkunftsb  auten, 
Schutzanlagen  vorhanden  gewesen  sein  in  jenen  Zeiten  geringerer  Sicher- 
heit gegenüber  Mensch  und  Thier.  Die  Haupttheilung  folgt  der  täglichen 
Marschleistung,  die  je  nach  der  Wegsamkeit  20  bis  40  km  betragen  haben 
dürfte.  Diesen  Abstand  halten  die  Stationen  an  der  sibirischen  Heerstrasse 


23 


inne,  30  km  betrug  der  römische  Soldatentagemarscli.  Die  erobernden 
Deutschen  erbauten  mit  slavisclien  Arbeitskräften  etwa  zwischen  930  und 
1200  Strassenburgen  als  Standquartiere  der  Milites  oder  Geleitsmänner 
nebst  Bauernwachen.  In  Verbindung  mit  diesen  Lagerwachen  werden 
Wirthshäuser  bestanden  haben;  in  Abhängigkeit  sind  die  Einzelwacht- 
posten gewesen,  die  an  geeigneten  Punkten  auch  seitw^ärts  der  Wege  ein- 
gerichtet werden  mussten,  um  akustische  oder  optische  Signale  dem  Stand- 
quartier zukommen  lassen  zu  können.  So  entstanden  die  folgenden  Local- 
namen, welche  die  alten  Strassen  begleiten:  Schlössl,  Burg,  Wall,  Trotzling, 
Grötsch,  Hradschin,  Schanze,  Wahlberg,  Wachberg,  Wachtelberg  (doch 
nicht  vom  Vogel?),  Wachstange,  Wachholderschänke,  Wachholderberg, 
Wachholderbaum  (=  Wachhalterbaum,  Posten  im  Gezweige  eines  Baumes 
wie  die  Kosakenposten),  Laurich,  Lauerberg,  Lerchenberg  (v/ohl  von  lauern, 
nicht  vom  Vogel,  oder  dem  Baum?),  Lagerholz,  Lagerweg,  Hutberg  (Vieh- 
hut?), Kiebitz  (von  kupic= künstlicher  spitzer  Hügel?),  Spiegelberg  (specula  = 
Warte),  Kübauch  (cubare  = lagern),  Kühberg  (vom  Thier?),  Krähenberg 
(chrana  = Schutz  oder  vom  Vogel?),  Strassberg,  Strohwalde,  Strohschütz 
(straz  = Wache),  Stubenberg  (stupa  = Wachthurm),  Beuthe,  Beuthenberg 
(mittelhochd.  beiten  ==  warten) , Kriegberg,  Kriegbusch,  Mordgrund,  Zug- 
mantel, Zickmantel  (Ort,  wo  der  Mantelsack  zur  Verzollung  vom  Boss 
gezogen  wurde,  oder  Stelle,  wo  Räuber  den  Mantelsack  rauben?),  Baitholz, 
Biedenholz,  die  Reiten,  Reitzenhain  (reite  = kriegerischer  Angriff,  gireiti  = 
Heergeräthwagen,  Bisswagen). 

Von  den  akustischen  Wachpostensignalen  stammen  die  Local- 
namen: Trommelsberg,  Schallberg,  Schaller  Raum,  Schellberg,  Schellenberg 
(von  schulen  ==  verborgen  sein?),  Klingelstein,  Glockenpöhl,  Klingenberge,  die 
Klinge  (von  klinec  = Keil,  klinice  ='  Schossbalken,  also  Strassensperre  ?), 
Bombenberg. 

Auf  optische  Signale,  Feuerzeichen  weisen:  Brennhaufen,  Sprüh- 
birke, Meisensprüh  (oder  Meisensprenkel  ?),  Zietsch,  Zietschholz  (zici  = glühen), 
Gnandstein  (von  gnaneist  = Funke  ?),  Funkenburg,  Finkenburg,  Schillerberg, 
Gockelsberg,  Jockisch,  Gukelsberg,  Jäckelsberg,  Guksen,  Kukuksberg,  Kux, 
(gokeln  = Feuerzeichen  geben?).  Gehören  etwa  auch  die  Schwedenschanzen 
(althochdeutsch  sweda  = Rauchdampf)  hierher? 

Den  Durchgang,  Durchhau  durch  Waldsperren  deuten  an:  Friebus 
(privoz  = Durchgang,  z.  B.  Prebischthor),  Possek,  Ossek,  Preseka  (sek  = 
hauen),  Satzung  und  Natschung  (sateska,  nateska  von  tes  = Hieb  mit  der 
Axt). 

Von  einer  alterthümlichen  Wegbezeichnung,  wie  sie  noch  als  ge- 
zeichnete Bäume,  Steinhaufen,  Steinmandl  der  Alpen  vorkommt,  stammen 
vielleicht:  Taschenberg,  Tatzberg  (tacen  = Zeichen?),  der  eine  oder  andere 
Ziegenberg  (mhd.  Zeichen  oder  vom  Thier?),  Steinhügel,  Steinhübel,  Stein- 
berg (nicht  immer  von  natürlicher  Felsenbildung!),  Markstein,  Marstein, 
Rinnelstein,  Rinnenstein,  Weisestein  (oft  an  den  ältesten  Wegen,  vielleicht 
um  eine  Grenze  oder  Wegrichtung  zu  „weisen“?)  u.  s.  w. 

Den  Richtpunkt  des  Zusammenlaufens  von  Wegen  bedeutet  viel- 
leicht Geiersberg  (althochdeutsch  heran  = richten,  wenden,  gehre  = Keil- 
stück, Gierfähre,  der  Vogel  Geier  — der  Gierige). 

Zu  erwähnen  sind  noch  Zolldorf,  Tollenstein,  Birkwitz  (berka  = Steuer- 
einnehmer, berna  = Steueramt);  endlich  deutet  Zigeunerbrunn  (auch  ab- 
gekürzt Ziegenbrunn),  Zigeunerlager  auf  alte  durchlaufende  Pfade,  welche 


24 


diese  allerdings  erst  seit  1488  urkundlich  erwähnten  Leute  mit  Vorliebe 
benutzen;  dahin  gehören  auch  die  Diebsteige. 

Nach  diesen  Vorbemerkungen,  die  nöthig  waren,  um  die  Art  der 
Forschungshülfsmittel  andeutungsweise  zu  bezeichnen,  die  neben  dem  spär- 
lichen historischen  Quellenmaterial  hei  der  Aufsuchung  der  ältesten  Wege 
herangezogen  wurden,  sind  nun  die  Wege  im  Einzelnen  kurz  zu  verfolgen. 

Die  östlichen  Salzwege  von  Halle. 

Aus  der  Nordwestecke  unseres  Gebietes  drang  nicht  nur  die  deutsche 
Cultur  herein,  schon  seit  den  ältesten  Zeiten  wird  von  hier  aus  das  älteste 
Frachtgut,  das  Salz,  verbreitet  worden  sein.  In  fast  rein  östlicher,  fast 
ganz  gerader  ßichtung  zieht  sich  eine  Gruppe  von  Wegen,  noch  heute  den 
Namen  „alte  Salzstrasse“  tragend,  die  Mulde,  Elbe,  Neisse  kreuzend  durch 
unser  Gebiet.  Die  Verfolgung  dieser  Salzwege  von  Halle  und  ihrer  Haupt- 
seitenzweige wird  den  Faden  bei  der  Entwirrung  des  Wegenetzes  liefern. 

1.  Von  Halle  laufen  zunächst  zwei  Wege  nach  dem  Muldenübergang 
Eilenhurg,  die  beide  den  Namen  „alte  Salzstrasse“  tragen.  Der  südlichere, 
dem  Wasserscheidenrücken  mehr  angepasste  Zweig  zieht  über  Canena,  Os- 
münde, Beulitz  über  das  Breitenfelder  Schlachtfeld  am  „Schatzhaufen“  vor- 
bei über  Limehna;  der  nördlichere,  geradere  Zweig  berührt  Crondorf,  Burg  hei 
Reideburg,  Zwochau,  Cletzen.  In  Eilenburg  zweigt  nordöstlich  ein  Weg  nach 
Torgau  ab;  die  östliche  Fortsetzung  der  Strasse  gabelt  sich  in  den  „Kärner- 
weg“  über  Schilda  und  die  ,, Salzstrasse“  über  Staupitz,  Beckwitz,  die  sich  am 
Elbühergange  Beigem  vereinen,  um  sich  über  Liebenwerda,  Senftenberg, 
Spremherg  nach  dem  Neisseübergang  Muskaü  (Priebus)  östlich  fortzusetzen. 

2.  Berührte  die  Richtung  1 das  Gebiet  Sachsens  nur,  so  läuft  die  zweite 
Oststrasse  ab  Halle  kurz  vor  Schladitz  von  dem  besprochenen  Wege  ab- 
zweigend als  ,, Karnweg“  und  „Töpferweg“  über  Grebehna,  Hohenhaida, 
Lübschütz  als  „alte  Salzstrasse“  nach  der  Muldenfurth  Wurzen  und  von 
hier  immer  ungefähr  parallel  der  sächsischen  Nordgrenze  als  ,,hohe  Strasse“ 
über  Dornreichenbach,  Knathewitz,  als  „kleine  Strasse“  nach  Dahlen,  über 
Lampertswalde,  Lübschütz  nach  der  Elbfurth  Strehla.  Zu  erwähnen 
ist  die  Verbindung  vom  Weg  1 ab  Limehna  nach  Püchau  mit  Namen  „Salz- 
strasse“, die  weiter  über  Lübschütz  nach  Wurzen  führt,  aber  auch  auf 
einen  alten  Muldenübergang  bei  Püchau  hinweisen  kann,  denn  es  liegt  gegen- 
über an  der  Mulde  die  „Renne  Wiese“,  von  wo  der  ,, Rasenweg“  den  An- 
schluss nach  Dornreichenbach  herstellt.  Auch  die  alte  Verbindung  vom 
Eilenburger  Uebergang,  über  Mölbitz  entlang  der  Grenze  südlich  Kobers- 
hain auf  der  Wasserscheide  nördlich  Ochsensaal  nach  Olganitz  bis  zum 
Uebergang  Strehla  hinlaufend,  ist  bemerkenswerth.  Vom  Hauptübergang 
Strehla  verzweigen  sich  nun  folgende  alte  Wege  in  östlicher  und  südöst- 
licher Richtung  ab. 

2 a.  Die  ,,alte  Salzstrasse“  läuft  von  Strehla  über  Streumen,  Görzig, 
Zabeltitz,  Uebigau  nach  Weissig,  wo  sich  ein  Hauptzweig  abtrennt,  der  über 
Linz,  Röhrsdorf,  Laussnitz,  Pulsnitz,  Bischofswerda  nach  dem  wichtigen 
Spreeübergang  Kirschau  führt.  Von  Weissig  setzt  sich  die  Ostrichtung 
fort  über  Ortrand  als  ,,alte  Strasse“  nach  Cosel,  nun  sich  spaltend  erstens 
nach  Hoyerswerda,  dann  zweitens  über  Ossling,  Wittichenau,  Ratzen,  Uhyst 
nach  der  Neissefurth  Rothenburg  und  endlich  drittens  über  Strass- 
gräbchen,  Milstrich,  Zorna  nach  Bautzen.  Kurz  vor  Cosel  zweigt  bei  Zeis- 


25 


holz  ein  anderer  Hauptast  ab,  der  über  Schwepnitz,  Jesau  (oder  Kamenz) 
nach  Bautzen  gerichtet  ist. 

2 b.  Der  zweite  Hauptweg  von  Strehla  läuft  als  ,,Kollweg“  über  Zeit- 
hain, Glaubitz,  Wildenhain  nach  Grossenhain;  dazu  der  in  Glaubitz  mündende 
Seitenzweig  der  „hohe  Weg“  nördlich  um  Zeithain.  In  Grossenhain  schliesst 
sich  auch  der  relativ  alte  (aber  wohl  nicht  älteste)  Weg  durch  die  Elbfurth 
bei  Boritz-Hirschstein-Merschwitz  ,,die  alte  Poststrasse“  an.  lieber  Grossen- 
hain setzt  sich  mit  mehrfachen  Nebenwegen  die  bekannte  alte  Haupt- 
strasse über  Königsbrück,  Kamenz  nach  Bautzen  und  weiter  zurNeisse- 
furth  Görlitz  fort  unter  den  Namen:  „hohe  Strasse“,  „alte  Poststrasse“, 
„kleine  Poststrasse‘S  „kleine  Strasse“,  „die  alten  Strassen“.  Von  dem  süd- 
lichsten der  alten  parallelen  Nebenwege  zwischen  Bautzen  und  Görlitz,  der 
zwischen  Besehen  und  Unwürde  (nördlich  Löbau)  den  Namen  ,,alte  Strasse“ 
führt,  zweigt  bei  Besehen  eine  alte  Wegrichtung  ab  über  Grossdehsa,  Löbau, 
„Zuckmantel“biszueinemKreuzungspunkt  alter  Wege  nördlich  Strah- 
walde,  wo  die  Localnamen  „Zigeunerplan“,  „Rumburgsborn“,  „Johannisborn“, 
,, Lerchenberg“  Vorkommen.  Von  hier  laufen  zwei  Wegarme  nach  der  alten 
Neissefurth  Ostritz  als  „alte  Bernstädter  Strasse“  über  Bernstadt  und  als 
„alte  Löbauer  Strasse“  über  Niederrennersdorf,  den  ,,rothen  Berg“,  „Butter- 
berg“, als  „hohe  Strasse“  nach  Ostritz  und  weiter  über  Seidenberg,  Marklissa 
nach  Liegnitz.  Von  dem  alten  Wegknoten  von  Rumburgsborn  (nördlich  Strah- 
walde)  laufen  auch  zwei  alte  Wege  als  „Hinterstrasse“  westlich,  als  „alte 
Strasse“  östlich  vom  Königsholz  am  Sonnenhübel  nach  Zittau.  Von 
Grossenhain  spaltet  sich  von  der  Bautzener  „hohen  Strasse“  eine  ebenfalls 
bemerkenswerthe  Strasse  ab  über  Wessnitz,  Göhra,  Niederrödern,  Radeburg, 
Radeberg,  Stolpen,  Neustadt,  Schluckenau,  Rumburg,  Tollenstein,  Böhm.- 
Leipa,  „Mikenhan“,  Hirschberg,  Zolldorf,  Brandeis,  Prag.  An  diesen  ältesten 
ostelbischen  Lausitzer  Gebirgsübergang  schliesst  sich  auch  die  süd- 
östliche Fortsetzung  des  Weges  2 a über  Kirschau  an. 

Zu  erwähnen  sind  östliche  Seitenzweige  von  dieser  Hauptstrasse  in  der 
Richtung  Bautzen  und  zwar  über  Okrylla  als  ,,alte  Strasse“  über  Grossnaun- 
dorf, als  ,, Gasse“  nach  Elstra  und  als  „KärnerWeg“  ebenfalls  von  Okrylla 
über  Lomnitz  nach  Pulsnitz.  Ein  wichtiger  Weg  zweigt  in  Rumburg  als  ,, langer 
Weg“  und  „Kälberweg“  nach  Zittau  ab,  wo  er  sich  wieder  gabelt  nach Kratzau, 
Reichenberg,  Gablonz  zum  Iserübergang  in  Eisenbrod  und  andererseits  über 
Friedland  nach  Schlesien. 

2 c.  Der  dritte  Hauptweg  von  Strehla  zieht  sich  südöstlich  in  etwa  4 km 
Abstand  östlich  der  Elbe  hin,  setzt  sich  auch  nördlich  von  Strehla  in  gleichem 
Charakter  fort;  er  ist  als  östlicher  Parallelweg,  der  durch  das  Elbthal  seine 
Richtung  empfangen  hat,  anzusehen.  Von  ihm  laufen  die  Seitenzweige  nach 
den  alten  Elbfurthen  oderEährstellen.  Dieser  Weg  berührt  zwischenNünchritz 
und  der  Schwedenschanze  bei  Leckwitz  auf  etwa  13  km  das  Hochufer  der 
Elbe,  läuft  dann  über  Göltzscha,  Kmehlen,  Gröbern,  Weinböhla,  als  „alte 
Strasse  von  Mühlberg“  nördlich  Coswig  vorbei,  hier  das  Waldwegzeichen  Z 
tragend,  weiter  durch  die  Lössnitz  über  das  „Weisse  Ross“  nach  Radebeul 
und  von  hier  durch  die  Haide  auf  verzweigten  Nebenwegen,  die  wiederum 
das  Zeichen  Z und  gestrichenes  Z und  die  Namen  ,, Rennsteig“*),  „Diebs- 
steig“, „Schwesternsteig“  tragen.  Der  Rennsteig  hält  sich  möglichst  auf 


*)  H.  Wiechel:  Rennsteige  und  Rainwege  in  Sachsen.  Wiss.  Beil.  d.  Leipz.  Ztg. 
1898,  No.  81. — L.  Hertel:  Die  Rennsteige  und  Renn wege.  Hildhurghausen  1899. 


26 


den  Wasserscheiden  und  tritt  in  Biela-Quohren  aus  der  Haide,  von  wo  sich 
die  Wegrichtung  als  ,,alte  Poststrasse“  hisRossendorf  fortsetzt,  über  Ditters- 
bach als  ,,hohe  Strasse“  bis  Hohnstein,  als  „alte  böhmische  Glasstrasse“ 
über  Lohsdorf,  Ulbersdorf,  Thomasdorf,  als  „Diebsstrasse“  überHemmhühel, 
Schönlinde  bis  Tollenstein  läuft,  wo  der  Anschluss  an  die  ebenfalls  alte 
Strasse  2 b über  Stolpen-Schluckenau- Rumburg  stattfindet. 

Dem  am  meisten  der  Elbe  auf  der  Ostseite  genäherten  Wege  2c  ent- 
spricht der  knapp  das  Elbsandsteingebiet  umziehende  Weg  nach  Prag  von 
Zeidler  über  Wolfsberg, ,, Hohle  Ditte“,  Schnauhübel,  am,, Hemmhübel“  vorbei 
nach  Altdaubitz,  über  ,,Irichtberg“,  Kreibitz,  ,, Nusshübel“,  „Auberg“,  Hasel, 
Kamnitz, ,, Hanne“,  Gersdorf, ,, Oberratzel“,  Karlsthal,  Sandau,  Pölitz,  Gräber, 
Beiswedel,  Raschowitz,  ,,Wochberg“,  „Lümmel“  nach  Aujezd,  Brotzen,  Liboch, 
an  dem  Hochufer  der  Elbe  hin  bis  Melnik  und  weiter  nach  Prag.  Ver- 
längert man  diese  fast  genau  südnördliche  gerade  Richtung  von  Prag  nach 
Zeidler  über  diesen  Ort  nördlich  weiter,  so  trifft  man  in  den  Weg  über 
Kunnersdorf,  „Lodersberg“,  „Silberberg“,  Schluckenau,  Rosenhain,  Sohland, 
wo  das  Spreethal  erreicht  wird,  in  dem  der  Weg  über  Schirgiswalde,  Kirschau 
bis  Postwitz  und  dann  weiter  bis  Bautzen  läuft,  sich  auch  in  gleicher  Nord- 
richtung über  Radibor,  Ratzau  nach  Spremberg  fortsetzt.  Ohne  Zweifel 
stellt  dieser  Weg  die  geradeste  Verbindung  von  Prag  mit  Bautzen  dar; 
seiner  Trassirung  nach  scheint  er  als  Durchgangsweg  doch  jünger  zu  sein, 
wie  der  etwas  weiter  nach  Osten  ausholende  sehr  alte  Weg  über  Zwickau- 
Tollenstein,  wenn  auch  einzelne  Wegstrecken  die  Zeichen  höheren  Alters  an 
sich  tragen.  Zahlreich  sind  die  erwähnten  Anschlüsse  an  die  Elbübergänge 
zwischenPirna  undStrehla,  die  nicht  im  Einzelnen  behandelt  werden  können. 
Einzelne  dieser  Elbübergänge  werden  mit  dem  Auftauchen  und  Wichtig- 
werden der  Orte  Pirna,  Dresden  und  Meissen  entstanden  sein.  Aus  dem 
Charakter  der  alten  Wege  ist  aber  zu  schliessen,  dass  die  ältesten  länder- 
verbindenden Richtungen  dem  Elbübergang  Strehla  folgen. 

3.  Von  Halle  ist  deutlich  eine  alte  Wegrichtung  nach  der  Mulden- 
furth Trebsen  erkennbar.  Aus  der  alten  Salzstrasse  2 über  Hohenhaida 
löst  sich  dieser  Zweig  los,  führt  über  Wüste  Mark  Pesswitz  entweder  über 
Mochern,  Leutitz  oder  über  Gerichshain,  Brandis,  Polenz  nach  Trebsen.  Hier 
setzen  zwei  bemerkenswerthe  Richtungen  an:  die  eine  östlich  am  Rodaer  See 
als  „Bischofsweg“  nach  Wernisdorf  und  nun  mehrfach  verästelt  als  „hohe 
Weg“,  „das  alte  Q“,  „die  Trift“,  ,,die  breite  Allee“,  „der  Oberweg“,  „Butter- 
weg“, ,, lange  Rain“  dicht  südlich  am  Collmberg  vorbei  nach  Oschatz 
laufend,  mit  einem  südlicheren  Parallelweg  über  Lampertsdorf,  Thalheim, 
Kreischa  als  „Kaiserweg“  östlich  bei  Oschatz  vorüber  durch  Borna  nach 
Strehla.  Die  andere  Hauptrichtung  wendet  sich  von  Trebsen  über  Nerchau 
nach  Südost  und  bildet  in  ihrer  Fortsetzung  den  alten  Oederan-Brüxer 
Gebirgsübergang,  der  auch  durch  einen  rechtsmuldischen  Hochuferweg  nörd- 
lich über  Trebsen  hinaus  an  die  Uebergänge  Wurzen  (Püchau),  Eilenburg 
angeschlossen  ist.  Diese  alte  böhmische  Strasse  scheint  sich  in  der 
That  an  diese  ältesten  Muldenfurthen  der  Halle’schen  Wege  anzuheften, 
wozu  auch  der  bekannte  Reisebericht  Ibrahim  ben  Jakub’s  von  973 
stimmt,  der  vom  Hoflager  Kaiser  Ottos  H.  in  Magdeburg  nach  Prag  zu- 
rückreiste über  Qaliwa  (Kalbe),  Nubgrad  (Nienburg),  die  Saline  ,,al-Jahüd“  = 
Halle  am  Flusse  ,,Salawa“,  von  da  nach  Nurnhin,  was  als  Wurzen*)  oder 


*)  W.  Schulte  in  der  wiss.  Beil.  d.  Leipz.  Ztg.  1892,  No.  14. 


27 


Nerchau  gedeutet  worden  ist.  Es  folgen  die  Angaben:  von  da  (Nurnhin) 
bis  zur  (nördlichen)  Grenze  des  Waldes  25  Meilen,  vom  Anfang  bis  zum 
Ende  des  Waldes  über  Berge  und  durch  Wildnisse  40  Meilen,  vom  (süd- 
lichen) Ende  des  Waldes  (Oberleutensdorf)  bis  zum  Sumpf  (Seewiesen)  bis 
zur  hölzernen  Brücke  durch  den  Sumpf  (Brüx)  2 Meilen;  dann  geht  man 
ein  in  die  Stadt  Braga  (Prag).  Der  alte  Weg  misst  von  Oberleutensdorf 
bis  Wurzen  106  km,  bis  Nerchau  95  km,  so  dass  bei  65  (arabischen)  Meilen 
sich  für  jede  1,6  bezw.  1,5  km  berechnete,  was  beides  nicht  unwahrschein- 
lich ist,  da  diese  Meilen  1000  Doppelschritte  umfassen,  wie  die  römische 
Meile  von  = 1,4785  km  Länge,  bei  der  der  Schritt  der  kleineren  Italiener  sich 
auf  0,74  m stellt.  Ermittelt  man  den  Waldanfang  nach  dem  Verhältnisse 
von  25  zu  40  Meilen,  so  fällt  er  von  Wurzen  gerechnet  auf  die  Wegstelle 
am  Vorwerk  Masseney,  von  Nerchau  gezählt,  auf  die  Striegisfurth  dicht  vor 
Hainichen.  Die  dortigen  Localnamen,  besonders  der  Name  Hainichen  selbst 
machen  die  letztere  Annahme  recht  wahrscheinlich;  es  sind  somit  weder  aus 
der  Richtung  der  ältesten  Wege  noch  aus  der  Lage  des  Urwaldanfanges 
Einwendungen  gegen  die  Deutung  auf  Nerchau  zu  entlehnen. 

Der  alte  böhmische  Weg  selbst  lief  über  Nerchau,  Pöhsig,  Dürr- 
weitzschen am  „Zetsch“  vorbei  durch  die  Muldenfurth  bei  Altleisnig  auf 
dem  Rücken  über  die  Flurstelle  „der  Vogelgesang“  (Wohnungen  oder  Wach- 
posten auf  Bäumen,  ähnlich  Wachhalterbaum),  Plartha,  bei  Waldheim  die 
Zschopau  kreuzend,  Vorwerk  Masseney  (gegenüber  der  „Wachholderberg“), 
den  Nonnenwald  westlich  berührend,  durch  die  jetzigen  Orte  Hainichen, 
Cunnersdorf,  oder  wahrscheinlicher  auf  dem  etwa  0,8  km  nördlich  parallel 
laufenden  Rückenweg  über  Ottendorf  sich  nach  Bockendorf  und  durch  die 
Waldstelle  ,,die  Beutha“  nach  Oöderan  wendend.  Der  weitere  Verlauf  über 
Mittelsayda  als  ,,alte  böhmische  Heerstrasse“  und  Sayda  und  Pursch enstein 
ist  bekannt.  Von  hier  spaltet  sich  der  Weg  in  die  Richtung  über  Einsiedel, 
Kreuzweg,  östlich  Georgenthal  nach  Brüx  und  in  die  ältere  Richtung  über 
Göhren,  Rascha  oder  Zeltl,  Oberleutensdorf,  Rosenthal,  Kopitz,  Brüx. 

4.  Von  der  südlicheren  alten  Salzstrasse  unter  1 zweigt  bei  Beulitz  ein 
Weg  nach  Schkeuditz  ab,  das  auch  direct  von  Halle  durch  die  ebenfalls 
alte  Strasse  über  Bruckdorf,  Grosskugel  erreicht  wird.  Dicht  am  rechten 
Elsterhochufer  läuft  der  Weg  dann  über  Wahren  nach  Leipzig,  einen  Zweig 
von  Wahren  über  die  Sanct  Thekla-Kirche  und  den  ,,KrätzBerg“  nach  Taucha 
und  weiter  nach  der  Furth  Wurzen  und  als  „Töpferweg“  über  Brandis  nach 
der  Furth  Trebsen  entsendend.  Diese  Wege  sind  erst  mit  dem  Auf- 
kommen von  Tauchau  und  Leipzig  entstanden.  Der  Leipziger  Zweig  zieht 
sich  dann  über  Holzhausen,  Naunhof  als  „alte  Poststrasse“  nach  Grimma. 
A eher  wird  der  Weg  von  Holzhausen  dicht  neben  dem  Collmberg  und  dem 
„Kriegteich“  vorbei  durch  Grosspössna  nach  dem  Kreuzpunkt  ältester 
Strassen  am  ,, alten  Schloss“,  einer  nahezu  rechteckigen  Strassen- 
schanze*),  die  wenig  verändert  noch  im  Universitätsholze  zu  erkennen  ist. 
Von  hier  lief  über  Köhra,  Lindhardt  die  ,, hohe  Strasse“  nach  Grimma; 
ferner  zweigte  hier  die  „alte  Strasse“  nach  Rochlitz  über  Belgershain, 
Lausigk  ab,  von  der  sich  wieder  ein  alter  Zweig  in  Belgershain  abspaltete 
über  Pomsen,  Grossbardau,  Grossbothen,  am  Waldort ,, Zuckemandel“  vor- 
bei nach  der  Muldenfurth  Sermuth  und  auf  dem  linken  Ufer  bleibend 
als  ,,alte  Strasse“  über  ,,Zschetsch“  nach  dem  Uebergang  Colditz.  Noch 


D Vergl.  Verhandl.  der  Berlin.  Ges.  für  Anthrop.  in  der  Zeitschr.  für  Ethnol.  1901. 


28 


ein  dritter  rein  südlich  gerichteter  Weg  zweigt  am  „alten  Schlosse^ ^ ab,  um 
Borna  zu  erreichen  als  „alte  Strasse'^,  durch  den  Forstort  „Rosenthal“  als 
„breiter  Weg“  nach  Kamlitz  und  am  Flurort  „Rosendorf“  in  den  „Heerweg“ 
einmündend,  der  von  Leipzig  über  die  „Funckenburg“,  Dösen  (auchDösener 
Weg  genannt),  Güldengossa,  Dalitzsch  elbenfalls  Borna  zustrebt.  Aber  auch 
die  älteste  Ostwestverbindung  Grimma-Eythra  läuft  neben  dem  „alten  Schloss“ 
vorbei,  sich  hier  theilend  in  die  alten  Zweige  über  Grobem,  Gaschwitz,  Budi- 
gasser  Mark  und  andererseits  überMagdeborn,  Stöhna,  Zeschwitz,  Zwenckau. 

4a,  Jenseits  der  alten  Muldenfurth  Grimma  läuft  der  Weg  östlich 
am  ,, Lerchenberg“,  ,,Huthbaum“  neben  dem  Huthberg  vorbei  über  Brösen 
als  „alte  Salzstrasse“  über  einen  zweiten  „Huthberg“  und  „Wachberg“  nach 
Zschoppach,  Klemmen,  immer  auf  dem  Rücken  nach  Zaschwitz,  Jessnitz 
zur  Jahnafurth  Zschaitz  über  Glaucha,  von  wo  sich  mit  dem  Aufkommen 
Meissens  der  Zweig  überLeuben,  Kubschütz  durch  den  ,, tiefen  Grund“  über 
Mohlis  und  den  Jahneberg  ansetzt,  während  der  älteste  Weg  über  Kurschütz, 
Lommatzsch  immer  auf  dem  Rücken  als  „Ochsenstrasse“,  Seitenzweige  nach 
den  Uebergängen  Zadel,  Seusslitz  entsendend,  nach  der  Elb  für  th  Boritz- 
M er  schwitz  lief.  Beachtlich  ist  der  Name  Ochsenstrasse,  der  auf  die 
Ochsenkarren  der  ältesten  Zeit  hinweist  und  den  auch  der  älteste  Nordsüd- 
weg auf  dem  Landrücken  in  Schleswüg  und  Holstein  trägt.  In  diesem  echten 
Höhenwege  Grimma-Zschaitz-Lommatzsch-Boritz  lässt  sich  wohl  der  älteste 
östliche  Durchgangsweg  dieser  Gegend  erkennen. 

4b,  Jenseits  der  Muldenfurth  Colditz  zieht  sich  ein  Verbindungs- 
weg nach  der  Strasse  4a  rechts  von  Collmen  bei  der  „Glocke“,  dem  „Lasten- 
berg“, dem  „Gieks“  vorbei  über  Brösen  und  durch  Leisnig.  Ausserdem  läuft 
ein  Weg  auf  dem  Höhenrücken  über  Meuselwitz,  den  ,, Wachhübel“  nach 
Harthau  zum  Anschluss  an  den  alten  böhmischen  Weg  unter  3. 

4c.  Jenseits  Rochlitz,  das  als  Mittelpunkt  ältester  Siedelungen  seit 
ältester  Zeit  von  Bedeutung  war,  verzweigen  sich  zwmi  anscheinend  alte  Wege. 
Der  eine  läuft  über  Zschachwütz,  Aitzendorf,  Geringswalde  als  ,,Töpelstrasse“ 
nach  der  Zschopaufurth  Töpeln,  die  ganz  anolog  der  Muldenfurth  Sermuth 
gelegen  ist,  nach  Döbeln.  Von  diesem  wichtigen  Muldenübergang  lief  ein 
Seitenzweig  über  Mochau  nach  Lommatzsch,  ein  anderer  über  Grossstein- 
bach, Lüttewitz,  Mutzschwitz,  Leippen  über  den  Kuhberg  als  ,,Kuhbe.rg- 
strasse“  neben  ,, Stroischen“  nach  Meissen,  während  ein  dritter  älterer  Weg 
weiter  südlich,  dem  Rücken  folgend,  Döbeln  mit  Meissen  verband  über  die 
Punkte  ,,Juchhee“,  „Höhbaum“,  „Trommelberg“,  Choren,  Gruna,  als  ,, grüner 
Weg“  nach  Mahlitzsch,  Heinitz  und  Luga.  Bei  Mahlitzsch  zweigte  von  diesem 
alten  Rückenwege  und  dessen  Parallelwegen  die  Richtung  in  den  Gau 
Nisani  ab,  als  ,, Salzweg“  zur  Triebischfurth  bei  Munzig  hinablaufend  und 
über  Wilsdruff,  Pennrich,  Pesterwitz,  Döltzschen,  Plauen,  Leubnitz  nach  Dohna 
hinziehend  (da  Dresden  erst  später  Anziehungsmittelpunkt  wurde),  der  die 
Weisseritz  auf  der  Linie  Kesselsdorf,  Potschappel,  Coschütz,  Leubnitz 
kreuzt.  Diese  Wege  dürften  die  älteste  Verbindung  der  Landschaften  Glomaci 
und  Nisani  darstellen;  die  Linie  Meissen- Wilsdruff- Dresden  ist  offenbar 
erst  die  Folge  des  Aufkommens  dieser  Orte. 

Der  zweite  alte  Weg  zieht  von  Rochlitz  südöstlich  am  „Trotzling“  vor- 
bei über  Neugepülzig  nach  der  Zschopaufurth  Mittweida,  um  den  An- 
schluss an  die  alte  böhmische  Strasse  über  den  Flurort  ,, Tabakspfeife“  am 
,,Behnitz  Winkel“  östlich  Rossau  zu  gewinnen.  Diese  Einmündung  liegt  un- 
mittelbar vor  der  unter  3 erörterten  Urwaldgrenze  an  der  Striegisfurth. 


29 


Eine  ziemlich  alte  Fortsetzung  findet  dieser  Verbindungsweg  über  Otten- 
dorf,  „Steintiscb“  (hier  vom  Parallelweg  der  böbmiscben  Strasse  sich  los- 
lösend) über  Riechberg,  Bräunsdorf,  Freiberg,  Halsbacb,  Naundorf,  als  ,, Salz- 
strasse“ über  „Diebskammer“,  „Streithübel“,  Klingenberg  mit  dem  „Gickels- 
berg“, Höckendorf  mit  dem  „Mückenberg“  (mig-nouti  = flimmern,  also 
Funkenberg),  „Geierswacht“  hinter  Grossölsa  sich  in  die  Richtungen  Kreischa, 
Sayda,  Dohna,  ferner  Possendorf,  Babisnau,  Lockwitz  und  endlich  Bannewitz, 
Räcknitz,  Dresden  tbeilend.  Dieser  Weg  Halle-Rocblitz- Mittweida -Dohna 
dürfte  als  das  etwas  jüngere  Seitenstück  zu  dem  ältesten  nördlicheren  Westost- 
Weg  nach  dem  Gau  Nisani  über  Munzig  oder  Roitzschen  anzusehen  sein. 

4d.  Aus  dem  Wegzweig  über  Lausigk  nach  Rochlitz  zweigt  bei  dem 
Wegknoten  Ebersbach  ein  Ast  über  Geithain,  den  „Wachhübel“  bei  Ober- 
gräfenhain  nach  der  Muldenfurth  Lunzenau  ab,  sich  von  hier  auf  dem 
Rücken  über  den  ,, Gickelsberg“  am  ,, Tauerstein“  vorbei  nach  der  alten 
Chemnitzer  Strasse  wendend. 

Die  südlichen  Salzwege  von  Halle. 

Der  besseren  Uehersicht  halber  sind  die  folgenden  Wege  in  eine  neue 
Gruppe  zusammengefasst  worden. 

5.  Der  wichtige  Muldenübergang  Penig  ist  durch  mehrere  alte  Wege 
mit  Halle  verbunden,  deren  Verfolgung  zur  Klärung  des  ältesten  Wegnetzes 
wesentlich  beiträgt. 

An  den  ältesten  östlichen  Salzweg  von  Halle  unter  1 schliesst  sich  ein 
echter  Rückenweg  an,  der  mit  2 als  „Karnweg“,  „Töpferweg“  in  grossem 
Bogen  über  Wüste  Mark  Pesswitz,  Brandts,  Polenz,  als  der  „hohe  Weg“  über 
den  ,,Kiewitz“,  Klinga,  Pomsen,  den  ,, Groitzsch“,  Lausigk,  Ebersbach,  Altdorf- 
Geithain,  Ossa,  Jahnshain,  als  „alte  Strasse“  nach  Penig  führt,  dessen  Seiten- 
zweige nach  Trebsen,  Grimma,  Colditz,  Rochlitz,  Lunzenau  bereits  erwähnt 
sind.  Hervorzuheben  ist  ein  1 bis  3 km  östlich  gelegener  Parallelweg 
zwischen  Ebersbach,  Neumarkt -Geithain,  Rathendorf  mit  dem  „Kaiserborn“ 
und  „Salzberg“  nach  Penig.  Diese  Wegrichtung  ist  besonders  bemerkens- 
werth,  weil  auf  ihr  Penig  von  Halle  aus  ohne  Durchfurthung  von  Flüssen 
erreicht  wird;  Kreuzungen  finden  nur  mit  Bächen  ohne  grosses  Sammel- 
gebiet statt. 

Aehnlich  trassirt,  aber  gerader  gerichtet  verläuft  die  sich  an  Weg  4 
über  Schkeuditz,  Leipzig  anschliessende  Richtung  über  Borna.  Der  beiden 
Wege  von  Leipzig  über  Güldengossa  (Heerweg)  und  das  alte  Schloss 
(breite  Weg)  w^ar  schon  gedacht.  Von  Borna  zieht  der  sich  auf  dem 
Rücken  haltende  älteste  Weg  über  Nenkersdorf,  den  ,,Strassenteich“,  Roda, 
Kohren,  Sahlis,  Linda,  durch  das  Pastholz  zum  Anschluss  an  die  soeben 
erwähnte  alte  Strasse  von  Jahnshain  nach  Penig.  Ein  anderer,  ab  Borna 
das  rechte  Hochufer  der  Wyhra  begleitender  Weg  durchfurthet  diese  bei 
Frohburg  und  läuft  über  Gnandstein,  Goldener  Pflug,  den  „Speckhusch“ 
nahezu  geradlinig  als  die  „lange  oder  Thonstrasse“  nach  der  Muldenfurth 
Waldenburg. 

Die  anderen  Wege  von  Halle,  die  zweimal  die  Elster  und  die  Pleisse 
kreuzen,  schliessen  sich  an  den  später  zu  behandelnden  Salzweg  durch  die 
Schkeuditzer  Furth  an. 

Jenseits  Penig  läuft  die  Richtung  als  die  bekannte  Hohestrasse  weiter 
am  „Strassenteich“,  „Zugmantel“,  ,, Mordgrund“  vorbei,  wo  der  Lunzenauer 


30 


Zweig  anschliesst,  über  Chemnitz,  den  „Kriegshübel“,  den  ,,Schellberg“,  das 
„Raithholz“  am  ,, Rollfeld“,  Gornau,  Zschopau  zur  Hilmersdorfer  Höhe. 
Hier  trennen  sich  die  Wege  nach  den  drei  alten  Uebergängen  Reitzenhain, 
Kühnhaide  und  Rübenau,  von  denen  nach  den  Localnamen  der  letztere  der 
älteste  sein  muss,  obgleich  dieser  Weg  die  Pockau  bei  Lauterstein  an  einer 
schwierigeren  Stelle  wie  bei  Kühnhaide  und  Reitzenhain  durchfurthet.  Dieser 
somit  älteste  Weg  läuft  über  Lauta,  Lauter  stein,  Zöblitz  fast  geradlinig 
nach  Rübenau,  Kallich,  Bernau  und  auf  dem  Rücken  über  Platten  (Blatno) 
nach  Kommotau.  Auf  einem  Seitenweg  über  Gersdorf,  ührissen  kann  auch 
Görkau  erreicht  werden.  Ein  Parallelweg  hierzu  mit  Abzweigung  am  „Rung- 
stockborn“ oder  am  „Steinhübel“  führt  als  „alte  Kommotauer  Strasse“  über 
„Kriegwald“  an  der  ,, Schwedenschanze“  vorbei  nach  Obernatschkau  (oder 
Natschung),  über  die  Annasäule  am  Steinhübel,  Rodenau,  Quinau  ebenfalls 
nach  Kommotau.  Welcher  von  beiden  Wegen  der  ältere  ist,  ist  schwer  zu 
entscheiden. 

Der  mittlere  Weg  von  der  Hilmersdorfer  Höhe  zieht  sich  über 
Marienberg,  früher  Dorf  Schlettenberg,  Gelobtland  als  ,,Jörkauer  Strasse“ 
über  Kühnhaide  sich  an  den  vorigen  Weg  in  Obernatschung  anschliessend. 

Der  westliche  Weg  läuft  über  die  drei  Brüder  Höhe  (Schacht- 
name), nimmt  die  „Kärrner  Strasse“  von  Wolkenstein  auf  und  zieht  sich 
fast  gerade  über  die  „Fuchskaloppe“,  die  ,, hohe  Brücke“  nach  Reitzenhain, 
Sebastiansberg,  Krima,  den  ,,Klinger“,  Domina  nach  Kommotau. 

Von  Kommotau  und  Görkau  laufen  die  Wege  über  die  Egerfurthen 
bei  Saaz,  Posteiberg  oder  Laun,  sich  jenseits  vereinigend  über  Schlan 
nach  Prag. 

Auf  diese  Gebirgsübergänge  bezieht  sich  die  Notiz  in  der  etwa  1015 
geschriebenen  Chronik  des  Merseburger  Bischofs  Thietmar  aus  dem  Jahr  892: 
„in  der  „Provinz“  Daleminzien  nicht  weit  vom  Flusse  Caminizi  in  dem 
,,Gaue“  Chutizi  starb  Arno,  neunter  Bischof  von  Würzburg,  als  er  von 
einem  Feldzug  gegen  die  Böhmen  zurückkehrte  und  unweit  der  Land- 
strasse auf  der  nördlichen  Seite  in  seinem  auf  einem  Hügel  aufge- 
schlagenen Zelte  Hochamt  hielt,  umringt  von  einem  Haufen  Feinde,  mit 
den  Seinigen  den  Märtyrertod“.  Da  der  alte  ,,Gau“  Chutizi  den  Chemnitz- 
lluss  zur  Ostgrenze  hatte*),  die  Kirchenprovinz  Meissen,  in  der  Hauptsache 
aus  dem  Gau  Daleminzien  bestehend,  zu  Thietmar’s  Zeit  aber  sich  über 
die  Chemnitz  bis  zur  Mulde  erstreckte,  so  passt  die  Thietmar’sche  Orts- 
beschreibung nur  auf  das  Gebiet  zwischen  Chemnitz  und  Mulde.  Hier 
läuft  aber  „unweit  (d.  h.  1 bis  3 km  westlich)  der  Chemnitz“  der  unter 
4d  erwähnte  Lunzenauer  W eg  hin.  Der  „Tauerstein“  bei  Burgstädt  bietet 
hier  einen  dem  heranziehenden  Arno  nördlich  von  der  Landstrasse  er- 
scheinenden Hügel  dar,  der  wohl  geeignet  ist,  sich  zur  Rast  in  feindlich 
gesinnter  Umgebung  zurückzuziehen.  Die  Trassirung  dieses  Weges  spricht 
durchaus  für  ein  hohes  Alter,  so  dass  auch  von  dieser  Seite  Bedenken  gegen 
die  Localisirung  nicht  vorliegen. 

6.  Der  unter  4 behandelte  Salzweg  über  Schkeuditz  sendet  hier  die 
Elster  dur chfurthend  einen  wichtigen  Zweig  nach  Süden  in  den  20  bis 
40  km  breiten,  125  km  langen  Landrücken  zwischen  Saale  und  Elster, 
der  zwar  nur  zum  kleinsten  Theile  unserem  Gebiete  angehört,  dessen  mittlerer 


'}  0.  Posse  a,  a.  0. 


31 


Längsweg  aber  nicht  ausser  Betracht  bleiben  kann.  In  der  verkehrsreichen 
Nordspitze  dieses  Landrückens  treten  die  Einwirkungen  der  wohl  von  jeher 
wichtigen  Uebergänge  Burgliebenau -Pretsch  (Elster),  Merseburg -Pretsch, 
Corbetha  sowie  Weissenfels  (Saale),  Eythra  und  Pegau  (Elster)  und  später 
Plagwitz-Leipzig  hinzu.  Der  Halle’sche  rein  südliche  Verkehr  kann  daher 
abkürzend  wenn  auch  durch  zweimalige  Saalekreuzung  und  in  späterer  Zeit 
die  genannten  Saalefurthen  anstatt  den  Pass  bei  Schkeuditz  benutzt  haben. 

Der  alte  Rückenweg  gewinnt  nach  der  Elsterdurchfurthung  bei  Gross- 
dölzig das  Südhochufer  und  läuft  von  hier  weiter,  den  Zweig  von  Pretsch 
aufnehmend  und  den  Zweig  „die  Salzstrasse“  über  Knauth- Naundorf  nach 
Eythra  entsendend.  Rein  südlich  setzt  sich  der  Weg  durch  die  Wüste  Mark 
Pfaffendorf  1 km  östlich  Schköhlen  bis  Schkeitbar  fort,  wo  die  von 
Pretsch  und  dem  jüngeren  Dürrenberg  herkommende  südlichere  Salzstrasse 
nach  Eythra  kreuzt,  wo  sich  auch  ein  gerader  Weg  nach  der  Elsterfurth 
Pegau  ablöst.  Von  Schkeitbar  zieht  auch  ein  Zweig  die  ,,alte  Strasse“ 
rein  westlich  über  Meyhen  südlich  durch  das  „Rosenthal“  um  Lützen  über 
Bothfeld  nach  Corbetha  und  weiter  über  das  Rossbacher  Schlachtfeld,  bei 
Leiha  in  die  Hauptstrasse  nach  Freiburg  laufend.  Weiter  berührt  der 
Rückenweg  Eisdorf,  wo  der  Anschluss  von  Eythra  aufgenommen  wird, 
als  „grosser  (oder  kleiner)  tiefer  Weg“  Grossgörschen,  unter  dem  Namen 
„die  hohe  Eisenberger  Strasse“  Grossgrimma,  wo  der  „Zwiebelweg“  direct 
von  Eythra  und  ein  ostwestlicher  Weg  von  Pegau  nach  der  Saalefurth 
Naumburg,  der  den  bemerkenswerthen  Namen  „Ochsenweg“  trägt,  sich  an- 
schliesst.  Auf  der  Höhe  läuft  der  Weg  über  Köttichau -Trebnitz  nach 
Meineweh,  wo  sich  ein  Parallelweg  Eisdorf- Steckelberg-Teuchern  wieder 
anschliesst.  Heber  Roda,  wo  Seitenzweige  von  Naumburg  und  Zeitz  ein- 
münden, zieht  der  Rückenweg  über  Eisenberg,  Klosterlausnitz,  wo  der  Zweig 
nach  Gera,  Tautendorf,  wo  der  Zweig  nach  Weida,  Greiz,  Elsterberg  sich 
ablöst,  nach  dem  „Radberg“,  ,,Geheege“  und  Auma.  Hier  trennen  sich 
wichtige  Aeste  nach  Zeulenroda -Pöllwitz -Elsterberg,  nach  Pausa-Plauen 
und  nach  Strassberg,  während  der  Rückenweg  über  Schleiz,  „Zollgrün“, 
Gefall  oder  Münchenreuth,  Feilitzsch  und  den  „Labyrinthberg“  die  Saale- 
furth Hof  erreicht  und  von  hier  über  Asch  die  Verbindung  mit  Eger 
findet.  Dieser  Rückenweg  dürfte  seinem  Verlaufe  nach  wohl  als  die  ent- 
scheidende Leitlinie  im  Westen  unseres  Gebiets  anzusehen  sein. 

Es  sind  nun  die  Wege,  die  sich  jenseits  der  Elsterfurthen  südöstlich 
ansetzen,  zu  verfolgen. 

6a.  Von  Eythra  wird  der  Weg  anfänglich  rein  östlich  nach  der  Budi- 
gasser  Mark  die  Aue  durchquert  haben.  Von  hier  läuft  der  unter  4 ge- 
nannte alte  Ostweg  Güldengossa -Altes  Schloss,  von  hier  verzweigt  sich  nur 
noch  als  Wegrest  ein  „Kaiserweg“  nordöstlich,  von  hier  zieht  in  gerader 
Richtung  die  „Heerstrasse“  nach  Pulgar  und  weiter  als  „Salzstrasse“  nach 
Borna.  Gelegentlich  ist  der  Prödel-Zeschwitz  verbindende  ,, Rennsteigweg“ 
zu  nennen.  In  Kieritzsch  zweigt  von  der  Bornaer  Salzstrasse  ein  Weg  ab 
am  ,,Strassenteich“  und  Lutherdenkmal  vorbei  über  Breunsdorf,  Breitingen, 
Gerstenberg  nach  Altenberg,  von  wo  in  südlicher  Richtung  über  Saara, 
Zürchau,  die  Pleissefurth  Gössnitz,  „Schwanefeld“,  „Ameisenbüschel“  mit 
„Burgstadt“,  den  „Bog“,  Mosel  der  westliche  Hochuferrand  der  Mulde  und 
dem  entlang  Zwickau  erreicht  wird.  Von  Altenburg  nach  der  Mulden- 
furth Waldenburg  zieht  sich  der  alte  Weg  über  Paditz,  „Burgberg“,  „Wach- 
hügel“ mit  „Tommelgrund“,  Goesdorf,  Wickersdorf,  „Meisensprüh“. 


32 


6b.  Von  der  Elsterfurtb  Pegau-Groitzsch  zieht  sich  ein  Wege- 
paar „der  Pfaffenweg“,  „der  Gösser  Weg“,  „die  alte  Strasse“  nach  dem 
alten  Strassenknoten  Borna.  Der  Hauptweg  läuft  über  „die  Wachtel“  bei 
Lucka  nach  Altenburg.  Bei  Lucka  schliesst  sich  ein  wichtiger  Rücken- 
weg zwischen  Pleisse  und  Elster  an,  der  sich  auch  noch  nördlich 
über  Obertitz,  Stolpen,  Pulgar  in  der  Richtung  des  Rennsteigweges  und 
Kaiserweges  bis  zum  Pleisseübergang  bei  Raschwitz  südlich  Leipzig  ver- 
folgen lässt.  Von  Lucka  südlich  läuft  er  über  Meuselwitz,  den  „Geyersberg“, 
Kayna,  Hohenkirchen,  Grossenstein,  Ronneburg,  „Vogelgesang“,  „Lerchen- 
berg“, Trünzig,  Teichwolframsdorf^  Reudnitz,  Reichenbach  und  von  hier 
fast  geradlinig  bis  Eger.  Zunächst  läuft  die  Wegfortsetzung  von  Reichen- 
bach mit  der  grossen  Hofer  Strasse  die  Göltzsch  durchfurthend  oder  mehr 
geradlinig  durch  die  Weissensander  Furth,  über  Treuen,  Poppengrün,  über 
Schöneck  oder  als  älterer  Weg  dicht  östlich  bei  Schöneck  vorbei  als  „grüner 
Weg“  nach  dem  „Geierswald“,  Fribus,  über  den  „Kühbauch“,  Mark- 
neuHrchen,  „Schanzholz“,  Landwüst,  „alte  Schloss“,  am  „Geyersberg“  vor- 
bei nach  Schönberg  mit  den  „Geyerhäusern“,  „Altenteich“,  Oberndorf, 
Langenbrück,  Lehenstein  bis  Eger.  Dieser  Weg  stellt  mithin  eine  zweite, 
aber  fast  geradlinige  Verbindung  Halle  (-Merseburg -Zeitz) -Eger  dar  und 
zwar  ebenfalls  als  Rückenweg  entsprechend  dem  westlicheren  Weg  unter  6. 

6c.  Von  der  Elsterfurth  Zeitz  zweigt  sich  ein  Weg  ab,  der  den 
Rückenweg  6b  bei  Sachsenroda  kreuzt  und  sich  weiter  über  Reichstadt, 
Raudenitz,  Schönhaide,  „Scheidegrund“,  Rudelswalde  dicht  südlich  Crimmit- 
schau, bei  „Kniegasse“  und  „Karthause“  die  Pleisse  kreuzend,  als  Rücken- 
weg über  den  „finsteren  Graben“,  die  „Hölle“,  Denkritz,  die  „Schatzgrube“, 
den  „Wachholderberg“  und  Weissenborn  nach  Zwickau  hinzieht.  Ausser- 
dem zweigt  ein  südwestlicher  Weg  nach  Gera,  Auma,  Schleiz,  Hof  ab. 
Der  wichtige  Ostwestweg  durch  Zeitz  wird  später  behandelt. 

6d.  Vom  Rückenweg  unter  6 zweigt  ein  Seitenweg  über  Weida  nach 
der  Elsterfurth  Greiz  ab,  der  sich  weiter  bis  Reichenbach  fortsetzt. 
In  der  Richtung  dieses  Weges  schliesst  sich  der  zweite  Gebirgsübergangs- 
weg  nach  dem  Egerthale  an,  der  von  Reichenbach  hinzieht  über  Lengen- 
feld,  den  „Finkenberg“,  als  „Königstrasse“  nach  Auerbach,  „Tollengrün“, 
Hohengrün,  als  „hohe  Strasse“  über  Jägersgrün  nach  dem  „Aschberg“,  über 
„Grünberg“  nach  Grasslitz,  Heinrichsgrün,  sich  hier  nach  den  Egerfurthen 
Falkenau,  Ellbogen  und  über  Chodau  nach  Rodisfort  gabelnd.  Sowohl  die 
Localnamen  als  die  Weglage  lassen  in  den  beiden  Wegen  6b  und  6d  von 
Reichenbach  ins  Egerthal  alte  Verbindungen  erkennen.  Der  Name  Königs- 
weg ist  wohl  mit  dem  1086  gekrönten  Böhmenkönig  Wratislaw,  der  lebhafte 
Verbindung  mit  seinem  Schwiegersohn  Wiprecht  von  Groitzsch  unterhielt, 
in  Zusammenhang  zu  bringen. 

6e.  Die  unweit  Greiz  gelegene  Elsterfurth  Elsterberg  vermittelt 
ebenfalls  den  Uebergang  eines  alten  Weges  nach  Süden  und  zwar  nach 
Asch  über  Reinhardtsgrün,  die  „Possecke“,  am  „Gräfenstein“  und  „Schloss 
Reuth“  mit  „Wallwiese“  vorbei  durch  Thossfell,  Altensalz,  Neuensalz, 
Theuma,  als  „alte  Strasse“  am  „alten  Berge“  und  „Salzhübel“  durch  die 
Elsterfurth  Oelsnitz  über  den  „Geiersberg“,  „Heinzens  Höhe“,  Rossbach. 
Von  Oelsnitz  zweigen  zwei  Parallelwege  über  den  Geiersberg  ab  als  „alte 
Strasse“  über  Obertriebei,  Poseck  und  die  (jüngere?)  über  Untertriebei; 
beide  über  Gassenreuth  mit  dem  „alten  Schloss“  und  der  „alten  Schanze“ 
nach  Hof  laufend. 


33 


6f.  Ein  alter  Zweig  der  Rückenstrasse  6 trennt  sich  in  Auma  ab,  um 
ohne  den  Umweg  über  Hof  das  Egerthal  direct  zu  erreichen;  er  läuft  über 
Zeulenroda  nach  dem  alten  Wegknotenpunkt  Pausa,  wo  er  einen  Seiten- 
weg über  Schönberg,  Misslareuth  nach  Hof  entsendet.  Von  Pausa  über  Mehl- 
theuer als  „hohe  Strasse“  am  Flurorte  „der  weise  Stein“  vorbei  zieht  der 
Weg  als  „Schaafweg“  nach  der  alten  Elsterfurth  Strassberg  mit  „Warth- 
Hübel“  und  der  „Burg“,  Taltitz,  den  „Geiersberg“,  Raschau,  durch  das  jetzige 
Oelsnitz  über  Tirschendorf,  Schöneck,  „Wachtelbusch“,  Kottenhaide,  Klingen- 
thal,  den  Anschluss  an  die  alte  Strasse  unter  6d  in  Grasslitz  suchend. 

6g.  Nach  der  später  mehr  in  den  Vordergrund  getretenen  Elster- 
furth Plauen  zweigt  bei  Mehltheuer  vom  vorigen  ein  Weg  ab,  der  über 
Syrau  mit  „Neumarkt“,  den  „Strassenhübel“,  „Bärenstein“  nach  Plauen 
und  weiter  am  „Wachhübel“  vorbei  über  Oberlosa,  am  „Salzhühel“  den 
Weg  6e  kreuzend,  über  Voigtsberg,  Görnitz,  „Warthebaum“,  Leubetha  am 
westlichen  Elsterhochufer  gegenüber  Adorf  hinläuft.  Der  merkwürdige 
Localname  „Wachbaum“  kommt  nordöstlich  Voigtsberg  noch  einmal  vor. 

6h.  Adorf  ist  eine  alte  Elsterfurth  für  die  Verbindung  Schöneck- 
Asch  und  zugleich  Anschlusspunkt  für  den  interessanten  Kamm-  und 
Grenzweg  über  Misslareuth,  Grobau,  Hainersgrün,  „Wachhübel“,  die 
„Beuten“,  am  „Assenberg“  mit  „altem  Schloss“  nach  Sachsgrün,  in  Gassen- 
reuth den  Zweig  6e  kreuzend,  über  Oberbergen,  Freiberg  nach  Adorf,  von 
wo  aus  der  Anschluss  als  „hohe  Strasse“  und  „alte  Poststrasse“  über  Jugels- 
burg,  „Finkenburg“  (Funkenhurg?),  „Strassenbusch“  in  Landwüst  an  die 
grosse  Nordsüdstrasse  6 b erfolgt. 

Alle  bisher  verfolgten  Wege  strahlen  von  Halle,  wenn  man  will  auch 
von  den  später  aufgekommenen  Nachbarorten  Merseburg  und  Leipzig  aus, 
entweder  sich  rein  östlich  hinziehend,  das  unzugängliche  Elbsandsteingebirge 
in  grossem  Bogen  östlich  umziehend,  das  Erzgebirge  südöstlich  über- 
schreitend oder  endlich  der  Fichtelgebirgsabdachung  Hof-Eger  zustrebend. 
Mannigfache  alte  Verästelungen  könnten  noch  erwähnt  werden,  andererseits 
sind  noch  eine  Reihe  von  wichtigen  alten  Verbindungen  hervorzuheben,  die, 
um  die  üebersicht  nicht  zu  stören,  bisher  nicht  genannt  wurden. 

Die  Wege  von  Prag. 

Was  Halle  für  den  Norden  ist  Prag  für  den  Süden  unseres  Gebietes; 
ist  es  auch  erst  seit  etwa  869  der  herrschende  politische  Mittelpunkt,  so 
haben  wohl  von  jeher  die  Hauptorte  der  früher  selbständigen  Einzelland- 
schaften wie  Ellbogen,  Saaz,  Leitmeritz,  Tetschen  zur  Mitte  des  Böhmer- 
landes lebhafte  Beziehungen  gehabt.  Auch  nach  den  Fundkarten  bildet 
Prag  etwa  die  Mitte  des  in  prähistorischer  Zeit  besiedelten  Gebietes,  das 
gegen  Sachsen  hin  durch  eine  Linie  Kaaden-Tetschen  begrenzt  wird.  Wenn 
für  Halle  die  nordwärts  gerichteten  Flussthäler  als  Hindernisse,  deren 
Fürthen  als  Leitpunkte  anzusehen  waren,  so  ist  für  Prag  der  Gebirgskamm 
zwar  als  Hinderniss,  die  am  Südfuss  desselben  hinlaufende  alte  Westost- 
strasse aber  als  Leitlinie  mit  den  Wegknoten  als  Leitpunkten  aufzufassen. 

7.  Die  alte  nordböhmische  Querstrasse  ist  deutlich  von  Eger  bis 
zu  den  Iserkammpässen  zu  verfolgen,  üeber  „Langenbruch“,  wo  die  er- 
wähnten alten  Wege  von  Hof,  Adorf  und  Reichenbach  zusammenlaufen,  wo 
auch  ein  anscheinend  alter  Zweig  über  „Ensenbruck“  und  „Bruck“  nach 
Fraureuth  und  weiter  sich  anschliesst,  zieht  der  Querweg  über  Mariakulni 

* 


34 


(wo  ein  Nordsüdweg  kreuzt,  der  von  Klingenthal  über  Gossengrün  nach  der 
Egerfurth  Königsberg  läuft),  weiter  über  Zwodau  neben  der  Eger- 
furth  Falkenau  nach  Chodau  (chodba  = Fussweg,  chod  = Gang).  An 
diesen  beiden  alten  Orten  schliessen  sich  zwei  Ausläufer  vom  alten  Pass 
bei  Sauersack  mit  „Posteiberg“  und  Frühbuss  an,  deren  einer  über 
Schönlind,  dicht  östlich  Heinrichsgrün  über  „Hochfeld“,  „Hochtanne“,  „Knot- 
berg“, Thein  nach  Zwodau -Falkenau,  deren  anderer  über  „Kuhberg“,  Ordt, 
Kösteldorf,  „Leitenberg“  nach  Chodau  und  zur  Egerfurth  Ellbogen  sich 
hinzieht. 

Von  Chodau  zum  wichtigen  Egerübergang  „Kodisfort“  laufen  zwei 
Parallelwege;  der  nördliche  über  Neurohlau  nimmt  hinter  Spittengrün  den 
östlichsten  Zweig  vom  Passe  bei  Frühbuss,  der  Neudeck,  „Gibacht“,  Tüppels- 
grün  berührt,  und  weiterhin  den  alten  Gebirgsweg  von  Halbmeil-Kuhberg- 
Mückenberg  auf,  welcher  letztere  über  „Irrgang“,  Bäringen,  „Drachenfels“ 
(draha  = Spur,  Strasse),  Edersgrün  herabsteigt.  Kurz  vor  Rodisfort  mündet 
noch  ein  anscheinend  alter  Rückenweg,  der  sich  am  Mückenberg  abzweigt 
und  über  „Hahnberg“,  „Spitzberg“,  „Schimitzberg“  (westlich  Joachimsthal), 
„Koberstein“,  Pfaffengrün  und  Schlackenwerth  läuft.  Der  südliche  ältere 
Parallelweg  geht  über  Altrohlau,  Zettlitz,  Hohndorf,  Elim  nach  Rodisfort. 
Der  Anziehungspunkt  Karlsbad  gehört  in  spätere  Zeit,  doch  wird  bei 
den  Schiffhäusern  und  Drahowitz  (draha  = Weg)  eine  alte  Egerfurth 
bestanden  haben,  die  über  Ottowitz  Zweige  nach  den  Passwegen  über 
Frühbuss  und  Halbmeil  entsendet,  auch  südlich  Fortsetzung  über  „Espen- 
thor“, Engelhaus,  Sollmus  gefunden  haben  wird. 

Laufen  in  Rodisfort  alle  alten  Wege  von  Westen  zusammen,  so  gabeln 
sie  sich  auch  von  hier  aus  nach  Osten.  Der  Hauptweg  läuft  auf  dem 
Rücken  über  „Höllenkoppe“,  Hermersdorf,  „Hochwald“,  Liesen,  „Langenau“, 
„Langensack“,  „Kolinerberg“,  Pohlig,  Quon  und  Liebotschan  nach  der  Eger- 
furth Saaz;  ein  Seitenzweig  führt  von  Liesen  über  den  „Sahlerberg“, 
Rodenitz,  „Höllenberg“,  Atschau  nach  der  Egerfurth  Kaaden.  Westlich 
x4tschau,  kaum  1 km  von  dieser  Strasse  liegt  das  Plateau  des  „Burgbergs“, 
etwa  1 km  lang  und  0,7  km  breit  mit  dem  Dörfchen  Burgberg,  nach  allen 
Seiten  steil  abfallend  und  recht  geeignet,  eine  Volksburg  (die  Kadansburg?) 
aufzunehmen. 

Zwischen  Rodisfort  und  Kaaden  ist  zu  erwähnen  die  Egerfurth  bei 
Okenau  mit  Anschlüssen  im  Süden  bei  Hochwald,  im  Norden  über  „Pür- 
stein“,  „Höllenstein“  nach  Schmiedeberg  und  „Schlössl“  bei  Hammerunter- 
wiesenthal, sowie  nach  Weipert.  Jünger  dürfte  die  Egerfurth  Klösterle  mit 
ihren  Weganschlüssen  sein. 

Der  wichtige  Uebergang  Kaaden  ist  mit  drei  Parallelwegen  an  den 
alten  Pass  Pressnitz  angeschlossen,  deren  ältester  (der  mittlere)  über 
„Königsberg“,  Wernsdorf,  Radis,  Kretscham  läuft. 

7 a.  In  Kaaden  tritt  die  nordböhmische  Querstrasse  in  altbesiedeltes, 
fruchtbares  Flachland  mit  zahlreichen  vorgeschichtlichen  Fundorten  und 
spaltet  sich  in  den  die  See  wiesen  südlich  umgehenden  Zweig  über  Pröhl, 
Tuschmitz,  Priesen,  Eidlitz,  Pösswitz,  Holtschitz,  Triebschitz,  Brüx,  Prohn, 
Priesen  nach  dem  alten  Wegknoten  0,8  km  östlich  Dux  und  den  nörd- 
licheren über  Seehäusl,  Prösteritz,  Retschitz,  Körbitz,  Sporitz,  „Gröschl“  (grod), 
Kommotau,  Görkau,  Türmaul,  Schimberg,  Eisenberg,  Tschernitz,  Bettelgrün, 
Oberleutensdorf,  Ladung,  „Saleshöhe“,  Os segg.  Diese  beiden  Parallelwege 


35 


werden  nun  auf  dieser  Strecke  durchkreuzt  von  den  alten  Gebirgsüber- 
gangswegen  nach  Prag. 

Vom  Pressnitzpasse  läuft  ein  alter  Zweig  auf  der  Höhe  über  den 
„ßeischberg“,  durch  Sonnenberg,  Zollhaus  nach  Krima,  sich  hier  an  den 
Reitzenhainer  Weg  anschliessend.  Auch  drei  directe  Paralielwege  nach  Saaz 
zweigen  an  dieser  Stelle  ab,  deren  westlicher  von  Zollhaus  über  Platz, 
D.  Kralupp,  „Spielhübel“,  „Ruhstein“,  Dreihöf  den  Charakter  eines  Rücken- 
weges in  hohem  Masse  besitzt.  Die  Gebirgswege  nach  Kommotau  sind 
schon  benannt;  es  bleibt  noch  die  alte  Verbindung  Sayda-Saaz  über  Grün- 
thal, Brandau,  Kleinhan,  Ladung,  Stolzenhan,  Türmaul,  Görkau  oder 
Kleinhan-Göttersdorf  nach  Görkau  und  von  hier  weiter  über  Eidlitz,  Horatitz 
zu  erwähnen. 

Jenseits  der  Seewiesen  kreuzt  der  uralte  He  er  weg  überPurschen- 
stein  mit  den  erwähnten  Parallelwegen  über  Einsiedel  und  Göhren,  die 
sich  in  Brüx  vereinigen. 

Der  jüngere  Pass  bei  Rechenberg  entsendet  den  alten  Weg  über 
Zollhaus,  Eleyh,  Langenwiese,  „Droscheberg“  (draha,  droha=Weg),  Ladung, 
das  Dorf  Wiese  (zu  vergl.  Langenwiese)  und  Paredl  nach  Brüx.  Von  Langen- 
wiese läuft  ein  Zweig  über  Riesenberg,  Ossegg,  Unterhaan,  am  „Riesen- 
bad“ vorbei  nach  dem  Wegknoten  östlich  Dux,  sich  nach  Bilin  fort- 
setzend. Die  weitere  Fortsetzung  der  Wege  bis  zu  den  Egerfurthen  bei 
Saaz,  Posteiberg  und  Laun  und  weiter  bis  Prag  kann  hier  ausser  Betracht 
bleiben.  Nach  dem  Charakter  der  ältesten  Wegzüge  muss  der  Postei- 
berger Uebergang  später  zwischen  die  beiden  älteren  Fürthen  einge- 
schoben sein. 

7b.  Zwischen  Ossegg-Dux  und  Tetschen  bildet  jetzt  Teplitz  den  An- 
ziehungspunkt. Im  alten  Wegnetz  erscheint  dagegen  Teplitz  nur  als  an 
einer  alten  Wegrichtung  gelegen,  keineswegs  aber  als  wichtigster  Weg- 
knoten wie  in  neuerer  Zeit.  Die  nordböhmische  Querstrasse  über  den 
Wegknoten  östlich  Dux  setzt  sich  über  Losch,  Hundorf,  Teplitz,  Turn, 
Soborten  nach  Mariaschein  fort,  wo  sie  sich  mit  dem  Weg  am  Gebirgsfuss 
vereint,  welcher  von  Osseg  über  Deutzendorf,  Klostergrab,  Kosten,  Tischau, 
Eichwald,  Pisanken,  Dreihanken  (Drahenky)  und  Graupen  gleichfalls  Maria- 
schein erreicht.  Von  hier  läuft  ein  alter  Seitenweg  über  Karbitz  am 
„Bihana“-Berg  vorbei  nach  Aussig,  während  der  nordböhmische  Querweg 
nun  vereint  über  Hohenstein,  Straden,  Kulm,  Arbesau  bei  Kninitz  die  Wasser- 
scheide des  Eulaer  Baches  erreicht,  um  sich  über  Eula,  Schönborn,  Kröglitz 
nach  Tetschen  zu  wenden.  Die  Strecke  Kninitz -Eula  ist  allerdings  in 
ihrer  alten  Trassirung  aus  der  öste'rreichischen  Generalstabskarte  1 : 75  000 
nicht  so  genau  wie  bei  allen  bisher  erwähnten  alten  Wegrichtungen  er- 
kennbar — die  Lage  der  jetzigen  Kunststrasse  durch  Königswald,  die  stets 
in  der  Eulabachaue  hinläuft,  kann  für  die  älteste  Zeit  wohl  nicht  in  Frage 
kommen.  Der  alte  Weg  muss  sich  von  Kninitz  am  „Hutberge“  bei  Klein- 
kahn vorbei,  wo  noch  die  Flurgrenze  hinläuft,  nach  dem  „Hegeberge“  ge- 
wendet haben,  wo  sich  dann  der  noch  deutlich  sichtbare  Theil  des  Höhen- 
weges, gleichfalls  an  einem  „Hutberge“  nach  Tetschen  laufend,  anschliesst. 

Der  Kninitzer  Sattel  stellt  den  bei  weitem  günstigsten  Abstieg  vom 
Erzgebirgskamm  dar;  beträgt  doch  der  Höhenunterschied  nur  310  m,  während 
die  anderen  alten  Abstiege  bei  Kulm,  am  Geiersberg  und  bei  Graupen  je 
etwa  510  m Höhenunterschied  aufweisen.  Unzweifelhaft  läuft  der  Weg 
nach  dem  alten  Elbübergang  Aussig  über  den  Nollendorfer  Pass,  Kninitz, 


36 


„Zuckmantel“,  Troschig,  „Spiegelsberg“,  „Lerchenfeld“.  Neben  Aussig  be- 
standen für  die  Nordwege  die  westlicheren  Zielpunkte  ßilin  und  Brüx,  die 
beide  über  Teplitz  und  den  Wegknoten  östlich  Dux  erreichbar  waren. 
Hierhin  zogen  sich  die  Abstiege  von  den  drei  alten  Nachbarpässen  am 
„Mückenberge“,  am  „Geyersberge“  und  am  „Schauplatz“  (mit  Kulmer  Kapelle). 
Nebenher  senden  diese  drei  Abstiege  auch  Seitenwege  nach  Aussig  und 
zwar:  Graupen -Mariaschein- Marschen -Karbitz,  ferner  Geiersberg -Hohen- 
stein-Karbitz  und  endlich  Kulmer  Kapelle -Kulm- Böhm. Neudörfl-Herbitz- 
Prödlitz -Aussig. 

Mit  dem  Vortreten  des  Einflusses  von  Prag  wird  auch  das  Bestreben 
erwachsen  sein,  diesen  Mittelpunkt  nicht  erst  durch  die  zwischenliegenden 
Orte  Aussig,  Bilin,  Brüx,  Saaz,  sondern  möglichst  direct  zu  erreichen. 
Vielleicht  erst  in  dieser  um  800  n.  Chr.  zu  setzenden  Zeit  wird  das  Hinderniss, 
das  das  böhmische  Mittelgebirge  darbot,  durch  ein  wirkliches  Wege- 
netz überzogen  worden  sein.  An  die  genannten  drei  Pässe  sowie  an  den 
von  Kninitz  setzen  sich  nun  die  Wegzweige  direct  nach  Süden  an.  Der 
Zielpunkt  ist  Weissaujezd  (üjezd  = Wegfahrt),  wo  die  Wege  von  Aussig 
über  „Ellbogen“,  Dubitz,  „alte  Berg“  und  von  Wiklitz  über  die  Bielafurth 
Hlinai,  Schima  zusammenlaufen,  um  sich  über  Wellemin  zu  spalten  nach 
den  fünf  Egerfurthen  zwischen  Perutz  und  Leitmeritz,  von  wo  sie  sich 
dann  wdeder  in  Schlan  zusammenschliessen.  In  Wiklitz  laufen  von  Graupen, 
Hohenstein,  Kulm  und  Kninitz  die  Wegzweige  von  den  Gebirgspässen  zu- 
sammen. Zu  nennen  ist  der  anscheinend  jüngere  Parallelweg  durch  das 
Mittelgebirge  über  Milleschau.  Nach  Weissauj ezd  führen  überdies  auch 
Seitenzweige  von  der  nordböhmischen  Querstrasse  einmal  von  Kosten  über 
„Kleinujezd“,  Settenz,  dicht  w^estlich  bei  Teplitz  vorbei,  über  „Wachhübel“, 
Weibine,  Schallan,  „Wachtberg“  und  „Paschkopole“  und  sodann  in  Teplitz 
ansetzend  am  „Schlossberg“  vorbei  über  Drakowa,  Suchei,  Haberzie,  Hlinai, 
hier  in  die  alte  Nordsüdstrasse  mündend. 

7c.  Von  Tetschen  bis  zu  den  Neissefurthen  zieht  sich  der  alte  nord- 
böhmische Querweg  südlich  um  das  Lausitzer  Gebirge  hin  zwischen  „Poppen- 
berg“ und  „Falkenberg“  hindurch  in  Richtung  auf  die  Markersdorfer  Kirche, 
beim  „Wachberg“  und  „Hachenberg“  vorüber,  Böhm.  Kamnitz  und  den 
„Schlossberg“,  Steinschönau,  Pärchen  berührend,  über  den  „Kammberg“, 
Blottendorf,  dicht  am  „Kleiss“  und  „Falkenberg“  vorbei  nach  Zwickau, 
einem  alten  Wegknoten,  wo  die  Richtungen  von  Rumburg  über  Tollenstein, 
von  Löbau  über  Grossschönau,  an  der  Lausche  vorüber,  von  Zittau,  von 
Leipa  und  von  Niemes  Zusammentreffen.  Von  Zwickau  ziehen  zwei  Parallel- 
wege zwischen  Isergebirge  und  Lausitzer  Gebirge  nach  Friedland  und 
weiter  östlich ; der  nördliche  über  Cunnersdorf,  am  „Lerchenberg“,  „Haide- 
berg“, „Hutberg“,  an  der  „Brückellehne“  nach  Finkendorf,  über  den  „Lerchen- 
hübel“, den  „Passerkamm“  mit  450  m Seehöhe*)  erreichend  und  über 
„Giebelsberg“,  die  Neissefurth  Ketten  und  die  wichtige  Burg  „Grafenstein“, 
Oppelsdorf  als  „Diebsstrasse“  über  Zollhaus  Friedland  zustrebend.  Der 
südliche  Weg  läuft  von  Zwickau  über  Gabel,  Ringelshain  oder  Jahnsdorf 
nach  Pankratz,  überschreitet  in  nur  391  m Seehöhe*)  den  Kamm  am 
„Raben stein“,  sinkt  zur  Neissefurth  Weisskirchen  herab  und  erreicht  über 
„Schelleberg“,  „Gickelsberg“,  „Lichtenberg“  als  „Diebsteig“  am  „Wachberg“ 
und  „Geiersberg“  vorbei  Friedland.  Die  geringere  Passhöhe  und  die  Local- 


*)  Nach  der  Österreich.  Generalstabskarte  1 : 75  000. 


37 


narnen  sprechen  für  ein  höheres  Alter  dieses  Weges;  andererseits  ist  die 
Linienführung  des  nördlichen  Weges  eine  alterthümlichere. 

In  die  Stationen  dieses  alten  Querweges  laufen  von  Norden  die  bereits 
erwähnten  alten  Wege  aus  der  rechtselbischen  Gegend.  Zu  bemerken  ist 
der  alte  Wegknoten  bei  Finkendorf,  wohin  auch  ein  Zweig  von  Zwickau 
über  Kunnersdorf,  Gabel,  Yogelsang,  „Eichkamm“  führt.  Von  Finkendorf 
setzt  sich  nicht  nur  der  alte  Weg  über  Passerkamm  nach  Grafenstein- 
Friedland  fort,  es  setzt  sich  am  Passerkamm  auch  ein  Zweig  über  Grottau 
an,  der  als  Kückenweg  zwischen  Neisse  und  Wittig  über  Reibersdorf,  als 
„Loh-  (Lug) -Strasse“  über  den  „Lohnberg“  nordwärts  läuft.  Bei  Finken- 
dorf zweigt  auch  eine  alte  Verbindung  nach  Zittau  ab  über  „Raub- 
schloss“, „Scheibenberg“,  die  „3  Orln“,  bei  der  „Ausspaimung“  die  wohl 
etwas  jüngere  Strasse  von  Gabel  über  Petersdorf,  Lückendorf  kreuzend, 
als  „Grenzweg“  am  „Zigeunerberg“  und  den  „Hölllöchern“  vorbei,  über  das 
Rathsvorwerk  in  die  böhmische  Vorstadt,  über  die  Kuhbrücke  nach  Zittau. 
Die  Lage  dieser  ältesten  Zittauer  Brücke  ist  vom  Standpunkte  der  alten 
Wegtrassirung  bemerkenswerth,  weil  hier  wieder  die  Kreuzung  zweier  Ge- 
wässer kurz  vor  deren  Vereinigung  erfolgt.  Von  der  Kuhbrücke  über  die 
Mandau  läuft  der  alte  Südostweg  nach  Reichenberg  nach  der  Papiermühlen- 
brücke über  die  Neisse,  während  nur  400  m östlich  beide  Flüsse  zu- 
sammenlaufen. 

Die  sächsischen  Wege  über  das  Erzgebirge. 

Es  bleiben  nach  der  Erwähnung  der  alten  Salzstrassen  von  Halle,  des 
böhmischen  Wegenetzes  südlich  des  Gebirges  und  des  voigtländischen  Netzes 
noch  einige  ältere  Wegrichtungen  nachzutragen. 

8.  Von  dem  alten  Wegknoten  Zwickau  laufen  als  Fortsetzung  der 
besprochenen  Nordstrassen  alte  Wegzüge  nach  sämmtlichen  alten  Eger- 
furthen  zwischen  Ellbogen  und  Saaz  über  die  erwähnten  alten  Gebirgs- 
Passstellen. 

Ein  alter  Weg  wird  von  Zwickau  über  Oberhohndorf,  Vielau,  Schönau 
nach  Wiesenburg  gegangen  sein,  von  wo  ein  echter  Rückenweg  über 
„Vogelheerd“,  „Wolfsschacht“,  „Saupfütze“,  „Luchsplatz“,  „Pferdebrunn“ 
nach  dem  „Sonnenberg“  und  „Rissigberg“  nebst  einem  dicht  westlich  ge- 
legenen Parallelweg  hinzieht,  um  über  die  „Ochsentränke“  zur  Muldenfurth 
Oberblauenthal  hinabzusteigen  und  weiter  über  den  „Rösnigberg“,  Eiben- 
stock und  über  das  „Hirtenraumei“,  die  „Spinnei,  jetzt  die  Tafel“,  Weiters 
Glashütte,  die  Mordhütte,  an  der  Grenze  am  „Kranichsee“  östlich  vorbei- 
ziehend den  Pass  Sauersack -Frühbuss  zu  erreichen. 

Es  ist  aber  wahrscheinlich,  dass  ein  älterer  Weg  eingeschlagen 
wurde,  der  die  zweimalige  Muldendurchfurthung  vermeidet,  der  sich  also 
von  Zwickau  über  den  „Schleifberg“  oder  Planitz  nach  Wendischrott- 
mannsdorf, Niedercrinitz,  an  den  „Bohlteichen“  am  „Bohlberge“  vorüber  bis 
Kirchberg  hingezogen  haben  musste.  Allerdings  vermisst  man  auf  dieser 
wahrscheinlich  schon  zeitig  mit  dem  Aufblühen  Zwickaus  und  Wiesen- 
burgs  verlassenen  Strecke  den  üblichen  Charakter  der  schlanken  lang- 
gestreckten ältesten  Wegzüge.  Von  Kirchberg  schliesst  sich  dann  einer 
der  gewohnten  alten  Rückenwege  über  den  „Jüdenstein“,  Bärnwalde,  den 
„Schirrberg“,  am  „Zollhaus“  und  „Hohenstein“  vorbei  nach  Hundshübel 
über  den  „Hemmstein“,  bei  Muldenhammer  die  Mulde  durchfurthend  nach 
Eibenstock  an. 


38 


Ein  in  ünterblauenthal  die  Mulde  kreuzender  östlicher  Zweig  über 
Losa,  den  „Riesenberg“,  Sauschwemme -Steinbach,  an  der  Landesgrenze 
ebenfalls  einen  „Kranichsee“  (daher  wohl  ohne  Zweifel  mit  hranice  = 
Grenze  zusammengesetzt)  streifend,  über  „Henneberg“,  die  „Farbenleithe“, 
den  „tiefen  Graben“,  der  dicht  östlich  von  Platten  vorbeizieht  und  bei 
Bäringen  Anschluss  an  den  erwähnten  Halbmeilpass  findet,  scheint 
weniger  alt  zu  sein.  Dasselbe  gilt  mit  noch  grösserer  Wahrscheinlichkeit 
von  dem  westlich  gelegenen  Verbindungsweg  über  Hirschenstand, 

8 a.  Der  Hauptgebirgsweg  von  Zwickau  wird  aber  den  für  die  Prager 
Richtung  bestgelegenen  Pressnitz  er  Pass  gesucht  haben.  Zunächst  ist 
der  sich  an  die  Muldenfurth  Wiesenburg  anschliessende  anscheinend  alte 
Weg  zu  neunen,  der  sich  an  der  Saupfütze  an  den  Eibenstocker  Weg  unter 
8 anschliesst  und  über  Lindenau,  den  „Schimmelberg“  südlich  um  Neustadt, 
über  den  „Lerchenberg“  nach  Albernau,  Bockau,  über  den  „Sachsenstein“ 
bis  Schwarzenberg  läuft.  Ein  nördlicher,  wohl  älterer  Parallelweg  zieht 
über  die  „goldene  Höhe“,  den  „Mühlberg“  dicht  südlich  Schneeberg  vorbei 
über  den  „Gleesberg“,  „Brünlassberg“,  durch  Aue  und  über  Lauter  nach 
Schwarzenberg.  Von  hier  lief  die  älteste  Richtung  als  Höhenweg  über 
den  „Knochen“,  den  Rücken  südlich  Langenberg,  nördlich  um  den  „Krahen- 
hübel“  am  „Schaafberg“  und  südlich  dicht  am  „Scheibenberg“  vorbei  unter 
dem  Namen  „Fürstenweg“,  setzt  sich  fort  bei  der  „Ruine“  in  Crottendorf, 
als  „böhmische  Strasse“  durch  Cranzahl,  am  Zollhaus  in  eine  ebenfalls 
alte,  hier  von  Stollberg,  Chemnitz  und  Wolkenstein  zusammenlaufeiide  Strasse 
einmündend  und  mit  ihr  über  „Kühberg“,  „Schloss  Stein“,  den  „weissen 
Hirsch“,  Pleil  dem  Pressnitzer  Passe  zustrebend. 

8b.  Zeiclien  eines  sehr  hohen  Alters  trägt  der  den  Muldenbogen  öst- 
lich umgehende  Weg,  der  mit  der  Oststrasse  am  „Brückenberge“  östlich 
die  Mulde  quert,  am  „Freytag“  diese  Strasse  verlässt,  als  „hohe  Strasse 
oder  Freytagsstrasse“  über  „Einsiedel“,  den  „Käseberg“,  Hartenstein, 
„Hundsberg“,  die  „grüne  Lücke“,  Lössnitz,  über  den  „Grünwald“ -Rücken, 
das  „Kornhau“,  den  „Einsiedel“,  „Spiegelwald“,  die  „3  Tannen“,  Waschleithe, 
„Hemmberg“,  Schwarzbach  hinzieht  und  sich  am  Scheibenberg  dem  südlichen 
Parallelweg  anschliesst.  Von  hier  läuft  ein  jüngerer  Zweig  über  Neudorf, 
Rothenkretscham  als  „Fürstenweg“  nach  dem  schon  genannten  Schlössl, 
Schmiedeberg  und  Pürstein. 

Bemerkenswerth  ist  der  Passweg  über  Gottesgab  (ehemals  Winters- 
grün), nach  dem  zwei  Parallelwege  von  Lössnitz  laufen:  der  westliche  über 
Pfannenstiel,  den  „Riss“,  den  „Krahl“,  Schwarzenberg,  die  „Bärenstallung“, 
das  „hohe  Rad“,  Pöhla,  als  ,, hoher  Weg“  über  den  „Sechserberg“  und 
Dreieberg  (draha  = Strasse);  der  östliche  Zweig  über  „Spiegelwald“, 
„3  Tannen“,  ,, Fürstenberg“,  „Fürstenbrunn“,  „Oswaldkirche“,  „Langen- 
berg“, Mittweida,  „Ziegenfels“  als  „Hundemarterweg“  über  die  „faule 
Brücke“,  sich  am  Dreieberg  mit  dem  westlichen  vereinigend  und  über  den 
Flurort  „in  der  Rachel“  an  der  ,, goldenen  Höhe“  vorbei  nach  Gottesgab  und 
von  hier  über  Schlackenwerth  nach  dem  alten  Uebergang  Rodisfort  an  der 
Eger  laufend.  Der  Gottesgaber  Pass  ist  mit  dem  Aufkommen  Joachims- 
thals lebhafter  geworden  und  hat  noch  Seitenwege  von  Scheibenberg  (den 
,, Proviant-  oder  Klötzerweg“  über  den  grossen  „Hemmberg“)  und  von 
Schlettau  (die  „Thalerstrasse^‘  über  den  kleinen  „Hemmberg“  und  Katzen- 
stein) entstehen  lassen. 


39 


9,  Von  der  Glauchauer  Miildenfurth  läuft  ein  reiner  Rückenweg  durch 
den  „Rumpf-Wald“,  über  die  „Funkenhurg“  (Signalstation  der  Zwickau- 
Lichtensteiner  Strasse),  Heinrichsort,  Neuesorge,  hier  einen  ,, Kärrnerweg“ 
von  Lichtenstein  aufnehmend,  „Zschockenberg“,  „Sahrberg“  als  „hohe 
Strasse“  bis  zum  Anschluss  an  die  alte  Strasse  über  Lössnitz. 

Von  der  Muldenfurth  Waldenburg  zieht  ein  Weg  über  ,, Ausspann- 
Callenberg“,  die  „Katze“,  den  ,, Eisenberg“,  Lungwitz,  auf  dem  Rücken 
über  das  „Kieferholz“,  Jägerhaus,  Würschnitz,  als  ,, Fürstenweg“  über  den 
„Panzerberg“,  das  ,, Lutzenholz“,  Beutha,  die  ,, grüne  Lücke“  nach  Lössnitz. 
Ein  östlicher,  wohl  wesentlich  jüngerer  Parallelweg  läuft  von  Würschnitz 
über  Stollberg,  Hohneck,  Zwönitz,  Grünhain  zum  Anschluss  an  den  alten 
Weg  im  Spiegelwald. 

9a.  Ein  iDemerkenswerther  nach  den  Localnamen  alter  Gebirgsüber- 
gangsweg  setzt  in  Wüstenbrand  an,  das,  auf  der  Wasserscheide  zwischen 
Lungwitzbach  und  Kappelbach  liegend,  als  Wegdurchgang  besonders  ge- 
eignet ist.  Hierher  laufen  Zweige  von  Waldenburg  über  die  ,, Katze“,  den 
„Pfaffenberg“  oder  ,,Rödenberg“  bei  Hohenstein,  ferner  von  Wolkenburg 
als  „Bergstrasse“  auf  dem  Rücken  westlich  Bräunsdorf  oder  über  den 
„hohen  Busch“,  Bräunsdorf  selbst  nach  Meinsdorf,  endlich  von  Penig  über 
Tauscha,  die  Sorge  in  Bräunsdorf  anschliessend.  Von  Wüstenbrand  läuft 
der  Weg  südöstlich  als  „Landgraben“  über  „Dreidörfel“,  östlich  Leukers- 
dorf am  ,,Beuthenberg“  vorbei,  an  den  ,,drei  Teichen“  die  Würschnitz 
kreuzend,  über  ,, Zigeunerbrunn“  nach  Jahnsdorf,  hier  sich  in  zwei  Parallel- 
wege, die  den  Abtwald  östlich  und  westlich  umgehen,  spaltend.  Der  West- 
weg zieht  sich  als  Kärrnerweg  bei  Meinersdorf  die  Zwönitz  (die  eigentlich 
den  Namen  Chemnitz  zu  führen  hätte)  kreuzend,  als  „Kärrnerstrasse  oder 
Kalkweg“,  dann  wieder  als  „Kärrnerweg“  nach  der  Höhe  nördlich  von 
Thum,  wo  sich  alte  Wege  kreuzen,  wo  auch  der  östliche  Zweig,  der  als 
„Rollweg“  durch  das  „Rollholz“  über  Burkhardtsdorf  läuft,  sich  wieder 
anschliesst.  Der  Weg  setzt  sich  von  der  Thumer  Höhe  als  ,, Kärrner  Strasse“ 
durch  Herold,  Neudorf,  am  ,, Lerchenhübel“  vorüber,  zur  Zschopaufurth 
Wiesa  fort,  steigt  über  die  „Riesenburg“  zur  Stelle  zwischen  dem  Pöhlberg 
und  dem  später  erbauten  Annaberg,  wo  alte  Wegspuren  in  der  Karte  er- 
kennbar sind.  Hier  trennt  sich  der  alte  Weg  in  zwei  Parallelwege,  den 
einen  über  Königswalde  als  der  „alte  Hemmweg“  über  Ziegenbrücke 
(Zigeuner?),  Jöhstadt,  Dürrenberg  nach  Pressnitz  und  in  den  anderen  älteren 
über  den  „Lerchenhübel“  nach  dem  Kuhberg  mit  Schloss  Stein,  wo  er  in 
die  erwähnte  alte  Zwickau-Pressnitzer  Strasse  mündet. 

10.  Da  die  alten  Hauptübergänge  über  Chemnitz  (unter  5)  und  Oederan 
(unter  3)  bereits  erwähnt  worden  sind,  ist  zu  den  Freiberger  Wegen 
weiterzugehen.  Freiberg  ist  ebenso  wie  Leipzig  und  Dresden  kurz  nach 
der  für  diese  Studie  massgebenden  Zeit  Hauptmittelpunkt  des  Wegnetzes 
geworden;  indessen  scheinen  auch  in  ältester  Zeit  Wege  die  Gegend,  wo 
später  Freiberg  auf  kam,  gekreuzt  zu  haben,  soll  doch  das  Silbererz  durch 
Harzer  Fuhrleute  zuerst  erkannt  worden  sein.  In  der  That  wird  aus  dem 
Herzen  von  Daleminzien,  der  Gegend  Nossen-Lommatzsch-Meissen  ein  Weg 
nach  dem  ältesten  Pass  bei  Sayda  geführt  haben,  der  sich  nach  den 
Regeln  der  Trassirung  ältester  Wege  finden  lässt  im  Zuge:  Wendischbohra, 
als  „Zeisigweg“  über  Hirschfeld,  Drehfeld  (draha==  Strasse),  ,, Rabenstein“, 
hier  die  Bobritzsch  durchfurthend,  Bieberstein,  Haida,  bei  Vorwerk  Hals 
über  die  Mulde,  auf  dem  Rücken  bis  dicht  östlich  an  die  spätere  Frei- 


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berger  Sächsstadt.  Von  hier  über  den  Münzbach  sucht  der  Weg  Anschluss 
an  die  alte  böhmische  Heerstrasse  in  Mittelsayda,  Dörrnthal  oder  Sayda 
auf  jetzt  vielfach  verästelten  Wegen,  deren  ältester  über  „die  drei  Kreuze‘‘, 
,,alte  Mordgrube“,  den  „Kuhberg“,  den  „weissen  Schwan“,  Vorwerk  München- 
frey, durch  das  Waldstück  ,,  Zehntel“,  dicht  östlich  Hartmannsdorf,  die 
,, untern  Lichten“  führt,  wo  ein  alter  Weg  von  Rauenstein  als  „Fürstenweg“, 
„Diebssteig“  und  ,, Kammweg“  einmündet.  Von  hier  zieht  sich  der  Weg 
als  „Kamm weg“  um  Obersayda  herum  nach  Dörrnthal. 

Aus  diesem  anscheinend  sehr  alten  Wege  zweigen  überdies  bei  der 
„alten  Mordgrube“  alte  Wege  über  Langenau  als  alte  Poststrasse  nach  der 
alten  Zschopaufurth  Rauenstein  und  als  ,, Rosenweg“  über  Leubsdorfer 
Hammer,  Metzdorf,  am  Schellenberg  vorbei  nach  Chemnitz  ab. 

Die  directen  Wege  Freiberg-Rechenberg  und  Freiberg-Pass  von  Graupen 
werden  etwas  jünger  sein;  der  ältere  von  beiden  ist  wohl  der  Weg  nach 
dem  älteren  Pass  bei  Graupen,  der  auch  bezüglich  der  Localnamen  Be- 
achtung verdient.  Von  Freiberg  zog  dieser  Weg  über  die  Hilbersdorfer 
Muldenfurth  durch  „das  Geheege“  bei  der  Kirche  über  die  Bobritzsch,  als 
„Geiersweg“  am  „Geiersberg“  vorbei,  als  ,, Bergstrasse“  durch  den  ,, Lücken- 
busch“ und  Röthenbach,  den  Röthenbacher  Berg,  am  ,, Burgberg“  vorbei 
zur  Weisseritzfurth,  von  hier  auf  dem  Rücken  empor  zur  ,, kahlen  Höhe“ 
als  „langer  Rainsteig“,  an  der  „faulen  Pfütze“  vorbei  durch  Hennersdorf, 
Ammeisdorf,  Schönfeld,  am  ,, Reinberg“  vorüber  durch  den  ,, grünen  Wald“, 
auf  dem  Rücken  als  „schwarzer  Leichenweg“  über  den  Pfaffenbusch,  Hinter- 
und Vorderzinnwald  bis  zum  Anschluss  an  die  uralten  Pässe  Graupen- 
Geiersberg. 

Ein  südlicher  Parallelweg  über  Weissenborn,  Frauenstein  wendet  sich 
den  jüngeren  Pässen  Moldau-Zaunhaus  zu. 

In  den  alten  Graupener  Passweg  mündet  unweit  der  ,, kahlen  Höhe“ 
ein  Zweig  aus  dem  Gau  Nisani  über  Possendorf, ,, Einsiedlerstein“,  Dippoldis- 
walde und  als  ,, Fürstenweg“  bis  zum  Anschluss  hinter  Sadisdorf. 

11.  Der  Plauensche  Grund  durchschneidet  den  alten  Gau  Nisani; 
beide  Theile  werden  durch  die  drei  Weisseritzfurthen  am  Vorwerk  Heils- 
berg, bei  Potschappel  und  Plauen  verbunden,  nach  denen  alte  Wege  von 
Wilsdruff,  dem  üebergangspunkt  nach  dem  Daleminzier  Gau  ausstrahlen. 
Durch  die  westliche  Furtli  läuft  ein  Weg  Meissen-Prag  über  Wilsdruff, 
Braunsdorf,  ,, Hirschberg“,  Rabenau,  ,,Götzenbüschchen“,  an  der  „Klause“ 
vorbei  über  das  „steinerne  Messer“,  Dippoldiswalde,  Elend,  als  „Fürsten- 
weg“ über  den  „Windberg“,  „Ochsenteich“,  den  „hohen  Wald“,  „Schenkens 
Höhe“  bei  Falkenhain  und  von  hier  den  „Riesengrund“  westlich  über  „die 
Klinge“  umgehend  oder  ihn  bei  der  „Ladenmühle“  durchquerend  nach 
Altenberg,  am  „tiefen  Bach“  hinab  nach  Geising  und  über  den  „Schauhübel“ 
bei  der  „Wachsteinrücke“  vorüber  nach  dem  alten  Pass  von  Graupen. 

Eine  zweite  Verbindung  Meissen-Prag,  durch  Vermeidung  der  Kreuz- 
ungen tief  eingeschnittener  Thäler  bemerkenswert!!  und  deshalb  älter, 
zweigt  schon  von  Sora  (Kneipe)  ab  und  läuft  über  den  „Kühbusch“  durch 
die  „Struth“  als  „Längenweg“  später  „langer  Weg“  auf  dem  Rücken  nach 
Spechtshausen,  als  „breiter  Weg“  oder  „Klingenweg“  über  Grillenburg 
dicht  westlich  Klingenberg  am  rechten  Hochufer  des  Colmnitzbaches  auf- 
wärts durch  den  „Lückenbusch“,  sich  hier  an  die  erwähnte  alte  Freiberg- 
Graupen  er  Strasse  anschliessend.  Die  Verbindung  vom  Lückenbusch  über 
Frauenstein  nach  dem  Rechenberger  Pass  scheint  etwas  jünger  zu  sein. 


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Der  .mittleren  Furth  bei  Potschappel  strebt  der  Weg  von  Wilsdruff 
am  „wüsten  Berg“  vorbei  über  Wurgewitz,  seitwärts  des  „Burgwardberges“ 
zu,  dann  führt  er  über  Neucoscbütz,  Coschütz  mit  dem  bekannten  Burg- 
wall, als  „Koblweg“  über  Mockritz,  Leubnitz,  Lockwitz,  Dohna  und  damit 
in  das  Herz  von  Nisani.  lieber  die  untere  Furth  Plauen  läuft  entsprechend 
ein  nördlicher  Parallelweg,  der  sich  in  Leubnitz  anscbliesst. 

13.  Die  anscheinend  allerältesten  Erzgebirgsübergänge  heften  sich  an 
das  Plateau  zwischen  Dohna -Meusegast -Zebista;  ein  alter  Weg  zweigt  aller- 
dings schon  von  Lockwitz  ab  und  läuft  über  Pohrsdorf,  den  „Blauberg“, 
„Lerchenhübel“,  Maxen,  „Heideberg“,  Hausdorf,  „Grimmstein“  dicht  öst- 
lich Cunnersdorf  nach  Glashütte,  über  den  „Sonnenberg“,  Börnchen  nach 
dem  „Schulhübel“,  wo  er  sich  in  den  Ast  über  Lauenstein,  Fürstenau, 
Graupen  und  in  einen  zweiten  über  den  Mühlberg,  Liebenau  nach  Geiers- 
berg oder  Kulm  spaltet. 

Von  Dohna  läuft  der  bekannte  alte  Weg  über  Eulmühle,  Seidewitz 
als  „alte  Strasse  über  den  Geiersberg“,  jetzt  „Kalkstrasse“,  über  den 
„Laurich“,  „Käferberg“  am  „Mückengeplerre“  (Waldstück)  und  „Scherbens 
Knochen“  vorbei  durch  Börnersdorf,  seitlich  „ Scher bers  Berg“  nach  Breite- 
nau,  wo  er  in  den  zweiten  alten  Weg  mündet,  der  von  der  Eulmühle 
über  Seidewitz,  Friedrichswalde,  Rittergut  Gersdorf  nach  dem  „Jagdstein“ 
läuft  und  nun  den  Namen  „Königsweg“  und  „alter  Königsweg“  führt, 
sich  am  „Raithau“  vorbei  nach  dem  Forstorte  „Rennpläne“,  durch  Hart- 
mannsdorf am  „Lerchenhübel“  vorbei  nach  Breitenau  zieht.  Von  hier  läuft 
der  gemeinschaftliche  Weg  unter  dem  Namen  „alte  Töplitzer  Strasse“ 
nach  einem  Punkt  östlich  Fürstenwalde,  wo  sich  ein  Zweig  über  Strecke- 
walde nach  Nollendorf,  Kninitz  ablöst,  während  der  Stamm  weg  weiter 
südlich  bei  den  „schwarzen  Wiesen“  die  jetzige  Grenze  überschreitet  und 
fast  geradlinig  über  den  „Schauplatz“  nach  der  Kulmer  Kapelle  läuft, 
während  der  Weg  über  die  Ebersdorfer  Kirche  nach  dem  Geiersberg  fast 
rechtwinklig  abbiegt,  ein  Zeichen,  dass  der  letztere  jünger  sein 
wird  wie  der  Kulmer  Weg,  den  überdies  auch  die  erste  historische 
Erwähnung  betrifft:  Markgraf  Ekkehard  zog  1040  mit  einem  Sachsenheer, 
das  er  bei  Donin  versammelt  hatte,  auf  einem  Weg,  der  bei  der  Burg 
Hlumec  (Kulm)  aus  dem  Walde  in  das  böhmische  Land  tritt.  Diese  Burg 
wird  wobl  auch  in  dem  älteren  Berichte  von  1004  gemeint  sein,  nach 
welchem  der  vertriebene  Herzog  Jaromir  dem  siegreich  das  Erzgebirge 
überschreitenden  Kaiser  Heinrich  11.  eine  Burg,  die  so  recht  an  der  Thür 
des  Böhmerlandes  liegt,  übergiebt.  Dass  es  1136  mehrere  Pässe  gegeben 
hat,  geht  aus  der  Notiz  hervor,  der  Böhmenherzog  Sobeslav  habe  gegen 
ein  heranziehendes  deutsches  Heer  einige  der  Pässe  verhauen  und  ver- 
rammeln lassen. 

Nach  der  Art  der  Trassirung  und  der  Namen  der  Wege  scheint  der 
Weg  über  den  Laurich  der  älteste  zu  sein;  ihm  trat  seit  König  Wratislaw 
um  1080  der  wohl  von  ihm  eingerichtete  Königsweg  zur  Seite,  dem  er  an- 
scheinend die  Richtung  Breitenau- Jagdstein -Schäferbrunn  — östlich  bei 
Ottendorf  vorbei  — Galgenberg -Zehista  gegeben  hat.  Der  Verbindungsweg 
von  Seidewitz,  der  den  „Leitengrund“  (Bahrathal)  zwischen  Friedrichs- 
walde und  Gersdorf  ohne  zwingende  Nothwendigkeit  für  eine  alte  Strasse 
kreuzt,  wird  später  hinzugetreten  sein. 

Der  älteste  Weg  nach  dem  wegen  seiner  Höhe  besonders  günstig  ge- 
legenen Wasserscheidenpunkt  Kninitz  über  Nollendorf  hat  sich  ohne 


42 


Zweifel  in  der  Gegend  der  Gersdorfer  Wände  und  der  „Rennpläne“  von 
den  hier  zusammenlaufenden  Wegen  über  Seidewitz  und  über  Zehista  ab- 
gezweigt, um  bei  Gottleuba  das  Thal  zu  kreuzen  und  an  den  „14  Notb- 
helfern“,  dem  „Leicbengründel“,  „wüsten  Schloss“,  „Wachstein“  und  „Huth- 
stein“  vorbei  auf  dem  Kücken  über  die  „Oelsener  Höbe“  östlich  vom 
„Sattelberg“  über  Schloss  Scbönfeld  und  durch  den  „Kübbuscb“  die 
Nollendorfer  Kirche  zu  erreichen. 

Dieser  nach  der  Trassirung  und  den  Localnamen  uralte  Weg  erhielt 
später  als  Concurrenz  eine  begünstigtere  östliche  Parallelstrasse,  die  sich 
schon  bei  Cotta  loslöst  und  über  den  „Ladenberg“,  Dürrhof,  Berggiess- 
hübel, den  „dürren  Berg“  nach  Hellendorf,  am  „Bocksberg“  und  der 
„Silbergrube“  vorbei  durch  Peterswald,  am  „Keibler“  vorüber  nach  Nollen- 
dorf  läuft  und  sich  in  der  Einsattelung  des  Gebirgskammes  bei  der  Kirche 
an  den  vorerwähnten  Weg  anschliesst.  An  Verbindungswegen  zwischen 
den  beiden  Parallelstrassen  fehlt  es  nicht. 

Kurz  ist  noch  des  Kückens  zwischen  Müglitz  und  Seidewitzbach  zu 
gedenken,  auf  dem  ein  Weg  von  Dohna  ohne  jedwede  Thalkreuzung  bis 
Fürstenwalde  hätte  geführt  werden  können.  Nirgends  lassen  sich  aber 
die  charakteristischen  Spuren  eines  alten  Weges  entlang  dieses  Kückens 
erkennen;  der  hier  vorkommende  Name  „Langenbrückenberg“  ist  alter- 
thümlich,  kann  aber  einem  Localwege  sein  Dasein  verdanken. 

Die  unschwierigen  Seidewitzbachfurthen  an  der  Eulmühle,  bei  Zuschen- 
dorf und  Zehista  haben  wohl  in  ältester  Zeit  bestanden  und  sind  nicht 
als  ausschlaggebende  Verkehrshindernisse  angesehen  worden. 

Als  die  älteste  Passstrasse  wird  die  Kichtung  Pirna -Dohna  über 
Zehista -Kennpläne -Gottleuba -Oelsener  Höhe-Nollendorf-  Kninitz  - Aussig 
anzusehen  sein.  Von  Aussig,  wo  die  Biela  mit  ihrem  altbesiedelten  Ge- 
biete in  die  Elbe  mündet,  führten  alte  Kückenwege  nach  Leitmeritz  sowie 
nach  den  Egerfurthen  und  Prag. 

Als  Nebenweg  ist  die  Verbindung  Pirna -Tetschen,  die  zum  Theil  den 
Namen  „hohe  Strasse“  führt,  zu  erwähnen. 

Die  ostelbischen  Nordsüdwege. 

Schon  unter  2 a,  b,  c ist  eine  Keihe  paralleler  Wege,  die  das  Elbsand- 
steingebirge östlich  umziehen  und  sich  südlich  nach  Prag  oder  nach  den 
Iserfurthen  wenden,  erwähnt.  Den  Schlüssel  dieser  Wege  auf  böhmischer 
Seite  bilden  Tollenstein  und  Zwickau. 

12.  Nordsüdwege  laufen  von  den  Elsterübergängen  Mückenberg,  Kuh- 
land, Senftenberg  in  das  Milzienerland,  ebenso  z.  B.  von  Hoyerswerda, 
Wittichenau  über  Nausslitz,  Crostewitz,  als  „kleine  Strasse“  über  Uhyst 
nach  Bischofswerda  und  weiter;  ferner  von  Hoyerswerda,  über  Königs- 
wartha, Neschwitz,  als  „Fisch  weg“  auf  dem  Kücken  über  Grosshänichen  eben- 
falls nach  Bischofswerda.  Ein  anderer  Südweg  zieht  von  Katzen,  wo  alte 
Wege  von  Spremberg  und  Muskau  zusammenlaufen,  am  „Lerchenberg“  vor- 
bei über  Kadibor,  Cölln,  Salzförstgen,  Weissnausslitz,  „Kleeschänke“, 
Tautewalde,  „Dahrener  Berg“,  Weifa,  „Jerkens  Berg“,  Wehrsdorf,  Mittel- 
sohland  nach  Schluckenau  zum  Anschluss  in  Zeidler  an  die  alte  Tollen- 
steiner Strasse.  Dieser  Nordsüdweg  läuft  möglichst  auf  der  Höhe  und 


43 


dürfte  daher  älter  sein  als  der  in  Radibor  abzweigende  östliche  Parallelweg 
die  Bautzener  Spreefurth,  die  Mönchswalder  Spreefurth,  die  „Adler- 
schenke“, Kleinpostwitz  zum  Wegknoten  Kirschau,  Schirgiswalde,  Peters- 
bach bis  zum  Anschluss  in  Mittelsohland  an  den  Ostweg. 

Besonders  beachtlich  ist  der  schon  gestreifte  Südweg,  der  in  Löbau, 
wo  ein  System  von  alten  Wegen  nach  den  Neissefurthen  zwischen  Zittau 
und  Radmeritz  (Joachimstein)  abzweigt,  sich  südlich  in  gerader  Richtung 
nach  Zwickau  wendet,  sich  bis  zur  „Landbrücke“  nördlich  Waltersdorf  in 
Parallelwege  theilend.  Der  westliche  Weg  läuft  über  „Nonnenberg“,  Gross- 
schweidnitz, Kottmarsdorf,  die  „Tümmeln“,  „Spreeborn“,  Gersdorf, ,, Wechsel- 
stein“, „Stachelbergelchen“,  Seifhennersdorf,  die  „Leutherau“,  am  „Burg- 
berg“ vorbei  über  Warnsdorf  zur  Landbrücke.  Der  Ostweg  zieht  als  „hoher 
Weg“  dicht  westlich  Niedercunnersdorf  über  „Steinglanz“,  wo  der  alte 
Kirschau-Zittauer  Weg  überschnitten  wird,  am  „Haderplan“  vorbei,  als  „Leier- 
oder Grasweg“  dicht  westlich  um  den  „Kottmar“  am  „Jockelsberg“  und  west- 
lich am  „Spitzberg“  vorüber  über  den  ,, Pfaffenberg“,  die  ,, Dreiborne  Wiese“, 
am  „Weissenstein“  und  „Schwarzenstein“  vorbei  über  einen  zweiten  Pfaffen- 
berg zur  Landbrücke.  Eine  östlich  den  Kottmar  umziehende  Variante  durch 
Nieder-  und  Obercunnersdorf  trägt  den  Namen  ,, Viehweg  oder  Königstrasse“, 
führt  über  den  „Hungerbrunn“,  den  ,,Rötherberg“,  um  sich  in  Eibau  an  den 
vorigen  Weg  wieder  anzuschliessen.  Auch  hier  kann  an  König  Wratislaw  oder 
einen  späteren  böhmischen  König  gedacht  werden,  die  längere  Zeit  Milska 
beherrschten,  Heerzüge  von  Böhmen  über  Bautzen  gegen  Meissen  unter- 
nahmen und  dieseWeg Variante  wohl  angelegt  haben  können.  Schon  vom  Feld- 
zug 1004  wird  berichtet,  dass  Kaiser  Heinrich  II.  nach  seinem  üebergang 
(bei  Kulm?)  nach  Böhmen  wieder  zurückgeht  auf  unwegsamen  Pfaden 
nach  Bautzen,  wo  er  eine  Besatzung  zurücklässt.  Nach  den  bisherigen 
Erörterungen  fallen  diese  ,, Pfade“  entweder  in  die  Richtung  über  Zwickau 
und  Löbau  oder,  was  nicht  unwahrscheinlich  ist,  in  die  anscheinend  alte 
Abzweigung  vom  Spreeborn  bei  Gersdorf  am  „schlechten  Berg“,  „Bauer- 
berg“, „Fuchslöcherberg“  nach  den  neuen  Häusern  östlich  Cunewalde.  Vom 
Pass  an  der  Lausche  bis  hierher  läuft  dieser  alte  Weg  fast  gerad- 
linig. An  dieser  Stelle  weicht  der  Weg  mit  westlicher  Umbiegung  den 
Bergen  von  Wuischke  aus,  zieht  als  Brettstrasse  über  Schönberg,  Kosel, 
zwischen  „Schmorz“  und  „Drohmberg“  hindurch  über  Strehla  nach  Bautzen. 
Die  Trassirung  dieses  sich  möglichst  auf  den  Rücken  haltenden,  schlank 
hinlaufenden  Weges  lässt  in  der  That  auf  ein  höheres  Alter  schliessen. 
Von  der  Landbrücke  aus  läuft  auch  ein  anscheinend  alter  Weg,  sich  in 
Seifhennersdorf  vom  genannten  ablösend,  am  „Gockelberg“,  „Kuhberg“, 
„Föppelberg“  vorbei  nach  Altgeorgswalde  und  weiter  über  Oppach,  sich 
nach  den  alten  Spreefurthen  Kirschau  und  Postwitz  gabelnd.  Von  hier 
findet  dann  die  weitere  Fortsetzung  nach  Bautzen  statt.  Es  wird  schwer 
sein,  unter  den  in  Frage  kommenden  alterthümlichen  Wegverbindungen 
jenen  unwegsamen,  also  damals  noch  wenig  ausgefahrenen  ,,Pfad“  vom 
Jahre  1004  ausfindig  zu  machen.  Jedenfalls  ist  dabei  auch  der  fast  gerad- 
linige Südnordweg  von  Prag  über  Melnik,  Sandau,  Zeidler,  Kirschau  nach 
Bautzen  unter  2 c in  Betracht  zu  ziehen,  dessen  Vorhandensein  bereits  im 
Jahre  1004  sehr  wahrscheinlich  ist. 

Zu  erwähnen  sind  noch  die  alten  Parallel -Strassen  westlich  der  Neisse 
zwischen  Görlitz  und  Zittau,  die  theils  am  Hochuferrande,  theils  über  die 
Rücken  führen. 


44 


Die  mittleren  West- Ostwege. 

Zwischen  den  rein  östlichen  alten  Halleschen  Salzstrassen  und  der 
nordböhmischen  Querstrasse  ziehen  sich  noch  Westostverbindungen  hin, 
die  vereinzelt  schon  berührt  wurden,  hier  aber  noch  kurz  zu  erwähnen  sind. 

14.  Mit  dem  Aufkommen  Leipzigs  und  Grossenhains  verschob  sich  der 
Haupttheil  des  Verkehrs  Halle,  Eilenburg,  Beigem  und  Strehla  auf  die 
bekannte  Hohestrasse,  die  via  regia  der  Urkunden,  bei  deren  Benutzung 
von  Leipzig  aus  die  drei  Uebergänge  Eilenburg,  Wurzen,  Grimma 
wahlweise  frei  gegeben  waren.  Der  Elbübergang  fand  in  Boritz-Mersch- 
witz  statt.  Näher  auf  diesen  bekannten  Strassenzug  und  auf  seine  späteren 
Varianten  einzugehen,  kann  hier  unterbleiben. 

Auch  auf  die  in  der  alten  Elsterfurth  Eythra  sich  sammelnden  und 
östlich  weiter  ausstrahlenden  Wege  ist  bereits  unter  4 und  6 hingewiesen 
worden. 

Der  nächste  Ostweg  lief  von  Weissenfels  über  Zorbau,  Steckelberg, 
„Zotzsch“,  Grossgrimma  als  „Ochsenweg“  nach  Pegau,  Borna  (No.  6b), 
weiter  über  den  ,, alten  Strassenteich“,  Elössberg  mit  ,, Schlossberg“,  das 
,, Schlangenloch“,  Lausigk,  Ballendorf,  die  ,, Einsiedelwiese“,  die  „Braunicke“, 
das  ,,Dornicht“  nach  Colditz  und  auf  erwähnten  Wegen  (4b)  weiter. 

Weiter  südlich  folgt  der  Ostweg  von  Naumburg  überPretsch  nach 
Zeitz  und  Altenburg  und  östlich  weiter  über  Clause,  Lohma,  die  Strassen- 
häuser  Beiern  am  , .Messberg“,  Steinbach  am  „Mäuseberg“,  den  ,,Zeissig“ 
nach  Penig.  Von  Altenburg  läuft  ein  alter  Weg  über  den  ,,weissen  Berg“ 
(hier  wie  bei  Prag  am  Punkte  des  Zusammenlaufens  der  Wege  dicht  vor 
der  Stadt  gelegen,  also  vielleicht  ,, wegweisender  Berg“),  Bocka,  Gnand- 
stein, Kohren,  Ossa  nach  Kochlitz  und  weiter. 

Schon  von  Zeitz  trennt  sich  ein  nördlicher  Zweig,  der  über  Lucka, 
Kamsdorf,  am  „Geiersberg“  vorbei  nach  Haselbach,  Treben,  als  „alte  Strasse“ 
nach  Frohburg,  über  Greifenhain  als  ,, Heerstrasse“  durch  Ebersbach  und 
als  „grüner  Weg“  nach  Colditz  läuft.  Von  Frohburg  trennt  sich  ein  Weg 
über  Roda  nach  Kochlitz  ab,  der  entweder  über  Geithain  und  „Gickels- 
berg“ oder  auf  dem  anscheinend  sehr  alten  Rückenweg,  dem  „Laagweg“ 
(lag  = Ordnung,  Gesetz,  also  „Rechtsweg“)  über  Breitenborn  läuft. 

15.  Für  Sachsen  von  Bedeutung  ist  der  Ostweg  von  der  Saalefurth 
Kahla  über  die  Leuchtenburg,  Roda,  St.  Gangloff,  „Lerchenberg“,  Gera, 
Ronneburg,  „Raitzhain“,  Stolzenberg,  Posterstein,  Sommeritz,  als  „Krieger- 
strasse“ über  Ponitz  nach  Meerane,  Gesau,  bei  Glauchau  über  die  Mulde, 
über  den  „Scheerberg“,  den  Lungwitzbach,  durch  das  „Audorf“,  über  den 
,, Elsterberg“  immer  auf  dem  Rücken  über  den  „Kirchberg“,  die  „Katze“, 
den  ,,Rödenberg“,  dicht  nördlich  Hohenstein  und  Wüstenbrand,  den  „Todten- 
stein“  nach  Rabenstein  und  als  „Hartstrasse“  nach  Chemnitz  hinlaufend, 
wo  Anschluss  an  die  alten  Ostwege  gefunden  wird.  Sowohl  die  Trassirung 
wie  die  Ortsnamen  sprechen  für  ein  hohes  Alter  dieses  Weges. 

16.  Von  der  Saalefurth  Orlamünde,  Hummelshain  läuft  ein  alter 
Ostweg,  der  sich  mit  der  ,, hohen  Strasse“  von  Pössneck  bei  Rosendorf 
vereinigt,  über  Zwackau  nach  Triptis,  wo  der  alte  Rückenweg  von  Saal- 
feld  anschliesst.  Oestlich  setzt  sich  diese  Richtung  fort  über  Nieder- 
pöllnitz nach  Weida,  Veitsberg,  Pohlen,  Vogelgesang,  Mannichswalde  nach 
Crimmitschau  und  weiter.  Von  Weida  entsendet  diese  alte  Oststrasse 
einen  Zweig  über  Berga,  Klein-Gundorf,  den  ,, Diebskeller“,  Katzendorf, 


45 


Trünzig  mit  der  „Waclie“,  als  ,, Landsteig“  über  Stöcken,  als  Querweg  zur 
alten  Strasse  von  Ronneburg  nach  Werdau  und  von  hier  über  den  „Wind- 
berg“ nach  Zwickau. 

Von  dem  wichtigen  Verkehrsknoten  Saalfeld  läuft  ein  zweiter  Ost- 
weg über  Schleiz  und  von  hier  sich  spaltend  über  Pausa,  ,, Wachholder- 
schenke“, Dobia,  Wellsdorf,  Trifle  nach  Greiz  und  andererseits  über  Mühl- 
troff, Schönberg,  über  Demeusel,  als  „Plauenscher  Steig“  über  Leubnitz, 
den  ,,Kühberg“,  „Schneckengrün“,  am  „Weisenstein“  (wohl  wegweisender 
Stein?)  die  alte  Richtung  Pausa-Strassberg  kreuzend,  Neundorf  mit  „Warth- 
hübel“, ,, Ochsenhübel“  nach  Plauen. 

Von  Saalburg  über  Culm  und  Zollgrün,  Unterkoskau  läuft  ein  Ost- 
weg nach  Stelzen,  wo  er  sich  in  die  Richtungen  nach  den  Elsterfurthen 
Plauen,  Strassberg,  Kürbitz  und  Weischlitz  verästelt. 

17.  Jenseits  Plauen  schliessen  sich  bemerkenswerthe  alte  Ostwege 
an.  Zunächst  der  südlichere  über  Friesen,  Mockeigrün  mit  dem  „ Z schock  au- 
berg“,  „Plauerberg“,  Schönau,  „Rammelberg“,  Auerbach,  „Ameishübel“, 
Schnarrtanne,  ,, Lauberg“,  Schönheide,  Eiben  stock,  das  „hohe  Thor“,  Zimmer- 
sacher, Sosa,  zu  beiden  Seiten  des  „Sonnenberges“  als  „Tollberger  Weg“ 
und  ,, neuer  Weg“,  über  den  „Fellberg“  nach  Breitenbrunn  zum  Anschluss 
an  den  Pass  bei  Halbmeil,  über  den  „Hahnberg“  nach  Gottesgab,  Wiesen- 
thal, Königsmühle,  Oberhals,  Kupferberg,  Kaaden.  Ein  nur  wenig  nörd- 
licherer Parallelweg  läuft  von  Plauen  über  Thosfell  nach  Treuen  als 
„Königstrasse“,  südlich  Eich  über  den  „hohen  Brunnen“  nach  Rode- 
wisch, als  ,, Kohlstrasse“  und  ,,hohe  Strasse“  durch  den  ,, Ringswald“  nach 
Schnarrtanne  zum  Anschluss  an  den  südlicheren  Weg,  setzt  sich  aber  auch 
von  Rodewisch  selbständig  östlich  fort  über  den  „Judenstein“,  ,, kalten 
Frosch“,  Oberstützengrün,  den  „hohen  Stein“,  als  „alte  Strasse“  über  den 
„kalten  Born“  bei  dem  Forstorte  „fröhliche  Zusammenkunft“,  Zschorlau, 
Bockau  nach  dem  alten  Wegknoten  Schwarzenberg.  Von  hier  läuft  der 
Weg  über  den  ,, Graul“  an  der  ,, Oswaldskirche“  vorbei  nach  Elterlein,  am 
„Zieg“  und  an  der  ,, Wahrsage“  vorbei  über  Geyer,  ,, Streitberg“,  „kalten 
Muff“  nach  Wolkenstein.  Von  diesem  wichtigen  Uebergange  laufen  alte 
Wege  nach  den  erwähnten  Pässen  Reitzenhain- Rübenau;  der  Ostweg  aber 
zieht  in  Parallelwegen,  deren  jeder  den  Namen  „Fürstenweg“  und  weiterhin 
„Seydenweg“  trägt,  der  nördliche  über  Rauenstein,  der  südliche  über  den 
„Flöhberg“,  Görsdorf,  den  „Ochsenberg“  nach  Mittelsayda.  Von  hier 
setzt  sich  der  Weg  wie  erwähnt  nach  Freiberg,  aber  auch  nach  dem  Gau 
Nisani  fort  über  Zethau,  durch  die  Fürthen  in  Mulda,  Lichtenberg  und 
Pretzschendorf,  hier  einen  Ast  über  Dippoldiswalde  und  einen  anderen  in 
den  Plauenschen  Grund  entsendend,  der  als  ,, Fürstenweg“  oder  „Butter- 
steig“ vor  Höckendorf  sich  der  „Butterstrasse“  oder  ,,Mittelgebirgischen 
Strasse“  von  Rechenberg- Frauenstein  anschliesst  und  mit  ihr  gemein- 
schaftlich über  Somsdorf  nach  Cossmannsdorf  läuft. 

Die  Hof-Chemnitz-Dresden-Ilautzeiier  Strasse. 

Den  Schlussstein  bildet  dieser  bekannte  Ostweg,  dessen  Ausbildung 
in  das  Ende  des  für  diese  Studie  bemessenen  Zeitraums  fallen  dürfte  und 
der  bald  nachher  zu  hoher  Bedeutung  gelangte. 

18.  Von  Hof  nach  Zwickau  lassen  sich  drei  Parallelwege  unter- 
scheiden, deren  mittlerer  die  ehemalige  hohe  Strasse,  jetzt  die  Chaussee 


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darstellt;  er  läuft  von  Hof  über  den  ,, Labyrinth-Berg“  bei  „Blosenberg“, 
„Wiedersberg“  und  dem  „alten  Schlosse  Haag“  mit  den  nachbarlichen 
Localnamen  „Weisenstein“  (wegweisender  Stein?),  „Wachhübel“,  die 
,, Beuten“,  der  „graue  Stein“  über  den  ,, Kronenberg“,  Zöben,  durch  die 
Elsterfurth  „Rosenthal“  über  Siebenhitz,  die  Sonne,  neben  dem  „Glocken- 
berg“ vorbei  über  den  „Posthübel“  nach  der  Elsterfurth  Plauen,  wo  der 
Weg  sich  in  zwei  alte  Hauptrichtungen  gabelt;  die  westliche  läuft  als 
,,alte  Strasse“  am  „Warthberg“,  „Strassenhübel“  vorbei  über  Pöhl,  den 
„Scheerhübel“,  ,, Kuhholz“,  ,,Marktpöhl“,  die  „Po ss ecke“,  wo  nicht  nur 
die  alte  Verbindung  Elsterberg-Treuen  gekreuzt  wird,  sondern  sich  auch 
ein  alter  Weg  über  die  Gölzschfurth  Mylau  als  „Kutschenweg“  über 
Brunn  nach  Werdau  zum  Anschluss  an  die  Pleissethalstrasse  nach  Alten- 
burg ablöst.  Von  der  Possecke  läuft  der  Weg  über  Limbach  nach  Reichen- 
bach aus  als  „alte  Strasse“  dicht  östlich  bei  Reichenbach  vorbei  über  die 
„Hölle“,  das  „Brandei“,  als  „Marktsteig“  beim  „Katzenschwanz“  vorbei 
durch  Ebersbrunn,  Planitz  nach  Zwickau.  Der  später  zur  Chaussee 
ausgebaute  Weg  zieht  sich  durch  die  Stadt  Reichenbach,  hier  einen  Zweig 
nach  dem  erwähnten  Kutschenweg  aussendend,  über  Neumark,  Schönfels, 
Stenn  am  ,, Götzenbusch“  vorbei  zum  Anschluss  an  die  eben  erwähnte 
Strasse  über  Planitz  oder  (als  Chaussee  ausgebaut)  über  den  „Liebberg“, 
,,rothen  Berg“  nach  Zwickau.  Ein  anscheinend  älterer  Parallelweg  von 
Neumark  führt  über  den  ,, langen  Berg“,  „Kuhberg“  nach  Altschönfels. 

Der  Östliche  Weg  von  Plauen  läuft  über  den  „Weinberg“,  als  ,,Lengen- 
felder  Weg“  über  die  „Warthe“,  Altensalz  mit  dem  ,, Pfannenstiel“,  nach 
Thossfell  mit  der  „Warthe“  und  dem  Flurorte  „Zetergeschrei“.  Hier 
schliesst  der  später  zu  erwähnende  alte  Weg  Hof-Öelsnitz  sich  an;  von 
hier  trennen  sich  wiederum  die  eben  vereinten  Pfade  in  den  Weg  nach- 
Altenburg  und  den  nach  Zwickau.  Ersterer  läuft,  ein  echter  Rückenweg,  als 
„Oelsnitzer  Steig“  über  Pfaffengrün,  „krumme  Birke“,  an  der  „Igelstaud“ 
vorbei  über  den  „Mylberg“  zur  Elsterfurth  Mylau;  letztere  zieht  als 
,, Königstrasse“  durch  Treuen,  als  „alte  Strasse“  über  die  Gölzschhäuser 
beim  ,, Zigeunerholz“  vorbei  nach  dem  Katzenschwanz  und  Ebersbrunn, 
wo  die  alten  Wege  von  Plauen  nach  Zwickau  sich  vereinigen. 

Hier  ist  eines  alten  Rückenweges  zu  gedenken,  der  sich  vom  Katzen- 
schwanz südlich  abzweigend  über  den  „Forellenteich“,  ,, Lerchenberg“,  als 
„Waldstrasse“  über  den  „Wachthübel“  westlich  bei  Plohn  und  Abhorn 
vorbei  (hier  die  ,, Finkenburg“,  wohl  = Funkenburg?)  sich  nun  östlich 
durch  die  ,,Zeidelweid“,  ,,Rebesbrunn“  zum  Anschluss  am  „Judenstein“ 
an  den  alten  Ostweg  17  über  Stützengrün  wendend  hinzieht. 

Von  Hof  führt  ein  östlicher  Parallelweg  nach  Altensalz -Thossfell 
zum  Anschluss  an  den  mittleren  Weg  über  Plauen;  er  überschreitet  bei 
Gassenreuth  zwischen  der  „alten  Schanze“  und  dem  „alten  Schloss“  die 
Wasserscheide  und  ist  bereits  unter  6e  erwähnt. 

19.  Zu  gedenken  ist  des  westlichen  Weges  nach  Plauen  ohne  Elster- 
kreuzung, der  sich  allerdings  weniger  stark  ausgeprägt  über  Tropen, 
Marxgrün,  Kröbes,  am  Burgstein  über  Schwand  mit  dem  „Schutzberg“, 
den  „Butterpöhl“  und  „Gössnitzberg“nach  Strassberg  und  über  den ,, Glocken- 
berg“ nach  Plauen  hinzog,  sich  auch  weiter  bis  zur  Elsterfurth  in  Elster- 
berg über  Vorwerk  Heidenreich,  „Strassenteich“,  Jössnitz,  „Anspann“  und 
„Görschnitzberg“  fortsetzte. 


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20.  Zwischen  Zwickau  und  Freiberg  lassen  sich  ausser  dem  zur 
Chaussee  ausgebauten  Wege  noch  Nebenrichtungen  erkennen.  Der  Haupt- 
weg kreuzt  das  Muldenthal,  läuft  über  den  „Brandberg“  mit  der  „Funken- 
hurg“  über  Lichtenstein,  den  „Chemnitzer  Berg“  durch  das  Lungwitzthal 
und  Kappelbachthal  nach  Chemnitz,  durch  diese  Linienführung  in  den 
Thalauen  seine  Entstehung  erst  um  etwa  1100  wahrscheinlich  machend. 
Von  Chemnitz  läuft  die  Chaussee  in  sichtlich  neuerer  Trassirung  durch  den 
Zeisigwald,  die  „Flöher  Aue“,  Gückelsberg,  die  ,, Ausspannung“,  Oederan, 
das  „kalte  Feld“,  in  älterer  Richtung  über  Rittergut  Oberschöna  am 
„Geiersberg“  und  „Fernesiechen“  nach  Freiberg. 

Die  älteste  Wegrichtung  zwischen  Chemnitz  und  dem  alten 
Wegknoten  Oederan  wird  nach  den  Trassirungsgrundsätzen  für  älteste 
Wege  sich  Yon  Chemnitz  hingezogen  haben  als  ,, Fürstenweg“  entweder  am 
,,Beuthenberg“  vorbei  direct  durch  Euba  nach  Plaue  oder  etwas  süd- 
licher nächst  der  Eubaer  Kirche  über  den  „Katzenberg“  ebendahin.  Von 
der  Zschopaufurth  Plaue  durch  die  ,,Schweddei“  führt  über  den  „Küh- 
stein“  der  Leithenweg  nach  der  Flöhafurth  Falkenau,  so  dass  ganz  folge- 
richtig die  Flusskreuzung  vor  der  Vereinigung  in  Flöha  stattfindet.  Von 
hier  erstieg  der  alte  Weg  die  Thalgehänge  entweder  über  das  Mühlfeld 
(wo  die  Gückelsberger  Strasse  durchläuft)  oder  über  den  ,, Schussberg“ 
am  Höllengrund  direct  der  „Ausspannung“  zustrebend. 

Interessanter  ist  der  südliche  Parallelweg  von  Zwickau  nach 
Chemnitz.  Von  Zwickau  läuft  die  erwähnte  „Freytagstrasse“  bis  zum 
,,Zsch ockenberg“  (von  althochd.  suochan  = suchen,  eigentlich  sich 
anhängen?),  einem  sehr  alten  Wegknoten,  von  wo  der  Rückenweg  nach 
Chemnitz  als  „Pflockenstrasse“  über  das  Jägerhaus,  Ursprung,  als  „Fürsten- 
weg“ um  Neukirchen  und  westlich  Helbersdorf  nach  Chemnitz  zieht. 

Aus  der  Freytagstrasse  zweigt  ein  Chemnitz  völlig  südlich  umgehender 
Weg  nach  Freiberg  am  „Käseberg“  ab,  läuft  über  Hartenstein  bei  Beutha 
oder  Waitzengrün  vorüber  nach  dem  „Katzstein“  oder  ,, Drachen fels“ 
(draha  ~ Weg),  ,,  Ellbogenthor“,  „Brand“  und  „Martinsberg“  in  die 
Nähe  des  „grossen  Steins“,  einer  alten  Wegkreuzungsstelle.  Von  hier 
läuft  der  Rückenweg  weiter  als  ,, Eisenweg“  und  ,, Zeller  Weg“  (Klösterlein 
Zella  bei  Aue)  über  die  ,, Tabaktanne“,  das  „schwarze  Kreuz“,  das  ,, Höllen- 
loch“, durch  das  ,, Rollholz“,  am  ,, Drachenstein“  und  ,, Geiersberg“  vor- 
über, bei  Einsiedel  die  Zwönitz  (richtiger  die  Chemnitz  zu  nennen)  kreuzend, 
als  ,, Fürstenweg“,  „Heege  oder  Spurweg“  am  Adelsberg  vorbei,  den 
„Galgenberg“  südlich  Euba  erreichend,  von  wo  er  sich  fortsetzte  über  die 
Zschopaufurth  nördlich  Erdmannsdorf,  am  „Lilienstein“  und  ,, Schellenberg“ 
vorüber  nach  Metzdorf  und  als  schon  erwähnter  ,, Rosenweg“  nach  Freiberg. 
Von  diesem  fast  alle  alten  Wegnamen  tragenden  anscheinend  sehr 
alten  Höhenwege  zweigen  sich  ebenfalls  alterthümliche  Verbindungswege 
nach  verschiedenen  Seiten  ab,  die  hier  nicht  weiter  zu  verfolgen  sind. 

Hier  mag  noch  gelegentlich  einer  weiter  südlich  parallel  gelegenen 
Verbindung  gedacht  werden,  die  in  Schwarzenberg  ansetzt,  um  über  Elter- 
lein, als  „8“  oder  „Fürstenweg“  über  die  „Winterleithe“,  die  „Kutten“, 
die  „Abschiedstanne“,  am  „Wilden  Mann“,  über  die  „Honigwiese“,  das 
„Rabenholz“,  als  „breiter  Weg“  und  „Kohlweg“  beim  Steinberg  vorbei  auf 
dem  Rücken  nördlich  des  „Göckelsbergs“  über  den  „Ameisberg“,  als  ,, Eisen- 
strasse“, bei  Zschopauthal  diesen  Fluss  durchfurthend,  über  die,,  Waldkirche“, 
Grünhainichen,  Borstendorf,  Eppendorf,  Langenau,  Freiberg  zuzustreben. 


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Der  Trassirung  nach  ist  auch  eine  Verbindung,  die  sich  mit  Zweigen 
an  die  Nachbarfurthen  Plaue  und  Falkenau  ansetzt,  um  fast  rein  südlich 
den  Anschluss  an  den  alten  Strassenknoten  auf  der  Hilmersdorfer  Höhe 
bei  Lauta  zu  suchen,  von  gleichem  Alter  wie  die  von  hier  abzweigende 
Gruppe  von  Gebirgsübergängen.  Dieser  Weg  läuft  über  „Schellenberg“,  den 
„Reuterberg“  nach  der  „Waldkirche“,  Börnichen  streifend,  über  die  „kalte 
Küche“,  den  ,, Donnersberg“  im  „Bornwald“,  am  „Zeisighübel“  und  der 
„Heinzebank“  vorbei. 

21.  Von  Freiberg  werden  die  ältesten  Wege  sich  an  die  vor  dem 
Aufkommen  Dresdens  vorhandenen  Wege  zunächst  angeschlossen  haben, 
also  an  die  Richtungen  von  Wilsdruff  über  Potschappel  oder  Plauen  nach 
Leubnitz,  Lockwitz,  die  übrigens,  was  noch  unerwähnt  geblieben  ist,  eine 
Tiaturgemässe,  anscheinend  alte  Fortsetzung  über  Gommern,  Mügeln  zur 
Elbfurth  Birkwitz,  über  ,, Lohecke“,  ,, steinerne  Brücke“,  ,, Lerchenberg“, 
Lohmen  bis  zum  Anschluss  an  Hohnstein  findet. 

Der  directeWeg  läuft  von  Freiberg  in  Richtung  Dresden  über  die  Mulden- 
furth bei  Halsbach  am  ,, Hammerberg“  über  Naundorf,  wo  die  Salzstrasse  (4c) 
östlich  nach  Dohna  abzweigt,  in  zwei  Parallelwegen:  westlich  über  das 
„Kellerbrückchen“,  als  ,, Fürstenweg“  am  ,,Tellhayn“  und  ,,Laux“  vorbei, 
als  ,, breiter  Weg“  neben  dem  ,, Ascherhübel“,  Spechtshausen,  als  „Hipweg“ 
über  Braunsdorf,  Kesselsdorf  zum  Anschluss  an  die  ältesten  Wege  nach 
Nisani  (11).  Der  östliche  Parallelweg  läuft  als  Chaussee  ausgehaut  über 
,, Mückensack“,  „Grüllenhurg“,  „gebrannte  Stein“,  ,,Borchelsberg“  als 
„Fürstenweg“  ebenfalls  nach  Braunsdorf  oder  als  „Holzstrasse  oder  Wald- 
weg“, Braunsdorf  nördlich  umgehend,  direct  nach  Kesselsdorf.  Beide 
Parallelwege  tragen  die  Kennzeichen  alter  Trassirung.  Bei  Borchelsberg 
zweigt  ein  Weg  ab,  der  als  „Jagdweg“,  „Winkelweg“  den  Schlot! tzgrund  nicht 
umgeht,  sondern  bei  Tharandt  durchquert  und  über  den  „Schlafberg“  als 
„hoher  Weg“  nach  Döhlen  zum  Anschluss  an  die  alte  Weisseritzfurth 
Potschappel  führt. 

Von  der  Dohnaer  Salzstrasse  (4c)  zweigt  bei  Obercunnersdorf  ein  Weg 
ab,  der  über  den  „Mückenberg“  an  der  ,, Geierswacht“  vorbei  über  die 
„Capelllinde“,  „Martersäule“,  „Weissenstein“,  Grossölsa,  neben  dem 
,, Lerchenberg“  nach  der  Anhöhe  die  „Laue“  bei  Börnichen  hinzieht, 
von  wo  er  sich  nach  den  Ortschaften  im  Gau  Nisani  verästelt,  dabei 
auch  einen  Zweig  über  den  „Käferberg“,  „Gohligberg“,  am  ,, Lerchenberg“ 
vorbei  über  den  Horkenberg,  den  Kaitzbach  umgehend,  oder  direct  über  den 
„Läuseberg“, ,, Thonberg“,  am  ,,Bothenberg“  vorbei  nach  Dresden  entsendend. 

Westlichere,  wohl  jüngere  Verbindungen  laufen  von  Freiberg  über  Hutha, 
Grund-Mohorn,  Herzogs walde,  Grumbach  nach  Kesselsdorf. 

Auch  der  Weg  von  Freiberg  über  Plankenstein,  der  sich  an  die 
Richtung  Wilsdruff-Eula-Nossen  hier  anschliesst,  ist  jünger  wie  diese 
Richtung  selbst  gegenüber  dem  älteren  Triebischthalübergang  bei  Munzig 
und  dem  wohl  noch  älteren  üebergang  bei  Roitschen  mit  den  alten  Local- 
namen Geiersberg,  Kuhberg,  Moderloch,  Schanze. 

22.  Jenseits  von  Dresden  theilen  sich  die  Wege  an  der  Priessnitz- 
furth,  zu  beiden  Seiten  des  ,, Meisenbergs“  (von  mezi  = zwischen?)  westlich 
nach  Radeberg  am  „Brodberg“,  „Hengstberg“,  „Erzberg“,  „Dachsenberg“ 
vorbei  nach  Radeberg  und  weiter  nach  Bautzen,  östlich  über  den  weissen 
Hirsch,  Quohren,  als  „alte  Poststrasse“  über  Possendorf  nach  Stolpen  oder 
Bischofswerda  und  Bautzen  führend. 


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Zu  erwäliüen  ist  der  „Bischofsweg“  von  Meissen  über  Klipphausen, 
der  bei  Briesnitz  die  Elbe  übersetzt,  Dresden  umgeht  und  die  Priessnitz 
etwa  300  m nördlich  des  vorigen  Weges  durchfurthet,  sich  auch  in  diesem 
Abstand  nördlich  parallel  der  alten  Badeberger  Strasse  hinzieht,  hinter 
dem  Brodberg  sich  mit  dieser  auf  eine  Strecke  vereinigt,  sie  vor  der 
,, Hengstbrücke“  verlässt,  als  ,,Haackschaar  oder  Bischofsweg“  hinzieht  und 
über  Ullersdorf  mit  dem  ,,Todtberg“  kurz  vor  Wilschdorf  die  Haupt- 
strasse erreicht. 

Welche  Bedeutung  die  Dresdener  Elbfurth  vor  der  Verlegung  des 
Markgrafensitzes  dahin,  also  in  ältesten  Zeiten  gehabt  hat,  ist  schwer  zu 
construiren.  Der  sich  westlich  der  Priessnitz  bis  dicht  an  die  Elbe  ziehende 
leicht  gangbare  Landrücken  wird  einen  Uebergang  an  dieser  Stelle  von 
jeher  begünstigt  haben,  deshalb  werden  die  Wegrichtungen  Dresden- 
Scheunhöfe-Hechts  Weinberg  oder  Wilder  Mann-Boxdorf-Kr  eyer  und  weiter, 
sowie  Dresden-Königsbrücker  Strasse-Reiterexerzirplatz-Klotzsche,  am ,, Eier- 
busch“ und  5, hohen  Berge“  vorbei  über  Gommlitz,  Lausa  nach  Okrilla 
und  weiter  aus  ältester  Zeit  stammen,  ebenso  wie  die  erwähnten  Zweige 
nach  Radeberg  und  Quohren,  sowie  endlich  die  Seitenzweige,  die  der  unter 
2 c erwähnte  ostelbische  Parallelweg  (nördlich  Dresden  Rennsteig  genannt) 
nach  der  Dresdener  Furth,  insbesondere  von  Kötzschenbroda  und  Rade- 
beul ausgesendet  hat. 


Wenn  wir  die  vorstehende  knapp  gefasste,  nur  durch  Stichworte  be- 
zeichnete  Darstellung  des  Wegnetzes  in  Sachsen  und  seiner  Anschlüsse 
in  der  Zeit  von  800  bis  1200  überblicken,  so  ist  sofort  zu  erkennen,  dass 
dieser  erste  Versuch  nichts  Abgeschlossenes  bieten  kann.  So  manche  alte 
Wege,  die  sich  von  selbst  aufdrängen,  liegt  nur  einmal  das  Hauptgerüst 
fest,  sind,  um  nicht  zu  weitläufig  zu  werden,  unbenannt  geblieben,  andere 
haben  wieder  gelegentlich  Aufnahme  gefunden,  obschon  sie  wahrscheinlich 
der  unmittelbar  folgenden  Periode  etwa  1200  bis  1400  angehören.  Nirgends 
wird  aber  das  Gegebene  in  Widerspruch  mit  dem  im  Specialkartenbilde 
niedergelegten  thatsächlichen  topographischen  Material,  noch  mit  den  spär- 
lichen historischen  Notizen  stehen.  Zu  dem  bisher  Bekannten  und  Ver- 
öffentlichten neu  hinzu  treten  aber  die  Ergebnisse  der  sozusagen  natur- 
wissenschaftlichen Forschungsmethode,  die  gewonnen  sind  durch  Beachtung 
der  urzeitlichen  Wegtrassirungsgrundsätze  und  Heranziehung  der  Local- 
namen. Freilich  liegt  ausreichendes  Material  zu  solchen  Studien  nur  in 
der  von  Oberreit  veröffentlichten  vortrefflichen  kursächsischen  Landes- 
aufnahme aus  der  Zeit  um  1780  vor,  während  für  das  anstossende  Gebiet 
die  österreichische  Karte  in  1:75000  und  die  Reichskarten  in  1:100000 
zwar  schätzbare  Angaben  enthalten,  aber  bei  weitem  nicht  jenen,  bis  in 
die  kleinsten  Einzelheiten  dringenden  Aufschluss  gewähren  wie  der  Ober- 
reit’sche  Atlas.  Im  nordwestlichen  fruchtbaren  Tieflande  wird  cfie  Forschung 
überdies  beeinträchtigt  durch  die  seit  etwa  1830  vorgenommenen  Zusammen- 
legungen und  die  damit  verbundene  Störung  des  alten  Wegnetzes.  Für 
diese  aussersächsischen  Gegenden  müsste  man  daher  bei  specieller  Be- 
arbeitung auf  älteres  Specialkartenmaterial  zurückgehen. 

Auf  der  beigegebenen  Kartenskizze  sind  Ortsnamen  und  Localnamen 
so  weit  eingetrp^gen,  dass  eine  Auffindung  der  benannten  Wegrichtungen 
möglich  ist.  Zur  Erleichterung  der  Aufsuchung  enthält  die  Skizze  die  im 

* 


50 


Text  gebrauchte  Nummerirung  des  Wegnetzes.  Etwas  willkürlich  und 
in  Folge  dessen  der  Kritik  unterworfen  ist  die  Abstufung  der  Wege,  die 
aber  nicht  wohl  entbehrt  Averden  kann,  soll  die  üebersichtlichkeit  einer 
Kartenskizze  nicht  ganz  verloren  gehen.  Die  gegebenen  Wegstrecken 
selbst  nebst  den  im  Text  genannten,  entlang  derselben  vorkommenden 
Localnamen  sind  jedoch  sämmtlich  den  Specialkarten  entnommen.  Eine 
Meinungsverschiedenheit  kann  nur  darüber  entstehen,  ob  die  getroffene 
Auswahl  und  Combination  der  einzelnen  Wegstrecken  die  w^ahr- 
scheinliche  ist.  Zahlreiche  Wege  von  unzAveifelhaft  hohem  Alter  Hessen 
sich,  Avie  bereits  erwähnt,  noch  Zwischenschalten;  hier  handelte  es  sich 
aber  darum,  zunächst  ein  Gerüst  zu  gewinnen,  die  entscheidenden,  richtungs- 
weisenden Hauptverkehrszüge  festzulegen  und  den  Anlass  zu  geben  zur 
Ausgestaltung  einer  Verkehrskarte  jener  ZAvischen  Vorzeit  und  Jetztzeit 
stehenden  kritischen  Epoche,  einer  Karte,  die  zugleich  eine  brauchbare 
Vorarbeit  für  die  zukünftige  Culturkarte  jener  Zeit  abgeben  Avürde. 

Im  Anschlüsse  an  die  vorstehenden  Ausführungen  ist  kurz  eines  Um- 
standes zu  gedenken,  der  bei  einer  sozusagen  naturwissenschaftlichen 
Untersuchung  der  ältesten  Wege  Beachtung  verdient:  das  Verhältniss  der 
Wegzüge  zu  den  Flurgrenzen  und  zu  dem  Liniensystem  der  Flurein- 
theilung.  Dass  die  ältesten  Wohnplätze,  Schutzanlagen,  Marktstätten  in 
innigster  Beziehung  zum  ältesten  Wegnetz  stehen  müssen,  ist  bereits  aus- 
geführt worden;  in  dieser  Hinsicht  lieferte  die  benutzte  Quelle  ausgiebige 
Anhaltspunkte,  sie  lässt  jedoch  völlig  im  Stich  bezüglich  der  Grenzlinien. 
Diesen  Mangel  der  deutschen,  sonst  so  trefflichen,  amtlich -militärischen 
Kartographie  sollen  die  in  Veröffentlichung  begriffenen  ,, Grundkarten“  in 
1:100000  mit  Flurgrenzlinien  beseitigen;  indessen  ist  deren  Fertigstellung 
noch  nicht  so  Aveit  fortgeschritten,  dass  grössere  zusammenhängende  Ge- 
biete bearbeitet  werden  könnten  und  ausserdem  bietet  die  Verschiedenheit 
der  Verjüngungen  und  die  Kleinheit  des  Massstabes  der  „Grundkarte“ 
Schwierigkeiten  dar,  die  sich  der  genaueren  Erkenntniss  der  relativen  Lage 
der  Wegzüge  zu  den  Grenzlinien  entgegenstellen.  Dass  diese  relative 
Lage  von  ausschlaggebender  Bedeutung  für  die  Erkenntniss  des  relativen 
Alters  von  Grenze  und  Weg  ist,  leuchtet  sofort  ein,  wenn  wir  unsere 
modernen  Verkehrswege,  die  Eisenbahnen  vergleichen,  wie  sie  rücksichtslos 
das  vorhandene  Netz  von  Parzellengrenzen  durchschneiden,  wie  sich  ihnen 
aber  die  späteren  Zufahrtsstrassen  und  Stadtviertel  auf  das  Genaueste 
anpassen. 

Eine  wirklich  werthvolle  Bereicherung  der  analytischen  Mittel,  von 
denen  wir  bisher  neben  den  vereinzelten  kurzen  historischen  Ueberlieferungen 
die  thatsächlich.  in  die  Landesfläche  eingegrabenen,  in  der  Specialkarte 
festgehaltenen  Wegspuren,  die  Siedelungen  und  vorgeschichtlichen  Funde, 
die  Wegnamen,  die  nachbarlichen  Localnamen  und  die  Trassirungsweise 
angewendet  haben,  lässt  sich  nur  gewinnen  durch  Zurückgreifen  auf  die 
Flur  karten  selbst.  So  weit  gehende  Forschungen  erfordern  aber  eine 
längere,  ausschliessliche,  amtlich  unterstützte  Beschäftigung  mit  diesem 
Gegenstände;  schon  heute  darf  aber  wohl  vorausgesagt  werden,  dass  diese 
dritte  und  letzte  Etappe  in  der  Wegforschung  in  absehbarer  Zeit  gelegentlich 
der  bevorstehenden  Studien  über  die  örtlichen  Einzelheiten  der  Entwickelung 
der  Flureintheilung  erreicht  werden  wird.  Vorläufig  gilt  es,  über  die  von 
den  Historikern  bearbeiteten  Zusammenstellungen  des  geschichtlichen 
Materials  und  die  beigegebenen,  mehr  graphischen  Darstellungen  als  wirk- 


51 


liehen  Landkarten  ähnelnden  linearen  Versinnlichungen  des  historischen 
Materials  hinauszugehen  und  nach  der  naturwissenschaftlichen  Methode 
wahrscheinliche  Karten  der  Niederschläge  des  Verkehrslehens  der 
jeweiligen  Epochen  zu  entwerfen  und  kritisch  zu  verbessern,  in  ähn- 
licher Weise,  wie  sie  uns  die  Geologie  aus  weit  älteren  Perioden  ohne 
Anhaltspunkte  an  historischen  Daten  von  der  Gestaltung  der  Erdoberfläche 
selbst  in  immer  wachsender  Vollendung  darbietet. 

Die  wirksamste  Förderung  aller  derartigen  culturgeschichtlichen 
Arbeiten  würde,  wie  angedeutet,  die  Veranstaltung  von  weiteren  Kreisen 
zugänglichen  Abdrücken  des  Oberreit’schen  Atlas  des  Königreichs  Sachsen 
sein.  Sind  die  örtlichen  wissenschaftlichen  und  auch  touristischen  Vereine 
im  Besitze  der  ihr  Gebiet  betreffenden  Kartensectionen,  so  ist  ihnen  treff- 
liches Material  und  Anregung  zur  eingehenden  weiteren  Durcharbeitung 
der  hier  behandelten  und  anderer  culturhistorischen  Fragen  gegeben  und 
mancher  Wanderlustige  wird  nicht  nur  das  malerische  Waldthal,  den  aus- 
sichtsreichen Gipfel,  sondern  auch  die  seitabliegenden,  aber  durch  Alter 
und  Geschichte  ehrwürdigen  Pfade  als  Zielpunkte  wählen  und  ein  im 
eigentlichen  Wortsinne  „Bewanderter“  in  unseres  Volkes  und  Landes  Ver- 
gangenheit werden. 


Berichtigungen  und  Zusätze. 

In  der  Karte  hat  zu  stehen:  Alte  Strasse  für  Allenstrasse  nördlich 
Löbau,  Kiesenberg  für  Kiesenburg,  Püchau  für  Pücha,  Fribus  für  Frühbuss 
südlich  Schöneck,  Tauerstein  für  Jauerstein  östlich  Penig. 

Der  Weg  Zit  tau -Gabel  läuft  nicht  über  die  Kuhbrücke,  sondern  über 
die  Hospitalbrücke. 

Zu  den  auf  optische  Signale,  Feuerzeichen  hinweisenden  Local- 
namen ist  wahrscheinlich  zu  rechnen  der  „Blitzberg“  südw'estlich  Eilen- 
burg und  der  „Blitzenberg“  südlich  Johnsdorf  bei  Zittau. 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Glesellschaft 

MS 


in  D r e s d e n. 


1901. 


V.  Die  Verkieselung-  der  Gesteine  in  der  nördlichen 

Kalahari. 


Mittheilung  aus  dem  Königlichen  Mineralogisch -Greologischen  Museum 
nebst  der  Prähistorischen  Sammlung  in  Dresden. 

Von  Prof.  Dr.  Ernst  Kalkowsky. 

(Mit  drei  Tafeln.) 


I.  Salzpelit  und  seine  Kruste. 

A.  Der  Salzpelit. 

B.  Die  Kruste  des  Salzpelites. 

C.  Genetisches, 

II.  Kalahari  - Kalk. 

III.  Botletle  - Schichten. 

A.  Methoden  der  Untersuchung. 

B.  Gesteinsreihen. 

C.  Gemengtheile. 

D.  Structur. 

IV.  Benaka  - Schichten. 

V.  Uebergangsgesteine. 

VI.  Ngami-Schichten  südlich  und  südöstlich  vom  Ngami-See. 

A.  Kieselige  Grauwacke. 

B.  Kalkstein  und  Mergel. 

O.  Dolomit. 

D.  Contactmetamorpher,  granathaltiger  Kalkstein. 

E.  Kalkstein -Breccie. 

F.  Rothsandstein. 

G.  Ssakke-Sandstein. 

VII.  Ngami- Schichten  der  Kaikai- Berge. 

VIII.  Dolomite  von  Garn. 

IX.  Chanse  - Schichten. 

X.  Eruptive  Gesteine. 

Erläuterung  der  Tafeln. 


1.  In  den  Jahren  1896  bis  1898  durchforschte  Herr  Dr.  Siegfried  Passarge 
in  Steglitz  bei  Berlin  das  Ngami-Land  in  Süd-Afrika  in  geographischer 
und  geologischer  Hinsicht,  ür  wird  über  die  Ergebnisse  seiner  Reisen  in 
einem  grösseren  Werke  Bericht  erstatten;  bis  jetzt  liegen  von  ihm  nur 
vor  sein  am  8.  April  1898  in  Berlin  in  der  Gesellschaft  für  Erdkunde  ge- 
gebener Bericht  „Reisen  im  Ngami-Land“  in  den  Verhandlungen  der  Ge- 
sellschaft, Bd.  XXVI,  1899,  No.  4 mit  einer  Kartenskizze,  ein  Vortrag  „Die 
Hydrographie  des  nördlichen  Kalahari-Beckens“  in  den  Verhandlungen  des 


56 


YII.  Internationalen  Geographen-Congresses  in  Berlin,  1900,  mit  einer  Karte, 
und  eine  Abhandlung  „Beitrag  zur  Kenntniss  der  Geologie  von  Britisch- 
Betscliuana-Land“,  Zeitschrift  der  Gesellschaft  für  Erdkunde  zu  Berlin, 
Bd.  XXXVI,  1901,  mit  5 Tafeln.  Das  Gebiet  seiner  Reisen  lässt  sich  durch 
das  Dreieck  Palapye  - Gobabis  - Andara  begrenzen.  Die  Entfernungen  auf 
der  Karte  betragen  von  der  jetzigen  Eisenbahnstation  Palapye  (ungefähr 
27^  20'  ö.  L.  V.  Gr.  und  22®  40'  s.  Br.)  bis  Gobabis  in  Deutsch-Süd- West- 
Afrika  (19®  ö.  L.  und  22®  20'  s.  Br.)  ungefähr  800  km,  von  Gobabis  bis 
Andara  am  Okavango  (21®  30  ö.  L.  und  18®  s.  Br.)  in  Deutsch-Süd-West- 
Afrika  ungefähr  750  km  und  von  Andara  bis  Palabye  ungefähr  750  km. 
Der  Ngami-See  liegt  so  ziemlich  in  der  Mitte  dieses  Gebietes,  das  als 
nördliche  Kalahari  seit  der  Diluvialzeit  der  Umwandlung  in  eine  Sand- 
steppe immer  mehr  anheimfällt. 

2.  Ueber  die  geologischen  Verhältnisse  dieses  Gebietes  der  nördlichen 
Kalahari  schreibt  mir  Herr  Dr.  Passarge  Folgendes: 

,,Die  Hochfläche  des  südafrikanischen  Continentes  ist  eine  ausgedehnte 
Ebene,  die  sich  allmählig  von  Westen  nach  Osten  hinsenkt  und  nur  ge- 
ringe Niveauunterschiede  zeigt,  einige  isolirte  Bergketten  ausgenommen. 
Im  Westen  wird  sie  von  den  hohen  Gebirgen  des  Damara-Landes  überragt, 
die  den  Rand  des  Plateaus  bilden;  im  Osten  dagegen  endet  die  Hochfläche 
mit  einem  scharfen  Plateaurand,  der  zu  dem  Tschobe-  und  Sambesi-Thal, 
dem  Schollenland  des  Betschuanen-Landes  und  der  Limpopo-Ebene  hin  steil 
abfällt.  Nördlich  des  Malopo,  der  nach  Westen  hin  in  die  Kalahari  hin- 
einfliesst,  endet  das  Plateau  in  nicht  näher  bekannter  Weise.  In  der  Mitte 
dieses  langen  von  Nord  nach  Süd  streichenden  Plateaus  Anden  wir  an 
seinem  östlichen  Rande  eine  deutliche  Einsenkung,  die  Maklautsi- Pforte. 
Sie  vermittelt  den  Uebergang  zwischen  den  Makarikari -Pfannen,  der  tiefsten 
Stelle  des  nördlichen  Kalahari-Beckens,  und  der  Limpopo-Ebene. 

In  dem  Plateau  haben  wir  in  geologischer  Hinsicht  zwei  verschiedene 
Componenten  zu  unterscheiden,  das  Grundgebirge  und  die  Deckschichten. 

A.  Das  Grundgebirge  besteht  aus  drei  verschiedenen  Formationen: 

1.  Die  archäische  Formation  — Gneisse,  Granite,  alte  krystalline 
Schiefer  und  Eruptivgesteine  — setzt  den  grössten  Theil  des  östlichen 
(Maschona-Matabele-Land,  Transvaal)  und  westlichen  (Damara-  und  Nama- 
Land)  Randgebirges  zusammen.  Auf  der  Hochfläche  wurde  sie  nur  bei 
Okwa  (Granite  und  Gneisse)  und  in  den  Tschorilo-Bergen  (glimmerreiche 
Quarzschiefer)  gefunden. 

2.  Die  Chanse-Schic Ilten  bestehen  aus  alten  Grauwacken,  Grau- 
wackensandsteinen und  Sandsteinen.  Untergeordnet  kommen  Kalksteine 
und  Schieferthone  vor.  Sie  sind  durchweg  steil  aufgerichtet,  durch  Ge- 
birgsdruck  transversal  zerklüftet  und  bilden  im  ganzen  Westen  der  nörd- 
lichen Kalahari  das  Grundgestein.  In  dem  Dreieck  zwischen  Oas  (West), 
Andara  (Nord),  Chaina-Feld  (Ost)  dominiren  sie  vollständig.  Ihrem  Alter 
nach  sind  sie  wahrscheinlich  den  Swasi- Schichten  Transvaals  und  den 
Malmesberg-Schichten  des  Kaplandes  gleichzustellen. 

Während  der  Periode  der  Chanse- Schichten  fand  die  Eruption  der 
Totin -Diabase  statt,  die  durch  starke  Epidotisirung  ausgezeichnet  sind. 
Nach  der  Gebirgsbildung,  die  der  Ablagerung  der  Chanse-Schichten  folgte, 
drangen  die  Quarzporphyre  der  Mabale-a-pudi-,  der  Monekau-  und  Kwebe- 
Berge  südlich  vom  Ngami-See  auf  längerer  Bruchspalte  hervor. 


57 


3.  Die  Ngami-Schichten  liegen  als  Schollen  zwischen  den  aufge- 
richteten Chanse-Schichten.  Wo  sie  vollständig  entwickelt  sind,  bestehen 
sie  aus  drei  Stufen:  a)  Untere  Ngami-Schichten  — Sandsteine,  Grauwacken 
und  Conglomerate;  b)  Mittlere  Ngami-Schichten  — Kalksteine,  Dolomite, 
Kalkmergel  und  Kalksandsteine;  ein  auffallend  schneller  Facieswechsel  ist 
für  diese  Gruppe  charakteristisch;  c)  Obere  Ngami-Schichten  — Sandsteine, 
Conglomerate,  Grauwacken, 

Die  Ngami-Schichten  sind  den  Kap-Schichten  gleichzustellen,  die  eben- 
falls in  drei  Glieder  zerfallen ; unten  liegt  der  Tafelberg-Sandstein,  in  der 
Mitte  liegen  die  Bokkeveld- Schiefer  und  der  Malmami-Dolomit,  oben  die 
Zuurberg-  oder  Ghatsrand-Schichten. 

Die  Ngami-Schichten  finden  sich  local  als  Schollen  zwischen  Grau- 
wacken an  dem  Südufer  des  Ngami-Sees  und  im  Schadum-Thal.  Ausge- 
dehnte Ablagerungen  bilden  sie  im  Gebiet  der  Kaikai-Berge  bis  nach  Garn 
hin  und  bei  Gobabis.  In  ersterem  Gebiet  sind  sie  nur  als  Dolomite  und 
Kalke  entwickelt,  bei  Gobabis  aber  in  typischer  Dreitheilung.  Ein  isolirtes 
Vorkommen  finden  wir  in  der  kleinen  Makarikari-Pfanne  westlich  Ntscho- 
kutsa  (25^  ö.  L.);  dort  tritt  ein  für  die  mittleren  Ngami-Schichten  charak- 
teristisches Gestein  am  Boden  des  Pfannenrandes  zu  Tage. 

Im  Mangwato-Land  finden  wir  zwischen  dem  Kalahari-Plateau  und 
Palapye  eine  Formation  entwickelt,  die  höchst  wahrscheinlich  ebenfalls  den 
Kap-Schichten  gleichzustellen  ist,  und  die  Mangwato -Schichten  genannt 
werden  mag.  Sie  sind  in  typischer  Dreitheilung  entwickelt:  unten  dickbankige 
quarzitische  Sandsteine  (Palapye-Sandstein),  in  der  Mitte  sandig-thonige 
Schiefer  (Lotsani-Schiefer),  oben  mürbe,  dickbankige  Sandsteine  (Ssakke- 
Sandstein). 

Am  Ende  der  Zeit  der  Ablagerung  der  Ngami-Schichten  erfolgten  er- 
hebliche tektonische  Bewegungen,  die  von  der  Eruption  der  gangförmig 
auftretenden  Ngami-Aphanite  begleitet  wurden.  Im  Mangwato-Land  er- 
goss sich  eine  gewaltige  Decke  von  Mandelstein  (Loale-Mandelstein)  über 
die  Mangwato-Schichten. 

Es  scheint  nach  jener  Periode  im  heutigen  Kalahari-Becken  ein  Ge- 
birgsland  bestanden  zu  haben,  das  im  Laufe  der  folgenden  Zeiten  eine 
gründliche  Denudation  erlitt  und  zwar  zur  Zeit  der  permo-triassischen 
Karroo-Schichten.  Wenigstens  finden  wir  von  den  letzteren  in  unserem 
Gebiete  keine  Spur.  Die  Denudation  bewirkte  anscheinend  die  Bildung 
einer  grossartigen  Denudationsebene,  peneplaine.  Bis  auf  eingeklemmte 
Schollen  fielen  die  Ngami-Schichten  der  Abtragung  zum  Opfer.  Das  Re- 
sultat des  Processes  war  die  Bildung  des  plateauförmigen,  complicirt  aus 
Schollen  zusammengesetzten  Grundgerüstes  des  heutigen  Süd-Afrika. 

B.  Die  Deckschichten  sind  auf  der  Denudationsfläche  des  alten 
Gebirgslandes  zur  Ablagerung  gelangt.  Diese  jungen  Schichten  lassen  sich 
in  zwei  Gruppen  gliedern. 

1.  Die  Botletle-Schichten  sind  vorwiegend  Sandsteine  mit  kiese- 
ligem  Gement,  von  oft  glasglänzendem  Aussehen,  die  dickbankige  klobige 
Massen  bilden.  Daneben  kommen  aber  auch  gut  gebankte  Sandsteine 
ohne  „glasiges“  Gement  vor.  Die  Botletle-Schichten  sind  über  das  ganze 
nördliche  Kalahari-Becken  hin  verbreitet.  Am  östlichen  Rande  des  Kala- 
hari-Plateaus brechen  sie  mit  steilem  Abfall  ab  (Loale  bis  Mohissa).  Sie 
bilden  den  Untergrund  der  östlichen  Kalahari  bis  Tlakani,  finden  sich  im 
ganzen  Botletle-Thal  und  am  Südrande  des  Ngami-Sees,  liegen  in  Schollen 


58 


auf  den  Chanse-Schichten  des  Clianse-Feldes  und  reichen  westwärts  bis  nach 
Oas  und  anscheinend  bis  nahe  an  Windhoek  heran.  Im  Kaukau-Feld  und 
an  den  Popa-Fällen  des  Okavango  haben  sie  dieselbe  Lagerung  und  Ge- 
steinsbeschaffenheit wie  im  Süden. 

Als  besondere  Ausbildung  der  Botletle-Schichten  sind  aufzufassen  die 
Refiaka-Schichten  und  die  Pfannen-Sandsteine. 

a)  Die  Renaka-Schichten  sind  Sandsteine  vom  Typus  der  Botletle- 
Schichten,  die  sich  in  der  Ebene  zwichen  Renaka  und  Litutwa  an  der 
Südseite  des  Ngami-Sees  finden  und  nur  eine  besonders  mächtige  Aus- 
bildung der  untersten  Partien  der  Botletle-Schichten  vorstellen.  Sie  liegen 
dort  über  den  Chanse-Grauwacken,  und  zwar  sind  die  zu  unterst  befind- 
lichen Bänke  mit  eckigen  Bruchstücken  der  Grauwacken  erfüllt.  Dasselbe 
kann  man  überall  beobachten,  wo  Botletle-Schichten  auf  dem  Grundgestein 
liegen,  so  z.  B.  in  den  zahlreichen  Pfannen  des  Chanse-Feldes,  deren  Boden 
von  Botletle-Schichten  gebildet  wird.  Es  handelt  sich  hier  anscheinend 
nicht  um  eine  transgredirende  Formation  mit  Abrasion,  sondern  um  eine 
auf  primärer  Denudationsfläche  in  flachen  Seebecken,  vielleicht  auch  nur 
in  Sümpfen  abgelagerte  Schichtenreihe,  Dabei  bestehen  die  untersten 
Glieder  aus  infiltrirtem  und  verkittetem  Schutt  des  liegenden  Gesteins, 
vielleicht  Wüstenschutt. 

h)  Die  Pfannen-Sandsteine:  nach  oben  hin  werden  die  Botletle- 
Schichten  kalkreicher,  kieseliges  Gement  tritt  neben  kalkigem  auf.  In  vielen 
Fällen  wird  nun  letzteres  so  vorherrschend,  dass  uns  reine  Kalksandsteine 
entgegentreten.  Letztere  bilden,  wo  sie  vorhanden  sind,  stets  das  oberste 
Glied  der  Botletle-Schichten  und  zwar  vermitteln  sie  am  Botletle  selbst 
direct  den  Uebergang  zu  der  unteren  Abtheilung  der  Kalahari-Schichten, 
dem  Kalahari-Kalk.  Die  Pfannen-Sandsteine  bilden  in  sehr  vielen  Fällen 
den  Boden  und  die  wasserhaltende  Schicht  in  der  Kalahari. 

Das  Alter  der  Botletle-Schichten  ist  nicht  festzustellen,  wahrscheinlich 
sind  es  aber  relativ  junge  Ablagerungen  von  vielleicht  tertiärem  Alter. 

Interessant  und  wichtig  ist  es,  dass  ein  Theil  der  kieseligen  Botletle- 
Schichten  an  der  Oberfläche  in  zelligen  Brauneisenstein  — Laterit  von 
tertiärem  Alter  — verwandelt  worden  ist.  Die  grosse  Ausdehnung  dieser 
Lateritdecke  wird  durch  folgende  Fundorte  genügend  charakterisirt:  Plateau- 
rand Loale-Mohissa,  Oas,  Popa-Fälle;  wahrscheinlich  liegen  Botletle-Schich- 
ten mit  Laterit  auch  an  den  Victoria-Fällen  des  Sambesi. 

2.  Die  Kalahari-Schichten  schliessen  sich  unmittelbar  an  die 
Pfannen-Sandsteine  an.  Sie  zerfallen  in  den  Kalahari-Kalk  und  den  Kala- 
hari-Sand. 

a)  Die  Kalahari-Kalke  sind  sandige  oder  sandarme  Kalke,  die  in 
grosser  Zahl  Conchylien  enthalten,  die  mit  den  Arten  der  jetzigen  Oka- 
vango-Sümpfe  vollständig  identisch  sind;  sie  dürften  also  höchstens  dilu- 
vialen Alters  sein.  Sie  bedecken  den  grössten  Theil  des  nördlichen  Kala- 
hari-Beckens und  werden  selbst  überlagert  von  dem 

b)  Kalahari-Sand,  einem  fein-  bis  mittelkörnigen  Sande. 

Es  dürfte  sich  der  Nachweis  führen  lassen,  dass  die  Kalahari-Kalke 
zum  grössten  Theile  Ablagerungen  in  Sümpfen  sind,  und  dass  der  Kala- 
hari-Sand die  Ausfüllungsmasse  jener  Sümpfe  durch  Flusssande  ist. 

Wir  haben  nun  zweierlei  recente  Ablagerungen,  die  mit  den  Gliedern 
der  Deckschichten  zu  vergleichen  sind.  Einmal  haben  wir  in  den  Oka- 


59 


vango-Sürapfen  und  in  den  vom  Botletle  gespeisten  Becken  der  grossen 
Makarikari-Pfannen  Ablagerungen  von  Kalktuff  und  kalkreichen  Sanden  — 
sie  entsprechen  den  Kalahari-Kalken,  sodann  aber  finden  sich  in  zu-  und 
abflusslosen  Becken  des  Makarikari-Gebietes  — Ntschokutsa,  kleine  Makari- 
kari-Pfanne  — ganz  eigenthümliche  kieselsäurereiche  Ablagerungen,  die  an 
der  Oberfläche  zu  harten  Chalcedonmassen  erstarrt  sind  und  in  vieler  Be- 
ziehung Aehnlichkeit  mit  den  kieseligen  Sandsteinen  der  Botletle-Schichten 
haben,  so  dass  man  vielleicht  berechtigt  ist,  auch  für  die  entsprechenden 
älteren  Formationen  ähnliche  Bildungsverhältnisse  anzunehmen“. 

3.  Herr  Dr.  Passarge  übergab  mir  gegen  400  Nummern  Gesteine  aus 
diesem  Gebiete  — weitere  Sammlungen  sind  leider  vielleicht  endgültig  ver- 
loren gegangen  — zur  Durchsicht  seiner  Bestimmungen.  Das  schien  an- 
fangs eine  leichte  Arbeit,  da  es  sich  fast  nur  um  Grauwacken,  Sandsteine 
und  Kalksteine  handelte.  Allein  die  flüchtige  Untersuchung  der  Handstücke 
und  einer  Anzahl  Dünnschliffe  ergab  bald  so  eigenartige  und  schwierige 
Verhältnisse,  dass  zu  der  genauesten  und  eingehendsten  Untersuchung  ge- 
schritten werden  musste.  Es  stellte  sich  heraus,  dass  bei  der  Bildung 
und  Umbildung  der  meisten,  namentlich  aber  der  jüngeren  sedimentären 
Gesteine  Vorgänge  eine  Bolle  gespielt  haben,  die  meines  Wissens  bisher 
noch  nicht  genauer  untersucht  worden  sind.  Das  vorliegende  Material  bot 
aber  weiter  noch  den  grossen  Vortheil,  dass  hier  recente  Bildungen  Vor- 
lagen, die  für  die  Deutung  älterer  von  wesentlichem  Belange  sind. 

Sedimentäre  Gesteine  zu  untersuchen,  die  man  nicht  selbst  geschlagen 
hat,  ist  eine  besonders  heikle  Sache;  soweit  wie  irgend  möglich  wurden 
die  Schwierigkeiten  durch  mehrere  Conferenzen  mit  Herrn  Dr.  Passarge 
in  Dresden  und  in  Steglitz  zu  beseitigen  gesucht.  Doch  blieben  immer 
noch  Fälle,  in  denen  ich  auf  Grund  der  Untersuchungen  an  dem  Material 
eines  kleinen  Handstückes  zu  keinem  endgültigen  Kesultat  über  die  Natur 
des  Gesteins  oder  seine  Zugehörigkeit  zu  einem  bestimmten  Schichten- 
verbande  kommen  konnte.  Herr  Dr.  Passarge  wird  sich  in  seinen  Aus- 
arbeitungen auf  manche  Diagnosen,  die  ich  ihm  für  alle  Vorkommnisse 
zur  Verfügung  stelle,  stützen  und  dieselben  weiter  verwenden  können;  in 
dieser  Abhandlung  berücksichtige  ich  aber  nur  solche  Stücke,  bei  denen 
sich  zwischen  dem  geologischen  Feldbericht  und  der  mikroskopischen  u.  s.  w. 
Untersuchung  völlige  sichere  Uebereinstimmung  ergab. 

Die  Untersuchungen  der  Gesteine  waren  recht  schwierig  und  mühsam, 
und  nur  langsam  konnte  zur  Erkennung  des  wahren  Sachverhaltes  durch- 
gedrungen werden;  deshalb  wolle  man  aber  auch  erst  am  Schlüsse  der 
Arbeit  die  Ueberzeugung  erwarten,  dass  das  Richtige  getroffen  worden  ist. 
Manche  Verhältnisse  müssen  zunächst  ohne  strengen  Beweis  vorgeführt 
werden,  weil  sich  ein  Beweis  überhaupt  erst  aus  dem  Zusammenhang  er- 
giebt.  Ist  es  hier  doch  auch  meist  unmöglich,  Gesteinstypen  im  Einzelnen 
erschöpfend  zu  beschreiben  und  wegen  des  beständigen  Wechsels  der  Ge- 
steinsbeschaffenheit auch  überflüssig:  es  sollen  die  einzelnen  Phänomene 
im  Allgemeinen  und  die  Erscheinungsweise  der  Gesteine  im  Grossen  und 
Ganzen  geschildert  werden. 

4.  Die  Fundstätten  der  Gesteine  sollen  im  Folgenden  nur  gelegentlich 
angegeben  werden  unter  Andeutung,  wo  die  Localität  in  diesem  weiten 
Gebiete  zu  suchen  ist.  Auf  unseren  geographischen  Karten  fehlen  meist 
alle  hier  in  Frage  kommenden  Ortsbezeichnungen,  und  selbst  auf  den  an- 


60 


geführten  Kartenskizzen  des  Herrn  Dr.  Passarge  sind  sie  hei  dem  kleinen 
Massstabe  derselben  nicht  sämmtlich  verzeichnet.  Nach  Herrn  Dr.  Pas- 
sarge sind  in  dem  Gebiete  überhaupt  nur  Gaunamen  das  einzig  Sichere; 
gelegentlich  kommen  die  Namen  einzelner  Häuptlinge  als  Ortsangaben  zur 
Verwendung.  In  der  Orthographie  der  Namen  folge  ich  natürlich  Herrn 
Dr.  Passarge,  jedoch  unterdrücke  ich  alle  Schnalzlaute  der  ßuschmann- 
sprachen.  Die  Schreibweise  Ngami  ist  einmal  eingebürgert,  obwohl  das 
Wort  „Wasser  im  Allgemeinen“  in  der  Sprache  der  Hottentotten  bedeutend, 
gami  mit  einem  Schnalzlaute  vor  dem  g lautet;  was  bei  dem  einen  Namen 
allgemein  angenommen  ist,  kann  in  einer  geologischen  Abhandlung  auch 
für  andere  neueinzuführende  geographische  Bezeichnungen  billig  sein. 


I.  ^alzpelit  und  teilte  Kruste, 

5.  Südwestlich  von  dem  grossen  auf  unseren  Karten  verzeichneten 
Gebiete  der  Makarikari  (d.  h.  Salzpfannen)  liegen  nahe  an  dem  Rande  des 
Kalahari-Plateaus  noch  drei  kleine  Pfannen,  die  Passarge  auf  seiner  Reise 
berührt  hat.  Nur  von  einer  derselben,  der  Pfanne  von  Ntschokutsa,  hat 
er  von  einer  Stelle  das  derselben  eigenthümliche  Gesteinsmaterial  gesammelt, 
das  aber  auch  in  den  beiden  anderen  gefunden  wurde.  Den  Boden  der 
der  Ueberfluthung  jetzt  nur  periodisch  ausgesetzten  Pfanne  bildet  nämlich 
ein  Salzpelit  von  unbekannter  Mächtigkeit,  der  eine  dünne  harte  Kruste 
trägt.  Die  Kruste  ist  unzweifelhaft  secundär  aus  dem  Salzpelit  entstanden. 

Ich  erachte  es  für  zweckmässig,  die  allgemeine  und  unbestimmte  Be- 
zeichnung ,,Pelit“  zu  verwenden,  da  hier  zum  ersten  Male  eine  Unter- 
suchung dieser  offenbar  in  grosser  Masse  vorkommenden  Substanz  aus- 
geführt worden  ist.  Nach  einigen  Notizen  von  Dr.  E.  Holub  scheint 
dieselbe  Substanz  auch  in  dem  weiten  Gebiete  der  grossen  Salzpfannen 
der  Makarikari  vorzukommen.  Es  wird  vielleicht  die  Zeit  sein,  der  Sub- 
stanz einen  besonderen  petrographischen  Namen  beizulegen,  wenn  sie  ein- 
mal auch  von  anderen  Stellen  und  an  reichlicherem  Material  erforscht 
sein  wird. 

A.  Der  Salzpelit. 

6.  Der  Salzpelit  ist  in  trockenem  Zustande  eine  dichte,  weisse  bis 
ganz  lichtgrüne  Masse  von  geringem  specifischem  Gewicht;  er  ist  feinporös, 
hängt  an  der  Zunge  und  saugt  Wasser  auf.  Passarge  schnitt  Stücke  des 
feuchten  und  dann  noch  hellgelblich-braunen  Salzpelites  mit  dem  Messer 
heraus;  ausgetrocknet  aber  ist  die  Masse  ziemlich  fest,  sie  zerbröckelt  unter 
dem  Messer;  sie  färbt  nicht  ab,  fühlt  sich  nicht  wie  Thon  an,  sondern 
vielmehr  ganz  schwach  fettig  etwa  wie  Bol  oder  Saponit.  In  der  weissen 
Masse  stecken  unregelmässig  vertheilt  und  makroskopisch  sichtbar  Sand- 
körner und  Oolithkörner;  manche  der  vorliegenden  Stücke  sind  anscheinend 
frei  von  diesen  Beimengungen,  die  dem  Ganzen  eine  Art  porphyrischer 
Structur  geben.  Ferner  aber  ist  der  Salzpelit  in  allen  Proben  brecciös; 
es  liegen  in  einer  Grundmasse  bis  einige  Centimeter  im  Durchmesser  hal- 
tende und  viele  kleinere  Stücke  von  abweichendem  Farbentone  und  ab- 
weichender Festigkeit,  meist  aber  mit  scharfen  Kanten  und  deutlichster 
Bruchstücksform.  Die  genauere  Untersuchung  lehrt,  dass  alle  diese  Bruch- 
stücke auch  selbst  Salzpelit  sind  und  nur  zum  Theil  eine  von  der  Haupt- 


61 


masse  wenig  verschiedene  Zusammensetzung  haben.  Obwohl  nur  wenig 
Material  zur  Untersuchung  vorlag,  so  zeigt  dieses  doch  deutlichst,  dass 
Habitus  und  Beiinischungen  des  Gesteines  schnell  wechseln,  und  dass  die 
brecciöse  Structur  nicht  durch  Zusammenschwemmung  und  Ablagerung 
von  Brocken  entstanden  ist,  sondern  durch  eine  Zerstückelung  der  Masse 
in  situ,  wohl  bei  ihrer  Bildung  und  Umbildung  unter  Beihülfe  von  Salzen. 

7.  Die  Sandkörner  in  Salzpelit  erreichen  eine  Grösse  von  2 bis  3 mm 
im  Durchmesser;  die  meisten  sind  jedoch  unter  einem  Millimeter  dick, 
herab  bis  zu  sehr  geringen  Dimensionen.  Das  Material  ist  vorherrschend 
Quarz,  doch  finden  sich  auch  Körnchen,  die  als  Sandsteinbröckchen  auf- 
zufassen sind.  Dazu  kommen  harte  Körner  von  dichter  Beschaffenheit, 
die  als  Chalcedon  zu  deuten  sind,  eine  Bezeichnung,  die  erst  weiter  unten 
gerechtfertigt  werden  kann.  Es  mag  aber  noch  angegeben  werden,  dass 
diese  Chalcedonkörner  wesentlich  identisch  sind  mit  der  Substanz  der 
Kruste  des  Salzpelites.  Unter  den  Sandkörnern  kommen  auch  solche  von 
dichtem  Kalkstein  vor,  doch  ist  es  hier  manchmal  sehr  schwer  zu  ent- 
scheiden, ob  diese  Carbonatkörner  wirklich  Bruckstückchen  dichten  Kalk- 
steins sind,  oder  nur  missgestaltete  und  umgewandelte  Oolithkörner. 

8.  Bald  in  geringerer,  bald  in  grösserer  Menge  sind  in  dem  Salzpelit 
isolirte  Oolithkörner  vorhanden;  ihre  Gestalt  ist  kugelförmig  bis  wenig 
regelmässig,  ihre  Grösse  beträgt  am  häufigsten  nur  0,i  bis  0,5  mm,  doch 
sind  auch  grössere  bis  von  über  1 mm  Durchmesser  nicht  gerade  selten. 
Sie  bestehen  aus  lichtbräunlichem  Kalk  und  sind  nach  mikrochemischer 
Analyse  frei  von  Magnesia.  Die  mikroskopische  Untersuchung  lehrt,  dass 
sie  die  gewöhnliche  radiale  und  concentrisch-schalige  Structur  besitzen 
und  nicht  selten  einen  fremden  Kern  enthalten.  Löst  man  die  Oolith- 
körner in  stark  verdünnter  Salzsäure  langsam  auf,  so  bleibt  ein  Skelett 
von  feinstem  Thon  von  der  Form  der  Oolithkörner  übrig,  das  zwar  locker, 
aber  lückenlos  ist:  die  Oolithkörner  enthalten  gleichmässig  in  ihrer  ganzen 
Masse  feinsten  Thon,  der  wohl  wirklicher  Thon,  nicht  etwa  Salzpelit  ist. 
Mir  stand  nicht  genügend  Material  zur  Verfügung,  um  eine  genauere  che- 
mische Prüfung  des  Lösungsrückstandes  vorzunehmen. 

Besonders  auffällig  ist  das  verhältnissmässig  häufige  Vorkommen  von 
halbirten  Oolithkörnern  im  Salzpelit;  diese  halben  Körner  und  noch  kleinere 
Bruchstücke  zeigen  unter  dem  Mikroskop  dieselbe  Beschaffenheit  und  Struc- 
tur wie  die  ganzen  vollständigen  Oolithkörner.  Es  dürfte  ihre  Zerstücke- 
lung durch  krystallisirende  Salze  herbeigeführt  worden  sein.  Auch  in  den 
norddeutschen  Rogensteinen  kommen  solche  halbirten  Oolithkörner  mit 
noch  weiteren  interessanten  Erscheinungen  vor;  ich  werde  darüber  in  kurzem 
in  einer  anderen  Abhandlung  berichten  und  dann  Gelegenheit  haben,  auch 
auf  diese  afrikanischen  recenten  Oolithkörner  näher  einzugehen. 

Im  Salzpelit  spielen  die  Oolithkörner  nur  die  Rolle  der  allothigenen 
Sandkörner;  oolithische  Gesteine  oder  auch  nur  vereinzelte  Oolithkörner 
kommen  sonst  nirgends  in  der  nördlichen  Kalahari  vor. 

9.  Nicht  selten  sinken  die  Bruchstücke  von  Oolithkörnern  zu  recht 
geringen  Dimensionen  hinab;  aber  dennoch  scheint  es,  dass  die  im  Salz- 
pelit überdies  noch  vorkommenden  kleinsten  Partikelchen  von  kohlensaurem 
Kalk  nicht  als  völlig  zertheilte  Oolithkörner  aufzufassen  sind,  sondern  als 
Carbonat  anderen  Ursprungs.  Solche  Partikelchen  mögen  kurz  als  Kalk- 
staub bezeichnet  werden,  sie  sind  u.  d.  M.  durchaus  alle  einzeln  wahr- 


62 


nehmbar,  aber  zweifelhaft  bleibt  es,  ob  sie  unregelmässige  Form  oder  die 
Gestalt  von  Rhomboedern  haben.  Winzige  scharfe  Rhomboeder  von  Kalk- 
spath  und  von  Dolomit  werden  aus  anderen  Gesteinen  mehrfach  zu  be- 
sprechen sein. 

10.  Für  die  Bestimmung  der  Salze  wurde  der  Salzpelit  mit  kochen- 
dem Wasser  behandelt.  Vermengt  man  die  wässerige  Masse  nach  dem 
Erkalten  mit  frisch  gefälltem  Eisenhydroxyd,  so  gelingt  es  leicht,  den  Kalk- 
staub, der  sonst,  man  möchte  sagen  mit  Vorliebe,  auch  durch  das  beste 
Filtrirpapier  geht,  von  der  Salzlösung  zu  trennen.  Letztere  zeigte  starke 
Reaction  auf  Chlor  und  schwächere  auf  Schwefelsäure;  von  Erden  konnte 
nur  Magnesia  festgestellt  werden.  Die  Spectralanalyse  zeigte,  dass  neben 
reichlichem  Natron  kein  Kali  in  dem  Salzgemisch  vorhanden  ist.  Ebenso 
fehlte  Kohlensäure  durchaus  in  den  in  Wasser  löslichen  Salzen  der  unter- 
suchten Proben.  Die  mikrochemische  Analyse  mit  Kieselfluorwasserstoff 
ergab  ebenso  ein  Vorherrschen  des  Natriums  vor  dem  Magnesium  und  das 
Fehlen  von  Kalium.  Die  wasserklare  wässerige  Lösung  der  Salze  wird 
beim  starken  Eindampfen  gelblich;  in  den  zur  Trockne  eingedampften  Salzen 
bleibt  eine  kleine  Menge  verbrennbarer,  organischer  Substanz.  Es  ist 
also  in  dem  Salzpelit  ein  geringer  Betrag  einer  in  Wasser  oder  doch  in 
salzhaltigem  Wasser  löslichen  organischen  Substanz  vorhanden. 

Eine  quantitative  Analyse  der  Salze  wäre  werthlos  gewesen,  denn  der 
Gehalt  des  Salzpelites  an  Chlornatrium  und  an  Magnesiumsulfat  schwankt 
sowohl  qualitativ  wie  quantitativ.  Nach  den  Mittheilungen  des  Herrn 
Dr.  Passarge  wird  das  ausblühende  Salz  in  einer  südlich  von  Ntschokutsa 
gelegenen  kleinen  Nebenpfanne  von  den  Buschmännern  als  Speisesalz  ge- 
sammelt; andererseits  litten  seine  Lastthiere  unter  der  abführenden  Wir- 
kung des  Wassers  der  Pfanne,  was  ihn  schon  dort  die  gelegentliche  reich- 
lichere Anwesenheit  von  Magnesiumsalzen  erkennen  Hess.  Jedenfalls  aber 
stecken  in  dem  Salzpelit  der  Pfanne  von  Ntschokutsa  doch  im  Ganzen 
bedeutende  Mengen  von  Salzen. 

11.  Ein  glatt  geschabtes  Stückchen  des  Salzpelites  wurde  mit  durch 
Chloroform  verdünntem  Canadabalsam  bis  zur  Erhärtung  desselben  gekocht 
und  dann  dünngechliffen.  Während  des  Kochens  schien  der  Salzpelit  sich 
nicht  zu  verändern,  namentlich  auch  nicht  Wasser  zu  verlieren.  Das  Prä- 
parat zeigte  ausser  den  Sand-  und  Oolithkörnern  und  dem  Kalkstaube  nun 
auch  die  eigentliche  Salzpelit-Substanz  als  eine  anscheinend  homogene 
Masse  mit  sehr  schwacher  feinkörniger  Aggregatpolarisation,  in  der  sonst 
weiter  keine  Einzelheiten  erkennbar  und  unterscheidbar  waren.  Wenn  also 
die  Substanz  auch  entschieden  schwach  doppelbrechend  ist,  so  kann  sie 
doch  als  amorphe  Masse  bezeichnet  werden  in  dem  Sinne,  in  dem  der 
Mineralog  wohl  den  Meerschaum,  den  Bol  u.  dergl.  als  amorphe  Mineralien 
bezeichnet,  obwohl  sie  nicht  optisch  isotrop  sind. 

Für  die  chemische  Analyse  wurde  homogenes  Material  in  folgender 
Weise  gewonnen.  Da  der  Salzpelit  in  kaltem  Wasser  nicht  völlig  zertheil- 
bar  ist,  so  wurde  er  im  Handteller  mit  wenig  Wasser  zerrieben,  wobei  eben 
möglichst  ein  Abreiben  der  Kalkkörner  durch  die  Quarzkörner  vermieden 
wurde.  Durch  Schlämmen  wurden  dann  die  Sand-  und  Oolithkörner  ab- 
gesondert. Der  zerriebene  Salzpelit  setzt  sich  im  Wasser  nicht  völlig  zu 
Boden;  ein  Theil  also  musste  weggegossen  werden,  um  den  Salzpelit  mit 
möglichst  wenig  Wasser  und  ohne  lösliche  Salze  auf  das  Filter  zu  bringen. 


63 


Die  Poren  des  Filters  aber  werden  sehr  bald  verstopft,  und  das  Abfiltriren 
des  letzten  Wasserrestes  mit  Hülfe  der  Saugvorrichtung  auf  einem  Scheiben- 
filter nahm  viele  Stunden  in  Anspruch;  es  bleibt  auf  dem  Filter  eine  ganz 
hellgrüne  filzige  Masse  zurück.  Diese  enthält  noch  etwas  Kalkstaub,  offen- 
bar auch  winzige  Quarzsplitter,  war  aber  doch  homogen  zu  nennen  und 
frei  von  Salzen;  nach  der  chemischen  Zusammensetzung  des  Pelites  ist  es 
auch  nicht  zu  vermuthen,  dass  die  beim  Decantiren  fortgegossenen  Par- 
tikelchen eine  andere  Zusammensetzung  hatten,  als  die  gewonnene  Masse. 
Doch  ist  kein  Zweifel  vorhanden,  dass  jede  andere  Probe  des  Salzpelites, 
auch  wenn  dieser  direct  ohne  alles  Schlämmen  in  einer  dem  Anschein  nach 
von  Sandkörnern  aller  Art  freien  Partie  analysirt  worden  wäre,  andere 
Zahlen  bei  der  Analyse  ergeben  haben  würden.  Da  aber  gerade  ein  Stück 
mit  möglichst  geringer  brecciöser  Structur  verwendet  wurde,  so  glaube  ich 
behaupten  zu  können,  dass  die  gewonnene  filzige  Masse  wirklich  die  Durch- 
schnitts-Zusammensetzung des  Pelites  ergeben  muss. 

Diese  homogene  Silicatmasse  ist  vor  dem  Löthrohr  schwer  schmelz- 
bar, sie  wird  dabei  hart  bis  zum  Glasritzen.  Beim  Austreiben  des  Wassers 
im  Platin tiegel  sintert  die  vorher  zerriebene  Masse  stark  zusammen.  Die 
Mikroanalyse  mit  Kieselfluorwasserstoffsäure  ergab  einen  Gehalt  an  Natrium 
und  Magnesium.  Das  Wasser  wurde  quantitativ  durch  Glühverlust  be- 
stimmt, da  die  analysirte  Masse  nur  Spuren  von  Kohlensäure  ergab.  Die 
Kieselsäure  wurde  durch  zwei  Analysen  bestimmt,  das  Natrium  nur  als 
Verlust.  Die  sehr  geringe  Menge  von  Eisenoxyd  besonders  zu  bestimmen, 
wurde  unterlassen. 

Das  Silicat  ist  sowohl  in  concentrirter  Salzsäure  wie  in  concentrirter 
Kalilauge  bei  anhaltendem  Kochen  schwer  löslich;  kochende  Lösungen  von 
Chlornatrium  und  von  Magnesiumsulfat  blieben  ohne  jede  Einwirkung. 

Die  quantitative  Analyse  ergab  folgende  Zahlen: 

H^O  18,986 
SiO^  52,799 
APO-^  10,643 
Fe^O^  Spur 
MgO  9,650 

CaO  Spur 

Na^O  7,922 

12.  Der  Salzpelit  der  Pfanne  von  Ntschokutsa  ist  somit  ein  Chlor- 
natrium und  Magnesium  haltiges,  an  Sand-  und  Oolithkörnern  verschieden 
reiches,  amorphes,  wasserhaltiges  Natrium -Magnesium -Aluminium -Silicat 
von  einer  keinem  bisher  bekannten  Minerale  entsprechenden  Zusammen- 
setzung, mit  brecciöser  Structur.  Es  ist  wahrscheinlicher,  dass  das  ana- 
lysirte Silicat  aus  lauter  einander  gleichen  Theilchen  besteht,  als  dass  es 
ein  Gemisch  etwa  von  Kaolin  mit  einem  Natrium-Magnesium-Silicat  ist. 
Der  ganze  Salzpelit  ist  ein  Gestein  sui  generis,  dem  wohl  ein  besserer  ein- 
facher Name  gebührt,  als  die  Verlegenheits-Bezeichnung  Salzpelit.  Aus- 
drücklich muss  betont  werden,  dass  der  Salzpelit  durchaus  nichts  mit  irgend 
einer  eruptiven  Masse  oder  ihren  Zersetzungsproducten  zu  thun  hat;  nach 
Angabe  des  Herrn  Dr.  Passarge  spukt  in  Afrika  die  Bezeichnung  Trachyt 
für  die  Masse  herum. 


64 


B.  Die  Kruste  des  Salzpelites. 

13.  Der  Salzpelit  der  Pfanne  von  Ntschokutsa  ist  von  einer  Kruste 
bedeckt,  die  sich  als  ein  äusserst  hartes,  zähes  und  schwer  zersprengbares 
Gestein  von  grünlicher  bis  schwärzlicher  Farbe  darstellt  und  mit  blossem 
Auge  Sandkörner  und  Oolithkörner  wie  der  Salzpelit  erkennen  lässt.  Vor- 
liegende Handstücke  zeigen  eine  Mächtigkeit  von  4 bis  5 cm;  an  einigen 
Stücken  haftet  auch  noch  der  Salzpelit  an  dieser  Kruste,  und  die  Grenze 
ist  recht  scharf  durch  den  Farbenunterschied  und  ebenso  durch  den  Gegen- 
satz zwischen  der  mürben  und  der  mit  dem  Messer  nicht  ritzbaren  Masse. 
Die  Kruste  hat  stets  eine  ausgesprochen  brecciöse  Structur;  lagert  die 
Kruste  nach  Passarge’s  Mittheilungen  an  einzelnen  Stellen  in  grosse  und 
kleine  Schollen  zerbrochen  auf  dem  Salzpelit,  so  hat  sie  auch  noch  in 
diesen  Schollen  an  und  für  sich  eine  kleinstückige  Zusammensetzung;  alle 
Bruchstücke  sind  aber  oft  wieder  zu  einem  festen  lückenlosen  Gestein  ver- 
kittet. Unter  den  Bruchstücken  fallen  besonders  solche  auf,  die  einem  un- 
reinen Chalcedon  ähneln.  In  einigen  Handstücken  sind  die  Lücken  zwischen 
den  Bruchstücken  nur  theilweise  ausgefüllt;  kleine  Poren  mit  einem  Ueber- 
zug  von  kohlensaurem  Kalk  konnten  mehrfach  beobachtet  werden. 

14.  Dünnschliffe  von  diesem  harten  Gestein  zeigen  zunächst  die 
Quarz-Sandkörner  von  derselben  Grösse  und  Form  wie  der  Salzpelit.  Die 
Oolithkörner,  ebenso  regellos  und  im  Ganzen  nicht  gerade  reichlich  ver- 
theilt wie  im  Salzpelit,  sind  in  manchen  Präparaten  etwas  krystallinisch 
geworden.  Sonst  finden  sich  dieselben  halbirten  Oolithkörner  und  die 
kleinsten  Bruchstücke  von  Oolithkörnern,  immer  noch  an  ihrer  Structur 
als  solche  erkennbar,  wie  im  Salzpelit.  Kalkstaub  ist  in  der  Kruste  in 
stark  schwankender  Menge  vorhanden,  in  einem  Präparat  erscheint  er  ge- 
radezu als  der  beinahe  vorherrschende  Bestandtheil.  Beachtenswerth  ist 
es,  dass  der  Kalkstaub  gelegentlich  in  deutlichen  kleinsten  und  selbst  etwas 
grösseren  Calcitrhomboedern  auftritt.  Einige  kleinere  und  grössere  Frag- 
mente zeigen  die  Structur  eines  feinkörnigen  Chalcedons  zwischen  gekreuzten 
Kicols.  Opake  Eisenerzpartikeln  verursachen  die  dunkele  Farbe  des  Ge- 
steins, obwohl  sie  gar  nicht  in  besonders  reichlicher  Menge  auftreten. 

15.  Die  Grundmasse  nun,  die  in  diesem  brecciösen  Gestein  meist 
vor  allen  erwähnten  Bestandtheilen  vorwaltet,  zeigt  zwischen  gekreuzten 
Nicols  eine  schwache,  ganz  feinkörnige  Aggregatpolarisation.  Feinste  wie 
Staub  erscheinende  Partikelchen  dürften  nur  sehr  feine  Poren  sein;  sonst 
ist  die  Grundmasse  aus  homogenen  Partikeln  zusammengesetzt,  abgesehen 
von  dem  Kalkstaub.  Mit  Rücksicht  auf  ihre  gleich  anzugebende  chemische 
Zusammensetzung  und  mit  Rücksicht  auf  die  Verhältnisse  in  anderen  Ge- 
steinen der  nördlichen  Kalahari  muss  diese  Grundmasse  als  Chalcedon 
bezeichnet  werden,  als  ein  unreiner  Chalcedon  von  ganz  feinkörniger  Structur. 
Nur  selten  wird  seine  Structur  dadurch  etwas  grobkörniger,  dass  kleine, 
aber  noch  deutlich  aus  einzelnen  Körnchen  zusammengesetzte  Partien  beim 
Drehen  des  Präparates  zwischen  gekreuzten  Nicols  auf  einmal  das  Maxi- 
mum der  Dunkelheit  erreichen.  Eine  Art  poikilitischer  Structur  dürfte 
diese  Erscheinung  erklären.  Grössere  Bruchstücke  im  Gestein  haben  im 
Wesentlichen  dieselbe  Beschaffenheit  wie  die  ganze  Alles  verkittende  Masse. 

Diese  Grundmasse  ist  auch  in  dünnsten  Splittern  vor  dem  Löthrohre 
unschmelzbar,  doch  backt  das  Pulver  beim  Glühen  im  Platintiegel  noch 
ein  wenig  zusammen.  Für  die  quantitative  Analyse  wurde  das  pulverisirte 


65 


Krustengestein  mit  verdünnter  Salzsäure  entkalkt,  um  den  Vergleich  mit 
der  Analyse  des  Salzpelit-Silicates  zu  vereinfachen.  Die  Analyse  ergab: 


H"0 

SiO^ 

APO" 

Fe^O^ 

MgO 

CaO 

Na^O 


2,724 

92,614 

2,648 

0,500 

1,514 


16.  Die  beiden  Analysen  des  Salzpelit-Silicates  und  der  entkalkten 
Kruste  lassen  sich  aber  noch  nicht  ohne  Weiteres  vergleichen,  da  ja  aus 
dem  Salzpelit  auch  der  Quarzsand  entfernt  worden  war,  was  natürlich  bei 
der  Kruste  unmöglich  war.  Wenn  man  aber  im  Auge  behält,  dass  Material, 
das  direct  seiner  chemischen  Zusammensetzung  nach  verglichen  werden 
konnte,  überhaupt  nicht  vorlag  und  nicht  präparirt  werden  konnte,  so  wird 
man  zugeben  dürfen,  dass  die  mitgetheilten  Analysen  vergleichbar  werden, 
sobald  man  zu  der  Zusammensetzung  des  Silicates  des  Salzpelites  noch 
einen  gewissen  Betrag  Kieselsäure  als  dem  Quarzsandgehalt  der  Kruste 
entsprechend  hinzuschlägt.  Wie  viel  Procent  Quarzsand  aber  in  dem  Krusten- 
gestein, das  für  die  Analyse  verwendet  wurde,  drinstecken,  lässt  sich  auch 
wieder  nicht  genau  angeben.  Es  müssen  deshalb  willkürliche  Mengen  SiO^ 
— also  wie  unten  geschehen  30  und  40  Procent  als  hohe  Beträge  — zu 
der  Zusammensetzung  des  Salzpelit-Silicates  hinzugerechnet  werden: 


Silicat 

Silicat 

Silicat 

Kruste 

+ 30%  SiO^ 

+ 407o  SiO^ 

H^O 

18,986 

13,290 

11,392 

2,724 

SiO" 

52,799 

66,959 

71,679 

92,614 

APO" 

10,643 

7,450 

6,386 

Fe^O^ 

— 

00 

CO 

MgO 

9,650 

6,755 

5,790 

0,500 

Na^O 

7,922 

5,546 

4,753 

1,514 

Da  nun  der  Augenschein  lehrt,  dass  die  Kruste  unzweifelhaft  aus  dem 
Salzpelit  hervorgegangen  ist,  und  dass  ferner  die  Kruste  auch  keine  wesent- 
lich andere  Structur  hat  als  der  Salzpelit,  so  ist  bei  der  Bildung  der  Kruste 
viel  Kieselsäure  und  etwas  Eisen  zugeführt,  dagegen  Thonerde,  Magnesia, 
Natron  und  viel  Wasser  weggeführt  worden.  Zufuhr  von  Kieselsäure  allein 
genügt  nicht,  um  die  chemische  Veränderung  zu  deuten.  Die  Kruste  ist 
also  ein  Kieselgestein,  das  durch  hydatogene  Metamorphose  aus  dem 
Salzpelit  hervorgegangen  ist;«  ihre  Chalcedon-Grundmasse  ist  eine  Pseudo- 
morphose  nach  dem  Silicat  des  Salzpelites. 


C.  Genetisches. 

17.  Die  Pfanne  Ntschokutsa  liegt  am  südlichen  Rande  des  grossen 
Makarikari-Gebietes.  In  der  Gegenwart  wird  dieses  mehrere  Kilometer 
im  Durchmesser  haltende  Becken  nur  noch  periodisch,  z.  B.  1898/99,  von 
Ueberschwemmungen  überfluthet,  wohl  aber  muss  das  früher  regelmässig 
der  Fall  gewesen  sein.  Dennoch  wird  Niemand  behaupten  können,  dass 
der  Salzpelit  einfach  ein  primäres  Sediment  sei.  So  wenig  auch  bisher 
über  die  Sedimente  in  Seebecken  im  Inneren  von  grossen  Continenten  und 


66 


in  Steppen  auf  Grund  genauer  Untersuchung  bekannt  ist,  so  erscheint  doch 
die  directe  Ablagerung  eines  wasserhaltigen  Natron-Magnesia-Thonerde- 
Silicates  nach  allen  geodynamischen  Theorien  unmöglich,  zumal  vulcanisches 
Material  ausgeschlossen  ist.  Ich  bin  mir  vollkommen  bewusst,  dass  ich 
über  einen  Gegenstand  zu  speculiren  im  Begriffe  bin,  den  ich  in  seiner 
ganzen  geologischen  Massenhaftigkeit  nicht  gesehen  habe;  ja  mir  standen 
für  die  Untersuchung  nur  kleine  Proben  und  nur  von  einer  Stelle  der 
Pfanne  zur  Verfügung.  Und  Herr  Dr.  Passarge  konnte  an  Ort  und  Stelle 
ebenso  wenig  die  winzigen  Oolithkörner  als  solche  erkennen,  wie  auf  die 
Yermuthung  kommen,  dass  der  im  feuchten  Zustande  wie  Thon  aussehende 
Salzpelit  doch  kein  Thon,  sondern  etwas  ganz  Besonderes  sei.  Deshalb 
werden  auch  erst  in  Zukunft  die  in  Frage  kommenden  Phänomene  genauer 
studirt  und  discutirt  werden  können;  es  ist  aber  doch  nothwendig,  an 
diesem  Orte  die  theoretischen  Vorstellungen  darzulegen,  die  ich  mir  nach 
meinen  Untersuchungen  und  nach  den  Schilderungen  Passarge’s  gebildet 
habe.  Denn  die  Erkennung  der  Entstehung  der  Salzpelit-Kruste  giebt  den 
einzigen  Anhalt  für  die  Erklärung  des  Phänomens  der  Verkieselung  von 
Gesteinen,  das  uns  in  der  nördlichen  Kalahari  in  einem  gewaltigen  Ge- 
biete überall  entgegentritt.  Die  Thatsachen  liegen  schon  jetzt  vor,  ihre 
theoretische  Erklärung  wird  erst  in  Zukunft  gesichert  werden  können. 

18.  Von  den  Bestandtheilen  des  Salzpelites  sind  die  Oolithkörner  am 
leichtesten  zu  erklären.  Dass  sie  vegetabilischen  Ursprungs  sind,  ist  in 
der  neueren  Zeit  erkannt  worden;  ich  werde  bald  Gelegenheit  haben,  in 
einer  anderen  Arbeit  weitere  Beweise  dafür  aus  den  Oolithen  und  ver- 
wandten Gesteinen  selbst  beizubringen.  Ist  also  die  Ntschokutsa-Pfanne 
ein  Seebecken  oder  wenigstens  periodisch  unter  Wasser  gewesen,  so  sind 
die  Oolithkörner  im  Salzpelit  einfach  primäre  Bestandtheile  desselben. 
Die  Zerstückelung  der  Oolithkörner  kann  am  leichtesten  durch  Auskrystal- 
lisiren  von  Salzlösungen  erklärt  werden,  die  in  die  abgestorbenen  Oolith- 
körner eingedrungen  waren.  Zweifelhaft,  ja  unwahrscheinlich  ist  es,  dass 
auch  der  Kalkstaub,  dass  aller  Kalkstaub  von  Oolithkörnern  herstammt. 
Wir  wissen  vielmehr,  dass  von  vielen  niederen  Pflanzen  auf  ihrer  Ober- 
fläche, manchmal  auch  in  einer  pflanzlichen  Gallerte,  Körnchen  von  Cal- 
ciumcarbonat abgeschieden  werden.  Auch  für  den  Kalkstaub  also  können 
wir  pflanzlichen  Ursprung  annehmen. 

19.  Die  Quarzsandkörner  und  die  selteneren  Gesteinsbröckchen  haben 
meist  nur  geringe  Dimensionen;  ihre  Form  lässt  keinen  sicheren  Schluss 
zu,  auf  welchem  Wege  sie  in  die  Pfanne  gekommen  sind.  Einschwemmung 
ist  nicht  unmöglich,  daneben  aber  würde  ein  Transport  durch  den  Wind 
in  Frage  kommen.  Jedenfalls  ist  es  auffällig,  dass  die  Sandkörner  im 
Salzpelit  ganz  unregelmässig  vertheilt  sind. 

20.  Eingeschwemmt  in  die  Salzpfanne  wird  eine  gewisse  Menge  von 
einem  thonerdehaltigen  Schlick  sein.  Aber  auch  in  dem  Gebiet  der  grossen 
Makarikari  wuchert  an  allen  Seen  und  Flussläufen  eine  üppige  Schilfvege- 
tation, ein  Vegetationsgürtel  namentlich  an  den  Bändern  der  Becken,  der 
wohl  geeignet  ist,  bei  Ueberfluthungen  der  Becken  das  trübe  Wasser  zu 
flltriren,  die  Hauptmasse  des  Schlickes  vom  Becken  fern  zu  halten,  wie 
wir  darüber  Berichte  auch  aus  anderen  Gebieten  Afrikas  haben.  Die  Ried- 
gräser selbst  aber  sterben  auch  ab;  sie  enthalten  in  ihren  Membranen 
Kieselsäure,  die  in  allerleichtesten  Flöckchen  und  Theilchen  im  Verein  mit 


67 


organischer  Substanz  doch  in  die  Becken  gelangt.  Es  ist  mir  nicht  ge- 
lungen, in  botanischen  Lehrbüchern  Angaben  über  die  Schicksale  der  Kiesel- 
säure in  abgestorbenen  Pflanzentheilen  zu  finden;  irgendwo  muss  sie  doch 
bleiben  oder  im  festen  oder  gelösten  Zustande  hingeführt  werden.  Von 
den  Diatomeen  allein  kennen  wir  den  Verbleib  der  Kieselsäure,  und  Dia- 
tomeen werden  wohl  auch  hier  bei  der  Bildung  und  Umbildung  des  Salz- 
pelites  eine  Bolle  gespielt  haben,  wenngleich  ich  sie  in  ihm  nicht  mehr 
nachweisen  konnte.  In  den  Kalahari-Kalken  aber  habe  ich  sie  gefunden, 
wie  weiter  unten  erwähnt  werden  wird.  Ich  bin  also  der  Meinung,  dass 
in  den  Salzpfannen  ein  an  Kieselsäure  vegetabilischen  Ursprungs  reicher 
Schlick  abgelagert  wurde,  der  ebenso  reich  war  an  Kalkstaub  und  der 
auch  organische  Substanz  in  Menge  enthielt.  Ein  bedeutender  Theil  des 
Schlickes  mag  aber  auch  gar  nicht  durch  Wasser  an  Ort  und  Stelle  trans- 
portirt  worden  sein,  sondern  vielmehr  eingewehter  Staub,  ein  äolisches 
Sediment  sein. 

2h  Kohlensäure  Alkalien  konnte  ich  in  dem  Salzpelit  nicht  nachweisen, 
er  enthält  vielmehr  nur  Na  CI  und  MgSO^.  Der  Ursprung  dieser  Salze 
wird  auf  dieselbe  Weise  zu  erklären  sein,  wie  der  Salzgehalt  von  Binnen- 
seen — so  viel  oder  so  wenig  wir  davon  eigentlich  wissen.  Hier  in  diesem 
Falle  dem  Ursprung  der  Magnesiasalze  besonders  nachzuforschen,  würde 
ein  eitles  Unternehmen  sein.  Allein  es  ist  wohl  denkbar,  dass  diese  Salze, 
Chlornatrium  und  Magnesiumsulfat  und  vielleicht  jetzt  nicht  mehr  vor- 
handene Alkalicarbonate,  im  Verein  mit  Kieselsäure  in  mehr  oder  minder 
leicht  löslicher  Form  und  im  Verein  mit  organischer,  humoser  Substanz 
im  Stande  gewesen  sind,  aus  dem  Schlick  das  wasserhaltige  Natron-Mag- 
nesia-Thonerde-Silicat  zu  erzeugen.  In  wie  weit  hierbei  auch  noch  klima- 
tische und  meteorologische  Verhältnisse  in  Frage  kommen  könnten,  ent- 
zieht sich  vorläufig  jeder  Beurtheilung.  Nach  Allem,  was  mir  Herr  Dr.  Pas- 
sarge mitgetheilt  hat,  entsteht  der  Salzpelit  jetzt  nicht  mehr,  er  ist  ent- 
standen in  der  allerjüngsten  Vergangenheit. 

22.  Die  Entstehung  der  brecciösen  Structur  des  Salzpelites  bietet  der 
Erklärung  keine  besonderen  Schwierigkeiten.  Bei  periodischer  Trocken- 
legung wird  der  sich  bildende  Salzpelit  von  Spalten  durchzogen  werden, 
zu  deren  Vermehrung  und  Erweiterung  auskrystallisirende  Salze  noch  das 
Ihrige  beitragen:  die  Breccien  sind  nicht  durch  Gebirgsbewegung  entstanden, 
nicht  zusammengeschwemmt,  sondern  eine  Bildung  in  situ  bei  der  Ent- 
stehung der  Massen  selbst. 

23.  In  dem  Salzpelit  sind  aber  wahrscheinlich  die  Bildungsvorgänge  mit 
der  Entstehung  des  Silicates  doch  noch  gar  nicht  abgeschlossen;  es  finden  noch 
weitere  chemische  Processe  statt,  bei  denen  Kieselsäure  in  Bewegung  ge- 
räth,  in  Trockenperioden  capillar  aufsteigt  und  eine  Verkieselung  der  ober- 
flächlichsten Partien  herbeiführt,  die  Bildung  der  Kruste  verursacht.  Die 
Sonne  und  die  Thiere  zerstückeln  die  sich  bildende  Kruste,  deren  Bruch- 
stücke immer  wieder  von  Neuem  verkittet  werden. 

Kieselsäure  organischen  Ursprungs  und  ihr  Transport  bei 
Gegenwart  von  Salzen  verschiedener  Art  und  organischer,  etwa 
humoser  Substanzen,  dazu  in  anderen  Fällen  Verschleppung 
dieser  Beagentien  durch  Sieker- und  Quellwasser  — das  sind  die 
Factoren,  die  in  der  nördlichen  Kalahari  das  Phänomen  der 
Verkieselung  hervorgerufen  haben.  Geysirphänomene  kommen 
durchaus  nicht  in  Frage. 


68 


II.  Kalahari- Kalk. 

24.  Die  jungen  Kalahari -Kalke  sind  mürbe  bis  ganz  feste  und 
harte  Gesteine  von  dichter  Structur  und  hellen  bis  hellbraunen  Farben. 
Die  festen  Kalksteine  zeigen  im  Dünnschliff  meist  fleckige  Beschaffenheit 
durch  Herausbildung  von  Stellen  mit  etwas  gröber  krystallinem  Korn.  Die 
mikrochemische  Analyse  wies  in  einigen  Vorkommnissen  einen  geringen  und 
bedeutungslosen  Gehalt  an  Magnesia  nach.  Beim  Auflösen  in  verdünnter 
kalter  Salzsäure  bleiben  übrig  feiner  Sand,  Thon  und  stets  auch  Flocken 
von  organischer  Substanz.  Es  wurden  nur  einige  wenige  Vorkommnisse 
untersucht,  in  mehreren  aber  doch  im  Lösungsrückstand  Spongillen-Nadeln 
und  Diatomeen,  meist  in  Bruchstücken,  in  nicht  unbeträchtlicher  xMenge 
nachgewiesen.  Die  Diatomeen  werden  von  anderer  Seite  bestimmt  w’^erden. 
Mit  Ausnahme  der  Oolithkörner  enthält  also  der  Kalahari-Kalk  alle  Be- 
standtheile,  die  für  das  supponirte  Substrat  des  Salzpelites  angesetzt  wurden, 
wenn  vielleicht  auch  in  anderen  Mengenverhältnissen. 

Die  Kalahari-Kalke  haben  schon  makroskopische  Eigenthümlichkeiten 
der  Structur,  die  dazu  führen,  diese  Kalksteine  wesentlich  als  Kalksinter- 
bildungen in  Binnengewässern  aufzufassen,  als  Kalksteine  terrestrischen, 
phytogenen  Ursprungs.  Diese  Auffassung  genauer  zu  begründen,  muss  an 
dieser  Stelle  unterlassen  werden. 

25.  Hier  ist  es  für  den  Gegenstand  der  Abhandlung  nur  von  Bedeu- 
tung, dass  in  einem  Vorkommniss  von  Kalahari-Kalk  auch  der  Beginn  der 
Verkieselung  mit  Sicherheit  nachgewiesen  werden  konnte.  Es  ist  das 
der  Kalahari-Kalk  von  der  Pfanne  Kauganna,  östlich  von  Garn,  also  west- 
lich vom  Ngami-See  in  der  Nähe  der  Grenze  von  Deutsch-Süd- West- Afrika. 
Dieser  Kalkstein  zeigt  in  typischer  Weise  Kalksinterringe  von  bis  1 cm  Durch- 
messer, innerhalb  deren  sich  zum  Theil  ein  fast  ganz  sandfreier  Kalk  vor- 
findet, während  die  Masse  zwischen  den  Ringen  an  Sand  sehr  reich  ist. 
Stellenweise  ist  nun  an  Stelle  des  Calcites  sowohl  der  Sinterringe  wie  der 
innerhalb  und  ausserhalb  derselben  befindlichen  Gesteinsmasse  ein  ganz 
feinkörniger,  unreiner  Chalcedon  getreten  mit  kleinsten  fetzenartigen  Relic- 
ten  des  Calcites,  Erscheinungen,  die  weiter  unten  ausführlicher  beschrieben 
werden  sollen.  Löst  man  das  Gestein  in  Salzsäure  auf,  so  bleiben  thon- 
reiche Brocken  übrig,  die  leicht  zerdrückbar  sind.  Unter  dem  Mikroskope 
findet  man  in  dem  in  Wasser  ausgebreiteten  Lösungsrückstand  zahlreiche 
zackig-faserige  Aggregate,  die  Chalcedon  sind.  Die  Bestimmung  dieser  in 
kochender  concentrirter  Salzsäure  unlöslichen  Aggregate  als  Chalcedon 
ergiebt  sich  aus  analogen  Verhältnissen  in  anderen  Gesteinen.  Die  Art 
der  Verkieselung  in  diesem  Kalahari-Kalk  ist  überhaupt  durchaus  analog 
der  anderer  Kalksteine,  weshalb  hier  nicht  weiter  darauf  eingegangen  zu 
werden  braucht. 


III.  Botletle  - 8cliichten. 

A.  Methoden  der  Untersuchung. 

26.  Die  Gesteine  der  Botletle-Schichten  und  die  aller  übrigen  Schichten- 
systeme wurden  in  Dünnschliffen  auf  ihre  Zusammensetzung  und  Structur 
untersucht.  Es  wurden  gegen  350  Schliffe  von  den  verschiedenen  Hand- 


69 


stücken  angefertigt,  ausser  von  denen,  die  schon  makroskopisch  mit  Sicher- 
heit die  Identität  mit  anderen  Stücken  von  demselben  Fundpunkte  erkennen 
Hessen.  Es  stellte  sich  aber  heraus,  dass  diese  mikroskopische  Unter- 
suchung in  sehr  vielen  Fällen  zur  Erkennung  der  wahren  Sachlage  nicht 
genügte.  Zunächst  ist  es  wie  bekannt  bei  den  dichten  Carbonatgesteinen 
nicht  möglich,  unter  dem  Mikroskope  Kalkspath  und  Dolomit  zu  unter- 
scheiden; hier,  wo  es  sich  meist  nur  um  kleinste  Körnchen  dieser  Mine- 
ralien handelt,  versagen  alle  formalen  und  structurellen  Verhältnisse,  die 
man  zum  Anhalte  nehmen  möchte.  Dann  aber  verdecken  die  Carbonspäthe 
durch  ihre  starke  Doppelbrechung  sehr  häufig  allen  Gehalt  an  Thon  und 
vor  Allem  auch  allen  feinvertheilten  Chalcedon.  Wo  es  nöthig  schien, 
wurden  besondere  Dünnschliffe  von  solchen  Kalksteinen  angefertigt;  die 
fertig  geschliffenen  Präparate  wurden  dann  entkalkt,  d.  h.  der  Kalkspath 
wurde  langsam  durch  kalte  verdünnte  Salzsäure  aufgelöst.  Verfährt  man 
hierbei  behutsam,  so  kann  man  ein  solches  entkalktes  Präparat  auch  aus- 
wässern, ohne  dass  bei  den  Proceduren  irgend  wie  die  Lagerung  und  der 
Zusammenhang  der  unlöslichen  Partikeln  gestört  wird.  Das  trocken  ge- 
wordene Präparat  wird  dann  zur  Hälfte  mit  einer  Lösung  von  hartgekochtem 
Canadabalsam  in  Chloroform  mit  einem  weichen  Pinsel  vorsichtig  über- 
strichen. Ist  der  Lösungsrückstand  auf  der  Canadabalsamschicht  sehr  ge- 
ring oder  augenscheinlich  sehr  locker,  so  lässt  man  einen  Tropfen  der 
Canadabalsamlösung  aus  dem  Pinsel  darauf  fallen.  In  jedem  Falle  ist  es 
nöthig,  entkalkte  Kalksteinpräparate  frei  und  mit  Canadabalsam  bedeckt 
zu  untersuchen. 

27.  Aus  allen  Schichtensystemen  wurden  zusammen  135  Proben  mikro- 
chemisch untersucht  zur  Entscheidung,  ob  Kalkstein  oder  Dolomit  vor- 
liegt. Mit  der  Untersuchung  des  Lösungsrückstandes  unter  dem  Mikroskope 
und  mit  allen  Vorbereitungen  nimmt  jede  Probe  ungefähr  20  Minuten  in 
Anspruch,  auch  wenn  10  bis  20  Proben  auf  einmal  bearbeitet  werden. 
Man  schlägt  sich  kleine  Stückchen  von  etwa  20  bis  30  mm^,  womöglich 
in  Form  flacher  Scherbchen  und  möglichst  gleich  gross  von  den  verschie- 
denen zu  untersuchenden  Gesteinen.  Diese  Stückchen  und  ihre  Lösungen 
werden  ferner  stets  mit  denselben  vorbereiteten  Reagentien  und  mit  gleich 
grossen  Mengen  derselben  behandelt,  so  dass  man  die  Vorgänge  mit  ein- 
ander vergleichen  kann.  Während  der  Ausführung  der  Untersuchung  wurden 
sofort  die  Beobachtungen  bei  jeder  Probe  auf  einem  besonderen  Zettel  notirt. 

Die  Stückchen  Carbonatgestein  wurden  in  ein  Keagenzgläschen  gelegt, 
das  zu  einem  Viertel  mit  ungefähr  20procentiger  kalter  Salzsäure  gefüllt 
war.  Kalkstein  und  Dolomit  unterscheiden  sich  dann  nur  zum  Theil  durch 
die  Art  der  Entwickelung  der  Kohlensäure;  es  kann  auch  ein  normaler 
Dolomit  in  solcher  Salzsäure  stark  aufbrausen,  und  es  kann  ein  Kalkstein, 
der  reichlich  Thon  oder  feinvertheilten  Chalcedon  enthält,  nur  ganz  schwache 
Kohlensäure-Entwickelung  aufweisen.  Nach  der  Beobachtung  der  Einwir- 
kung der  kalten  Salzsäure  wurde  diese  einmal  oder  mehrmals  bis  zum 
anhaltenden  Kochen  erhitzt,  bis  möglichst  alle  Kohlensäure  ausgetrieben 
war.  Die  Lösung  in  dem  Reagenzgläschen  wurde  nun  verdünnt  bis  zur 
Ausfüllung  des  Gläschens.  Zu  einem  Tröpfchen  dieser  verdünnten  Lösung  auf 
einem  Objectträger  wurde  dann  ein  Tröpfchen  eines  ziemlich  verdünnten 
Gemisches  von  50  7o  Ammoniak,  25  7o  einer  Lösung  Natriumphosphat 
und  25  7o  einer  Lösung  von  Ammoniumoxalat  gebracht.  Man  muss  sich 
den  besten  Concentrationsgrad  des  Reagenzes  durch  Vorversuche  mit  Calcit 


70 


und  Dolomit  ermitteln.  Stehen  Lösung  und  Reagenz  in  bestem  Verhält- 
niss  zu  einander,  dann  geht  die  Reaction  auf  Kalk  beim  Fallenlassen  des 
Reagenztropfens  augenblicklich  und  bis  zur  völligen  Ausfüllung  des  Calcium- 
oxalates in  den  bekannten  winzigsten,  eine  zusammenhängende  Haut  bil- 
denden Körnchen  vor  sich.  Das  Ammonium-Magnesium-Phosphat  scheidet 
sich  langsamer  ab,  doch  ist  auch  diese  Reaction  in  2 bis  3 Minuten  be- 
endet. Die  Krystallgruppen  des  sich  bildenden  Magnesiumsalzes  sind  ihrer 
Form  nach  abhängig  von  dem  Concentrationsgrade  der  angewandten 
Lösungen,  in  jedem  Falle  aber  höchst  charakteristisch  und  von  dem  Kalk- 
niederschlag leicht  zu  unterscheiden.  Man  wird  durch  diese  Reactionen 
nicht  nur  leicht  Kalkstein  und  Dolomit  unterscheiden  können,  sondern  auch 
genügend  den  Gehalt  an  Magnesia  in  mehr  oder  minder  dolomitischen 
Kalksteinen  zu  bestimmen  im  Stande  sein. 

Ein  etwaiger  Lösungsrückstand  der  Proben  wurde  nun  gleich  weiter 
untersucht;  es  kommt  darauf  an,  ob  die  Probe  eine  klare  oder  trübe 
Lösung  giebt,  ob  das  Stückchen  seine  Form  unverändert  beibehält  oder 
in  Brocken  zerfällt,  ob  der  Rest  hart  ist  oder  mehr  oder  minder  leicht 
zerdrückbar.  Pulveriger  oder  zerdrückter  Rückstand  wurde  stets  in  Wasser 
auf  dem  Objectträger  unter  dem  Mikroskope  untersucht;  in  vielen  Fällen 
aber  wurde  ein  besonders  beachtenswerther  Lösungsrückstand  auch  noch 
nach  dem  Auswaschen  mit  Alkohol  in  Canadabalsam  unter  Deckglas 
untersucht. 


B.  Gesteinsreihen. 

28.  Es  erwies  sich  bei  der  Untersuchung  und  für  die  Schilderung  als 
nöthig,  die  Gesteine  der  Botletle-Schichten  und  die  von  Passarge  als  Pfannen- 
Sandsteine  bezeichneten  Vorkommnisse  gemeinsam  zu  behandeln;  ich  muss 
es  Herrn  Dr.  Passarge  überlassen,  auf  Grund  meiner  ihm  zur  Verfügung 
gestellten  Einzeldiagnosen  unter  Berücksichtigung  des  Vorkommens  und 
der  Lagerung  zu  entscheiden,  ob  durchgreifende  Unterschiede  zwischen 
den  Gesteinen  der  beiden  Stufen  bestehen.  Ich  vereinige  also  diese  Vorkomm- 
nisse unter  der  Bezeichnung  der  Botletle-Gesteine.  Es  wurden  90  sicher 
zu  diesen  Schichtensystemen  gehörige  Gesteine  von  ungefähr  20  Locali- 
täten  untersucht,  die  sich  über  das  ganze  grosse  Gebiet  vertheileu.  Regio- 
nale Unterschiede  zwischen  den  Vorkommnissen  konnten  in  geringem  Grade 
festgestellt  werden,  aber  irgend  welche  Schlüsse  daraus  auf  genetische 
Verhältnisse  zu  ziehen,  bin  ich  nicht  im  Stande  gewesen.  Deshalb  kann 
ich  es  auch  unterlassen,  die  einzelnen  Localitäten  namhaft  zu  machen, 
die  man  ja  doch  vorläufig  noch  auf  keiner  Karte  aufsuchen  kann.  Wie 
von  Herrn  Dr.  Passarge  ein  häufiger  und  schneller  Wechsel  in  der  mine- 
ralischen Zusammensetzung  der  Botletle-Gesteine  im  Grossen  beobachtet 
werden  konnte,  so  wechseln  sie  auch  im  Kleinen,  im  Handstück  und  sogar 
im  einzelnen  Dünnschliff;  mehrfach  zeigte  ein  und  dasselbe  Präparat  zwei 
bis  drei  ganz  verschiedene  Structuren  und  Verhältnisse  der  Gemengtheile 
zu  einander. 

Die  Botletle-Gesteine  zerfallen  in  die  zwei  genetisch  getrennten  Typen 
der  sandigen  Kalksteine  und  der  Chalcedon-Sandsteine,  die  im  Grossen 
und  Ganzen  auch  den  geologischen  Abtheilungen  der  Pfannen-Saudsteine 
und  der  eigentlichen  Botletle-Schichten  zu  entsprechen  scheinen. 

29.  Als  Typus  der  sandigen  Kalksteine  müssen  alle  diejenigen 
sehr  verschiedenen  Gesteine  zusammengefasst  werden,  die  primär  mehr 


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oder  minder  kalkreiche  Sandsteine  und  sandige  bis  reine  Kalkbteiiie  sind 
oder  waren.  Die  Gesteine  treten  jetzt  auf  als  seit  ihrer  Ablagerung  wesent- 
lich unverändert  oder  als  durch  hydatogene  Metamorphose  verändert.  Die 
Veränderungsvorgänge  sind  die  der  Dolomitisirung  und  der  Verkieselung, 
Vorgänge,  die  einzeln  auftreten  oder  zusammen  und  dann  augenscheinlich 
doch  von  einander  unabhängig.  Es  ist  allerdings  ungemein  schwierig,  sich 
hier  ein  Urtheil  zu  bilden;  ich  will  auch  nur  sagen,  dass  ich  im  Laufe 
der  Untersuchungen  zu  der  Vorstellung  gekommen  bin,  dass  im  Wesent- 
lichen eine  Dolomitisirung  vor  der  Verkieselung  eingetreten  ist,  ohne  dass 
irgend  wie  ein  geologisch  grosser  Zeitraum  zwischen  den  beiden  Vorgängen 
gelegen  ist.  Beide  Vorgänge  könnten  also  auch  als  geologisch  gleichzeitig 
aufgefasst  werden;  sie  sind  aber  vor  Allem  von  einander  unabhängig  in 
ihrem  Auftreten. 

Die  Dolomitisirung  befällt  die  Gesteine  so,  dass  der  kohlensaui-e  Kalk 
nur  zum  Theil  in  Dolomit  umgewandelt  wird,  oder  dass  alles  oder  fast 
alles  Calciumcarbonat  in  Dolomit  übergeht.  Von  50  mikrochemisch  unter- 
suchten Proben  ergaben  26  nur  Calcium,  9 erwiesen  sich  als  mehr  oder 
minder  magnesiumhaltig,  und  in  16  Proben  war  der  Gehalt  an  Magnesium 
so  hoch,  dass  das  Gestein  einfach  als  Dolomit  zu  bezeichnen  ist,  ohne 
damit  das  Vorhandensein  von  geringen  Mengen  von  reinem  magnesiafreien 
Calciumcarbonat  in  Abrede  stellen  zu  wollen. 

Die  zweite  Veränderung  dieses  Typus  der  Botletle- Gesteine,  die  Ver- 
kieselung, ist  die,  dass  in  ihnen  Calcit  und  Dolomit  in  Chalcedon  ver- 
schiedener Art  umgewandelt  sind,  ein  Vorgang,  der  von  einer  Spur  von  Ver- 
kieselung bis  zur  völligen  Verkieselung  und  Verdrängung  alles  Carbonates 
durch  Kieselsäure  fortschreiten  kann.  Dieser  Vorgang  soll  als  Verkiese- 
lung bezeichnet  werden.  Hierbei  wird  diese  Bezeichnung  in  engerem 
Sinne  gebraucht  als  in  dem  Titel  der  Abhandlung;  doch  wird  dadurch  ein 
Irrthum  nicht  veranlasst  werden. 

Zu  dem  Typus  der  sandigen  Kalksteine  gehören  auch  Vorkommnisse, 
die  eine  scheinbare  oder  echte  breceiöse  Structur  besitzen.  Die  schein- 
bar breceiöse  Structur  wird  entweder  durch  primär  sehr  ungleichmässig 
vertheilten  und  rasch  wechselnden  Sandgehalt  verursacht  oder  durch  un- 
gleichmässig eingetretene  Verkieselung.  Es  ist  bisweilen  gar  nicht  leicht, 
diese  scheinbar  breceiösen  Gesteine  im  Handstück  von  den  wirklich  brec- 
eiösen  zu  unterscheiden.  Die  echten  Breccien  aber  haben  alle  eine  solche 
Zusammensetzung  und  Structur,  dass  die  Breccienbildung  auch  in  situ, 
ohne  Gebirgsbewegung  und  ohne  Zusammenschwemmung  in  ganz  analoger 
Weise  wie  bei  dem  Salzpelit  und  seiner  Kruste  vor  sich  gegangen  sein  muss. 

30.  Der  Typus  der  Chalcedon-Sandsteine  umfasst  Gesteine  mit 
einem  Chalcedoncement,  von  dem  an  Structur  und  Art  des  Auftretens  nicht 
nachweisbar  ist,  dass  es  pseudomorph,  authigen  secundär,  an  Stelle  von 
Carbonat  getreten  ist.  Hier  ist  der  Chalcedon  authigen  primär  wohl  in 
lockere  Sande  eingedrungen,  diese  erst  zu  einem  festen  Gestein  machend. 
Dieser  Vorgang  soll  hier  von  dem  der  Verkieselung  im  engeren  Sinne  als 
Einkieselung  unterschieden  werden.  Für  einen  entfernt  ähnlichen  Vorgang 
bei  der  Entstehung  der  Kohlengesteine  hat  W.  v.  Gümbel  das  Wort  In- 
kohlung gebildet  gehabt,  das  den  Vorgang  knapp  und  klar  bezeichnet,  aber 
doch  sprachlich  unrichtig  gebildet  ist.  Das  neue  Wort  Einkieselung  ist 
nach  Analogie  mit  einseifen,  einfetten  u.  s.  w.  gebildet.  Eine  scharfe  Unter- 
scheidung von  Verkieselung  und  Einkieselung  ergab  sich  mir  im  Laufe  der 


72 


üntersuclmng;  erst  als  diese  beiden  Vorgänge  als  zwei  ganz  verschiedene 
Arten  der  Imprägnation  mit  Kieselsäure  aus  einander  gehalten  wurden,  kam 
Klarheit  in  die  Bestimmung  der  Natur  der  Gesteine  der  verschiedenen 
Schichtensysteme. 

Zu  dem  Typus  der  Chalcedon-Sandsteine  gehören  auch  echte  Breccien 
und  ferner  solche  Gesteine,  die  bei  einem  reichlichen  Gehalt  an  Braun- 
eisenstein kurz  als  Eisen- Sandsteine  bezeichnet  werden  können.  Einige 
Vorkommnisse  der  Chalcedon-Sandsteine,  aber  auch  einige  der  Kalk-Sand- 
steine sind  als  Köhren-Sandsteine  entwickelt,  d.  h.  sie  sind  durchzogen  von 
geraden  oder  gekrümmten  hohlen  und  mit  lockerem  Material  erfüllten 
Köhren,  die  als  durch  Wurzeln,  Schilfstengel  und  dergleichen  verursacht 
zu  erklären  sind;  genau  die  gleiche  Erscheinung  zeigt  sich  ja  auch  in 
jüngeren,  lacustren  Sandsteinen  unserer  Gegenden. 

31.  Die  Zahl  der  petrographisch  unterscheidbaren  Arten  der  Botletle- 
G esteine  ist  recht  gross;  namentlich  liefert  der  'l'ypiis  der  sandigen  Kalk- 
steine viel  Varietäten,  zu  deren  Bezeichnung  nur  lange  zusammengesetzte 
Ausdrücke  verwendet  werden  können.  Eine  recht  arge  Verirrung  würde 
es  sein,  wollte  man  im  Bereiche  der  sedimentären  Gesteine  der  Mode 
fröhnen,  die  bei  der  Beschreibung  der  Eruptivgesteine  im  Schwünge  ist, 
wo  man  womöglich  jedem  Handstücke  einen  besonderen  „Species“-Namen 
beizulegen  beliebt.  Die  Botletle-Gesteine  gehören  genetisch  zusammen; 
es  wird  nützlich  sein,  auf  kleinem  Kaume  die  Varietäten  zusammen  ge- 
nannt zu  finden,  die  auf  Grund  der  genauen  Untersuchung,  aber  nicht 
mit  blossem  Auge  unterschieden  werden  können.  Wahrscheinlich  kommen 
in  der  nördlichen  Kalahari  noch  andere  Varietäten  vor,  als  die  sogleich 
aufzuzählenden,  ja  man  kann  annehmen,  dass  dort  alle  Varietäten  ver- 
kommen, die  sich  irgend  durch  die  Combination  der  Begriffe  Sand,  Kalkstein, 
Dolomitisirung,  Verkieselung,  Einkieselung,  brecciös,  conglomeratisch  u.  s.  w. 
benennen  Hessen.  Da  aber  die  Bestimmung  der  einzelnen  Vorkommnisse 
eben  nur  für  die  Handstücke  gilt,  die  mir  gerade  Vorlagen,  so  ist  eine 
genauere  Ortsangabe  wohl  überflüssig;  von  Bedeutung  ist  nur  die  Zahl 
der  Vorkommnisse  der  unterscheidbaren  Varietäten.  Es  zeigt  sich,  dass 
Kalk-Sandstein  und  Chalcedon-Sandstein  am  häufigsten  als  feste  primäre 
Gesteine  erscheinen,  dass  unter  den  umgewandelten  die  dolomitisirten 
seltener  sind  als  die  verkieselten.  Lockerer  Quarzsand  und  mehr  oder 
minder  kalkreicher  Sand  sind  es,  die  zuerst, in  Becken  oder  dergleichen 
abgelagert  worden  sind. 

I.  Gruppe: 

1.  Kalkstein,  Zahl  der  Vorkommnisse  2, 

2.  schwach  verkieselter  Kalkstein  1, 

3.  schwach  verkieselter  dolomitischer  Kalkstein  1, 

4.  Dolomit  4. 

II.  Gruppe: 

1.  sandiger  Kalkstein  1, 

2.  sandiger  dolomitischer  Kalkstein  3, 

3.  halbverkieselter  sandiger  Dolomit  1, 

4.  halbverkieselter  brecciöser  sandiger  Kalkstein  5. 

III.  Gruppe: 

1.  mürber  Sandstein,  3 Vorkommnisse  untersucht, 

2.  Kalk- Sand  stein  12, 


73 


3.  brecciöser  oder  conglomeratischer  Kalk-Sandstein  6, 

4.  halbverkieselter  Kalk-Sandstein  4, 

5.  halbverkieselter  brecciöser  Kalk-Sandstein  1, 

6.  verkieselte  sandige  Breccie  1, 

7.  völlig  verkieselter  Kalk-Sandstein  6, 

8.  halbverkieselter  dolomitischer  Kalk-Sandstein  6, 

9.  halbverkieselter  brecciöser  dolomitischer  Kalk-Sandstein  1, 

10.  halbverkieselter  Dolomit-Sandstein  1, 

11.  Dolomit-Sandstein  4, 

13.  brecciöser  oder  conglomeratischer  Dolomit-Sandstein  4. 

IV.  Gruppe: 

1.  Chalcedon-Sandstein  16, 

3.  Krystall-Sandstein  1, 

3.  brecciöser  Chalcedon-Sandstein  4, 

4.  Chalcedon-Breccie  bis  Conglomerat  3, 

5.  (conglomeratischer)  Eisen- Sandstein  1. 

C.  Oemengtheile. 

33.  Die  Sandkörner  in  den  Botletle-Gesteinen  sind  stets  klein,  alle 
Sandsteine  sind  als  feinkörnig  zu  bezeichnen.  Unter  den  Sandkörnern 
waltet  der  Quarz  bei  Weitem  vor.  Die  Quarzkörner  zeigen  durchweg 
eine  Abhängigkeit  der  Form  von  der  Grösse;  die  kleinsten  Körnchen  sind 
eckig,  die  mittleren  subangular,  die  grössten  stark  abgerundet.  Im  Auf- 
treten dagegen  herrscht  Regellosigkeit:  in  manchen  Gesteinen  sind  alle 
Quarz-Sandkörner  gleich  gross,  in  anderen  kommen  alle  Grössen  durch 
einander  und  ohne  jede  Sonderung,  z.  B.  nach  Lagen,  vor.  Die  Quarz- 
Sandkörner  enthalten  oft  reichliche  und  zum  Theil  grosse  Flüssigkeits- 
einschlüsse, seltener  sind  die  bekannten  dünnen  opaken  Nadeln;  es  hat 
den  Anschein,  dass  Granite  und  Gneisse  das  Sand-Material  geliefert  haben. 
Unter  den  selteneren  Feldspath-Sandkörnern  wurden  nur  Orthoklas  und 
Mikroklin  gefunden;  Gesteinspartikeln  als  Sandkörner  sind  auch  nur 
selten  und  spärlich  vorhanden.  Dagegen  ist  noch  besonders  hervor- 
zuüeben  das  Vorkommen  von  „Flint“-Sandkörnern,  von  Körnern  von  ver- 
kieseltem  Ngamikalk  (siehe  weiter  unten).  Hieran  schliessen  sich  Fetzen 
und  Bruchstücke  von  feinkörnigem  Chalcedon  und  Gerölle  davon.  Es  ist 
bisweilen  recht  schwer  zu  entscheiden,  ob  grössere  Stücke  solcher  Kiesel- 
gesteine wirklich  Gerölle  sind  oder  nur  Bruchstücke,  da  es  wohl  denkbar 
ist,  dass  unter  der  Tropensonne  von  Kieseln  Stücke  abgesprengt  werden, 
so  dass  runde  Kerne  übrig  bleiben.  Doch  kommen  hier  in  den  Botletle- 
Gesteinen  auch  unverkennbare  Rollkiesel  vor. 

33.  Im  Allgemeinen  enthalten  die  Botletle-Gesteine  nur  wenig  Thon, 
der  überdies  im  Dünnschliff  meist  nicht  als  solcher  erkennbar  ist,  denn 
im  Kalkspath  und  im  Dolomit  verschwindet  er  durch  die  starke  Doppel- 
brechung dieser  Substanzen,  und  im  Chalcedon  ist  er  in  Folge  der  Zu- 
sammensetzung desselben  aus  kleinen  Theilchen  auch  nur  sehr  schwer  und 
unsicher  zu  erkennen.  Beim  Auflösen  von  carbonathaltigen  Gesteinen  in 
Salzsäure  kommt  aber  der  Thon  zum  Vorschein:  als  „Thon“  gelten  dann 
die  unbestimmbar  winzigen  Stäubchen,  deren  Verschiedenartigkeit  man 
zum  Theil  erkennen  kann,  über  deren  mineralische  Beschaffenheit  sich 
aber  weiter  nichts  aussagen  lässt.  Leider  ist  es  auch  nicht  möglich,  die 


74 


für  genetische  Verhältnisse  wichtige  Frage  zu  entscheiden,  ob  vielleicht 
in  dein  Thon,  wenigstens  in  den  nicht  metamorphosirten  Kalkgesteinen, 
organogene  freie  Kieselsäure  in  feinster  Vertheilung  vorhanden  ist. 

34.  Eisenhydroxyd  als  Brauneisenstein  und  vielleicht  in  manchen 
Fällen  Eisenglanz  ist  in  den  Botletle-Gesteinen  meist  nur  spärlich  vor- 
handen; seine  Menge  variirt  selbst  im  einzelnen  Handstück,  so  dass  auch 
einmal  kleine  Stellen  mit  reinem  Eisen-Bindemittel  neben  sonst  anders 
beschaffenem  Bindemittel  Vorkommen  können.  Tritt  Brauneisenstein  in 
etwas  grösserer  Menge  auf,  so  liebt  er  es,  die  Quarz-Sandkörner  zu  um- 
hüllen, oder  er  erscheint  in  Fetzen  zwischen  Chalcedon-  oder  Calcitkörnern. 
Als  vorherrschendes  Gement  im  Eisen-Sandstein  wird  das  Brauneisenerz 
im  Dünnschliff  mit  kräftig  rothbrauner  Farbe  durchscheinend;  durch 
chemische  Analyse  wurde  in  solchem  Brauneisenerz  eine  nicht  unbeträcht- 
liche xMenge  von  Kieselsäure  nachgewiesen,  die  im  Dünnschliff  nicht  als 
solche  hervortritt.  Nur  selten  erscheint  Eisenhydroxyd  als  jüngste  Ab- 
lagerung in  Poren  der  Gesteine. 

35.  Bei  der  Entstehung  der  Botletle-Gesteine  hat  sich  augenschein- 
lich zuerst  dichter  Kalkspath  als  Bindemittel  oder  als  Gestein  gebildet, 
der  also  aus  allerwinzigsten,  kaum  unterscheidbaren  Körnchen  von  Calcit 
besteht.  Auch  bei  aller  Umänderung  bleibt  der  Kalk  immer  doch  noch 
mikroskopisch  feinkörnig,  namentlich  treten  in  diesen  jungen  Gesteinen 
niemals  so  grosse,  von  anderen  Gesteinsgemength eilen,  erfüllte  Calcit- 
individuen auf  wie  in  den  älteren  Kalksteinen  der  Ngami-Schichten.  Sehr 
bald  ist  in  den  Botletle-Gesteinen  der  dichte  Kalk  theilweise  bis  ganz 
krystallinisch  geworden,  d.  h.  die  Componenten  des  Calcitaggregates  sind 
so  gross  geworden,  dass  sie  mikroskopisch  einzeln  deutlich  unterschieden 
werden  können.  Diese  Erscheinung  zeigt  sich  ja  in  unendlich  vielen 
makroskopisch  dichten  Kalksteinen;  hier  in  den  Botletle-Gesteinen  ist  es 
besonders  beachtenswerth,  dass  bei  dem  Krystallinischwerden  des  Kalkes 
öfter  runde  dichte  Partien  von  geringem  Durchmesser  übrig  bleiben,  die 
dem  Dünnschliff  eine  scheinbar  oolithische  Structur  verleihen  können  oder 
Anlass  geben,  organische  Gestalten  wie  etwa  Foraminiferen  zu  vermuthen. 

Man  kann  behaupten,  dass  dieser  Vorgang  des  Krystallinisch werdens 
des  Calcites  erst  durch  ähnliche  Beagentien  bewirkt  worden  ist,  wie  sie 
auch  bei  der  Dolomitisirung  in  Frage  kommen.  Abgesehen  davon,  dass 
der  Dolomit  stets  mikroskopisch-körnig,  nicht  dicht,  erscheint,  besteht 
kein  durchgreifendes  Kennzeichen,  das  gestattete,  Calcit  von  Dolomit 
u.  d.  M.  zu  unterscheiden;  allenfalls  ist  noch  für  Dolomit  charakteristisch 
das  Vorkommen  einer  äusserst  gleichmässigen,  mikroskopisch  feinkörnigen 
Structur  in  grösseren  Partien.  Recht  sonderbar  ist  beim  Calcit  wie  beim 
Dolomit  das  Auftreten  einer  Structur,  die  ich  nicht  besser  denn  als 
„plastisch“-körnig  bezeichnen  kann;  die  einzelnen  Körner  heben  sich  deut- 
lich von  einander  ab,  sie  scheinen  alle  rundliche  Conturen  zu  besitzen, 
und  doch  steckt  zwischen  ihnen  keine  andere  Substanz  als  eben  wüeder 
Carbonat.  Haben  nun  solche  Körner  des  Aggregates  nicht  kugelige,  sondern 
etwa  walzenförmige  Gestalt,  so  erscheint  eine  Structur,  die  man  nur  als 
ein  Geflecht  bezeichnen  kann.  (Vergl.  hierzu  die  Abbildung  eines  solchen 
völlig  verkieselten  Geflechtes  Taf.  111,  Fig.  1). 

Mit  dem  Krystalliniscliwerden  des  Calcites  und  andererseits  mit  seiner 
Umwandlung  in  Dolomit  geht  Hand  in  Hand  die  Bildung  von  schlecht 
bis  sehr  gut  und  scharf  ausgebildeten  Rhomboeder  dien  von  mikro- 


75 


skopischen  Dimensionen,  die  aber  auch  gelegentlich  relativ  gross  werden 
können.  Rhomboeder  von  Calcit  und  von  Dolomit  sind  u.  d.  M.  nicht 
von  einander  zu  unterscheiden;  es  kann  auf  Zufall  beruhen,  dass 
in  den  untersuchten  Gesteinen  nur  von  Dolomit  Rhomboeder  auftreten, 
die  durch  einen  Kern  und  zum  Theil  durch  Anwachszonen  ausgezeichnet 
sind.  Poren  und  Thon  sind  hier  wohl  die  die  Structur  verursachenden 
Elemente.  Solche  Rhomboeder  mit  Kern  kommen  vereinzelt  vor,  oder  sie 
bilden  auch  die  Hauptmasse,  des  Gesteins,  wie  in  dem  der  Abbildung 
Taf.  III,  Fig.  5 zu  Grunde  liegenden  Vorkommniss  von  der  Pfanne  Garu, 
nordwestlich  von  Garn. 

Die  Dolomitisirung  kann  eine  im  Dünnschliff  hervortretende  scheinbar 
brecciöse  Structur  erzeugen. 

Wird  der  Calcit  oder  Dolomit  in  Chalcedon  umgewandelt,  so  bleiben 
bisweilen  sehr  charakteristische  fetzenartig  zerrissene  und  zerlappte  Par- 
tikeln davon  übrig,  die  im  Chalcedon  regellos  vertheilt  die  eingetretene 
Verkieselung  ganz  besonders  leicht  kenntlich  machen.  Solche  „Relicte“ 
von  Carbonat  können  aber  auch  mehr  geschlossene  Formen,  wie  die  rund- 
licher oder  gestreckter  Körner  besitzen.  E.  Geinitz  hat  in  seiner  Ab- 
handlung „Studien  über  Mineralpseudomorphosen“  im  Neuen  Jahrbuch 
für  Mineralogie  1876,  S.  449  bei  der  Beschreibung  der  Pseudomorphosen 
von  Chalcedon  nach  Kalkspath  die  Auffassung  vertreten,  dass  solche 
Partikeln  von  Kalkspath  dort  doch  eine  Neubildung  seien.  Ich  glaube 
auch,  dass  die  Relicte  nicht  direct  die  Reste  des  ehemaligen  Calcites 
sind  ohne  Umwandlung  oder  Umlagerung  der  Molekeln  etwa;  aber  die 
Substanz  des  Carbonates  ist  eben  nicht  von  aussen  hinzugeführt  worden, 
sondern  ein  Rest  des  Carbonates,  das  sonst  in  Chalcedon  pseudomorphosirt 
ist.  Dass  aber  das  Carbonat  auch  gewiss  in  molekularer  Umlagei“ung  im 
Chalcedon  erscheint,  geht  schon  daraus  hervor,  dass  Calcit  und  Dolomit 
auch  in  kleinsten  Partikeln  und  auch  in  winzigen  Rhomboedern  im  Chal- 
cedon auftreten. 

Als  secundär  kann  derjenige  Kalkspath  bezeichnet  werden,  der  in 
kleinen  Adern  und  öfters  das  Centrum  von  Poren  ausfüllend  auftritt;  er 
erscheint  meist  in  viel  grösseren  Körnern,  als  in  der  Gesteinsmasse  selbst. 

36.  Die  Erscheinungsweise  des  Chalcedon s und  anderer  Modifica- 
tionen  der  Kieselsäure,  die  als  Stoff  der  Verkieselung  und  der  Einkiese ^ 
lung  auftritt,  ist  dieselbe  in  allen  Gesteinen  der  nördlichen  Kalahari, 
welchem  Niveau  sie  auch  angehören.  Es  ist  deshalb  zweckmässig,  an  dieser 
Stelle  zusammenfassend  Alles  anzugeben,  was  über  die  Substanz,  die  im 
Allgemeinen  als  Chalcedon  zu  bezeichnen  ist,  auszusagen  ist.  Die  Kiesel- 
säure tritt  auf  als  amorpher  Opal,  als  Chalcedon,  als  Quarz,  aber  mit  so 
allmählichen  Uebergängen,  dass  es  oft  nicht  möglich  ist  anzugeben,  ob  die 
vorliegende  Substanz  noch  Opal  oder  schon  Chalcedon,  ob  sie  noch  Chal- 
cedon oder  schon  Quarz  zu  nennen  ist.  Man  könnte  wohl  behaupten, 
dass  sich  amorpher  Opal  bei  schnellem  Absatz  der  Kieselsäure  bildet, 
Chalcedon  bei  langsamerem  und  endlich  Quarz  bei  sehr  langsamer  Zufüh- 
rung der  Kieselsäure  in  stärkerer  Verdünnung.  Aber  abgesehen  davon, 
dass  sich  auch  ein  verschiedener  Intensitätsgrad  der  Metamorphosirung 
der  Gesteine  geltend  macht,  so  möchte  man  in  manchen  Fällen  Andeu- 
tungen dafür  finden,  dass  Opal  im  Laufe  der  Zeit  in  Chalcedon,  der  Chal- 
cedon in  Quarz  übergehen  kann  durch  Umlagerung  der  Molekeln  und  durch 


76 


Ausstossung  der  Wasser-Molekeln.  Meines  Wissens  kennt  man  bisher  weder 
(3pal  noch  Chalcedon,  von  dem  sich  nach  weisen  Hesse,  dass  er  älter  ist, 
als  etwa  die  obere  Kreideformation. 

In  den  Gesteinen  der  nördlichen  Kalahari  findet  sich  mehrfach  der 
Chalcedon  auch  in  grösseren  Massen  und  grösseren  Stücken;  vielfach  er- 
scheint er  in  den  Gesteinen,  kleine  Poren  und  zum  Theil  kleine  Spalten 
und  Schmitze  fast  oder  ganz  erfüllend.  Ist  er  nur  aligemein  fein  vertheilt 
im  Gestein  vorhanden,  dann  verleiht  er  demselben  meist,  nicht  immer, 
einen  bald  schwächeren  bald  stärkeren  Glasglanz  auf  frischen  Bruchflächen; 
welche  Varietät  von  Kieselsäure  dann  aber  in  dem  Gestein  enthalten  ist, 
lässt  sich  makroskopisch  nicht  bestimmen. 

37.  Die  Kieselsäure  tritt  seltener  auf  als  meist  wasserklarer  Opal 
oder  Hyalit,  vollkommen  isotrop  auch  in  den  besten  Präparaten  und  bei 
stärkster  Beleuchtung.  Entweder  findet  sich  der  Opal  in  Säumen-  von  etwa 
0,01  bis  0,02  mm  Breite  um  Sandkörner  und  andere  Bestandtheile  der  Ge- 
steine sich  herumschmiegend,  oder  in  kleinen  unregelmässig  gestalteten 
Partien.  Die  Säume  von  Opal  sind  entweder  ganz  homogen  oder  aus 
einzelnen  feinsten  Lagen  zusammengesetzt,  die  sich  mehr  oder  minder 
deutlich  von  einander  abheben.  Die  Trennung  einzelner  Lagen  von  Opal 
von  einander  wird  wohl  durch  Anhäufungen  winzigster  Poren  verursacht. 
Im  auffallenden  Lichte  glaubt  man  auch  sonst  eine  Trübung  des  Opals 
auf  Poren  zurückführen  zu  können;  ist  die  Trübung  stark,  dann  liegt  keine 
Möglichkeit  mehr  vor  zu  entscheiden,  ob  die  Masse  noch  isotrop  ist.  In 
(len  unregelmässig  gestalteten  Partien  von  Opal,  die  z.  B.  mitten  in  anderer 
Kieselmasse  liegen,  sieht  man  ihn  namentlich  bei  starker  Vergrösserung 
von  feinen  Linien,  wohl  von  Sprüngen  durchzogen:  der  Opal  zeigt  körnigen 
Zerfall,  wie  man  sich  ausdrücken  kann.  Die  Abbildung  Taf.  II,  Fig.  5 zeigt 
namentlich  in  ihrer  mittleren  Partie  die  Erscheinung  sehr  deutlich;  die 
AbbildungTaf.il,  Fig. 6 zeigt  dieselbe  Stelle  zwischen  gekreuzten  Nicols:  der 
Band  der  Opalmasse  hat  ziemlich  kräftige  Doppelbrechung  und  Zerfall  in 
faserige  Bestandtheile,  während  im  zerstreuten  Lichte  isotroper  Opal  und 
sein  doppelbrechender  Band  von  einander  durchaus  nicht  zu  trennen  sind; 
letzterer  hat  sich  augenscheinlich  im  Laufe  der  Zeit  aus  dem  Opal  entwickelt. 

Zwischen  gekreuzten  Nicols  zeigen  die  Säume  von  Opal  bisweilen  stellen- 
weise auch  eine  ganz  schwache  Aufhellung:  der  Opal  ist  schwach  doppel- 
brechend geworden.  So  kommt  es  vor,  das  zwischen  völlig  isotropen  Lagen 
von  Opal  in  Säumen  sich  eine  Lage  mit  schwacher  Doppelbrechung  ein- 
stellt, ein  üebergang  von  Opal  in  Chalcedon.  Auch  sonst  kann  man  Massen 
von  Kieselsäure  finden,  die  zwar  die  Structur  des  gemeinen  Chalcedons 
besitzen,  aber  nur  sehr  schwache  Doppelbrechung  aufweisen.  Dazu  ge- 
hören ferner  Massen  von  fein  vertheilter  Kieselsäure,  die  erst  in  entkalkten 
Dünnschliffen  zum  Vorschein  kommen  und  in  Bezug  auf  ihr  optisches  Ver- 
halten erst  geprüft  werden  können,  wenn  der  entkalkte  Schliff  mit  Canada- 
balsam  bedeckt  wird.  Solche  Kieselmassen  bleiben  aber  auch  dann  noch 
oft  schwer  mit  Sicherheit  erkennbar,  während  im  einfachen  Dünnschliff 
eines  zum  Theil  verkieselten  Kalksteins  gar  nichts  von  ihnen  zu  sehen  ist. 

38.  Diese  schwach  doppelbrechende  Kieselsäure  führt  vom  Opal  hin- 
über zu  dem  Chalcedon,  der  zunächst  einmal  in  seiner  typisch  faserig- 
büscheligen  Aushildungsweise  auftritt.  Da  es  sich  fast  immer  um  kleine 
Bäume  handelt,  in  denen  der  Chalcedon  sich  ablagern  konnte,  so  sind  seine 
Fasern  auch  niemals  so  lang,  wie  manchmal  in  den  grossen  Cbalccflon- 


77 


masseii  in  grossen  Drusen  und  auf  Klüften.  Kugelförmige  Aggregate, 
manchmal  etwas  grösser,  meist  recht  klein,  mit  gutem,  scharfem  Inter- 
ferenzkreuz, wurden  nur  ausnahmsweise  beobachtet.  Meist  erscheint  der 
faserige  Chalcedon  in  Büscheln,  also  körperlich  in  Kegeln,  die  in  bekannter 
Weise  neben  einander  zu  Lagen  angeordnet  sind.  Auffällig  war  nur  das 
Auftreten  von  isolirten  Chalceclonkegeln  von  kräftiger  Doppelbrechung  mitten 
in  völlig  amorphem  Opal.  Auch  hier,  vergleiche  die  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  1, 
erhält  man  durchaus  den  Eindruck,  dass  sich  der  Chalcedon  secundär  im 
Opal  entwickelt  hat. 

Die  Büschel  von  Chalcedon  gruppiren  sich  auch  in  schmäleren  bis 
breiteren  Säumen,  die  oft  im  zerstreuten  Licht  durchaus  nicht  von  Opal 
zu  unterscheiden  sind;  sie  zeigen  sich  auch  ebenso  aus  z.  B.  6 bis  8 Lagen 
aufgebaut  wie  der  Opal.  Ein  solcher  Chalcedon  mit  durch  die  Büschel 
hindurchgehenden  Lagen  ist  dann  also  gleich  dem  Achat  in  mikroskopischem 
Massstabe.  Man  kann  hier  also  etwa  den  Ausdruck  Mikroachat  verwenden. 
Als  ein  üebergang  von  Chalcedon  in  Quarz  ist  es  dagegen  anzusehen, 
wenn  ein  zwischen  gekreuzten  Nicols  feinfaserig  und  stark  divergent- 
strahlig  erscheinender  Chalcedon  sich  im  zerstreuten  Licht  aus  12  bis 
14  Lagen  aufgebaut  erweist,  die  durch  allerfeinste  Linien  von  einander 
getrennt  sind  von  zackigem,  Krystallspitzen  entsprechendem  Verlauf  wie 
beim  Festungsachat  oder  beim  Amethyst  (vergl.  hierzu  E.  Geinitz  1.  c.). 

Ausser  dem  feinfaserigen  Chalcedon  erscheint  nun  aber  auch  mehr 
oder  minder  grobstengeliger  Chalcedon,  bei  dem  die  Stengel  noch 
ebenso  nach  einem  Centrum  convergiren  wie  beim  feinfaserigen,  während 
man  doch  schon  leichter  die  einzelnen  Constituenten  des  Aggregates  von 
einander  unterscheiden  und  um  so  leichter  in  ihrem  optischen  Verhalten 
prüfen  kann,  je  gröber  — immer  in  mikroskopischem  Massstabe  — - sie 
sind.  Da  zeigt  sich  denn,  dass  die  einzeln  unterscheidbaren  Stengel  eine 
undulöse  Auslöschung  zwischen  gekreuzten  Nicols  besitzen,  als  wären  sie 
aus  nicht  erkennbaren,  submikroskopischen  Faserbüscheln  aufgebaut.  In 
anderen  Fällen  kann  man  aber  bei  den  einzelnen  Chalcedonstengeln  auch 
ganz  homogene  Auslöschung  constatiren. 

39.  Querschnitte  solchen  grobstengeligen  Chalcedones  erscheinen  im 
Dünnschliff  als  grobkörniger  Chalcedon;  doch  dürfte  auch  wirklich 
Chalcedon  Vorkommen,  der  aus  Aggregaten  von  gröberen  Körnern,  nicht 
aus  Stengeln  besteht.  In  sehr  auffälliger  Weise  sind  in  solchem  grob- 
körnigen Chalcedon  die  Grenzen  der  Körner  im  zerstreuten  Lichte  oft 
gar  nicht  oder  nur  mit  Mühe  zu  erkennen.  Die  einzelnen  Körner  löschen 
undulös  oder  homogen  aus;  in  letzterem  Falle  ist  immer  noch  ein  Unter- 
schied von  Quarz  festzustellen,  erstens  durch  das  Vorkommen  von 
charakteristischen  Einschlüssen,  wie  sie  in  anderen  Arten  des  Chalcedon s 
auftreten,  zweitens  durch  die  schwächere  Lichtbrechung  des  Chalcedons 
im  Verhältniss  zum  Quarz.  Aber  alle  solche  Kennzeichen  können  auch 
völlig  versagen;  es  giebt  keine  scharfe  Grenze  zwischen  einem  körnigen 
Chalcedon-Aggregat  und  einem  Quarzkorn-Aggregat.  Ich  habe  mich  im 
Laufe  der  Untersuchung  mit  den  Ausdrücken  „fast  Opal“  und  ,,fast  Quarz“ 
für  solche  Uebergangsstufen  zu  behelfen  versucht,  möchte  aber  diese  un- 
beholfenen Ausdrücke  nicht  weiter  verwenden.  Dass  aber  auch  „echter“ 
Quarz  als  Endglied  der  ganzen  Reihe  erscheint,  ist  ganz  unzweifelhaft. 

40.  In  ziemlich  bedeutendem  Gegensatz  gegen  den  mikroskopisch 
grobkörnigen  Chalcedon  steht  der  ganz  feinkörnige  Chalcedon.  Mit 


78 


recht  grosser  Sicherheit  kann  man  behaupten,  dass  bei  der  Umwandlung 
von  Carbonspath  in  Kieselsäure  eine  Beimengung  von  Thon  die  Heraus- 
bildung von  klarem,  deutlich  faserigem  oder  stengeligem  Chalcedon  ver- 
hindert. Es  tritt  dann  der  Chalcedon  in  zum  Theil  äusserst  feinkörnigen 
Aggregaten  auf,  deren  Elemente  wahrscheinlich  kleinste  Büschel  sind. 
Solche  Massen  können  scheinbar,  in  Folge  der  Dicke  der  Präparate,  eine 
sehr  schwache  Einwirkung  auf  polarisirtes  Licht  aufweisen.  Wo  aber  die 
Körnchen  bei  starker  Vergrösserung  noch  gut  prüfbar  sind,  zeigt  sich 
ausnahmslos  ungleichmässige  undulöse  Auslöschung.  Im  zerstreuten  Licht 
können  Stellen  von  recht  feinkörnigem  und  dabei  reinem  Chalcedon  eine 
gewisse  Aehnlichkeit  mit  Tridymit-Aggregaten  haben,  ohne  dass  dabei 
natürlich  an  wirklichen  Tridymit  zu  denken  ist. 

41.  Opal  und  Chalcedon  können  sich  unmittelbar  mit  scharfer  Grenze 
an  die  Quarz-Sandkörner  ansetzen.  Nicht  selten  aber  schliesst  sich  die 
neu  hinzugeführte  Kieselsäure  als  Quarz  mit  paralleler  Lagerung  der 
Molekeln  an  die  vorhandenen  Quarzkörner  an,  diese  ausheilend.  Da 
kann  dann  eine  Lage  um  die  Quarzkörner  vorhanden  sein,  die  gegen  diese 
genau  dieselbe  Auslöschungsrichtung,  genau  dieselbe  Stärke  der  Doppel- 
brechung besitzt,  während  sie  nach  aussen  hin  in  Körner  mit  undulöser 
Auslöschung,  in  Chalcedon- Aggregate  übergeht.  In  anderen  Fällen  tragen 
die  Quarz-Sandkörner  eine  dünne  Hülle  von  unzählig  vielen  Krystallspitzen 
in  der  Richtung  der  Hauptaxe,  von  kurzen  geradlinig  begrenzten  Theilchen 
in  der  Prismenzone;  es  haben  sich  also  viele  authigene  Subindividuen  an 
(las  allothigene  Quarzkorn  angesetzt,  und  das  optische  Verhalten  zeigt 
auch  hier,  dass  die  Substanz  wirklich  Quarz,  nicht  Chalcedon  ist.  Die 
Abbildung  Taf.  II,  Fig  4 zeigt  solche  Krystallspitzen  an  dem  Korn  in  der 
Mitte  in  besonders  grossem  Massstabe. 

Recht  interessant  ist  eine  Erscheinung  in  dem  einzigen  Krystall- 
Sandstein  zu  nennenden  Gestein  der  Botletle-Schichten  vom  Massarwa- 
Thal  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees.  Hier  sind  alle  Quarze  mehr  oder 
minder  gut  mit  gleichmässigen  Conturen  zu  Krystallen  ausgeheilt,  aber 
der  ausheilende  Quarz  zeigt  oft  gekrümmte  Anwachsstreifen  etwa 
parallel  den  Conturen  des  Sandkornes  im  schärfsten  Gegensatz  gegen  den 
oben  erwähnten  stark  divergent- büscheligen  Chalcedon  mit  zackig  gerad- 
linigen Anwachsstreifen.  Die  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  4 zeigt  diese  nur 
bei  gewisser  Beleuchtung  hervortretenden  Anwachsstreifen  auf  das  Deut- 
lichste. Das  Quarz -Sandkorn  und  die  ausheilende  Krystallspitze  zeigen 
genau  dieselbe  Interferenzfarbe  und  völlig  homogene  Auslöschung  zwischen 
gekreuzten  Nicols;  die  Sichtbarkeit  der  Anwachsstreifen  muss  auf  mini- 
malen Unterschieden  beruhen.  Aber  macht  nicht  das  Ganze  wieder  den 
Eindruck,  als  wäre  der  ausheilende  Quarz  einst  als  amorpher  Opal  ab- 
gelagert worden? 

42.  Der  Chalcedon  ist  öfters  feinporös,  denn  wohl  nur  als  Poren 
sind  die  feinsten  Pünktchen  zu  deuten,  die  im  auffallenden  Licht  weiss, 
im  durchfallenden  dunkel  erscheinen.  Recht  charakteristisch  für  den 
Chalcedon  ist  es  auch,  dass  feinere  und  gröbere  Poren  in  Flocken,  an 
Stellen  in  grösserer  Anzahl  erscheinen.  Relativ  grosse  Poren  sind  aus- 
gezeichnet durch  ihre  unregelmässigen  eckigen  Conturen,  wodurch  sie  sich 
lebhaft  auch  von  den  am  sonderbarsten  gestalteten  Poren  z.  B.  in  Granit- 
Quarzen  unterscheiden.  Durch  eine  grosse  Anzahl  winziger  Poren  wird 
der  Chalcedon  im  auffallenden  Licht  milchig  weiss,  eine  Erscheinung,  die 


79 


nur  selten  beobachtet  wurde.  Die  Armutb  oder  der  Reicbthum  an  ver- 
schiedenartigen Poren  in  wesentlich  aus  Chalcedon  bestehenden  Massen 
kann  die  Ursache  einer  makroskopisch  im  Hand  stück  wie  im  Dünnschliff 
auffallenden  Fleckigkeit  sein. 

4B.  In  den  verschiedenen  Gesteinen  der  nördlichen  Kalahari  zeigt  sich 
die  authigene  Kieselsäure  bald  nur  in  einer  einzigen  Ausbildungsweise,  bald 
in  mehreren  Varietäten,  die  meist  wie  verschiedene  Generationen  nach 
einander  zur  Ablagerung  gelangt  sind.  Diese  verschiedenen  Folgen  von 
,, Chalcedon“,  wie  wir  kurz  sagen  wollen,  können  durch  scharfe  Grenzen 
von  einander  geschieden  sein;  sie  können  aber  auch  in  schnellem  Ueber- 
gang  mit  verschwimmenden  Grenzen  mit  einander  verbunden  sein.  Die 
Grenzen  sind  dann  manchmal  im  zerstreuten  Licht,  manchmal  gerade 
zwischen  gekreuzten  Nicols  verschwommen;  es  tritt  z*  B.  der  Fall  ein,  dass 
eine  im  zerstreuten  Lichte  ganz  homogene  Masse  im  polarisirten  Lichte 
in  einen  Kern  von  völlig  amorphem  Opal  und  eine  Rinde  von  kräftig  polari- 
siren dem  Chalcedon  zerfällt,  vergl.  oben  S.76  und  Taf.II,  Fig.5  und  6.  Solche 
Erscheinungen  geben  immer  wieder  der  Vorstellung  Nahrung,  dass  die 
einzelnen  Varietäten  des  Chalcedons  auch  im  Laufe  der  Zeit  in  einander 
übergehen  können  in  der  Richtung  auf  Entstehung  von  Quarz.  Unzweifel- 
haft aber  ist  hier  der  oft  so  schnell  zu  Hülfe  herbeigezogene  Gebirgsdruck, 
die  sogenannte  Dynamometamorphose,  ganz  unschuldig  an  undulöser  Aus- 
löschung des  Quarzes.  Es  liegt  dann  eben  kein  Quarz  vor,  sondern  ein 
dem  Quarz  nahekommender  Chalcedon.  Aeltere  Ereiberger  Geologen  haben 
z,  B.  von  wasserhaltigem  Quarz  auf  den  Erzgängen  gesprochen;  neuere 
Untersuchungen  liegen  darüber  noch  nicht  vor. 

Eür  die  Verbindung  der  Varietäten  des  Chalcedons  unter  einander 
wäre  noch  die  ziemlich  häufige  Erscheinung  zu  erwähnen,  dass  grössere 
Partien  von  feinkörnigem  Chalcedon  von  einem  unregelmässigen  Netzwerk 
von  grobkörnigerem  durchzogen  zu  sein  pflegen. 

44.  Die  bisher  besprochenen  Verhältnisse  beziehen  sich  auf  reinen  und 
farblosen  Chalcedon.  Es  kommt  daneben,  aber  doch  seltener,  auch  ein 
homogener  lichtgelb  gefärbter  Chalcedon  vor,  der  z.  B.  auch  klein- 
körnig und  dabei  mit  tridymitähnlichem  Habitus  erscheinen  kann.  Ge- 
wöhnlicher ist  das  Vorkommen  einer  gelblichen,  faserig-streifigen  Masse, 
die  doch  auch  Chalcedon,  von  einer  Spur  von  Eisenoxyd  gefärbt,  sein  muss. 
In  diesem  Chalcedon  sind  niemals  Büschel  von  Fasern  vorhanden,  die 
faserigen  Elemente  sind  vielmehr  in  verschiedener  Weise  mit  einander  ver- 
flochten, meist  mit  striemig-streifiger  Anordnung;  einzelne  Fasern  treten 
beim  Drehen  des  Präparates  zwischen  gekreuzten  Nicols  in  verschiedenen 
Richtungen  besonders  hell  hervor,  und  doch  kann  man  im  zerstreuten  Lichte 
auch  bei  starker  Vergrösserung  und  guter  Beleuchtung  keine  fremden  Ele- 
mente unterscheiden.  Eisenhaltig  ist  die  Substanz  gewiss,  ob  auch  noch 
andere  chemische  Bestandtheile  darin  vorhanden  sind,  lässt  sich  nicht 
entscheiden. 

45.  Dagegen  tritt  auch  wirklich  Sericit,  winzige  Partikelchen  eines 
faserigen  Glimmers,  als  Verunreinigung  des  Chalcedons  auf;  er  ist  recht 
wohl  von  den  Theilchen  des  Chalcedons  zu  unterscheiden,  doch  muss  der 
Nachweis  der  Sericit-Natur  dieser  Elemente  auf  weiter  unten  verschoben 
werden.  Thon  als  Verunreinigung  des  Chalcedons  ist  als  solcher 
u.  d.  M.  nicht  erkennbar,  es  sind  nur  Vermuthungen  über  seine  gelegent- 
liche Anwesenheit  möglich.  Dagegen  ist  im  Chalcedon  stets  leicht  zu  er- 


80 


keimen  jedes  auch  noch  so  winzige  Partikelchen  von  Calcit  oder  Dolomit.  . 
Diese  liegen  in  allen  Arten  der  authigenen  Kieselsäure  vom  amorphen  Opal 
bis  zum  Quarz.  Sehr  oft  haben  dabei  Calcit  und  Dolomit  die  Form  von 
mehr  oder  minder  scharfen  ßhomboedern.  Chalcedon  und  Carhonspäthe 
erscheinen  in  allen  Zwischenstufen  gemischt  vom  reinen  Chalcedon  bis 
zum  reinen  Carbonspatb.  Herrscht  aber  der  Carbonspath  stark  vor, 
dann  ist  der  Chalcedon  u.  d.  M.  oft  schwer  aufzufinden;  erst  in  dem 
Lösungsrückstande  findet  man  dann  höchst  charakteristische  Chalcedon- 
skelette,  die  lebhaft  an  Lithistiden- Skelette  erinnern  können.  Seltener  wurde 
im  Lösungsrückstande  der  Chalcedon  in  faserig-zackigen  porösen  Aggre- 
gaten gefunden;  auch  das  seltene  Vorkommen  von  einzelnen  an  die  Quarz- 
Sandkörner  angewachsenen  Fasern  und  Zacken  von  Chalcedon  konnte  nur 
im  Lösungsrückstande  nachgewiesen  werden. 

46.  Eine  besonders  beachtenswerthe  Erscheinungsweise  des  Chalcedons 
ist  nun  noch  das  Vorkommen  von  Pseudomorphosen  von  Chalcedon 
nach  Calcit  oder  Dolomit  in  mehr  oder  minder  scharfen  Rhomboedern 
von  mikroskopischen  Dimensionen  im  Gesteinsgewebe.  Dabei  kann  der 
Chalcedon  auftreten  als  feinkörnige  Masse,  mit  faserig-büscheliger  Structur, 
körnig  mit  undulöser  Auslöschung  der  einzelnen  Körner,  endlich  als  ein- 
heitliches Korn  mit  homogener  Auslöschung,  also  quarzähnlich.  Diese 
Pseudomorphosen  sind  oft  wesentliche  Hülfsmittel  für  die  Erkennung  der 
eingetretenen  Verkieselung,  sie  werden  daher  noch  mehrfach  bei  den  Ge- 
steinen der  einzelnen  Schichtensysteme  zu  erwähnen  sein.  Es  mag  hier  nur  noch 
auf  die  Abbildungen  Taf.  III,  Eig.  5 und  Taf.  IV,  Fig.  3 hingewiesen  werden. 

47.  In  der  Mehrzahl  der  mikrochemisch  untersuchten  Gesteine  der 
Botletle- Schichten  zeigte  sich  beim  Auflösen  derselben  in  verdünnter  Salz- 
säure ebenso  ein  Gehalt  an  organischer  Substanz  wie  im  Kalahari- 
Kalk.  Es  scheiden  sich  beim  Auflösen  leichte  Flocken  von  heller  Farbe 
ab,  die  sich  in  der  Lösung  meist  schnell  zu  Boden  setzen,  weil  sie  Thon 
enthalten.  Bei  einigen  Gesteinen,  die  sich  leicht  schon  in  kalter  verdünnter 
Salzsäure  lösen,  wurde  im  Lösungsrückstand  die  organische  Substanz  auch 
als  eine  Hülle  um  Quarz -Sandkörner  vorgefunden.  Die  Verbrennbarkeit 
der  Flocken  und  damit  ihre  Natur  als  organische  Substanz  weist  man  am 
leichtesten  nach,  wenn  man  den  Lösungsrückstand  im  Uhrglas  mit  Alkohol 
auswäscht  und  die  feuchte  Masse,  in  der  die  Flocken  doch  zu  oberst  liegen, 
anzündet;  beim  Abbrennen  des  Alkohols  verglimmen  dann  die  Flocken  mit 
einem  Ueberrest  von  Thon.  Solche  organische  Substanz,  dem  Gewichte 
nach  offenbar  eine  sehr  geringe  Menge,  kommt  sowohl  in  kalkigen  wie  in 
dolomitischen,  in  den  härtesten  wie  in  mürberen  Gesteinen  vor. 

Die  Schalen  von  Gastropoden,  die  in  einigen  wenigen  Gesteinen 
vorhanden  waren,  sind  für  die  vorliegende  Untersuchung  weiter  nicht  von 
Bedeutung;  verkieselte  Schalen  wurden  nicht  gefunden. 

Es  mag  noch  an  dieser  Stelle  erwähnt  werden,  dass  Chlornatrium 
in  einem  mürben  Sandsteine  chemisch  in  reichlicher  Menge  nachgewiesen 
werden^, konnte  in  Uebereinstimmung  mit  der  Angabe  des  Herrn  Dr.  Pas- 
sarge. Sonst  wurde  nach  dem  Vorhandensein  etwa  von  Spuren  von  Na  CI 
als  ziemlich  selbstverständlich  gar  nicht  erst  gesucht. 

D.  Structur. 

48.  Bei  der  Entstehung  von  Sandsteinen  aus  Ablagerungen  von  lockerem 
Sande  spielt  das  sogenannte  Poren vol um cn  der  letzteren  eine  bedeutende 


81 


Rolle.  Die  leeren  Räume  zwischen  den  Sandkörnern  werden  hei  der  Ent- 
stehung?, der  Sandsteine  oft  durch  ein  besonderes  Bindemittel  ausgefüllt, 
dessen  Menge  dem  Rauminhalt  nach  z.  B.  also  gleich  dem  des  Porenvolumens 
des  abgelagerten  Sandes  sein  kann.  Da  aber  ein  fester  Sandstein  immer 
noch  porös  sein  kann,  so  empfiehlt  es  sich,  bei  der  Beschreibung  der 
mikroskopischen  Structur  von  Sandsteinen  den  Unterschied  festzuhalten 
zwischen  Interstitien  und  Poren.  Interstitien  mögen  die  Räume  zwischen 
den  einzelnen  allothigenen  gröberen  und  feineren  Körnern  der  Sandsteine 
und  ähnlicher  Gesteine  genannt  werden  im  Gegensatz  zu  den  Poren,  die 
bei  der  Verfestigung  der  Sandsteine  in  den  Interstitien  unausgefüllt  übrig 
bleiben  können.  Im  lockeren  Sand  ist  also  das  Interstitialvolumen  gleich 
dem  Porenvolumen;  es  nähert  sich  dem  möglichen  Maximum  umsomehr, 
je  gleichmässiger  gross  und  je  mehr  kugelförmig  die  allothigenen  Körner 
sind.  Im  festen  Sandstein  kann  nun  aber  das  Volumen  des  Bindemittels 
grösser  sein,  als  das  Interstitialvolumen  des  primären  körnigen  Sedimentes 
zum  Beispiel  schon  dadurch,  dass  mit  den  Quarz-Sandkörnern  zugleich 
Kalkschlamm  in  grosser  Menge  zum  Absatz  gelangte.  In  einem  sandreichen 
Kalkstein  ist  also  nach  der  hier  vorgeschlagenen  Nomenclatur  das  Binde- 
mittelvolumen, das  Interstitialvolumen  sehr  gross. 

Für  die  Sandsteine  der  Botletle-Schichten  ist  es  nun  in  hohem  Grade 
charakteristisch,  dass  in  allen  Vorkommnissen,  sowohl  von  Kalk-  und 
Dolomit-Sandsteinen,  wie  in  den  verkieselten  Sandsteinen  und  in  den 
Chalcedon-Sandsteinen,  das  Interstitialvolumen  sehr  gross  ist.  Dieses  Ver- 
hältuiss  zeigt  sich  in  einfachster  Weise  darin,  dass  die  Sandkörner  sich 
in  den  Gesteinen  im  Allgemeinen,  einzelne  Punkte  natürlich  ausgenommen, 
nicht  berühren,  sondern  Bindemittel  zwischen  sich  haben.  Man  kann  das 
Verhältniss  nur  ungenau  so  ausdrücken,  dass  man  sagt,  das  Bindemittel 
herrsche  vor  den  Sandkörnern  vor;  das  kommt  auch  vor,  aber  eben  nur 
dann,  wenn  das  Interstitialvolumen  ganz  besonders  gross  ist,  eine  Er- 
scheinung, die  bei  den  Botletle-Sandsteinen,  die  in  mehr  oder  minder 
reine  Kalksteine  oder  Dolomite  übergehen,  natürlich  auch  vorkommt. 

Porös  aber  sind  die  Sandsteine  der  Botletle-Schichten  wohl  in  allen 
Fällen  nur  dadurch  geworden,  dass  bei  der  Verkieselung  ein  Theil  des 
Gementes  weggeführt  wurde  und  dass  bei  der  Einkieselung  Theile  der 
Interstitien  unausgefüllt  blieben. 

49.  Bei  der  Besprechung  von  Kalkspath  und  Dolomit  in  35.  ist  schon 
die  Structur  der  zu  dem  Typus  der  sandigen  Kalksteine  gehörigen 
primären  Calcitgesteine  und  ihrer  mehr  oder  minder  dolomitisirten 
Varietäten  genügend  mit  berücksichtigt  worden,  da  die  allothigenen  Sand- 
körner, regellos  vertheilt  und  wie  im  vorhergehenden  Abschnitt  erwähnt 
sich  niemals  berührend,  keine  weiteren  allgemein  beachtenswerthen 
structurellen  Erscheinungen  verursachen.  Nur  das  mag  noch  erwähnt 
werden,  dass  in  einigen  wenigen  Vorkommnissen  die  Sandkörner  zunächst 
von  radial  gestellten  kurzen  Stengeln  von  Kalkspath  umgeben  werden,  die 
bei  der^liUmkrystallisation  des  Kalkcementes  diese  Anordnung  erhalten 
haben.  Solche  Calcitsäume  haben  eine  grosse  Aehnlichkeit  mit  Chalcedon- 
säumen. 

Die  dolomitischen  Gesteine  haben  keine  wesentlich  andere  Structur 
als  die  Calcitgesteine. 

In  den  verkieselten  Gesteinen  erscheint  der  Chalcedon  in  den 
Dü  11 11  schliffen  an  der  Stelle  der  Carbonspäthe,  er  hat  sie  verdrängt.  Man 


82 


möchte  mit  einem  etwas  krassen  aber  doch  bezeichnenden  Ausdruck  sagen, 
in  manchen  Fällen  hat  der  Chalcedon  den  Carbonspath  aufgefressen. 
Man  findet  kleine  Partien  von  reinem  Chalcedon,  die  sich  nach  aussen 
in  die  Carbonspäthe  verlieren;  diese  Partien  sind  in  anderen  Vorkomm- 
nissen grösser,  in  einigen  wenigen  ist  eine  völlige  Verkieselung  eingetreten; 
in  letzterem  Falle  kann  nur  die  Structur  des  Chalcedons,  der  Vergleich 
mit  nur  stark  verkieselten  Gesteinen  die  Auffassung  rechtfertigen,  dass 
man  es  mit  verkieselten  und  nicht  mit  eingekieselten  Gesteinen  zu  thun 
hat.  Bei  der  Verkieselung  bleiben  bald  Relicte  von  Carbonspath  übrig, 
bald  vermisst  man  sie.  Im  ersteren  Falle  kann  sich  auch  eine  völlige 
Umlagerung  der  Carbonate  einstellen,  und  das  Bindemittel  eines  solchen 
Gesteins  ist  dann,  vielleicht  nur  an  einzelnen  Stellen,  ein  sehr  feinkörniges 
und  schwankendes  Gemisch  von  Calcit- (Dolomit-) Körnchen  und  Chalcedon- 
körnchen,  das  unter  dem  Mikroskop  schwer,  aber  doch  noch  an  den 
dünnsten  Rändern  der  Präparate  auflösbar  ist;  die  bedeutenden  Unter- 
schiede in  der  Doppelbrechung  erleichtern  die  Trennung  der  beiden  Sub- 
stanzen. Ist  aber  nur  wenig  Chalcedon  gleichmässig  im  Carbonspath- 
gemenge  vertheilt,  dann  wird  man  ihn  durchaus  nur  im  Lösungsrückstand 
in  skelettartig  durchbrochenen  Partikeln,  selten  in  zackigen  Aggregaten 
auffinden. 

Wo  der  Chalcedon  in  grösserer  Partie  sich  dem  Carbonspath  nähert, 
da  löst  sich  letzterer  meist  in  einzelne  Körnchen  auf,  von  denen  dann 
einige  schon  ganz  in  Chalcedon  eingebettet  sind,  während  andere  noch 
mit  der  primären  Carbonatmasse  direct  Zusammenhängen,  dabei  aber  eine 
etwas  andere  Form  aufweisen  als  die  Körnchen  der  letzteren.  Gar  nicht 
selten  ragen  von  den  unumgewandelten  Carbonatpartien  Krjstallspitzen 
in  den  Chalcedon  hinein;  Calcit  und  Dolomit  sind  auch  in  diesen  Krystall- 
spitzen  nicht  von  einander  zu  unterscheiden,  und  namentlich  ist  es  sicher 
nicht  blos  der  Dolomit,  der  solche  Spitzen  bildet. 

Solche  Structuren  lehren,  dass  bei  der  Verkieselung  erst  der  Carbon- 
spath molekulare  Umlagerung  erleidet  und  dann  in  Chalcedon  pseudo- 
morphosirt  wird.  Dieser  Verlauf  wird  noch  dadurch  nachgewiesen,  dass 
— in  den  Botletle-Gesteinen  allerdings  nur  ausnahmsweise  — auch  Pseudo- 
morphosen  von  Chalcedon  in  scharfer  Rhomboederform  auftreten,  und 
dass  ferner  auch  Partien  mit  so  auffälliger  Structur  wie  die  eines 
.,plastisch“-körnigen  Calcit-Aggregates  völlig  in  Chalcedon  metamorphosirt, 
man  darf  sagen  pseudomorphosirt  worden  sind. 

50.  In  den  verkieselten  Botletle-Gesteinen  erscheint  in  den  einzelnen 
Vorkommnissen  meist  nur  eine  Art  von  Chalcedon,  und  zwar  fein-  bis 
feinstkörniger.  Dieses  Verhältniss  erleichtert  auch  die  Erkennung  der 
Verkieselung  in  völlig  verkieselten  Gesteinen.  In  anderen  Vorkommnissen 
können  sich  auch  zwei  Generationen  von  Chalcedon  zeigen,  die  durch 
ihre  Korngrösse  oder  durch  ihre  Einschlüsse  von  einander  verschieden 
sind.  So  findet  sich  öfters  ein  stark  poröser  Chalcedon  zunächst  um  die 
Quarzkörner,  ohne  aber  dass  diese  regelmässig  oder  ganz  von  ihm  um- 
hüllt werden.  Man  muss  sich  beiläufig  bemerkt  hüten,  solchen  im  auf- 
fallenden Lichte  weissen,  im  durchfallenden  Lichte  trüben  Chalcedon  mit 
einem  Chalcedon-Calcit-Gemisch  zu  verwechseln.  In  den  Chalcedonmassen 
kann  man  auch  Opal  im  Centrum  derselben  finden,  oder  es  liegen  um- 
gekehrt doppelbrechende  Chalcedonpartien  im  Opal;  die  Structuren  sind 
eben  so  verschieden,  dass  eine  erschöpfende  Beschreibung  nicht  gegeben 


83 


werden  kann.  Aber  niemals  finden  wir  in  den  verkieselten  Gesteinen 
scharfe  Säume  von  Clialcedon- Varietäten  um  die  Sandkörner;  treten  diese 
doch  gelegentlich  in  irgend  einer  Weise  in  geringer  Menge  auf,  dann  muss 
man  hier  ausser  der  Verkieselung  auch  noch  eine  später  eingetretene  Ein- 
kieselung annehmen;  zeigt  es  sich  doch,  dass  bei  der  Verkieselung  grössere 
Poren  im  Centrum  der  Interstitien  übrig  bleiben  können. 

Dadurch,  dass  die  Verkieselung  meist  von  einzelnen  wenig  von  ein- 
ander entfernten  Punkten  ausgeht,  kann  ein  ganz  oder  stark  verkieseltes 
Gestein  ein  kleinfleckiges  Aussehen  erlangen,  das  im  Handstück  entfernt 
an  oolithische  Structur  erinnert.  Auch  ein  an  Brauneisenerz  reiches, 
wahrscheinlich  aber  dabei  auch  stets  kieselhaltiges  Bindemittel  stellt  sich 
öfters  in  kleinen  Partien,  Flecken  erzeugend,  ein. 

Es  ist  noch  besonders  hervorzuheben,  dass  verschiedene  Structuren 
in  verkieselten  Gesteinen  neben  einander  Vorkommen.  So  zeigte  ein  halb- 
verkieselter,  stark  dolomitischer  Kalk-Sandstein  von  Pompi  am  Botletle 
in  einem  und  demselben  mikroskopisch  stark  fleckigen  Präparat  folgende 
drei  verschiedene  Ausbildungsweisen  des  Bindemittels:  1.  dichter  Carbon- 
spath  (Calcit?)  mit  Chalcedon  im  Centrum;  2.  Chalcedon  mit  Carbonspath 
(Dolomit?)  im  Centrum;  3.  sehr  feinkörniges  schwankendes  Gemisch  von 
Chalcedon  und  Carbonspath. 

51.  Bei  ungefähr  dem  vierten  Theile  aller  Botletle-Gesteine,  die  von 
Carbonspäthen  völlig  frei  sind,  waren  die  Erscheinungen  der  Verkieselung 
nicht  nachweisbar;  ihr  Kieselcement  muss  durch  Einkieselung  entstanden 
sein.  In  diesen  Gesteinen,  Typus  der  Chalcedon-Sandsteine,  erscheinen  in 
buntem  Wechsel  alle  Arten  von  Kiesel  vom  amorphen  Opal  bis  zum  ,, echten“ 
Quarz  und  zwar  meist  zwei  Arten  zugleich;  einartige  Kieselmasse  kommt 
nur  ausnahmsweise  vor.  Charakteristisch  für  die  eiugekieselten  Gesteine 
ist  das  häufige  Vorkommen  von  Säumen  um  die  Sandkörner  und  zwar,  wie 
hervorgehoben  werden  muss,  um  alle  Sandkörner  einzeln,  wie  das  die  Ab- 
bildung Taf.  II,  Fig.  1 zeigt.  Die  Säume  heben  die  Quarzkörner  oft  sehr 
scharf  von  dem  übrigen,  anders  struirten  Bindemittel  ab  und  bestehen  bald 
aus  Opal,  bald  aus  verschiedenartigem  Chalcedon;  eine  gesetzmässige  Auf- 
einanderfolge der  Kieselvarietäten  ist  nicht  zu  erkennen.  Sandkörner  mit 
Säumen  und  einem  weiteren  Kieselcement  zwischen  sich  stellen  die  genauen 
Analoga  der  Ringel-  oder  Sphärenerze  dar.  Zu  dieser  Erscheinung  gehört 
auch  das  Auftreten  von  ausheilendem  Quarz  um  die  Sandkörner  in  schmaler 
continuirlicher  Lage  oder,  aber  nur  selten,  in  zahllosen  Krystall-Subindi- 
viduen.  Meist  ist  die  Ausheilung  in  den  Botletle-Gesteinen  nur  wenig 
stark  entwickelt,  doch  steigert  sie  sich  in  einem  Falle  bis  zur  Heraus- 
bildung eines  Gesteines  vom  Massarwa-Thal  an  der  Südseite  des  Ngami- 
Sees,  das  nach  dem  mikroskopischen  Befunde  nur  als  Krystall- Sandstein 
bezeichnet  werden  kann;  in  ihm  schliessen  sich  die  Quarzkörner  sämrntlich 
mit  Ausheilung  polyedrisch  an  einander  wie  in  einem  Quarzit.  Die  ge- 
krümmten Ausheilungszonen  wurden  oben  S.  78  erwähnt.  Das  Gestein 
hat  kleine  Poren,  ist  sonst  von  hohlen  bis  1 cm  starken  unregelmässigen 
Röhren  durchzogen,  zeigt  aber  keine  Spur  von  Opal  oder  Chalcedon. 

Ein  Staub  von  Eisenhydroxyd  im  Chalcedon  oder  eine  dünne  oder 
stärkere  Hülle  von  Eisenhydroxyd  um  Quarzkörner  kommt  auch  bisweilen 
in  diesen  eingekieselten  Gesteinen  vor. 

52.  Die  eingekieselten  Gesteine  sind  immer,  wie  schon  aus  der  oben 
S.  73  gegebenen  Aufzählung  der  Varietäten  hervorgeht,  typische  Sandsteine. 


84 


Das  Gement  ist  niemals  in  vorherrschender  Menge  vorhanden,  aber  aus 
dem  Vorkommen  von  Säumen  um  die  Sandkörner  geht  schon  hervor,  dass 
oft,  sogar  meist,  das  Porenvolumen  des  primären  Sandes  in  den  mannig- 
faltigsten Abstufungen  von  dem  Interstitialvolumen  der  festen  Sandsteine 
übertroffen  wird.  Bei  den  zum  Vergleich  herbeigezogenen  Ringelerzen 
kann  man  ja  die  Entstehung  nur  so  erklären,  dass  die  auskrystallisiren- 
den  Gangmineralien  die  Bruchstücke  des  Nebengesteins  allmählich  von  ein- 
ander entfernt  haben.  Zu  derselben  Auffassung  nöthigt  uns  auch  die 
Structur  der  eingekieselten  Botletle-Sandsteine;  die  fertigen  Sandsteine 
haben  ein  grösseres  Volumen,  als  die  primären  Sandablagerungen.  Hier- 
nach könnte  man  erwarten,  dass  solche  Chalcedon-Sandsteine  entweder 
bald  nach  der  Ablagerung  der  Sande  entstanden  sind,  oder  dass  sie  vor 
der  Einkieselung  nicht  von  anderen  mächtigen  Massen  überlagert  worden 
sind.  Ich  kann  hier  leider  keine  genügende  Auskunft  geben,  da  Herr  Dr. 
Passarge  noch  nicht  in  der  Lage  gewesen  ist,  meine  Bestimmungen  der 
einzelnen  Gesteine  mit  seinen  Beobachtungen  in  der  Kalahari  zusammen- 
zustellen. Nur  soviel  weiss  ich,  dass  die  eingekieselten  Chalcedon-Sand- 
steine bisweilen  nur  Massen  innerhalb  von  lockeren  Sandsteinen  bilden. 
Andererseits  werden  wir  bei  den  Renaka-Gesteinen,  die  auch  Chalcedon- 
Sandsteine  sind,  eine  auffällige  Verschiedenheit  der  Structur  finden,  die 
auf  den  Druck  überlagernder  Massen  zurückzuführen  ist. 

53.  Breccien  und  Conglomerate  gehören  ihrer  Zusammensetzung  • 
und  ihrem  Vorkommen  nach  zu  einem  der  bereits  besprochenen  Typen, 
aber  sie  geben  doch  noch  Anlass  zu  einer  besonderen  Erwägung.  Mit 
Sicherheit  kann  man  zunächst  angeben,  dass  die  grösseren  Gesteinsstücke 
in  diesen  Gesteinen  sowohl  bei  der  Verkieselung  als  auch  bei  der  Ein- 
kieselung in  Mitleidenschaft  gezogen  worden  sind.  So  sind  Stücke  rothen 
Mergelkalkes  in  ihrer  äusseren  Partie  ärmer  geworden  an  Eisenhydroxyd, 
Aederchen  von  Chalcedon  gehen  als  Fortsetzungen  des  Bindemittels  des 
ganzen  Gesteins  in  die  grösseren  Stücke  hinein,  Gerölle  von  Chalcedon- 
masse  zeigen  eine  innere  concentrische  Lage,  die  im  Schliff  trübe  und 
milchig,  also  porös  ist,  während  die  äusserste  Partie  klarer  durchscheinend, 
also  wohl  noch  weiter  von  Kieselmasse  imprägnirt  ist.  Aber  eben  diese 
Gerölle  sind  doch  schon  als  wenigstens  vorherrschend  aus  Chalcedon  be- 
stehende Massen  zur  Ablagerung  gelangt.  Ferner  treten  mehrfach  Bruch- 
stücke von  dem  älteren  Ngami-Kalkstein  in  den  Botletle-G esteinen  auf, 
die  theilweise  oder  völlig  ganz  in  der  Art  verkieselt  sind,  wie  es  beim 
anstehenden  Ngami-Kalk  vorkommt.  Darnach  will  es  scheinen,  dass  die 
Phänomene  der  Verkieselung  und  Einkieselung  nicht  nur  in  einem  Zeit- 
räume, nicht  nur  einmal  stattgefunden  haben,  sondern  entweder  in  meh- 
reren Perioden  oder  längere  Zeit  hindurch.  Es  musste  doch  auch  schon 
erwähnt  werden,  dass  gelegentlich  und  in  geringerem  Masse  bei  den  ver- 
kieselten  Gesteinen  auch  die  Erscheinungen  der  Einkieselung,  und  zwar 
diese  immer  als  spätere  Phänomene,  verkommen.  Auch  weiter  unten  werden 
noch  Verhältnisse  zu  erwähnen  sein,  die  gleichfalls  für  zwei  Perioden  der 
Zufuhr  von  Kieselsäure  sprechen.  Im  vornherein  aber  kann  erklärt  werden, 
dass  eine  sichere  Entscheidung  auch  weiterhin  nicht  möglich  sein  wird;  die 
grossen  Verschiedenheiten  der  Structur  werden  für  diese  Frage  immer  wieder 
dadurch  zum  Theil  bedeutungslos,  dass  es  sich  immer  nur  wesentlich  um  eine 
Substanz,  Kieselsäure,  handelt.  Ueberdies  kommen  hier  speciellere  Altersver- 
hältnisse und  die  genauereLagerung  in  Betracht,  die  ich  nicht  beurtheilen  kann. 


85 


IV,  Keiiaka  - JSchicliten. 

54-.  Herr  Dr.  Passarge  sali  sich  bei  seinen  Aufnahmen  am  Südufer  des 
Ngami-Sees  veranlasst,  die  liegendsten  unter  den  jungen  Sedimenten  unter 
der  besonderen  Bezeichnung  der  Renaka-Schichten  zusammenzufassen.  Die 
zunächst  darüberliegenden  halbverkieselten  Dolomit-Sandsteine  gehören  zu 
den  Typen  der  Botletle-Gesteine.  Die  Gesteine  der  Renaka-Schichten  sind 
sämmtlich  Chalcedon-Sandsteine,  von  denen  weitaus  die  Mehrzahl  im 
Dünnschliff  durch  die  mikroskopische  Untersuchung  von  den  Chalcedon- 
Sandsteinen  der  Botletle-Schichten  unterschieden  werden  konnte.  Es  kommen 
als  Renaka-Schichten  auch  mürbe,  poröse  und  also  cementarme  Sandsteine 
vor;  diese  geben  aber  weiter  keinen  Anlass  zu  besonderen  Beobachtungen, 
zumal  von  ihnen  auch  nur  wenige  Proben  Vorlagen.  Wahrscheinlich  ent- 
halten auch  diese  cementarmen  Sandsteine  ihren  Zusammenhalt  durch 
geringe  Mengen  von  Kieselsäure,  deren  Nachweis  u.  d.  M.  kaum  mög- 
lich ist.  Die  vorliegenden  Sandsteine  sind  meist  sehr  spröde  und  hart, 
von  gleichmässigem  Korn  und  glasig  glänzenden  Bruchflächen;  viele  sind 
kleinfleckig  mit  in  einander  verschwimmenden  Partien  von  heller  bis 
bräunlich- violetter  Farbe  durch  verschiedenen  Reichthum  an  Eisenoxyden. 
Auch  drei  echte  Breccien  lagen  von  den  Renaka-Gesteinen  vor;  es  treten 
in  ihnen  scharfkantige  bis  suhangulare  Bruchstücke  von  Chalcedon-Sand- 
stein  in  einer  reiclilichen  Grundmasse  von  Chalcedon-Sandstein  auf,  und 
immer  hat  der  Chalcedon  in  den  Bruchstücken  eine  andere  Beschaffenheit, 
als  der  des  Grundmasse-Sandsteins.  Es  herrscht  also  dasselbe  Verbältniss, 
wie  bei  der  brecciösen  Kruste  der  Salzpfanne  Ntschokiitsa;  auch  die  Refiaka- 
Breccien  sind  nicht  durch  Gebirgsbewegungen  gebildet,  sie  zeugen  vielmehr 
nur  von  einer  längeren  oder  in  mehrere  Abschnitte  zerfallenden  Periode 
der  Verkieselung. 

55.  Die  Renaka-Sandsteine  enthalten  ganz  dieselben  allothigenen 
Quarz  körn  er  wie  die  Botletle-Gesteine.  Dagegen  sind  ein  klein  wenig 
häufiger  allothigene  Gesteinskörnchen,  ein  feiner  Gesteinsschutt  des 
Liegenden.  Dazu  gehören  auch  vereinzelte  Körnchen  von  Epidot.  Von 
den  Chalcedon-Varietäten  der  Reihe  Opal  bis  Quarz  kommen  als 
Bindemittel  nur  gerade  diejenigen  beiden  nicht  vor,  die  in  allen  Gesteinen 
der  nördlichen  Kalahari  gern  in  grösseren  Partien  erscheinen,  nämlich 
fein-  und  langfaseriger  Chalcedon  und  solcher  mit  deutlichen  Interferenz- 
kreuzen. Die  übrigen  Varietäten  treten  in  den  einzelnen  Vorkommnissen 
in  sehr  wechselnden  Mengen  auf,  doch  könnte  man  behaupten,  dass  Opal 
relativ  spärlich,  gelber  feinkörniger  oder  striemig-streifiger  Chalcedon  ver- 
hältnissmässig  häufig  erscheint.  Eisenoxydhydrat,  wohl  Brauneisenstein, 
findet  sich  ebenfalls  in  wechselnden  Mengen,  gern  Hüllen  um  die  Quarz- 
Sandkörner  bildend. 

56.  In  den  Renaka-Sandsteinen  ist  das  Bindemittel,  abgesehen  von 
lockeren  besonders  cementarmen  Vorkommnissen,  selten  in  überreichlicher 
Menge  vorhanden;  meist  scheint  das  Cementvolumen  dem  Interstitial- 
volumen  des  primären  Sandes  an  Menge  gleichzukommen  oder  es  doch 
nur  wenig  zu  übertreffen.  Damit  steht  in  engem  Zusammenhänge  das 
Auftreten  der  authigenen  Kieselsäure;  es  soll  versucht  werden,  hierüber 
den  genetischen  Vorgängen,  wie  sie  sich  wahrscheinlich  abgespielt  haben, 
folgend,  zu  berichten. 


86 


In  Anhäufungen  lockeren  Sandes  dringt  eine  Kieselsäure  enthaltende 
Solution  nur  spärlich  oder  in  besonders  starker  Verdünnuug  ein.  x\us 
der  Lösung  scheidet  sich  die  Kieselsäure  unmittelbar  in  krystallinischem 
Zustande  als  Quarz  ab,  der  sich  an  die  allothigenen  Quarzkörner  ansetzt, 
bald  in  Rinden,  bald  in  zahllosen  kleinen  Spitzen  und  Subindividuen;  die 
Bedingungen  für  diese  Verschiedenartigkeit  Hessen  sich  nicht  erkennen. 
Die  Menge  des  in  dieser  Weise  ausheilenden  Quarzes  schwankt  sehr, 
von  Spuren,  die  nur  mit  Mühe  aufzufinden  sind,  bis  zu  reichlichen  Mengen. 
Die  Neubildung  von  Quarzsubstanz  findet  ringsherum  um  alle  Quarzkörner 
mehr  oder  minder  gleichmässig  statt,  sie  bleibt  aber  aus,  wo  auf  den 
Quarz-Sandkörnern  Ablagerungen  von  Brauneisenstein  vorhanden  waren 
oder  sich  vielleicht  erst  bei  dem  ersten  Zutritt  der  Kiesellösungen  bildeten. 
Durch  die  Ausheilung  verwachsen  vielfach  reine  Quarz-Sandkörner  an  den 
Berührungsstellen  so  innig,  dass  sie  zwischen  gekreuzten  Nicols  gerade 
so  an  diesen  Stellen  an  einander  grenzen,  wie  die  Quarzkörner  in  einem 
krystallinischen  Gestein ; die  unregelmässige  Grenze  ist  oft  im  zerstreuten 
Licht  gar  nicht  zu  erkennen.  Durch  die  Verwachsung  entstehen  Gruppen 
von  zwei  und  mehreren  Körnern,  bisweilen  kurze  Ketten,  Formen,  die  als 
allothigene  Sandkörner  unmöglich  sind.  Die  Abbildung  Taf.  II,  Fig.  3 zeigt 
alle  Quarzkörner  mit  sehr  feinzackigen  rauhen  Conturen  und  einige  durch 
Ausheilung  mit  einander  verwachsene  Sandkörner.  Diese  Vereinigung  von 
Quarz-Sandkörnern  zu  Gruppen  wurde  nur  in  den  Renaka- Sandsteinen, 
niemals  in  den  Botletle-Gesteinen  gefunden. 

Allein  die  Vereinigung  der  Quarzkörner  konnte  nach  dem  Befunde 
in  einigen  Vorkommnissen  ausser  durch  Ausheilung  auch  noch  durch  einen 
anderen  Vorgang  stattfinden,  den  ich  in  meiner  Abhandlung  „Ueber  einen 
oligocänen  Sandsteingang  an  der  Lausitzer  Ueberschiebung  bei  Weinböhla  in 
Sachsen“  (diese  Abh.  1897,  S.  84)  als  Ver schweissung  von  Quarz- 
körnern bezeichnet  habe.  Es  zeigt  sich,  dass  öfters  ein  Quarzkorn  in 
ein  benachbartes  eingedrungen  ist  wie  ein  Gerölle  in  ein  anderes  in  der 
Kalknagelfluh.  Die  Abbildung  Taf.  11,  Fig.  2 zeigt  quer  hindurch  eine  Kette 
von  vier  in  einander  gepressten  Körnern  ohne  Ausheilung.  Auch  bei  den 
kleinen  Sandkörnern  findet  man  meist  das  Korn  oder  die  Stelle  eines 
Kornes  mit  kleinerem  Krümmungsradius  eingedrungen  in  eine  Stelle  eines 
anderen  Korns  mit  grösserem  Krümmungsradius;  auch  hier  sind  chemische 
und  mechanische  Vorgänge  in  Wechselwirkung  getreten.  Druck  über- 
lagernder Massen  und  Krystallisationsdruck,  der  durch  das  auskrystallisirende 
Bindemittel  erzeugt  wird,  veranlasst  die  Erscheinung  der  Verschweissung. 
Der  Druck  wirkt  aber  nicht  nur  auf  die  Berührungsstellen,  sondern  auch 
auf  die  ganzen  Körner,  die  in  Folge  davon  Feldertheilung  und  undulöse 
Auslöschung  annehmen.  Ein  unrichtiges  Urtheil  ist  hier  gewiss  besonders 
leicht  möglich;  Feldertheilung  und  undulöse  Auslöschung  kann  die  Sub- 
stanz der  Quarzkörner  schon  in  dem  Gestein  besessen  haben,  von  dem 
sie  herstammen,  und  Quarz-Sandkörner  mit  diesen  Eigenschaften  finden 
sich  wohl  in  allen  Sandsteinen.  Aber  in  den  Renaka-Sandsteinen  ist  eben 
diese  Erscheinung  besonders  häufig,  ja  sie  wurde  als  besonders  auffällig 
gerade  in  dem  Gestein  gefunden,  das  die  stärkste  Verschweissung  der 
Quarzkörner  erkennen  Hess. 

57.  In  den  Renaka-Sandsteinen  wird  die  Erkennung  der  Gruppen 
von  Quarz-Sandkörnern  oft  noch  dadurch  erleichtert,  dass  diese  Gruppen 
sich  bei  der  weiteren  Einkieselung  wie  ein  Korn  verhalten.  Nach  der 


87 


Bildung  des  ausheilenden  Quarzes,  der  immer  nur  in  geringer  Quantität 
vorhanden  ist,  tritt  eine  Pause  ein  in  der  Zufuhr  von  Lösungen,  aus  denen 
sich  Kieselsäure  abscheiden  kann,  oder  vielleicht  nur  eine  Aenderung  der 
chemischen  Zusammensetzung  der  Lösungen;  es  scheidet  sich  nicht  mehr 
Quarz  ab,  sondern  amorpher  Opal  oder  Chalcedon.  Oefters  tritt  diese 
(jeneration  der  Kieselsäure  in  scharf  begrenzten  Säumen  um  die  Sand- 
körner und  um  die  Gruppen  von  Quarz- Sandkörnern  auf,  diese  letz- 
teren in  höchst  charakteristischer  Weise  als  Gemengtheil-Einheiten  hervor- 
hebend. Bald  sind  es  opal-,  bald  mikroachatartige  Chalcedon -Säume  ohne 
erkennbare  Ursache  der  Verschiedenheit,  die  diese  Structur  erzeugen;  durch 
Säume  um  Gruppen  von  Körnern  unterscheiden  sich  die  Chalcedon-Sandsteine 
der  Refiaka-Schichten  lebhaft  von  denen  der  Botletle-Schichten.  Auf  die 
Säume  folgt  meist  noch  eine  dritte  Generation  von  Kieselsäure,  irgend  ein 
Chalcedon  von  anderer  Structur  oder  Opal.  Andererseits  tritt  in  den  Renaka- 
Sandsteinen  ziemlich  häufig  in  auffallender  Weise  auch  nur  eine  Art  von  Chal- 
cedon als  Cement  auf,  z.  B.  nur  sehr  feinkörniger  und  dabei  ganz  klarer  Chal- 
cedon, oder  nur  grober  körniger  Chalcedon,  oder  nur  gelber  Chalcedon.  Dem 
Absatz  dieses  einartigen  Chalcedons  kann  Ausheilung  der  Quarz -Sand- 
körner vorausgegangen  sein  oder  nicht.  Verschiedene  Structuren  des 
Cementes  in  einem  und  demselben  Dünnschliff,  z.  B.  das  nur  sporadische 
Auftreten  von  Säumen,  konnten  mehrfach  beobachtet  werden. 

Wenn  sich  aber  überhaupt  um  viele  Quarzkörner  oder  um  Gruppen 
von  Quarzkörnern  Säume  bilden  konnten,  so  muss  auch,  analog  dem  Falle 
bei  den  eingekieselten  Botletle- Gesteinen,  eine  Volumvergrösserung  der 
Massen  bei  der  Ausscheidung  der  zweiten  Generation  von  Kieselsäure 
stattgefunden  haben;  es  ist  aber  wohl  denkbar,  dass  dieses  Phänomen 
räumlich  beschränkt  gewesen  ist,  so  dass  hieraus  kein  Widerspruch  gegen 
die  Flrscheinung  der  Verschweissung  der  Quarzkörner  zu  folgern  ist.  Die 
Renaka-Sandsteine  besitzen  im  Allgemeinen  wenig  Kieselcement. 

58.  Bei  der  Einkieselung  konnten  in  den  Centren  der  Interstitien 
Poren  bleiben,  die  in  einem  Falle  durch  secundären  Kalkspath  ausgefüllt 
wurden.  Sonst  fehlt  der  Kalkspath  den  Renaka- Sandsteinen  durchaus 
und  auch  Pseudornorphosen  von  Chalcedon  nach  einer  ,,plastisch“-körnigen 
Calcitmasse  wurden  nur  einmal  in  den  Bruchstücken  eines  brecciösen 
Chalcedon-Sandsteines  gefunden.  Es  ist  doch  auch  leicht  denkbar,  dass 
in  den  primären  Sanden,  aus  denen  die  Renaka-Sandsteine  durch  Ein- 
kieselung entstanden,  auch  kleinere  Partien  vorhanden  waren  mit  einem 
Kalkcement,  das  dann  verkieselt  wurde. 

59.  Höchst  auffällig  bleibt  dabei  immer  der  Unterschied  zwischen  den 
Renaka-Gesteinen  und  den  Botletle-Gesteinen  im  Grossen;  in  den  ersteren, 
die  ausschliesslich  eingekieselte  Chalcedon-Sandsteine  sind,  kommt  allein 
die  Verwachsung  der  Quarz-Sandkörner  durch  Ausheilung  und  Verschweis- 
sung vor,  während  unter  den  Botletle-Gesteinen  die  primär  kalkhaltigen 
bei  Weitem  vorwalten  und  die  secundäre  Verkieselung  eine  häufige  Er- 
scheinung ist.  Die  jüngsten  Glieder  der  ganzen  vielleicht  tertiären  Schichten- 
reihe, die  Pfannen-Saiidsteine,  konnte  ich  nicht  von  den  Botletle-Gesteinen 
nach  petrographischen  Kennzeichen  trennen;  wohl  aber  ist  die  Abtrennung 
der  ältesten  Glieder,  der  Refiaka-Gesteine,  möglich.  Aber  alle  diese  Ge- 
steine gehören  doch  zu  einer  grösseren  Feinheit  zusammen;  ihre  Entstehung 
und  Metamorphose  wird  durch  die  jungen  sandigen  Kalahari-Kalke  und 


den  lockeren  Kalahari- Sand  der  Steppe  einerseits  und  die  recenten  Salz- 
pelite  und  ihre  Kruste  andererseits  in  trefflicher  Weise  erläutert. 


¥.  tlebergaiigsgesteine. 

60.  ,,Die  Deckschichten  sind  auf  der  Denudationsfläche  des  alten  Ge- 
birgslandes  zur  Ablagerung  gelangt“,  so  schreibt  oben  S.  57  Herr  Dr.  Pas- 
sarge. Die  untersten  Deckschichten,  die  sich  unmittelbar  auf  dem  Aus- 
gehenden der  älteren  Gesteine  abgelagert  haben,  enthalten  oft  so  viel 
Material  von  diesen  letzteren,  dass  es  bei  der  petrographischen  Unter- 
suchung einigermassen  schwer  hält,  sie  mit  der  unteren  Abtheilung,  den 
Ilenaka-Schi(diten,  direct  zu  vereinigen.  Dazu  kommt  noch,  dass  auch  das 
Grundgebirge  selbst  in  seinem  oberflächlichsten  Ausgehenden  eine  andere 
Art  der  Metamorphose,  andere  Phänomene  bei  der  Zufuhr  von  Kieselsäure 
aufweisen  kann,  als  die  Hauptmasse  des  Grundgebirges.  Ich  muss  des- 
halb eine  Gruppe  der  üebergangsgesteine  ausscheiden,  die  also  geo- 
logisch entweder  zu  den  Deckschichten  oder  zu  dem  Grundgebirge  gehören, 
obwohl  die  Entscheidung  darüber  selbst  im  Felde  schwierig  sein  kann. 
Wenigstens  ergaben  sich  gerade  bei  den  hier  unter  dem  Namen  der  Ueber- 
gangsgesteine  zusammengefassten  Vorkommnissen  bei  meinen  Besprechungen 
mit  Herrn  Dr.  Passarge  Meinungsverschiedenheiten  über  die  Zugehörigkeit 
zu  der  einen  oder  anderen  Gruppe.  Da  ein  continuirliches  Profll  durch 
die  oberen  Ngami-Schichten  am  iSüdufer  des  Ngami-Sees  nicht  vorhanden 
ist,  lässt  sich  die  Zusammenfassung  etwa  eines  Dutzends  von  Vorkommnissen 
als  üebergangsgesteine  wenigstens  für  die  vorliegende  Abhandlung  recht- 
fertigen.  Sie  geben  zu  einigen  wenigen  Bemerkungen  Anlass. 

61.  Conglomerate,  z.  B.  Quarzporphyrconglomerate  von  Tsillinyana 
am  Südufer  des  Ngami-Sees,  die  geologisch  unzweifelhaft  zu  den  Ngami- 
Schichten  gehören,  können  eine  Menge  von  ganz  besonders  reinem  Chalce- 
don  zwischen  ihren  grösseren  und  kleineren  Bestandth eilen  enthalten,  der 
bisweilen  schon  makroskopisch  wahrnehmbar  ist.  Obwohl  also  die  klas- 
tischen Bestandtheile  nicht  selten  isolirt  im  reinen  Chalcedon  liegen,  gehört 
doch  der  Chalcedon  durchaus  nicht  etwa  der  Periode  der  Ngami-Schichten 
an,  sondern  er  ist  bei  der  Einkieselung  des  Gesteins  in  jüngerer  Zeit  ent- 
standen. An  die  Conglomerate  schliessen  sich  dann  diejenigen  Gesteine 
an,  die  als  Schutt  und  Grus  von  alten  Gesteinen  mit  jungem,  meist 
auch  sehr  reinem  Chalcedon  zu  deuten  sind.  Als  üebergangsgesteine  sind 
solche  Gesteine  deshalb  anzu führen,  weil  in  ihnen  das  alte  Gesteinsmaterial, 
das  aufgelockerte,  zerklüftete  alte  Gestein  gar  keine  Aufbereitung  er- 
fahren hat;  es  ist  vollständig  lockerer,  grober  Schutt  von  Kieselmasse 
durchdrungen  worden.  Eine  dritte  Gruppe  bilden  dann  diejenigen  Gesteine, 
die  vor  der  Einkieselung  nicht  nur  zu  Schutt,  sondern  völlig  zu  Sand 
aufgelöst  worden  waren.  Hier  treten  dann  dieselben  Phänomene  auf,  wie 
bei  den  Deckschichten;  Quarzkörner  können  neuen,  ausheilenden  Quarz 
aufweisen,  es  erscheinen  alle  Arten  von  Kieselsäure  vom  Opal  bis  zum 
grobkörnigen  Chalcedon,  es  treten  Säume  von  Kieselsäure  von  verschiedener 
Art  auf,  es  können  die  Partikeln  durch  die  sich  verfestigende  Kieselsäure 
von  einander  entfernt  worden  sein.  Dass  dann  Zweifel  bestehen  können, 
ob  man  es  mit  einem  Deckgestein  oder  noch*  mit  einem  alten  Gestein  zu 
thun  hat,  ist  leicht  erklärlich.  Schliesslich  können  aber  auch  noch  feste 


89 


aber  poröse  alte  Gesteine,  z.  B.  ausgelaugte  Kalksandsteine  und  Grau- 
wacken eingekieselt  worden  sein,  Gesteine  also,  die  ohne  eine  vorherige 
Beeinflussung  durch  die  Atmosphärilien  unmöglich  eingekieselt  werden 
konnten.  Dass  auch  Aederchen  und  kleine  Drusen  von  Chalcedon  in 
solchen  Gesteinen  stecken,  überrascht  nicht  weiter. 

62.  Ist  also  Einkieselung  die  herrschende  Erscheinung  bei  diesen  Ueber- 
gangsgesteinen,  so  zeigen  sich  in  ihnen  doch  auch  die  Phänomene  der 
Verkieselung  in  ganz  derselben  Weise,  wie  bei  den  alten  Gesteinen  überall 
da,  wo  kohlensaurer  Kalk  vorhanden  war.  So  sind  in  solchen  hierher  ge- 
hörigen Conglomeraten  und  Breccien  nicht  selten  Bruchstücke  von  ver- 
kieseltem  Ngami-Kalkstein,  die  wieder  auf  den  Gedanken  bringen,  dass 
zwei  getrennte  Perioden  der  Zufuhr  von  Kieselsäure  zu  unterscheiden  sind, 
dass  die  Verkieselung  zeitlich  der  Einkieselung  der  ganzen  Massen  vor- 
ausgegangen ist.  Da  es  aber  wohl  denkbar  ist,  dass  bei  der  Einkieselung 
vorhandene  Kalkstein-Bruchstücke  in  ganz  derselbenWeise  verkieselt  wurden, 
wie  anderswo  der  anstehende  Kalkstein,  so  liefern  auch  diese  Uebergangs- 
gesteine  keinen  Anhalt  für  eine  sichere  Entscheidung  dieser  Frage. 


¥1.  Mg-aiiif-^cliicliteM  südlich  und  siidöstlicli  vom  Ngnmi- 

^ee. 

A.  Kieselige  Grauwacke. 

63.  Eines  der  vorherrschenden  Gesteine  der  unteren  und  der  oberen 
Ngami-Schichten  ist  die  Grauwacke,  ein  Name,  der  den  betreffenden 
Gesteinen  sowohl  nach  ihrem  Alter  wie  nach  ihren  Gemengtheilen  und 
ihrem  ganzen  Habitus  zukommt,  wenngleich  manche  Vorkommnisse  mehr 
einen  reinen  Quarzsandstein  darstellen.  In  allen  diesen  Gesteinen  herrschen 
unter  den  allothigenen  Gemengtheilen  die  Körner  von  Quarz  bedeutend 
vor.  Daneben  finden  sich  aber  auch  mehr  oder  minder  reichlich  nament- 
lich Plagioklas,  Epidot  und  zu  Viridit  umgewandelte  Körnchen,  Gemeng- 
theile, die  offenbar  von  basischen  Eruptivgesteinen  herstammen.  Ferner 
sind  allothigene  Körner  von  Gesteinen  zu  erkennen,  z.  B.  in  den  Grauwacken 
der  oberen  Ngami-Schichten  auch  Körnchen  von  Kalkstein. 

64r.  Die  Quarz-Sandkörner  zeigen  in  den  Grauwacken  nun  auch  die 
Erscheinungen  der  Ausheilung,  ohne  dass  diese  immer  auftritt.  Die 
Quarz-Sandkörner  können  mit  Krystallspitzen  oder  mit  Lagen  von  Quarz 
ausgeheilt  sein;  ganz  besonders  häufig  tritt  dabei  der  Fall  ein,  dass  alle 
Quarz-Sandkörner  so  innig  mit  einander  verwachsen  sind,  oder  in  so  in- 
nigem Verbände  mit  dem  gleich  zu  erwähnenden  Gemente  stehen,  dass  das 
ganze  Gestein  im  Dünnschliff  zwischen  gekreuzten  Nicols  den  Eindruck 
eines  holokrystallinen  Gesteins  macht.  G.  Linck  hat  zuerst  die  Aufmerk- 
samkeit auf  diese  Structur  der  Grauwacken  gelenkt  in  seiner  Abhandlung 
,,Geognostisch-petrographische  Beschreibung  des  Grauwackengebirges  von 
Weiler  bei  Weissenburg^‘  in  Abhandl.  z.  geol.  Specialkarte  von  Elsass-Loth- 
ringen,  Bd.  III,  1891,  S.  1. 

Die  ,, verschwommene  Abgrenzung“  der  Quarzkörner  gegen  einander 
und  gegen  das  Bindemittel  lässt  sich  in  den  Ngami-Grauwacken  mit  Sicher- 
heit auf  Ausheilungs-Vorgänge  zurückführen.  Diese  Vorgänge  sind  wesent- 


90 


lieh  gleich  denen  in  den  Deckschichten,  sie  gehören  aber  eben  alten  Zeiten 
an  und  haben  mit  der  jungen  Verkieselung  der  Kalahari-Gesteine  nichts 
zu  schaffen. 

65.  Und  doch  wirkten  bei  der  genaueren  Untersuchung  der  Ngami- 
G esteine  diese  in  der  Erscheinung  ganz  gleichen  Ausheilungen  der  Quarze 
verwirrend,  um  so  mehr,  als  das  Bindemittel  dieser  Grauwacken  erstens 
oft  in  überreicher  Menge  auftritt,  und  zweitens  weil  es  aus  einem  Aggregat 
von  Partikelchen  besteht,  das  mit  einer  feinkörnigen  Chalcedonmasse  die 
allergrösste  Aehnlichkeit  hat.  Das  Bindemittel  erscheint  oft  in  körner- 
artigen Partien,  vielleicht  auch  eben  deshalb,  weil  die  Quarz-Sandkörner 
sich  zunächst  durch  ausheilenden  Quarz  zu  Gruppen  zusammengeschlossen 
hatten.  Die  Kieselpartikeln  des  Bindemittels  sind  wohl  Quarz  zu  nennen; 
ist  das  Bindemittel  etwas  grobkörniger,  so  nimmt  man  in  den  einzelnen 
Körnern  desselben  auch  nicht  selten  undulöse  Auslöschung  wahr,  die  wmhl 
auch  auf  Krystallisationsdruck  zurückgeführt  werden  kann,  nicht  darai|.f 
zurückgeführt  zu  werden  braucht,  dass  etwa  die  Quarzkörnchen  durch 
molekulare  Umlagerung  aus  divergent -strahligen  Chalcedonkörnern  ent- 
standen sind. 

Ueberall  enthält  ferner  das  Bindemittel  der  Grauwacken  winzige  Blätt- 
chen und  Fäserchen  eines  glimmerartigen  Minerals,  das  einfach  als  Sericit 
bezeichnet  werden  kann.  Etwas  grösser  waren  die  Blättchen  desselben 
nur  in  einem  Vorkommniss.  Den  Sericit  werden  wir  aber  merkwürdiger 
Weise  auch  in  den  verkieselten  Ngami-Gesteinen  in  der  jungen  Kieselmasse 
wiederfinden. 

66.  Die  Ngami- Grauwacken  zeigen  gar  keine  Spuren  einer  jüngeren 
hydrochemischen  Umwandlung  durch  Zufuhr  von  Kieselsäure;  in  ihnen  war 
eben  nichts  mehr  da  weder  für  eine  Verkieselung  noch  für  eine  Einkiese- 
lung. Durch  ihr  Bindemittel  verlangen  die  Ngami-Grauwacken  ihre  spe- 
cielle  Bezeichnung  als  kieselige  Grauwacken;  es  ist  damit  möglich,  diese 
alten  Gesteine  scharf  von  den  jungen  Kieselgesteinen  getrennt  zu  halten, 
mit  denen  sie  merkwürdige  Analogien  der  Structur  aufweisen. 

B.  Kalkstein  und  Mergel. 

67.  Die  Kalksteine  und  Mergel  der  mittleren  Ngami-Schichten  sind 
dichte  Gesteine  von  ganz  heller  bis  gelbbrauner,  brauner  und  violetter 
Farbe;  es  finden  sich  darunter  ganz  reine  Kalksteine,  mergelige  Kalksteine 
und  Mergel.  Von  29  mikrochemisch  untersuchten  Handstücken  zeigten  nur 
zwei  einen  geringen  Gehalt  an  Magnesia,  der  einen  Uebergang  zu  den 
Dolomiten  dieses  Niveaus  andeutet.  Der  Kalkspath  zeigt  recht  oft  in 
diesen  mikroskopisch  dichten  Gesteinen  u.  d.  M.  grosse  Körner,  die,  wie 
schon  S.  74  erwähnt,  von  anderen  Gemengtheilen  des  Gesteins  erfüllt  sind; 
dies  geht  so  weit,  dass  einige  Vorkommnisse  in  den  Handstücken  grosse, 
5 — 8 mm  im  Durchmesser  haltende,  spiegelnde,  aber  dabei  meist  gekrümmte 
Spaltungsflächen  des  Kalkspaths  aufweisen  und  ganz  aus  solchen  grossen 
Kalkspath-Individuen  bestehen.  Diese  Kalksteine  etwa  deshalb  grobkörnig 
zu  nenne]],  will  nicht  zutreffend  erscheinen,  denn  da  gerade  sie  reich  sind 
an  Thon,  so  bildet  in  ihnen  der  Kalkspath  gleichsam  nur  ein  in  grossen 
Individuen  entwickeltes  Gement,  aber  nicht  einen  für  sich  bestehenden  Ge- 
]iiengtheil,  nach  dem  die  Korngrösse  des  Gesteins  zu  bestimmen  wäre. 

Ein  grosser  Theil  dieser  Gesteine  ist  mergelig,  er  enthält  Sandkörner 


91 


und  Thon.  Der  Thon  ist  in  einem  solchen  kalkreichen  Gestein  kaum  nach 
seinen  Bestandtheilen  u.  d.  M.  zu  bestimmen;  in  den  Lösungsrückständen 
zeigt  er  sich  bestehend  aus  feinsten  Quarzsplittern,  Glimmerblättchen, 
Eisenhydroxydpartikeln  und  winzigsten  Elementen,  die  wohl  ein  Thonerde- 
hydrosilicat  sind. 

68*  Die  dichten  Ngami-Kalksteine  zeigen  meistens  schon  makroskopisch 
kleine  Partien  und  Schmitzchen  von  wenigen  Millimetern  Durchmesser, 
die  aus  klarem,  kleinkörnigem  Calcit  bestehen  und  bald  nur  spärlich,  bald 
in  grösserer  Zahl  auftreten.  Als  ein  Extrem  dieser  Herausbildung  groben 
Kornes  ist  es  zu  betrachten,  wenn  einige  Vorkommnisse  von  einem  un- 
regelmässigen Geflecht  gröberer,  meist  etwas  Eisencarbonat  haltiger  Adern 
durchzogen  werden.  Aber  auch  in  mikroskopischem  Massstabe  zeigen  sich 
im  dichten  Kalk  kleine,  bisweilen  auffällig  runde  Partien  von  etwas  grö- 
berem, klarem  Korn  in  ganz  derselben  Weise,  wie  dies  bei  den  Botletle- 
Gesteinen  erwähnt  worden  ist.  Diese  Veränderungen  haben  vielleicht  ein 
hohes  Alter  und  nichts  zu  thun  mit  den  jüngeren  Phänomenen;  wahrschein- 
lich aber  können  wir  als  junge  Veränderungen  des  dichten  Kalkes  die  Her- 
ausbildung von  Bhomboederchen  und  von  radial-strahligen  Kalkspath- 
gruppen  betrachten,  die  bei  ihrer  Entstehung  die  thonigen,  zum  Theil  eisen- 
reichen Bestandtheile  in  auffälliger  Weise  zur  Seite  drängen.  Es  wurde 
schon  angeführt,  dass  die  Ngami-Kalksteine  öfters  unter  dem  Mikroskope 
gerade  relativ  grosse  Kalkspathkörner  als  einheitliches  Gement  zeigen;  in 
diesen  ist  regelmässig  Thon,  Eisenhydroxyd  und  Quarzsand  ganz  gleich- 
mässig  vertheilt.  Die  mikroskopisch  kleinen  Bhomboederchen  aber  haben 
sich  Platz  geschafft  im  Thon,  sie  sind  concretionäre  Gebilde  im  Thon. 
Ebenso  deutlich  ist  der  seltenere  Vorgang,  dass  radial-strahlige  Calcit- 
gruppen, gleichsam  grobe  Sphärulite,  sich  Platz  geschafft  haben;  ein  eisen- 
reicher mergeliger  Kalkstein  besteht  nur  aus  solchen  Gruppen  mit  eisen- 
schüssigem Thon  als  Fülle. 

69.  Chalcedon  erscheint  in  den  Ngami-Kalksteinen  zunächst  in  grosser 
Menge  bei  Tsillinyana  am  Ngami-See,  wo  die  Schichten  eine  bogenförmige 
Stauchung  erlitten  haben  und  dadurch  eine  Zertrümmerung;  die  vorliegen- 
den Handstücke  zeigen  Bruchstücke  von  dichtem,  gelbem  Kalkstein  in  recht 
reinem  Chalcedon  mit  klein-sphäruliti scher  Structur.  Die  Kalksteinbruch- 
stücke ergaben  im  Lösungsrückstande  kleine  Stückchen  von  Chalcedon- 
Skeletten.  Ausser  in  diesem  Vorkommniss,  das  bald  als  Breccie,  bald  als 
von  Chalcedonadern  durchzogener  Kalkstein  erscheint,  findet  man  den 
Chalcedon  gelegentlich  auch  in  kleinen  Schmitzen  und  in  feinen  Aederchen 
schon  makroskopisch;  u.  d.  M.  bestehen  die  Aederchen  aus  einem  Gemisch 
von  Calcit  und  Chalcedon;  Calcit-Kryställchen  ragen  auch  von  den  Seiten 
in  die  Chalcedon-Adern  hinein,  und  der  Chalcedon  seinerseits  ist  in  den 
Kalkstein  eingedrungen. 

70.  Ein  Theil  der  Ngami-Kalksteine  zeigt  durch  die  ganze  Masse  hin 
eine  Verkieselung,  eine  Verdrängung  des  Kalkspathes  durch  Chalcedon. 
Es  fanden  sich  einige  schwach  verkieselte,  ein  halb  verkieselter  und  zwei 
stark  verkieselte  Kalksteine.  Mitten  im  Kalkstein  ohne  allen  Zusammen- 
hang mit  Adern  treten  Stellen  von  sehr  feinkörnigem,  schwach  polarisi- 
rendem  Chalcedon  auf;  in  anderen  Vorkommnissen  kann  man  den  Chalce- 
don erst  im  entkalkten  Schliff  oder  im  Lösungsrückstande  auffinden.  Beim 
Auflösen  von  Kalkstein-Stückchen  bleiben  (ausser  etwa  einem  die  Lösung 
trübenden  Staube)  Stückchen  übrig  mit  ziemlich  bedeutendem  Zusammenhalt. 


92 


die  beim  Zerdrücken  auf  dem  Objectträger  knirschen.  Der  halb  verkieselte 
Kalkstein  mit  einem  geringen  Gehalt  an  Magnesia  zeigt  u.  d.  M.  einen 
mittelkörnigen,  gleichmässig  mit  Kalkspathkörnern  und  länglichen  Fetzen 
von  Kalkspath  erfüllten  Chalcedon,  der  auch  einige  Glimmer blättclien  ent- 
hält. Die  Fetzen  von  Kalkspath  geben  sich  zum  Theil  wenigstens  zu  er- 
kennen als  Kerne  von  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  nach  Kalkspath, 
wie  denn  auch  im  zerstreuten  Lichte  ganz  aus  Chalcedon  bestehende 
Pseudoniorphosen  hervortreten,  die  sich  zwischen  gekreuzten  Nicols  nicht 
von  der  übrigen  Chalcedonmasse  abheben.  Pseudomorphosen  nach  Rhom- 
boedern wurden  auch  in  anderen  Vorkommnissen,  z.  Th.  auch  in  Gesell- 
schaft von  nicht  veränderten  Kalkspath-Rhomboedern  aufgefunden.  Ein 
Gestein  ergab  sich  als  ein  völlig  verkieselter  eisenschüssiger,  stark  mergeliger 
Kalkstein;  er  hat  kleine  Poren  von  gerade  solcher  Form  und  Vertheilung, 
wie  sie  sonst  die  makroskopisch  sichtbaren  Schmitzchen  von  gröberem 
Kalkspath  aufweisen. 

71.  Auch  die  Mergel  sind  zum  Theil  verkieselt;  in  einem  Handstück 
zeigte  ein  stark  eisenschüssiger  schiefriger  Mergel  eine  jaspisartige,  etwa 
1,5  cm  mächtige  Lage,  die  sich  durch  ihre  unregelmässigen,  die  Schichtung 
durchquerenden  Conturen  als  eine  secundär  verkieselte  Masse  erwies;  im 
Schliff  verdeckt  auch  hier  noch  der  Kalkspath  stark  den  Chalcedon,  der 
erst  im  entkalkten  Schliff  neben  den  zahlreichen  allothigenen  Quarzsplittern 
hervortritt. 

72.  Zwei  Handstücke  eines  3,5  cm  mächtigen  Ganges  von  dunkel- 
braunem Chalcedon  bestehen  aus  grossen,  meist  grobfaserigen  Sphäru- 
liten,  die  in  den  centralen  Partien  von  feinem  Eisenhydroxydstaub  erfüllt 
und  von  einander  durch  zwischengeklemmte  blätterige  Fetzen  von  Braun- 
eisenstein getrennt  sind.  Es  hat  den  Anschein,  dass  dieser  Gang  nichts 
anderes  ist  als  ein  verkieselter,  in  Chalcedon  umgewandelter  Gang  von 
körnigem,  Eisencarbonat  haltigem  Kalkspath. 

C.  Dolomit. 

73.  Nur  zwei  Vorkommnisse  aus  den  mittleren  Ngami-Schichten  am 
Südufer  des  Ngami-Sees  erwiesen  sich  bei  der  mikrochemischen  Unter- 
suchung als  so  reich  an  Magnesia,  dass  sie  als  Dolomit  bezeichnet  werden 
müssen.  Beide  Vorkommnisse  von  Sepote’s  Dorf  sind  aber  auch  in  recht 
beachtenswerther  VV^eise  völlige  Analoga  zweier  eben  deshalb  vorhin  und  S.  91 
beschriebener  Kalksteine.  Das  eine  ist  ein  von  grobem  Netzwerk  von 
Chalcedon  durchzogener  Dolomit.  Der  Chalcedon  des  Netzwerkes  ist  sehr 
rein  und  zeigt  ausser  staubartigen  Poren  nur  etwas  Eisenerz;  er  hat  schönste 
grosse  Sphärulite  im  Gemisch  mit  grobkörniger,  fast  quarzartiger  Masse: 
im  zerstreuten  Licht  ist  von  der  ganzen  Structur  recht  wenig  zu  sehen. 
Der  Dolomit  liegt  im  Chalcedon  in  allerkleinsten  bis  in  grossen  Bruch- 
stücken; in  die  kleinsten  ist  der  Chalcedon  stark,  in  die  grossen  nur  wenig 
eingedrungen;  im  Lösungsrückstande  der  letzteren  findet  man  Chalcedon- 
Skelette  und  Pseudomorphosen  nach  Kalkspath  in  Rhomboedern:  dieser 
Chalcedon  enthält  auch  noch  Carbonatkörnchen  als  Zeugen  seiner  pseudo- 
morphen Entstehung. 

Das  andere  Vorkommniss  ist  ein  halb  verkieselter  Dolomit,  der  im 
Hand  stück  grau  und  verschwommen  dunkelfleckig  ist  und  täuschend  ähn- 
lich dem  vorhin  erwähnten  halb  verkieselten  Kalkstein  aussieht.  Im  Schliff 


93 


liegen  kleine  Dolomitkörnclien  und  Kryställchen  um  alle  Brocken  einer 
aus  Dolomit  und  Chalcedon  bestehenden  Masse,  die  durch  grobkiirnigen 
reinen  Chalcedon  verkittet  sind;  die  Brocken  sind  die  Reste  des  Carbonat- 
gesteins in  situ,  nicht  etwa  brecciöse  Theilchen;  in  ihnen  sind  Partien  von 
sehr  feinkörnigem  Chalcedon  mit  Partien  von  feinkörnigem  Dolomit 
durchmengt. 


D.  Contactmetamorpher,  granatlialtiger  Kalkstein. 

74.  In  der  Refiaka-Bucht  am  Südufer  des  Ngami-Sees  haben  Aphanit- 
gänge  den  von  ihnen  durchbrochenen  Kalkstein  der  mittleren  Ngami- 
Schichten  metamorphosirt.  Die  Contactmetamorph ose  hat  makro- 
skopisch wahrnehmbare  Veränderungen  in  dem  Kalkstein  kaum  hervor- 
gerufen, so  dass  es  Herrn  Dr.  Passarge  in  diesem  Falle  ganz  unmöglich 
war,  sie  im  Felde  zu  beachten^  Trotzdem  liegen  glücklicher  Weise  sieben 
Handstücke  vor,  von  denen  eines  ein  granathaltiger  Kalkstein,  ein  anderes 
ein  halb  verkieseltes  und  die  übrigen  fünf  völlig  verkieselte  solche  Contact- 
gesteine  sind.  Sie  liefern  den  handgreiflichen  und  unwiderlegbaren  Be- 
weis, dass  die  Vorgänge  der  Verkieselung  und  Einkieselung  als  jüngere 
secundäre  Phänomene  in  der  nördlichen  Kalahari  aufzufassen  sind. 
Stammen  die  Handstücke  auch  nicht  von  einem  continuirlichen  Profil, 
sondern  von  verschiedenen  Stellen  her,  so  lassen  sie  doch  in  ihrer  Ge- 
sammtheit  alle  eingetretenen  Veränderungen  mit  völliger  Sicherheit  ver- 
folgen ; es  können  deshalb  die  Erscheinungen  zum  Theil  aus  den  einzelnen 
Vorkommnissen  combinirt  besprochen  w'erden. 

75.  Der  helle,  dunkelfleckige  contactmetamorphe  Kalkstein, 
der  sich  bei  der  mikrochemischen  Untersuchung  als  nur  schwach  magnesia- 
haltig erwies,  zeigt  unter  dem  Mikroskope  eine  klare,  feinkörnig-krystalline 
Structur.  Er  enthält  stellenweise  reichlich  Quarz -Sandkörner,  die  an 
anderen  Stellen  ganz  fehlen  oder  nur  vereinzelt  auftreten.  Eisenoxyde 
sind  in  ihm  schon  vor  der  Contactmetamorphose  vorhanden  gewesen; 
einmal  tritt  (in  einem  der  verkieselten  Vorkommnisse)  Eisenglanz  als 
Contactproduct  auf.  Das  hauptsächlichste  Contactproduct  aber  ist  farb- 
loser Granat,  der  aus  dem  Kalkstein  mit  Salzsäure  leicht  isolirt  werden 
konnte.  Das  isolirte,  aber  durch  Quarzsplitter  und  etwas  Eisenerz  ver- 
unreinigte Granatmaterial  löst  sich  im  Schmelzfluss  von  kohlensaurem 
Natron-Kali  nur  schwer  und  langsam  auf;  die  qualitative  Analyse  ergab 
nur  Kieselsäure,  Thonerde  und  Kalk,  keine  Magnesia.  Der  (Iranat  ist 
also  ein  farbloser  Kalk -Thonerde -Granat.  Er  ist  überall  in  dem  Kalk- 
stein vertheilt,  und  zwar  erstens  in  Gruppen  von  Körnchen,  die  wie  aus 
Subindividuen  ohne  scharfe  Krystallform  aufgebaut  erscheinen;  diese 
Haufwerke  sinken  zu  winzigen  Dimensionen  herab,  die  dann  besser  in 
isolirtem  Granatmaterial  untersucht  werden.  Da  A.  Sauer  kürzlich  über 
Granat-Aggregate  aus  dem  bunten  Keuper  in  Baden  (Versammlung  des 
Oberrheinischen  geologischen  Vereins  1900)  berichtet  hat,  so  mag  erwähnt 
werden,  dass,  nach  der  Abbildung  bei  Sauer  zu  urtheilen,  die  hier  vor- 
liegenden Granatcomplexe  gar  keine  Aehnlichkeit  mit  den  badischen 
haben.  Ferner  tritt  der  Granat  in  einzelnen  Haufwerken  aus  grösseren, 
zum  Theil  als  sehr  scharfe  Rhombendodekaeder  ausgebildeten  Individuen 
auf.  Zufällig  sind  die  Rhombendodekaeder  gerade  in  den  völlig  ver- 
kieselten Gesteinen  besonders  schön,  scharf  und  gross,  entwickelt;  sie  ei’- 


94 


reichen  in  diesen  Gesteinen  einen  Durchmesser  von  0,08  mm.  Die 
Kryställchen  sind  oft  wasserklar  und  optisch  vollkommen  isotrop.  Auch 
an  solchen  grösseren  Granaten  kann  man  bisweilen  noch  die  Spuren  eines 
Aufbaues  aus  Subindividuen  erkennen.  Die  Haufwerke  grösserer  Granaten 
pflegen  von  einem  schmalen  Saume  von  Gruppen  von  wiuzigen  Granat- 
körnchen umgeben  zu  sein.  In  der  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  6 nach  einem 
der  ganz  verkieselten  Gesteine  erscheint  dieser  Saum  von  winzigen  Granaten 
als  dunkele  Zone,  da  sich  diese  nur  bei  sehr  starker  Vergrösserung  in 
ihre  Bestandtheile  auflöst.  Drittens  erscheint  der  Granat  reichlicher  an- 
gehäuft in  Zügen  und  Schmitzen,  hier  besonders  mit  Eisenerzen  vermengt. 
Auch  in  dem  an  Sand  reichen  (jetzt  völlig  verkieselten)  Kalkstein  steckt 
der  Granat  wenigstens  vereinzelt  zwischen  den  Sandkörnern.  Der  Granat 
und  die  Art  seines  Auftretens  lassen  die  Gesteine  als  unzweifelhaft 
contactmetamorph  erkennen. 

76,  Dieser  granathaltige  contactmetamörphe  Kalkstein  ist  nun  stellen- 
weise in  jüngerer  Zeit  einer  hydatogenen  Metamorphose  unterworfen 
worden.  In  dem  einen  Handstück  lässt  sich  keine  Spur  von  Chalcedon 
nachweisen,  auch  nicht  in  dem  Lösungsrückstande.  Ein  anderes  Vor- 
kommnis zeigt  im  Schliff  grössere  Partien,  die  stark,  andere,  die  schwächer 
verkieselt  sind,  mit  einer  Menge  Kalkspath  in  Fetzen  als  Relicte,  weitere 
Stellen,  in  denen  kein  Chalcedon  nachweisbar  ist.  Der  Chalcedon  hat 
sich  an  die  Stelle  von  Kalkspath  gesetzt,  ihn  aufgefressen,  ganz  wie  in 
den  bisher  beschriebenen  Gesteinen.  Dasselbe  ist  der  Fall  in  den  ganz 
verkieselten  Gesteinen;  hier  ist  Kalkspath  nur  noch  in  vereinzelten 
Resten  oder  gar  nicht  mehr  vorhanden.  Die  Granaten  liegen  unverändert 
in  dem  Chalcedon  mit  ganz  demselben  Verband  und  Habitus  wie  in 
dem  Kalkstein,  hier  im  Chalcedon  dem  Studium  noch  viel  schöner  zu- 
gänglich als  im  Kalkstein.  Der  verkieselnde  Chalcedon  ist  feinkörnig  bis 
grobstengelig  und  grobkörnig;  seine  Structur  in  diesen  Gesteinen  genauer 
zu  beschreiben,  ist  überflüssig,  doch  muss  angeführt  werden,  dass  er  auch 
in  scharf  begrenzten  Pseudomorphosen  nach  Rhomboedern  von  Kalkspath 
vorkommt.  Neben  dem  verkieselnden  Chalcedon  steckt  nun  aber  in  diesen 
völlig  verkieselten  Gesteinen  auch  noch  ein  anderer  Chalcedon,  der  durch 
Einkieselung  an  Ort  und  Stelle  gekommen  ist;  er  tritt  zum  Theil  selbst 
in  makroskopisch  sichtbaren  Schmitzen  auf,  in  den  Dünnschliffen  in 
grösseren,  völlig  reinen  Partien.  Er  bildet  auch  schmale  Säume  um  andere 
Gemengtheile,  also  z.  B.  um  Sandkörner,  die  in  einem  Vorkommniss  noch 
mit  Krystallspitzen  besetzt,  ausgeheilt  sind.  Da  bei  der  Einkieselung  der 
Chalcedon  sich  in  vorhandenen  Poren  ablagert,  so  ist  es  nicht  sonderlich 
auffällig,  dass  Säume  von  Mikroachat  gelegentlich  auch  einzelne  grössere 
Granatindividuen  umgeben  und  dass  an  anderen  Stellen  der  einkieselnde 
Chalcedon  eine  Menge  winziger  Granat-Haufwerke  enthält.  Der  contact- 
metamorphe  Kalkstein  ist  eben  zum  Theil  oder  stellenweise  vor  seiner 
Verkieselung  schon  durch  die  Tageswässer  ausgelaugt  und  porös  geworden, 
die  Granaten  aber  mussten  in  den  entstehenden  Poren  liegen  bleiben. 

E.  Kalkstein -Breccie. 

77.  Im  Anschluss  an  die  Kalksteine  ist  ein  Gestein  aus  der  Renaka- 
Bucht  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees  anzuführen,  das  gewiss  zu  der 
Gruppe  der  Uebergangsgesteine  gehört,  aber  vorherrschend  aus  verkieseltem 


95 


Ngami-Kalkstein  besteht.  Das  Gestein  war  ursprünglich  eine  Breccie 
aus  sehr  kleinen  Bruchstücken  von  Ngami-Kalkstein,  die  durch  sand- 
haltigen Kalk  verkittet  waren.  Jetzt  liegt  es  in  völlig  verkieseltem  Zu- 
stande vor  mit  einer  Structur,  die  jeder  erschöpfenden  Beschreibung 
spottet  und  nur  durch  die  photographische  Abbildung  veranschaulicht 
werden  kann.  Die  fünf  Abbildungen  Taf.  III,  Fig.  1 — 5 sind  alle  nach 
einem  einzigen  Präparat  von  1,5  qcm  Fläche  aufgenommen.  Das  Binde- 
mittel der  Breccie  besteht  neben  den  bald  reichlich  vorhandenen,  bald 
ganz  fehlenden  Quarz-Sandkörnern  wesentlich  aus  Pseudomorphosen  von 
feinkörnigem  Chalcedon  nach  Kalkspath-Khomboederchen,  Taf.  III,  Fig.  5, 
die  zwischen  gekreuzten  Nicols  nicht  einzeln  zu  unterscheiden  sind.  Es 
mag  nur  erwähnt  werden,  dass  die  Structur  dieser  Pseudomorphosen  in 
einzelnen  Fällen  übereinstimmt  oder  wenigstens  nahe  kommt  der  von  ge- 
wissen Vorkommnissen  in  den  Gesteinen  der  Kaikai- Berge,  die  weiter 
unten  besprochen  werden.  Die  Bruchstücke  von  Ngami-Kalkstein  aber 
zeigen  jetzt  in  verkieseltem  Zustande  die  allerverschiedensten  Structuren, 
Taf.  III,  Fig.  1 — 4,  die  sich  nur  zum  Theil  als  verschiedene  Schnittrichtungen 
einer  und  derselben  Structur  deuten  lassen.  In  ihnen  kommt  stellenweise 
neben  der  Verkieselung  auch  etwas  P]inkieselung  vor.  Das  ganze  Gestein 
erweckt  die  Vorstellung,  dass  Alles,  Bruchstücke  und  verkittender  Sand- 
kalk, auf  einmal  durch  einen  Process  verkieselt  worden  ist;  die  Ver- 
schiedenheiten der  Structur  mussten  dann  auf  Verschiedenheiten  der  mole- 
kularen Umlagerung  des  Kalkspathes  zurückgeführt  werden,  was  allerdings 
auch  seine  Bedenklichkeiten  hat. 

Die  fünf  Abbildungen  geben  nur  eine  beschränkte  Vorstellung  von 
den  Verschiedenheiten  der  Structur,  die  überhaupt  bei  den  verkieselten 
Kalksteinen  der  nördlichen  Kalahari  verkommen. 

F.  Rotlisandstein. 

78.  Als  eine  Facies  der  Kalksteine  und  Mergel  der  mittleren  Ngami- 
Schichten  treten  namentlich  in  Inseln  im  Alluvium  an  der  Südseite  des 
Ngami-Sees  meist  Eisenhydroxyd  haltige  feinkörnige  Sandsteine  auf,  die 
von  Herrn  Dr.  Passarge  kurz  Rothsandsteine  genannt  wurden.  Die 
mikroskopische  Untersuchung  zeigte  in  der  That,  dass  sie  zu  einem  Typus 
zusammengehören.  Die  geologischen  Beziehungen  kommen  dadurch  auch 
im  Kleinen  zum  Ausdruck,  dass  in  den  Kalksteinen  der  mittleren  Ngami- 
Schichten  gelegentlich  auch  dünne  Lagen  von  Rothsandstein  auftreten  und 
ferner  dadurch,  dass  die  Rothsandsteine  ursprünglich  stets  Kalk- Sand- 
steine waren. 

Alle  hierher  gehörigen  Handstücke  zeigen  eine  sehr  feinkörnige 
Sandsteinmasse;  das  Mikroskop  lehrt,  dass  die  Quarz-Sandkörner  ins- 
gesammt  geringe  Dimensionen  und  die  Form  von  scharfkantigen  Splittern 
haben;  stark  gerundete  Körnchen  kommen  darunter  gar  nicht  vor.  Im 
Dünnschliff  erscheinen  also  alle  Quarzkörnchen  mit  scharfeckigen  Conturen, 
höchstens  tritt  untergeordnet  auch  eine  gerundete  Stelle  auf.  Solche 
Körner  können  gelegentlich  auch  einmal  eine  regelmässige,  quadratische 
oder  rhombische  Gestalt  haben.  Das  ist  aber  doch  ein  seltener  Ausnahmefall. 

Die  grosse  Mehrzahl  der  Rothsandsteine  enthält  Eisenhydroxyd  und 
ist  dadurch  dunkel  gefärbt,  es  gehören  aber  auch  eisenarme,  graue  und 
helle  Sandsteine  nach  der  Form  ihrer  Quarz-Sandkörner  zu  diesem  Typus. 


96 


Ursprünglich  ist  das  Bindemittel  in  allen  diesen  Rotlisandsteinen 
ein  thonhaltiger  Kalkspath  gewesen;  es  liegt  aber  nur  ein  Handstück  vor, 
das  nicht  verkieselt  ist.  In  diesem  bildet  der  Kalkspath  1 — 5 mm  im 
Durchmesser  haltende  Körner,  die  mit  Thon  und  den  Quarzsplittern  nach 
Art  des  sogenannten  krystallisirten  Sandsteins  erfüllt,  sind. 

79.  Bei  der  Verkieselung  geht  diese  Structur  verloren;  ein  Hand- 
stück, das  halb  verkieselt  ist,  zeigt  stellenweise  nur  Chalcedon-Cement, 
an  anderen  Stellen  reichliche  Reste  und  Fetzen  von  Kalkspath,  die  aber 
nicht  mehr  zu  grösseren  Individuen  zusammengehören.  Alle  anderen  Hand - 
stücke  zeigen  den  Rothsandstein  in  völlig  verkieseltem  Zustande;  auch 
kommt  bei  ihnen  stellenweise  eine  Einkieselung  vor,  die  sich  schon  ma- 
kroskopisch durch  dünne,  wellige  Lagen  von  Chalcedon  als  Auskleidung 
von  grösseren  Hohlräumen  kenntlich  macht.  Im  Präparat  zeigt  sich  solcher 
Chalcedon  als  rein  und  von  feinfaseriger  Structur,  während  der  Chalcedon 
als  Verkieselungsproduct  meist  sehr  feinkörnig,  selten  etwas  grobkörnig 
ist  und  ausser  Eisenoxyden  meist  mehr  oder  minder  reichlich  und  deutlich 
winzige  Blättchen  und  Fäserchen  von  Sericit  enthält,  der  sich  gewiss  erst 
bei  der  Verkieselung  als  authigener  Gemengtheil  gebildet  hat.  In  recht 
dünnen  Schliffen  ist  der  Serecit  im  zerstreuten  Lichte  wie  zwischen  ge- 
kreuzten Nicols  namentlich  bei  stärkerer  Vergrösserung  leicht  im  Chalce- 
don zu  erkennen.  Dieser  aus  dem  ursprünglichen  Thongehalt  des  Kalk- 
spathes  entstandene  Sericit,  ferner  ihrer  Natur  nach  nicht  genauer  be- 
stimmbare rothbraune  Partikelchen  einer  Eisenoxyd- Verbindung  und  feinste 
Poren  treten  als  Trübung  des  feinkörnigen  Chalcedons  auf. 

80.  Winzige,  äusserst  scharfkantige  Rhomboederchen,  die  selten  im 
Rothsandstein  verkommen,  sind  ohne  Mühe  als  Chalcedon-Pseudomorphosen 
zu  erkennen.  Ausser  ihnen  gewahrt  man  aber  in  den  Dünnschliffen  aller 
Rothsand steine  in  reichlicher  Anzahl  grössere  Objecte  mit  im  Allgemeinen 
rhombischen  scharfen  Konturen,  aber  oft  mit  etwas  abgerundeten  Ecken, 
die  auch  als  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  nach  Kalkspath  aufgefasst 
werden  müssen.  Sie  bestehen  manchmal  deutlichst  aus  feinkörnigem,  fein- 
porösem Chalcedon,  dann  aber  auch  aus  gröberen  Körnern  mit  stark  undu- 
löser Auslöschung  mit  oder  ohne  Interpositionen  von  Sericit  und  von  Car- 
bonatkörnchen, die  ja  stets  leicht  an  ihrer  starken  Doppelbrechung  zu  er- 
kennen sind.  Nun  kommt  aber  auch  ein  einheitliches  klares  Korn  mit 
völlig  homogener  Auslöschung  als  Substanz  der  auffällig  scharf  conturirten 
Dinge  vor,  das  von  Quarz  kaum  zu  unterscheiden  ist.  Solche  Körner  sehen 
auf  den  ersten  Blick  den  allothigenen  Quarzsplittern  in  hohem  Grade  ähn- 
lich aus,  und  ihre  richtige  Deutung  ist  mit  grossen  Schwierigkeiten  ver- 
bunden. Ich  kann  auch  nach  langem  Studium  dieser  Verhältnisse  nicht 
behaupten,  dass  ich  im  Stande  wäre,  jedes  der  scbarfeckigen  und  gerade- 
kantigen wasserklaren  Körnchen  in  den  Schliffen  sei  es  als  allothigenen 
Quarz,  sei  es  als  quarzähnliches  Chalcedonkorn  zu  bestimmen.  Quarz- 
Krystalle  sind  letztere  gewiss  nicht,  da  die  Auslöschungsrichtungen  von  den 
Conturen  unabhängig  sind,  und  wahrscheinlich  ist  ihre  Substanz  nicht 
Quarz,  sondern  ein  quarzähnlicher  Chalcedon  von  etwas  schwächerer  Doppel- 
brechung als  der  Quarz.  In  manchen  Vorkommnissen  sind  solche  zweifel- 
haften Objecte  überraschend  häufig;  das  mag  aber  darin  seinen  Grund 
haben,  dass  dann  die  primären  Gesteine  stärker  mergelig  waren,  als  die 
gemeinen  Rothsandsteine. 

81.  Ist  es  schon  für  die  Deutung  der  Erscheinungen  der  Verkieselung 


97 


von  Interesse,  dass  von  dem  scharf  charakterisirten  Typus  der  Eothsand- 
steine  sowohl  primäre  kalkige,  als  auch  halb  und  völlig  verkieselte  Ge- 
steine Vorlagen,  so  kommen  nun  noch  contactmetamorphe  Vorkomm- 
nisse hinzu,  die  mit  Sicherheit  erkennen  lassen,  dass  die  Confactmetamor- 
phose  vor  der  Verkieselung  eingetreten  ist.  Die  mir  von  Herrn  Dr.  Pas- 
sarge als  aus  der  Nachbarschaft  von  Aphanitgängen  herstammend  und  als 
mehr  oder  minder  stark  contactmetamorph  bezeichneten  Vorkommnisse 
zeigen  im  Handstück  und  im  Dünnschliff  eine  dunklere  Farbe,  weil  in  ihnen 
das  Eisenhydroxyd  in  Eisenglanz  umgewandelt  ist,  der  deutlich  als  solcher 
bestimmbar  ist.  Mit  der  Umwandlung  des  Eisenhydroxydes  in  Eisenglanz 
ist  zugleich  das  Kalkspath-Bindemittel  krystallinisch-kleinkörnig  geworden, 
wobei  die  Kalkspath-Körner  und  Rhomboeder  bisweilen  den  Eisenglanz 
und  die  thonigen  ßestandtheile  deutlich  zur  Seite  gedrängt  haben,  so  dass 
sie  als  Fülle  zwischen  den  Kalkspathkörnern  auftreten.  In  einem  stark 
metamorphen  Gestein  zeigt  sich  auch  Granat  in  Häufchen  von  winzigen 
Körnchen,  die  im  Schliff  im  auffallenden  Licht  als  weisse  Pünktchen  er- 
scheinen. Abgesehen  davon,  dass  manchmal  ihre  Isotropie  festgestellt 
werden  konnte,  war  ihre  Bestimmung  als  Granat  natürlich  nur  möglich 
auf  Grund  ihres  Vorkommens  auch  in  den  oben  beschriebenen  contact- 
metamorphen  Kalksteinen. 

Diese  contactmetamorphen  Rothsandsteine  liegen  nur  in  völlig  ver- 
kieseltem  Zustande  vor : Granat  und  Eisenglanz  finden  sich  eingeschlossen 
im  Chalcedon,  der  also  eine  jüngere  Bildung  sein  muss. 

82,  An  die  Rothsandsteine  reiht  sich  durch  seine  Structur  ein  Vor- 
kommniss  von  kalkiger  Grauwacke  aus  den  unteren  Ngami-Schichten 
an;  auch  in  diesem  Gestein  liegen  die  Quarz-(und  Feldspath-) Sandkörner 
von  einander  getrennt  ihrer  ein  Dutzend  und  mehr  in  je  einem  Kalkspath- 
korn.  Es  wiederholt  sich  also  dieselbe  Structur  in  verschiedenen  Ge- 
steinen der  Ngami-Shichten.  Wahrscheinlich  liegt  in  einem  anderen 
Vorkommniss  ein  verkieseltes  Aequivalent  auch  dieses  Typus  der  kalkigen 
Grauwacke  vor,  die  Phänomene  sind  aber  darin  so  wirr,  dass  ich  nicht 
nur  auf  eine  Beschreibung,  sondern  sogar  auf  eine  sichere  Deutung  ver- 
zichten muss. 

Gr.  Ssakke- Sandstein. 

83.  Als  Aequivalent  der  oberen  Ngami-Schichten  fasst  Herr  Dr.  Passarge 
den  Ssak ke-Sandstein  der  Mangwato-Schichten  am  Loale-Plateau 
der  Kalahari  westlich  von  Palapye  auf.  Es  herrscht  als  Ssakke-Sandstein 
ein  Quarz-Sandstein  mit  kieseligem  Bindemittel,  das  in  porösen  Varietäten 
zum  Theil  spärlich  vorhanden  ist.  Die  Quarz -Sandkörner  zeigen  öfters 
mehr  oder  minder  starke  Ausheilung  durch  Quarz;  etwas  jünger  als  der 
ausheilende  Quarz  ist  dann  ein  feinkörniges,  aus  Quarz  und  Glimmer  be- 
stehendes Bindemittel.  Dass  diese  Quarz-Sandsteine  auch  im  Contact  mit 
Melaphyr  verändert  Vorkommen,  soll  nur  beiläufig  bemerkt  werden;  eine 
jüngere  hydrochemische  Veränderung  ist  an  ihnen  nicht  nachweisbar. 
Dagegen  gehört  zu  diesem  Schichtensysteme  auch  ein  hellbrauner  Kalk- 
Sandstein,  dessen  kleine  stark  gerundete  Quarz-Sandkörner  alle  mit  einer 
dünnen  Haut  von  Eisenhydroxyd  überzogen  sind;  das  Kalkspath-Binde- 
mittel, der  Menge  nach  nicht  reichlicher  als  das  Interstitialvolumen  ver- 
langt, erscheint  auch  hier  in  grösseren,  von  vielen  Sandkörnern  durch- 
brochenen Individuen.  Die  mikrochemische  Analyse  ergab  neben  Kalk 


98 


nur  sehr  geringe  Mengen  von  Magnesia;  im  Lösungsrückstande  waren 
entschiedene  Chalcedon- Skelette  nachweisbar,  die  im  Dünnschliff  durch 
den  Kalkspath  völlig  verdeckt  werden.  Das  Gestein  zeigt,  dass  auch  im 
äussersten  Osten  des  von  Herrn  Dr.  Passarge  durchforschten  Gebietes 
das  Phänomen  der  Verkieselung  vorhanden  ist,  wie  in  dem  nun  zu  be- 
sprechenden westlichen  und  nördlichen  Theil  der" nördlichen  Kalahari. 

YII.  Mg^ami-^cMcIitengder  Kaikai- Berge. 

84.  Die  Kaikai-Berge  hilden^ein  Hügelland  mit  einer  Erhebung  von 
wenigen  hundert  Metern  über  das  Kalahari -Plateau,  WNW.  vom  Ngami- 
See  ungefähr  unter  19®  45'  südlicher  Breite  und  21®  15'  östlicher  Länge 
nahe  der  Grenze  gegen  Deutsch-Süd- West- Afrika.  Ihre  Gesteine  gehören 
dem  Niveau  der  mittleren  Ngami-Schichtenjan. '‘^Dieselben  Massen 
finden  sich  auch  noch  weiter  nördlich  in  Schollen  im  Schadum-Thal  unter 
19®  südlicher  Breite.  Die  Schichten  sind  der|Hauptsache  nach  primäre 
Kalksteine,  die  hier  in  ähnlicher  Weise  wie  südlich  vom  Ngami-See  durch 
hydrochemische  Processe  metamorphosirt  worden  sind.  Die  Phänomene 
sind  hier  in  diesem  westlichen  und  nördlichen  Gebiete  unzweifelhaft  von 
demselben  Charakter  und  durch  dieselben  Reagentien  hervorgerufen,  aber 
die  Endproducte  sind  doch  etwas  verschieden.  Zunächst  finden  wir  in 
diesem  Gebiete  die  Dolomitisirung  der  Kalksteine  in  umfangreicherer  Weise, 
dann  die  ebenfalls  in  grossem  Massstabe| auftretende  Verkieselung;  ob 
aber  diese  letztere  zugleich  mit  der  Dolomitisirung  oder  erst  nach  ihr 
eingetreten  ist,  lässt  sich  mit  Sicherheit  nicht  entscheiden.  Das  Erstere 
scheint  mir  nach  allen  meinen  Studien  das  Wahrscheinlichere.  Herr 
Dr.  Passarge  giebt  an,  dass  die  kieseligen  Massen,  in  denen  wir  verkieselte 
Carbonatgesteine  erkennen,  in  Stöcken,  gangartigen  Gebilden  und  Lagern 
inmitten^,  der  Carbonatgesteine  erscheinen.  Phänomene  der  Einkieselung 
konnten  nur  bei  einigen  Gesteinen  der  Ebene  zwischen  den  einzelnen 
Hügeln  festgestellt  werden. 

85.  Nur  ein  Gestein  der  Kaikai-Berge  erwies  sich  bei  der  mikro- 
chemischen Prüfung  als  magnesiafreier  Kalkstein.  In  dem  Dünnschliff 
des  dichtenj  röthlichen  Gesteins  gewahrt  1 man  ^ feinkörnigen  Kalkspath 
zwischen  groben  Kalkspath-Körnern  mit  polysynthetischer  Zwillingsbildung  , 
und  ungewöhnlich  grossen  Rhomboedern  von  Kalkspath  ohne  Zwillings- 
bildung. Sandkörner  und  vereinzelte  Häufchen  von  Chalcedonkorn-Aggre- 
gaten  kann  man  im  Schliff  wie  im  Lösungsrückstande  beobachten.  Aus 
dem  Schadum-Thal  liegt  ein  schwach  dolomitischer  dichter  Kalkstein  vor, 

in  dessen  Lösungsrückstand  einige  zum  Theil  sehr  porenreiche  Chalcedon- 
Aggregate  und  überdies  einige  Glimmerblättchen  und  einige  Turmalin- 
säulchen  zu  beobachten  sind.  Ein  stark  mergeliger  Kalkstein  aus  dem 
Schadum-Thal  erwies  sich  bei  der  mikrochemischen  Analyse  als  magnesia- 
frei; wegen  des  Zusammenhaltes  eines  mit  kochender  Salzsäure  behandelten 
Stückchens  ist  eine  geringe  Menge  von  Chalcedon  auch  in  diesem  Gestein 
zu  vermuthen. 

86.  Vierzehn  Handstücke  von  den'^iKaikai- Bergen  (einschliesslich 
dreier  aus  dem  Schadum-Thal)  ergaben  bei  der  mikrochemischen  Analyse 
einen  so  hohen  Gehalt  an  Magnesia,  dass  sie  als  normale  Dolomite 
zu  bezeichnen  sind,  obwohl^  in  einigen  auch  noch  polysynthetisch  ver- 


99 


zwillingte  Carbonatkörner  zu  finden  waren.  Die  Dolomite  sind  unzweifel- 
haft aus  dichten  Kalksteinen  hervorgegangen,  indem  sich  dabei  wie  ge- 
wöhnlich ein  mikroskopisch-krystallinisches  Korn  herausbildete.  Die  Ver- 
änderung der  primären  Structur  ist  öfters  ungleichmässig  vor  sich  gegangen, 
so  dass  die  Dünnschliffe  gedeckt  aussehen;  solche  Flecken  sind  bisweilen 
stark  gerundet,  es  zeigen  sich  auch  Conturen;  die  an  Oolithkörner  oder 
an  organische  Reste  entfernt  erinnern.  Tritt  noch  Verkieselung  hinzu,  so 
findet  man  wohl  in  einem  und  demselben  Präparat  ganz  verschieden  auf- 
gebaute rund  und  scharf  begrenzte  Objecte,  z.  B.  innen  aus  feinkörnigem 
und  aussen  aus  grobkörnigem  Dolomit  bestehend,  oder  innen  Calcit  oder 
Dolomit  und  aussen  ein  Chalcedonring,  oder  innen  klarer  einheitlicher 
Chalcedon,  aussen  ein  Ring  von  stark  porösem,  dolomithaltigem,  sehr  fein- 
körnigem Chalcedon;  auch  Poren  können  in  der  Mitte  solcher  rundlichen 
Gebilde  vorhanden  sein.  In  der  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  5 zeigt  die  ovale 
Partie  in  der  Mitte  dichten  Dolomit  mit  einer  grösseren  centralen  Pore, 
darum  eine  Zone  von  gröberen  Dolomitkörnern,  die  bisweilen  mit  Krystall- 
conturen  an  den  klaren  Chalcedon  anstossen. 

Eisenhydroxyd,  manchmal  Eisenglanz,  ist  in  geringer  Menge  meist  vor- 
handen; im  Lösungsrückstande  konnte  mehrmals  Turmalin  in  kleinen  Säul- 
chen  nachgewiesen  werden.  Besonders  hervorzuheben  ist  der  Gehalt  der 
Dolomite  an  Glimmer,  der  als  authigener  Gemengtheil  in  kleinen  Blättchen 
im  Lösungsrückstand  isolirt  und  dann  auch  im  Chalcedon  eingewachsen 
erkannt  werden  konnte.  Absichtlich  wird  hier  das  Mineral  Glimmer,  nicht 
Sericit  genannt. 

87.  Alle  Dolomite  enthalten  mehr  oder  minder  viel  Chalcedon.  So 
sind  zunächst  mehrere  Handstücke  makroskopisch  aus  zum  Theil  gekrümm- 
ten Schalen  von  Chalcedon  im  Wechsel  mit  Schalen  von  Dolomit  zusammen- 
gesetzt. Die  Grenzen  der  einzelnen  Lagen  sind  stets  etwas  unregelmässig, 
im  Kleinen  gezackt,  zum  Zeichen,  dass  wir  es  mit  Umwandlungen,  nicht 
mit  primärer  WechsellageruDg  zu  thun  haben.  Die  mikroskopische  Unter- 
suchung zeigt,  dass  Dolomit  und  Chalcedon  niemals  scharf  getrennt  sind, 
sondern  sich  in  vielen  Abstufungen  mit  einander  mischen.  Im  Chalcedon, 
der  kleinkörnig,  stellenweise  auch  ganz  klar  quarzähnlich  und  grobkörnig 
ist,  liegt  der  Dolomit  vielfach  in  winzigen,  ziemlich  scharfen  Rhomboeder- 
chen  in  unendlicher  Anzahl,  wie  das  die  Abbildung  Taf.  IV,  Fig.  2 zeigt. 
Umgekehrt  liegen  quarzartig  klare  Körner  von  Chalcedon  mit  winzigsten 
rundlichen  Dolomitkörnchen  namentlich  in  ihren  centralen  Partien  in  einem 
vorherrschenden  Dolomit-Aggregat, 

In  anderen  Dolomiten  findet  man  den  Chalcedon  in  geringerer  oder 
grösserer  Menge  erst  im  Dünnschliff  auf;  dieser  Chalcedon  ist  stets  körnig, 
niemals  tritt  faseriger  Chalcedon  auf,  niemals  erscheinen  Mikroachat-  oder 
Opal-Säume.  Der  Chalcedon  ist  äusserst  feinkörnig  bis  ganz  quarzartig 
grobkörnig,  öfters  porös  und  mit  Dolomit  durchwachsen.  Meist  enthält 
dieser  Chalcedon  winzigste  Körnchen  bis  kleine  und  grössere  Rhomboeder- 
chen  von  Dolomit,  ferner  Eisenhydroxyd-Partikeln  und  Blättchen  von  autlii- 
genem  Glimmer.  Diese  Einschlüsse  erscheinen  durchaus  auch  in  dem 
grobkörnigen  Chalcedon,  der  bald  stark  undulös,  bald  ganz  homogen  aus- 
löscht, aber  auch  im  letzteren  Falle  eben  wegen  seiner  Einschlüsse  eine 
Neubildung  ist,  die  in  diesen  Gesteinen  noch  nicht  den  Kamen  ,, Quarz“  er- 
halten kann. 

88.  Obwohl  in  diesen  Dolomiten  der  Kaikai-Berge  bisweilen  auch 


100 


grössere  Rhomboeder  von  Dolomit  unter  dem  Mikroskope  gefunden  werden, 
und  obwohl  die  Verkieselung  oft  weit  vorgeschritten  ist,  so  Hessen  sich 
doch  in  den  Dünnschliffen  nirgends  Pseudo morphosen  von  Chalcedon 
nach  Dolomit- Rhomboedern  nachweisen.  Und  doch  sind  sie  in  wenigstens 
der  Hälfte  dieser  Dolomite  vorhanden.  Man  findet  sie  erst  im  Lösungs- 
rückstande der  Gesteine  als  höchst  auffällige  Objecte.  Nach  dem  Studium 
dieser  konnte  ich  sie  auch  einmal  in  einem  Dünnschliff  mit  Sicherheit 
nachweisen;  für  gewöhnlich  wird  ihre  Anwesenheit  völlig  von  dem  stark 
doppelbrechenden  Dolomit  verdeckt.  In  dem  Lösungsrückstand  der  Dolo- 
mite findet  man  neben  Chalcedonkorn-Aggregaten,  Glimmerblättchen,  Tur- 
malinsäulchen,  Eisenerzen  und  eventuell  einigen  allothigenen  Quarzkörn- 
chen viereckige  Plättchen,  seltener  dickere  viereckige  Körner  von  winzigen 
Dimensionen  bis  zu  etwa  0,03  mm  Seitenlänge  bald  nur  vereinzelt,  bald 
in  grosser  Anzahl.  Diese  Dinge  haben  zumeist  zwei  parallele  ganz  ge- 
radlinige Seiten  und  zwei  dagegen  mehr  oder  minder  rechtwinklige  Seiten 
mit  nicht  geradlinigem,  unregelmässigem  Verlauf.  Es  kommen  aber  diese 
Dinge  auch  vor  mit  vier  geradlinigen,  paarweise  parallelen  Seiten,  die  sich 
dann  stets  unter  schiefen  Winkeln  schneiden,  also  Rhomben  bilden;  ver- 
gleiche Taf.  IV,  Eig.  3.  Besonders  gerade  an  den  kleinsten  Individuen  ist 
solche  rhombische  Gestalt  zu  finden,  die  ja  zu  allererst  an  die  Rhomboeder 
der  Carboiispäthe  erinnert.  Obwohl  auch  manche  dieser  Dinge  sicher 
nicht  platt,  sondern  dick  sind,  habe  ich  doch  nie,  auch  nicht  im  auffal- 
lenden Licht  an  der  trockenen  Substanz  gute,  leibhaftige  Rhomboeder  be- 
obachten können.  Rührt  man  den  isolirten  Staub  in  Canadabalsam  ein, 
so  findet  man  leicht,  namentlich  in  den  grösseren  Dingen  stets,  Partikeln 
von  Eisenhydroxyd,  meist  auch  winzige  Körnchen  von  Dolomit.  Form  und 
Einschlüsse  sprechen  dafür,  in  diesen  Dingen  Pseudomorphosen  von  Chal- 
cedon nach  Dolomit  zu  sehen;  vielleicht  stellen  sie  nur  verkieselte  Stellen 
der  Dolomitkörnchen,  man  möchte  sagen  verkieselte  Spaltungsstückchen  von 
Dolomit  dar.  In  welcher  Weise  besonders  die  kleinsten  Plättchen  im 
Dolomit  liegen,  ob  in  Dolomitkörnern  oder  zwischen  Dolomitkörnern, 
das  war  nicht  möglich  zu  erkennen. 

Die  Form  und  Begrenzung  dieser  Pseudomorphosen,  — als  solche 
müssen  diese  Dinge  aufgefasst  werden  — prüft  man  am  besten  nicht  an  den 
im  Canadabalsam,  sondern  an  im  Wasser  befindlichen  Proben.  In  beiden 
Mitteln  zeigen  sich  nun  aber  auch  die  höchst  auffälligen  Polarisations- 
verhältnisse. Fast  alle  Vierecke  zeigen  zwischen  gekreuzten  Nicols  eine 
Zertheilung  in  vier  Felder  nach  zwei  sich  kreuzenden,  den  Seiten  mehr 
oder  minder  parallelen  Linien.  Je  zwei  Felder  über  Eck  löschen  bei  der- 
selben Stellung  aus;  dreht  man  das  Präparat,  so  kommt  man  an  eine 
Stellung,  bei  der  alle  vier  Theilstücke  den  gleichen  Grad  von  Helligkeit 
besitzen,  während  ihre  Grenzen  gegen  einander  als  ganz  feine  dunkle  Linien 
hervortreten.  Die  Feldertheilung  ist  bisweilen  erstaunlich  regelmässig;  in 
den  meisten  Fällen  sind  die  Grenzen  sehr  unregelmässig  und  es  zeigen 
sehr  oft  zwei  über  Eck  liegende  Felder  eine  Brücke  zwischen  sich,  wäh- 
rend die  beiden  anderen  dann  natürlich  ganz  von  einander  getrennt  sind 
wie  in  der  Abbildung  Taf.  IV,  Eig.  3.  Diese  Pseudomorphosen  verhalten 
sich  also  etwa  wie  Durchkreuzungszwillinge.  Die  Polarisationserscheinnngen 
sind  aber  doch  im  Ganzen  unregelmässig  und  zwar  umsomehr,  je  dicker 
die  Pseudomorphosen  sind;  in  dicken  sind  wohl  mehr  als  vier,  wahrschein- 
lich acht  im  Raume,  Theilstücke  vorhanden.  Die  ganze  Structur  ist  aber 


101 


durchaus  nur  eine  verhältnissmässig  regelmässige  Ausbildung  der  Aggre- 
gation von  Chalcedonkörnern,  wie  sie  sonst  in  den  Pseudomorphosen  von 
Chalcedon  nach  Calcit  oder  Dolomit  nur  andeutungsweise  vorkommt.  Die 
Polarisationsverhältnisse  des  Chalcedons,  wie  er  in  all  diesen  verkieselten 
Gesteinen  pseudomorph  nach  irgend  welcher  Form  des  Carbonspathes  er- 
scheint, im  Einzelnen  verfolgen  und  studiren  zu  wollen,  ob  sich  besondere 
Gesetzmässigkeiten  dabei  ergeben,  würde  eine  undankbare  und  wohl  auch 
zwecklose  Aufgabe  sein. 

Als  auffällig  ist  es  noch  besonders  hervorzuheben,  dass  diese  über 
Kreuz  auslöschenden  Ghalcedon-Partikeln  nur  in  den  Dolomiten  der  Kaikai- 
Berge  gefunden  wurden. 

89.  Aus  den  Kaikai-Bergen  liegen  ferner  ungefähr  zehn  Handstücke 
vor,  die  so  geringe  Mengen  von  Carbonspäthen  enthalten,  dass  es  nicht 
möglich  ist  zu  entscheiden,  ob  es  verkieselte  Kalksteine  oder  verkieselte 
Dolomite  sind.  Die  wahre  Natur  dieser  Kieselgesteine  lässt  sich  auch 
nur  im  Zusammenhang  mit  den  nicht  völlig  verkieselten  Carbonatgesteinen 
erkennen.  Ihr  Chalcedon  ist  wieder  feinkörnig  bis  grobkörnig-quarzartig 
in  den  verschiedensten  Mischungen  und  üebergängen.  Partikeln  von  Eisen- 
oxyden, Blättchen  von  Glimmer,  Staub  von  Carbonspath  und  Poren  sind 
überall  in  wechselnden  Mengen  im  Chalcedon  vorhanden.  Selten  sind 
relativ  grosse  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  in  Rhomboederform,  wobei 
der  Raum  bisweilen  nur  zum  Theil  erfüllt  ist.  Makroskopisch  zeigen  diese 
Kieselgesteine  bald  homogene  dichte  Beschaffenheit,  bald  sind  sie  klein- 
fleckig; einige  Vorkommnisse  sind  wahre  Breccien. 

Es  mag  an  dieser  Stelle  noch  erwähnt  werden,  dass  unter  den  Ge- 
steinen der  Kaikai- Berge  auch  solche  mit  Quarz-Sandkörnern  Vor- 
kommen, in  denen  die  Sandkörner  durch  Quarz  derart  ausgeheilt  sind, 
dass  sie  zwischen  gekreuzten  Nicols  ganz  in  die  Hauptmasse  des  Kiesel- 
gesteins durch  Auflösung  in  kleine  Körnchen  überzugehen  scheinen.  Ein 
solcher  nur  zum  Theil  verkieselter  sandhaltiger  Dolomit  zeigt  die  aus- 
geheilten Sandkörner  mitten  im  Dolomit,  an  einer  Stelle  des  Präparates 
aber  in  Kieselmasse;  die  ausheilende  Quarzsubstanz  enthält  in  beiden 
Fällen  zahlreiche  winzige  Rhomboederchen  von  Dolomit. 

90.  In  dem  südwestlichen  Theil  des  von  Herrn  Dr.  Passarge  durch- 
forschten Gebietes,  zu  Gobabis  in  Deutsch-Süd-West- Afrika  unter 
22^  10'  südlicher  Breite  und  19^  östlicher  'Länge,  erscheint  in  mittleren 
Ngami-Schichten  ein  reiner,  sehr  feinkörniger  Dolomit,  in  dessen  Lösungs- 
rückstand einige  Chalcedontheilchen,  darunter  einige  wenige  gute  Pseudo- 
morphosen von  Chalcedon  nach  Dolomit-Rhomboedern  nachgewiesen  werden 
konnten.  Es  lag  nur  ein  Vorkommniss  aus  diesem  Gebiete  vor. 


VIII.  Dolomite  von  €ram. 

91.  Südlich  von  den  Kaikai-Bergen  in  der  Umgebung  von  Garn  in 
Deutsch-Süd-West- Afrika  und  über  die  Grenze  hinaus  erscheinen  als  Ver- 
treter der  mittleren  Ngami-Schichten  feinkörnige,  zum  Theil  zuckerkörnige 
bis  grobkörnige  Dolomite.  Alle  elf  Handstücke  von  bis  ungefähr  23  km 
weit  von  einander  entfernten  Punkten  erwiesen  sich  bei  der  mikro- 
chemischen Prüfung  als  normale  Dolomite;  nur  ausnahmsweise  wurden 
unter  dem  Mikroskope  vereinzelte  Körner  mit  polysynthetischer  Ver- 


102 


zwillingung  gefunden.  Die  Dolomite  enthalten  Einsprenglinge  von  Spath- 
eisenstein und  Körner  und  Pentagondodekaeder  von  Pyrit. 

Diese  Dolomite,  die  so  ganz  andere  Beschaffenheit  besitzen  als  wie 
die  sonst  dichten  Dolomite  der  Ngami-Schichten,  sind  doch  auch  wieder 
nichts  anderes  als  umgewandelte  dichte  Kalksteine.  Aber  hier  bei  Garn 
hat  sich  die  Umwandlung  in  wieder  anderer  Weise  vollzogen  als  in  den 
Kaikai-Bergen.  Die  Gesteine  sind  zu  körnigen  Dolomiten  geworden,  in 
denen  als  authigene  Gemengtheile  noch  Quarz  und  Phlogopit  erscheinen, 
überdies  noch  zum  Theil  auch  Rutil  und  Apatit;  eine  umfangreichere  Ver- 
kieselung ist  nicht  eingetreten. 

92.  Im  Dünnschliff  wie  im  Lösungsrückstand  findet  man  den  Phlogopit 
bald  spärlich  bald  reichlicher  in  bis  0,5  mm  im  Durchmesser  haltenden 
Körnchen  und  Blättchen;  letztere  eignen  sich  für  die  Bestimmung  des 
Winkels  der  optischen  Axen,  der  immer  klein  gefunden  wurde;  doch  zer- 
theilt  sich  das  Kreuz  im  Axenbild  stets  deutlich  in  Hyperbeln.  Die 
Blättchen  haben  am  Rande  und  die  Körnchen  überall  eine  grosse  Zahl 
von  Scheinflächen,  die  durch  die  Dolomitkörner  hervorgerufen  sind.  Spal- 
barkeit  nach  der  Basis  ist  an  den  isolirten  Blättchen  wie  im  Dünnschliff 
leicht  zu  erkennen.  Mit  Kieselfluorwasserstoffsäure  ergab  der  Phlogopit 
reichliche  Kryställchen  des  Kali-  und  des  Magnesiumsalzes.  Die  Bestimmung 
dieses  farblosen  Glimmers  als  Phlogopit  ist  also  sicher.  Er  enthält  bis- 
weilen als  Einschlüsse  stark  doppelbrechende  gelbe  Nüdelchen  mit  Neigung 
zur  Zwillingsbildung,  die  also  wohl  als  Rutil  gedeutet  werden  können,  und 
meist  Körnchen  von  Dolomit.  Beachtenswert!!  sind  in  ihm  oft  grosse 
rundliche  Gaseinschlüsse,  eine  für  Glimmer  sehr  ungewöhnliche  Erscheinung. 
Das  Vorkommen  von  Phlogopit  in  den  Dolomiten  von  Garn  dient  in  vor- 
trefflicher Weise  zum  Beweise,  dass  auch  die  Bestimmung  der  Blättchen 
und  Fäserchen  in  dem  Chalcedon  anderer  Gesteine  als  Glimmer  resp.  als 
Sericit  zutreffend  ist;  wie  hier  die  Phlogopite  isolirt  im  Dolomit  liegen 
oder  nur  verwachsen  mit  Quarz  Vorkommen,  so  sind  auch  die  Glimmer 
und  Sericite  in  den  anderen  Gesteinen  stets  vor  dem  Chalcedon  gebildet 
worden,  in  dem  sie  als  Einschlüsse  erscheinen ; hier  ist  noch  die  gelegent- 
liche Anhäufung  der  Glimmer  um  allothigene  Quarzkörner  zu  erwähnen. 

93.  Die  isolirten  authigenen  Quarzkörner  zeigen  im  trockenen 
Lösungsrückstand  oder  in  Wasser  eingerührt  stets  eine  Begrenzung  durch 
eine  grosse  Anzahl  von  Scheinflächen,  die  sich  in  scharfen  Kanten  und 
Ecken  schneiden.  Diese  Form  ist  höchst  charakteristisch  und  dabei  be- 
weisend für  authigene  Natur.  Letztere  ergiebt  sich  auch  aus  den  Ein- 
schlüssen; als  solche  erscheinen  selten  Rutilnadeln,  fast  immer  Partikeln 
von  Brauneisenstein  und  von  Dolomit.  Die  Quarze  zeigen  entweder 
homogene  Auslöschung  oder  seltener  schwache  Feldertheilung  und  undulöse 
Auslöschung.  Ein  negatives  Kennzeichen  ist  bei  den  Quarzen  noch  be- 
sonders beachtenswerth:  sie  zeigen  niemals  erkennbare  Flüssigkeits- 
einschlüsse. E.  Geinitz  schreibt  1.  c.  S.  463  bei  ,, Hornstein  und  Kalk- 
spath“:  „alle  Quarze  sind  frei  von  Flüssigkeitseinschlüssen“.  Das  ist  nun 
aber  auch  das  charakteristische  Merkmal  aller  Varietäten  von  Chalcedon; 
es  ist  deshalb  hier  noch  besonders  zu  betonen,  dass  ich  nur  in  diesen 
makroskopisch-krystallin  gewordenen  Dolomiten  von  Garn  an  den  authigenen 
Quarzkörnern  so  gar  nichts  mehr  gefunden  habe,  was  noch  die  Bezeich- 
nung als  Chalcedon  gerechtfertigt  hätte;  alle  diese  Körner  sind  einheitliche 
selbständige  Individuen  und  das  Bischen  undulöse  Auslöschung,  das  ich 


103 


einzig  und  allein  — wenn  das  überhaupt  nöthig  ist  — auf  Krystallisations- 
druck  zurückführen  muss,  kann  dem  ganzen  Habitus  gegenüber  nicht  ins 
Gewicht  fallen.  Dass  sonst  der  mikroskopisch  gröber  körnige  Chalcedon 
quarzähnlich  im  höchsten  Grade  sein  kann,  ist  ja  öfters  angegeben  worden 
und  mehr  wie  einmal  ist  mir  der  Zweifel  rege  geworden,  ob  ich  nicht 
geradezu  Quarz  statt  Chalcedon  sagen  müsste.  Die  letztere  Bezeichnung 
ist  gewählt  worden,  um  die  Zusammengehörigkeit  auch  solcher  „quarz- 
ähnlicher“ Massen  nach  Habitus  und  Entstehung  mit  dem  „typischen“ 
Chalcedon  hervorzuheben. 

94-.  Herr  Dr.  Passarge  hatte  bei  Koanagha,  östlich  von  Garn,  auch 
Dolomite  geschlagen,  die  ihm  durch  die  grosse  Anzahl  von  harten  Körnern, 
„Sandkörnern“,  die  auf  der  Verwitterungskruste  übrig  bleiben,  aufgefallen 
waren.  Dieses  Vorkommniss  erweist  sich  als  an  authigenem  Glimmer  und 
Quarz  und  deren  körnigen  Anhäufungen  überreich;  ihnen  gegenüber  tritt 
der  Dolomit  in  manchen  Lagen  zurück,  so  dass  er  nur  in  einzelnen 
Körnern  dem  Quarz-Glimmer-Gemenge  eingelagert  ist.  Neben  Phlogopit 
und  Quarz  und  Würfelchen  von  secundär  in  Brauneisen  umgewandeltem 
Pyrit  enthält  dieses  Gestein  auch  in  reichlicher  Menge  kurze,  dicke  und 
nicht  von  ebenen  Krystallflächen  begrenzte  Prismen  von  Apatit.  Phosphor- 
säure wurde  chemisch  qualitativ  in  Menge  nachgewiesen.  Die  Apatite 
haben  eine  dünne  äussere  Schicht  von  farbloser  Substanz,  die  Hauptmasse 
ist  intensiv  gefärbt  mit  überraschend  starkem  Pleochroismus:  die  Basis- 
farbe ist  bräunlich-grün,  die  Prismenfarbe  blass  bräunlich. 

In  diesem  Gesteine  stecken  nun  auch  zwischen  den  authigenen  Quarzen 
und  Phlogopiten  noch  Körner  von  Orthoklas,  Mikroklin  und  von  Quarz 
mit  grossen  Flüssigkeitseinschlüssen  wie  unerwartete  Fremdlinge.  Sie 
liefern  den  untrüglichen  Beweis,  dass  auch  die  Dolomite  von  Garn  aus 
Kalksteinen  entstanden  sind,  die  stellenweise  oder  schichten  weise  auch 
Sandkörner  enthielten;  die  Körnchen  von  Dolomit  im  authigenen  Quarz 
und  im  Phlogopit  beweisen  die  Entstehung  dieser  Gemengtheile  aus  den 
erdigen  Beimischungen  des  Kalksteins;  das  Fehlen  der  Flüssigkeits- 
einschlüsse im  authigenen  Quarz  beweist,  dass  er  ganz  ähnlichen  Ursprung 
hat  wie  sonst  der  Chalcedon. 


IX.  Chanise- Schichten. 

95.  Aus  dem  tiefsten  Schichtensystem  der  nördlichen  Kalahari,  den 
Chanse-Schichten,  lagen  nur  wenige  Handstücke  aus  verschiedenen  Ge- 
bieten zur  Untersuchung  vor.  Es  gehören  zu  diesen  Schichten  phyllitartige 
Schiefer,  an  Feldspath  reiche  und  kalkhaltige  Arkosen  mit  einem  weiteren 
Bindemittel  aus  einem  Quarz-Glimmer-Gemenge,  Grauwacken  von  anschei- 
nend krystallinem  Gefüge,  zum  Theil  mit  deutlich  erkennbar  ausgeheiltem 
Quarz  und  mit  einem  Bindemittel  auch  aus  Quarz  "und  Glimmer.  Durch 
Contactmetamorphose  veränderte  Gesteine  kommen  auch  vor.  Nur  einen 
Kalkstein  aus  den  Chanse-Schichten  konnte  ich  untersuchen,  und  dieser 
zeigt  sich  von  Chalcedon  durchdrungen,  in  einzelnen  Fleckchen  ziemlich 
stark  verkieselt.  Die  mikrochemische  Analyse  ergab  einen  geringen  Ge- 
halt an  Magnesia.  Beim  Kochen  eines  Stückchens  in  verdünnter  Salzsäure 
behält  dieses  in  der  gelben,  schwach  trüben  Lösung  seine  Form  unver- 
ändert, es  ist  dann  aber  leicht  zerdrückbar.  Im  Lösungsrückstand,  im 

Hsij! 


104 


entkalkten  Dünnschliff  und  im  gewöhnlichen  mikroskopischen  Präparat 
zeigt  sich  der  Chalcedon  in  einzelnen  Körnern  und  in  zusammenhängenden 
Massen;  überall  gehört  er  der  grobkörnigen  Varietät  an.  In  dem  Lösungs- 
rückstand und  in  dem  entkalkten  Schliff  findet  man  auch  unzweifelhafte 
Pseudomorphosen,  die  sich  zwischen  gekreuzten  Nicols  aus  kleinen  Par- 
tikeln mit  wandernden  Schatten  zusammengesetzt  erweisen.  Manche  der- 
selben zeigen  fast  dasselbe  Verhalten,  wie  die  über  Kreuz  auslöschenden 
Pseudomorphosen  aus  den  Kaikai-Gesteinen. 


■ X,  Eruptive  Gesteine. 

96.  Unter  den  zahlreichen  Diabasen  und  Diabasaphaniten  der  nörd- 
lichen Kalahari,  die  ich  untersucht  habe,  befindet  sich  auch  ein  Aphanit 
aus  der  Renaka-Bucht  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees,  der  von  win- 
zigen, ganz  unregelmässig  verlaufenden  Aederchen  und  kleinen  Partien  von 
Chalcedon  durchzogen  ist.  In  einem  etwas  breiteren  Aederchen  zeigten 
sich  scharf  begrenzte  winzige  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  in  Rhom- 
Boederform.  Kleine  Partien  von  Chalcedon  sitzen  fast  überall  mitten  in 
den  leistenförinigen  Plagioklasen  und  an  ihren  Rändern.  Auch  dieses  Ge- 
stein ist  also  verkieselt;  der  Chalcedon  hat  nichts  an  sich,  was  an  Chal- 
cedondruseii  erinnerte,  deren  Substanz  von  der  Zersetzung  des  Gesteins 
herstammt.  Hier  hat  sich  unzweifelhaft  bei  der  Zersetzung  des  Aphanites 
nur  Kalkspath  gebildet;  an  seine  Stelle  ist  später  der  Chalcedon  getreten 
ganz  ebenso  wie  in  den  sedimentären  Gesteinen. 

Neben  den  Diabasen  des  Ssane-Hügels  am  Loale-Plateau  westlich 
von  Palapye  schlug  Herr  Dr.  Passarge  ein  Handstück,  das  er  für  einen 
gefritteten  Sandstein  dicht  neben  dem  Eruptiv-Gestein  hielt.  Das  klein- 
fleckige Gestein  ist  hart  und  splitterig.  Im  Dünnschliff  erkennt  man  nur 
vereinzelte  Quarz-Sandkörner,  dann  kleine  Partikeln  und  Partien  von  Ferrit 
und  einer  serpentinartigen,  nicht  näher  bestimmbaren  Substanz  — alles 
Uebrige,  die  Hauptmasse,  ist  unreiner  Chalcedon.  Die  Structur  der  Masse 
ist  höchst  sonderbar,  und  ich  kann  sie  nur  in  folgender  Weise  erklären. 
Das  Gesteinsmaterial  war  ursprünglich  eruptives  Magma,  das  im  Contact 
mit  alten  Sandsteinen  eine  Menge  Sandkörner  aufgenommen  hatte;  es  er- 
starrte zu  einem  etwa  einem  Variolit  ähnlichen  Gestein,  in  dem  je  ein 
Sandkorn  zum  Mittelpunkt  eines  sphärulitartigen  Gebildes  wurde,  das  sich 
aus  Plagioklasleisten  auf  baute.  Dieses  Gestein  wurde  zersetzt  unter  massen- 
hafter Bildung  von  Kalkspath.  Endlich  wurde  die  ganze  Masse  in  Chal- 
cedon verwandelt,  verkieselt,  und  zwar  so,  dass  die  ganze  Umgebung  eines 
Quarz-Sandkornes  dieselbe  optische  Orientirung  erhielt,  die  das  Quarzkorn 
besitzt.  Zwischen  gekreuzten  Nicols  zerfällt  also  das  ganze  Präparat  in 
grössere  ausgezackte  Körner,  die  zum  Theil  von  einander  durch  Ferrit  und 
serpentinartige  Masse  getrennt  sind.  Eine  bessere  Auskunft  kann  über 
das  einzelne  vorliegende  Handstück  nicht  gegeben  werden,  die  Verkiese- 
lung aber  ist  unzweifelhaft. 


^ Die  weite  Verbreitung  des  Chalcedons  in  Süd -Afrika  ist  bereits  seit 
längerer  Zeit  bekannt;  W.  H.  Penning  hat  schon  1885  (Quart.  Journ.  of  the 


105 


GeoL  Soc.  of  London,  Bd.  XLI,  S.  576)  den  Namen  „Chalcedolite“  benutzt 
offenbar  für  Gesteine,  die  als  verkieselt  zu  deuten  sein  werden.  Und  erst 
kürzlich  spricht  Dantz  in  einem  vorläufigen  Bericht  über  seine  Beisen  in 
Deutsch-Ost- Afrika  in  der  Zeitschrift  d.  Deutschen  Geol.  Ges.  Berlin,  1900, 
Bd.  53,  S.  -45-  von  „Chalcedon  führenden,  sandigen  Kalksteinen  südöstlich 
Ujiji‘‘.  Es  ist  somit  zu  erwarten,  dass  das  Phänomen  der  Verkieselung 
in  einem  sehr  grossen  Theil  von  Süd- Afrika  durch  weitere  Forschungen 
und  Studien  nachgewiesen  werden  wird.  Dass  die  Chalcedon  führenden 
Gesteine  und  die  Dolomite  Phänomene  der  Umwandlung  darbieten,  ist  auch 
schon  von  anderen  Forschern  angedeutet  und  erörtert  worden.  Doch  glaube 
ich  in  dieser  Abhandlung  zuerst  den  Beweis  geliefert  zu  haben,  dass  in 
der  nördlichen  Kalahari  die  Erscheinung  der  Verkieselung  mit 
oder  ohne  Dolomitisirung  als  eines  der  grossartigsten  Phäno- 
mene der  hydatogenen  Metamorphose  an  Gesteinen  jeden  geo- 
logischen Alters  auftritt,  in  denen  Ka;lkspath  als  Haupt-  oder 
Uebergemengtheil  vorhanden  ist  oder  war. 


Erläuterung  der  Tafeln. 

Tafel  II. 

Fig.  1,  Seite  83. 

Chalcedon-Sandstein  der  Botletle-Schichten  am  Südrande  der  Renaka- 
Bucht  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees. 

Einkieselung.  Alle  Sandkörner  sind  meist  völlig  umgeben  von  sehr 
schwach  doppelbrechenden  Säumen  von  Mikroachat.  Das  Centrum  der 
Interstitien  ist  wasserklarer,  kleinbüscheliger  Chalcedon.  Vergrösserung  60. 

Fig.  3,  Seite  86. 

Chalcedon-Sandstein  der  Renaka- Schichten,  östlich  von  Bolibing  in 
der  Renaka-Bucht  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees. 

Einkieselung.  Verschweissung  der  Quarz -Sandkörner.  Quer  durch 
die  Abbildung  vier  zu  einer  Kette  vereinigte  Sandkörner.  Die  Interstitien 
sind  erfüllt  von  schwach  doppelbrechendem,  sehr  feinkörnigem  Chalcedon 
von  tridymitartigem  Habitus.  Vergrösserung  60.  « 

Fig.  3,  Seite  86. 

Chalcedon-Sandstein  der  Renaka-Schichten  vom  Kap  Refiaka  an  der 
Südseite  des  Ngami-Sees. 

Einkieselung.  Die  Quarz-Sandkörner  sind  durch  schwache  Ausheilung 
mit  viel  winzigen  Subindividuen  mehrfach  mit  einander  verwachsen,  wodurch 
Formen  entstehen,  die  für  freie  Sandkörner  unmöglich  sind.  In  den  Inter- 
stitien schwach  doppelbrechender,  sehr  feinkörniger  Chalcedon.  ' Ver- 
grösserung 60. 

Fig.  4,  Seite  78. 

Chalcedon-Sandstein,  Uebergangsgestein  der  untersten  Renaka-Schichten 
aus  der  Renaka-Bucht  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees. 

Einkieselung.  Die  direct  aus  der  Grauwacke  der  Chanse- Schichten 
herstammenden  Quarz- Sandkörner  zeigen  Ausheilung  durch  Krystallspitzen, 


106 


besonders  das  mittelste  Korn  in  der  Abbildung.  Alle  Sandkörner  sind 
von  Säumen  von  Mikroachat  ganz  umgeben,  der  im  auffallenden  Licht 
weiss  erscheint.  Die  Interstitien  sind  erfüllt  von  ganz  klarem  feinfaserig- 
feinbüscheligem  Chalcedon.  Vergrösserung  60. 

Fig.  5 und  6,  Seite  76  und  79. 

Chalcedon-Sandstein  der  Botletle-Schichten  östlich  von  Totin  im  Bett 
des  Ngami-Flusses. 

Einkieselung.  Die  Interstitien  zeigen  sich  im  zerstreuten  Licht  in 
Fig.  5 von  Opal  „mit  körnigem  Zerfall“  erfüllt,  der  vom  Rand  bis  zum 
Centrum  keinerlei  Verschiedenheiten  aufweist.  Zwischen  gekreuzten  Nicols 
aber  in  Fig.  6 zeigen  die  äusseren  Partien  der  Interstitialmassen  kräftige 
Aggregatpolarisation.  Vergrösserung  60. 

Tafel  III. 

Fig.  1 bis  5,  Seite  95,  74,  80. 

Verkieselte  Kalkstein-Breccie;  Uebergangsgestein  aus  Schutt  von  Kalk- 
stein der  mittleren  Ngami-Schichten  aus  der  Renaka-Bucht  an  der  Süd- 
seite des  Ngami-Sees. 

Verkieselung.  Alle  fünf  Figuren  zeigen  Stellen  nur  eines  Präparates. 
Vergrösserung  60. 

Fig.  1 : Ein  „plastisch“-körniges  Geflecht  von  länglichen  Calciten  ist 
völlig  verkieselt. 

Fig.  2:  Ein  grob  radialstrahliges  Aggregat  von  Calciten  ist  völlig 
verkieselt. 

Fig.  3:  Völlig  verkieselter  Kalkstein;  die  Masse  ist  ein  trübes  gekröse- 
artiges Geflecht  von  Strängen  von  Chalcedon  mit  kleineren  Partien  von 
reinem  Chalcedon;  einige  an  Eisenhydroxyd  reichere  Flecke. 

Fig.  4:  Völlig  verkieselter,  schwach  sandiger  Kalkstein;  die  Stränge 
von  Chalcedon  erinnern  mit  ihren  Krümmungen  und  Windungen  an  Skelette 
von  Lithistiden;  die  hellen  Stellen  in  der  Abbildung  sind  meist  reiner 
Chalcedon,  seltener  Quarz-Sandkörner. 

Fig.  5:  Bindemittel  der  Breccie,  bestehend  aus  Quarz-Sandkörnern 
(vier  vom  Rande  her  in  die  Abbildung  hineinragend)  und  einem  Aggregat 
von  Pseudomorphosen  von  Chalcedon  nach  Rhomboedern  von  Calcit  (oder 
Dolomit);  die  dunkleren  Flecke  in  der  Mitte  der  Pseudomorphosen  werden 
erzeugt  durch  etwas  trüben  Chalcedon  in  sehr  feinen  concentrischen 
Schalen. 

Fig.  6,  Seite  75. 

Brecciöser  Dolomit- Sandstein  der  Botletle-Schichten  nordwestlich  von 
der  Pfanne  Garu  unter  20^  s.  Br.  in  Deutsch-Süd-West-Afrika. 

Die  Abbildung  stellt  ein  Bruchstück  von  Dolomit  dar,  das  aus  Rhom- 
boedern zusammengesetzt  ist,  die  oft  einen  dunkelen,  eisenhaltigen,  tho- 
nigen  Kern  enthalten.  Vergrösserung  60. 

Tafel  IV. 

Fig.  1,  Seite  77. 

Halb  verkieselter  Kalk -Sandstein  der  Botletle-Schichten  von  Meno 
a kwena  am  Ufer  des  Botletle-Flusses. 

Die  dunkelen  Stellen  der  Abbildung  sind  dichter  Calcit,  die  hellen 
sind  Opal.  In  der  Mitte  der  Abbildung  um  eine  centrale  Pore  eine  Partie 


]07 


von  Opal,  in  der,  wie  auch  an  anderen  Stellen  der  Abbildung,  isolirte 
Büschel  (Kegel)  von  stark  doppelbrechendem  Chalcedon  liegen.  Vergrös- 
serung  60. 

Fig.  2,  Seite  99. 

Halbverkieselter  Dolomit  mit  Lagen  von  fast  reinem  Chalcedon  aus 
den  mittleren  Ngami-Schichten  der  Kaikai-Berge. 

Die  Abbildung  giebt  eine  Partie  von  Chalcedon  mit  reichlichem  „Staub“ 
von  Dolomit  - Rhomboederchen;  einige  Eisenglanzkryställchen.  Vergrös- 
serung  60. 

Fig.  3,  Seite  80  und  100. 

Isolirte  Pseudomorphose  von  Chalcedon  nach  einem  Carbonspath  aus 
einem  schwach  verkieselten  Dolomit  der  mittleren  Ngami-Schichten  der 
Kaikai-Berge. 

Die  Pseudomorphose  ist  in  Wasser  zwischen  fast  gekreuzten  Nicols 
photographirt.  Vergrösserung  220. 

Fig.  4,  Seite  78. 

Ausgeheiltes  Quarz-Sandkorn  aus  dem  Krystall-Sandstein  der  Botletle- 
Schichten  vom  Massarwa-Thal  an  der  Südseite  des  Ngami-Sees. 

Die  obere  ausheilende  Krystallspitze  zeigt  genau  dieselben  Interferenz- 
Farben  zwischen  gekreuzten  Nicols  wie  das  untere  Sandkorn,  dabei  aber 
doch  bei  schiefer  Beleuchtung  sehr  feine  gekrümmte,  dem  Umriss  des 
Sandkorns  parallele  Anwachsstreifen;  an  der  rechten  Seite  gehen  Anwachs- 
streifen auch  parallel  der  Krystallfläche.  Vergrösserung  220. 

Fig.  5,  Seite  99. 

Stark  verkieselter  Dolomit  der  mittleren  Ngami-Schichten  der  Kai- 
kai-Berge. 

Verkieselung.  Die  dunkleren  Stellen  der  Abbildung  sind  Dolomit,  die 
ganz  hellen  sind  Chalcedon;  um  eine  Pore  im  Centrum  der  Abbildung  zu- 
nächst feinkörniger  Dolomit,  dann  eine  Zone  von  gröberkörnigem  Dolomit, 
von  der  aus  einzelne  Krystallspitzen  in  den  Chalcedon  hineinragen.  Ver- 
grösserung 60. 

Fig.  6,  Seite  94. 

Völlig  verkieselter,  contactmetamorpher,  granathaltiger  Kalkstein  der 
mittleren  Ngami-Schichten  in  der  Renaka -Bucht  an  der  Südseite  des 
Ngami-Sees. 

Verkieselung.  Grössere  Rhombendodekaeder  (von  circa  0,o7  mm  Durch- 
messer) von  farblosem  Granat  liegen  gedrängt  in  klarem  Chalcedon  und 
sind  umgeben  von  einer  Zone  von  winzigen,  aus  Subindividuen  zusammen- 
gesetzten Granaten;  das  Ganze  liegt  im  Chalcedon.  Vergrösserung  60. 


VI.  lieber  eine  Discordanz  zwischen  Kreide  und  Tertiär 

bei  Dresden. 

Von  Dr.  Wilhelm  Petrascheck. 


Nördlich  vom  Dorfe  Oberau  durchsetzt  die  Berlin  - Elsterwerdaer 
Eisenbahn  in  einem  etliche  Meter  tiefen  Einschnitt  einen  Höhenrücken,  der 
aus  diluvialem  Schotter  und  Sand,  aus  oligocänem  Thon  und  turonen 
Plänern  aufgebaut  ist.  Sämmtliche  Schichten  sind  in  ihrer  Ueberlagerung 
entblösst  und  jetzt  in  Folge  von  Erweiterungsbauten  für  ein  zweites  zu 
legendes  Geleis  aufs  Neue  in  frischem  Anschnitte  der  Untersuchung  zu- 
gänglich. Dieser  Ort,  in  unmittelbarer  Nähe  der  grossen  lausitzer  Ver- 
werfung gelegen,  gewinnt  erhöhtes  Interesse  dadurch,  dass  er  neben  der 
Lausche  in  Sachsen  der  einzige  Ort  ist,  an  dem  tertiäre  Schichten  die 
Kreide  überlagernd  an  getroffen  werden  können.  Die  letzteren  werden  hier 
dargestellt  durch  Pläner  mit  Inoceramiis  lahiatus  Schloth.,  die  ersteren 
durch  lichtgrauen  Thon,  der  namentlich  an  der  Basis  von  grobem  Sand 
erfüllt  ist  und  überdies  vereinzelte  Knollensteine  führt.  Seine  petro- 
graphische  Beschaffenheit  verweist  ihn  ins  Oligocaen. 

Der  Pläner  fällt  unter  8 — 10^  nach  OSO.  ein  und  wird  discordant 
vom  Tertiär  überlagert.  Dies  lehrt  ebensowohl  die  Gesammtansicht  des 
langen  Profileinschnittes,  wie  einzelne  Stellen  desselben,  an  denen  der  die 
Basis  bildende  thonige  Sand  über  die  nach  oben  thonig  aufgearbeiteten 
Plänerbänke  hinwegsetzt.  Die  Auflagerungsfläche  zeigt  einen  flach  welligen 
Verlauf,  indem  der  oligocäne  Thon  in  weite,  0,5  m Tiefe  erreichende,  in 
den  Pläner -Untergrund  eingesenkte  Mulden  eingreift.  Kleine  eckige  Pläner- 
brocken findet  man  mitunter  im  Thone  eingebettet.  Die  geschilderten 
Verbandverhältnisse  schliessen  die  Möglichkeit,  dass  es  sich  hier  um 
Sedimente  handelt,  die  zwar  tertiären  Ursprungs  sind,  sich  jedoch  auf 
secundärer  Lagerstätte  befinden,  aus. 

Man  kann  wohl  die  Lagerungsstörung  der  Plänerschichten  mit  der  in 
nur  ca.  500  m Entfernung,  im  Streichen  des  Pläners  gemessen,  liegenden 
lausitzer  Verwerfung  in'  Zusammenhang  bringen  und  somit  auf  das  Alter 
dieser  grossartigen  Dislocation  schliessen.  Während  für  tektonische  Stör- 
ungen hercynischer  Kichtung  am  Harze  von  Koenen*)  eine  jungmiocäne 
Entstehung  angenommen  wird,  lehrt  das  Profil  übereinstimmend  mit  den 


*)  Jahrbuch  der  Preuss.  geolog.  Laudesanstalt,  1893,  S.  79. 


109 


Anschauungen  anderer  Autoren,  dass  an  dieser  Verwerfung  die  Bewegungen 
bereits  in  früherer  Zeit  begonnen  haben  müssen.  Aus  der  Art  des  Auf- 
tretens von  Basalten  und  Phonolithen  beiderseits  der  lausitzer  Ueber- 
schiebung  folgert  Siegert*),  dass  die  Terrainverhältnisse  zur  Zeit  der 
Ablagerung  des  iniocänen  Braunkohlenbeckens  von  Zittau  bereits  den  heutigen 
sehr  ähnlich  gewesen  sein  müssen,  dass  also  nicht  nur  die  Ueberschiebung 
bereits  vorhanden  war,  sondern  auch  die  Abtragung  der  Kreideschichten  auf 
der  lausitzer  Platte  weit  vorgeschritten  gewesen  sein  muss.  Kalkowsky** ***)) 
verlegt  wegen  des  Vorhandenseins  eines  die  aufgerichteten  Plänerkalke  von 
Weinböhla  durchsetzenden  Sandsteinganges,  der  seiner  petrographischen 
Beschaffenheit  nach  oligocaenen  Alters  ist,  den  Beginn  der  Bewegungen  an 
das  Ende  des  Unteroligocaens.  Das  beschriebene  Profil  lehrt,  dass  dieser 
noch  weiter  zurückzu  verlegen  ist,  dass  nämlich  die  Bewegungen  schon  vor 
Ablagerung  des  Oligocaens  Anfang  genommen  haben  müssen.  Ob  die 
Ueberschiebung  selbst  bereits  zu  dieser  Zeit  fertig  gebildet  war,  oder  ob 
dieselbe  erst  wenig  später  erfolgte,  wie  Kalkowsky  daraus  schliesst,  dass 
der  Sandsteingang  zerbrochen  und  die  beiden  Theile  desselben  um  etwas 
über  6 m aneinander  verschoben  wurden  und  zwar  so,  dass  die  Harnisch- 
streifung der  Verschiebungsfläche  senkrecht  zur  lausitzer  Dislocationsfläche 
steht,  ist  nicht  zu  entscheiden.  Der  Umstand,  dass  im  erwähnten  Eisen- 
bahneinschnitt das  Oligocaen  sich  in  schwebender  Lagerung  befindet,  schliesst 
weitere  Bewegungen  nicht  aus. 

Von  Wichtigkeit  für  die  Präcisirung  des  Endes  der  die  lausitzer 
Ueberschiebung  bewirkt  habenden  Krustenbewegungen  ist  das  durch  Beck 
und  Hermann'“'^*)  mitgetheilte  Auftreten  eines,  die  an  der  Verwerfung 
heraufgebrachten  jurassischen  Kalksteine  quer  durchsetzenden  Ganges  von 
Feldspathbasalt,  der  sich  bis  in  den  Granit  hinein  erstreckt.  Da  die  Basalt- 
decken der  Lausitz  das  Oberoligocaen  überlagern,  das  Miocaen  aber  unter- 
teufen, kann  man  folgern,  dass  die  Störungen  auf  der  lausitzer  Verwerfungs- 
spalte spätestens  zu  Beginn  des  Miocaens  ihr  Ende  erreicht  haben. 

Will  man  auf  Grund  des  geschilderten  Profils  annehmen,  dass  auch 
die  Ueberschiebung  schon  vor  der  Ablagerung  des  Oligocaens  erfolgt  sei, 
so  führt  das  Vorhandensein  des  Sandsteinganges  zu  der  weiteren  Annahme, 
dass  die  Pressungen  an  der  Verwerfungskluft  noch  länger  andauerten  und 
das  Aufreissen  der  Gangspalte  zur  Folge  hatten.  Ihre  Richtung  liegt 
innerhalb  derjenigen  des  muthmasslich  wirkenden  Druckes.  Dies  erfolgte 
innerhalb  des  Oligocaens.  Später  müssten  auf  derselben  Verwerfungskluft 
neue  Bewegungen  stattgefunden  haben,  die  die  Verschiebung  des  Ganges 
verursachten.  Dass  auf  einer  Dislocationsspalte  zu  verschiedenen  Zeiten 
Zerreissungen  und  Verschiebungen  eingetreten  sind,  ist  eine  wiederholt 
erwiesene  Thatsache.  Vielleicht  kann  man  in  gewissen  seismischen  Er- 
scheinungen die  Aeusserung  noch  heute  andauernder  Spannung  erblicken f). 

Da  man  in  der  Regel  die  Entstehung  der  Randbrüche  der  böhmischen 
Masse  mit  der  Faltung  der  Alpen  in  Beziehung  bringt,  sei  daran  erinnert, 
dass  dieselbe,  soweit  sie  auch  postcretacischen  Alters  ist,  sich  ebenfalls 
in  verschiedenen  Phasen  vollzogen  hat.  Bekanntlich  lässt  sich  die  lausitzer= 


*)  Erläuterungen  zu  Section  Zittau,  S.  23. 

**)  Abhandlungen  der  naturwiss.  Gesellschaft  Isis,  1897,  S.  86. 

***)  Erläuterungen  Section  Hinterhermsdorf- Dauhitz,  S.  42. 
t)  Vergl.  Credner,  Zeitschrift  für  Naturwissenschaft,  Bd.  50  (1877),  S.  287. 


110 


sudetische  Verwerfung  selbst  noch  im  östlichsten  Böhmen  nachweisen. 
Hier,  wo  sie  nach  Süd  uinbiegt,  wird  sie  von  parallelen  Brüchen  begleitet. 
Ueber  den  von  Geiersberg  nach  Böhm.  Trübau  streichenden  Hauptbruch 
greift,  wie  auf  Krejci’s  geologischer  Karte  von  Böhmen  dargestellt  ist, 
das  Miocaen  hinweg,  woraus  ebenfalls  folgt,  dass  der  Bruch  älter  als 
miocaen  ist.  Für  den  Pottensteiner  Parallelbruch  hingegen  wird  von 
Hinterl echner"^')  ein  sehr  jugendliches,  vielleicht  sogar  quartäres  Alter 
angenommen,  ein  Beweis  dafür,  dass  auch  in  dieser  Gegend  auf  der 
sudetischen  Bruchlinie  Krustenbewegungen  sich  in  verschiedenen  Phasen 
vollzogen  haben. 

Sicher  erwiesen  ist  für  Sachsen  bis  heute  nur,  dass  schon  vor  Ab- 
lagerung des  Oligocaens  im  Gebiete  der  heutigen  lausitzer  Verwerfung 
Lagerungsstörungen  stattgefunden  haben,  dass  die  Spannung  während  des 
Oligocaens  anhielt  und  dass  vor  der  Ablagerung  des  Miocaens  nicht  nur 
die  Ueberschiebung  stattgefunden  hat,  sondern  auch  beträchtliche  Abtrag- 
ungen auf  dem  nördlichen  Theile  erfolgt  sind. 

Dresden,  Mineralogisch- geologisches  Institut  der  Königl.  Sächsischen 
Technischen  Hochschule.  Juli  1901. 


*)  Jahrbuch  tler  K.  K.  geolog.  Reichsanstalt,  1900,  S.  610. 


VII.  lieber  ein  Steinbeil  ron  Halsbach. 

Von  Dr.  A.  Frenz el. 


Im  April  1901  wurde  bei  dem  Ackerstürzen  eines  dem  Rittergut  Halsbacb 
zugehörigen  Feldes  ein  Steinbeil  aufgefunden^  Ein  elfjähriger  Knabe  fand 
bei  dem  Steinelesen  das  Beil,  welches  ihm,  seiner  Form  und  Glätte  wegen, 
auffiel  und  nahm  es  deshalb  mit  nach  Hause.  Der  genaue  Fundort  ist 
auf  dem  beigegebenen  Kärtchen  durch 
ein  + bestimmt.  Die  Angehörigen 
des  Knaben  — der  Vater  ein  Berg- 
arbeiter — hielten  den  Fund  für 
einen  Wetzstein,  wie  sich  solcher  die 
Landleute  zum  Schärfen  ihrer  Sensen 
und  Sicheln  bedienen.  Indessen  er- 
kannte doch  ein  älterer  Bruder  des 
Finders,  ein  Schüler  der  Königl. 

Freiberger  Bergschule,  das  Object  für 
ein  Steinbeil  und  brachte  es  mir  zur 
Ansicht. 

Der  Ort  Halsbach,  den  Mineralogen 
durch  den  Achatgang  mit  seinem 
schönen  Korallenachat  bekannt 
liegt  am  rechten  Muldengehänge,  etwa  Stunde  östlich  von  Freiberg. 
Der  Ort  wird  hauptsächlich  von  Berg-  und  Hüttenarbeitern  bewohnt,  welche 
in  kleinen  Häuschen  wohnen,  die  an  dem  Gehänge  wie  angeklebt  erscheinen. 
Der  Untergrund  wird  von  Gneiss  gebildet.  Darüber  lagert  als  Ackerboden 
diluvialer  Gehängelehm.  Es  ist  nicht  das  erste  Mal,  dass  man  in  Frei- 
bergs Umgebung  ein  Steinbeil  auffand.  Das  Museum  des  Freiberger  Alter- 
thumvereins besitzt  bereits  vier  Exemplare  aus  der  Freiberger  Gegend,  zu 
welcher  Sammlung  das  Halsbacher  Beil  als  fünftes  hinzukam. 

Ueber  diese  Beile  kann  Folgendes  bemerkt  werden: 

1.  Eingang  26.  Februar  1876.  Finder  Ingenieur  Paul  Siede  aus 
Grossschirma  (eingeliefert  durch  Obersteiger  Teuchert  auf  Kurprinz).  Ge- 
funden in  den  Wiesen  hinter  dem  Gasthof  von  Gaumnitz  in  Grossschirma. 
Grosses  Beil  mit  Durchbohrung.  Länge  17  cm,  Schneidenbreite  7 cm. 
Professor  Kreischer  schlug  seiner  Zeit  einen  Splitter  behufs  Herstellung 
eines  Dünnschliffes  ab,  wobei  sich  das  Gestein  unter  dem  Mikroskop  als 


0 Siehe  H.  Müller:  Die  Erzgänge  des  Freiberger  Bergrevieres,  1901,  226. 


112 


ein  Hornblendeschiefer  ergab.  Professor  Dr.  Beck,  dem  neuerdings  der 
Dünnschliff  vorgelegt  wurde,  bezeichnete  das  Gestein  als  einen  Biotit 
führenden  Amphibolit. 

2.  Eingang  5.  Mai  1876.  Geschenk  des  Bergakademikers,  jetzigen 
Betriebsdirectors  Wengler.  Streitaxt,  aufgefunden  bei  dem  Ausgraben  eines 
Schlämmteiches  für  die  alte  Thurmhofer  Erzwäsche  von  Himmelfahrt,  zwischen 
dem  Thurmhofschacht  und  der  Frauensteiner  Strasse,  bei  dem  dortigen 
ehemaligen  hohlen  Weg.  Das  Beil  zeigt  Durchbohrung,  ist  aber  leider 
von  den  Arbeitern  damals  zerschlagen  worden.  Das  Museum  besitzt  den 
vorderen  Theil  des  Beiles  mit  der  Schneide;  derselbe  hat  eine  Länge  von 
10  cm.  Die  Flächen  des  Beiles  sind  sehr  glatt,  die  Structur  des  Gestein- 
materials feinkörnig,  weniger  schiefrig  als  bei  den  anderen  vier  Beilen. 

3.  Eingang  25.  Juni  1876.  Schenker  Oberlieutenant  Vollborn.  Ein 
kleines  Beil  von  schöner  Form,  Schneide  gut  erhalten,  dagegen  das  andere 
Ende  etwas  beschädigt.  Die  Länge  beträgt  8^/^  cm,  Schneidenbreite  5 cm. 
Das  Beil  wurde  aufgefunden  bei  der  kleinen  alten  Halde  unterhalb  Reiche 
Zeche,  am  linken  Muldenthalgehänge.  Es  besteht  gleichfalls  aus  Amphi- 
bolit mit  schiefriger  Structur  und  ist  dem  Beil  von  Halsbach  überaus 
ähnlich,  so  dass  man  zu  der  Meinung  kommen  kann,  diese  Beile  sind  aus 
dem  gleichen  Material  hergestellt. 

4.  Eingang  8.  März  1884.  Schenker  Rittergutsbesitzer  Karl  Philipp 
Steyer  in  Naundorf.  Die  Hälfte  eines  Steinbeiles,  aufgefunden  auf  Naun- 
dorfer  Flur.  Das  Beil  hat  Durchbohrung  und  misst  von  der  Schneide  bis 
zur  unteren  Bohrfläche  3,5  cm.  Es  besteht  gleichfalls  aus  Amphibolschiefer. 

5.  Das  eingangs  gedachte  Beil  von  Halsbach  ist  ohne  Durchbohrung 
und  besitzt  die  aus  der  beigegebenen  Abbildung  ersichtliche  Form,  es  hat 
eine  Länge  von  9 cm  und  misst  an  der  breitesten  Stelle  4,5  cm.  Eine  vor- 
zügliche Photographie,  von  dem  Photographen  Saemann 
in  Freiberg  hergestellt,  giebt  ein  höchst  getreues  Bild 
des  Beiles.  Die  Farbe  des  Beiles  auf  frischem  Bruche 
ist  sehr  dunkel,  schwärzlichgrau,  dagegen  zeigt  das  Beil 
eine  hellgraue  Verwitterungsrinde,  die  es  durch  das 
wohl  Jahrtausend  lange  Liegen  in  dem  Gehängelehm 
erhalten  hat.  Legt  man  das  Beil  in  Wasser,  so  lassen 
sich  dann  gut  die  zwei  Gemengtheile,  die  dunkelgrüne 
Hornblende  und  der  weisse  Plagioklas,  unterscheiden, 
auch  Eisenkieseinsprenglinge  kann  man  gewahren. 

Ein  abgeschlagener  Splitter  zu  einem  Dünnschliff 
verwendet,  wurde  nach  dem  mikroskopischen  Befunde 
durch  Herrn  Professor  Dr.  Beck  als  Amphibolit  erkannt. 
Auch  die  vorgeschichtlichen  Menschen,  die  einst- 
^/.2  der  natürl.  Drösse.  mals  unser  Muldenthal  bewohnt  oder  durchstreift  haben, 
werden  ihr  Material  zu  den  Beilen  und  Meisein  nicht 
weit  her  geholt  haben.  Amphibolite  finden  sich  vielfach  als  Einlagerung 
im  Gneisse  und  auch  aus  der  Freiberger  Gegend  sind  dergleichen  bekannt. 
Man  denke  an  die  „Diorite“  von  Halsbrücke  und  aus  dem  Stadtgraben 
von  Freiberg  (Schwedensteine,  durch  Springen  einer  Belagerungsmine 
emporgekommen);  auch  der  im  hiesigen  Obermarktpflaster  eingelassene 
Stein,  auf  welchem  der  Richtklotz  des  Prinzenräubers  Kunz  von  Kaufungen 
gestanden  haben  soll,  ein  Wahrzeichen  Freibergs,  ist  Amphibolit. 


d.  Isis  iji  Dresden,  1901. 


Taf.  11. 


Phot.  V.  Yerf. 


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Phot.  V.  Yerf. 


Abliancll.  d.  Isis  in  Dresden,  1901 


Taf.  IV. 


Pliot.  V.  Yerf. 


der 


Naturwissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions  - Gomite. 


Jahrgang  1901. 

Januar  l>is  Jani. 


Mit  1 Karte  und  1 Abbildung  ini'  Text>i'<'' 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofhnchhandlung  H.  Burdacli. 


1901. 


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Redactions  - Comitö  für  1901. 

Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr.  Foerster. 

Mitglieder:  Prof.  Dr.  J.  Deiclimüller,  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky,  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause,  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr. 
H.  Kitsche  und  Prof.  Dr.  K.  Freiherr  von  Walther. 
Verantwortlicher  Redacteur:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Inhalt. 

Friedrich  Raspe  f S.  V. 

Verzeichniss  der  Mitglieder  S.  VII. 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3.  — Heller,  K. : Ausgestorbene  madagassische  Riesen- 
strausse  S.  4.  — Kitsche,  H.:  Stimmapparat  der  Cicaden  S.  3;  Beobachtungen  über 
tropische  Ameisen,  zoologische  Reiseeindrücke  in  Südungarn,  Vorlage  eines  Kranich- 
kopfes S.  4;  neue  Litteratur  S.  3.  — Rihhe,  K.:  Künstliche  Erzeugung  von  Schmetter- 
lingsvarietäten S.  3.  — Richter,  A.;  Vorlage  eines  Elephantenstosszahnes  S.  4.  — 
Schiller,  K. : Gattungskennzeichen  der  in  Sachsen  vorkommenden  Hydrachniden  S.  4; 
Vorlage  von  Acridium  tartaricum^  neue  Litteratur  S.  3.  — Viehmeyer,  H.;  Wie 
finden  die  Ameisen  den  Weg  zu  ihrem  Keste  zurück?  S.  3. 

II.  Section  für  Botanik  S.  4.  — Beck,  R.;  Einige  Parasiten  von  forstlicher  Bedeutung 

S.  5; und  Kitsche,  H.:  Bekämpfung  des  Schüttepilzes  S.  5.  — Drude,  0.: 

Holzzuwachs  beim  Lärchenkrebs  S.  5;  Jubiläum  der  K.  K.  Zoologisch-botanischen  Ge- 
sellschaft in  Wien,  Gründung  einer  internationalen  Botaniker -Vereinigung,  Kuntze’s 
Eingabe  betreffend  einen  Staatszuschuss  zu  Engler’s  „Pflanzenreich“,  systematische 
Morphologie  der  Gattungen  Äbies,  Picea^  Larix  und  Pinus  S.  6;  Vorlage  eines  Pinus- 
Zweiges  S.  4;  neue  Litteratur  S.  5;  und  Kitsche,  H.:  Keuere  Anschau- 

ungen auf  dem  Gebiete  der  Descendenztheorie  S.  5. ' — Kitsche,  H.:  Leuchten  der 
Hallimasch-Mycelien  S.  5.  — Thümer,  A.:  Demonstration  eines  Mikroskops  S.  5. 

III.  Section  für  Mineralogie  nnd  Geologie  S.  6.  — Bergt,  W.;  Lausitzer  Diabas 
mit  Kant engeröllen,  Erzlagerstätten  bei  Freiberg,  Erzgänge  von  Freiberg,  neue  Litteratur 
S.  7.  — Döring,  H.;  Strudellöcher  im  Elbbfett,  geschrammte  Geschiebe  von  Zschert- 
nitz S.  7.  — Engelhardt,  H.:  Geologische  Beschaffenheit  und  Erforschung  Bosniens 
S.  6.  — Kalkowsky,  E.:  Vorlagen  S.  6;  neue  Litteratur  S.  6 und  7.  — Kessig,  R.: 
Keue  Bohrung  in  der  Dresdner  Haide  S.  6.  — Petrascheck,  W.:  Ammoniten  der 
sächsischen  Kreide  S.  7.  ~ Wagner,  P. : Das  Oentralplateau  in  Frankreich  S.  6. 

IV.  Section  für  präliistorische  Forschungen  S.  7.  — Deichmüller,  J.:  Hügel- 
gräber nördlich  von  Bucba  in  Sachsen  S.  7;  neue  Urnenfunde  in  Blasewitz  S.  8;  Vorlage 
von  Steim  und  Bronzegeräthen  aus  Sachsen  S.  7 und  8;  neue  Litteratur  S.  8.  — 
Döring,  H.:  Burgwälle  von  Schlieben  und  Cosilenzien  S.  7.  — Engelhardt,  H.: 
Runensteine  von  Bornholm  S.  7.  — Ludwig,  H.:  Vorlage  von  Steingeräthen  und 
Urnen  aus  Sachsen  S.  7.  — Wiechel,  H.:  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen  S.  8.  . — 
Excursion  nach  der  Göhrischschanze  bei  Diesbar  S.  8. 

V.  Section  für  Physik  nnd  Chemie  S.  8.  — Schlossmann,  A.:  Bedeutung  des  Phos- 
phors in  der  belebten  Katur  S.  8.  — Walther,  R.  von;  Reductionen  mit  Hülfe  von 
Metallen,  die  Aluminothermie  S.  8.  — Excursion  nach  der  Kährmittelfabrik  von 
Dr.  Klopfer  in  Leubnitz-Keuostra  S.  9. 

VI.  Section  für  Mathematik  S.  9.  — Heger,  R.:  U eher  Parabel  und  Ellipse  S.  9.  — 
Krause,  M.:  Charles  Hermite  S.  9.  — Kaetsch,  E.:  Ueber  ein  in  der  Vector- 
Analysis  auftretendes  System  partieller  Differentialgleichungen  I.  Ordnung  S.  10.  — 
Weinmeister,  Ph.;  Schmiegungsparabeln  der  Ellipse  S.  9;  Ankreis-Mittelpunkte  der 
Dreiecke  mit  gleichem  Um-  und  Inkreis  S.  10. 


VIT.  Hauptversammlungen  S.  10.  — Beschluss  über  Beginn  der  Sitzungen  S.  11.  — 
Wahleines  Mitgliedes  des  Yerwaltungsrathes  S.  11.  — Eassenabschluss  für  1900  S.  10, 
• 11  und  13.  — Voranschlag  für  1901  S.  10.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände 
S.  12.  — Dr.  Fr.  Baspe  f S.  11.  — Engelhardt,  .H.:  Vorlage  von  Pflanzen  aus 
Californien  S.  10.  — Fo  erst  er,  Fr.:  lieber  elektrische  Oefen  S.  10;  Demonstrationen 
S.  11.  — Hempel,  W.:  Vorkommen  des  Schwefels  in  der  Natur  S.  11.  — Schiller,  K.: 
Vorlage  Non  Ayus /productus  S.  11.  — Wolf,  C.:  Infectionskranhheiten  und  die  Art 
der  Uebertragung  derselben  auf  den  menschlichen  Körper  S.  11.  — Excursion  nach 
Waldheiih  S.  11,  nach  dem  K.  Fernheiz-  und  Elektrizitätswerk  in  Dresden  S.  12. 


B.  Abhandlungen. 

Deichmüller,  J.:  Ein  verziertes  Steinbeil  aus  Sachsen.  Mit  1 Abbildung.  S.  16. 
Krause,  M.:  Charles  Hermite.  S.  3. 

Nessig,  R.;  Tiefbohrung  in  der  Dresdner  Haide.  S.  14. 

Wiechel,  H.:  Die  ältesten  Wege  in  Sachsen.  Mit  1 Karte.  S.  18. 


Die  Autoren  sind  allein  verantwortlich  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen, 


Die  Autoren  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder- Abzüge  gratis,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Erstattung 

der  Herstellungskosten. 


Sitzungskalender  für  1901. 

September.  26.  Hauptversammlung. 

October.  3.  Botanik  und  Zoologie.  10.  Mathematik.  17.  Mineralogie  und  Geologie 
24.  Hauptversammlung. 

November.  7.  Physik  und  Chemie.  14.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik. 
21.  Zoologie.  28.  Hauptversammlung. 

Hecember.  5.  Botanik.  12.  Mine:^logie  und  Geologie.  — Mathematik.  19.  Haupt- 
versammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  ,,Isis“,  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkscliriften.  Dresden  1860.  8 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8 3 M.  — Pf. 

Schneider,  0.:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntniss  der 

Kaukasnsländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . . 6'  M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861 1 ]VI.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.,  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  . . IM.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-December 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869  . . 3 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Juni,  October-December  2 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  pro  Jahrgang  . . 4M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  T880.  Juli-December  . , . . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-December  3 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1900,  pro  Jahrgang 5 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 


Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1901.  Januar- Juni  2 M.  50  Pf. 

Mitgliedern  der  ,,Isis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proc.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  ,,Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  dor  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Prof.  Dr.  Deiclmiüller,  Dresden-A.,  Zwingergebäude, 
K.  Mineral. -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittirt  wird. 

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Königl.  Sächs.  Hofbuchhandlung 

H.  Burdach 


Schloss -Strasse  32.  DRESDEN.  Fernsprecher  162. 
empfiehlt  sich 

zur  Bosorgung  wissensclsaftliclier  Litteratur. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden, 


■Sölo.'i  s 


der 


Naturwissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions  - Gomite. 


Jahrgang  1901. 

•Juli  bis  December*. 


Mit  3 Tafeln  und  2 Abbildungen  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 


1902. 


Redactions -Comite  für  1901. 

Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Pr.  Po  erst  er. 

Mitglieder:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller,  Greh.  Hofrath  Prof.  Dr.  O.  Drude,  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky,  Greh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause,  Greh.  Hofrath  Prof.  Dr. 
H.  Kitsche  und  Prof.  Dr.  K.  Preiherr  von  Walther. 
Verantwortlicher  Redacteur:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller.’  - 


Sitzungskalender  für  1902. 

Jamiai*.  9.  Physik  und  Chemie.  16.  Prähistorische  Porschungen.  23.  Zoologie. 

30.  Hauptversammlung. 

Februar.  6.  Botanik.  13.  Mathematik.  20.  Mineralogie  und  Geologie.  27.  Haupt- 
versammlung. 

März.  6.  Physik  und  Chemie.  13.  Prähistorische  ^Porschungen.  — Mathematik. 
20.  Hauptversammlung. 

April.  3.  Zoologie  und  Botanik.  10.  Botanik.  17.  Mineralogie  und  Geologie. 

24.  Hauptversammlung. 

Mai.  1.  Physik  und  Chemie.  8.  Excursion.  15.  Prähistorische  Porschungen.  — 
Mathematik.  . 29.  Hauptversammlung. 

Juni.  5.  Zoologie.  12.  Botanik.  19.  Mineralogie  nnd  Geologie.  26.  Hauptver- 

sammlung. 

September.  25.  Hauptversammlung. 

October.  2.  Physik  und  Chemie.  9.  Mathematik.  16.  Prähistorische  Porschungen. 
23.  Zoologie.  30.  Hauptversammlung. 

November.  6.  Botanik.  13.  Mineralogie  und  Geologie.  20.  Physik  und  Chemie. 
27.  Hauptversammlung. 

December.  4.  Zoologie  und  Botanik.  11.  Prähistorische  Porschungen.  — Mathematik. 
18.  Hauptversammlung. 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofhuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 
Weise  festgestellt  worden: 


Denkschriften.  Dresden  1860.  8 . . . . . . 1 M.  50  Pf. 

Festschrift  Dresden  1885.  8. 3 M.  — Pf. 

Schneider,  0.:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntniss  der 

Kankasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  ...  6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861 . 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1863  ...........  l^M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-December 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869  3 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April- Juni,  October-December  2 M,  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  pro  Jahrgang  . . 4 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni  . . . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-December  . . . . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-December  3 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1901,  pro  Jahrgang 5 M.  — Pf, 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 


Mitgliedern  der  ,,lsis“  wird  ein  Rabatt  von  25  Proc.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  ,,Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Prof.  Dr.  Deiclimüller,  Dresden-A.,  Zwingergebäude, 
K.  Mineral. -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittirt  wird. 


^ — — - ' 

Königl.  Sächs.  Hofbuchhandlung 

H.  Burdach 

Schloss -Strasse  32.  DRESDEN.  Fernsprecher  152. 
empfiehlt  sich 

zur  Besorgung  wissenschaftlicher  Litteratur. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden. 


SMngsliericlte  ifl  AiaMlipn 

der 

NatuFwissensehaftliehen  Gesellschaft 


in  Dresden. 


Heraiisgegeben 

von  dem  Redactions  - ComitO. 


Jahrgang  1902. 


Mit  2 Tafeln  und  1 Abbildung  im  Text 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1903. 


Inhalt  des  Jahrganges  1902. 


Hmrich  Nitsche  t S.  V. 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3 und  15.  — Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nits  che  f S.  15. 
— Geschenk  für  die  Bibliothek  S.  15.  — Drude,  0.:  Temperaturverhältnisse,  Fauna 
und  Flora  des  Plattensees  S.  4.  — Engelhardt,  H.:  Neue  Litteratur  S.  3.  — 
Heller,  K.:  Neue  Methode  der  Präparation  von  Schmetterlingen  S.  3;  Fauna  von 
Celebes  S.  4;  Lebensbild  von  H.  Nitsche  S.  15.  — Nitsche,  H. : Der  Kranich  als 
Brutvogel  im  Königreich  Sachsen  S.  3;  neuere  Anschauungen  über  das  Wesen  der 
Parthenogenesis  und  die  künstliche  Erzeugung  derselben,  neue  Litteratur  S.  4.  — 
Schiller,  K.;  Biologische  Station  im  Adirondac  - Gebirge  S.  3.  — Schneider,  0.: 
Melanismus  bei  korsischen  Käfern  S.  3.  — SchoiTer,  B.:  Neue  Litteratur  S.  3.  — 
Thallwitz,  J.;  Thierwelt  der  Hochgehirgsseen  S.  3.  — Viehmeyer,  H.:  Ueber 
Höhlenkäfer  S.  3.  — Besuch  des  K.  Zoologischen  und  Anthropologisch- ethnographi- 
schen Museums  in  Dresden  S.  15. 

II.  Section  für  Botanik  S.  4 und  15.  — Drude,  0.;  Die  Coniferen  Europas  und  des 

Kaukasus  und  die  Grenzen  der  westpontischen  Waldflora  um  Wien  S.  5;  über  Iris 

paradoxa^  das  neue  biologische  Quartier  im  K.  Botanischen  Garten  S.  6;  der  „Her- 

cynische  Florenbezirk“  S.  15.  — Fritzsche,  F.:  Vorlagen  S.  6 — Kalkowsky,  E.: 
Vorlage  S.  16.  — Menzel,  P. : Beziehungen  jetztlebender  Abietineen  zu  denen  des 

Tertiärs  S.  6.  — Neumann- Spallart,  G.  von:  Vorlage  S.  6.  — Pohle,  R.; 

Pflanzengeographie  von  Nordrussland  S.  4.  — Schiller,  K.  und  Schorler,  B.: 
Neue  Litteratur  S.  16. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  6 und  16.  — Bergt,  W. : Mineralien 
von  Heidelbach  und  von  der  Kunnersdorfer  Verwerfung  S.  16.  — Deninger,  K. : 
Reisebilder  aus  Sardinien  S.  7.  — Kalkowsky,  E.:  Lagerung  der  Serpentine  und 
Gabbros  im  südlichen  Ligurien  S.  16.  — Nessig,  R.:  Vorkommen  des  Graphits  im 
Loschwitzgrunde,  Vorlage  S.  16.  — Stübel,  A.:  Genetische  Verschiedenheit  vulca- 
nischer  Berge  S.  7.  — Wagner,  P.:  Ueber  den  Würmsee  und  über  die  Insel  Use- 
dom S.  6. 

IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen  S.  7 und  16.  — Geh.  Medicinalrath  Prof. 
Dr.  R.  Virchow  f S.  16.  — Deichmüller,  J.:  Neue  Funde  aus  Sachsen,  Ergebnisse 
der  Inventarisirung  vorgeschichtlicher  Alterthümer  in  der  Gegend  von  Pegau  S.  18; 
neue  Litteratur  S.  7.  — Döring,  H.:  Neolithische  Funde  von  Lockwitz  S.  7,  von 
Dresden-Strehlen,  von  Mockritz  und  von  Rügen  S.  17,  slavische  Funde  von  Kopschien 
S.  7,  von  Rügen  S.  17.  — Ludwig,  H.;  Die  neolithische  Siedelung  von  Seebschütz 
S,  7,  neue  Funde  aus  Sachsen  S.  16.  — Vogel,  01. : Der  Staubenherg  bei  Westewitz 
S.  16.  — Excursion  nach  dem  Pfaffenstein  S.  7. 

V.  Section  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie  S.  8 und  18.  — Foerster,  Fr.:  Ein- 
wirkung von  Jod  auf  Alkali  S.  8.  — Hall  wachs,  W.:  Ueber  Strahlung  und  Tem- 
peraturbestimmung durch  Strahlung  S.  8.  — Kelling,  E.  G.:  Physikalische  Unter 
suchungen  auf  dem  Gebiete  der  Muskelphysiologie  S.  18.  — Müller,  M.  E.:  Quanti 
tative  Bestimmung  der  Halogene  durch  Elektrol5^se  S.  8.  — Rebenstorff,  H.. 
Unterrichtsversuche  über  Toninterferenz  - Erscheinungen  S,  8.  — Schlossmann,  A.: 
Fettausscheidung  durch  die  Faeces  S.  8. 

VI.  Section  für  reine  und  angewandte  Mathematik  S.  8 und  18.  — Gravelius,  H. : 
Aufsuchung  und  Discussion  von  Periodicitäten  bei  meteorologischen  und  klimatologischen 
Erscheinungen  S.  9.  — Heger,  R. : Besondere  Kreise  in  homogenen  Coordinaten 


IV 


S.  8;  die  Kugeln,  welche  die  Seiten  eines  windschiefen  Vierecks  berühren  S.  10.  — 
Helm,  Gr.:  Die  neue  statistische  Mechanik  von  W.  Gibbs  S.  19.  — Henke,  K. : 
Hauptträgheitsachsen  des  Dreiecks  S.  20.  — Krause,  M.:  Theorie  der  trigono- 
metrischen Functionen  S.  9.  — Kaetsch,  E.:  Systeme  von  partiellen  Differential- 
gleichungen II.  Ordnung  S.  19.  — - Vieth,  J.  von:  Die  Dual -Arithmetik  von  Oliver 
Byrne  S.  9.  — Weinmeister,  Ph.:  Das  Achsenproblem  des  Kegels  II.  Ordnung  S.  18. 

yiT.  Hauptversammlungen  S.  10  und  20.  — Beschluss  über  Beginn  der  Sitzungen 
S.  21.  — Beamte  im  Jahre  1903  S.  23.  — Kassenabschluss  für  1901  S.  10,  12  und  20.  — 
Voranschlag  für  1902  S.  10.  — Freiwillige  Beiträge  zur  Kasse  S.  22.  — Verän- 
derungen im  Mitgliederbestände  S.  11  und  21.  — Bericht  des  Bibliothekars  S.  25.  — 
Gründung  einer  Section  für  Physiologie  und  Biologie  S.  10.  — Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  H.  Kitsche  -j-  S.  21.  — Buch  er  er,  H.:  Die  neuere  Entwickelung  der  Indigo- 
industrie S.  20.  — Gravelius,  H. : Bedeutung  und  Nothwendigkeit  einer  organisirten 
localen  meteorologischen  Forschung  S.  21.  — Helm,  G.:  llenkmal  für  Otto  von 
Guericke  S.  10.  — Kalkowsky,  E.:  Beise  in  der  Provence  S.  21.  — Lewicki,  E.: 
Ueber  Dampfturbinen  S.  11.  — Schorler,B.:  Geschichte  der  Floristik  bis  auf  Linne 
S.  10.  — Vater,  H.:  Entwickelung  der  Petrographie  in  ihren  Grundzügen  S.  10.  — 
Excursion  nach  dem  Stadtkrankenhaus  iu  Dresden- Johannstadt,  nach  Moritz  bürg 
S.  11,  nach  den  ,, Vereinigten  Eschebach’schen  Werken“  in  Radeberg,  nach  der  Felsen- 
kellerbrauerei  im  Plauenschen  Grunde  S.  20. 


B.  Abhandlungen. 

Bergt,  W.:  Ueber  einige  sächsische  Gesteine.  Mit  2 Tafeln.  S.  29. 

Drude,  0.:  Rückblicke  auf  die  Bearbeitung  der  Pflanzengeographie  von  Sachsen  und 
Thüringen.  S.  138. 

Gravelius,  H. : Methodische  Bemerkungen  zur  Discussion  von  Periodicitäten  in  der 
Klimatologie.  S.  24. 

Mammen,  F. : Analyse  der  Kalke  von  Tharandt  und  Braunsdorf.  S._23. 

Nessig,  R.:  Graphitreiche  Zermalmungsproducte  des  Lausitzer  Granites.  S.  61. 
Schneider,  0.:  Ueber  Melanismus  korsischer  Käfer.  S.  43. 

Schorler,  ,13.:  Geschichte  der  Floristik  bis  auf  Linne.  S.  3. 

Schorler,  B ; Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  in  den  Jahren  1899 — 1902.  S.  129. 
Vogel,  CI.:  Der  Burgwall  auf  dem  Staubenberge  bei  Westewitz.  Mit  1 Abbildung. 
S.  133. 

Wagner,  P. : Die  mineralogisch -geologische  Durchforschung  Sachsens  in  ihrer  ge- 
schichtlichen Entwickelung.  S.  63. 


Die  Verfasser  sind  allein  verantivortlieh  für  den  Inhalt  ihrer 

Abhandlungen, 


Die  Verfasser  erhalten  von  den  Abhandlungen  50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder- Abzüge  unentgeltlich,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Er- 
stattung der  Herstellungskosten. 


Hinrich  Nitsche. 


Am  8.  November  1902  wurde  unsere  Gesellschaft  von  einem  schweren 
Verluste  betroffen,  der  Geh.  Hofrath  Dr.  Hinrich  Nitsche,  Professor  der 
Zoologie  an  der  K.  Forstakademie  in  Tharandt,  wurde  im  Alter  von  58  Jahren 
unerwartet  von  einem  Schlaganfalle  dahingerafft. 

Seit  dem  30.  November  1893  zählte  Nitsche  zu  den  Ehrenmitgliedern 
der  Isis,  nachdem  er  unserer  Gesellschaft  schon  vom  28.  Februar  1884 
ab  als  correspondirendes  Mitglied  angehört  hatte.  So  schmerzlich  das 
frühe  Hinscheiden  des  ausgezeichneten  Lehrers  und  Forschers  um  der 
zoologischen  Wissenschaft  willen  zu  beklagen  ist,  so  tief  berührt  auch  die 
Isis  der  Verlust  des  trefflichen  Mannes,  betrauert  doch  die  zoologische 
Section  in  ihm  ihren  bisherigen  Vorsitzenden.  Und  mit  welch  aufopfernder 
Hingabe  vertrat  Nitsche  seit  1894  dieses  Amtl  Die  Entfernung  seines 
Wohnortes  von  Dresden  liess  ihn  die  Mühe  nicht  scheuen,  oft  ein  umfang- 
reiches Demonstrationsmaterial  aus  Tharandt  mitzubringen  und  es  spät 
des  Nachts  mit  Assistent  und  Diener  wieder  nach  Hause  schaffen  zu 
lassen.  Immer  bereit,  mit  Vorträgen  selbst  einzuspringen,  pflegte  er  auch 
Vorträge  Anderer  aus  seinem  reichen  Wissensschatze  zu  ergänzen  oder 
selbst,  stets  lernbegierig,  Anfragen  zu  stellen,  die  zu  anregenden  Discussionen 
führten.  Unsere  Sitzungsberichte  geben  von  seinen  zahlreichen  Vorträgen 
und  Demonstrationen  Zeugniss,  und  es  mag  hier  daran  erinnert  sein,  wie 
meisterlich  Nitsche  es  verstand,  selbst  verwickelte  Dinge  so  anschaulich 
und  eindringlich  zu  erläutern  und  durch  drastische  Vergleiche  und  launige 
Bemerkungen  zu  würzen,  dass  auch  dem  Gegenstände  Fernerstehende  mit 
Interesse  seinen  Ausführungen  folgten  und  Belehrung  davon  gewannen. 
Dem  scheinbar  unbedeutendsten  zoologischen  Gegenstände  wusste  er, 
sei  es  in  anatomischer,  biologischer  oder  faunistischer  Hinsicht,  oder 
vom  Standpunkte  der  Abstammungslehre,  die  er  vertrat,  Interesse  abzu- 
gewinnen. 

Sein  heiteres,  launiges  Naturell,  sein  scharfer  Verstand,  der  aber  nie 
herausfordernd,  sondern  nur  mit  grosser  Bescheidenheit  Kritik  übte,  sein 
oft  unter  rauher,  polternder  Aeusserlichkeit  verborgenes,  theilnahmsvolles 
Gemüth  und  vor  Allem  sein  gerader,  offener  Charakter,  der  ihn  zwang 
sich  stets  so  zu  geben,  wie  er  dachte,  werden  ihm  bei  allen  Mitgliedern 
der  Isis  eine  dankbare  Erinnerung  sichern.  Pflegte  er  auch  gerne  manche 
Episode  aus  seinem  Leben  zum  besten  zu  geben,  so  dürften  doch  nur 
Wenige  genauere  Kenntniss  von  seinem  Werdegang  haben,  der  durch  eine 
merkwürdige  Fügung  Nitsche’s  Jugendtraum  verwirklichte. 


VI 


Geboren  am  14.  Februar  1845  in  Breslau  als  einziger  Sohn  des  Justiz- 
commissars  und  Rechtsanwaltes  am  dortigen  Oberlandesgericht,  Joseph 
Nitsche,  verwaiste  er  früh,  indem  seine  Mutter  bei  seiner  Geburt,  sein 
Vater  drei  Jahre  später  verstarb.  Die  Grosseltern  mütterlicher  Seite,  der 
Oberconsistorialrath  Professor  Middeldorpf  und  dessen  Frau  geh.  Schiller 
sorgten  aufs  Beste  für  seine  erste  Erziehung,  wobei  sie  auch  durch  ihren 
Sohn,  einen  seinerzeit  berühmten  Chirurgen,  Unterstützung  fanden.  Die 
freundschaftlichen  Beziehungen  der  Middeldorpf’s  zu  Gutsbesitzern  boten 
dem  Knaben  schon  frühzeitig  Gelegenheit,  in  Fasanerien  jagend  umher- 
zustreifen, so  dass  sich  bei  ihm  schon  damals  eine  Vorliebe  zur  Forst- 
carriere  entwickelte.  1863  verliess  er  das  K.  Friedrichs -Gymnasium  mit 
dem  Zeugniss  der  Reife,  um  sich  bei  der  juristischen  Facultät  an  der 
Universität  in  Breslau  immatriculiren  zu  lassen;  dem  Wunsche,  sich  dem 
Forstfache  zu  widmen,  hatte  er,  weil  nicht  militärtüchtig,  schon  vorher 
entsagen  müssen. 

Die  Liebe  zur  Natur  veranlasste  ihn  aber  schon  im  October  1863,  zur 
philosophischen  Facultät  überzutreten  und  sich  dem  Studium  der  Natur- 
wissenschaften , besonders  der  Zoologie  unter  dem  damaligen  Professor 
Ad.  Ed.  Grube  zu  widmen.  Ostern  1864  verliess  er  Breslau,  um  unter 
Professor  H.  A.  Pagenstecher  in  Heidelberg  seine  Studien  fortzusetzen. 
Seit  Michaelis  1865  sehen  wir  ihn  in  der  Friedrich -Wilhelms- Universität 
zu  Berlin  immatriculirt  und  sich  am  Kriege  1866  als  freiwilliger  Kranken- 
pfleger betheiligen.  Zu  seinen  damaligen  Lehrern  zählten  die  Professoren 
W.  C.  Peters  und  K.  E.  Gerstäcker,  unter  welchen  er  auch  am  6.  Juni  1868 
auf  Grund  seiner  Abhandlung  „Beiträge  zur  Anatomie  und  Entwicklungs- 
geschichte der  phylactolaemen  Süsswasserbryozoen“  promovirte.  1869  nahm 
ihn  der  im  gleichen  Jahre  nach  Leipzig  berufene  Professor  R.  Leuckart 
als  Assistenten  an,  in  welcher  Stellung  er  seine  Studien  über  Bryozoen 
fortsetzte.  Nachdem  er  sich  auch  1870/71  im  deutsch-französischen  Kriege 
als  freiwilliger  Krankenpfleger  bethätigt  hatte,  erfolgte  1871  seine  Habi- 
litirung  als  Privatdocent  in  Leipzig;  seine  Habilitationsschrift  (siehe  weiter 
unten)  behandelt  ebenfalls  Bryozoen.  Vier  Jahre  darauf  vermählte  er  sich 
mit  der  Tochter  des  bekannten  Münchner  Geographen  Geheimrath  Dr.  Oskar 
Peschei,  welcher  Ehe  zwei  Töchter  entsprossen,  von  welchen  er  die  eine  im 
Alter  von  18  Jahren  später  wieder  durch  den  Tod  verlor. 

Sahen  wir  Nitsche  bisher  als  Fachzoologen  auf  einem  eng  begrenzten 
Gebiete,  mit  Hilfe  subtiler  Untersuchungsmethoden  streng  wissenschaftlich 
arbeiten,  so  dass  sein  Name  wohl  für  immer  mit  der  Kenntniss  der  Bryozoen 
verknüpft  bleiben  wird,  so  ändert  sich  die  Richtung  seiner  Interessen  mit 
einem  Schlage,  als  im  October  1876,  auf  Empfehlung  von  Professor  V.  Carus, 
seine  Berufung  als  Professor  an  die  K.  Forstakademie  nach  Tharandt  er- 
folgte. Mit  seltenem  Geschick  verstand  er  es,  sich  in  die  neue  Stellung 
einzuleben  und  sich  von  nun  an  in  seinen  Publicationen  zumeist  rein 
praktischen  Fragen  der  Forstzoologie  zuzuwenden.  Mit  staunenswerthem 
Fleisse  suchte  er  sich  auch  in  ihm  ferner  liegende  Fächer,  wie  z.  B.  die 
Forstentomologie  einzuarbeiten,  was  ihm  unter  Anleitung  des  Geh.  Forst- 
rathes  Professor  Judeich  (f  1892)  so  vorzüglich  gelang,  dass  sein  Name, 
der  den  Gelehrten  durch  seine  Fachstudien  und  durch  die  seit  1877  ge- 
meinsam mit  Leuckart  herausgegebenen  zoologischen  Wandtafeln  längst 
vortheilhaft  bekannt  war,  bald  auch  zu  den  ersten  F orstzoologen  Deutsch- 
lands gezählt  wurde.  Besonders  war  es  das  von  1885  ab  erschienene 


VII 


,, Lehrbuch  der  mitteleuropäischen  Forstinsectenkunde“  (siehe  unten),  ein 
epochemachendes  Werk,  das  Nitsche’sund  Judeich’s  Namen,  man  kann  sagen, 
weltbekannt  machte.  Die  Hauptlebensaufgabe  erblickte  Nitsche  jedoch  in 
seiner  Lehrthätigkeit;  das  unter  seiner  Hand  zu  einer  mustergültigen  Lehr- 
mittelsammlung ausgebaute  zoologische  Museum  der  Akademie,  die  zahl- 
reichen Modelle  und  Präparate,  sowie  vor  Allem  115  eigenhändig  von  ihm 
zum  Unterricht  hergestellte,  meisterhafte  Wandtafeln  geben  beredtes  Zeugniss, 
wie  ernst  er  es  damit  nahm.  Seinen  Vorlesungen  suchte  er  von  Jahr  zu 
Jahr  grösseren  Umfang  und  tieferen  Inhalt  zu  verleihen.  Er  las  Curse 
über  allgemeine  Zoologie,  Wirbelthierkunde  und  Forstinsectenkunde,  später 
kam  noch  ein  Colleg  über  die  Naturgeschichte  der  Hirsche  und  von  1881 
ab  ein  Curs  über  künstliche  Fischzucht  hinzu.  Dem  Drange  zu  Lehren 
und  Vorzutragen  entsprang  Nitsche’s  lebhafte  Antheilnahme  an  Congressen 
und  Versammlungen  (u.  A.  1880:  Internationale  Fischerei-Ausstellung  Berlin; 
1889:  Allrussische  Fischerei -Ausstellung  St.  Petersburg;  1898:  Zoologen- 
Congress  Cambridge;  1899:  Ornithologen- Congress  Serajewo;  1901:  Inter- 
nationaler Zoologen-Congress  Berlin),  sowie  seine  rege  Thätigkeit  in  wissen- 
schaftlichen Vereinen,  aus  welchem  Grunde  er  am  30.  November  1893 
auch  von  unserer  Gesellschaft,  der  er,  wie  Eingangs  erwähnt,  bereits  seit 
1884  als  correspondirendes  Mitglied  angehörte,  zum  Ehrenmitgliede  ernannt 
worden  war. 

Um  unser  engeres  Vaterland  hat  Nitsche  sich  ausser  durch  seine 
Lehrthätigkeit  noch  besonders  durch  seine  Bestrebungen,  die  Fischerei- 
verhältnisse und  die  künstliche  Fischzucht  zu  heben,  hoch  verdient  gemacht. 
Nitsche’s  in  ganz  Deutschland  und  Oesterreich  bekannten  Curse  über 
Forellen-  und  Karpfenzucht  waren  allen  Berufsständen  zugänglich  — bis 
1901  hatten  sie  1879  Personen  besucht  — und  brachten  es  mit  sich,  dass 
Tharandt  nicht  nur  in  forstwirthschaftlicher  Beziehung,  sondern  auch  in 
Bezug  auf  Fischerei  und  Fischzucht  eine  Art  Centrale  für  Sachsen  wurde. 
Die  zahllosen  Anfragen  und  Bitten  um  Bestimmungen  etc.  beweisen,  wie 
viel  Gewicht  man  auf  Nitsche’s  fachmännisches  Urtheil  legte.  Bei  so 
mannigfacher  Thätigkeit  mag  es  Wunder  nehmen,  dass  Nitsche  noch  Zeit 
zu  vielseitigen  Publicationen  fand.  Da  sie  ein  treues  Spiegelbild  alles 
dessen  sind,  was  den  Dahingeschiedenen  zeitweilig  beschäftigte,  so  sei  hier 
eine  Aufzählung  (in  systematischer  und  innerhalb  dieser  in  chronologischer 
Reihenfolge)  gegeben;  mag  sie  auch  manche  Lücke,  namentlich  in  Bezug 
auf  referirende  Arbeiten  enthalten,  so  dürfte  sie  die  wichtigeren  Ver- 
öffentlichungen Nitsche’s  wohl  ziemlich  vollständig  enthalten. 

Verjüischten  und  allgemeinen  Inhaltes. 

1877 — 95.  Leuckart  und  Nitsche:  Zoologische  Wandtafeln.  Davon  sind  16  Tafeln 
(Nr.  1 — 13,  16,  17,  21  n.  22)  von  Nitsche  gezeichnet. 

1881.  Der  zoologische  Unterricht  nud  die  zoologische  Sammlnng  an  der  Akademie  in 
Tharand.  Th.  Jb.*)  XXXI,  S.  158  — 190. 

1890.  Erreichnng  einer  einheitlichen  Nomenclatnr  anf  dem  Gebiete  der  Entomologie 
nnd  Botanik.  Centralblatt  für  das  gesammte  Forstwesen,  Heft  136. 

1893.  Das  nene  japanische  Jagdgesetz.  Dentsche  Jäger- Zeitnng  XXI,  Neudamm, 
S.  17—22  u.  35  — 38. 


*)  Mit  dieser  oft  wiederkehrenden  Citatabknrznng  sind  die  Tharandter  forstlichen 
Jahrbücher  gemeint. 


YIII 


Vermes. 

1873.  Untersuchungen  über  den  Bau  der  Taenien.  Zeitschr.  f.  wiss.  Zoologie  XXIII, 

S.  181-197. 

1887.  Bemerkungen  über  Lungenwürmer  und  Oestriden.  Deutsche  Jäger- Zeitung  IX, 

S.  482—484. 

Bryozoa. 

1868.  Beiträge  zur  Anatomie  und  Entwicklungsgeschichte  der  phylactolaemen  Süss- 
wasserhryozoen,  insbesondere  von  Alcyonella  fungosa  Pall.  Mit  4 Taf.  Beichert 
und  du  Bois  B’s.  Archiv  für  Anatomie,  S.  465  — 521.  Auch  Dissertation  der 
Philosoph.  Facultät  Berlin. 

1869—75.  Beiträge  zur  Kenntniss  der  Bryozoen. 

1.  Beobachtungen  über  die  Entwicklungsgeschichte  einiger  chilostomen  Bryozoen. 
Zeitschr.  f.  wiss.  Zoologie  XX,  S.  1 — 13. 

(1870.)  2.  Über  die  Anatomie  von  Pedicellina  echinata  Sars.  Sitzungsber.  d.  Ges. 

naturf.  Freunde  Berlin,  S.  13 — 34. 

(1871.)  3.  Über  die  Anatomie  und  Entwicklungsgeschichte  von  Flustra  membranacea 

(Habilitationsschrift).  Zeitschr.  f.  wiss.  Zoologie  XXI,  S.  416—470. 

4.  Über  Morphologie  der  Bryozoen.  1.  c.  S.  471 — 498. 

(1875.)  5.  Über  die  Knospung  der  Bryozoen.  Zeitschr.  f.  wiss.  Zoologie  XXV,  SuppL- 

Heft,  S.  343  — 402. 

1870.  Über  den  Hermaphroditismus  von  Bugula  flabellata,  B.  plumosa  und  Bicellaria 

ciliata.  Sitzungsber.  d.  Ges.  naturf.  Freunde  Berlin,  S.  9. 

1871.  On  some  interesting  points  concerning  the  mode  of  reproduction  of  the  Bryozoa. 

Quarterly  Journ.  Microsc.  Sc.  N.  Ser.  XI,  p.  155 — 165. 

1872.  Betrachtungen  über  die  Entwicklungsgeschichte  und  Morphologie  der  Bryozoen. 

Briefl.  Mitth.  an  Herrn  Prof.  v.  Siebold.  Zeitschr.  f.  wiss.  Zoologie  XXII, 

5.  467—472. 

1874.  Untersuchungen  über  die  Knospung  der  Süsswasserbryozoen,  insbesondere  der 

Alcyonella.  Sitzungsber.  der  Naturforsch.  Gesellschaft  Leipzig  I,  S.  31 — 36. 

1875.  Über  die  Eintheilung  der  Fortpflanzungsarten  im  Thierreich  und  die  Bedeutung 

der  Befruchtung  Sitzungsber.  der  Naturforsch.  Gesellschaft  Leipzig,  S.  88 — 96. 

— Über  den  Bau  und  die  Knospung  von  Loxocera  Kefersteini.  Zeitschr.  f.  wiss.  Zoo- 

logie XXXV,  S.  451—456. 

— Organisation  et  bourgeonement  du  Loxocera  Kefersteini.  Arch.  de  Zoolog. "exp. 

et  gen.  IV,  N.  et  R.,  p.  LIII  -LV. 

Crustacea. 

1875.  Über  die  Geschlechtsorgane  von  Branchypus  Grubii.  Zeitschr.  f.  wiss.  Zoologie 
XXI,  Suppl.-Bd.,  S.  281—296. 

Myriopoda. 

1888.  Zerstörung  keimenden  Lärchensamens  durch  Tausendfüsse.  Th.  Jb.  XXXVIII, 

S.  291  — 294. 

Insecta. 

1880.  Bemerkungen  zu  vorstehendem  Referat  (H.  Roch:  Referat  über  den  Verlauf  des 

Raupenfrasses  im  Gohrischer  Forstrevier  in  den  Jahren  1877  — 79).  Th.  Jb. 
..  XXX,  S.  321  — 324. 

1881.  Über  den  Frass  von  Hylesinus  crenatus  F.  Th.  Jb.  XXXI,  S.  172  — 190. 

1885  — 93.  Lehrbuch  der  mitteleuropäischen  Forstinsectenkunde.  Als  8.  Auflage  von 
Ratzeburg;  „Die  Waldverderber  und  ihre  Feinde“,  herausgegeben  von  Judeich 
und  Nitsche.  1.  Abth.  1885,  2.  Abth.  1889,  3.  Abth.  1893,  4.  Abth.  1895  er- 
schienen. (Referat  darüber  u.  A.  in  der  Forstl.  - naturw.  Zeitschr.  1893,  S.  418 
bis  419.) 

1887.  Untersuchungen  französischer  Forstmänner  über  die  von  Agrilus  (Coraebus) 

bifasciatus  Oliv,  an  Eichenbeständen  verursachten  Schäden.  Th.  Jb.  XXXVII, 
S.  290— 294. 

1888.  Über  den  Frass  der  Lyda  hypotrophica  Hartig  im  Kgr.  Sachsen.  Th.  Jb.  XXXVIII, 

S.  58—66. 

— Weiteres  über  den  Frass  von  Lyda  hypotrophica.  1.  c.  S.  285  — 291. 


IX 


1892.  Altes  und  Neues  über  die  Vertilgung’  forstschädlicher  Insecten.  Beilage  zur  All- 

gemeinen Zeitung  1892,  Nr.  150,  Beilage  Nr.  125. 

— Die  Nonne,  Liparis  monacha,  ihr  Leben,  ihr  Schaden  und  ihre  Bekämpfung 

(Sonderabdruck  aus  dem  Lehrbuch  der  mitteleurop.  Forstinsectenkunde). 

1893.  Mittheilungen  über  die  durch  einen  Eüsselkäfer,  Rhyncolus  culinaris,  verursachte 

Beschädigung  der  Streckenzimmerung  in  einer  Steinkohlengrube.  Th.  Jb. 
XLV,  S.  121  — 155. 

— Beobachtungen  über  die  Eierdeckschuppen  der  weibl.  Processionsspinner.  Sitzungs- 

berichte und  Abhandl.  der  Naturw.  Ges.  „Isis“  Dresden,  Abh.,  S.  108 — 117. 

— Ein  neuer  Fall  von  Saatkampbeschädigung  durch  einen  Laufkäfer,  Harpalus 

pubescens.  Forstl.-naturw.  Zeitschr.  (Tubeuf.)  II,  Nr.  1 , S.  48. 

— Untersuchungen  über  den  vergleichenden  Werth  verschiedener  Raupenleimsorten. 

Th.  Jb.  Xmi. 

1894.  Mittheilung  über  Schildläuse.  Vortrag  gehalten  in  der  Versammlung  des  Sachs. 

Forstvereins  zu  Colditz  am  19.  Juni. 

1895.  Bemerkungen  über  einige  forstschädliche  Arten  der  Gattung  Pissodes  Germ. 

Th.  Jb.  XLV,  S.  152  — 160. 

1896.  Der  neueste  Kieferspannerfrass  im  Nürnberger  Reichswalde.  Auf  Grund  von 

Mitth.  bayr.  Forstbeamten  und  aus  eigener  Anschauung  geschildert.  Th.  Jb. 
XL VI,  S.  154—180. 

— Kleinere  Mittheilungen  über  Forstinsecten,  Phyllobius,  Cneorhinus  plagiatus, 

Scolytus  intricatus,  Cerambyx  Scopolii,  Liparis  dispar,  Onethocampa.  Th.  Jb. 
XL VI,  S.  225—247. 

(Siehe  auch  unter:  Vennes.) 

Mollusca. 

1881.  Süsswasserperlen.  Amtl.  Ber.  über  die  internat.  Fischerei -Ausstellung  zu  Berlin 

1880.  Anhang,  S.  83 — 94. 

1882.  Die  Süss  wasserperlen  auf  der  internat.  Fischerei -Ausstellung  zu  Berlin  1880. 

Nachrichtsbl.  d.  Deutsch.  Malak.  Ges.  XIV,  S.  49—64. 

Pisces. 

1878.  Die  Fortpflanzung  der  Aale.  Illustr.  Jagd -Zeitung  V,  Nr.  21,  S.  201  — 203. 

1880.  Die  Zukunft  unserer  Fischwässer.  Vortrag  gehalten  in  der  Oekonom.  Gesellsch. 

am  5.  März.  Mitth.  der  Oekonom.  Gesellsch.  im  Kgr.  Sachsen,  S.  1 — 15. 

1880  (od.  79?).  Einige  Bemerkungen  über  künstliche  Fischzucht.  (Separatabdruck  aus 
Judeich’s  Forstkalender?) 

1883.  Wandtafel  für  den  Unterricht  in  der  künstlichen  Zucht  der  Forellen,  mit  28  Seiten 

Text.  Kassel,  bei  Theodor  Fischer. 

— Bericht  über  den  Stand  der  künstlichen  Fischzucht  im  Kgr.  Sachsen  bis  zum 

Jahre  1882.  41  Seiten  mit  einer  Uebersichtskarte. 

1886.  Der  Flussaal  und  seine  wirthschaftliche  Bedeutung.  Vortrag  gehalten  vor  der 
Oekonom.  Gesellsch.  Mitth. der  Oekonom.  Gesellsch.  im  Kgr. Sachsen,  S.lll — 127. 

— Gemeinfassliche  Belehrung  über  die  Süsswasserfische  des  Elbgebietes.  Schriften 

des  Sächs.  Fischerei -Vereines. 

— Die  Einrichtung  des  öifentlichen  Curses  über  künstliche  Fischzucht  an  der  Forst- 

akademie in  Tharandt  bei  Dresden.  Mitth.  des  Oesterr.Fischerei-Vereines,20.Heft. 
1890.  Vortrag  über  Zander  in  der  General -Versammlung  des  Deutschen  Fischerei- 
Vereines.  Correspondenzblatt  des  Deutschen  Fischerei -Vereines,  S.  97 — 100. 

— Kurzer  Bericht  über  die  1.  Allruss.  Fischerei -Ausstellung  zu  St.  Petersburg. 

Schriften  des  Sächs.  Fischerei- Vereines,  S.  17—19. 

1893.  Statistik  des  Lachsfanges  im  Kgr.  Sachsen  während  der  Jahre  1886  — 1892. 
Zeitschr.  f.  Fischerei  und  deren  Hilfswissenschaften.  20  S. 

1897.  Süsswasserfische  Deutschlands,  im  Aufträge  des  Deutschen  Fischerei -Vereines 

zusammengestellt.  . 

1898.  Fischerei  und  Fischzucht  im  Kgr.  Sachsen  1873—1898.  „Sachsen  unter  König 

Albert.“  Leipzig,  Sächs. Volksschriftenverlag. 


Beptilia,  Amphibia. 

1893.  Gefrässigkeit  einer  Glattnatter,  Coronella  austriaca.  Der  Zoolog.  Garten  XXXV, 
S.  254. 

1900.  Aussetzung  nichtsächs.  Amphibien  in  Tharandt.  Sitzungsber.  d.  Naturw.  Ges. 
„Isis“  Dresden,  S.  21. 


X 


Aves. 

1885.  Zur  bevorstehenden  Auerhahnbalz.  Eine  Anregung  zur  Beobachtung.  Deutsche 

Jäger -Zeitung  IV,  S.  502  — 504. 

1886.  Über  die  Loosung  unserer  Waldhühner.  Deutsche  Jäger-Zeitung  VII,  S.  217 — 220. 
1893.  Einige  Mittheilungen  über  einheimische  Spechte.  Forstl.-naturw.  Zeitschr.  (Tubeuf.) 

II,  Nr.  l,  S.  16  — 20. 

1898.  Ungewöhnlicher  Mageninhalt  eines  Kuckucks.  Ornitholog.  Monatsschr.  XXIII,  S.  267. 

1900.  Bemerkungen  über  das  Vorkommen  des  schwarzbäuchigen  Wasserschmätzers  und 
einiger  anderer  seltener  Vögel  im  Kgr.  Sachsen.  Sitzungsber.  und  Abhandl. 
der  Naturw.  Ges.  „Isis“  in  Dresden,  Abh.,  S.  32 — 36. 

1902.  Einige  Bemerkungen  über  das  Nest  der  Beutelmeise.  Ornitholog.  Monatsschr. 
XXVII,  S.  318-332. 

Mammalia. 

1879.  Sorex  alpinus  auf  dem  Riesengebirge.  Zoolog.  Anzeiger  II,  S.  591  — 592. 

1881.  Über  die  Altersbestimmung  bei  Roth-,  Damm-  und  Rehwild.  Judeich’s  Forst- 
und  Jagdkalender  Theil  II,  S.  1 — 17. 

1883.  Beiträge  zur  Naturgeschichte  des  Reh-,  Roth-  und  Dammwildes.  Th.  Jb.  XXXIII, 

S.  56— 87  (auch  in  der  „Neuen  Deutschen  Jagd -Zeitung“). 

~ Über  einige  vom  descendenz-theoretischen  Standpunkte  interessante  Abnormitäten 
des  Rehwildes.  Th.  Jb.  XXXIIl,  S.  117  — 151. 

1884.  Eine  wissenschaftliche  Bitte  an  alle  hirsch gerechten  Jäger.  Der  Waidmann  XV, 

Nr.  46,  S.  429—433. 

1885.  Wie  erkennt  man  im  Spätherbst  auf  der  Strecke,  ob  ein  erlegtes  Stück  Rehwild 

in  demselben  Jahre  gesetzt,  also  ein  „Kalb“  im  Sinne  des  Gesetzes,  oder  älter 
ist.  Deutsche  Jäger- Zeitung  VI,  S.  198 — 203. 

— Zur  Frage  über  das  Erstlingsg^hörn  des  Rehbockes.  1.  c.  S.  225  — 236. 

— Eine  nunmehr  199  Jahre  alte  Jagdgeschichte.  1.  c.  S.  502 — 504. 

1886.  Weiteres  über  hakentragende  Rehe.  Th.  Jb.  XXXVI,  S.  39  — 56. 

— Haken  beim  Damm  wild.  1.  c.  S.  57  — 62. 

— Über  den  Einfluss  der  Castration  auf  den  Hauptschmuck  der  Hirsche  und  Reh- 

böcke mit  verrecktem  Geweih  und  Gehörn.  Oesterr.  Forstzeitang  IV,  Nr.  26  u.  33. 

1887.  Kitzböcke  mit  gefegtem  Gehörn  Deutsche  Jäger -Zeitung  VIII,  S.  465. 

— Ein  letztes  Wort  an  Herrn  v.  Dombrowski  über  Kitzböcke.  1.  c.  S.  724 — 725. 

— Hasenseuche  in  der  Nähe  von  Kehl  in  Baden.  1.  c.  S.  677. 

— Die  Altersbestimmung  des  Schwarz-  und  Gemswildes  nach  dem  Gebiss.  Deutsche 

Jäger-Zeitung  (Neudamm)  IX.  16  S. 

— Schwarze  wilde  Kaninchen.  1.  c.  X,  S.  179. 

— Haben  die  Hirschgeweihe  wirklich  nur  im  15.  und  16.  Jahrhundert  „bluten“ 

können?  1.  c.  S.  257 — 259. 

1888.  Russische  Bärenjagd.  1.  c.  XI,  S.  30  — 31. 

— Einige  Notizen  über  das  chinesische  Fluss -Reh.  1.  c.  S.  125—128  u.  141  — 144. 

1890.  Einige  Bemerkungen  über  Steinböcke.  Deutsche  Jäger-Zeitung  XVII,  S. 338— 341. 

1891.  Studien  über  das  Elchwild,  Cervus  alces.  Zoolog.  Anzeiger,  S.  181  — 195. 

1893.  Bemerkungen  über  zwei  aus  Spitzbergen  stammende  Renthierschädel.  Jahreshefte 

des  Ver.  Vaterland.  Naturkunde  Württemberg  XLIX,  S.  111  — 127. 

1897.  Ein  Rehbock  mit  nur  einer,  scheinbar  in  der  Mittellinie  des  Kopfes  stehenden 

Stange.  Das  Waid  werk  VI,  S.  201—  204. 

1898.  Über  die  Hirschgeweihe  mit  mehr  als  zwei  Stangen  und  die  Hörner  der  Wieder- 

käuer im  Allgemeinen.  Proceedings  of  the  internat.  Congress  of  Zoologie 
Cambridge,  p.  185  — 187. 

— Studien  über  Hirsche.  1.  Heft.  Untersuchungen  über  mehrstangige  Geweihe  und 

die  Morphologie  der  Hufthierhörner  im  Allgemeinen.  Leipzig.  103  S. 

1900.  Vierhörnige  Gabelantilope.  Sitzungsber.  d.  Naturw.  Ges.  „Isis“  Dresden,  S.  21—22. 

1901.  Das  Renthier  als  Jagd-  und  Hausthier  der  Polarvölker.  Sitzungsber.  d.  Natur- 

wiss.  Ges.  „Isis“  Dresden,  S.  26. 

1902.  Der  28-Ender  vom  Tharandter  Walde.  Waidwerk  in  Wort  und  Bild  XI,  Nr.  4 u.  5. 

Die  Anregungen  zu  diesen  Publicationen  fand  Nitsche,  ausser  in  seinem 
angeborenen  Forschertrieb,  in  den  vielen  freundschaftlichen  Beziehungen, 
die  er  mit  Zoologen,  Forstleuten  und  Jagdliebhabern  unterhielt  und  ferner 
in  seinen  Reisen,  die  ihn  nach  Helgoland,  Norwegen,  Steiermark,  Tirol, 


XI 


Ungarn,  Bosnien  und  wiederholt  nach  Italien  führten  und  ihm  vielfach 
Gelegenheit  zum  Sammeln  und  Beobachten  und  zur  Ausübung  der  Jagd 
boten.  Für  letztere  hatte  er  seine  Vorliebe  bis  in  die  jüngste  Zeit  bewahrt, 
und  obwohl  er  zu  den  Hofjagden  fast  ständig  durch  Einladungen  ausge- 
zeichnet wurde,  Hess  er  es  sich  ausserdem  nicht  verdriessen,  wenn  es  im 
Tharandter  Forst  etwas  abzuschiessen  gab,  stundenlang  auf  dem  ilnstand 
zu  stehen,  sei  es  auch  nur  um  zu  beobachten.  Nitsche  konnte  daher  nicht 
nur  vom  Katheder  herab,  sondern  auch  auf  Grund  eigener,  vielseitiger, 
praktischer  Erfahrung  sein  Lehramt  und  zwar  in  so  vollkommener  Weise 
vertreten,  wie  vor  ihm  nur  wenige  Forstzoologen. 

Seine  vielfachen  Verdienste  fanden,  wie  schliesslich  nicht  unerwähnt 
bleiben  soll,  höheren  Ortes  wiederholt  auch  äusserliche  Anerkennung;  so 
wurde  ihm  1894  das  Ritterkreuz  1.  Classe  des  Albrechtsordens,  schon 
früher  der  preussische  rothe  Adlerorden  4.  Classe,  1898  der  russische 
St.  Annenorden  und  1901  der  Titel  eines  Geheimen  Sächsischen  Hofrathes 
verliehen. 

Wir  aber  werden  dem  Dahingegangenen,  wenngleich  wir  ihn  betrübten 
Herzens  aus  der  Liste  der  lebenden  Ehrenmitglieder  streichen  müssen,  stets 
ein  dankbares  und  ehrendes  Andenken  bewahren. 

K.  M.  Heller. 


L 


I 


Sitzungsberichte 

der 

N aturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 

in  Dresden. 


1902. 


1.  Section  für  Zoologie. 


Erste  Sitzung  am  23.  Januar  1902.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  33  Mitglieder. 

Gustos  Dr.  K.  Heller  legt  nach  neuer  Methode  präparirte,  d.  h. 
auf  Gyps- Untergrund  gelegte  und  mit  Glas  bedeckte  Schmetterlinge 
vor,  die  zu  Demonstrationszwecken  sehr  geeignet  erscheinen. 

Oberlehrer  Dr.  B.  Schorler  legt  einige  neue  Arbeiten  von  Dr.  E.  A. 
Göldi,  Director  des  Museums  in  Para,  Brasilien,  vor.  Es  sind  dies: 

Publicationen  des  Staatsmuseums  in  Para,  Bd.  III,  Nr.  2.  Para  1900; 

Verzeichniss  neuentdeckter  Thiere  und  Pflanzen  Brasiliens.  Para  1901; 

Album  amazonischer  Vögel.  Buntdruck.  Bio  de  Janeiro  1900. 

Prof.  H.  Engelhardt  legt  gleichfalls  ein  ornithologisches  Werk  mit 
farbigen  Textillustrationen  vor: 

Blanchan,  N.:  Bird  neighbours.  New -York  1898. 

Prof.  Dr.  0.  Schneider  spricht  in  längerem,  durch  Demonstrationen 
erläutertem  Vortrage  über  Melanismus  bei  corsischen  Käfern. 

Lehrer  H.  Viehmeyer  demonstrirt  und  bespricht  eine  grössere  Anzahl 
von  ihm  gesammelter  Höhlenkäfer. 

Privatus  K.  Schiller  schildert  auf  Grund  ihrer  Publicationen  die 
im  Adirondac-Gebirge  in  Nordamerika  angelegte  biologische  Station. 

Der  Vorsitzende  theilt  unter  Vorlage  eines  Eies  mit,  dass  bei  Strass- 
gräbchen  ein  Kranichnest  im  Jahre  1899  gefunden  wurde,  der  Kranich 
also  noch  jetzt  als  Brutvogel  im  Königreich  Sachsen  anzusehen  ist. 


Zweite  Sitzung  am  10.  April  1902  (in  Gemeinschaft  mit  der  Section 
für  Botanik).  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz.  — Anwesend 
36  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  bespricht  in  ausführlicher  Darstellung  die  Thier- 
welt der  Hochgebirgs-Seen  im  Anschluss  an  die  gleichnamige  Publi- 
cation  von  Dr.  F.  Zschokke  in  Basel.  Zur  Vorlage  kommen: 

Zscbokke,  F. : Die  Thierwelt  der  Hochgebirgs-Seen.  Basel,  Genf  und 
Lyon  1900; 

Lilljeborg,  W.:  Cladocera  sueciae.  Upsala  1898; 

Hellich,  M.  C.  B.:  Die  Cladoceren  Böhmens.  Prag  1877; 

Schm  eil,  0.:  Die  Copepoden  Deutschlands.  Stuttgart  1895; 

Fric,  A.  und  Vävra,  V.:  Untersuchungen  über  die  Fauna  der  Gewässer 
Böhmens.  Prag  1897. 


4 


Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  referirt  über  Temperaturver- 
hältnisse, Fauna  und  besonders  Flora  des  Plattensees  in  Ungarn 
im  Anschluss  an  das  bereits  in  mehreren  Bänden  in  ungarischer  Sprache 
vorliegende  Werk: 

Resultate  der  wissenschaftlichen  Erforschung  des  Balaton-Sees,  heraus- 
gegehen  von  der  ungarischen  geographischen  Gesellschaft.  Budapest  1899  u.  f. 
(Die  Flora  ist  von  Borhas  bearbeitet.) 


Dritte  Sitzung  am  5.  Juni  1902.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  36  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  legt  zunächst  mit  einigen  erläuternden  Bemerk- 
ungen vor: 

Rabl,  C.:  Die  Entwickelung  des  Gesichts  der  Wirbelthier e,  Heft  I.  Mit 
vielen  Tafeln.  Leipzig  1902. 

Gustos  Dr.  K.  Heller  bespricht  im  Anschluss  an  die  Ergebnisse  der 
Forschungsreisen  der  Herren  S arasin  die  Fauna  von  Celebes  in 
längerem  Vortrage.  Zur  Vorlage  kommen  folgende  Werke: 

S a r a s i n , P.  und  F r. : Die  Süsswassermollusken  von  Celebes.  Mit  13  Tafeln. 
Wiesbaden  1898; 

Dieselben:  Ueber  die  geologische  Geschichte  der  Insel  Celebes  auf  Grund 
der  Thierverbreitung.  Mit  15  Tafeln.  Wiesbaden  1901; 

Meyer,  A.B.  und  Wiglesworth,  L.W.:  The  birds  of  Celebes.  Berlin  1898. 

Ferner  verschiedene  Bände  der  Abhandlungen  des  K.  Zoologischen 

und  Anthropologisch-ethnographischen  Museums  zu  Dresden  mit  den  eigenen 

Arbeiten  des  Vortragenden  über  die  Fauna  von  Celebes. 

Der  Vorsitzende  bespricht  die  neueren  Anschauungen  über  das 
Wesen  der  Parthenogenesis  und  die  künstliche  Erzeugung  der- 
selben im  Anschluss  an: 

Boveri,  Th.:  Das  Problem  der  Befruchtung.  Jena  1902. 

An  diesen  Vortrag  schliesst  sich  eine  längere  Debatte,  an  der  sich 
besonders  Prof.  Dr.  B.  Ebert,  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Oberlehrer  Dr. 
J.  von  Vieth,  Gustos  Dr.  K.  Heller  und  der  Vorsitzende  betheiligen. 


II.  Section  für  Botanik. 


Erste  Sitzung  am  6.  Februar  1902.  Vorsitzender;  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  48  Mitglieder  und  Gäste. 

Den  Vortrag,  zu  dessen  Erläuterung  pflanzengeographische  Karten, 
sowie  eine  nach  Formationen  geordnete,  reichhaltige  Herbarsammlung  auf 
grossen  Tafeln  aufgehängt  sind,  hält  Dr.  R.  Pohle  über  die  Pflanzen- 
geographie  von  Nordrussland. 

Frühere  floristische  Arbeiten  existiren  aus  Finnland  und  erstrecken  sich  etwa  bis 
zum  Timanischen  Gebirge  nach  Osten.  Das  Klima  ist  ein  nach  Osten  zunehmend  aus- 
gesprochen continentales  mit  excessiv  tiefen  Winter-  und  relativ  hohen  Sommertempera- 
turen. Bestimmend  für  die  Flora  ist  die  nach  Osten  zu  sich  verschärfende  Kürze  der 
V egetationsperiode. 

Das  Gesammtgebiet  ist  zu  theilen  in  ein  westliches  finnisches  und  in  ein  öst- 
liches uralotimanisches  Waldgebiet.  Letzteres  ist  das  artenreichere;  die  Scheide- 


5 


linie  zwischen  beiden  bildet  etwa  die  Westgrenze  der  Lärche.  Den  Breitengraden  gleich- 
laufend unterscheidet  man 

1.  ein  boreales  Waldgebiet; 

2.  zwei  Tundrengebiete: 

a)  ein  östliches  mit  subarktischen  Pflanzen, 

b)  ein  westliches  mit  feuchterem  Klima;  charakteristisch  ist  die  grosse 

Entwickelung  der  Sphagnum -'Wqotq  mit  kriechenden  Arten; 

3.  die  arktische  Region  mit  sehr  weiten  vegetationsarmen  Gebieten.  Hier  ist 
Wüstenbildung  fast  gegenüberzustellen  der  Steppenbildung  im  subarktischen 
Gebiete.  Der  Mangel  an  regelmässigen  Niederschlägen  erklärt  diese  Erscheinung. 

Der  Vortragende  führt  die  Charakterpflanzen  an  seinen  Demonstrationstafeln  vor, 
welche,  wie  der  Vorsitzende  mit  besonderem  Danke  hervorheht,  durch  die  freundliche 
Schenkung  des  rührigen  Forschers  in  diesem  unwirthlichen  Theile  Nordeuropas  in  den 
Besitz  des  K.  Herbariums  der  Technischen  Hochschule  übergegangen  sind. 


Zweite  Sitzung  am  3.  April  1902.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof. 
Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  42  Mitglieder  und  Gäste. 

Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude  spricht  über  dieConiferenEuropas 
und  des  Kaukasus  und  über  die  Grenzen  der  westpontischen 
Waldflora  um  Wien. 

Der  Vortragende  trennt  die  Vertreter  der  vier  Coniferengattungen  Abies,  Ficea, 
Pinus  und  Larix  nach  pflanzengeographischen  Gesichtspunkten,  nämlich  in 

(1.  boreale  Arten, 

2.  westpontische  Arten, 

3.  Kaukasus  - Arten  und 

4.  mediterrane,  durch  die  Eiszeit  in  keiner  Weise  in  ihrer  Verbreitung  beeinflusste 

Arten. 

Die  augenblicklich  im  Mittelpunkte  des  Interesses  stehende  westpontische  Flora 
tritt  in  Europa  naturgemäss  am  reinsten  auf  der  Baikanhalbinsel  auf  und  sendet  ihre 
Ausläufer  in  ziemlich  grosser  Anzahl  bis  in  die  Gegend  von  Wien,  wo  Pinus  Laricio  * 
nigra  als  ihr  Repräsentant  auftritt. 

Der  Vortrag  knüpft  an  eine  an  der  Tafel  entworfene  und  durch  trockenes  wie 
frisches  Material  erläuterte  Tabelle  der  Arten  an,  aus  welcher  den  kaukasischen 
Arten  an  der  Hand  des  Kaiikasuswerkes  von  G.  Radde,  den  westpontischen  an  der  Hand 
des  neuen  Werkes  über  die  illyrische  Pflanzengeographie  von  G.  von  Beck  eine  besondere 
Beachtung  und  Schilderung  gewidmet  wird. 

In  dieser  Liste  sind  die  Arten  der  deutsch- alpinen  Flora  mit -j- vor  dem  Species- 
namen,  die  endemisch  westpontischen  mit  x bezeichnet;  die  Verbreitung  im  Kaukasus 
ist  hinter  der  allgemeinen  (wie  bei  Nyman  abgekürzten)  Verbreitungsweise  mit  Kauk. 
angegeben,  sonst  noch  die  allgemeine  Verbreitung  nach  den  in  Isis -Abhandlung  von  1898, 

S.  92  erklärten  Arealfiguren  hinzugefügt  (Mitteleuropa,  Atlantisch,  Politisch,  Mediterran, 
Westpontisch,  AH  arktisches  und  Hochgebirgs-  (Alpen-)  Areal  verbindend). 

Liste  der  Abietineen  Europas  und  des  Kaukasus. 


Abies  pectinata.  Hispan.  bor.- Serb.  Maced.-Polonia  MEur. 

— sibirica.  Ross,  bor.- or NO  Eur. 

— Pinsapo.  Hispan.  mer.  occ Atl. 

— Nordmanniana.  Kaukasus  ........  Kauk.  P.! 

— cephalonica.  Graec.  mont Medit. 

— * Apollinis  und  * Beginae  Amaliae. 

-{-Picea  excelsa.  (Fehlt  dem  Kaukasus!) Mu.NEur. 

* (obovata.)  (NO  Eur.) 

X — Omoriha.  Serb. Bosn. Montenegro.  (Beck, p. 360 Abb.)  WP. 

— orientalis.  Kaukasus Kauk.  P.i 

-{-Larix  europaea\  "^sibirica.  Alp.  Carp.  (Sudet.) 

Ross,  arct AH. 

-{-Pinus  Cembra.  Wie  vorige  verbreitet  (excl.  Sudet.).  AH. 

X — Peuce.  Macedon.  — Alban.  (Molika- Föhre.)  Ist 

eigene  Art:  Beck,  p.  463  Anm WP. 


6 


-j silvestris Kauk.  Eur.  As. 

X — montana  {*uncinata,  ^obliqua,  * Mughus^Pumilio). 

Fehlt  dem  Kaukasus , nachgewiesen  in  den 

Mingrelischen  Alpen (Kauk.)H^. 

— Laricio  ^maritimaunä  PaUasiana.His^m.-'KTetü,.  Kauk.  Medit. 

X — * nigra^  austriaca.  Anstr.  — • Bosn.  — Alban. 

nnd  Thessal.  .............  Kauk.  WP. 

X — leucodermis.  Serb.  - Dalm.  — Montenegro. 

(Beck,  p.  356  Abb.)  1000—1800  in  ....  . WP. 

— Pinea,  Pinaster,  halepensis,  brutia Medit. 

Vortragender  verweilt  bei  dem  besonderen  Interesse,  welches  die  westpontische 
Flora  durch  ihre  Endemismen  bietet,  und  bebt  die  Bedeutung  der  beiden  genannten 
Arbeiten  hervor,  welche  Kadde  und  von  Beck  in  Bd.  III  nnd  IV  der  „Vegetation  der 
Erde“  geliefert  haben. 


Dr.  P.  Menzel  hebt  die  Beziehungen  einer  Pieihe  von  jetzt- 
lebenden Abietineen  zu  denen  des  Tertiärs  hervor,  über  welche 
bekanntlich  eine  eingehende  Studie  von  ihm  selbst  im  Jahre  1900  in  den 
Isis -Abhandlungen  veröffentlicht  wurde. 


Dritte  Sitzung  am  12*  Juni  1902  (im  K.  Botanischen  Garten). 
Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude.  ~ Anwesend  35  Mit- 
glieder und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  zeigt  Iris  paradoxa  Stev.  vom  südlichen,  sogen, 
kleinen  Kaukasus,  eine  Angehörige  der  Oncocyclus- Gruppe.  Die  eigen- 
artigen Standortsverhältnisse  schildert  G.  Bad  de  in  seinen  Grundzügeii 
der  Pflanzenverbreitung  im  Kaukasus  unter  der  Bezeichnung  „xerophil- 
rupestre  Formation“. 

Frau  G.  von  Neumann-Spallart  sendet  an  die  Versammlung  ein  im 
Topf  im  zweiten  Jahre  blühendes  Antirrliinum  majus. 

Der  Vorsitzende  bespricht  darauf  die  leitenden  Ideen  für  die 
Anlage  des  neuen  biologischen  Quartiers  im  K.  Botanischen 
Garten  und  bereitet  dadurch  die  der  Sitzung  folgende  Führung  im 
Garten  vor. 

Privatus  F.  Fritz  sehe  legt  eine  gefüllte  Form  von  Aquilegia  vulgaris, 
in  der  freien  Natur  gefunden,  und  Cirsium  montanum  aus  Garten- 
cultur  vor. 

Hierauf  folgt  die  Besichtigung  ausgewählter  Quartiere  im  botanischen 
Garten, 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Erste  Sitzung  am  20.  Februar  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
E.  Kalkowsky.  — Anwesend  32  Mitglieder  und  Gäste. 

Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner  legt  eine  Monographie  über  den  Würmsee 
von  VF.  Ule  vor,  knüpft  daran  eine  eingehende  Besprechung  und 
hält  dann  einen  Vortrag  über  die  Insel  Usedom. 


7 


Zweit©  Sitzung  am  13*  März  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  W. 
Bergt.  — Anwesend  47  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  A.  Stiibel  spricht  unter  Vorführung  zahlreicher  Lichtbilder  und 
Profiltafeln  über  genetische  Verschiedenheit  vulcanischer  Berge. 


Dritte  Sitzung  am  19.  Juni  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E.  Kal- 
kowsky.  — Anwesend  65  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  K.  Deninger  hält  unter  Vorführung  zahlreicher  Lichtbilder  einen 
Vortrag:  Beisebilder  aus  Sardinien. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Erste  Sitzung  am  16,  Januar  1902,  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J. Deich- 
müller.  — Anwesend  24  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  bespricht  folgende  von  ihm  vorgelegte  Werke: 

Schliz,  A.:  Das  steinzeitliche  Dorf  Grossgartach.  Stuttgart  1901; 

Radimsky,  W.,  Fiala,  J.  und  Hoernes,  M.:  Die  neolithische  Station 
von  Butmir  bei  Sarajevo  in  Bosnien.  Wien  1895/98; 

Khanenko,  B.:  Antiquites  de  la  region  du  Dniepre.  Livr.  I— IV. 
Kiew  1899/1901; 

Treptow,  E.:  Die  Mineralbenutzung  in  vor-  und  frübgeschichtlicber  Zeit. 
Ereiberg  1901; 

vonErckert,R.:  Wanderungen  und  Siedelungen  der  germanischen  Stämme 
in  Mitteleuropa  von  der  ältesten  Zeit  bis  auf  Karl  den  Grossen. 
Berlin  1901. 

Lehrer  H.  Ludwig  hält  einen  Vortrag  über  die  neolithische 
Siedelung  von  Seebschütz  bei  Meissen  und  legt  eine  grössere  Anzahl 
von  Fundstücken  aus  der  Sammlung  des  Gutsbesitzers  M.  Andrae  in 
Seebschütz  vor. 

Oberlehrer  H,  Döring  bringt  zur  Vorlage  Steingeräthe  und  Ge- 
fässreste  aus  neolithischen  Herdstellen  bei'Lockwitz  und  Fund- 
stücke vom  Burgwall  Kopschien  bei  Kloster  St.  Marienstern. 


Excursiou.  Am  14.  Mai  1902  betheiligten  sich  19  Herren  an  einem 
in  Gemeinschaft  mit  der  historischen  Section  des  Gebirgsvefeins  Tür  die 
Sächsische  Schweiz  unternommenen  Ausfluge  nach  dem  Pfaffenstein  bei 
Königstein  zur  Besichtigung  der  dortigen  j in  Keiler’s  Bergrestaurant  auf- 
bewahrten Funde  aus  der  Zeit  des  älteren  Lausitzer  Typus.  (Vergl.  Ab- 
handl.  der  Isis  in  Dresden  1897,  S.  73.) 


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V.  Section  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 


Erste  Sitzung  am  16.  Januar  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Schloss- 
mann. — Anwesend  169  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  W.  Hallwachs  hält  einen  Vortrag  über  Strahlung  und 
Temperaturbestimmung  durch  Strahlung. 


Zweite  Sitzung  am  6.  März  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Schloss- 
mann.  — Anwesend  37  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  Fr.  Foerster  spricht  über  die  Einwirkung  von  Jod  auf 
Alkali. 

Privatdocent  Dr.  M.  E.  Müller  hält  einen  Vortrag  über  die  quan- 
titative Bestimmung  der  Halogene  durch  Elektrolyse. 


Dritte  Sitzung  am  1.  Mai  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  A.  Schloss- 
mann. — Anwesend  43  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  spricht  über  Fettaussch  eidung  durch  die  Faeces. 

Oberlehrer  H.  Rebenstorff  behandelt  und  führt  vor  Unterrichts- 
versuche über  Toninterfer cnz-Erscheinungen. 

Der  Vortragende  demonstrirt  einige  einfache  Folgerungen  des  Gesetzes  von 
Mariotte  (Zeitschr.  für  d.  phys.  u.  ehern.  Unterricht  1901,  S.  339;  1902,  S.'20),  einen  Saug- 
heber mit  selhstthätigem  Beginn  des  Fliessens  (ebenda  S.  90),  die  Explosionspipette  von 
Rose  Ilfeld,  den  Einfluss  von  Staub  bei  der  Entstehung  von  Wassernebeln,  sowie  einige 
Erscheinungen  tönender  und  tonempfindlicher'  Flammen. 

Die  Beobachtung,  dass  das  Einsenken  selbst  enger  Röhren  in  die  tonhildende  Röhre 
der  sogenannten  chemischen  Harmonika  deren  Ton  zu  beseitigen  vermag,  führt  zu  einer 
Reihe  neuer  Interferenzversuche , über  welche  die  Zeitschrift  für  den  phys.  u.  ehern. 
Unterricht  Näheres  bringen  wird.  Auch  genau  abgestimmte  Membranen  vermögen  den 
Flammenton  zu  unterdrücken,  der  sofort  wieder  entsteht,  sobald  die  Interferenz  der 
beiden  unhörbar  leisen  Systeme  von  Tonwellen  gehindert  wird. 


VI.  Section  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 


Erste  Sitzung  am  13.  Februar  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Pb. 

Weinmeister.  — Anwesend  14  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  R.  Heger  spricht  über  besondere  Kreise  in  homogenen 
Coordinaten, 

Vortragender  entwickelt  in  homogenen  Coordinaten  die  Gleichungen  der  dem 
Achsendreieck  zugeordneten  Kreise,  nämlich  des  Umkreises,  der  vier  Berührungskreise 
(in  Punkt-  und  Linien -Coordinaten),  des  harmonisch  zugeordneten  und  des  Feuer- 
hach’schen  Kreises. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  kurze  Discussion. 


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Zweite  Sitzung  am  13.  März  1902.  YorsitzeiKler;  Prof.  Dr.  Ph.  W ein- 
meister. — Anwesend  8 Mitglieder. 

Prof.  Dr.  H.  Gravelius  spricht  über  Aufsuchung  und  Discussion 
von  Periodicitäten  bei  meteorologischen  und  klimatologischen 
Erscheinungen.  (Vergl.  Abhandlung  IIP) 


Dritte  Sitzung  am  15.  Mai  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Ph.  Wein- 
meister. — Anwesend  18  Mitglieder. 


nach  Potenzen  von  u resp.  v 


Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  M.  Krause  spricht  über  die  Theorie  der 
trigonometrischen  F unctionen. 

Der  Vortragende  erinnert  zunächst  an  die  Art,  wie  die  Entwickelung  der  Function 

V 

u cotu  oder  des  mit  ihr  nahe  verwandten  Ausdrucks  

zu  den  bekannten  Bernouilli’schen  Zahlen  führt,  und  ferner  an  die  Thatsache,  dass  die 
Entwickelung  des  complicirteren  Ausdrucks  ^ nach  Potenzen  von  v Veranlassung 

gieht,  die  sogenannten  Bernouilli’schen  Functionen  einzufühien.  Im  Anschluss  hieran 
wird  einiger  Eigenschaften  der  Bernouilli’schen  Zahlen  und  Bernouilli’schen  Functionen 
gedacht.  — Im  zweiten  Theil  seiner  Ausführungen  verbreitet  sich  Redner  über  die 
Entwickelung  der  Function  cot{x-\-u)  und  des  mit  ihr  eng  zusammenhängenden  Aus- 
drucks , ^ nach  Potenzen  von  x resp.  y.  In  den  Coefficienten  dieser  Entwickelung 


ev  + v — I 


treten  gewisse  Functionen  von  u resp.  von  v auf,  welche  durch  63,  ög,  ....  bezeichnet 
und  hinsichtlich  ihrer  Eigenschaften  untersucht  werden;  insbesondere  wird  eine  independente 
Darstellung  für  bm  gegeben.  Hierbei  werden  auch  die  zu  den  „ultra -Bernouilli’schen 
Zahlen“  5^,  6g,  ....  in  naher  Beziehung  stehenden  „ultra-Bernouilli’schen  Functionen“ 

in  Betracht  gezogen. 


Vierte  Sitzuüg  am  12.  Juni  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Ph.  W ein- 
meister.  — Anwesend  12  Mitglieder. 

Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth  spricht  über  die  Dual-Arithmetik 
von  Oliver  Byrne. 

Der  Vortragende  referirt  über  ein  1863  hei  Bell  & Daldy  in  London  erschienenes 
Werk  unter  obigem  Titel,  worin  gelehrt  wird,  wie  man  alle  Zahlen  als  Producte  von 
Potenzen  der  Basen  l,i;  l,oi;  l,ooi  u.  s.  w.  mit  ganzzahligen  Exponenten  darstellen  und 
wie  man  mit  diesen  sogenannten  Dualzahlen  praktisch  rechnen  kann.  Es  wird  die  Um- 
wandlung einer  Dualzahl  in  eine  gewöhnliche  Decimalzahl  und  die  umgekehrte  Um- 
wandlung gezeigt,  wobei  sich  herausstellt,  dass  die  Exponenten  der  Dualzahl  sich  ähnlich 
verhalten  wie  die  Ziffern  der  Decimalzahl.  Daran  schliessen  sich  Umwandlungen  von 
Dualzahlen  in  andere  Formen  zum  Zwecke  bequemerer  Handhabung  und  Anwendungen 
auf  Berechnung  von  Wurzeln,  numerische  Lösung  von  Gleichungen  u.  s.  w. 

In  diesem  und  einem  späteren  Werke  des  Verfassers  weiden  statt  obiger  Basen 
manchmal  die  folgenden  gew^ählt:  0,9;  0,99;  0,999  u.  s.  w.  Auf  dieser  doppelten  Dar- 
stellungsweise beruht  der  Name  dieser  Arithmetik.  Durch  Combination  beider  Methoden 
löst  der  Verfasser  zahlreiche  complicirtere  numerische  Aufgaben  aus  fast  allen  Gebieten 
der  Mathematik  und  Physik.  Indessen  erfordert  dies  eine  ausserordentliche  Rechen- 
geschicklichkeit,  Erlernung  vieler  symbolischer  Abkürzungen  und  Kunstgriffe,  sowie  die 
Benutzung  einiger  kleiner  Hilfstabellen,  die  man  sich  nicht  gut  in  jedem  Falle  neu 
herstellen  kann,  sodass  es  vollkommen  erklärlich  ist,  dass  die  vom  Verfasser  aus- 
gesprochene Hoffnung,  durch  seine  Methode  die  Logarithmentabellen  unnöthig  zu 
machen,  vollständig  gescheitert  ist. 

Theoretisch  verhält  sich  diese  Zahlendarstellung  zur  Darstellung  der  Zahlen  als 
Potenzen  einer  einzigen  Basis,  also  zur  logarithmischen  Darstellung,  ungefähr  so,  wie 
sich  eine  Stufe  tiefer  die  Darstellung  einer  Länge  in  Fuss,  Zoll  und  Linien  zur  Dar- 
stellung im  Decimalsystem  verhält. 


10 


Prof.  Dr.  Heger  spricht  über  die  Kugeln,  welche  die  Seiten 
eines  windschiefen  Vierecks  berühren. 

Vortragender  führt  zunächst  kurz  aus,  dass  zu  einem  windschiefen  Viereck 
acht  Kugeln  gehören,  welche  die  vier  geraden  Linien  berühren,  in  denen  die  Seiten  des 
Vierecks  gelegen  sind.  Im  allgemeinen  wird  aber  keine  dieser  acht  Kugeln  so  beschaffen 
sein,  dass  alle  vier  Berührungspunkte  auf  den  Seiten  selbst  liegen,  vielmehr  werden  sich 
in  der  Kegel  stets  einige  derselben  auf  den  Verlängerungen  der  betreffenden  Seiten  be- 
finden; nur,  wenn  zwischen  den  Längen  der  Viereckseiten  eine  gewisse  Kelation  besteht, 
können  Kugeln  von  der  fraglichen  Beschaffenheit  existiren.  Eine  ähnliche  Thatsache 
stellt  sich  heraus,  wenn  verlangt  wird,  dass  zwei  Berührungspunkte  auf  zwei  in  einer 
Ecke  zusammenstossenden  Seiten  des  Vierecks,  die  beiden  übrigen  auf  den  Verlänger- 
ungen der  beiden  anderen  Seiten  gelegen  sein  sollen;  auch  dieser  Forderung  kann  nur 
genügt  werden,  wenn  die  Seitenlängen  eine  gewisse  Bedingung  erfüllen.  — Hierauf 
giebt  Redner  eine  Reihe  von  Andeutungen  über  die  analytische  Behandlung  des  Problems, 
die  zu  einem  gegebenen  windschiefen  Viereck  gehörenden  acht  Berührungskugeln  zu 
finden;  hierbei  wird  von  den  in  Normalform  geschriebenen  Gleichungen  der  vier  Ebenen 
ausgegangen,  welche  sich  durch  die  vier  Ecken  des  Vierecks  legen  lassen;  der  Mittel- 
punkt einer  jeden  der  verlangten  Kugeln  ist  dann  bestimmbar  als  Schnittpunkt  von 
drei  Ebenen,  deren  Gleichungen  leicht  in  eleganter  Form  aufgestellt  werden  können. 


VIL  Hauptversammlungen. 


Erste  Sitzung  am  30.  Januar  1902.  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engel- 
hardt. — Anwesend  41  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  G.  Helm  legt  eine  Aufforderung  zu  Beiträgen  für  ein  Denk- 
mal vor,  welches  Otto  von  Guericke  an  dessen  300  jährigem  Geburts- 
tag in  Magdeburg  errichtet  werden  soll. 

Oberlehrer  Dr.  B.  Schorler  hält  einen  Vortrag  über  die  Geschichte 
der  Floristik  bis  auf  Finne.  (Vergl.  Abhandlung  L) 


Zweite  Sitzung  am  27.  Februar  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr. 

Fo erster.  — Anwesend  41  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  des  Verwaltungsrathes,  Prof.  H.  Engelhardt,  legt 
den  Rechenschaftsbericht  für  1901  und  den  Voranschlag  für  1902 
vor.  Letzterer  wird  einstimmig  genehmigt. 

Als  Rechnungsprüfer  werden  Bankier  A.  Kuntze  und  Privatus 
F.  Fritzsche  gewählt. 

Prof.  Dr.  H.  Vater  spricht  über  die  Entwickelung  der  Petro- 
graphie in  ihren  Grundzügen. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  kurze  Discussion  an. 


Dritte  Sitzung  am  20.  März  1902.  Vorsitzender;  Prof.  Dr.  Fr. 

Foerster.  — Anwesend  47  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  berichtet  über  einen  eingegangenen  Antrag  zur 
Gründung  einer  selbständigen  Section  für  Physiologie  und  Bio- 
logie. Nach  längerer  Aussprache  wird  beschlossen,  das  Arbeitsgebiet  der 
Section  für  Physik  und  Chemie  durch  Hinzunahnie  der  Physiologie  zu  er- 


11 


weitern  und  die  Section  für  Mathematik  durch  Ueberweisung  der  theo- 
retischen Physik  in  eine  Section  für  reine  und  angewandte  Mathematik 
umzuwandeln. 

Ingenieur  E.  Lewicki  hält  einen  Vortrag  über  Dampfturbinen 
unter  Vorführung  zahlreicher  Modelle  und  Lichtbilder. 


Excursion  am  30.  April  1902  zur  Besichtigung  des  neu  errichteten 
Stadtkrankenhauses  in  Dresden-Johannstadt.  — Zahl  der  Theil- 
nehmer  116. 

Generalarzt  Hofrath  Dr.  B.  C.  Crede  giebt  an  einem  aufgestellten  Situationsplane 
zunächst  eine  Uebersicht  über  die  gesammte  Anlage  des  Krankenhauses  und  über  die 
Bestimmung  der  einzelnen  Gebäude.  Hieran  schliesst  sich  unter  Führung  des  genannten 
Herrn  und  mehrerer  Hilfsärzte  eine  Wanderung  durch  die  verschiedenen  Baulichkeiten, 
deren  Einrichtungen  eingehend  in  Augenschein  genommen  werden. 


Vierte  Sitzung  und  Excursion  am  8.  Mai  1902  nach  Moritzburg.  — 
Zahl  der  Theilnehmer  20. 

Von  der  Haltestelle  Moritzburg  wunderten  die  Theilnehmer  über  Cunertswalde 
um  den  Grossteich  nach  Bärnsdorf,  wo  im  Gasthof  unter  Vorsitz  von  Prof.  H.  Engel- 
hardt eine  kurze  Hauptversammlung  zur  Erledigung  geschäftlicher  Angelegenheiten 
abgehalten  wird.  Während  der  Rückwanderung  über  die  Fasanerie  und  die  Umgebung 
des  Jagdschlosses  Moritzburg  führen  Oberlehrer  Dr.  B.  Schorler  und  Privatus 
K.  Schiller  am  Grossteich  einige  Ergebnisse  der  dortigen  Planktonforschung  vor. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  22.  April  1902  starb  in  Dresden  die  als  Dichterin  bekannte  Frau 
verw.  Sanitätsrath  Agnes  Kayser-Langerhanns,  wirkliches  Mitglied 
seit  1883. 


Am  3.  Juni  1902  starb  Prof.  Dr.  B.  Wartmann  in  St.  Gallen,  corre- 
spondirendes  Mitglied  seit  1861. 

Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Burdach,  Fritz,  Dr.  med.,  Oberstabsarzt  in  Dresden,  am  20.  März  1902; 
Dannenberg,  0.  Fug.,  Dr.  med.  in  Dresden,  am  27.  Februar  1902; 
Deninger,  Karl,  Dr.  phil.,  Assistent  am  K.  Mineral-geologischen 

Museum  in  Dresden,  am 

Dietz,  ßud.,  Dr.  phil.,  Assistent  an  der  K.  Technischen  Hoch-  20.  März 
schule  in  Dresden,  1902; 

Haupt,  Hugo,  Dr.  phil.,  Apotheker  in  Dresden, 

Hentschel,  W.,  Dr.  phil.,  Rittergutsbesitzer,  in  Radebeul,  l am 
Mammen,  F.,  Dr.  phil.,  Forstassessor  in  Tharandt,  l 8.  Mai 

Naumann,  A.  Otto,  Dr.  phil.,  Fabrikbesitzer  in  Plauen  b.  Dr., ) 1902. 


In  die  correspondirenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 
Müller,  H.  Otto,  K.  Oberförster  in  Unterwiesenthal. 


Kassenabschluss  der  Gesellschaft  ISIS  vom  Jahre  1901. 

Position.  Eiunalime.  Position.  Ausgabe. 


12 


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Dresden,  am  25.  Februar  1902.  Hofbuchhändler  G.  Lehmann,  z.  Z.  Kassirer  der  Isis. 


Sitzungsberichte 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gresellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1902. 


1.  Section  für  Zoologie. 


Yierte  Sitzung  am  15,  October  1902  (im  K.  Zoologischen  Museum). 
Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche.  — Anwesend  40  Mit- 
glieder und  Gäste. 

Gustos  Dr.  K.  Heller  führt  die  Anwesenden  durch  die  Eäumö  des 
K.  Zoologischen  und  Anthropologisch-ethnographischen  Museums  und  giebt 
Erläuterungen  zu  verschiedenen  Gegenständen  der  Sammlungen,  sowie  zu 
den  Einrichtungen  der  Sammlungs-  und  Arbeitsräume. 


Fünfte  Sitzung  am  4.  December  1902  (in  Gemeinschaft  mit  der 
Section  für  Botanik).  Vorsitzender:  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz.  — An- 
wesend 25  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  giebt  dem  Schmerze  Ausdruck  um  den  Verlust,  den 
die  zoologische  Section  durch  das  Hinscheiden  ihres  ersten  Vorsitzenden, 
des  Geh.  Hofrathes  Prof.  Dr.  H.  Nitsche  erlitten  hat. 

Die  Anwesenden  ehren  das  Gedächtniss  des  Verstorbenen  durch  Er- 
heben von  den  Plätzen. 

Derselbe  theilt  unter  Vorlage  des  betreffenden  Werkes  mit,  dass 
mehrere  Mitglieder  der  Isis  der  Bibliothek  derselben  das  Werk  von  G.  Chun: 
„Aus  den  Tiefen  des  Weltmeeres“  zum  Geschenk  gemacht  haben. 

Gustos  Dr.  K.  Heller  giebt  in  längerer  Rede  ein  Lebensbild  des  ver- 
storbenen Ehrenmitgliedes  und  langjährigen  Vorsitzenden  der  Section  für 
Zoologie,  des  Geh.  Hofrathes  Prof.  Dr.  Hinrich  Nitsche  - Tharandt. 
(Vergl.  Nekrolog  S.  V.) 

Eine  Anzahl  der  wichtigeren  Arbeiten  des  Verewigten  werden  vorgelegt. 


II.  Section  für  Botanik. 


Vierte  Sitzung  am  6.  November  1902.  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath 
Prof.  Dr.  0.  Drude.  — Anwesend  32  Mitglieder  und  Gäste. 

Der  Vorsitzende  legt  den  ,,Hercynisch'en"  Florenbezirk“  aus 
dem  von  Engler  und  Drude  herausgegebenen  Werke  ,,Die  Vegetation 
der  Erde“  vor  und  kennzeichnet  besonders  die  Grenzen,  welche  er  dem 
Thema  gezogen  hat,  sowde  die  Eintheilung  des  Stoffes  in  grossen  Zügen. 
(Vergl.  Abhandlung  X.) 


16 


Prof.  I)r.  E.  Kalkowsky  zeigt  den  Blüthenstand  einer  ausgezeichnet 
blühenden  grünen  Rose  aus  Coimbra. 

Dr.  B.  Schorler  legt  neuere  Litteratur  vor  und  zwar: 

Beck,  G.  von:  Hilfsbuch  für  Pflanzensammler.  Leipzig  1902; 

Warnstorf,  C.:  Kryptogamenflora  der  Mark  Brandenburg.  Band  I:  Moose. 
Berlin  1902; 

Hansen,  A.:  Vegetation  der  ostfriesischen  Inseln.  Darmstadt  1901. 

Der  Vortragende  erwähnt  die  an  dieses  Buch  angeknüpfte  Kritik  von 
Prof.  Warming- Kopenhagen. 

Rumphius -Gedenkbuch  zur  Erinnerung  an  das  200jährige  Jubiläum  des 
Herbarium  Amboinense.  Harlem  1902. 

Dazu  wird  die  Rumphius  - Medaille  vorgelegt,  welche  in  sehr  schöner 
Ausführung  diesem  Gedenkbuch  beigegeben  wurde. 

Privatus  C.  Schiller  legt  vor: 

Trelease,  Missouri  Botanical  Garden,  Jahresbericht  für  1902.  St.  Louis  1903, 
enthaltend  besonders  eine  schöne  Abhandlung  über  Yuccaceae. 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 


Yierte  Sitzung  am  13.  November  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  E. 

Kalkowsky.  — Anwesend  33  Mitglieder. 

Oberlehrer  Dr.  R.  Nessig  legt  eine  Aschenprobe  vom  Pelee 
und  Graphit  nebst  Situationsbildern  des  Vorkommens  aus  dem  Lo sch- 
witz grün  de  vor.  (Vergl.  Abhandlung  VI.) 

Prof.  Dr.  W.  Bergt  bespricht  vorgelegte  Mineralien  aus  dem  Kalk- 
werk Heidelbach  bei  Wolkenstein  und  von  der  Kunnersdorfer  Ver- 
werfung. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  berichtet  über  die  Lagerung  der  Serpen- 
tine und  Gabbros  im  südlichen  Ligurien  unter  Vorlegung  von 
Handstücken. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 


Zweite  Sitzung  am  23.  October  1902.  Vorsitzender:  Oberlehrer 
H.  Döring.  — Anwesend  19  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  gedenkt  der  Verdienste  des  am  5.  September  d.  J. 
verstorbenen  Ehrenmitgliedes,  des  Geh.  Medicinalrathes  Prof.  Dr.  Rudolf 
Virchow,  die  er  sich  in  langjähriger,  erfolgreicher  Forscherarbeit  um  die 
Anthropologie  und  Urgeschichte  erworben  hat. 

Lehrer  CI.  Vogel  hält  einen  Vortrag  über  den  Burgwall  auf  dem 
Staubenberge  bei  Westewitz  an  der  Mulde  und  legt  Photographien 
und  Scherbenfunde  von  dort  vor.  (Vergl.  Abhandlung  IX.) 

Lehrer  H.  Ludwig  legt  folgendeFunde  vor:  Gefässreste  und  Hütten  - 
bewurf  aus  Herdstellen  bei  Birkwitz  a.  E.,  das  Bruchstück  eines 


17 


Mahlsteins  und  einen  Spinnwirtel  aus  den  Herdstellen  von  Kauscha 
bei  Dresden,  eine  Buckelurne  und  einen  Bronzering  aus  dem  Gräber- 
felde von  Mügeln  bei  Pirna,  drei  Beigefässe  aus  dem  Gräberfelde 
an  der  Carolastrasse  in  Dresden,  Bruchstücke  von  Mahlsteinen  von 
Oberpolenz  bei  Meissen  und  Scherben  mit  Wellenornament  von 
Wilschdorf. 

Der  Vorsitzende  berichtet  hierauf  über  neolithische  Gefäss- 
scherben  von  Dresden-Strehlen. 

Beim  Bau  des  Fluthcanals  an  der  Oscarstrasse  fand  man  unter  einer  Decke  von 
1,2  m alluvialem  Aulehm  in  einer  ca  0,25  m mächtigen  schwarzen  Humusschicht  eine 
Anzahl  neolithischer  Scherben  mit  Bandverzierungen,  wie  sie  aus  mehreren  Herd- 
stellen in  der  Nähe  von  Dresden  bekannt  geworden  sind.  Der  Vortragende  spricht 
die  Vermuthung  aus,  dass  die  schwarze  Culturschicht,  welche  sich  beinahe  gleichmässig 
aushreitet,  mit  jener  Bodenschicht  in  Verbindung  gestanden  haben  mag,  welche  bei  An- 
legung des  Carolasees  angeschnitten  wurde  und  einen  neolithischen  Fund  lieferte  (Isis 
1886,  S.  51). 

Die  im  Fluthcanal  an  der  Oscarstrasse  gefundenen  neolithischen  Scherben  befinden 
sich  in  der  prähistorischen  Sammlung  des  Stadtbaumeisters  G.  Pressprich  in  Dresden. 

Derselbe  legt  als  Ergänzung  zu  früheren  Mittheilungen  über  Feuer- 
steingeräthe  von  der  Insel  Rügen  eine  grössere  Anzahl  solcher  Werk- 
zeuge, deren  Formen  und  technische  Gewinnung  besprochen  werden,  vor; 
weiter 

interessante  slavische  Scherbenfunde  vom  Burgwall  Arkona  auf 
Rügen,  unter  Hinweis  auf  die  grossen  Verdienste  Virchow’s  um  die  Burg- 
wallforschung. 

Die  Rügenschen  Burgwälle  Arkona  und  Garz,  an  denen  die  K.  Commission  1868 
ihre  Untersuchungen  begann,  wurden  durch  Virchow’s  Beobachtungen  und  Schlüsse  für 
die  vergleichende  Forschung  bedeutungsvoll  und  gelten  dem  Prähistoriker  seitdem  als 
classische  Fundstätten. 


Dritte  Sitzung  am  11.  December  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  J. 
Deichmüller.  — Anwesend  24  Mitglieder. 

Oberlehrer  H.  Döring  spricht  über  Funde  aus  den  von  ihm  1902  auf- 
gedeckten neolithischen  Herdstellen  von  Mockritz  bei  Dresden. 

In  der  Lehmgrube  des  Dampfziegelwerks  von  Conrad  Miersch  Söhne,  unmittelbar 
neben  dem  Restaurant  „Mockritzhöhe“  an  der  Strasse  von  Strehlen  nach  Pestitz  und 
Mockritz,  fand  Vortragender  drei  Herdstellen  von  der  Form  und  Grösse,  wie  sie  bereits 
bei  Cotta- Dresden,  Löbtau-Dresden  und  Lockwitz  bekannt  geworden  sind.  Die  schwarze 
Erde  der  kesselartigen  Vertiefungen  war  mit  Ascheresten,  Feuersteinknollen,  Rollsteinen, 
Scherben  und  Feuersteinsplittern  gemischt.  Die  Tiefe  der  grössten  Herdgrube  betrug 
0,60  m,  die  obere  Weitung  zeigte  sich  2 m,  die  untere  1,60  m breit.  Die  Gefässbruch- 
stücke  zeichnen  sich  sämmtlich  durch  einen  sehr  milden  Brand  aus;  sie  sind  mit  den 
bekannten  bandförmigen  Mustern  verziert,  die  allgemein  als  Charakterzeichen  der 
Bandkeramik  gelten. 

Inmitten  der  Abfallstoffe  fand  Vortragender  in  der  grösseren  Herdstelle  eine  Grün- 
steinaxt mit  angefangener  Bohrung.  Das  Artefact  ist  14  cm  lang,  im  unteren  Drittel 
3 cm  und  am  oberen  Ende  1 cm  breit.  Die  Bohrung  ist  etwa  5 mm  in  die  Grünstein- 
masse eingedrungen.  Der  Durchmesser  des  Bohrloches  misst  16  mm,  während  der  des 
stehen  gebliebenen  Bohrkernes  7 mm  beträgt.  Neben  zahlreichen  Feuersteinknollen  und 
-kernen  fanden  sich  wenige  und  nur  kleine  Feuersteinmesser  und  -Splitter  von  ca.  5 cm 
Länge  und  1 bis  2^2  cm  Breite.  Sechs  derselben  sind  mit  Sorgfalt  bearbeitet,  an  vier  Stück 
erkennt  man  deutlich  die  sogenannten  Dengelschläge,  durch  welche  erst  dem  Stücke  die 
Schärfe  gegeben  wurde.  Verhältnissmässig  zahlreich  waren  Bruchstücke  von  Reibplatten 
und  Reibsteinen  vertreten.  Es  fanden  sich  zwölf  Stück  vor;  vier  derselben  sind  aus 
Sandstein,  acht  aus  Conglomeraten  des  Rothliegenden  gearbeitet. 


18 


Prof.  Dr.  J.  Deichmüller  legt  neue  Funde  aus  Sachsen  vor:  Stein- 
beile von  Messa  bei  Lommatzsch  und  von  Obergorbitz  bei  Dresden, 
eine  Bronzelanze  aus  einem  älteren  Depotfund  im  Forstgarten  zu 
Tharandt,  das  Bruchstück  einer  Bronzekette  der  La  Tene-Zeit  mit 
einem  in  einem  Thierkopf  endenden  Haken  von  Zöthain,  eine  Bronze- 
fibel  der  römischen  Kaiserzeit  von  Kleinzadel,  Gefässe  und  Bei- 
gaben aus  Gräberfeldern  des  Lausitzer  Typus  vom  Bismarckplatz  in 
Laubegast  und  in  der  Beichel’schen  Gärtnerei  in  Kötzschenbroda, 
eine  Urne  mit  Radornament  aus  dem  Schlossgarten  in  Moritzburg 
und  slavi sehe  Ge fässreste  und  Getreide  aus  der  Schanze  bei  Spittwitz. 

Derselbe  berichtet  weiter  über  die  Ergebnisse  der  Inventarisirung 
vorgeschichtlicher  Alterthümer  in  der  Gegend  von  Pegau. 

Die  Umgebung  von  Pegau,  besonders  das  Elsterthal,  ist  sehr  reich  an  Funden  aus 
fast  allen  vorgeschichtlichen  Perioden,  von  der  jüngeren  Steinzeit  an  bis  in  die  slavische 
Periode.  Ausser  mehreren  kleineren  Privatsammlungen  birgt  vor  Allem  das  städtische 
Museum  in  Pegau  eine  Fülle  schöner  prähistorischer  Fundstücke  aus  der  näheren  und 
weiteren  Umgebung  dieser  Stadt,  welche  namentlich  durch  den  unermüdlichen  Sammel- 
eifer und  die  Sachkenntniss  des  dortigen  Pastors  J.  G-rössel  und  des  verstorbenen  Privatus 
Fr.  Heinichen  in  dem  Museum  vereinigt  worden  sind. 

Vortragender  legt  eine  grosse  Anzahl  Photographien  und  einzelne  Fundstücke  aus 
der  dortigen  Gegend  vor. 


V.  Sectioii  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 


Yierte  Sitzung  am  20.  November  1902.  Vorsitzender:  Dr.  H.  Thiele. 
— Anwesend  59  Mitglieder  und  Gäste. 

Dr.  med.  E.  G.  Kelling  spricht  über  physikalische  Untersuchungen 
auf  dem  Gebiete  der  Muskelphysiologie. 

Die  Ergebnisse  seiner  Untersuchungen  wird  der  Vortragende  in  der  Wiener  medi- 
cinischen  Wochenschrift  1903  veröffentlichen. 


VI.  Section  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 


Fünfte  Sitzung  am  3.  Juli  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Ph.  Wein- 
meister. — Anwesend  10  Mitglieder. 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister  spricht  über  das  Achsenproblem  des 
Kegels  II.  Ordnung. 

Der  Vortragende  zeigt,  wie  das  räumliche  Problem,  die  Achsen  eines  Kegels 
II.  Ordnung  zu  finden,  auf  das  folgende  ebene  Problem  zurückgeführt  werden  kann: 
Gegeben  ist  ein  Kegelschnitt  k und  ein  Punkt  H;  man  soll  einen  Punkt  PL  derart  be- 
stimmen, dass  erstens  das  von  ihm  auf  seine  Polare  ft  gefällte  Loth  HB  durch  H 
geht,  und  dass  zweitens  das  Product  IIH.HB  gleich  dem  Quadrat  einer  gegebenen 
Strecke  h wird.  Bei  der  im  Vortrag  durchgeführten  Behandlung  dieses  Problems  wird 
— was  ohne  Beeinträchtigung  der  Allgemeinheit  geschehen  darf  — - vorausgesetzt,  dass 
k eine  Parabel  ist. 

Solange  nur  die  erste  Forderung  erhoben  wird,  existiren  noch  unendlich  viele 
Punkte  n,  und  demnach  auch  unendlich  viele  gerade  Linien  -n:;  die  ersteren  liegen  auf 
einer  gleichseitigen  Hyperbel,  die  letzteren  umhüllen  eine  Parabel,  welche  natürlich  jener 


19 


Hyperbel  (in  Bezug  auf  k)  polar  zugeordnet  ist.  Wird  aber  die  zweite  Bedingung  bin- 
zugefügt,  so  geimgen  nur  drei  — übrigens  stets  reelle  — Punkte  H^  Hg  Hg  der  obigen 
Hyperb^el  den  Anforderungen  des  Problems;  diese  drei  Punkte  liegen  übrigens  noch  auf 
einer  zweiten  Hyperbel,  welche  mit  der  ersten  ausser  Hj  Hg  Hg  einen  unendlich  fernen 
Punkt  gemein  hat.  Es  wird  näher  untersucht,  wie  sich  die  drei  Punkte  auf  die  Ebene 
vertheilen,  und  ausserdem  gezeigt,  dass  sie  die  Ecken  eines  Polardreiecks  von  k sind, 
dessen  Höhenpunkt  H ist;  hieraus  folgt  u.  a.  auch,  dass  man  stets  einen  der  drei  Punkte, 
welcher  H^  genannt  wird,  innerhalb  der  Parabel  k,  die  beiden  anderen  aber  — also  Hg 
und  Hg  — ausserhalb  zu  suchen  hat. 

Zum  Schluss  werden  noch  zwei  specielle  Fälle  behandelt.  Zu  dem  einen  Fall,  wo 
H auf  der  Achse  a der  Parabel  k liegt,  befinden  sich  auch  llj  und  Hg  auf  a,  während 
Hg  im  Unendlichen  gelegen  ist.  In  dem  anderen  Falle,  wo  ebenfalls  H auf  a liegt, 
ausserdem  aber  noch  h einer  Bedingung  unterworfen  ist,  liegt  Hi  auf  a,  während  Hg 
und  Hg  unbestimmt  werden.  Dieser  zweite  Fall  tritt  ein,  wenn  der  gegebene  Kegel 
ein  Botationskegel  ist. 


Sechste  Sitzung  am  9.  Octoher  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Ph. 
Weinmeister.  — Anwesend  9 Mitglieder. 

Dr.  E.  Naetsch  spricht  über  Systeme  von  partiellen  Differential- 
gleichungen II.  Ordnung. 

Wenn  ein  System  von  mehreren  partiellen  Differentialgleichungen  II.  Ordnung 
zwischen  zwei  unabhängigen  Veränderlichen  und  einer  unbekannten  Function  dieser 
beiden  Veränderlichen  vorliegt,  so  entsteht  die  Aufgabe,  erstens  festznstellen,  ob  diese 
Differentialgleichungen  überhaupt  gemeinschaftliche  Lösungen  besitzen,  und  zweitens  alle 
etwa  vorhandenen  gemeinschaftlichen  Lösungen  zu  finden.  Die  Existenz  solcher  gemein- 
schaftlicher Lösungen  ist  in  verschiedenen  Fällen  möglich;  insbesondere  kann  es  ver- 
kommen, dass  die  Differentialgleichungen  des  vorgelegten  Systems  ^eine  gemeinschaftliche 
Lösung  besitzen,  welche  mehrere  willkürliche  Constanten  enthält  und  durch  vollständige 
Integration  eines  Systems  gewöhnlicher  Differentialgleichungen  I.  Ordnung  gefunden 
werden  kann.  Zwei  verschiedene  Fälle  dieser  Art  werden  vom  Vortragenden  besprochen, 
wobei  einige  der  Theorie  der  sogenannten  vollständigen  Systeme  entnommene  Hilfssätze 
zur  Anwendung  gelangen. 


Siebente  Sitzung  am  13.  November  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
Ph.  Weinmeister.  — Anwesend  16  Mitglieder  und  Gäste. 

Prof.  Dr.  G.  Helm  spricht  über  die  neue  statistische  Mechanik 
von  W.  Gibbs. 

Nach  einem  Rückblick  auf  Gibbs'  frühere  thermodynamische  Untersuchungen  legt 
der  Vortragende  die  Schwierigkeiten  dar,  die  sich  dem  Versuche  entgegenstellen,  den 
zweiten  Hauptsatz  der  Thermodynamik  vom  Standpunkte  der  Mechanik  aus  verständlich 
zu  machen.  Trotz  der  weit  zurückliegenden  Arbeiten  Maxwell’s  und  Boltzmann  s erklärte 
noch  1893  Poincare  den  Mechanismus  für  unvereinbar  mit  dem  Theorem  von  Clausius. 
An  Boltzmann’s  1871  erschienene  Arbeit  knüpft  das  neue  Werk  von  Gibbs*)  an,  indem 
es  aus  Hamilton’s  Differentialgleichungen  der  Bewegung  Sätze  über  gewisse  Gesammt- 
heiten  von  Bewegungen  herleitet.  Einige  der  fundamentalen  Sätze  von  Gibbs  entwickelt 
der  Vortiagende,  um  in  den  Gedankengang  des  Werkes  einzuführen.  Indem  Gibbs  alle 
Bewegungsvorgänge,  die  demselben  System  kanonischer  Differentialgleichungen  genügen, 
aber  in  den  Integrationsconstanten  verschieden  sind,  zu  einem  Collectivgegenstande  ver- 
einigt und  diesen  statistisch  untersucht,  zeigt  er  den  Weg,  wie  man  frei  von  jeder 
atomistischen  Auffassung  ganz  allgemein  jede  mögliche  Beziehung  der  Mechanik  zur 
Thermodynamik  auffinden  kann.  Die  Collectivautfässung,  die  sich  bei  Gibbs  in  den 
Worten  ausspricht:  „Was  wir  über  einen  Körper  wissen,  kann  im  Allgemeinen  am  Ge- 
nauesten und  Einfachsten  so  beschrieben  werden,  dass  wir  sagen,  es  ist  ein  aus  einer 
grossen  Anzahl  vollkommen  beschriebener  Körper  willkürlich  herausgegriffener“  — 


*)  Willard  Gibbs:  Elementary  principles  in  Statistical  mechanics,  developed  with 
especial  reference  to  the  rational  foundation  ofthermodynamics.  New-Yorkund  London  1902. 


20 


diese  Collectivauffassung  kenn  zeichnet  die  Gibbs’sche  statistische  Mechanik,  und  der  Vor- 
tragende schliesst  mit  einem  Hinweis  auf  die  Bedeutung,  welche  den  auch  in  anderen 
Gebieten  mehr  und  mehr  hervortretenden  Collectivbegriffen  für  die  Entwickelung  der 
theoretischen  Naturforschung  überhaupt  zukommt. 


Achte  Sitzung  am  11.  Decemher  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Ph. 

Weinmeister.  — Anwesend  14  Mitglieder. 

Conrector  Prof.  Dr.  R.  Henke  spricht  über  die  Hauptträgheits- 
achsen des  Dreiecks. 

Der  Vortragende  denkt  sich  ein  System  von  drei  materiellen  Punkten  A,  B,  C 
gegeben,  deren  jeder  die  Masse  Eins  besitzt,  und  betrachtet  die  Trägheitsmomente  dieses 
Systems  in  Bezug  auf  Achsen,  welche  in  der  Ebene  ABO  gelegen  sind.  Der  grösste 
Theil  der  Ausführungen  des  Redners  bezieht  sich  auf  die  durch  den  Schwerpunkt  S des 
Dreiecks  ABC  gehenden  Achsen,  insbesondere  auf  diejenigen  unter  ihnen,  für  welche 
das  Trägheitsmoment  am  kleinsten  resp.  am  grössten  wird;  der  Vortragende  setzt  aus- 
einander, wie  diese  beiden  — zu  einander  stets  senkrechten  — Achsen  auf  elementarem 
Wege  gefunden  und  wie  sie  durch  Benutzung  geeigneter  Kunstgriffe  in  einfachster 
Weise  construirt  werden  können.  ~ Im  weiteren  Verlaufe  des  Vortrags  geht  Redner 
u.  a.  auf  die  Frage  ein,  ob  in  der  Ebene  ABC  ein  Punkt  P existirt,  welcher  die  Eigen- 
schaft hat,  dass  in  Bezug  auf  alle  durch  ihn  gehenden  und  in  der  genannten  Ebene 
gelegenen  Achsen  das  Trägheitsmoment  des  gegebenen  Systems  einen  und  denselben 
Werth  besitzt.  Es  zeigt  sich,  dass  stets  zwei  derartige  Punkte  P^  und  P2  vorhanden 
sind  und  dass  dieselben  als  die  reellen  Schnittpunkte  von  zwei  gleichseitigen  Hyperbeln 
(die  sich  ausserdem  noch  in  zwei  conjugirt  imaginären  Punkten  schneiden)  angesehen 
werden  können. 


VII.  Hauptversammlungen. 


Fünfte  Sitzung  und  Exciirsion  am  2.  Juli  1902  zur  Besichtigung 
der  ,, Vereinigten  Eschebacli’schen  Werke“  in  Radeberg.  — Zahl 
der  Theilnehmer  33. 

Die  Gesellschaft  unternimmt  unter  Führung  des  Geh.  Commercienrathes  C.  Esche- 
bach einem  Rundgang  durch  die  von  ihm  gegründeten  und  geleiteten  Emaillirwerke, 
wo  die  sinnreichen,  einer  weitestgehenden  Arbeitstheilung  dienenden  Maschinen  und  die 
Behandlung  der  Fabricationsgegenstände  vom  Guss  bis  zur  Vollendung  im  Brennofen 
das  Interesse  der  Theilnehmer  in  hohem  Grade  in  Anspruch  nehmen. 

In  der  sich  anschliessenden  Hauptversammlung  im  „Deutschen  Haus“  theilt 
Prof.  H.  Engelhardt  mit,  dass  die  Rechnungsprüfer  den  Kassenabschluss  für  1901 
richtig  befunden  haben,  worauf  der  Kassirer  entlastet  wird. 


Excursion  am  1.  October  1902  nach  der  Felsenkellerhrauerei 
im  Plauenschen  Grunde.  — Zahl  der  Theilnehmer  46. 

Mit  grossem  Entgegenkommen  werden  den  Besuchern  die  in  den  einzelnen  Stadien 
des  Brauverfahrens  benutzten  Einrichtungen  der  Brauerei  gezeigt  und  erläutert.  Hieran 
schliesst  sich  ein  Rundgang  durch  die  durch  ihre  Trockenheit  berühmten,  ausgedehnten 
Kellereien,  welche  in  den  Syenit  des  Plauenschen  Grundes  eingesprengt  sind. 


Sechste  Sitzung  am  30.  October  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr. 
Foerster.  — Anwesend  43  Mitglieder  und  Gäste. 

Privatdocent  Dr.  H.  Eucherer  hält  einen  Vortrag  über  die  neuere 
Entwickelung  der  Indigoindustrie  unter  Vorlegung  von  Rohstoffen 
und  chemischen  Präparaten. 


21 


Siebente  Sitzung  am  27.  November  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr. 
Fr.  Fo  er  st  er.  — Anwesend  35  Mitglieder. 

Der  Vorsitzende  gedenkt  mit  warmen  Worten  des  am  8.  November 

1902  verstorbenen  Ehrenmitgliedes  und  langjährigen  Vorsitzenden  der 
Section  für  Zoologie,  des  Geh.  Hofrathes  Prof.  Dr.  H.  Nits  che  in  Tharandt. 

Hierauf  wird  die  Wahl  der  Beamten  der  Gesellschaft  für  das  Jahr 

1903  vorgenommen  (s.  S.  23). 

Prof.  Dr.  H.  Gravelius  spricht  nun  über  die  Bedeutung  und  die 
No th Wendigkeit  einer  organisirten  localen  meteorologischen 
F orschung. 

An  den  Vortrag  schliesst  sich  eine  längere  Discussion. 


Achte  Sitzung  am  18.  December  1902.  Vorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr. 
Fo  erster.  — Anwesend  62  Mitglieder  und  Gäste. 

Auf  Anregung  des  Geh.  Hofrathes  Prof.  Dr.  0.  Drude  wird  beschlossen, 
die  Hauptversammlungen  in  Zukunft  wieder  um  7 Uhr  beginnen  zu 
lassen.  Den  Beginn  der  Sitzungen  der  Sectionen  festzusetzen  soll  deren 
Vorsitzenden  überlassen  bleiben. 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky  hält  unter  Vorführung  von  Lichtbildern  einen 
Vortrag  über  seine  Reise  in  der  Provence. 


Veränderungen  im  Mitgliederbestände. 

Gestorbene  Mitglieder: 

Am  26.  August  1902  starb  Prof.  Dr.  Arthur  Jules  Petermann, 
Director  der  Station  agronomique  in  Gembloux,  correspondirendes  Mitglied 
seit  1868. 

Am  27.  August  1902  starb  Dr.  August  Frenzei,  Lehrer  an  der  Berg- 
schule und  Vorstand  des  K.  Hüttenlaboratoriums  in  Freiberg,  correspon- 
direndes Mitglied  seit  1872. 

Am  5.  September  1902  verschied  im  81.  Lebensjahre  Geh.  Medicinal- 
rath  Dr.  Rudolf  Virchow,  Professor  an  der  Universität  in  Berlin,  Ehren- 
mitglied seit  1871. 

Am  11.  September  1902  starb  Dr.  Theodor  Lange,  Apotheker  in 
Werningshausen,  correspondirendes  Mitglied  seit  1890. 

Am  18. October  1902  verschied  in  Dresden  Dr.  med.  Johannes  Grosse, 
wirkliches  Mitglied  seit  1895. 

Am  8.  November  1902  verschied  Geh.  Hofrath  Dr.  Hin  rieh  Nits  che, 
Professor  an  der  Forstakademie  in  Tharandt,  langjähriger  Vorsitzender 
unserer  Section  für  Zoologie,  Ehrenmitglied  seit  1893.  (Nekrolog  am 
Anfang  der  Sitzungsberichte.) 

Am  12.  November  1902  starb  Dr.  Oscar  Zimmermann,  Professor 
am  Realgymnasium  in  Chemnitz,  correspondirendes  Mitglied  seit  1880. 


22 


Neu  aufgenommene  wirkliche  Mitglieder: 

Hoffmann-Lincke,  Max,  Privatus  in  Serkowitz,  i 

Kaiser,  Felix,  Dr.  phiL,  Chemiker  in  Dresden,  [ am 27. November 

Menzel,  Osc.,  Baumeister  und  Architect  in  Dresden,  [ 1902. 

Werner,  Friedr.,  Dr.phil.,  Realgymnasiallehrer  in  Dresden,  J 

Neu  ernanntes  correspondirendes  Mitglied: 

Dietel,  E.,  Hauptmann  und  Batteriechef  im  K.  Sachs.  Feldartillerie-Regi- 
ment Nr.  28  in  Pirna,  am  27.  November  1902. 

In  die  correspondirenden  Mitglieder  ist  übergetreten: 

Müller,  Alb.,  Dr.  phil.,  Realschuloberlehrer  in  Pirna. 


Freiwillige  Beiträge  zur  Gesellschaftskasse 

zahlten:  Dr.  Amthor,  Hannover,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Bach  mann,  Plauen  i.  V., 
3 Mk.;  K.  Bibliothek,  Berlin,  3 Mk.;  naturwissensch.  Modelleur  Blaschka, 
Hosterwitz,  3 Mk.;  Privatus  Eisei,  Gera,  3 Mk.;  Prof.  Dr.  Hi b sch,  Lieb- 
werd,  3 Mk.;  K.  Oberförster  Müller,  ünterwiesenthal,  3 Mk.;  Stabsarzt 
Dr.  Naumann,  Gera,  3 Mk.  05  Pf;  Lehrer  Pesch el,  Nünchritz,  3 Mk.; 
Sectionsgeolog  Dr.  Petrascheck,  Wien,  3 Mk.;  Dr.  Reiche,  Santiago- 
Chile,  3 Mk.;  Director  Dr.  R ei  dem  eist  er,  Schönebeck,  3 Mk.;  Oberlehrer 
Seidel  I,  Zschopau,  3 Mk.  10  Pf.;  Rittergutspachter  Sieber,  Grossgrabe, 
3 Mk.  15  Pf.;  Fabrikbesitzer  Dr.  Siemens,  Dresden,  100  Mk.;  Prof.  Dr. 
Sterzei,  Chemnitz,  3 Mk.;  Landesgeolog  Dr.  Steuer,  Darmstadt,  3 Mk. 
05  Pf.;  Oberlehrer  Wolff,  Pirna,  3 Mk.  05  Pf.  — ln  Summa  151  Mk.  40  Pf. 

G.  Lehmann, 
Kassirer  der  „Isis“. 


23 


Beamte  der  Isis  im  Jahre  1903, 

Yorstand. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Directorium. 

Erster  Vorsitzender:  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude. 
Zweiter  Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Als  Sectionsvorstände: 

Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz, 

Prof.  K.  Wobst, 

Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky, 

Prof.  Dr.  J.  Deichmüller, 

Prof.  Dr.  A.  Schlossmann, 

Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 

Erster  Secretär:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Zweiter  Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Y erwaltungsrath. 

Vorsitzender:  Prof.  H.  Engelhardt. 

Mitglieder:  1.  Fabrikbesitzer  E.  Kühnscherf, 

2.  Prof.  Dr.  G.  Helm, 

3.  Prof.  H.  Fischer, 

4.  Fabrikbesitzer  Dr.  Fr.  Siemens, 

5.  Fabrikbesitzer  L.  Guthmann, 

6.  Privatus  W.  Putscher. 

Kassirer:  Hofbuchhändler  G.  Lehmann. 

Bibliothekar:  Privatus  K.  Schiller. 

Secretär:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Sectionslbeamte. 

I.  Seotion  für  Zoologie. 

Vorstand:  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz. 

Stellvertreter:  Gustos  Dr.  K.  Heller. 

Protocollant:  Institutsdirector  A.  Thümer. 

Stellvertreter:  Lehrer  H.  Viehmeyer. 


II.  Section  für  Botanik. 

Vorstand:  Prof.  K.  Wobst. 

Stellvertreter:  Realschullehrer  Dr.  B.  Schorle r. 
Protocollant:  Garteninspector  F.  Le  dien. 
Stellvertreter:  Dr.  A.  Naumann. 


24 


III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky. 

Stellvertreter:  Prof.  Dr.  W.  Bergt. 

Protocollant:  Oberlehrer  Dr.  K.  Nessig. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  P.  Wagner. 


IV.  Section  für  prähistorische  Forschungen. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  H.  Döring. 

Protocollant:  Taubstuinmenlehrer  0.  Ebert. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  M.  Klahr. 

V.  Section  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie. 

Vorstand:  Prof.  Dr.  A.  Schlossmann. 

Stellvertreter:  Director  Dr.  A.  Beythien. 

Protocollant:  Dr.  H.  Thiele. 

Stellvertreter:  Dr.  R.  Engelhardt. 


VI.  Section  für  reine  und  angewandte  Mathematik. 

Vorstand:’ 'Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  A.  Witting. 

Protocollant:  Privatdocent  Dr.  E.  Naetsch. 

Stellvertreter:  Oberlehrer  Dr.  J.  von  Vieth. 


Redactions  ■ Comit^. 

Besteht  aus  den  Mitgliedern  des  Directoriums  mit  Ausnahme  des 
zweiten  Vorsitzenden  und  des  zweiten  Secretärs. 


Bericht  des  Bibliothekars. 


Im  Jahre  1902  wurde  die  Bibliothek  der  ,,Isis“  durch  folgende  Zeit- 
schriften und  Bücher  vermehrt: 

A.  Durch  Taiiscli. 


I.  Europa« 

1.  Deutschland. 

Mtenhiirg:  Naturforschende  Gesellschaft  des  Osterlandes.  — Mitteil.,  neue 
Folge,  10.  Bd.  [Aa  69.] 

Annaherg-Biichholzi  Verein  für  Naturkunde. 

Augsburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schwaben  und  Neuburg.  — 
35.  Bericht.  [Aa  18.] 

Bamberg:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Bautzen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Sitzungsber.  u.  Ab- 
handl.,  1898—1901.  [Aa  327.] 

Berlin:  Botanischer  Verein  der  Provinz  Brandenburg.  — Verhandl.,  Jahrg.43. 
[Ca  6.] 

Berlin:  Deutsche  geologische  Gesellschaft.  — Zeitschr.,  Bd.  53,  Heft  4; 
Bd.  54,  Heft  1 — 2;  die  deutsche  geolog.  Gesellsch.  i.  d.  J.  1848  — 98 
mit  Biographie  von  E.  Beyrich.  [Da  17.] 

Berlin:  Gesellschaft  für  Anthropologie,  Ethnologie  und  Urgeschichte.  — 
Verhandl.,  Mai  1901  bis  Juli  1902.  [G  55.] 

Bonn:  Naturhistorischer  Verein  der  preussischen  Kheinlande,  Westfalens 
und  des  Reg.-Bez.  Osnabrück.  — Verhandl.,  58.  Jahrg.;  59.  Jahrg., 
Heft  1.  [Aa  93.] 

Bonn:  Niederrheinische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Sitzungs- 
ber., 1901;  1902,  1.  Hälfte.  [Aa  322.] 

Braunschiueig:  Verein  für  Naturwissenschaft.  — 12.  Jahresher.  [Aa  245.] 
Bremen:  Naturwissenschaftlicher  Verein. — Beiträge  zur  nordwestdeutschen 
Volks-  und  Landeskunde,  Heft  3.  [Aa  2b.] 

Breslau:  Schlesische  Gesellschaft  für  vaterländische  Cultur.  — 79.  Jahresher. 
[Aa  46.] 

Chemnitz:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. 

Chemnitz:  K.  Sächsisches  meteorologisches  Institut. — Jahrbuch,  XVI.  Jahrg., 
3.  Ahth.;  XVH.  Jahrg.,  1.  und  3.  Abth.  [Ec  57.]  — Dekaden  Monats- 
berichte 1901.  [Ec  57  c.] 

Danzig:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Darmstadt:  Verein  für  Erdkunde  und  Grossherzogi.  geologische  Landes- 
anstalt. — Notizbh,  4.  Folge,  22.  Heft.  [Fa  8.] 

Donaueschingen:  Verein  für  Geschichte  und  Naturgeschichte  der  Baar  und 
der  angrenzenden  Landesteile. 


26 


Dresden:  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — Jaliresher.,  1900 — 1901. 
[Aa  47.] 

Dresden:  Gesellschaft  für  Botanik  und  Gartenbau  „Flora“. 

Dresden:  K.  Mineralogisch-geologisches  Museum.  — Mittheil.:  E.  Kalkowsky, 
Die  V erkieselung  der  Gesteine  in  der  nördlichen  Kalahari.  Sep.  1901.  [Db  51.] 
Dresden:  K.  Zoologisches  und  Anthrop.- ethnogr.  Museum. 

Dresden:  K.  Oeffentliche  Bibliothek. 

Dresden:  Verein  für  Erdkunde. 

Dresden:  K.  Sächsischer  Altertumsverein.  Neues  Archiv  für  Sachs. 
Geschichte  und  Altertumskunde,  Bd.  XXIII,  Heft  1 — 6,  und  Jahres- 
ber.  1901—1902.  [G  75.] 

Dresden:  Oekonomische  Gesellschaft  im  Königreich  Sachsen.  — Mittheil. 

1901— 1902.  [Ha  9.] 

Dresden:  K.  Thierärztliche  Hochschule.  — Bericht  über  das  Veterinär  wesen 
in  Sachsen,  46.  Jahrg.  [Ha  26.] 

Dresden:  K.  Sächsische  Technische  Hochschule.  — Bericht  über  die  K.  Sächs. 
Techn.  Hochschule  a.  d.  Jahr  1901 — 1902;  Verzeichniss  der  Vorlesungen 
und  Hebungen  sammt  Stunden-  und  Studienplänen,  S.-S.  1902,  W.-S. 

1902— 1903.  [Je  63.]  — Personalverz.  Nr.  XIV — XXVI.  [Je  63b.] 
Dürkheim:  Naturwissenschaftlicher  Verein  der  Bheinpfalz  „Pollichia“.  — 

LIX.  Jahresber.;  Mitteil.  Nr.  16 — 17.  [Aa  56.] 

Düsseldorf:  Naturwissenschaftlicher  V erein. 

Elberfeld:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Emden:  Naturforschende  Gesellschaft.  — 86.  Jahresber.  [Aa  48b.] 
Emden:  Gesellschaft  für  bildende  Kunst  und  vaterländische  Altertümer. 
Erfurt:  K.  Akademie  gemeinnütziger  Wissenschaften.  — Jahrb.,  Heft  XXVHL 
[Aa  263.] 

Erlangen:  Physikalisch -medicinische  Societät.  — Sitzungsber.,  33.  Heft. 
[Aa  212.] 

Frankfurt  a.  M.:  Senckenbergische  naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht 
für  1902.  [Aa  9 a.] 

Frankfurt  a.  M.:  Physikalischer  Verein. 

Frankfurt  a.  0.:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Regierungsbezirks 
Frankfurt.  — „Helios“,  19.  Bd.  [Aa  282.] 

Freiberg:  K.  Sächs.  Bergakademie.  — Programm  für  das  137.  Studien- 
jahr. [Aa  323.] 

Fretburg  i.  B.:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Fulda:  Verein  für  Naturkunde.  — Zweites  Ergänzungsheft,  1901.  [Aa  22b.] 
Gera:  Gesellschaft  von  Freunden  der  Naturwissenschaften. 

Giessen:  Oberhessische  Gesellschaft  für  Natur-  und  Heilkunde.  — 33.  Be- 
richt. [Aa  26.] 

Görlitz:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Görlitz:  Oberlausitzische  Gesellschaft  der  WTssenschaften.  — Neues  Lau- 
sitzisches  Magazin,  Bd.  77;  Codex  diplomat.  Lusatiae  superioris  H, 
Bd.  II,  Heft  2.  [Aä  64.] 

Görlitz:  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgeschichte  der  Oberlausitz. 
— Jahresheft  5.  [G  113.] 

Greifsivald:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Neu -Vorpommern  und 
Rügen.  — Mittheil.,  33.  Jahrg.  [Aa  68.] 

Greifsivald:  Geographische  Gesellschaft. 

Greiz:  Verein  der  Naturfreunde.  — Abhandl.  IV.  [Aa  336. J 


27 


Gilben:  Nieclerlausitzer  Gesellschaft  für  Anthropologie  und  Urgesehichte. — 
Mittheil.,  VII.  Bd.,  Heft  1—4.  [G  102.] 

Güstroiu : Verein  der  Freunde  der  Naturgeschichte  in  Mecklenburg. 

Halle  a.  S.:  Naturforschen  de  Gesellschaft. 

Halle  a.  S.:  Kais.  Leopoldino-Carolinische  deutsche  Akademie.  — Leopoldina, 
Heft  XXXVIII.  [Aa  62.] 

Halle  a.  S.:  Verein  für  Erdkunde.  — Mitteil.,  Jahrg.  1902.  [Fa  16.] 
Hamburg:  Naturhistorisches  Museum. 

Hamburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Verhandl.,  HI.  Folge,  9.  Heft. 
[Aa  293  b.] 

Hamburg:  Verein  für  naturwissenschaftliche  Unterhaltung. 

Hanau:  Wetterauische  Gesellschaft  für  die  gesammte  Naturkunde. 
Hannover:  Naturhistorische  Gesellschaft. 

Hannover:  Geographische  Gesellschaft.  — Katalog  der  Stadt- Bibliothek. 
[Fa  18.] 

Heidelberg:  Naturhistorisch -medicinischer  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  VH. 
Heft  1—2.  [Aa  90.] 

Hof:  Nordoberfränkischer  Verein  für  Natur-,  Geschichts-  und  Landeskunde. 
Karlsruhe:  Naturwissenschaftlicher  Verein. — Verhandl.,  Bd.  XV.  [Aa  88.] 
Karlsruhe:  Badischer  zoologischer  Verein.  — Mitteil.,  Nr.  11 — 15.  [Ba  27.  | 
Kassel:  Verein  für  Naturkunde.  — Abhandl.  und  Bericht,  Nr.  47.  [Aa  242.] 
Kassel:  Verein  für  hessische  Geschichte  und  Landeskunde. 

Kiel:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Schleswig -Holstein. 

Köln:  Redaction  der  Gaea.  — Natur  und  Leben,  Jahrg.  38.  [Aa  41.] 
Königsberg  i.  Pr.:  Physikalisch -ökonomische  Gesellschaft.  — Schriften, 
42.  Jahrg.  [Aa  81.] 

Königsberg  L !¥.:  Altertums -Gesellschaft  Prussia. 

Krefeld:  Verein  für  Naturkunde. 

Landshut:  Botanischer  Verein. 

Leipzig:  Naturforschende  Gesellschaft. 

Leipzig:  K.  Sächsische  Gesellschaft  der  Wissenschaften.  — Berichte  über 
die  Verhandl.,  mathem.-phys.  Classe,  LHI.  Bd.,  Heft  4 — 7;  LIV.  Bd., 
Heft  1 — 5.  Mit  Sonderheft.  [Aa  296.] 

Leipzig:  K.  Sächsische  geologische  Landesuntersuchung. — Erläuterungen 
zu  Sect.  Hohenstein-Limbach  (Bl.  95),  2.  Aufl.  [De  146.] 

Lübeck:  Geographische  Gesellschaft  und  naturhistorisches  Museum.  — 
Mitteil.,  2.  Reihe,  Heft  16.  [Aa  279  b.] 

Lüneburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  das  Fürstentum  Lüneburg. 
Magdeburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Jahresber.  u.  Abhandl., 
Jahrg.  1900-1902.  [Aa  173.] 

Mainz:  Römisch -germanisches  Centralmuseum. 

Mannheim:  Verein  für  Naturkunde. 

Marburg:  Gesellschaft  zur  Beförderung  der  gesummten  Naturwissen- 
schaften. — Sitzungsber.,  Jahrg.  1901.  [Aa  266.] 

Meissen:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft  „Isis“.  — Beobacht,  d.  Isis- 
Wetterwarte  zu  Meissen  i.  J.  1901.  [Ec  40.]  — Mittheilungen  aus  den 
Sitzungen  des  Vereinsjahres  1901—1902.  [Aa  319.] 

Münster:  Westfälischer  Provinzialverein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 
Neisse:  Wissenschaftliche  Gesellschaft  ,,Philomathie“. 

Nürnberg:  Naturhistorische  Gesellschaft.  — Jahresber.  für  1900  u.  1901, 
Abhandl.,  Bd.  XIV.  [Aa  5.] 


28 


Offenhacli:  Verein  für  Naturkunde. 

Osnabrück:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Passau:  Naturhistorischer  Verein. 

Posen:  Deutsche  Gesellschaft  für  Kunst  u.  Wissenschaft.  — Zeitschr.  der 
naturwissenschaftl.  Abteilung,  9.  Jahrg.,  Heft  2 u.  3.  [Aa  316.] 
Pegensburg:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Berichte,  Heft  VIII.  [Aa  295.] 
Pegensburg:  K.  botanische  Gesellschaft. 

Peichenbach  i.  Y.:  Vogtländischer  Verein  für  Naturkunde. 

Peutlingen:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Schneeberg:  Wissenschaftlicher  Verein. 

Stettin:  Ornithologischer  Verein.  — Zeitschr.  für  Ornithologie  und  prakt. 

Geflügelzucht,  Jahrg.  XXVI.  [Bf  57.] 

Stuttgart:  Verein  für  vaterländische  Naturkunde  in  Württemberg.  — Jahres- 
hefte, Jahrg.  58.  Mit  Beilage  I.  [Aa  60.] 

Stuttgart:  Württembergischer  Altertumsverein.  — Württemberg.  Viertel- 
jahrshefte für  Landesgeschichte,  n.  F.,  11.  Jahrg.  [G  70.] 

Tharandt:  Bedaction  der  landwirtschaftlichen  Versuchsstationen.  — Land- 
wirtsch.  Versuchsstationen,  Bd.  LVI  u.  LVH.  (In  der  Bibliothek  der 
Versuchsstation  im  botan.  Garten.) 

Thorn:  Coppernicus -Verein  für  Wissenschaft  und  Kunst. 

Trier:  Gesellschaft  für  nützliche  Forschungen. 

Tübingen:  Universität.  — Württembergische  Jahrbücher  für  Statistik  u. 

Landeskunde,  Jahrg.  1882 — 1899.  [Aa  335.] 

Ulm:  Verein  für  Mathematik  und  Naturwissenschaften. 

Ulm:  Verein  für  Kunst  und  Altertum  in  Ulm  und  Oberschwaben. 
Weimar:  Thüringischer  botanischer  Verein. — Mittheil.,  n.F.,  16.  Heft.  [Ca  23.] 
Wernigerode:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Harzes. 

Wiesbaden:  Nassauischer  Verein  für  Naturkunde.  — Jahrbücher,  Jahrg.  54. 
[Aa  43.] 

Würzburg:  Physikalisch-medicinische  Gesellschaft.  — Sitzungsber.,  Jahrg. 
1901.  [Aa  85.] 

Zerbst:  Naturwissenschaftlicher  Verein.  — Berichte,  Jan.  1898 — Apr.  1902. 
[Aa  332.]  ^ 

Zivickau:  Verein  für  Naturkunde.  — Jahresber.,  1899  u.  1900.  [Aa  179.] 

2.  Oesterreich-Ungarn. 

Aussig:  Naturwissenschaftlicher  Verein. 

Bistritz:  Gewerbelehrlingsschule. 

Brünn:  Naturforschender  Verein.  — Verhandl.,  Bd.  XXXIX,  u.  19.  Bericht 
der  meteorolog.  Commission.  [Aa  87.] 

Brünn:  Lehrerverein,  Club  für  Naturkunde.  — Bericht  IV.  [Aa  330.] 
Budapest:  Ungarische  geologische  Gesellschaft.  — Földtani  Közlöiiy,  XXXL 
köt.,  10 — 12.  füz.;  XXXH.  köt.,  1—9.  füz.  [Da  25.] 

Budapest:  K.  Ungarische  naturwissenschaftliche  Gesellschaft,  und:  Ungarische 
Akademie  der  Wissenschaften. 

Graz:  Naturwissenschaftlicher  Verein  für  Steiermark.  — Mittheil.,  Jahrg. 
1901.  [Aa  72.] 

Hermannstadt:  SiebenbürgischerV erein für N aturwissenschaften. — V erhandl, 
und  Mittheil.,  LI.  Jahrg.  [Aa  94.] 

Iglo:  Ungarischer  Karpathen -Verein.  — Jahrb.,  Jahrg.  XXIX.  [Aa  198.] 


29 


Innsbruck'.  Naturwissenschaftlich -mediciniscli  er  Verein.  — Berichte,  XXVII. 
Jahrg.  [Aa  171.] 

Klagenfurt:  Naturhistorisches  Landes -Museum  von  Kärnthen. 

Krakau:  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1901,  Nr.  8 — 9; 

Bulletin  international  1902,  Nr.  1 — 7.  [Aa  302.] 

Laibach:  Musealverein  für  Krain. 

Linz:  Verein  für  Naturkunde  in  Oesterreich  ob  der  Enns.  — 31.  Jahresber. 
[Aa  213.] 

Linz:  Museum  Francisco-Carolinum.  — 60.  Bericht  nebst  der  54.  Lieferung 
der  Beiträge  zur  Landeskunde  von  Oesterreich  ob  der  Enns.  [Fa  9.] 
Prag:  Deutscher  naturwissenschaftlich -medicinischer  Verein  für  Böhmen 
„Lotos“.  — Sitzungsber.,  Bd.  XVIIl  u.  XXL  [Aa  63.] 

Prag : K.  Böhmische  Gesellschaft  der  W issenschaften . — Sitzungsber.,  mathem.- 
naturwissensch.  CI.,  1901.  [Aa  269.J  — Jahresber.  für  1901.  [Aa  270.] 
P''ag:  Gesellschaft  des  Museums  des  Königreichs  Böhmen.  — Geschäftsber. 

1901.  [Aa  272.]  — Pamätky  archaeologicke,  dil.  XIX,  ses.  6—8;  dil.  XX, 
ses.  1.  [G71.]  — Starozitnosti  zeme  ceske,  dil.  II,  svazek  1.  [G  71.] 

Prag:  Lese-  und  liedehalle  der  deutschen  Studenten.  — Jahresber.  für  1901. 
[Ja  70.] 

Prag:  Ceska  Akademie  Cisafe  FrantiM^a  Josefa.  — Rozpravy,  trida  II, 
rocnik  10.  [Aa  313.]  — Bulletin  international,  VI.  annee.  [Aa  313b.’ 
Presburg:  Verein  für  Heil-  und  Naturkunde.  — Verhandl.,  n.F.,  Heftl3.  [Aa92.' 
Peichenberg:  Verein  der  Naturfreunde. 

Salzburg:  Gesellschaft  für  Salzburger  Landeskunde.  — Mittheil.,  Bd.  XLI 
u.  XLII.  [Aa  71.] 

Temesvär:  Südungarische  Gesellschaft  für  Naturwissenschaften.  — Termes- 
zettudomänyi  Füzetek,  XXVI.  köt.,  füz.  I — 3.  [Aa  216.] 

Trencsin:  Naturwissenschaftlicher  Verein  des  Trencsiner  Comitates.  — 
Jahreshefte,  Jahrg.  XXIII— XXIV.  [Aa  277.] 

Triest:  Museo  civico  di  storia  naturale. 

Triest:  Societä  Adriatica  di  scienze  naturali. 

Wien:  Kais.  Akademie  der  Wissenschaften.  — Anzeiger,  1901,  Nr.  21—27; 

1902,  Nr.  1-21.  [Aa  11.] 

Wien:  Verein  zur  Verbreitung  naturwissenschaftlicher  Kenntnisse. 
Wien:  K.  K.  naturhistorisches  Hofmuseuni.  — Annalen,  Bd.  XVI;  Bd.  XVH, 
^ Nr.  1—2.  [Aa  280.] 

Wien:  Anthropologische  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Bd.  XXXf,  Heft  6; 
[Bd  1.] 

Wien:  K.  K.  geologische  Reichsanstalt.  — Abhandl.,  Bd.  VI,  1.  Abth.  Suppl.- 
Heft;  Bd.  XVH,  Heft  5;  Bd.  XVHI,  Heft  1;  Bd.  XIX,  Heft  1.  [Da  1.] 
— Jahrbuch,  Bd.  LI,  Heft  1;  Bd.  LH,  Heft  1.  [Da  4.]  — Verhandl., 
1901,  Nr.  15-18;  1902,  Nr.  1—10.  [Da  16.] 

Wien:  K.  K. zoologisch-botanische  Gesellschaft  — Verhandl,  Bd.Ll.  [Aa  95.] 
Wien:  Naturwissenschaftlicher  Verein  an  der  Universität 
Wien:  Central  - Anstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — Jahr- 
bücher, Jahrg.  1899  u.  1900.  [Ec  82.] 

3.  Rumänien. 

Bukarest:  Institut  meteorologique  de  Roumanie.  — Annales,  tome  XV. 
[Ec  75.] 


30 


4.  Schweiz. 

Aarau:  Aargauische  naturforscliende  Gesellschaft. 

Basel:  Naturforschencle  Gesellschaft.  — Verhaiiclh,  Bei.  XIII,  Heft  3.  [Aa  86.] 
Bern:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Mittheil.,  Nr.  1500— 1518.  [Aa  254.] 
Bern:  Schweizerische  botanische  Gesellschaft.  — Berichte,  Heft  12.  [Ca  24.] 
Bern:  Schweizerische  naturforschende  Gesellschaft. 

Chur:  Naturforschende  Gesellschaft  Grauhündens.  — Jahresber.,  Bd.  XL IV 
u.  XLV.  [Äa  51.] 

Frauenfeld:  Thurgauische  naturforschende  Gesellschaft. 

Freiburg:  Societe  Fribourgeoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  vol.  IX. 
[Aa  264.]  — Memoires:  Chemie,  Bd.  I,  no.  3 — 4;  Botanik,  Bd.  I,  no.  2 — 3; 
Geologie  und  Geographie,  Bd.  II.  [Aa  264b.] 

St.  Gallen : Naturforschende  Gesellschaft.  — Bericht  für  1899  — 1900.  [ Aa  23.] 
Lausanne:  Societe  Vaudoise  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  4.  ser., 
vol.  XXX VH,  no.  142—143;  vol.  XXXVHI,  no.  144.  [Aa  248.] 
Neuchatel:  Societe  des  Sciences  naturelles.  — Bulletin,  tome  XX VH.  [Aa  247.] 
Schaffhausen:  Schweizerische  entomologische  Gesellschaft.  — Mittheil,, 
Vol.  X,  Heft  9.  [Bk  222.] 

Sion:  La  Murithienne,  societe  Valaisanne  des  Sciences  naturelles.  — 
Bulletin,  fase.  XXIX-XXXI.  [Ca  13.] 

Winterthur:  Naturwissenschaftliche  Gesellschaft. — Mittheil.,  Heft  3.  [Aa  331. ] 
Zürich:  Naturforschende  Gesellschaft.  — Vierteljahrsschr.,  Jahrg.  46, 
Heft  3—4;  Jahrg.  47,  Heft  1 — 2.  [Aa  96.] 

5.  Frankreich. 

Amiens:  Societe  Linneenne  du  nord  de  la  France.  — Memoires,  tome  10. 

[Aa  252  b.]  — Bulletin  mensual,  tome  XV.  [Aa  252.] 

Bordeaux:  Societe  des  Sciences  physiques  et  naturelles.  — Memoires, 
ser.  6,  tome  I;  appendice  au  tome  I [Aa  253.];  proces  verbaux,  annee 
1900—1901.  [Aa  253b.] 

Cherbourg:  Societe  nationale  des  Sciences  naturelles  et  mathematiques.  — 
Memoires,  tome  XXXH.  [Aa  137.] 

Dijon:  Academie  des  Sciences,  arts  et  helles  lettres. 

Le  Mans:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  arts  de  la  Sarthe.  — Bulletin, 
tome  XXX,  fase.  2 — 3.  [Aa  221.] 

Lyon:  Societe  Linneenne.  — Annales,  tome  47 — 48.  [Aa  132.] 

Lyon:  Societe  d’agriculture,  Sciences  et  industrie.  — Annales,  tome  7 — 8. 
[Aa  133.] 

Lyon:  Academie  des  Sciences  et  lettres.  — Memoires,  tome  6.  [Aa  139.' 
Paris:  Societe  zoologique  de  France.  — Bulletin,  tome  XXVI.  [Ba  24.' 
Toulouse:  Societe  Frangaise  de  botanique. 

6.  Belgien. 

Brüssel:  Societe  royale  malacologique  de  Belgique. 

Brüssel:  Societe  entomologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  XLV.  [Bk  13.] 
Brüssel:  Societe  beige  de  geologie,  de  paleontologie  et  d’hydrologie.  — 
Proces -verbaux,  tome  XI;  tome  XII,  fase.  1^ — 4;  tome  XHI,  fase.  3; 
tome  XIV,  fase.  5;  tome  XV,  fase.  1,  3 — 6;  tome  XVI,  fase.  1—3. 
[Da  34.] 


31 


Brüssel:  Societe  royale  de  botanique  de  Belgique. 

Gemhloux:  Station  agronomique  de  Fetat.  — Bulletin,  no.  71 — 72,  [Hb  75.] 
Lüttich:  Societe  geologique  de  Belgique.  — Annales,  tome  XVII — XXIV; 
tome  XXV,  livr.  1 — 2;  tome  XXVI — XXVIII;  tome  XXIX,  livr.  1 — 3 
u.  Festschrift.  [Da  22.] 


7.  Holland. 

Gent:  Kruidkundig  Genootschap  „Dodonaea“. 

Groningen:  Naturkundig  Genootschap.  — 100 — 101.  Verslag.  [Je  80.]  — 
Centralbureau  voor  de  Kennis  van  de  Provincie  Groningen  en  omgebgen 
streken:  Bejdragen,  deel  II,  stuk  1.  [Aa  333.] 

Hartem:  Musee  Teyler.  — Archives,  ser.  II,  vol.  VII,  p.  4;  vol.  VIII,  p.  1. 
[Aa  217.]  ^ ^ 

Hartem:  Societe  Hollandaise  des  Sciences.  — Archives  Neerlandaises 
des  Sciences  exactes  et  naturelles,  ser.  II,  tome  IV,  livr.  4 — 5;  tome 
VII,  livr.  1 — 5.  Festschrift  zur  Feier  des  150jähr.  Bestehens  der 
Gesellschaft.  [Aa  257.] 

8.  Luxemburg. 

Luxemburg:  Societe  botanique  du  Grand duche  de  Luxembourg. 
Luxemburg:  Institut  grand-ducal. 

Luxemburg:  Verein  Luxemburger  Naturfreunde  ,,Fauna‘\  — Mittheil.,  11. 
Jahrg.  [Ba  26.] 

9.  Italien. 

Brescia:  Ateneo.  — Commentari  per  Fanno  1901.  [Aa  199.] 

Catania:  Accademia  Gioenia  di  scienze  naturale.  — Bollettino,  fase. 

LXXII— LXXIII.  [Aa  149  b.l 
Florenz:  E.  Institute. 

Ftorem:  Societa  entomologica  Italiana.  — Bullettino,  anno  XXXIII, 
tr.  3 — 4;  anno  XXXIV,  tr.  1 — 2.  [Bk  193. J 
Mailand:  Societa  Italiana  di  scienze  naturali.  — Atti,  vol.  XL,  fase.  4. 
[Aa  150.] 

Mailand:  E.  Institute  Lombarde  di  scienze  e lettere.  — Eendiconti,  ser.  2, 
vol.  XXXIV.  [Aa  161.]  — Memorie,  vol.  XIX,  fase.  5 — 8.  [Aa  167.] 
Modena:  Societa  dei  naturalisti. 

Padua:  Societa  Veneto-Trentina  di  scienze  naturali. 

Palermo:  Societa  di  scienze  naturali  ed  economiche.  — Giornale,  vol.  XXIII. 
[Aa  334.] 

Parma:  Eedazione  del  Bullettino  di  paletnologia  Italiana. 

Pisa:  Societa  Toscana  di  scienze  naturali. — Processi  verbali,  vol.  XII  (7.  VII. 

1901—23.  III.  1902.);  Memoire,  vol.  XVIII.  [Aa  209.] 

Rom:  Accademia  dei  Lincei.  — Atti,  Eendiconti,  ser.  5,  vol.  X,  2.  sem., 
fase.  12;  vol.  XI,  1.  sem.;  2.  sem.,  fase.  1 — 10;  Eendic.  sol.  d.  1.  giugno 
1902.  [Aa  226.] 

Rom:  E.  Comitato  geologico  dTtalia. 

Turin:  Societa  meteorologica  Italiana.  — Bollettino  mensuale,  ser.  II, 
vol.  XXI,  no.  9 — 12;  vol.  XXII,  no.  1—6.  [Ec  2.] 

Venedig:  E.  Institute  Veneto  di  scienze,  lettere  e arti. 

Verona:  Accademia  diVerona.  — Atti  eMemoire,  ser. IV,  vol.  L,  fase.  2;  vol.  II. 
[Ha  14.] 


32 


10.  Grossbritannien  und  Irland. 

Diihlm:  Royal  geological  society  of  Irland. 

Edinhurg:  Geological  Society. 

Edinhurg:  Scottish  meteorological  society.  — Journal,  3.  ser.,  no.  XVII. 
[Ec  3.] 

Glasgow:  Natural  history  society. 

Glasgow:  Geological  society, 

Manchester:  Geological  society.  — Transactions,  vol.  XXVII,  p.  8 — 17.  [Da  20.] 
Neivcastle-upon-Tyne:  Tyneside  naturalists  field  club,  und:  Natural  history 
society  of  Northumberland,  Durham  and  Newcastle -upon-Tyne, 

11.  Schweden,  Norwegen. 

Bergen:  Museum.  — Aarsberetning  1901;  Aarbog  1901,  2.  Heft;  1902. 
[Aa  294.] 

Cliristiania:  Universität.  — Den  Norske  Nordhavs-Expedition  1876 — 78, 
Bd.  XXVIII.  [Aa  251.] 

Cliristiania:  Foreningen  til  Norske  fortidsmindesmerksers  bevaring. 
Stockholm:  Entomologiska  Föreningen,  — Entomologisk  Tidskrift,  Arg.  22. 
[Bk  12.] 

Stockholm:  K.  Vitterhets  Historie  och  Antiqvitets  Akademien.  — Mänads- 
blad,  1897.  [G  135  a.] 

Tromsoe:  Museum. 

Upsala:  Geological  Institution  of  the  university. 

12.  Russland. 

Ekatharinenhurg : Societe  Ouralienne  d’amateurs  des  Sciences  naturelles. 
Helsingfors:  Societas  pro  fauna  et  flora  fennica.  — Acta,  vol.  XVI, 
XVHI— XX.  [Ba  17.]  — Meddelanden,  Heft  24  — 27.  [Ba  20.] 
Kharkow:  Societe  des  naturalistes  ä l’universite  imperiale. 

Kiew:  Societe  des  naturalistes.  — Memoires,  tome  XVH,  livr.  1.  [Aa  298.] 
Moskau:  Societe  imperiale  des  naturalistes.  —■  Bulletin,  1901,  no.  3 — 4; 
1902,  no.  1—2.  [Aa  134.] 

Odessa:  Societe  des  naturalistes  de  la  Nouvelle  - Russie.  — Memoires, 
tome  XXVI,  p.  1.  [Aa  256.] 

Petersburg:  Kais,  botanischer  Garten.  — Acta  horti  Petropolitani,  tome 
XIX  ~ XX.  [Ca  10.] 

Petersburg : Comite  geologique.  — Bulletins,  vol.  XX,  no.  7—10;  XXI,  no.  1 — 4. 
[Da  23.]  — Memoires,  vol.  XV,  no.  4;  vol.  XVH,  no.  1 — 2;  vol.  XVI 11, 
110.  3;  vol.  XIX,  no.  1;  vol.  XX,  no.  2.  [Da  24.] 

Petersburg:  Physikalisches  Centralobservatorium.  — Annalen,  Jahrg.  1900. 

[lic  7.]  _ , , _ 

Petersburg:  Academie  imperiale  des  Sciences.  — Bulletin,  nouv.  serie  V, 
tome  XIII,  no.  4 — 5;  tome  XIV— XV;  tome  XVI,  no.  1—3;  Catalog  I. 
[Aa  315.] 

Petersburg:  Kaiserl.  mineralogische  Gesellschaft.  — Verhandl.,  2.  Ser., 
Bd.  39,  Lief.  2.  [Da  29.] 

Riga:  Naturforscher -Verein.  — Korrespondenzblatt,  XLV.  [Aa  34.] 


33 


II.  A.  m e r*  i k a. 

1.  Nord-Amerika. 

Albany:  New  York  state  museum  of  natural  history.  — Annual  report 
52,  p.  1—2;  53,  p.  1—2.  [Aa  119.J 

Baltimore:  John  Hopkins  university.  — University  circulars,  voJ.  XXI, 
no.  1 55 — 159.  [Aa  278.]  — American  joiirnal  of  mathematics,  vol.XXIV, 
no.  1.  [Ea  38.]  — American  Chemical  Journal,  vol.  XXVI,  no.  4 — 6; 
vol.  XXVII,  no.  1—3.  [Ed  60.]  — Stuclies  in  histor.  and  politic. 
Science,  ser.  XIX,  no.  10—12;  ser.  XX,  no.  1.  [Fb  125.]  — American 
Journal  of  philology,  vol.  XXII,  no.  3.  [Ja  64.]  — Maryland  geological 
survey,  vol.  IV.  [Da  35.] 

Berkeley:  University  of  California.  — Departement  of  geology:  Bulletin  II, 
no.  8 — 12;  register  1900 — 1901;  presidents  report,  vol.  II,  no.  4; 
vol.  III,  no.  1.  [Da  31.J  — Agriculturial  experiment  Station:  Bull. 
131  — 139;  annual  report  1900.  — University  chronicle,  vol.  IV,  no.  2. 
[Da  31b.] 

Boston:  Society  of  natural  history.  — Proceedings,  vol.  XXIX,  no.  15 — 18; 

vol.  XXX,  no.  1 — 2.  [Aa  111.]  — Occasional  papers,  vol. VI.  [Aalllb.] 
Boston:  American  academy  of  arts  and  Sciences.  — Proceedings,  new  ser., 
vol.  XXXVII,  no.  4 — 23.  [Aa  170.] 

Buffalo:  Society  of  natural  Sciences. 

Cambridge:  Museum  of  comparative  zoology.  — Bulletin,  vol.  XXXVIll, 
no.  5—7;  vol.  XXXIX,  no.  2 — 4;  vol.  XL,  no.  1 — 3;  vol.  XLI,  no.  1.  — ■ 
Annual  report  1901  — 1902.  [Ba  14.] 

Chicago:  Academy  of  Sciences.  — Bulletin,  vol.  II,  no.  3;  new.  ser.  vol.  IV. 
[Aa  123  b.] 

Chicago:  Field  Columbian  Museum.  — Publications  60  — 65.  [Aa  324.] 
Davenport:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  vol.  VIII.  [Aa  219.] 
Halifax:  Nova  Scotian  Institute  of  natural  Science. 

Lawrence:  Kansas  University.  — Quarterly,  series  A:  Science  and  matbe- 
matics,  vol.  X,  no.  3.  — Science  bulletin,  vol.  I,  no.  1 — 4.  [Aa  328.] 
Madison:  Wisconsin  Academy  of  Sciences,  arts  and  letters. 

Mexiko : Sociedad  cientifica ,, Antonio  Alzate“. — Memorias  y Revista, tomo XIII, 
cuad.  3 — 4;  tomo  XV,  cuad.  11—12;  tomo  XVI,  cuad.  1 — 6;  tomo  XVII, 
cuad.  1 — 3.  [Aa  291.] 

Mexiko:  Instituto  geologico  de  Mexico. 

Mihuaukee:  Public.  Museum  of  tbe  City  of  Milwaukee. 

Mihvaukee:  Wisconsin  natural  history  society.  — Bulletin,  new  ser.,  vol.  II, 
no.  1 — 3 u.  einzelne  Hefte  von  1885  — 1889.  [Aa  233.]  — Occasional 
papers,  vol.  II,  no.  1.  [Aa  233a.] 

Montreal:  Natural  history  society.  — The  canadian  record  of  Science, 
vol.  VIII,  no.  7-8.  [Aa  109.] 

New-Haven:  Connecticut  academy  of  arts  and  Sciences. 

Neiu-York:  Academy  of  Sciences.  — Annals,  vol.  XIV,  no.  1—2.  [Aa  101.] 
New -York:  American  mmseum  of  natural  history. 

Philadelphia:  Academy  of  natural  Sciences.  — Proceedings,  1901,  p.  U— III; 
1902,  p.  I.  [Aa  117.] 

Philadelphia:  American  pbilosophical  society.  — Proceedings,  vol.  XL, 
no.  167;  vol.  XLI,  no.  168 — 169.  — Memorial  volume  I (1900).  [Aa  283.] 
Philadelphia:  Wagner  free  institute  of  Science. 


34 


Fhiladeljyhia : Zoological  society.  — Aonual  report  30.  [Ba  23.] 
Rochester:  Academy  of  Science. 

Rochester:  Geological  society  of  America.  — Bulletin,  vol.  XII.  [Da  28.] 
Salem:  Essex  Institute. 

San  Francisco:  California  academy  of  Sciences.  — Proceedings,  3.  ser., 
vol.  II,  no.  7 — 11;  vol.  III,  no.  1 — 4.  [Aa  113.]  — Occasional  papers, 
vol.  VIII.  [Aa  112b.] 

St.  Louis:  Academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  X,  no.  9 — 11;  vol.  XI, 
no.  1—5.  [Aa  125.] 

St.  Louis:  Missouri  botanical  garden.  — 13.  annual  report.  [Ca  25.] 
Topeka:  Kansas  academy  of  Science.  — Transactions,  vol.  XVII.  [Aa  303.] 
Toronto:  Canadian  institute. 

Tufts  College.  — Studies,  no.  7.  [Aa  314.] 

Washington:  Smithsonian  institution.  — Annual  report  1900. 

Washington:  United  States  geological  survey.  — XXI.  annual  report, 
p.  2— 5,  7.  [De  120a.]  — Bulletin,  no.  177—190;  192—194.  [De  120b.] 
— Mineral  resources  of  the  Unit.  States,  1900.  [Db  81.]  — - Recon- 
naissances  in  the  Cape  Nome  and  Norton  Bay  regions,  Alaska,  1900; 
the  geology  and  mineral  resources  of  a portion  of  the  Copper  river 
district,  Alaska.  [De  120  d.] 

Washington:  Bureau  of  education. 

2.  Süd-Amerika. 

Buenos- Aires : Museo  nacional.  — Communicaciones,  tomo  1,  no.  10.  [Aa  147b.] 
Buenos -Aires:  Sociedad  cientifica  Argentina.  — Anales,  tomo  LII,  entr.  4 — 6; 

tomo  LIll,  entr.  1 — 5;  tomo  LIV,  entr.  1 — 3.  [Aa  230.] 

Cordoha:  Academia  nacional  de  ciencias.  — Boletin,  tomo  XVII,  entr.  1. 
[Aa  208  a.] 

Montevideo:  Museo  nacional.  — Anales,  tomo  III,  entr.  22;  tomo  IV,  p.  1. 
[Aa  326.] 

Rio  de  Janeiro:  Museo  nacional,  — Archivos,  vol.  X— XI.  [Aa  211.] 
San  Jose:  Instituto  fisico-geografico  y del  museo  nacional  de  Costa  Rica. 
Sao  Paido:  Commissao  geographica  e geologica  de  S.  Paulo. 

La  Plata:  Museum.  — Revista,  tomo  X;  4 Tafeln  zu  tomo  VII;  7 Tafeln 
zu  tomo  VIII.  [Aa  308.] 

Santiago  de  Chile:  Deutscher  wissenschaftlicher  Verein. 


lU.  A.  s i e n. 

Batavia:  K.  naturkundige  Vereeniging.  — Natuurk.  Tijdschrift  voor 
Nederlandsch  Indie,  Deel  61.  [Aa  250.] 

Calcutta:  Geological  survey  of  India.  — Memoirs,  vol.  XXX,  p.  3 — 4; 
vol.  XXXI,  p.  2-3;  vol.  XXXII,  p.  1-2;  vol.  XXXIII,  p.  3;  vol.  XXXIV, 
p.  1.  [Da  8.] 

Tokio:  Deutsche  Gesellschaft  für  Natur-  und  Völkerkunde  Ostasiens.  — 
Mittheil.,  Bd.  VIII,  T.  3;  Bd.  IX,  T.  1 m.  Festschrift  u.  Supplem. 
[Aa  187.] 


35 


IV.  VnstT-alien. 

Melbourne : Mining  department  of  Victoria. 


B.  Durch  Geschenke. 

Barrande,  J.:  Systeme  silurien  du  centre  dela  Boheme,  vol.VIII,  tome  2.  [Dd  3.] 
Bergt,  W. : Zur  Geologie  des  Coppename-Nickerietales  in  Surinam.  Sep.  1902. 
[De  242.] 

Beythien,  A.:  Bericht  über  die  Thätigkeit  des  chemischen  Untersuchungs- 
amtes der  Stadt  Dresden.  Sep.  1901.  [Hb  129  s.] 

Broivnlie,  A.:  The  tides  in  the  midst  of  the  pacific  ocean.  Sep.  1902.  [Ea  48.] 
Budapest:  K.  üng.  Reichsanstalt  für  Meteorologie  und  Erdmagnetismus.  — 
Jahrbücher,  Bd.  XXIX,  3.  Th.;  XXX,  1.  und  3.  Th.;  XXXI,  2.  Th. 
[Ec  101.]  — Publicationen,  Bd.  5,  und  II.  Bericht  1901.  [Ec  101  b.] 
Chun,  C.:  Aus  den  Tiefen  des  Weltmeeres.  [Bb  64.] 

Comes,  0.:  5 Chromographical  tables  for  Tabacco.  [Hb  130.] 

Credner,  H.:  Die  vogtländischen  Erderschütterungen  i.  d.  Zeiträume  v. 
Sept.  1900  bis  z.  März  1902,  insbesondere  die  Erdbebenschwärme  im 
Frühjahre  u.  Sommer  1901.  Sep.  1902.  [De  137m.] 

Deutsche  Naturforscher  u,  Aerzte,  73.Versamml.:  Ueber  die  gegenwärtige 
Lage  des  biologischen  Unterr.  i.  d.  hohem  Schulen.  Sep.  1901.  [Ja  82.] 
Engelhardt,  H.:  Tertiärpflanzen  von  Stranitzen,  Schega  u.  Radeldorf  in 
Steiermark.  Sep.  1902.  [Dd  94s.] 

Etzold,  Fr.  Das  Wiechertsche  astatische  Pendelseismometer  der  Erdbeben- 
station Leipzig.  Sep.  1902.  [Ec  100.] 

Oaudry,  A.:  Sur  la  similutude  des  dents  de  Thomme  et  de  quelques 
animaux.  Sep.  1901.  [Bd  34.] 

Geinitz,  E.:  Ueber  die  vulkanischen  Ereignisse  von  Martinique  u.  St.  Vincent. 
Sep.  1902.  [De  217k.] 

Geinitz,  E.:  Mittheilungen  aus  der  Grossherzogi.  Mecklenburg.  Geolog. 
Landesanstalt.  Nr.  XIV:  Die  geolog.  Aufschlüsse  des  neuen  Warne- 
münder Hafenbaues.  [De  2171.] 

Gottlieh,  H.:  Die  Ursache  der  allgemeinen  Schwere.  Sep.  1902.  [Eb  48.] 
Grössel,  J.:  Die  vorgeschichtl.  Bedeutung  d.  mittleren  Elsterthales.  Sep.  1901. 
[G  147.] 

Hensgen,  C.:  Biometrische  Untersuchungen  über  die  Spielarten  von  Helix 
nemoralis.  [Bi  89.] 

Hentschel,  W.:  Varuna.  Eine  Welt-  u.  Geschichtsbetrachtung  vom  Stand- 
punkt des  Ariers.  1902.  [Ja  83.] 

Jentzsch,  A.:  Ueber  grosse  Schollen  im  Diluvium.  Sep.  1901.  [De  lldfP.] 
Kamensky,  S.:  Die  Cypriniden  der  Kaukasusländer  u.  ihrer  angrenzenden 
Meere.  [Bh  11.] 

Lanzi,  M,:  Diatomee  del  lago  di  Cotronia.  Sep.  1902.  [Ce  37.] 

Laube,  G.:  Erhaltung  der  Naturdenkmäler  mit  besonderer  Rücksicht  auf 
• Böhmen.  Sep.  1902.  [De  140  g.] 

Nestler,  Br  Landschaftliches  a.  d.  Zschopau -Thale.  [Fb  134.] 
Osirisblätter:  4 Nrn.  [Ja  78b.] 

Radde,  G.:  Museum  caucasicum,  11.  Botanik.  [Cd  126.] 

Reichardt,  Th. : Tiere  der  Urwelt  in  30  Kunstblättern.  [Dd  148.] 

Rotter,  E.:  Ein  Volksersatz  für  Alkohol.  1902.  [Ja  85.] 

8ars,  G. : An  account  of  the  Crustacea  of  Norway,  vol.  IV,  p.  3 — 10.  [BI  29  b.] 


36 


Stossich,  M.’.  4 Separata  helmintologischen  Inhalts.  1902.  [Bm  54ii  —mm.] 
Stübel,  Ä.:  lieber  die  Verbreitung  der  hauptsäcbl.  Eruptionszentren  u.  der 
sie  kennzeicbnendenVulkanberge  in  Südamerika.  Sep.  1902.  [De  237c.] 
TychoBrahe:  Biographisches  von  Herainu.Matiegkai.  Prag.  Sep. 1902.  [Jb89.] 
Virchoiv,  B.:  Zur  Erinnerung.  Blätter  des  Dankes  für  meine  Freunde. 
Sep.  1902.  [Jb  87.] 

Virchoiv,  R.'.  Bericht  über  die  Feier  von  Virchow’s  80.  Geburtstag.  [Jb  88.] 
Weinzierl,  R.  v.\  Urnengräber  der  Hallstattperiode  u.  fränkischen  Be- 
stattungen i.  nordwestl.  Böhmen.  Sep.  1902.  [G  148.] 

Wien:  K.  K.  Central-Commission  für  Erforschung  u.  Erhaltung  der  Kunst- 
u.  historischen  Denkmale.  Bericht  für  1900  u.  1901.  [G  142.] 


C.  Durch  Kauf. 

Abhandlungen  der  Senckenbergischen  naturforschenden  Gesellschaft,  Bd.XX, 
Heft  3;  Bd.  XXV,  Heft  3;  Bd.  XXVI,  Heft  4;  Bd.  XXVIII.  [Aa  9.] 
Anzeiger  für  Schweizer  Alterthümer,  neue  Folge,  Bd.  HI,  Heft  3 — 4; 

Bd.  IV,  Heft  1,  mit  Beil.  [G  1.] 

Anzeiger,  zoologischer,  Jahrg.  XXV.  [Ba  21.] 

BronAs  Klassen  und  Ordnungen  des  Thierreichs,  Bd.  H,  Abth.  2 (Coelen- 
teraten),  Lief.  18  — 21;  Abth.  3 (Echinodermen),  Lief.  44 — 61;  Bd.  Ill 
(Mollusca),  Lief.  62  — 65;  Suppl.,  Lief.  31 — 36;  Bd.  V (Crustacea), 
Abth.  2,  Lief.  63  — 65;  Bd.  VI,  Abth.  1 (Pisces)',  Lief.  2 — 8;  Abth.  5 
(Mammalia),  Lief.  61  — 64.  [Bb  54.] 

Drude,  0.:  Der  Hercynische  Florenbezirk.  [Cd  127.] 

Gebirgsverein  für  die  Sächsische  Schweiz : Ueber  Berg  und  Thal,  Jahrg.  1902. 
[Fa  19.] 

Hediuigia,  Bd.  4L  [Ca  2.] 

Jahrbuch  des  Schweizer  Alpenclub,  Jahrg.  37.  [Fa  5.] 

Monatsschrift,  Deutsche  botanische,  Jahrg.  20.  [Ca  22.] 

Natur,  Jahrg.  50.  [Aa  76.]  (Vom  Isis -Lesezirkel.) 

Prähistorische  Blätter,  Jahrg.  XIV.  [G  112.] 

Prometheus,  No.  641 — 689.  [Ha  40.] 

Wochenschrift,  naturwissenschaftliche,  Bd.XVH.  [Aa  311.]  (Vom  Isis-Lese- 
zirkel.) 

Zeitschrift,  allgemeine,  für  Entomologie,  Bd.  VH.  [Bk  245.] 

Zeitschrift  für  die  gesammten  Naturwissenschaften,  Bd.  74,  Nr.  3 — 6; 

Bd.  75,  Nr.  1—2.  [Aa  98.] 

Zeitschrift  für  Meteorologie,  Bd.  19.  [Ec  66.] 

Zeitschrift  für  wissenschaftliche  Mikroskopie,  Bd.  XVHI,  Heft  3 — 4; 

Bd.  XIX,  Heft  1-2.  [Ee  16.] 

Zeitschrift,  Oesterreichische  botanische,  Jahrg.  52.  [Ca  8.] 

Zeitung,  botanische,  Jahrg.  60.  [Ca  9.] 

Abgeschlossen  am  31.  December  1902.  C.  Schiller, 

Bibliothekar  der  „Isis“. 

Zu  besserer  Ausnutzung  unserer  Bibliothek  ist  für  die  Mitglieder  der 
„Isis“  ein  Lesezirkel  eingerichtet  worden.  Gegen  einen  jährlichen  Beitrag 
von  3 Mark  können  eine  grosse  Anzahl  Schriften  bei  Selbstbeförderung 
der  Lesemappen  zu  Hause  gelesen  werden.  Anmeldungen  nimmt  der  Biblio- 
thekar entgegen.  


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

ISIS 


in  Dresden. 


1902. 


I.  Greschichte  der  Floristik  bis  auf  Linne. 

Von  Dr.  B.  Sehorler. 


Der  alte  Hieronymus  Bock,  der  in  der  Vorrede  zu  seinem  1539  er- 
schienenen Kräuterbuche  eine  kurze  Uehersicht  über  die  Geschichte  der 
Pflanzenkunde  giebt,  verlegt  ihren  Anfang  auf  eine  recht  frühe  Zeit.  Er 
erzählt  unter  der  üeberschrift:  „Wer  die  einfachen  Gewächs  ....  zum 
aller  ersten  auff  Erden  erkannt  habe“  allen  Ernstes  und  mit  der  grössten 
Naivität,  „das  der  Allmechtig  Gott  und  Schöpffer  der  aller  erst  Gärtner, 
Pflanzer  und  Bawman  aller  einfachen  Gewächsen  ist  und  bleiben  würdt, . . . . 
das  Adam  als  der  Erstgeschaffen  alle  Geschöpf  auff  Erden  durch  Ein- 
giessung  Göttlicher  Krafft  und  Weissheit  nicht  allein  recht  und  wol  erkandt, 
sondern  auch  ein  jedes  mit  seinem  rechten  Namen  genennet  hat,  . . . . 
dann  wie  ein  Ding  von  Adam  erstmals  genant  ward,  also  müsste  es  heissen 
und  bleiben.“ 

Auf  diese  beiden  ersten  Botaniker  folgen  dann  Kain  mit  seinen 
Kindern,  Noah,  die  Chaldäer,  Egypter,  Griechen,  Heiden  u.  s.  w.  So  weit 
zurück  können  wir  heute  natürlich  nicht  gehen. 

Die  Anfänge  der  wissenschaftlichen  Botanik  reichen  bis  auf  Aristoteles, 
also  bis  auf  fast  400  Jahre  vor  Chr.  G.  zurück.  Wenn  man  aber  nach 
den  gewaltigen  Wirkungen,  welche  die  Philosophie  des  grossen  Stagiriten 
auf  unsere  ganze  geistige  Entwickelung  unbestritten  ausübte,  eine  ähnliche 
starke  Förderung  für  die  beschreibende  Botanik  erwartet,  so  täuscht  man 
sich.  Es  finden  sich  bei  ihm  und  seinem  Schüler  Theo phrast  nur  allge- 
meine philosophische  Speculationen  über  das  Wesen  der  Gewächse,  ohne 
dass  diesen  immer  die  geforderten  Beobachtungsthatsachen  zu  Grunde 
gelegt  werden.  Einzelne  Pflanzen  werden  gleichsam  nur  als  Beispiele  für 
gewisse  Deductionen  erwähnt  und  nicht  näher  beschrieben.  „Kaum  eine 
Pflanze  war  ihnen  in  allen  ihren  Theilen  genau  bekannt;  sehr  Vieles 
wussten  sie  nur  vom  Hörensagen,  nicht  selten  waren  Kräuterhändler  die 
Quellen  ihres  Wissens  gewesen.“  (J.  Sachs.)  Die  folgenden  Proben,  die 
der  E.  Meyer’schen  üebersetzung  entnommen  sind,  mögen  die  Botanik 
des  Aristoteles  charakterisiren: 

„Die  Reife  ist  eine  Art  Gare;  denn  die  Gare  der  Nahrung  in  den 
Fruchtgehäusen  wird  Reife  genannt.  Da  aber  die  Gare  eine  gewisse 
Vollendung  ist,  so  ist  die  Reife  dann  vollendet,  wenn  die  Samen  im  Frucht- 
gehäuse ihresgleichen  hervorzubringen  vermögen  ....  Aus  dem  Luft- 
artigen consolidirt  sich  nun  das  Wässrige,  aus  diesem  das  Erdige,  und 
aus  dem  Schmächtigen  wird  alles,  wenn  es  reift,  stets  feister.“ 


4 


„Was  die  lange  Dauer  der  Bäume  betrifft,  so  ist  deren  Ursache  auf- 
zufassen; denn  sie  hat  eine  besondere  Ursache,  die  bei  den  Thieren,  die 
Insekten  ausgenommen,  fehlt.  Die  Pflanzen  verjüngen  sich  beständig, 
daher  dauern  sie  lange.  Beständig  machen  sie  neue  Triebe,  andere  altern; 
ebenso  mit  den  Wurzeln.  Doch  nicht  auf  einmal,  sondern  bald  verdirbt 
nur  der  Stamm,  bald  der  Stockausschlag,  und  anderer  wächst  nach;  sind 
es  aber  die  Wurzeln,  so  entstehen  andere  aus  dem,  was  übrig  bleibt. 
Und  so  währt  das  Vergehen  und  Entstehen  immer  fort,  darum  sind  sie 
langlebig.“ 

Des  Aristoteles  Schüler  Theophrast  tritt  natürlich  in  die  Fussstapfen 
seines  Lehrers.  Er  erwähnt  bereits  gegen  450  Pflanzen.  Da  dieselben 
aber  Jedermann  bekannt  waren,  hält  er  es  nicht  für  nöthig,  sie  zu  be- 
schreiben. Nur  bei  einigen  wenigen  Pflanzen,  so  z.  B.  bei  Trapa  natans 
und  Nymphaea  alha  macht  er  eine  Ausnahme.  Man  kann  also  diese  beiden 
wohl  als  die  Väter  der  allgemeinen,  nicht  aber  als  solche  der  speciellen 
Botanik  ansehen. 

Nach  x\ristoteles  und  Theophrast  ruhte  die  Botanik  wieder  400  Jahre, 
bis  auf  Dioscorides,  welcher  zu  Nero’s  Zeiten  im  Jahre  50  nach  Chr.  Gr. 
eine  Heilmittellehre  schrieb,  in  der  gegen  800  Pflanzen  erwähnt  werden. 
In  erster  Linie  werden  hierin  alle  vermeintlichen  Heilwirkungen  dieser  zu- 
sammengetragen und  breit  erörtert,  daneben  aber  finden  sich  auch  zahlreiche 
auf  Beobachtung  fussende  Kennzeichen  der  Heilmittel,  also  Pflanzen- 
beschreibungen. Wenn  auch  diese  ersten  Beschreibungen  noch  sehr  unvoll- 
kommen sind,  sodass  es  oft  ganz  unmöglich  ist,  aus  ihnen  die  Pflanzen 
wieder  zu  erkennen,  so  sind  sie  doch  die  besten  und  vollständigsten,  die 
uns  das  klassische  Alterthum  hinterlassen  hat.  In  allen  späteren  Heil- 
mittellehren der  ersten  anderthalb  Jahrtausende  kehren  sie  meist  wörtlich 
wieder,  alle  fussen  auf  Dioscorides.  Die  Beschreibungen  in  seiner  „Materia 
medica“  sind  sehr  ungleich.  Vielfach  umgeht  er  diese  dadurch,  dass  er 
sagt,  die  Pflanze  ist  einer  anderen  bekannten  in  den  Blättern,  der  Blüthen- 
farbe  u.  s.  w.  ähnlich,  andere  erstrecken  sich  auf  alle  Theile  der  Pflanze, 
ausgenommen  die  Blüthe,  von  der  stets  nur  die  Farbe  angegeben  wird. 
Einige  Beispiele  werden  das  deutlicher  zeigen.  Sie  sind  einer  alten,  aber 
vortrefflichen  Bearbeitung  der  Werke  des  Dioscorides  von  J.  A.  Saracenus 
aus  dem  Jahre  1598  entnommen,  welche  die  botanische  Bibliothek  aus  dem 
Biener’schen  Nachlass  besitzt. 

Von  der  Esche  (lib.  I,  cap.  108)  giebt  Dioscorides,  abgesehen  von  den 
medicinischen  Wirkungen  der  Blätter,  der  Rinde  und  des  Holzes,  weiter 
nichts  an,  als  dass  es  ein  bekannter  Baum  sei.  Viele  andere  Pflanzen 
kommen  ebenso  kurz  weg. 

Von  Asarum  wird  dagegen  berichtet,  dass  es  Blätter  wie  der  Epheu, 
nur  viel  gedrängter  habe,  dass  die  Blüthe  zwischen  den  Blättern  neben 
der  Wurzel  stehe,  blau  sei  und  einen  Samen  habe,  der  dem  Kerne  einer 
Weinbeere  ähnlich  sei,  und  dass  endlich  die  Wurzeln  zahlreich,  seitwärts 
gerichtet,,  grasartig,  aber  viel  zierlicher,  wohlriechend  und  von  heissendem 
Geschmack  seien. 

Vom  Wegerich  (lib.  H,  cap.  153)  werden  der  grosse  und  der  kleine 
unterschieden  und  als  Flantago  major  und  minor  bezeichnet.  Der  kleine 
Wegerich  hat  schmälere,  kleinere,  weichere  und  zartere  Blätter  mit  eckigen 
niederliegenden  Stielen.  Die  Blüthen  verbleichen  und  der  Same  bildet 
sich  nur  an  der  Spitze  des  Stengels.  Der  grössere  dagegen  ist  dicker 


5 


und  mehr  in  die  Augen  fallend  mit  breiterem  Blatt.  Der  Stengel  ist 
kantig,  etwas  röthlich,  eine  Elle  lang  und  von  der  Mitte  bis  zur  Spitze 
mit  kleinen  Samen  bedeckt.  Die  Wurzeln  sind  zart,  verfilzt  und  von 
weisser  Farbe.  Er  wächst  an  Sümpfen,  Zäunen  und  feuchten  Orten. 

Die  Beschreibung  des  Wegerichs  ist  eine  der  ausführlichsten,  die  ich 
im  Dioscorides  auffinden  konnte. 

In  dem  ersten  Jahrtausend  unserer  Zeitrechnung  war  die  antike 
Bildung  in  Verfall  gerathen,  die  Wissenschaften  lagen  darnieder,  auch  die 
Botanik  hörte  trotz  Dioscorides  wieder  ganz  auf.  Ein  Anlauf,  den  unsere 
Wissenschaft  im  Mittelalter  nahm,  als  der  Dominikaner-Mönch  Albertus 
Magnus  im  13.  Jahrhundert  die  aristotelische  Philosophie  und  Pflanzen- 
betrachtung auf  deutschen  Boden  verpflanzte,  führte  zu  keinem  besseren 
Ende. 

Dafür  aber  erwachte  um  diese  Zeit  an  den  medicinischen  Schulen, 
besonders  an  der  zu  Salerno  in  Süditalien,  als  die  arabische  Medicin  hier 
Eingang  fand  und  allmählich  die  mehr  diätetische  des  Hippocrates  ver- 
drängte, das  Bedürfniss  nach  neuen  Heilmitteln.  Man  hatte  deren  zwei 
Gruppen,  einfache  oder  Simplicia  — das  waren  Pflanzen,  zum  grössten 
Theil  einheimische  — und  zusammengesetzte  oder  Compositionen,  die  jetzt 
erst  durch  die  Araber  an  den  Schulen  eingeführt  wurden.  Die  salerni- 
tanischen  Aerzte  trugen  nun  mit  wahrem  Bienenfleiss  zusammen,  was  die 
Alten,  namentlich  Dioscorides,  Plinius  und  Galen,  und  die  arabischen 
Gelehrten,  besonders  Ihn  Sina,  der  unter  dem  verdorbenen  Namen  Avicenna 
bekannter  ist,  über  die  Heilkräfte  der  Pflanzen  geschrieben  hatten  und 
was  im  Volk  als  heilkräftig  galt.  Zu  eigenen  Beobachtungen  der  ange- 
führten Pflanzen  in  der  Natur,  zu  Versuchen  über  ihre  medicinische 
Wirkung  vermochte  man  sich  aber  noch  nicht  aufzuschwingen.  Der  ganze 
Arzneischatz,  der  auch  animalische  und  mineralische  Stoffe  enthielt,  baute 
sich  daher  ausschliesslich  auf  ältere  Nachrichten  und  Traditionen  auf. 
Dass  man  unter  solchen  Umständen  auch  die  von  Dioscorides  und  Anderen 
angegebenen  Kennzeichen  der  pflanzlichen  Heilmittel  als  wichtig  betrachtete 
und,  da  eigene  Beobachtungen  fehlten,  wörtlich  abschrieb,  ist  selbstver- 
ständlich. Daher  schwollen  diese  Zusammenstellungen  zu  mächtigen 
Folianten  an,  die  aber  trotzdem  in  blindem  Autoritätsglauben  wieder  und 
wieder  abgeschrieben  und  im  Mittelalter  viel  gelesen  und  benutzt  wurden. 
Und  nach  der  Erfindung  der  Buchdruckerkunst  waren  diese  Sammlungen 
von  Heilmitteln  trotz  ihres  bedeutenden  Umfanges  mit  die  ersten  Bücher, 
die  gedruckt  wurden.  Wir  verdanken  also  dem  praktischen  Bedürfniss 
der  medicinischen  Schulen  die  ersten  Kräuterbücher.  Es  bedarf  daher 
wohl  nicht  erst  des  besonderen  Hinweises,  dass  diese  ursprünglich  keines- 
wegs, wie  vielfach  angegeben  worden  ist,  Volksbücher  darstellten,  zur 
Popularisirung  medicinischer  Kenntnisse,  sondern  vollgültige,  wissenschaft- 
liche Lehrbücher  der  medicinischen  Botanik. 

Unter  den  ersten  gedruckten  Kräuterbüchern  des  15.  Jahrhunderts 
erfreuten  sich  besonders  drei  grosser  Berühmtheit  und  weiter  Verbreitung. 
Es  waren  das 

1.  der  Herbarius  Moguntinus  oder  Aggregator  practicus  de  simplicibus, 

2.  der  Ortus  sanitatis  oder  Gart  der  Gesundheit,,  und 

3.  das  Buch  der  Natur  von  Conrad  von  Megenberg. 

Der  Herbarius  wurde  zwar  1484  in  Mainz  zum  ersten  Male  gedruckt, 
daher  auch  sein  Beiname  Moguntinus,  aber  er  scheint  bereits  am  Anfänge 


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des  14.  Jahrhunderts  verfasst,  oder  vielmehr  aus  15  im  Buche  angegebenen 
Schriftstellern  zusammengeschrieben  worden  zu  sein.  Es  existiren  von 
ihm  nicht  weniger  als  9 lateinische  und  2 belgische  Ausgaben,  ausserdem 
3 italienische  üebersetzungen,  von  denen  die  letzte  1540  erschien.  Der 
Autor  des  Werkes  ist  unbekannt,  aber  allem  Anscheine  nach  ein  Deutscher. 
Das  Buch,  ein  starker  Folioband,  hat  keine  oder  nur  ganz  oberflächliche 
Pflanzenbeschreibungen,  dafür  aber  treten  uns  in  ihm  zum  ersten  Male 
Pflanzenabbildungen  in  grösserer  Zahl  entgegen,  auf  die  weiter  unten  näher 
eingegangen  werden  soll. 

Der  Ortus  sanitatis  verdankt  der  alten  lateinischen  Schreibform  für 
Hortus  seine  Bezeichnung.  Die  erste  Ausgabe  hat  weder  Ort  noch  Jahres- 
zahl und  daher  mag  es  wohl  gekommen  sein,  dass  man  früher  die  Ueber- 
setzung,  den  „Gart  der  Gesundheit“  für  älter  und  für  das  Original  hielt 
und  Johann  von  Cuba  als  den  Verfasser  betrachtete.  E.  Meyer  hat  fest- 
gestellt, dass  dieser  den  lateinischen  Ortus  sanitatis  im  Jahre  1485  nur 
übersetzt  und  dabei  stark  gekürzt  hat.  Die  lateinischen  Ausgaben  haben 
1066  Capitel,  die  deutschen  nur  435.  In  den  ersteren  werden  über  600 
Pflanzen,  Thiere  und  Mineralien  mehr  aufgeführt.  Der  deutsche  Gart  der 
Gesundheit  ist  fast  nur  noch  Kräuterbuch,  es  finden  sich  in  ihm  nur 
wenige  Thiere  (15  gegen  392)  beschrieben.  Wer  der  eigentliche  Verfasser 
oder  besser  Compilator  war,  denn  der  Ortus  ist  fast  wörtlich  von  den 
Handschriften  verschiedener  älterer  Aerzte  abgeschrieben,  weiss  man  nicht. 
Die  Benutzung  des  Albertus  Magnus  spricht  für  einen  Deutschen.  Ebenso 
wenig  ist  die  Zeit  des  Entstehens  bekannt,  nach  Meyer  vermuthlich  die 
erste  Hälfte  des  15.  Jahrhunderts.  Die  letzte  lateinische  Ausgabe  datirt 
vom  Jahre  1517,  der  Gart  der  Gesundheit  wurde  aber  noch  viel  später 
gedruckt.  Pritzel  führt  in  seinem  Thesaurus  4 lateinische,  14  deutsche, 
1 holländische,  2 französische  und  1 italienische  Ausgabe  auf.  Unsere 
botanische  Bibliothek  besitzt  aus  der  Privatsammlung  Königs  Friedrich 
August  H.  eine  lateinische  Ausgabe  von  1491,  die  nach  Angaben  auf  der 
letzten  Seite  von  J.  Meydenbach  in  Mainz  gedruckt  wurde.  Dieser  Name 
ist  im  Katalog  versehentlich  als  Autor  des  Werkes  aufgeführt.  Die  König- 
liche Bibliothek  dagegen  ist  im  Besitze  einer  in  Augsburg  1485  gedruckten 
deutschen  Ausgabe*). 

Des  Konrad  von  Megenberg’s  ,,Buch  der  Natur“  ist  eine  Ueber- 
setzung  des  in  der  Zeit  von  1230  — 1240  geschriebenen  ,,liber  de  natura 
rerum“  von  Thomas  Cantimpratensis,  welche  1349  oder  1350  angefertigt 
worden  ist.  Während  Konrad  bei  den  meisten  Artikeln  kürzt,  macht  er 
bei  den  Pflanzen  verschiedene  eigene  oder  anderen  Schriftstellern  entlehnte 
Zusätze.  Wie  verbreitet  die  Handschriften  dieses  Buches  im  14.  und 
15.  Jahrhundert  gewesen  sein  müssen,  geht  daraus  hervor,  dass  dieselben 
auch  heute  keine  Seltenheiten  sind  und  keiner  grösseren  Bibliothek  fehlen, 
ja  oft  in  mehrfacher  Zahl  vorhanden  sind,  in  Wien  z.  B.  achtmal  und  in 
München  sogar  siebenzehnmal.  Gedruckt  wurde  dieses  Kräuterbuch  zum 
ersten  Male  1475  und  bis  1499  nicht  weniger  als  sechsmal.  Im  Jahre  1861 
wurde  von  F.  Pfeiffer  eine  Neubearbeitung  veranstaltet,  sodass  diese 


*)  Es  ist  die  in  Pritzel  mit  Nr.  10824  bezeichnete  Ausgabe.  Aber  es  muss  hier 
ein  zweiter  Abdruck  vorliegen,  denn  es  sind  die  von  Pritzel  in  Zeile  8 und  9 erwähnten 
Druckfehler  nicht  vorhanden.  Die  betreffende  Stelle  heisst  in  dem  Dresdner  Buche: 
„Diss  ist  das  drit  teyl  diss  buchs  vnd  ist  ein  register  ze  uinden  kreuter“  etc. 


7 


wichtige  älteste  Naturgeschichte  jetzt  Jedermannn  zugänglich  ist.  Sie 
handelt  Yon  folgenden  Dingen:  vom  Menschen,  vom  Himmel  und  den  7 
Planeten,  von  den  Thieren,  Pflanzen  (Bäumen  und  Kräutern),  Steinen  und 
Metallen  und  endlich  von  Wundermenschen  und  Wunderbrunnen. 

Wichtig  sind  diese  ersten  Kräuterbücher  durch  ihre  Abbildungen. 
Es  sind  die  ersten  Versuche  naturwissenschaftlicher  Abbildungen  über- 
haupt, d.  h.  sofern  sie  durch  Holzschnitte  vervielfältigt  auf  uns  gekommen 
sind.  Denn  schon  in  den  Handschriften  der  griechischen  Schriftsteller 
vor  Chr.  G.  fanden  sich  nach  den  Berichten  des  Plinius  Zeichnungen  von 
Pflanzen.  Aus  dem  5.  Jahrhundert  nach  Chr.  G.  sind  uns  zwei  Hand- 
schriften des  Dioscorides  erhalten,  die  in  der  Kaiserlichen  Bibliothek  in 
Wien  aufbewahrt  werden  und  welche  zahlreiche  Abbildungen  von  Pflanzen 
enthalten.  Dodonaeus  hat  in  seinen  Pemptaden  10  von  diesen  ältesten 
erhaltenen  Pflanzenzeichnungen  zur  Probe  aufgenommen.  Es  scheint  aber, 
als  ob  der  betreffende  Holzschneider  nicht  verstanden  hat,  deren  besondern 
Charakter  wieder  zu  geben,  sie  unterscheiden  sich  in  nichts  von  den 
übrigen.  Ferner  besitzt  die  Marcus -Bibliothek  in  Venedig  eine  Sammlung 
gemalter  Pflanzen  mit  beigeschriebenen  Namen  aus  dem  Anfänge  des 
15.  Jahrhunderts,  die  sehr  treu  sein  sollen.  Aber  als  Förderungsmittel 
der  Pflanzenkunde,  als  Ersatz  der  fehlenden  Beschreibung  konnte  man 
diese  in  der  Hand  Einzelner  befindlichen  Abbildungen  nicht  betrachten. 
Das  wurden  sie  erst  nach  der  Erfindung  des  Holzschnittes,  der  bekannt- 
lich gegen  100  Jahre  älter  ist  als  die  Buchdruckerkunst.  Die  Holz- 
schneidekunst wurde  anfänglich  von  sog.  Briefmalern,  d.  h.  Spielkarten- 
machern ausgeübt  und  hatte  bis  zu  unseren  ältesten  Kräuterbüchern  nur 
sehr  geringe  Fortschritte  gemacht.  Auch  in  diesen  zeigten  sich  „in  den 
steifen,  wenig  variirten  Strichen,  in  den  wie  mit  der  Scheere  zugeschnittenen 
Umrissen,  die  in  Winkeln  ausgehen,  wo  sie  gerundet  sein  sollten,  die 
Kindheit  und  das  Unvermögen  der  Kunst“  (Treviranus).  Die  ältesten  und 
auch  unvollkommensten  Holzschnitte  finden  sich  im  Buch  der  Natur,  dann 
erst  folgen  Herbarius  und  Ortus  sanitatis.  Allen  gemeinsam  ist  die 
Colorirung  der  Holzschnitte.  Aber  sie  sind,  wenn  auch  mit  rohem  Pinsel, 
doch  nicht  mehr,  wie  das  bei  den  Kartenblättern  üblich  war,  vermittelst 
Patronen  oder  Cartouchen  hergestellt,  d.  h.  mit  Karten  oder  dünnen 
Metallplatten,  an  denen  die  Figuren  ausgeschnitten  waren,  über  welche 
man  einen  Pinsel  mit  Farbe  zog.  Die  Farbe  wandte  man  der  Verzierung 
halber  an,  wie  überhaupt  die  Holzschnitte  selbst  auch  vielfach  nur  diesen 
Zweck  verfolgten.  Daher  schuf  man  bei  allen  ausländischen  Pflanzen  und 
Thieren,  die  man  nicht  aus  eigener  Anschauung  kannte,  entweder  nach  einer 
vorhandenen  Beschreibung  oder  auch  ohne  eine  solche  eine  Abbildung 
frei  nach  der  Phantasie.  Durch  den  Zierath  der  Bilder  wollten  eben  die 
Verleger  ihre  Bücher  empfehlen.  Auch  die  Abbildungen  einheimischer 
Pflanzen  zeigen  ganz  phantastische  Zuthaten.  Die  dargestellten  Wurzeln 
sind  meist  wahre  Monstra  in  Form  und  Grösse,  sodass  es  oft  schwer 
hält,  ja  unmöglich  ist,  die  dargestellte  Pflanze  aus  der  Abbildung  zu  er- 
kennen. So  konnte  E.  Meyer  in  der  Ausgabe  des  Herbarius  vom  Jahre 
1485  unter  den  32  Pflanzen  der  beiden  ersten  Buchstaben  des  Alphabetes  — 
die  Pflanzen  und  Thiere  sind  hier  wie  auch  im  Ortus  sanitatis  nach  dem 
Alphabet  geordnet  — kaum  drei  und  unter  den  drei  nächstfolgenden 
Buchstaben  kaum  eine  finden,  die  an  ihr  Original  auch  nur  von  ungefähr 
erinnert,  geschweige  denn  sich  sicher  erkennen  lässt.  Eben  so  ungünstig 


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liegen  die  Verhältnisse  in  den  ersten  Ausgaben  des  Buches  der  Natur  und 
des  Ortus  sanitatis.  Sehr  wenig  Sorgfalt  ist  auf  die  Darstellung  der  Blüthen 
verwandt,  wo  solche  überhaupt  angegeben  sind.  Staubgefässe  sieht  man 
nirgends.  Man  wusste  noch  nichts  Bechtes  mit  der  Blüthe  anzufangen. 
Nach  Albertus  Magnus  war  die  Blume  das  Vorzeichen  der  Frucht,  die 
entweder  unter  oder  in  der  Blume  entstehen  sollte.  Die  Staubgefässe 
werden  von  demselben  als  Körner  mit  Stielen  beschrieben. 

Wie  sieht  es  nun  mit  der  Pflanzenbeschreibung  in  den  alten 
Kräuterbüchern  aus? 

Das  mögen  uns  einige  Beispiele  zeigen,  die  ich  den  drei  alten  Büchern 
entnehme: 

a)  Aus  dem  Buch  der  Natur  in  der  Pfeiffer’schen  Bearbeitung. 

1.  Von  den  Linden  (S.  350). 

Tilia  oder  dilia  haizt  ain  lind,  der  paum  ist  gar  bekant  pei  uns 
und  ist  gar  lüftiger  art.  (Nun  folgen  die  Verwendungen). 

2.  Von  dem  alberpaum  (S.  339). 

Populus  haizt  ain  alberpaum  oder  ain  popelpaum  und  ist  zwairlai, 
wan  ainer  lai  ist  weiz  und  der  ander  lai  ist  swarz.  der  weiz  hat  pleter, 
diu  sint  ain  seit  weiz  und  die  andern  seit  grüen. 

3.  Von  dem  waitkraut  (S.  419). 

Sandix  haizet  waitkraut.  daz  kraut  hat  ain  rot  wurzel  und  hat  pleter 
nähent  sam  diu  lactuken,  an  daz  si  smaler  sint  und  spitziger,  und  ist  den 
verbern  guot,  die  tuoch  da  mit  verbent  und  dar  nach  ander  varb  dar  zuo 
mischent.  des  krautes  ist  in  Dürgen  (Thüringen)  vil  umb  Ertfurt. 

Diese  letzte  Angabe  ist  sicher  ein  Zusatz  Konrad  von  Megenberg’s, 
der  seine  Ausbildung  auf  dem  Gymnasium  in  Erfurt  erhielt  und  dort  die 
Waidculturen  sah.  Es  dürfte  hier  die  erste  floristische  Nachricht  über 
eine  Thüringer  Pflanze  vorliegen,  die  überdies  zeigt,  dass  die  berühmte 
Thüringer  Waidcultur  schon  in  der  ersten  Hälfte  des  13.  Jahrhunderts 
florirte,  denn  Konrad,  der  1309  geboren  wurde,  hielt  sich  bis  etwa  1330 
in  Erfurt  auf. 

Die  ausführlichste  Beschreibung  haben  die  Erlen  erhalten. 

4.  Von  den  Erlen  (S.  314). 

Ainus  haizt  ain  erl.  der  paum  wechst  gern  an  fäuhten  steten  und 
ist  sein  holz  rot  und  diu  rind  swarz.  wenn  man  das  holz  geprennet,  da 
wirt  weizer  asch  auz  wan  auz  kainerlai  anderen  holz,  daz  uns  bekannt 
sei.  daz  holz  hat  die  art,  die  weil  ez  grüen  ist,  so  läzt  ez  sich  nicht  so 
gern  spalten  sam  daz  tännein;  aber  wenn  ez  gedorret,  so  läzt  ez  sich 
gerner  spalten,  des  paumes  pleter  habent  die  art,  wenn  si  des  ersten 
her  für  gent,  so  habent  si  ain  vaizt  (dick)  zäh  fäuhten,  reht  als  des  popel- 
paums  pleter.  jedoch  ist  der  erlpleter  saf  nicht  so  schön  smeckend  sam 
der  popeln  pleter  saf.  diu  erlpleter  habent  die  art,  wä  man  sie  sträut 
in  ain  kammern,  da  toetent  si  die  floech,  und  daz  ist  war  von  den  pletern, 
diu  newleich  auzgeschozzen  sint,  wan  da  müezent  die  floech  an  hangen, 
daz  erlein  holz  also  grüenez  in  wazzer  gelegt  erfaulet  gar  langen  jär 
nümmer  und  dar  umb  sieht  man  pfeiler  in  die  mosigen  stet  auz  derlai 
holz  und  pawet  dar  auf  türn,  maur  und  andren  werk. 


9 


b)  Aus  dem  Ortus  sanitatis  (Gart  der  Gesundheit). 

Hier  wird  im  Allgemeinen  das  folgende  Schema  als  Regel  befolgt: 
Voran  geht  was  die  Griechen,  Römer,  Araber  und  die  salernitanischen 
Aerzte  über  eine  Pflanze  gesagt  haben.  Oft  sind  das  nur  blosse  Namen. 
Darauf  folgt  die  ausführliche  Beschreibung  der  Kräfte  sowie  der  Grad 
der  Wirkung  nach  Galen,  oder  wenn  dieser  schweigt,  nach  einem  der  saler- 
nitanischen Aerzte.  Zuletzt  werden  die  Krankheiten  aufgezählt,  gegen 
welche  die  Pflanze  von  den  Alten  oder  Neueren  empfohlen  wird. 

1.  Anetum,  dille  {Anetlmm  graveoleus  L.).  Cap.  14. 

Anetum  latine,  arabice  rebet.  Der  meyster  Serapio  spricht,  das  Anetum 
allen  leuten  sei  wol  bekannt. 

2.  Cepe,  Zwibeln.  Cap.  103. 

Cepe  latine,  grece  bulbus,  arabice  basal.  Dioscorides  beschreibt  vns 
vnd  spricht,  das  der  sind  zweyerley.  Die  einen  seind  rot  von  färb  die 
andern  weiss. 

3.  Lilium  convallium,  meyblömen.  Cap.  230. 

Die  meister  sprechen  das  diss  krut  habe  fast  wolriechenden  blömen. 
Dye  bletter  gleichen  den  Wegerich  blettern  allein  die  meyblömen  mit  als 
gar  breit  sint  sunder  lenger. 

4.  Genciana,  entian.  Cap.  217. 

Genciana  latine,  grece  narcaum,  arabice  sontziana.  Der  meister 
Dioscorides  in  dem  capitel  genciana  beschreibet  vnss  vnd  spricht,  das 
genciana  fanden  sei  worden  von  dem  keiser  yllericus  in  dem  land  genannt 
genciana.  vnd  do  hat  er  diser  wurceln  den  namen  geben. 

5.  Eufragia,  augentrost  {Euphrasia  officinalis).  Cap.  109. 

Eufragia  latine,  arabice  herba  adhill.  Der  meister  Paulus  beschreibt 
vns  in  seinem  buch  in  dem  cap.  eufragia  vnd  spricht,  dass  diss  sey  ein 
kraut  vnd  sei  gleich  an  dem  stame  dem  jsop,  allein  die  stengel  vom 
Augentrost  haben  ein  feyel  färb  vnd  hatt  nitt  esste  vnd  hat  klein  bleter 
vnd  hat  blumen  sein  weissfar. 

Die  ausführlicheren  Beschreibungen  sind  im  Gart  der  Gesundheit  viel 
spärlicher  als  im  Ortus  sanitatis.  Dafür  hat  aber  jener,  wenigstens  die 
mir  vorliegende  Ausgabe,  grössere  Abbildungen  als  dieser.  Sie  nehmen 
drei  Yiertheile  der  Seite  ein.  Es  sind  also  die  Stöcke  der  lateinischen 
Ausgabe  nicht  benutzt,  sondern  durchaus  neue  angefertigt  worden.  Die 
abgebildeten  Pflanzen  sind  auch  ganz  andere. 

Die  obigen  Proben  aus  den  deutschen  Ausgaben  der  alten  Kräuter- 
bücher werden  genügen,  um  die  Art  der  Pflanzenbeschreibung  in  ihnen 
zu . charakterisiren.  Man  wagt  also  selbst  bei  ganz  allgemein  bekannten 
Pflanzen  nur  das  zu  schreiben,  was  die  Alten  darüber  sagten.  Eigene 
Beobachtungen  hält  man  bei  dem  vertrauensseligen  Autoritätsglauben  für 
unnöthig.  Es  sind  eben  die  ersten  Kräuterbücher  bis  zum  16.  Jahrhundert 
mosaikartig  zusammengetragene  und  alphabetisch  geordnete  Encyklopädien 
der  überlieferten  naturgeschichtlichen  und  besonders  medicinischen  Kennt- 
nisse, die  man  ihrem  Hauptinhalte  nach  als  Heilmittellehren  zu  be- 
zeichnen hat. 


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Das  wird  nun  im  16.  Jahrhundert  anders.  Da  erwachen  die  Natur- 
wissenschaften endlich  aus  dem  Jahrhunderte  langen  todesähnlichen 
Schlafe.  Da  fängt  man  endlich  wieder  an  zur  Natur  selbst  zurückzukehren, 
die  Pflanzen  im  Freien  aufzusuchen  und  sie  nach  eigenen  Beobachtungen 
zu  beschreiben  und  abzubilden.  Erst  jetzt  kann  man  wieder  von  einer 
auf  Naturforschung  gegründeten  wissenschaftlichen  Botanik  sprechen.  Und 
es  sind  besonders  zwei  Deutsche,  das  können  wir  mit  Stolz  sagen,  welche 
an  dieser  wissenschaftlichen  Beformation  den  Hauptantheil  nahmen:  Otto 
Brunfels  und  Hieronymus  Bock. 

Otto  Brunfels,  der  sich  nach  der  Heimath  seines  Vaters,  der  Burg 
Braunfels  im  Lahnthale,  nannte,  wurde  um  1488  in  Mainz  geboren  und 
starb  1534  in  Bern  als  Stadtarzt.  Hieronymus  Bock,  oder  Tragus,  wie 
er  sich  nannte,  wenn  er  lateinisch  schrieb,  der  jüngere  Freund  von  Brun- 
fels, wurde  um  das  Jahr  1498  im  Dorfe  Heidesbach  im  Odenwalde,  drei 
Stunden  nordöstlich  von  Heidelberg,  geboren  und  starb  1554  in  Hornbach 
im  Wasgau.  Beide  waren  als  Mönche  zum  Protestantismus  übergetreten, 
verkündeten  dann  als  Prediger  die  neue  Lehre  und  waren  zugleich  als 
Aerzte  thätig. 

Die  Pflanzenabbildungen  in  den  alten  Kräuterbüchern  waren,  wie 
schon  erwähnt,  buchhändlerischer  Bilderschmuck,  entweder  vollständige 
Phantasiegebilde  oder  mit  phantastischen  Zuthaten  aufgeputzte  grobe 
Darstellungen,  die  weder  mit  der  folgenden  Beschreibung  noch  mit  der 
Wirklichkeit  übereinstimmten.  Es  ist  nun  das  grosse  Verdienst  von  Brun- 
fels,  hierin  Wandel  geschaffen  zu  haben.  Sein  Kräuterbuch  bedeutet  mit 
seinen  schönen  und  naturgetreuen  Abbildungen,  die  hier  zum  ersten  Male 
ohne  Colorirung  auftreten,  einen  gewaltigen  Fortschritt  gegen  früher.  Auf 
sie  legt  er  auch  selbst  den  grössten  Werth,  wie  schon  der  Name  für  sein 
Werk:  Herbarum  vivae  eicones  bezeugt.  Es  erschien  1530  und  in  einer 
zweiten  Ausgabe  1532,  dazu  kamen  1536  ein  zweiter  und  dritter  Band. 
Neuauflagen  aller  drei  Bände  machten  sich  bereits  1537  und  1539  nöthig. 
Auch  deutsche  Ausgaben  unter  dem  Titel  ,,Contrafayt  Kreuterbuch“  ent- 
standen 1532  und  1537.  Es  muss  also  das  Werk  sehr  viel  Absatz  gefunden 
haben. 

Eür  die  Vortreff liohkeit  der  Pflanzenabbildungen  in  seinem  Kräuter- 
buche ist  allerdings  Brunfels  nicht  allein  verantwortlich.  Die  Holzschneide- 
kunst hatte  im  Anfänge  des  16.  Jahrhunderts  durch  die  Eörderung,  welche 
die  grossen  zeitgenössischen  Maler,  namentlich  Dürer,  Cranach  und  Holbein 
ihr  angedeihen  Kessen,  einen  mächtigen  Aufschwung  genommen.  In  Folge 
dessen  standen  dem  Verfasser  der  Herbarum  vivae  eicones  auch  ganz 
anders  geschulte  und  viel  geschicktere  Holzschneider  zur  Verfügung  als 
den  Verfertigern  der  älteren  Kräuterbücher,  Seine  Abbildungen  rühren 
fast  alle  von  dem  berühmten  Strassburger  Meister  Hans  Weyditz  her,  der 
sie  auch  in  Holz  schnitt.  Das  Verdienst  des  Otto  Brunfels  wird  aber 
dadurch  keineswegs  geschmälert. 

Der  Text  und  die  Pflanzenbeschreibungen  in  dem  Herharum  vivae 
eicones  unterscheiden  sich  noch  nicht  wesentlich  von  den  älteren  Kräuter- 
hüchern.  Es  sind  zusammengereihte  Bruchstücke  aus  älteren  Schriftstellern. 
Nur  dass  sich  Brunfels  bemüht,  die  auf  die  Beschreibung  sich  beziehenden 
Angaben  der  älteren  Schriftsteller  ausführlicher  zu  sammeln.  Daher  ist 
auch  die  ganze  Anlage  des  Brunfels’schen  Buches  noch  die  in  den  Werken 
der  Vorgänger.  Zuerst  werden  bei  einer  Pflanze  die  griechischen,  lateinischen 


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und  deutschen  Nancien  und  Synonyma  angegeben,  dann  nach  Dioscorides, 
Theophrast,  Plinius,  Galenus  etc.  Beschreibung  und  Heilkräfte  aufgeführt 
und  zum  Schlüsse  die  Schriftsteller  aufgezählt,  welche  über  die  betreffende 
Pflanze  geschrieben  haben.  Die  eigenen  Beobachtungen  sind  also  im  Texte 
noch  nicht  niedergelegt. 

Da  Brunfels  in  erster  Linie  die  Pflanzen  seiner  eigenen  Heimath, 
d.  h.  des  linken  Rheinufers  um  Strassburg,  berücksichtigt,  so  liegt  uns 
hier  gleichsam  der  Anfang  einer  ersten  deutschen  Provincialflora  vor,  aller- 
dings noch  ohne  nähere  Standortsangaben.  Auch  aus  unserem  hercynischen 
Bezirke  sind  Brunfels  Pflanzen  zugesandt  worden,  deren  Herkommen  von 
ihm  angegeben  wird.  So  schreibt  er  vom  Entzian:  „Gentiana  etiam  in  sylva 
Hercynia  copiosa  habetur“.  Nach  Dierbach  soll  dieser  Entzian  Gentiana 
lutea  gewesen  sein,  der  allerdings  heute  im  Harze  nicht  mehr  vorkommt. 

Gebührt  demnach  Brunfels  das  Verdienst,  naturgetreue  Abbildungen 
in  den  Kräuterbüchern  zur  Anwendung  gebracht  zu  haben,  so  schuf 
Hieronymus  Bock  um  dieselbe  Zeit  neue  auf  eigene  intensive  Natur- 
beobachtungen gegründete  Pflanzenbeschreibungen.  Man  höre  z.  B.,  wie 
vortrefflich,  wenn  auch  etwas  weitschweifig,  er  die  Wegerich -Arten  be- 
schreibt: 

„Und  seind  des  Wegerichs  drey  geschlecht,  die  gross,  das  mittelst 
und  das  spitzig  Plantago.  Das  aller  gröst  hat  Blätter  wie  der  Entian, 
oder  Mangott,  aulf  der  Erden  aussgespreit,  ein  jedes  Blat  ausswendig  mit 
siben  Rippen,  die  sich  alle  am  Ende  des  Blats  gegen  der  Wurtzel  zusamen 
tragen.  Diser  Wegerich  gewinnet  runde  glatte  stengel,  spannen  lang,  oben 
mit  vollkömmlichen  äheren,  dess  kleinen  samens  in  zarten  Hütlein  ver- 
schlossen. Die  Wurtzel  an  disem  Wegerich  ist  zasechter  dann  keins 
anderen  Wegerichs. 

Das  mittelst  würd  in  der  gantzen  Substanz  ein  wenig  kleiner.  Bleibet 
mit  seinen  Blättern,  die  auff  den  grundt  als  ein  Stern  aussgespreit  ligen, 
vber  Winter  grün,  doch  zu  Eschenfarb  geschickt,  rauch  vnd  haarecht,  mit 
siben  gefalten  Rippen,  ein  jedes  Blat,  so  es  vollkömmlich,  ist  einer  Zungen 
gleich.  Die  glatten  nacketen  vnd  kurtzen  Hälmer  wachsen  spannen  hoch, 
tragen  zu  oberst  weisse  gäle  geäherte  Blumen , wie  der  andern  frucht 
ähern  anzusehen.  Der  Samen  zimmlich  lang,  grösser  dann  dess  ersten, 
aller  ding  dem  Basilgen  samen  ähnlich.  Die  Wegerich  wachsen  alle  gern 
in  feuchten  Orten,  als  Wysen  vnd  Gärten. 

Der  dritt  Wegerich  ist  der  aller  schmählest  an  den  blättern,  hat 
auch  seine  Rippen  wie  die  andern,  von  färben  schwartzgrün.  Die  glatten 
stengel  seind  nicht  rund,  sonder  ecket,  als  weren  die  siben  rippen  zusammen 
kommen,  vnd  eines  darauss  gewachsen.  Dise  eckete  vnd  glatte  Hälmer 
dess  Wegerichs,  haben  auch  jhre  geäherte  blumen,  von  färben  schwartz, 
die  blüet  weissfarb,  wie  dess  mittelsten  Wegerichs,  das  ist,  wie  weisse 
Härlein  mit  kleinen  düpfflein  bekleidet.  Der  samen  würd  grösser  dann 
der  andern,  also  was  diser  mit  Wurtzeln,  blettern,  stielen  vnd  blumen 
geringer,  schmäler,  dünner  vnd  kürtzer  ist,  das  ist  er  herwiderumb  mit 
seinem  samen  grösser,  vollkömmlicher  vnd  gebräuchlicher. 

Dise  Kräutter  blüen  alle  sampt  gegen  dem  Meyen  vnd  Brachmonat.“ 

Und  weiter  unter  der  Ueberschrift  „von  den  Namen“:  „Der  gemein 
Lateinisch  namen  ist  Plantago,  das  verstehen  die  gelehrten  allein  auff  den 
grossen,  den  man  roten  Wegerich  nennet,  vrsach,  das  seine  äher  mit  dem 
samen  gerneinlich  ein  wenig  braun  werden,  oder  darumb,  das  man  selb 


12 


Kraut  vnci  Samen,  allermeist  für  die  rote  Ruhr  braucht.  Das  ander  vnd 
spitz  Wegerich  heisst  Lanceolata,  oder  Plantago  minor.  Das  dritt  ist 
Plantago  media,  vel  alba,  ist  ein  wunder,  das  Dioscorides  dess  gleichen 
Plinius  nicht  mehr  dann  von  zweyen  schreiben,  so  doch  jedermann  drey 
Wegerich  Kräutter  kennet,  sie  müssen  entweders  den  dritten  vnd  weissen 
Wegerich  nicht  gekennet  haben,  oder  haben  den  roten  vnd  den  mit  den 
weissen  Blättern  vnd  Blumen  für  einen  gerechnet.“  (S.  180,  Cap.  75.) 

Als  ein  zweites  Beispiel  sei  noch  die  Beschreibung  der  Maiblümchen 
angeführt  des  Vergleiches  wegen  mit  der  dem  Gart  der  Gesundheit  ent- 
nommenen. 

,,Im  Aprillen  stossen  die  dünne  zasechte  weisse  vnd  queckechte  Wurtzel 
(welche  sehr  hin  vnd  wider  im  Grund  flechten)  grüne  dolden,  als  die 
spargen,  das  seind  die  zwey  grüne  holdselige  bletter  neben  einander,  als 
zwen  Zwilling  an  einem  stiel,  welche  bletter  in  der  ersten  also  zusamen 
seind  gedrungen,  zwischen  disen  zweyen  klettern  (so  bald  sie  jhre  obren 
vber  sich  strecken,  seind  sie  der  weissen  Gilgen  klettern  ähnlich)  dringet 
auch  heraussen  ein  dreyeckets  glattes  stilche,  mit  fünff  oder  sechs  runder 
weisser  knöpfflein,  als  Erweissen,  die  thun  sich  gegen  dem  Meyen  auff, 
ein  jedes  schneeweisses  holes  blümlein  anzusehen,  nicht  anderst,  dann  ein 
rundes  Cymbal  glöcklein,  zu  rings  vmb,  den  schärtlein  einer  Sägen  gleich, 
in  einem  jeden  stöcklein  ein  purpurfarbes  flecklein  gemalet.  Dise  Glocken- 
blümlein  riechen  vber  die  massen  wol,  sonst  seind  sie  eines  bittern  geschmacks 
auff  der  Zungen.  Gegen  dem  Hewmonat  flndet  man  Körner,  nicht  anderst, 
dann  rothe  Corallen,  oder  wie  die  Frucht  der  Spargen,  seind  auss  den 
Blümlein  gewachsen.“  (S.  456,  Cap.  197.) 

In  gleicher  Weise  haben  auch  alle  übrigen  oder  wenigstens  die  ein- 
heimischen Pflanzen  eine  mehr  oder  weniger  eingehende  Beschreibung  er- 
fahren, die  sich  besonders  auf  die  Tracht  erstreckt,  lieber  Blüthen  und 
Früchte  geht  auch  Bock  noch  kurz  hinweg.  Bemerkenswerth  ist  jedoch 
noch,  dass  er  auch  schon  dem  Vorkommen  und  dem  speciellen  Fundorte 
Beachtung  schenkt  und  mit  der  alphabetischen  Aufzählung  der  Pflanzen 
nicht  einverstanden  ist,  sondern  sie  nach  ihrer  Verwandtschaft  zu  ordnen 
strebt.  Er  unterscheidet  auch,  z.  B.  gleich  bei  den  Nesseln,  zwischen 
einjährigen  und  mehrjährigen  Pflanzen. 

Wenn  auch  hier  noch  keine  botanische  Kunstsprache  in  Anwendung 
gekommen  ist,  so  deuten  die  Beschreibungen  doch  auf  eine  sehr  sorgfältige 
eigene  Naturbeobachtung  und  zeigen,  dass  sich  der  Autor  emporgearbeitet 
hat  über  den  blinden  Autoritätsglauben  seiner  Vorgänger,  sodass  er  sich 
nicht  scheut,  selbst  an  den  klassischen  Schriftstellern  Kritik  zu  üben. 
Doch  steht  sein  „New  Kreutterbuch“,  das  1539  zum  ersten  Male  heraus- 
gegeben, bis  1630  nicht  weniger  als  elfmal  gedruckt  und  einmal  für  die 
Ausländer  ins  Lateinische  übersetzt  wurde,  noch  immer  im  Dienste  der 
Medicin*).  Auf  die  Beschreibung  der  Pflanze  folgt  noch  immer  ein  langer 
Abschnitt  „von  der  Krafft  und  Würckung“  derselben.  Aber  es  tritt  schon 
das  Bestreben  hervor,  möglichst  alle  Pflanzen  aufzunehmen.  So  schreibt 
der  Autor  in  der  Vorrede:  „In  diesem  Buch  werden  die  Einfache  Erd- 
Gewächss,  Simplicia  genandt,  soviel  derselben  im  Teutschen  land  mir  zu 
handen  gestossen,  als  nemlich  Kräutter,  Stengel,  Wurtzel,  Blumen,  Samen, 


*)  Die  botanische  Bibliothek  besitzt  die  letzte  der  von  Melchior  Sebitz  ver- 
mehrten Ausgaben  vom  Jahre  1630. 


13 


Früclit,  Obs  zam  vnd  wild,  dessgleichen  alle  fruchtbare  vnd  vnfruchtbare 
Stauden,  Hecken  vnd  Bäume,  so  viel  nur  zu  bekommen  möglich,  auffs 
aller  fleissigst,  wie,  wo  vnd  wann  sie  wachsen,  sampt  jbren  gegründten 
namen  beschrieben  vnd  gehandelt.“ 

Die  Abbildungen,  welche  der  ersten  Ausgabe  noch  fehlen,  rühren 
von  einem  jungen  Zeichner  David  Kandel  her,  ,,derselbig  hat  alle  Kreutter, 
Stauden,  Hecken  unnd  Beum,  wie  ich  ihm  die  selben  fürgelegt,  aufs  aller 
Einfältigst,  schlechts,  und  doch  Warhafftigst,  nichts  darzu  noch  darvon 
gethan,  sonder  wie  ein  jedes  Gewächs  an  ihm  selber  war,  mit  der  Federn 
säuberlich  abgerissen“.  Da  der  Zeichner  noch  Anfänger  war,  so  erklärt 
sich,  dass  die  Abbildungen  nicht  jene  Meisterstücke  wie  bei  Brunfels  sind, 
aber  sie  sind  doch  wahr  und  lassen  die  Pflanze  sofort  erkennen.  Am 
wenigsten  gelungen  sind  die  Abbildungen  der  Bäume  im  dritten  Theile. 

Der  erste  Botaniker,  der  gute  Beschreibungen  mit  vorzüglichen  Ab- 
bildungen in  seinen  Werken  vereinigte,  war  Leonhard  Fuchs  (geh.  1501 
in  Wemdingen  in  Bayern,  f 1566  in  Tübingen).  Das  gilt  in  erster  Linie 
von  des  Verfassers  „New  Kreuterbuch“  1543,  also  von  der  deutschen  Aus- 
gabe. In  der  ersten  lateinischen  Ausgabe  sind  die  Beschreibungen  kürzer 
und  den  Alten  nachgebildet.  Fuchs  trug  durch  seine  kritischen  Unter- 
suchungen der  alten  Texte  und  Pflanzenbeschreibungen  und  den  Vergleich 
mit  den  aufgefundenen  deutschen  Pflanzen  viel  bei  zur  Bereicherung  der 
Pflanzenkenntniss.  Es  finden  sich  in  seinen  Werken  nicht  weniger  als 
500  Arten  beschrieben  und  abgebildet  In  dem  Erkennen  einer  deutschen 
Pflanze  nach  den  alten  Beschreibungen  ging  er  manchmal  zu  weit.  Seine 
Abbildungen  finden  sich  bei  vielen  seiner  Nachfolger  wieder. 

Auf  der  gleichen  Stufe  Avie  Fuchs  stehen  in  Bezug  auf  Pflanzen- 
beschreibung seine  beiden  Zeitgenossen  Valerius  Cordus  und  Carolus 
Clusius,  bei  einzelnen  Arten  übertreffen  sie  sogar  jenen. 

Nachdem  Brunfels,  Bock  und  Fuchs  die  Pflanzenkunde  aus  einer  öden 
Text-  zu  einer  wahren  Naturforschung  erhoben  hatten,  nachdem  ihre 
naturgetreuen  Abbildungen  und  guten  Beschreibungen  die  Möglichkeit 
geschaffen,  die  Pflanzen  in  der  Natur  wieder  zu  erkennen,  und  nachdem 
endlich  auch  die  Thatsache  zu  einer  unumstösslichen  geworden,  dass  sehr 
viele  einheimische  Pflanzen  den  Alten  nicht  bekannt  waren,  hob  ein  eifriges 
und  auch  erfolgreiches  botanisches  Forschen  an.  Durch  Rembertus 
Dodonäus  (geb.  1517  zu  Mecheln,  f 1585  in  Leyden)  wurden  die  nieder- 
ländischen Pflanzen,  durch  Valerius  Cordus  (geb.  1515  zu  Erfurt,  f 1544 
in  Rom)  besonders  diejenigen  des  mitteldeutschen  Berg-  und  Hügellandes, 
durch  Koiirad  Gesner  (geb.  1516  zu  Zürich,  f 1565  ebenda)  die  Alpen- 
pflanzen, durch  Pierandrea  Mattioli  (geb.  1500  zu  Siena,  f 1577  in  Trient) 
die  Italiens  und  Asiens,  durch  Matthias  Lobelius  (geb.  1538  zu  Ryssel  in 
Flandern,  f 1616  in  Löndon)  die  von  Frankreich  und  durch  Carolus 
Clusius  (geb.  1525  zu  Arras  damals  in  Flandern,  f 1609  in  Leyden)  endlich 
die  von  Spanien,  Portugal  und  von  Ungarn  bekannt,  beschrieben  und  ab- 
gebildet. Aber  auch  kleinere  Gebiete  untersuchte  man  auf  ihren  Pflanzen- 
bestand. Es  entstanden  in  dieser  Zeit  die  ersten  Localfloren,  so  z.  B. 
1577  vom  Harz  und  Thüringer  Wald  durch  Thal,  von  Altorf  1615  durch 
Ludwig  Jungermann,  von  Ingolstadt  1618  durch  Albert  Menzel,  von 
Giessen  1623  durch  L.  Jungermann,  von  Halle  1662  durch  Carl  Scheffer, 
von  Leipzig  1675  durch  Paul  Amman  etc.  Die  Bezeichnung  als  ,, Flora“ 
für  die  Aufzählung  des  Pflanzenbestandes  eines  grösseren  oder  kleineren 


14 


Gebietes  ist  jedoch  jünger,  sie  rührt  erst  von  Linne  her.  Von  Hunderten 
von  Pflanzen  stammen  aus  dieser  Zeit  die  ersten  Abbildungen.  Nicht 
weniger  als  1500  hatte  allein  Gesner  hersteilen  lassen,  die  er  für  eine 
von  ihm  beabsichtigte  Naturgeschichte  der  Pflanzen,  zu  welchem  Werk  er 
aber  nicht  kam,  sammelte. 

Die  Kenntniss  der  ausländischen  Pflanzen  wurde  durch  botanische 
Reisen  und  deren  Beschreibung  gefördert,  so  durch  Rheede’s  „Hortus  mala- 
baricus“  (1635 — 1691),  durch  Rumpfs  „Herbarium  amboinense“  (1637—1706) 
und  durch  E.  Kämpfer’s  Reisen  nach  Arabien,  Ceylon,  Java,  Japan  etc. 
in  den  Jahren  1683 — 1693.  Doch  mehr  als  Beschreibungen  und  Abbildungen 
sorgten  für  die  Ausbreitung  der  Kenntniss  der  ausländischen  Pflanzen  die 
wissenschaftlichen  botanischen  Gärten,  deren  erster  mit  der  Universität 
Padua  verbundener  nach  Meyer  bereits  im  Jahre  1545  entstand,  welchem 
sich  1547  der  zweite  in  Pisa  und  1568  der  zu  Bologna  anschloss,  den 
Aldrovandi  gründete,  der  aber  erst  unter  seinem  Nachfolger  Caesalpini 
weltberühmt  wurde.  Ihnen  folgten  allmählich  die  Universitäten  anderer 
Länder  nach,  so  Leyden  1577,  Heidelberg  1593  (?),  Montpellier  1593  etc. 
Mit  den  Universitätsgärten  wetteiferten  damals  allerdings  auch  einige 
Privatgärten,  ja  übertrafen  jene  sogar  durch  die  Reichhaltigkeit  ihrer  aus- 
ländischen Pflahzenculturen.  Ich  nenne  hier  nur  den  berühmten  Garten 
des  reichen  Leipziger  Rathsherren  Bose,  den  Hortus  Bosianus,  dessen  reiche 
Pflanzenschätze  uns  durch  die  Verzeichnisse  von  Amman  überliefert  worden 
sind.  Auch  das  benachbarte  Meissen  besass  schon  im  16.  Jahrhundert 
einen  reich  ausgestatteten  botanischen  Privatgarten,  dessen  Pflanzenregister 
von  Dr.  Schmidt  1895  veröffentlicht  worden  ist*). 

Hatte  man  bis  auf  Gesner,  der  uns  auch  ein  ausführliches  Verzeichniss 
der  Pflanzen  seines  Gartens  aus  dem  Jahre  1561  hinterlassen  hat,  in  den 
Gärten  nur  die  einheimischen  und  südeuropäischen  Nutz-  und  Schmuck- 
pflanzen gezogen,  so  erfolgten  nun  am  Ende  des  16.  und  Anfang  des 
17.  Jahrhunderts  bis  etwa  1620  reichliche  Einführungen  orientalischer 
Zwiebelgewächse  und  Ziersträucher**).  Zugleich  mit  ihnen  kamen  schon 
die  ersten  Amerikaner,  unter  ihnen  Sonnenrose  und  Tabakpflanze,  Garten- 
kresse, Agave  und  auch  die  Kartoffel,  welche  uns  Clusius  und  Bauhin 
zuerst  ausführlich  beschrieben  haben.  Später  folgten  dann  die  Kappflanzen, 
Sibirier  und  Ostasiaten,  Australier  und  Tropenpflanzen. 

Haben  wir  im  Vorhergehenden  gesehen,  wie  sich  die  Kenntniss  der 
Pflanzen  allmählich  über  einheimische  und  ausländische  Pflanzen  aus- 
breitete, so  wollen  wir  nun  verfolgen,  wie  sich  dieselbe  allmählich  ver- 
tiefte. Noch  stand  bei  den  deutschen  Vätern  der  wissenschaftlichen  Botanik 
die  Pflanzenkunde  im  Dienste  der  Medicin.  Grosse  Abschnitte  über  die 
Heilkräfte  und  lange  Krankheitslisten  waren  ihren  Pflanzenbeschreibungen 
angehängt  und  galten  als  die  Hauptsache.  Als  man  nun  immer  mehr 
Pflanzen  kennen  lernte,  von  deren  Heilkräften  weder  die  alten  noch  die 
neueren  Aerzte  etwas  zu  berichten  wussten,  und  auch  eigene  Beobachtungen 
keinerlei  medicinische  Heilkräfte  entdecken  konnten,  musste  man  vielfach 
den  ursprünglich  nie  fehlenden  Abschnitt  „von  den  Wirkungen“  weglassen. 
Denn  so  weit  war  man  schon  seit  Bock  gekommen,  dass  man  auch  die 


*)  Festschrift  d.  naturw.  Ges.  Isis  zu  Meissen  1895,  S.  129—148. 

**)  Näheres  siehe  in  G.  Kraus:  Der  botanische  Garten  der  Universität  Halle. 
2.  Heft:  Kurt  Sprengel  Leipzig  1894. 


15 


Kenntniss  solcher  Pflanzen  ohne  Heilkräfte  für  wichtig  und  der  Aufnahme 
in  den  Kräuterbüchern  für  werth  hielt.  Der  Erste,  welcher  auch  bei  den 
übrigen  Pflanzen  diesen  Anhang  consequent  wegliess  und  die  Botanik  so 
vollständig  von  dem  Ballast  der  Arzneilehre  befreite,  war  der  Baseler 
Professor  Caspar  Bauhin  (1560 — 1624).  Sein  ,, Theatrum  botanicum“,  das 
1620  erschien,  ist  die  erste  reine  Pflanzenkunde.  Die  botanische  Bibliothek 
besitzt  nur  die  zweite  Ausgabe  vom  Jahre  1671,  diese  besteht  aus  zwei 
Theilen,  dem  Pinax,  dem  ersten  grossen  Synonymenwerk,  in  welchem  mit 
ganz  colossalem  Fleiss  alle  von  früheren  Autoren  seit  Theophrast  für  jede 
Pflanze  gebrauchten  Namen  kritisch  zusammengestellt  sind,  und  dem  Pro- 
dromus,  welcher  die  Pflanzenbeschreibungen  mit  den  zugehörigen  Ab- 
bildungen enthält.  Die  Beschreibungen  treten  hier  in  Form  knapper, 
methodisch  aufgestellter  Diagnosen  auf,  in  denen  die  einzelnen  Theile 
immer  in  der  folgenden  bestimmten  Ordnung  beschrieben  werden:  erst  die 
Gestalt  der  Wurzel,  dann  Höhe  und  Form  des  Stengels,  Beschaffenheit  der 
Blätter  und  endlich  Angaben,  wenn  auch  nur  recht  spärliche,  über  die 
Blüthen,  Früchte  und  Samen.  So  findet  sich  z.  B.  auf  S.  40  des  Prodromus 
folgende  Beschreibung: 

Orchis  palmata  pratensis  angustifolia  major  (=  Gymnadenia  conopea) 
hat  kleine  Wurzeln,  gleichwie  Zwillingshände  mit  deutlichen  Fingern  und 
nur  wenigen  anhängenden  Fasern.  Die  Blätter  sind  lilienartig,  schmal, 
glatt  und  handhoch  und  umgeben  den  ellenhohen  hohlen  Stengel  unten 
wie  eine  Röhre.  Die  Aehre  ist  fast  handhoch  und  schmal  und  hat  blass 
purpurne  Blüthen  mit  kurzem  Sporn  und  unter  jeder  Blüthe  ein  längliches, 
zugespitztes  Blättchen  und  einen  länglichen  Fruchtknoten  (capitulum), 
welcher  Samen  enthält,  gleich  dem  der  anderen  Arten.  Die  Pflanze  findet 
sich  auf  nassen  Wiesen  bei  Michelfeld  im  Sommer. 

Damit  endet  die  Beschreibung,  ganz  wie  in  unseren  modernen  Floren 
auch.  Die  bei  den  Vorgängern  Bauhin’s  auf  die  Beschreibung  stets  folgenden 
Abschnitte  von  der  medicinischen  Wirkung  der  Art  fehlen  also  vollständig. 
Es  wird  mit  keinem  Worte  mehr  auf  den  Gebrauch  hingewiesen. 

Eine  botanische  Kunstsprache  und  Terminologie  der  einzelnen 
Pflanzentheile  suchte  schon  Fuchs  festzulegen.  Auf  den  ersten  vier  Seiten 
seiner  1542  erschienenen  Historia  stirpium  definirt  er  Begriffe,  wie  Inter- 
nodium, Racemus  und  andere.  Wesentlich  schärfer  fasst  diese  und  andere 
Begriffe  Dodonaeus.  Doch  erst  der  Lübecker  Philosoph  Joachim 
Jungius  (1587 — 1657)  schuf  in  der  Mitte  des  17.  Jahrhunderts  eine  ver- 
gleichende Terminologie  der  Pflanzentheile,  welche,  durch  den  englischen 
Botaniker  Ray  noch  bereichert,  später  auf  Finne  überging,  der  auf  dieser 
Grundlage  seine  logisch  klare,  heute  allgemein  gültige  Terminologie  der 
Pflanzentheile  aufbaute. 

Eine  wissenschaftlichere  nicht  nur  auf  den  äusseren  Habitus  wie  bis- 
her gegründete  Diagnose  konnte  natürlich  erst  anheben,  nachdem  man  die 
Bedeutung  der  Blüthe  und  die  sexuellen  Verhältnisse  erkannt  hatte. 
Das  dauerte  ziemlich  lange*). 

Die  deutschen  Väter  der  Botanik  unterschieden  zwar  männliche  und 
weibliche  Pflanzen,  aber  es  waren  nur  Tracht-  oder  Artverschiedenheiten, 
die  zu  dieser  Bezeichnung  führten,  ohne  dass  man  die  dazu  erforderlichen 


*)  Ich  folge  hier  den  ausführlichen  Darlegungen  von  Jul.  Sachs  in  seiner  Ge- 
schichte der  Botanik. 


16 


Theile  berücksichtigte.  Erst  Gesner  brachte  neben  seinen  Habitus -Ab- 
bildungen auch  vergrösserte  Blütben-  und  P'ruchtanalysen  zur  Darstellung, 
freilich  ohne  sieb  der  grossen  Bedeutung  dieser  Dinge  bewusst  zu  werden. 
Selbst  der  gelehrte  italienische  Botaniker  Caesalpini  (1519— -1603),  der  in 
seinem  1583  erschienenen  Buche  „De  plantis  lihri  XVI“  die  Blüthentheile 
in  den  Vordergrund  seiner  morphologischen  Betrachtungen  stellt,  weist 
die  Annahme  getrennter  Geschlechtsorgane  bei  den  Pflanzen  als  ihrer 
Natur  zuwider  ausdrücklich  als  Absurdität  zurück.  Die  Blüthentheile, 
auch  die  Staubgefässe  sind  ihm  nur  Hüllen  des  Fötus.  Und  obgleich  er 
sehr  wohl  wusste,  dass  bei  manchen  Pflanzen,  z.  B.  bei  der  Haselnuss, 
der  Kastanie,  dem  Ricinus  etc.  die  Blüthen  von  den  Fruchtanlagen  getrennt 
sind;  und  sogar  anführt,  dass  man  die  sterilen  Individuen  Männchen,  die 
fruchtbaren  Weibchen  nenne,  so  fasste  er  dieses  doch  nur  als  eine  populäre 
Bezeichnung  auf,  ohne  ein  Geschlechtsverhältniss  zuzulassen.  Die  Samen- 
bildung ist  ihm  von  der  Knospenbildung  nicht  wesentlich  verschieden, 
beide  sind  Ernährungsvorgänge,  die  erstere  ist  die  edlere  Art  der  Fort- 
pflanzung. 

Durch  philosophische  Deductionen  liess  sich  natürlich  die  Frage  nach 
der  Sexualität  der  Pflanzen  nicht  beantworten.  Hier  konnten  nur  Experi- 
mente entscheiden.  Solche  zielbewusst  angestellt  zu  haben,  ist  das  grosse 
Verdienst  des  Tübinger  Professors  der  Medicin  Rudolf  Jacob  Camerarius 
(1665 — 1721).  Er  war  der  Erste,  welcher  auf  Grund  einer  Beobachtung 
an  weiblichen  Maulbeerbäumen  und  durch  Versuche  am  Bingelkraut,  also 
einer  anderen  zweihäusigen  Pflanze  nachwies,  dass  ohne  die  Mitwirkung 
des  Blüthenstaubes  keine  keimfähigen  Samen  entstehen.  Das  war  im 
Jahre  1691.  In  seinem  1694  erschienenen  Hauptwerk  „De  sexu  plantarum 
epistola“,  in  welchem  er  auch  ganz  eingehend  und  klar  den  Blüthenbau 
darstellt,  berichtet  er  über  weitere  Versuche,  die  Entfernung  der  Antheren 
betreffend:  ,,Als  ich  von  dem  Ricinus  die  männlichen  Blüthen  (globulos), 
bevor  die  Antheren  sich  ausbreiteten,  wegnahm  und  das  Auftreten  jüngerer 
verhinderte,  während  ich  zugleich  die  vorhandenen  Fruchtstände  schonte, 
erhielt  ich  niemals  vollständigen  Samen,  sondern  ich  sah  leere  Blasen, 
Vielehe  endlich  erschöpft  und  vertrocknet  zu  Grunde  gingen.  Ebenso 
wurden  vom  Mais  die  bereits  herabhängenden  Narben  (coma)  geschickt 
abgeschnitten,  worauf  die  Kolben  völlig  ohne  Samen  blieben,  obgleich  die 
Zahl  der  tauben  Schalen  (vesicularum)  sehr  gross  war“.  Nachdem  er  dann 
weiter  erwähnt,  dass  auch  bei  allen  übrigen  Pflanzen  die  Mitwirkung  der 
Antheren  bei  der  Samenbildung  unbedingt  nöthig  sei,  spricht  er  die 
Forderung  aus,  dass  die  Staubgefässe  als  männliche  und  die  Fruchtknoten 
mit  den  Griffeln  als  weibliche  Geschlechtsorgane  zu  bezeichnen  seien.  Die 
Zwitterblüthen  sollten  sich  nach  seiner  Meinung  selbst  befruchten.  Die 
Versuche  von  Camerarius  wurden  später  öfter  wiederholt  und  auch  auf 
die  hermaphroditen  Blüthen  ausgedehnt.  Man  suchte  nicht  nur  die  Wirkung 
des  Pollens  auszuschliessen,  sondern  führte  auch  künstliche  Bestäubungen 
mit  Erfolg  aus,  sodass  die  von  verschiedenen  Forschern  des  18.  Jahr- 
hunderts noch  bezweifelte  Sexualität  allmählich  allgemeine  Anerkennung 
fand.  Am  meisten  haben  allerdings  die  ausgezeichneten  Untersuchungen 
und  Experimente  von  Koelreuter  (1733 — 1806)  zu  dieser  Anerkennung  bei- 
getragen. Er  war  es,  der  nicht  nur  die  verschiedenen  Blütheneinrichtungen 
in  ihrer  Beziehung  zum  Sexualverhältniss  ausserordentlich  eingehend 
studirte,  der  zuerst  die  Bedeutung  des  Nectars  und  die  Mithülfe  der  In- 


17 


secten  bei  der  Bestäubung  erkannte,  sondern  auch  zuerst  Bastarde  züchtete, 
um  nachzuweisen,  welchen  Antheil  das  männliche  und  weibliche  Princip 
bei  der  Bildung  der  neuen  Pflanze  nimmt.  Die  Befruchtung  stellte  er  sich 
vor  als  eine  Verbindung  der  männlichen  mit  der  weiblichen  Feuchtigkeit 
auf  der  Narbe,  wie  sich  eine  saure  mit  einer  alkalischen  Pdüssigkeit  zu 
einem  Salze  verbindet.  Den  Pollenschlauch  kannte  er  also  noch  nicht. 
Sein  Buch  „Vorläuflge  Nachricht  von  einigen  das  Geschlecht  der  Pflanzen 
betreffenden  Versuchen  und  Beobachtungen“,  welches  1761 — 1766  erschien, 
ist  auch  heute  noch  nicht  veraltet.  Es  ist  jetzt  durch  die  Neubearbeitung 
in  den  OstwakPschen  Klassikerausgaben  wie  auch  das  Werk  von  Camerarius 
allgemein  zugänglich.  Die  Ergebnisse  von  Koelreuter  wurden  später  von 
Sprengel  in  Bezug  auf  die  Insectenbefruchtung  und  durch  Gärtner  be- 
züglich der  Samen-  und  Fruchtbildung  weiter  ergänzt  und  bilden  auch 
heutigen  Tages  noch  für  eine  ganze  Reihe  von  Forschern  das  ausschliess- 
liche Forschungsgebiet. 

Nachdem  man  einmal  die  Bedeutung  der  Blüthentheile  richtig  erkannt 
hatte,  schenkte  man  natürlich  in  den  Beschreibuugen  der  Pflanzen  diesen 
Verhältnissen  mehr  Aufmerksamkeit  und  fand  schliesslich  in  ihnen  das 
Mittel,  um  die  Unsumme  von  Pflanzen,  die  man  seit  Bruiifels  und  Bock 
allmählich  kennen  gelernt  hatte,  übersichtlich  zu  gruppiren. 

In  den  Heilmittellehren  des  Mittelalters  werden  die  Pflanzen  einfach 
nach  dem  Alphabet,  in  den  späteren  Kräuterbüchern  meist  nach  den  aus 
dem  Alterthum  herübergenommenen  Hauptgruppen:  Bäumen,  Sträuchern, 
Halbsträuchern  und  Kräutern,  oder  auch  nach  den  medicinischen  Wirkungen 
und  ihrem  Gebrauch  aufgezählt.  Und  diese  letztere  Gruppirung  wird  auch 
in  der  Hauptsache  beibehalten,  so  lange  die  Botanik  im  Dienste  der 
Medicin  steht,  also  bis  auf  Bau  hin,  obgleich  den  eifrig  beobachtenden 
Vätern  der  Botanik  gewisse  natürliche  Gruppen  schon  durch  die  Aehnlichkeit 
ihrer  Tracht  aufgefallen  waren.  Aus  der  Aehnlichkeit  schloss  man  wieder 
auf  gleiche  medicinische  Wirkungen.  Daher  stehen  z.  B.  in  dem  Kräuter- 
buche von  Bock  eine  grosse  Anzahl  von  Orchideen,  Zwiebelgewächsen, 
Gräsern  und  Leguminosen  auch  hübsch  beisammen,  ohne  dass  sich  der 
Autor  der  Ursache  dieser  Verwandtschaft  eigentlich  bewusst  wird.  Ich 
will  das  Eintheilungsprincip  Bock’s  mit  seinen  eigenen  weitschweifigen 
Worten  aus  der  Vorrede  zu  seinem  Kräuterbuche  hier  anführen:  ,,Im 
Ersten  Buch  werden  fürnemlich  alle  gemeine  wilde  vnd  zame  Kräutter 
vnd  Wurtzel,  auch  viel  vnd  mancherley  Blumen  geschlecht,  darzu  die 
Garten  Kräutter,  wolriechende  Specerey,  so  zur  Küchen  vnd  Artzney 
dienstlich,  beschrieben,  alles  vnderschiedlich  gehandlet.  Im  Andern  Buch 
hab  ich  mit  den  Kleekräuttern,  sampt  ihrer  Grassverwandten,  zu  schaffen. 
Vnd  als  dann  die  Kuchensamen,  Legumina  genandt,  darnach  die  Acker- 
frücht, als  Weissen,  Speltz,  Korn,  Habern,  sampt  jhren  Viciis  oder  Vn- 
kräuttern,  sie  wachsen  gleich  in  Aeckern,  Wiesen,  Lachen  oder  Sümpffen, 
als  Schwertel,  Ried,  Seeblumen,  Schaffthew,  und  dergleichen,  an  die  handt 
genommen.  Auff  solches  seind  zu  vns  kommen  die  Kochkräutter,  das 
Gemüss,  vil  Rüben  geschlecht,  allerhand  zame  vnd  wilde  Zwibel,  darnach 
die  Kriechende,  Flechtende  Gewächss,  alles  was  sich  im  wachsen  hefi’tet 
vnd  anbindet.  Nach  denselben  allen,  stachelechte  dornechte  Ding,  als 
Kletten,  Distlen,  vnd  weitter  etliche  gekrönte  Blumen  Gewächss,  so  im 
Ersten  Buch  versäumet,  als  den  Attich,  den  Ammi,  sampt  vilen  andern, 
so  newlich  als  Gäst  in  Teutschland  ankommen,  für  mich  genommen.  Im 


18 


Dritten  Buch  werden  vast  alle  Teutsche  Stauden,  Hecken,  Dorn,  fruchtbare 
vnd  vnfruchtbare  Bäum,  auch  das  zame  vnd  wilde  Obs,  so  viel  mir  zu  sehen 
hat  mögen  zu  theil  werden,  ordentlich  beschrieben.  Vnd  hab  in  gedachten 
Büchern  gemeinlich  diesen  Process  vnd  Ordnung  gehalten:  Nemlich  das  ich 
alle  Gewächss,  so  einander  verwandt  vnd  zu  gethon,  oder  sonst  einander  etwas 
ähnlich  sein  vnd  vergleichen,  zusamen,  doch  vnderschiedlich  gesetzt.  Vnd  den 
vorigen  alten  Brauch  oder  Ordnung  mit  dem  ABC  wie  das  in  den  alten 
Kräutterbüchern  zu  ersehen,  hindann  gestellt.  Dann  die  Gewächss  nach  dem 
ABC  in  Schriften  zu  handlen,  gar  ein  grosse  vngleichheit  vnd  irrung  gebären.“ 

Trotz  dieser  ausdrücklichen  Missbilligung  der  alphabetischen  Anordnung 
ist  doch  Bock  verschiedentlich  gezwungen,  seinen  Principien  untreu  zu 
werden  und  die  Pflanzen  alphabetisch  aufzuzählen. 

Aehnliche  Hauptgruppen  finden  wir  auch  in  der  Rariorum  plantarum 
historia  des  Clusius,  welche  1576  erschien.  Hier  handelt  das  1.  Buch  von 
den  Bäumen,  Sträuchern  und  Halbsträuchern,  das  2.  Buch  von  den  Zwiebel- 
pflanzen, das  3.  Buch  von  den  wohlriechenden  Blumen,  das  4.  Buch  von 
den  nichtriechenden,  das  5.  Buch  von  den  giftigen,  narkotischen  und  scharfen 
Pflanzen,  das  6.  Buch  von  milchsaftgebenden,  den  ümbelliferen,  Farnen, 
Gräsern,  Leguminosen  und  einigen  Kryptogamen. 

Weitere  Zusammenfassungen  von  Pflanzen  innerhalb  der  grösseren 
Gruppen  gehen  bei  Bock  und  seinen  Zeitgenossen  aus  dem  Bestreben  nach 
möglichst  genauer  Einzelbeschreibung  hervor.  Wollte  man  das,  so  musste 
man  die  Pflanzen  mit  einander  vergleichen.  Bei  diesen  kritischen  Be- 
trachtungen traten  dann  ganz  von  selbst  die  ähnlichen  und  unterscheidenden 
Merkmale  mehr  oder  weniger  deutlich  hervor.  Und  ganz  unwillkürlich, 
nur  von  dem  instinctiven  Gefühl  für  natürliche  Verwandtschaft  geleitet, 
fasste  man  ähnliche  Formen  zusammen  und  bezeichnete  sie  mit  demselben 
Namen.  Unter  Wegerich,  Winde  oder  Wolfsmilch  versteht  z.  B.  Bock  nicht 
eine  einzige  Art,  sondern  mehrere,  die  er  dann  durch  Beinamen,  wie  der 
grosse,  der  mittlere  und  der  spitzige  Wegerich  unterscheidet.  Er  erwähnt 
dabei  ausdrücklich,  dass  Dioscorides  den  mittleren  Wegerich  nicht  von 
dem  grossen  unterschieden  habe.  Und  so  krystallisiren  allmählich  die 
Begriffe  von  Gattung  und  Species  a,us.  Einmal  sind  die  Gattungen  das 
primäre  und  ihre  Sonderung  in  Arten  secundär,  ein  andermal  entstanden 
erst  durch  die  Zusammenfassung  der  letzteren  die  ersten.  Bei  Caspar 
Bauhin  ist  die  Unterscheidung  von  Gattung  und  Species  allgemein  und 
streng  durchgeführt.  Auch  versieht  er  viele  Pflanzen  bereits  mit  einem 
Gattungs-  und  nur  einem  Artnamen.  Oft  ist  er  allerdings  gezwungen, 
dem  letzteren  einen  zweiten,  dritten  und  sogar  vierten  Namen  hinzuzufügen. 
So  kehren  Namen,  wie  der  schon  oben  erwähnte,  Orchis  palmata  pratensis 
angustifolia  major  für  Gymnadenia  conopea  viel  wieder,  z.  B.  Juncus 
alpinus  capitulo  lanuginoso  für  Eriophorum  vaginatum  oder  Juncus  acumine 
reflexo  trifidus  für  Juncus  trifidus  etc.  Daneben  finden  sich  aber  auch 
Namen  wie  Nympliaea  alha  und  N.  lutea^  Plantago  angustifolia^  Fraxinus 
excelsior  etc.  Man  ersieht  aus  diesen  Beispielen’  dass  Finne  auch  für 
seine  binäre  Nomenclatur,  als  deren  eigentlicher  Begründer  er  mit  Recht 
genannt  wird,  bei  seinen  Vorgängern  — neben  Bauhin  ist  da  auch  noch 
Rivinus  zu  nennen  — schon  Vorbilder  fand,  wie  er  ja,  wie  wir  sahen,  in 
Jungius,  einen  Vorläufer  für  die  Benennung  der  Pflanzentheile  hatte,  den 
er  auch  benutzte.  Es  sei  noch  erwähnt,  dass  Bauhin  nur  die  Arten,  nicht 
die  Gattungen  mit  Diagnosen  versah. 


19 


Gleichzeitig  wurden  auch  schon  die  Gattungen  zu  den  nächst  grösseren 
Gruppen,  die  wir  jetzt  Familien  nennen,  zusammengestellt  und  oft  mit 
den  noch  heute  gültigen  Namen  belegt,  wie  schon  die  oben  erwähnten 
Gruppen  des  Clusius,  ümbelliferen,  Leguminosen,  Farne  etc.  zeigen.  Man 
liess  sich  hierbei  ausschliesslich  durch  die  habituelle  Aehnlichkeit,  durch 
das  Gefühl  für  die  natürliche  Verwandtschaft  leiten  und  berücksichtigte 
die  wichtigen  Blüthentheile  gar  nicht.  Trotzdem  haben  namentlich  Lobelius 
und  Bauhin  in  ihren  Werken  schon  zahlreiche  recht  natürliche,  auch  heute 
noch  gültige  Gruppen  zusammengebracht.  Lobelius  sucht  hierbei  in  seinem 
Stirpium  adversaria  nova  1570  den  Grundsatz  zu  befolgen,  von  den  ein- 
facheren zu  den  höher  entwickelten  Pflanzen  fortzuschreiten.  Während 
sein  Landsmann  Clusius  den  umgekehrten  Weg  einschlägt  und  die  höher 
entwickelten  Pflanzen  voranstellt,  beginnt  er  mit  den  Gräsern  und  schliesst 
ganz  richtig  diesen  die  meisten  Monocotylen  an,  ohne  die  letzteren  jedoch 
vollständig  von  den  Dicotylen  abzugrenzen.  (Das  ist  erst  später,  von  Ray, 
durchgeführt  worden.)  Auf  die  Gräser  folgen  dann  die  meisten  Cruciferen. 
Auch  viele  Compositen,  Labiaten,  Ümbelliferen  und  Papilionaceen  stehen  ganz 
richtig  beisammen,  doch  werden  die  Gruppen  nicht  durch  besondere  Namen 
bezeichnet  und  auch  nicht  beschrieben.  Andere  natürliche  Familien  sind  in 
ihren  Gliedern  noch  arg  zerrissen,  Bemerkenswerth  sind  übrigens  noch 
seine  von  Meyer  als  erste  Keime  der  späteren  Pflanzengeographie  citirten 
Worte  über  die  Verbreitung  der  Arten.  Lobelius  schreibt  nämlich:  ,, Manche 
Pflanzen  kommen  sowohl  auf  den  Bergen  wie  auch  in  den  Thälern  vor, 
so  Eryngium,  Calamintha,  Polium  und  viele  andere,  einige  aber,  die  auf 
den  Berggipfeln  der  warmen  Regionen  wachsen,  kehren  erst  in  den 
Niederungen  und  Wäldern  der  nördlichen  Regionen  wieder.“ 

Viele  von  den  durch  Lobelius  aus  ihrer  natürlichen  Verwandtschaft 
herausgerissenen  Arten  finden  dann  50  Jahre  später  1620  in  dem  Theatrum 
botanicum  des  Caspar  Bauhin  ihre  richtige  Stellung.  Freilich  bleiben 
auch  bei  ihm  immer  noch  eine  grosse  Anzahl  von  Arten  übrig,  deren  Unter- 
bringung in  den  verschiedenen  Gruppen  uns  heutigen  Tages  sehr  fremd- 
artig anmuthet.  Aber  man  möge  nur  bedenken,  dass  Bauhinus  nicht 
weniger  als  6000  Arten  aufzählt,  die  nach  ihren  Verwandtschafts  Verhält- 
nissen zu  ordnen,  auch  keine  Kleinigkeit  ist.  Die  Schachtelhalme  sind 
z.  B.  bei  den  Gräsern,  und  die  übrigen  Gefässkryptogamen  zwischen  Papilio- 
naceen und  Disteln  untergebracht.  Doch  das  darf  uns  nicht  weiter  Wunder 
nehmen,  die  Unterschiede  zwischen  Phanerogamen  und  Kryptogamen 
wurden  erst  im  19.  Jahrhundert  vollständig  klar  gelegt.  Die  Unter- 
suchungen über  die  letzteren  gehören  fast  ausschliesslich  der  zweiten 
Hälfte  des  18.  und  dem  19.  Jahrhundert  an.  In  Bauhin  erreicht  die  natür- 
liche Gruppirung  nach  der  äusseren  Tracht,  wohlbemerkt  ohne  Berück- 
sichtigung der  Blüthentheile,  ihre  grösstmögliche  Vollendung.  Und  da 
Bauhin  diese  Gruppen  auch  in  seinem  grossen,  viel  benutzten  Synonymen- 
werk,  dem  Pinax,  beibehielt,  so  fand  seine  Pflanzen- Anordnung  in  damaliger 
Zeit  weite  Verbreitung  und  Anwendung.  Sie  wurde  erst  verdrängt  durch 
das  Linne’sche  System. 

Auch  das  Linne’sche  Pflanzensystem  steht,  wie  seine  binäre  Nomen- 
clatur,  nicht  ohne  Vorläufer  da.  Der  erste,  welcher  schon  1583  ein  künst- 
liches System  schuf,  war  der  Italiener  Caesalpini  (1519 — 1603)  in  seinen 
„de  plantis  libri  XVI“.  Caesalpini  war  ein  in  aristotelischer  Philosophie 
geschulter  Denker,  der  bestrebt  war,  in  das  Chaos  von  Einzelbeschreibungen, 


20 


das  sich  im  16.  Jahrhundert  angehäuft  hatte,  Ordnung  zu  bringen.  Während 
nun  aber  Clusius,  Lobelius  und  Bauhinus  bei  ihrer  Oruppenbildung  sich 
durch  das  Gefühl  leiten  Hessen  und  die  Pflanzen  nach  Aelmlichkeiten  im 
Habitus  zusammenfassten,  sodass  sie  wenigstens  Bruchstücke  eines  natür- 
lichen Systemes  lieferten,  suchte  Caesalpini  philosophisch  nach  a priori 
aufgestellten  Merkmalen  die  Verwandtschaft  zu  bestimmen  und  danach 
Gruppen  zu  bilden.  Die  aristotelischen  Ansichten  über  das  Wesen  der 
Pflanze  mussten  ihn  auf  die  Samen  und  Früchte  führen.  Nach  ihrer 
Beschaffenheit  und  der  Art  des  Keimens  glaubte  er  die  natürlichen  Ver- 
wandtschaftsbeziehungen der  Pflanzen  festlegen  zu  können.  Auf  sie  legte 
er  deshalb  bei  seinem  System  den  grössten  Nachdruck.  Und  daher  darf 
es  uns  nicht  Wunder  nehmen,  dass  er  oft  recht  unnatürliche  Gruppen 
schuf.  Sein  System  hat  15  einzelne  mit  Diagnosen  versehene  Classen, 
von  denen  die  beiden  ersten  die  Bäume  und  Sträucher,  die  übrigen,  „die 
Herbaceae“  die  Stauden,  Kräuter  und  Kryptogamen  enthalten.  Die  letzteren 
bilden  allerdings  mit  den  thierischen  Korallen  zusammen  die  15.  Classe. 
Die  3.  Classe  umfasst  alle  Pflanzen  mit  nur  je  einem  Samen  in  den 
Früchten.  Und  daher  stehen  zusammen  die  Gräser,  Cyperus^  Urtica^ 
Daphne  und  Valeriana.  Die  4.  Classe  enthält  die  Pflanzen  mit  mehreren 
Samen  in  einer  Frucht,  also  z.  B.  die  Cucurbitaceen,  Solaneen,  Asparagus^ 
Ruscus  und  Arum.  Einigermassen  natürlich  sind  nur  die  Classen  6 mit 
den  Umhelliferen,  10  mit  Borragineen  und  Labiaten  und  15  mit  den  Krypto- 
gamen. Dagegen  ist  die  von  Bauhin  fast  vollständig  durchgeführte  Trennung 
der  Mono-  und  Dicotylen  wieder  völlig  verwischt. 

Nach  Caesalpini  wurde  die  Systematik  besonders  durch  Morison,  Bay, 
Bivinus  und  Tournefort  gefördert.  Aber  erst  nachdem  Camerarius  und 
Koelreuter  die  Sexualität  festgestellt  hatten,  konnte  Linne  sein  auf  die 
Fructificationsorgane  gegründetes,  durch  seine  Einfachheit  und  Klarheit 
ausgezeichnetes  System  schaffen,  das  in  Verbindung  mit  der  consequent 
durchgeführten  binären  Nomenclatur  auf  lange  Zeit  hinaus  das  Bedürfniss 
der  Botaniker  befriedigte.  Aber  Linne  war  sich  sehr  wohl  bewusst,  dass 
sein  System  nur  ein  künstliches  sei,  dass  aber  die  Schaffung  eines  natür- 
lichen Systems  das  Ziel  der  Botaniker  sein  müsste,  welches  zu  erreichen 
zu  seiner  Zeit  ihm  noch  unmöglich  dünkte.  Und  die  Botaniker  des  19.  Jahr- 
hunderts traten  an  diese  Aufgabe  heran,  es  entstanden  seit  dem  natürlichen 
System  von  Jussieu  1789  eine  grosse  Anzahl  solcher,  auf  die  näher  ein- 
zugehen hier  nicht  der  Ort  ist. 

Ebensowenig  kann  ich  mich  verbreiten  über  die  neueren  Ziele,  welche 
der  Floristik  durch  die  Pflanzengeographie,  die  Biologie  und  die  Descen- 
denzlehre  gesteckt  worden  sind. 

Während  unsere  bisherigen  Betrachtungen  uns  zeigten,  wie  die  Kunst 
der  Pflanzenbeschreibung  von  den  deutschen  Vätern  der  Botanik  an  sich 
allmählich  aber  stetig  mehr  und  mehr  vervollkommnet,  methodischer  wird 
und  zu  systematischen  Eintheilungen  führt,  ohne  dass  man  immer  im 
Stande  ist,  einzelne  Etappen  in  dem  Entwickelungsgange  zu  bezeichnen, 
sehen  wir  bei  der  bildlichen  Darstellung  der  Pflanzen  eine  auffallende 
Anomalie.  Zunächst  tritt  nach  Brunfels  und  Fuchs  noch  eine  weitere 
Steigerung  des  wissenschaftlichen  und  künstlerischen  Werthes  der  ange- 
wandten Holzschnitte  deutlich  hervor  in  den  Werken  von  Gesner, 
Dodonaeus  und  Clusius.  Und  in  den  Schriften  des  jüngeren  Camerarius 
endlich  erreichte  die  Kunst  des  Pflanzenholzschnittes  eine  Höhe,  die  sie 


21 


weder  vorher  noch  nachher,  abgesehen  von  der  Neuzeit,  wieder  erlangte. 
Diese  Holzschnitte,  „die  schönsten,  welche  je  ans  Licht  getreten“  (Trevi- 
ranus), finden  sich  schon  in  des  Camerarius  Bearbeitung  und  Neuheraus- 
gahe  der  Kräuterbücher  des  Mattioli,  besonders  aber  in  seinem  eigenen 
Werke,  dem  „Hortus  medicus  et  philosophicus“,  den  er  zusammen  mit 
Thal’s  .,,Sylva  hercynica“  1588  herausgab.  Da  Camerarius  den  Gesner’schen 
Nachlass  käuflich  erwarb,  so  sind  möglicherweise  verschiedene  der  hier 
wiedergegebenen  Abbildungen  auf  jenen  zurückzuführen.  Das  lässt  sich 
nicht  mehr  feststellen,  da  Gesner  über  das  Sammeln  von  Holzschnitten 
für  eine  Naturgeschichte  der  Pflanzen,  die  er  herauszugeben  beabsichtigte, 
nicht  hinausgekommen  war.  Jedenfalls  sank  die  Holzschneidekunst  von 
der  in  den  Werken  des  Camerarius  erreichten  Höhe  rasch  herab,  je  weiter 
man  sich  von  dem  Zeitalter  Dürer’s  entfernte.  Das  zeigen  schon  die 
Werke  ßauhin’s  und  noch  mehr  die  weniger  bedeutungsvollen  späteren 
Schriften  des  17.  Jahrhunderts  über  aussereuropäische  Pflanzen.  Selbst 
die  in  dieser  Zeit  erschienenen  Neuauflagen  der  älteren  Kräuterbücher, 
oder  die  ihnen  entnommenen  Copien  verrathen  deutlich  den  Verfall.  In 
ausserdeutschen  Ländern  ist  von  dieser  Entwickelungsanomalie  nichts  zu 
bemerken,  weil  eben  nirgends,  selbst  in  Italien  nicht,  dieser  Kunstzweig 
jene  grosse  Vollkommenheit  wie  in  Deutschland  und  den  Niederlanden 
erreichte.  Im  18.  Jahrhundert  wird  schliesslich  der  Holzschnitt  ganz  ver- 
drängt durch  den  Kupferstich. 

Es  würde  hier  zu  weit  führen,  auf  die  Ursachen  dieser  Verdrängung 
näher  einzugehen.  Jedenfalls  ist  der  Kupferstich  für  Prachtwerke  geeigneter 
als  der  frühere,  nur  Umrisse  gebende  Holzschnitt,  wie  der  aus  dem  Jahre 
1613  stammende  berühmte ,, Hortus  Eystettensis“  beweist.  Dieses  Prachtwerk 
stellt  die  reichen  Pflanzenschätze  des  fürstbischöflichen  Gartens  zu  Eichstädt 
auf  etwa  360  grossen  Kupfertafeln  dar.  Der  Text  rührt  wahrscheinlich  von 
Ludwig  Jungermann  her.  Ebenso  zeigen  die  botanischen  Prachtwerke 
von  Trew  aus  dem  18.  Jahrhundert  die  Ueberlegenheit  des  Kupferstiches. 

Mit  dem  Verfall  des  Holzschnittes  hängt  es  wohl  auch  zusammen, 
dass  im  18.  Jahrhundert  eine  andere  Art  der  Darstellung  von  Pflanzen- 
ibbildungen  aufkam,  nämlich  der  Naturselbstdruck.  Bei  diesem  Verfahren 
schwärzte  man  anfänglich  die  zur  Abbildung  bestimmten  Pflanzen  mit 
dem  Rauche  einer  Oellampe  oder  Kerze,  legte  sie  dann  zwischen  weiches 
Papier  und  überfuhr  sie  so  lange  mit  dem  Falzbein,  bis  sich  der  Russ 
dem  Papier  mitgetheilt  hatte.  Später  nahm  man  Buchdruckerschwärze 
oder  eine  mit  zähem  Firniss  versetzte  Oelfarbe.  Den  Abdrücken  half  man 
durch  Zeichnungen  nach  oder  malte  sie  mit  Farben  aus.  Von  letzteren 
hat  in  den  Jahren  1763  und  1764  der  Erfurter  Professor  Kniphof  nicht 
weniger  als  6 dicke  Eoliobände,  1200  bunte  Tafeln  enthaltend,  geliefert, 
während  Hoppe  von  1787 — 91  8 Centurien  nicht  ausgemalter  Abdrücke 
von  Pflanzen  der  Regensburger  Umgebung  herstellte.  Die  beiden  in  der 
botanischen  Bibliothek  vorhandenen  Werke  zeigen,  was  das  Verfahren  zu 
leisten  im  Stande  war.  Später,  d.  h.  in  den  fünfziger  Jahren  des  19.  Jahr- 
hunderts führte  Auer  in  Wien  ein  galvanoplastisches  Verfahren  für  den 
Naturselbstdruck  ein,  das  Besseres  namentlich  für  Blattabdrücke  mit  ihren 
Nervaturen  leistete,  wie  die  nach  diesem  Verfahren  hergestellten  Ab- 
bildungen in  den  Werken  von  C.  v.  Ettingshausen  zeigen. 

Am  Ende  des  18.  Jahrhunderts  feiert  dann  die  Kunst  des  Holzschnittes 
ihre  Wiederauferstehung  in  England  durch  Thomas  Bewick,  der  sich  auch 

* 


22 


in  der  Darstellung  der  Pflanzenwelt  versuclit.  Und  nun  wird  ihr  auf- 
steigender Entwickelungsgang  bis  zur  Gegenwart  nicht  mehr  unterbrochen. 
Doch  muss  erwähnt  werden,  dass  z.  B.  die  berühmten  reich  mit  Holz- 
schnitten ausgestatteten  Werke  des  Engländers  London,  die  in  den 
dreissiger  Jahren  des  19,  Jahrhunderts  erschienen,  immer  noch  nicht  in 
ihrem  Bilderschmuck  die  Darstellungen  der  Meister  des  16.  Jahrhunderts 
erreichten. 

Noch  verdient  am  Schlüsse  meiner  allgemeinen  Betrachtung  ein  wichtiges 
Hülfsmittel  der  Floristik  Erwähnung,  das  wie  die  Abbildungen  und  die 
botanischen  Gärten  nicht  nur  die  Pflanzenkenntniss,  sondern  auch  die 
Systemkunde  ausserordentlich  förderte.  Ich  meine  die  Herbarien,  d.  h. 
nicht  in  der  Bedeutung  der  alten  Väter  der  Botanik,  welche  unter  dem 
Namen  Herbarius  entweder  den  Botaniker  selbst  oder  ein  mit  Abbildungen 
versehenes  Kräuterbuch  verstanden  (daher  auch  die  Bezeichnung  Herbarius 
Moguntinus),  sondern  in  dem  heutigen  Sinne.  Wann  für  diese  Samm- 
lungen getrockneter  Pflanzen  die  Bezeichnung  ,, Herbarien“  aufkam,  wissen 
wir  nicht.  In  der  1606  erschienenen  ersten  Anweisung  zur  Einrichtung 
solcher  von  Adrian  Spigel  werden  sie  noch  ,, Wintergärten  oder  hortos 
hiemales“  genannt.  Um  eine  Verwechselung  mit  den  Kräuterbüchern  zu 
vermeiden,  wandte  man  auch  die  Bezeichnung  „Herbarium  vivum“  an, 
auch  „Hortus  vivus“  oder  „Hortus  siccus“  finden  sich.  Als  den  Erfinder 
der  Herbarien  sieht  Meyer  in  seiner  Geschichte  der  Botanik  den  Italiener 
Luca  Ghini  an,  der  in  der  Mitte  des  16.  Jahrhunderts  an  den  Universitäten 
von  Bologna  und  Pisa  als  ,,Lector  Simplicium“  wirkte,  obgleich  er  dafür  kein 
anderes  Zeugniss  beibringen  kann,  als  dass  dessen  Schüler,  wie  Aldrovandi, 
Caesalpini  und  der  Engländer  Falconer  sämmtlich  nachweislich  Herbarien 
besassen  und  dass  Ghini  auch  getrocknete  Pflanzen  an  Mattioli  schickte. 
Diese  Angaben  Meyer’s  über  den  Erfinder  der  Herbarien  werden  neuerdings 
von  Flatt*)  auf  Grund  der  in  dem  alten  sehr  seltenen  Werk  von  Turner 
gegebenen  Berichte  bestritten  und  als  wahrscheinlicher  Erfinder  der  Eng* 
länder  Falconer  bezeichnet. 

Die  ältesten  noch  heute  existirenden  Herbarien  sind  die  folgenden: 
das  von  Aldrovandi  in  Bologna,  Girault  in  Paris,  Caesalpini  in  Florenz, 
Hernandez  im  spanischen  Kloster  Escurial,  Rauwolff  in  Leyden,  Harder 
in  Ulm,  Ratzenberger  in  Cassel,  Caspar  Bauhin  in  Basel  und  von 
Burs  er  in  Upsala**). 

Während  Caesalpini  sein  Herbarium  bereits  1563  für  den  Bischof 
Alfonso  di  Tornabuoni  anfertigte,  entstand  das  älteste  deutsche  Herbarium, 
nämlich  das  von  Ratzenberger  im  Jahre  1592,  wie  Kessler  bereits  1870  fest- 
stellen konnte.  Doch  müssen  am  Ende  des  17.  Jahrhunderts  die  Herbarien 
immer  noch  sehr  selten  gewesen  sein,  da  sie  damals,  wie  berichtet  wird, 
als  werthvolle  Geschenke  an  Prinzen  und  hohe  Herren  überreicht  werden. 


*)  Flatt,  A.:  Zur  Geschichte  der  Herhare.  — Ungar,  botan.  Blätter  Nr.  2/3,  1902. 

**)  Näheres  in  Matouschek,  Fr.:  üeber  alte  Herbarien,  insbesondere  über  die 
ältesten  in  Oesterreich  angelegten.  — Ver.  f.  Naturk.  in  Reichenberg  XXXII,  1901, 
S.  1 — 23. 


f 


II.  Analyse  der  Kalke  Ton  Tharandt  und  Braunsdorf. 

Von  Forstassessor  Dr.  F.  Mammen  in  Tharandt. 


Anfang  dieses  Jahres  hat  die  Beschaffenheit  der  sächsischen  Kalke 
das  öffentliche  Interesse  auf  sich  gezogen.  Da  nun  die  Zusammensetzung 
der  Kalke  selbst  für  denselben  Gewinnungsort  keineswegs  constant  ist, 
sondern  mitunter  sogar  beträchtliche  Schwankungen  zeigt,  so  erschien  es 
nicht  unangemessen,  die  quantitative  Zusammensetzung  des  zur  Zeit  in 
den  beiden  uns  benachbarten  Kalkwerken  Tharandt*)  und  Braunsdorf**) 
zum  Gebranntwerden  gelangenden  Kalkes  festzustellen. 

Zu  diesem  Zweck  wurden  in  beiden  Werken 'von  dem  zum  Brennen 
bez.  Verkaufe  aufgestapelten  Wintervorrathe  je  25  Stückchen  an  ver- 
schiedenen, über  den  gesammten  Vorrath  vertheilten  Stellen  entnommen. 
Die  Untersuchung  wurde  vom  Verfasser  im  mineralogischen  Institut  der 
Königl.  Forstakademie  (Professor  Dr.  Vater)  vorgenommen.  Aus  den 
Einzelproben  wurde  für  jedes  Kalkwerk  sorgfältig  eine  Durchschnittsprobe 
hergestellt.  Die  Analysen  ergaben: 


Tharandt 

Braunsdorf 

Ca  CO„  

88,18  7o 

65,16  7o 

Mg  CO3  

0,94  „ 

2,05  „ 

32,67  „ 

Fe  CO3 

0,87  „ 

Fe^Oj,  AljOg  .... 

1,35  „ 

3,19  ,, 

Unlösliches  . . . . . 

7,34  „ 
99,86  7„ 

7,97  „ 
99,69  7o 

Hieraus  erhellt,  dass  das  zur  Zeit  in  Tharandt  gebrochene  Material 
ein  fast  reiner  Kalk,  dagegen  die  Braunsdorfer  Sorte  ein  Dolomit  ist. 
Es  hat  sich  daher  die  Beschaffenheit  der  Kalke  beider  Werke  seit  den 
früheren  Untersuchungen***)  nicht  wesentlich  verändert. 


*)  Erläuterungen  zur  geologisclien  Specialkarte  des  Königreichs  Sachsen,  Section  81, 

S.  19. 

**)  Ebendaselbst,  Section  65,  S.  9.  ^ > 

*♦*)  Vergi.  über  diese  z.  B.  Herrmann:  Steinbruchindustrie  und  Steinbruch- 
geologie, 1899,  S.  285.  Eine  von  Herrmann  nicht  citirte,  aber  von  Bernhard  Cotta  in 
seinen  „Geognostischen  Wanderungen“  I,  1836,  S.  89/90  angeführte  Analyse  des  Tharandter 
Kalksteins  von  Dr.  Henry,  bestätigt  von  Kirsten,  zeigt,  dass  damals  auch  in  Tharandt 
Dolomit  gewonnen  wurde. 


1 ■: 


III.  Methodische  Bemerkungen  zur  Discussion  Ton 
Periodicitäten  in  der  Klimatologie. 

Yon  Prof.  Dr.  H.  Gravelius. 


Die  Frage  nach  Existenz  und  Character  langjähriger  Aenderungen 
der  klimatologischen  Elemente  hat  das  vorige  Jahrhundert  sehr  eifrig 
beschäftigt,  und  aus  den  so  entstandenen  Untersuchungen  sind  eine  statt- 
liche Anzahl  von  „Perioden“  gefördert  worden,  deren  Manigfaltigkeit  der 
Erkenntniss  des  Gegenstandes  allerdings  mehrfach  entgegengestanden  hat. 
Ordnung  und  ein  gewisser  Abschluss  ist  in  die  Frage  erst  durch  Brückner ’s 
denkwürdige  Untersuchung  gebracht  worden.  Und  es  hat  sich  seit  Er- 
scheinen der  ,, Klimaschwankungen“  gezeigt,  dass  die  35jährige  Periode  in 
der  That  eine  sehr  weit  umfassende  Bedeutung  in  Anspruch  nehmen  darf. 

Nichtsdestoweniger  sind  doch  hie  und  da  Zweifel  an  der  Gültigkeit 
des  Brückner’schen  Ergebnisses  geäussert  worden,  und  in  einzelnen  Fällen 
ist  es  wohl  auch  in  der  That  nicht  gelungen,  die  35jährige  Periode  zu 
verificiren,  sofern  man  sich  lediglich  der  von  Brückner  selbst  benutzten 
Methode  der  einfachen  Lustrenmittel  bediente. 

Es  war  daher  erwünscht  und  nothwendig,  ein  Kriterium  für  das  Be- 
stehen einer  Periode  von  n Jahren  in  einer  durch  äquidistante  Beobachtungs- 
werthe  — oder  aus  solchen  hergeleitete  Mittelwerthe  — gegebenen  Er- 
scheinung zu  haben. 

W.  Seibt  hat  in  seinen  Untersuchungen  über  das  Mittelwasser  der 
Ostsee  auf  ein  solches  Kriterium  hingewiesen  in  dem  Satze,  dass,  wenn 
eine  T^-jährige  Periode  existirt,  alle  ?^-jährigen  Mittel  dem  Generalmittel 
der  ganzen  Reihe  gleich  seien.  In  dieser  Form  ist  der  Satz  aber  noch 
nicht  richtig,  bedarf  vielmehr  einer  Ergänzung,  die  ich  1893  im  Central- 
blatt der  Bauverwaltung  gegeben  habe.  Es  mag  hier  zur  leichteren  An- 
knüpfung des  Späteren  kurz  das  Ergebniss  in  einer  von  der  damals  ge- 
brauchten ganz  verschiedenen  Form  skizzirt  werden. 

Die  gegebene  Elementenreihe  sei: 

^1)  ^2’  * • • ’ 5 P ^ ^ ~h  '^1 

wo,  im  vorliegenden  Zusammenhang  selbstverständlich,  X,v  ebenso  wie  n 
ganze  Zahlen  bedeuten.  Bildet  man  nun  ^-gliederige  Summen  nach  dem 
Schema 

+ 1 + • • • + + w — 1, 

SO  sieht  man  sofort,  dass 

^x  + 1 ^x  + X ö^x  ? 


25 


wo  aber,  wenn  die  a-Reibe  periodisch  nach  dem  Modul  n ist,  die  rechte 
Seite  Yerschwindet,  und  also  ganz  allgemein 

+ i ^ öx  = 0, . d.  h.  = constant. 

Den  Werth  der  Constanten  bestimmt  man  leicht  so.  Es  ist 


p 

2 
1 

also 


(^1  + . ••  + ^^«)  + (ö^«  + l + • ..  + + . * . + W + I 4“  ••  • + ^In) 

+ ^^1«  + ! + . . . + + 


2a 


X \ ^ 4“  ^ ^ fl  ii 

?:  = 1 


wenn  man  den  constanten  Werth  des  einfach  mit  a bezeichnet. 
Das  Gesammtmittel  der  ganzen  ^p-elementigen  Reihe  ist  nun 

M=  Isa  = 

P Aw  -1-  ^ hn  -f.  ^ 


1 I 1 

V V 


Man  setze  noch 


1+^ 

• ‘ V 


_ 6 1 

W« — , Mp  — 

n V 


1 + ^ 

V 


1 — C, 


wodurch  endlich  erhalten  wird 

Mn  — M Q (Mn  — Mp) 

oder  auch 

Mn  — {M Mp)^ 

hfl 


d.  h.  wenn  die  Reihe  von  p = Elementen  a periodisch  ist  nach  dem 
Modul  w,  so  ist  die  Differenz  eines  n-jährigen  Mittels  vom  jö-jährigen 
Gesammtmittel  eine  Constante  t,  sodass  also  ^ 

Für  den  speciellen  Fall  v = 0 ist  auch  ^ — 0;  dann  ist  p = Xn.  Und  nun 
gilt  der  von  Seibt  aufgestellte  Satz,  der  also  auf  diese  beschränkendeVoraus- 
setzung  bezogen  ist. 

Diesen  constanten  Werth  M x habe  ich  den  theoretischen  Werth 
eines  w-gliederigen  Gruppenmittels  für  den  Fall  des  Bestehens  einer 
W"j übrigen  Periode  genannt. 

Im  praktischen  Falle,  wenn  also  die  numerisch  gegeben  sind, 
lässt  sich  nun  aus  den  Abweichungen 

h = — M 

in  bekannter  Weise  der  mittlere  Fehler  eines  w-j übrigen  Mittels  berechnen. 
Und  ganz  anolog  lässt  sich  aus  den  Abweichungen 

S ==  Mn. M—  X 

des  einzelnen  w„  vom  theoretischen  Werth  der  mittlere  Fehler  der  Grösse 
w«,  d.  h.  wiederum  des  n-jährigen  Mittels,  bestimmen.  Bezeichnet  man 


26 


den  erstgenannten  mittleren  Fehler  mit  ho,  den  zweiten  mit  So,  so  wird 
für  eine  numerisch  gegebene  Reihe  das  Kriterium  für  die  Existenz  einer 
übrigen  Periode  durch  die  Umgleichung 


So  <C  So  • 

Eine  Anwendung  des  Dargelegten  habe  ich  im  Jahre  1900  in  der 
Zeitschrift  für  Gewässerkunde  gegeben; 

Der  Gang  einer  Untersuchung  auf  Periodicität  wird  also  der  sein, 
dass  man  für  gegebene  Werthe  vbii  n die  w-gliederigen  Gruppenmittel 
bildet  und  mit  ihrem  theoretischen  Werthe  vergleicht.  Dabei  kann  es 
nun  wohl  Vorkommen,  dass  für  eines  oder  mehrere  dieser  n das  vorhin 
angegebene  Kriterium  nicht  oder  nicht  hinreichend  erfüllt  ist,  sodass  zu- 
nächst der  Eindruck  entstehen  mag,  als  müsse  bei  diesen  Untersuchungen 
mehr  oder  weniger  verlorene  Arbeit  gethan  werden.  Dies  ist  aber  durch- 
aus nicht  nothwendig  der  Fall,  wie  aus  der  folgenden  Ueberlegung  er- 
hellen wird. 

Ist  eine  Erscheinung  periodisch  nach  dem  Modul  n,  so  lässt  sie  sich 
so  darstellen: 


, . 27:  , , . 47:  , , , . 2x7:  , , 

y^z=  an-\-  a.  sin  — - t sin  — t -4-  . . . + av  sin t + 

^ Oll  n ^ n n 


,7  ^t:  , , 7 47:  , , ,7  2x7:  , , 

+ \cos-—t  + h^cos  t + . . . + cos  1 + 

iL  < ib  Vh 

wo  das  Jahr  die  Einheit  der  Zeit  t ist.  Die  Reihe  der  gegebenen  Elemente 
ist  durch 

2/2’  • • • • • Vn,  • • *5  y<in,  • . * 

ZU  bezeichnen.  ^ 

Es  sollen  nun  _^-gliedrige  Gruppenmittel  gebildet  werden  nach  dem 
Schema 

p—i 

p.Tt,f,=^  2 yt  + i- 

Das  allgemeine  Glied  dieser  Summe  hat  die  Form 

I I 7 

A = 0 


und  es  ist 


■1 


Pj,  = a^  2 sin  (^  + >^)  + 2 cos  (t  -f  X) 


n 


n 


. 2x7:.,  , 

2 sin (t  + a) 


2x7:  . 

2 cos = 

A=o  n ^ ^ 


sm 


py.iz 


n . 2x7:  + Is 

sin + ) 


sin 


xt: 


n 


sin 


n 

py.Tz 


n 2x7:  , p — 1. 

— cos + 


sm 


xt: 

n 


n 


Setzt  man  zur  Abkürzung 


. . . pKTz  . xt:  1 . 

(^,  K)=^sin^^^:  sin-^, 


n 


so  ist  also 


Ph  = (p,  y)  «x  sin  (t  + Tx)  + (p,  y)  cos  (t  + x,,) 

tl  . ib 


27 


Das  entsprechende  Glied  der  Originalfunction  lautet 

2x7^  , , 7 2ktz  . 
1 4-  Oy  COS t. 

' n 


Pk  fl 


Und  wenn  man  hier  setzt 

so  wird 


2x7t: 


(Xy  T dy  ~1~  ^X  • ^X  tdTig 

il 


. 2 


X7C 


Fy  = Xy  sin  {t  + Ty) 


n 


und  man  sieht  sofort,  dass  man  auch  erhält 


Fy  = (i?,  x)  ay  sin  (^  + T;,  + T^O- 

fb 

Man  hat  also 

2 X TC 

yt  = a()  + ^ cLy  sin {t  + 'Zy) 

X n 

Yt,p~ao-\-  — '2  (Pj  x)  (Xy  sin  (^  + '^x  + '^p)- 
, p X n 

Durch  die  Gruppenmittelbildung  wird  also  die  Periode  der  Erscheinung 
nicht  gestört.  Die  Phasen  sind  jeweils  um  eine  Grösse  gegen  die  der 
Originalfunction  verschoben.  Und  die  Amplituden  werden  im  Verhältniss 


p 


(p,  x) : 1 


verkleinert.  Aus  der  Definition  von  (j9,  x)  folgt  übrigens 


wonach  also  für 


(n,  x)  = 0, 


p^n 

Yt,  n = d/Qj 

was  nichts  Anderes  ist,  als  der  vorhin  gegebene  Satz,  da  die  Grösse  do 
dem  zu  ihrer  Berechnung  führenden  Vorgänge  gemäss  nichts  Anderes  ist, 
als  die  oben  als  theoretischer  Werth  eines  ^-jährigen  Mittels  bezeichnete 
Grenze. 

Indess  ist  dies  nur  ein  beiläufiges  Ergebniss.  Der  Nutzen  der  ganzen 
Ueberlegung  liegt  in  der  Einsicht,  dass  in  den  Grössen  Y die  Amplituden 
der  y mit  den  Factoren  (p,  x)  multiplicirt  erscheinen.  Denn  dadurch 
wird  der  Hinweis  gegeben,  dass  die  Gruppenmittelbildung  keineswegs  eine  — 
wenn  auch  nur  theilweise  — nutzlose  Arbeit  bedeutet.  Man  wird  im 
Gegentheil  dies  Verfahren  noch  viel  mehr  anwenden  können,  allerdings 
nach  einem  gewissen  ordnenden  Gesichtspunkte. 

Die  Untersuchung  einer  periodischen  Erscheinung  wird  zweifellos  er- 
leichtert, wenn  es  gelingt,  bestimmte  vorgegebene  Einzelwellen  aus  der 
Erscheinung  auszuschalten.  Dies  ist  aber  mit  Hülfe  der  Gruppenmittel 
möglich.  Denn  man  sieht  leicht,  dass  für  ein  gegebenes  n die  Zahl  p 
sich  immer  so  wählen  lässt,  dass  (j7,  x)  genau  oder  wenigstens  sehr  an- 
nähernd verschwindet,  (xj?  genau  oder  sehr  angenähert  gleich  n).  Beachtet 
man  dann  ferner,  dass  die  Amplituden  a^,  . . . eine  abnehmende  Reihe 

darstellen,  so  wird  insbesondere  die  Gruppe  von  Werth  sein,  durchweiche 


28 


OL^  eliminirt  wird,  denn  dann  wird  die  Erscheinung  — eben  wegen  der 
Kleinheit  von  ag  u.  s.  w.  ■ — ganz  vorwiegend  durch  die  Hauptwelle  dar- 
gestellt sein.  Für  die  Brückner’sche  Periode,  n — 35,  wird  daher  die 
Bildung  18 jähriger  Gruppenmittel  von  Werth  sein,  denn  es  wird  der 
Dämpfungscoefficient  für  a2 

(18,2) : 18  = 0.028  = rd  4^. 


Lustrenmittel  sind  unter  diesem  Gesichtspunkt  bei  Untersuchung  einer  Er- 
scheinung auf  Bestehen  der  35jährigen  Periode  nur  wenig  dienlich,  wie 
aus  der  folgenden  Tabelle  für  die  Grösse  (5,x):5  folgt. 

Werthe  von  (5,x) : 5 bei  n = 35 


x = l +0.97 

2 +0.87 

3 + 0.74 

4 + 0.56 


X = 5 + 0.36 

6 + 0.17 

7 + 0.01 

8 —0.13 


Es  wird  hier  also  erst  die  siebente  Welle  eliminirt,  von  der  man 
ohnehin  voraussetzen  darf,  dass  ihr  Einfluss  gering  ist. 

Anders  liegen  die'  Dinge  für  p — 18^  wo  die  Durchführung  der  Be- 
trachtung zu  bemerkenswerthen  Ergebnissen  geführt  hat,  die  auf  einen  ver- 
schiedenen Einfluss  der  zweiten  Welle  (a^)  hindeuten,  der,  wie  es  wenigstens 
zunächst  scheint,  mit  der  geographischen  Lage  der  Station  (ob  maritim 
oder  Continental)  Zusammenhängen  dürfte.  Auf  diese  geophysikalische  Seite 
der  Sache  wird  im  Zusammenhang  mit  verwandten  Untersuchungen  an 
anderer  Stelle  eingegangen,  während  hier  nur  auf  die  ganz  elementare 
einfache  üeberlegung  hinzuweisen  war,  die  zu  dieser  Behandlung  periodischer 
Erscheinungen  durch  Ausscheidung  gegebener  Einzelwellen  führt. 


IV.  Ueber  einige  sächsische  Gesteine. 

Von  W.  Bergt. 

Mit  2 Tafeln. 


1.  Der  Turmalingranit  von  Miltitz  bei  Meissen.  Taf.  1;  II,  Fig.  1 — 3. 

Während  der  turmalinführende  Granit  in  dem  bekannten  Kalkbruch 
am  linken  Triebischthalgehänge  nicht  weit  oberhalb  Bahnhof  Miltitz  bei 
Meissen  schon  im  Jahre  1834  ausführlich  von  B.  Cotta*)  beschrieben 
worden  und  seitdem  in  der  Litteratur  geblieben  ist,  scheint  ein  gleiches 
Vorkommniss  von  Turmalingranit  an  dem  gegenüberliegenden  rechten 
Gehänge  der  Triebisch  schon  lange  wieder  der  Aufmerksamkeit  der  Geo- 
logen entrückt  zu  sein,  obwohl  es  1845  von  Cotta  und  Naumann  er- 
wähnt und  seiner  Oertlichkeit  nach  genau  bezeichnet  wurde.  In  dem 
5.  Hefte  der  Erläuterungen  zu  der  geognostischen  Charte  des  Königreiches 
Sachsen  “heisst  es  auf  S.  88: 

„Dasselbe  Gestein“  (Turmalin  und  Granat  führender  Granit)  „kommt  auch  am  rechten 
Triebischufer,  nahe  bei  dem  von  Miltitz  nach  Weitzschen  führenden  Fusssteige  vor,  wo 
es  neben  berggrünem  und  rothfleckigem  Schiefer  ansteht  und  auch  in  einem  alten 
Schürfe  entblösst  ist.“ 

Auf  Blatt  Meissen  (48)  der  geologischen  Specialkarte  von  Sachsen  vom 
Jahre  1888  ist  zwar  der  Steinbruch  an  der  betreffenden  Stelle  im  Andalusit- 
biotitschiefer  angegeben,  es  fehlt  aber  sowohl  auf  der  Karte  wie  in  den 
Erläuterungen  vom  Jahre  1889  ein  Hinweis  auf  das  Vorhandensein  von 
Granit.  Auf  S.  52  heisst  es  nur  in  Bezug  auf  diese  Oertlichkeit: 

„Ein  besonders  schönes  Beispiel  für  derartige  Vorkommnisse“  (Turmalin  in  schie- 
ferigen Contactgesteinen)  „liefert  ein  in  dem  auflässigen  Bruche  gegenüber  dem  Kalk- 
werk am  rechten  Triebischgehänge  aufgeschlossener,  dichter,  durch  kohlige  Substanz 
schwarzgefärbter  Schiefer,  der  schon  mit  blossem  Auge  auf  den  Schichtfläch^en  winzige, 
kreuz  und  quer  liegende,  schwarze  Nädelchen  von  Turmalin  erkennen  lässt.“ 

Wenn  man  an  der  Stelle,  wo  die  von  Miltitz  herunterkommende  Dorf- 
strasse in  die  Triebischthalstrasse  einmündet,  auf  einem  an  der  Mühle  vorbei- 
führenden Wege  den  Bach  überschreitet  und  am  Gehänge  thalabwärts  geht, 
stösst  man  bald  auf  den  oben  erwähnten,  in  die  Karte  eingezeichneten, 
Jetzt  stark  verwachsenen  Steinbruch  im  körnig -schuppigen  Andalusitbiotit- 


*)  B.  Cotta,  Brief.  Neues  Jahrb.  f.  Mineral  1834,  S.  329— 336.  Mit  Profil  auf 
S.  331. 


30 


schiefer.  Zuerst  im  Jahre  1894  fand  hier  der  Verfasser  am  Boden  vor- 
wiegend Bruchstücke  von  Turmalingranit  und  von  einem  schieferigen 
Gestein,  das  man  zunächst  am  besten  als  „Turmalinsericitgneiss“  be- 
zeichnen kann.  Im  December  1899  berichtete  der  Verfasser  in  der  Isis 
kurz  darüber*).  Die  Verhältnisse,  die  sich  bei  genauer  Untersuchung  der 
Fundstelle  und  deren  Gesteine  ergaben,  erwiesen  sich  einer  eingehenden 
Darstellung  für  werth. 

Geologisches  Auftreten.  Der  Turmalingranit  am  rechten  Triebisch- 
gehänge  ist  nicht  mehr  gut  aufgeschlossen.  Der  Anbruch  erstreckt  sich 
unter  einem  spitzen  Winkel  gegen  die  Gehängelinie  thalaufwärts  in  die 
Uferböschung  hinein  und  steigt  langsam  an.  Während  die  unmittelbare 
Umgebung  aus  dem,  einem  dunklen  Glimmerschiefer  gleichenden  Andalusit- 
biotitschiefer  besteht,  findet  man  auf  dem  freilich  mehr  und  mehr  von 
Gras  und  Büschen  überwachsenen  Boden  alle  Vertreter  der  weiter  unten 
erwähnten  Gesteine.  Die  ehemalige  Steinbruchswand  ist  zum  grossen 
Theil  von  oben  herein  mit  Gesteinsschutt  und  Lehm  überdeckt,  nur  stellen- 
weise ragen  noch  Felsen  heraus.  Eine  Untersuchung  dieser  Felsen  im 
oberen  Theil  des  Anbruches  ergab  eine  zusammenhängende,  etwa  50  m 
lange  Masse  aller  der  unten  auf  dem  Boden  liegenden  turmalinhaltigen 
Gesteine.  Am  linken  Ende  war  die  Ueberlagerung  des  Granites  durch 
den  Andalusitschiefer  ersichtlich  und  am  Abhang  nach  dem  rechten  Ende 
zu  kann  man  die  Unterlagerung  durch  stark  zersetzten  Schiefer  beobachten. 
Wir  haben  es  hier  jedenfalls  ebenso  wie  an  der  gegenüberliegenden  Thal- 
seite mit  einem  lagergangartigen  Vorkommniss  zu  thun.  Die  Mächtigkeit 
der  Granitgänge  im  Kalkbruch  wird  mit  2 m angegeben,  der  Gang  am 
rechten  Gehänge  ist  mindestens  5 m mächtig.  Die  Gleichheit  der  Ver- 
hältnisse macht  es  wahrscheinlich,  dass  die  Vorkommnisse  am  rechten  und 
linken  Gehänge  Theile  einer  einheitlichen  Masse  sind,  deren  Zusammen- 
hang durch  die  Bildung  des  Triebischthales  unterbrochen  wurde. 

Beschaffenheit  des  Gesteines.  Zahlreiche,  sowohl  sämmtlichen  an- 
stehenden Felsen  wie  dem  Bodenschutt  entnommene  Proben  zeigen  grosse 
Unterschiede  in  der  Korngrösse  und  Structur,  stimmen  aber  im  Turmalin- 
gehalt überein.  Die  Abweichungen  in  der  Korngrösse  sind  ursprünglich, 
die  in  der  Structur  nachträglich  durch  Druck  erzeugt. 

Die  Proben,  welche  einen  vom  Druck  fast  unberührten  richtungslos 
körnigen  Turmalingranit  darstellen,  besitzen  eine  hochrothe,  an  den  Feld- 
spath  gebundene  Farbe.  Der  Quarz  weist  rauchgraue  oder  weisse  bis 
bläuliche  Färbung  auf.  Als  dunkler  Gemengtheil  kann  nur  schwarzer 
Turmalin  (Schörl)  bemerkt  werden,  Biotit  fehlt  makro-  und  mikroskopisch, 
hellrother  Granat  und  primärer  Muscovit  kommen  an  einigen  Proben  vor, 
spielen  aber  eine  nebensächliche  Rolle.  Die  beiden  Hauptbestandtheile 
Feldspath  und  Quarz  bilden  ein  ganz  gleichmässiges  Gemenge  von  mittlerem 
bis  feinem  und  sehr  feinem  Korn.  Der  Turmalin  ist,  wie  meist  in  den 
Graniten,  hier  spärlich,  dort  reichlich  vorhanden;  aber  sogenannte  Tur- 
malinsonnen fehlen  vollständig.  Die  Grösse  der  Turmalinsäulen  und 
-körner  hängt  bis  zu  einem  gewissen  Grade  von  der  Korngrösse  des  Gesteines 
ab.  In  den  gröberen  Granitproben  erreichen  die  Säulen  eine  Länge  von 
1 cm  und  eine  Dicke  von  4 mm.  In  einer  sehr  feinkörnigen  Granitart, 


*)  Vergl.  Isis,  Sitzungsberichte  18.99,  S.  31. 


31 


die  anstehenden  Felsen  an  der  linken  Seite  des  Bruches  entnommen  wurde, 
messen  die  Turmalinkörner  ebenso  wie  die  anderen  Gemengtheile  noch 
nicht  1 mm.  Bemerkenswerth  ist,  dass  in  dieser  sehr  feinkörnigen  Art 
ein  Turmalingranit  vorliegt,  in  dem  der  Turmalin  ausnahmsweise  nach  der 
Art  des  Glimmers  ganz  gleichmässig  im  Gemenge  vertheilt  ist.  An  den 
grossen  Säulen  kann  zuweilen  ditrigonaler  Querschnitt  festgestellt  werden, 
eine  Flächenbestimmung  an  den  Enden  war  unmöglich. 

Von  grundsätzlicher  Bedeutung  ist,  dass  für  unseren  Turmalingranit 
die  Angaben  nicht  gelten,  die  in  den  Erläuterungen  zu  Blatt  Meissen  (48) 
S.  52  mit  Bezug  auf  den  Granit  des  Kalkbruches  auf  der  linken  Thalseite 
gemacht  werden: 

„Der  Granit  zeigt  sich  von  zahlreichen  Qiierkliiften  durchsetzt,  auf  welchen  sich 
ausser  Quarz  reichlich  Turmalinaggregate  angesiedelt  haben,  die  von  den  Hauptklüften 
aus  zuweilen  noch  seitlich  in  die  Granitmasse  ein  dringen.  Da  nun  der  Granit  selbst 
ursprünglich  fast  nur  aus  Quarz  und  Feldspath  besteht,  so  wird  man  hier  die  Ent- 
stehung dieser  Turmalintrümer  nicht  auf  eine  nachträgliche  Lateralsecretion  aus  dem 
Granit  zurückführen  können,  sondern  dieselben  mit  den  Turmalinbildungen  der  Granit- 
Contactgebiete  parallelisiren  und  sie  als  eine  den  Syenitcontact  begleitende  Erscheinung 
auffassen  müssen.“ 

Der  Turmalin  unseres  Granites  ist  ebenso  wie  in  den  später  zu  er- 
wähnenden Graniten  von  Gottleuba  und  Maxen  ursprünglicher  Gemeng- 
theil. Hervorgehoben  muss  auch  werden,  dass  nicht  eine  Probe  drüsiger 
oder  eigentlicher  pegmatitischer  Ausbildung  gefunden  wurde. 

Unter  dem  Mikroskop  ergeben  sich  als  Gemengtheile:  Quarz, 
Orthoklas,  Oligoklas,  Turmalin,  Muscovit  und  wenig  Granat.  Die 
Feldspäthe  sind,  wie  schon  äusserlich  erkannt  werden  konnte,  stark 
getrübt  und  durch  fein  vertheilte  Eisenverbindungen  roth  gefärbt.  Der 
Quarz  zeichnet  sich  durch  den  ungewöhnlichen  Reichthum  an  scharf linigen 
(im  Schliff)  Zügen  von  Flüssigkeitseinschlüssen  aus.  Der  hellrothe  Granat, 
den  auch  schon  Cotta*)  1834  für  den  Granit  des  Miltitzer  Kalkwerkes 
erwähnt,  ist  makroskopisch  nur  ausnahmsweise  bemerkbar.  Er  zeigt  starke 
Rissigkeit.  Ein  gegenseitiges  Meiden  von  Turmalin  und  Granat,  das 
Traube**)  für  den  Turmalingranit  von  Striegau  angiebt,  kann  hier  nicht 
festgestellt  werden.  Im  Gegensatz  dazu  fanden  sich  an  einer  Granitprobe, 
der  einzigen  mit  augenfälligem  Granat,  eine  ganze  Anzahl  bis  2 mm  grosser 
Granatkörner  in  enger  Nachbarschaft  mit  einer  Turmalingruppe.  — Pri- 
märer Muscovit  spielt  auch  mikroskopisch  nur  eine  untergeordnete  Rolle. 
— Der  häufig  von  kleinen  Quarzkörnern  durchwachsene  Turmalin  zeigt 
meistens  einen  schaligen  Bau  nach  den  verticalen  Krystallfiächen.  In  den 
Querschnitten  gewahrt  man  einen  scharfen  trigonalen  oder  ditrigonalen 
hellgrünlichblauen  bis  graublauen  Kern,  darum  einen  dunkler  braunen  Rand 
und  in  diesem  zuweilen  noch  blaue  Streifen.  Die  Axenfarben  des  stark 
pleochroitischen  Minerals  sind  c = E hellgelblich  oder  hellbräunlich  bis 
farblos,  a = 0 dunkelgraublau  (Kern)  und  dunkelbraun  (Rand)  oder  bräun- 
lichgelb und  dunkelbraun.  Ausser  der  scharfen  krystallographischen  Ab- 
grenzung der  Zonenfarben  trifft  man  auch  sehr  häufig,  wie  nach  Traube 
im  Granit  von  Striegau,  den  Fall,  dass  die  beiden  Turmalinsubstanzen 
sich  ganz  unregelmässig  durchdringen,  sodass  die  eine  mehrfach  flecken- 


*)  a.  a.  0.  S.  332.  — Vergl.  auch  Erläut.  z.  geogn.  Charte  u.  s.  w.  5.  Heft,  S.  78. 

**)  H.  Traube:  lieber  pleochroitische  Höfe  im  Turmaliu.  Neues  Jahrb.  f.  Mineral. 
1890,  I,  S.  186. 


32 


artig  in  der  anderen  auftritt  und  umgekehrt.  Dies  ist  in  dem  erwähnten 
sehr  feinkörnigen  Turm  ahn  granit  die  Regel. 

Unser  Turmalin  unterscheidet  sich  also  wesentlich  von  demjenigen, 
der  in  den  Erläuterungen  zu  Blatt  Meissen  auf  S.  53  als  Gemengtheil  der 
kehligen  schwarzen  Schiefer  angegeben  wird. 

„Die  kreuz  und  quer  liegenden  schwarzen  Nüdelchen  auf  den  Schichtflächen  werden 
im  Dünnschliffe  mit  schön  rothbrauner  Farbe  durchsichtig  und  enthalten  nach  Art  der 
Chiastolithe  in  Form  einer  schwarzen  Axe  zahlreiche  opake  Graphit-  und  farblose 
Quarzeinschlüsse.“ 

Ebenso  wie  der  Turmalin  des  Striegauer  Granites  zeichnet  sich  unser 
Turmalin  nun  noch  durch  seine  pleochroi tischen  Höfe  aus.  Das  dort 
von  Traube  Gesagte  gilt  in  vollem  Umfange  hier,  weshalb  auf  eine  aus- 
führliche, nichts  Neues  bietende  Beschreibung  verzichtet  werden  kann. 
Das  Auftreten  der  pleochroitischen  Höfe  zeigt  keinerlei  Abhängigkeit  von 
dem  Druckzustand  des  Gesteines.  Manchmal  begegnet  man  ihnen  in  einem 
Turmalindurchschnitt  massenhaft,  anderswo  nur  vereinzelt  oder  gar  nicht. 
Durch  Glühen  verschwand  in  den  Versuchsfällen  die  Erscheinung  wie  bei 
Traube.  Farblose  Mineralkörner,  Zirkon  und  Rutil,  wurden  als  Mittelpunkt 
der  Höfe  mehrere  Male  bemerkt. 

Druckerscheinungen.  Bedeutend  grössere  Unterschiede  zwischen 
den  einzelnen  Theilen  der  Granitmasse  auf  dem-  rechten  Triebischthalufer 
sind  nachträglich  durch  den  Gebirgsdruck  geschaffen  worden.  Erschei- 
nungen, die  hierher  gehören,  wie  Rutschflächen  und  Schieferung  im  Granit 
des  Kalkbruches  von  Miltiz,  erwähnt  bereits  Cotta  im  Jahre  1834.  Aus- 
führlicher werden  Stauchungen,  schieferige  Absonderung,  mikroskopische 
Zerpressung  und  Zerquetschung  an  dem  Granit  des  linken  Triebischgehänges 
in  den  Erläuterungen  zu  Blatt  Meissen  der  geologischen  Specialkarte  be- 
schrieben. Und  auf  die  oben  angeführten  turmalinhaltigen  Contactschiefer 
des  rechten  Gehänges  beziehen  sich  die  Worte  auf  S.  53  ebenda: 

,,Die  schon  äusserlich  in  diesem  Aufschlüsse  sich  bekundenden  intensiven  Druck- 
erscheinungen und  Schichtenstörungen  spiegeln  sich  auch  im  mikroskopischen  Bilde  darin 
wieder,  dass  die  Turmalinnädelchen  stets  in  oft  15  bis  20  Stücke  zerbrochen  und  durch 
farblose  Quarzmasse  wieder  verkittet  sind.  Die  Störungen  haben  daher  hier,  wie  das 
auch  für  die  am  oberen  Kalklager  beobachteten  gleichen  Erscheinungen  sich  heraus- 
stellte, erst  nach  Vollzug  der  Contactmetamorphose  stattgefunden.“ 

Die  oben  beschriebenen  Proben  normalen  Turmalingranites  scheinen 
zunächst  von  Druck  nicht  berührt  zu  sein.  Bei  genauerem  Zusehen  ent- 
deckt man  auch  an  ihnen  makroskopisch  die  Anfänge  von  Druckwirkung 
in  Gestalt  vereinzelter  feiner,  hauptsächlich  aus  Sericit  bestehender  Aederchen, 
und  unter  dem  Mikroskop  sind  Druckeinflüsse  deutlich  festzustellen.  Keine 
der  scheinbar  unveränderten  Proben  erweist  sich  so  frei  von  dynamo- 
metamorphen  Erscheinungen.  Wie  Taf.  I,  Fig.  1 zeigt,  ist  die  urspüngliche 
Structur  nicht  verändert.  Erst  zwischen  gekreuzten  Nicols  zeigen  sich  die 
inneren  Zertrümmerungen,  besonders  der  Quarzkörner  (Taf.  I,  Fig.  2). 

Von  diesem  äusserlich  kaum,  mikroskopisch  wenig  veränderten  Granit 
führen  nun  alle  Uebergänge  zu  deutlich  schieferigen  Gesteinen,  dem  oben- 
genannten „Turmalinsericitgneiss“.  Seine  muscovi tischen  oder  sericiti- 
schen  Schieferungsflächen  sind  häufig  stark  längsgestreift  und  -gerieft,  haben 
auch  die  Beschaffenheit  von  höckerigen  Rutschflächen  (Harnischen)  und 
enthalten  den  Turmalin  meist  in  zahlreichen  zerbrochenen  und  ausgezogenen 
Säulen.  Im  Uebrigen  sind  die  Erscheinungen  der  Dynamometamorphose 
schon  so  oft  ausführlich  geschildert  worden,  dass  hier  von  einer  Be- 


33 


Schreibung  abgesehen  werden'^kann.  Es  sei  auf  die  Tafel erklärung,  ausser- 
dem auf  die  unten  zu  erwähnenden  ähnlichen  Vorkommnisse  von  Gottleuba 
und  Maxen  verwiesen. 

Hervorgehoben  zu  werden  verdient  nur  das  merkwürdige  Verhalten 
des  Turmalins  dem  Drucke  gegenüber.  Während  von  den  beiden 
Hauptgemengtheilen  der  Quarz  bekanntlich  optisch  und  mechanisch  ausser- 
ordentlich empfindlich,  der  Feldspath  dagegen  bedeutend  widerstandsfähiger 
gegen  Druck  ist,  zeigt  sich  in  dem  Turmalingranit  von  Miltitz,  dass  der 
Turmalin  den  Feldspath  an  Schwerverletzlichkeit  noch  übertrifft.  Während 
dieser  unter  dem  Einflüsse  des  Gebirgsdruckes  besonders  auch  chemischen 
Veränderungen  sehr  leicht  unterliegt,  scheint  der  Turmalin  selbst  unter 
diesen  Verhältnissen  unangreifbar  zu  sein.  Eine  Veränderung  seiner 
optischen  Eigenschaften  konnte  weder  im  parallelen  noch  im  convergenten 
polarisirten  Lichte  beobachtet  werden.  Und  mechanisch  zeigt  er  min- 
destens die  gleiche  Widerstandsfähigkeit  wie  der  Feldspath,  was  bei  der 
schlechten  Spaltbarkeit  auffallen  muss.  Schon  in  stark  zerdrückten  Ge- 
steinsproben ist  er  nur  in  einige  wenige  Stücke  zersprungen  und  ver- 
hältnissmässig  am  wenigsten  betroffen.  Wie  Taf.  I,  Fig.  5 erkennen  lässt, 
bildet  er,  wenig  behelligt,  in  dem  schieferigen  Zerreibsei  von  Quarz  und 
Feldspath  sogenannte  Augen,  während  der  benachbarte  Granat  in  kleine 
Stücke  zerpresst  wurde.  Aehnliche  feine  und  weitgehende- Zertrümmerung 
wie  an  Quarz  und  Feldspath  wurden  am  Turmalin  niemals  beobachtet. 

Ueber  die  Vertheilung  der  nach  der  Korngrösse  verschiedenen  Granit- 
arten und  der  secundären  Druckstadien  liess  sich  an  dem  mangelhaften 
Aufschluss  am  rechten  Triebischthalgehänge  Folgendes  feststelleii.  Die  den 
anstehenden,  aus  dem  Lehm  herausragenden  Felsen  entnommenen  Proben 
zeigen  von  dem  linken  (nördlichen)  nach  dem  rechten  (südlichen)  Ende  des 
Anbruches  einen  mehrfachen  Wechsel  von 

1.  mittel-,  fein-  und  sehr  feinkörnigen  Ausbildungen  des  Turmalin 
granites, 

2.  wenig  veränderten  granitischen  mit  stärker  betroffenen  und 
schliesslich  stark  geschieferten  Druckstadien, 

3.  frischen  und  stark  kaolinisirten  Stellen. 

Diese  Erscheinungen  entsprechen  den  bekannten  Erfahrungen.  Dem 
Wechsel  in  der  Korngrösse  begegnet  man  an  den  meisten  Vorkommnissen 
körniger  Gesteine  (vergl.  auch  unten  den  Granit  von  Gottleuba)  und  die 
Vertheilung  der  Druckstadien  bestätigt  wiederum  die  Beobachtungen  in 
den  von  Gebirgsdruck  betroffenen  Gebieten : Die  unversehrten  und  wenig 
veränderten  Gesteinstheile  bilden  linsenförmige  Partien  in  und  zwischen 
den  stark  veränderten  Theilen.  Es  entsteht  dadurch  eine  Flaser  - oder 
Au genstructur  im  Grossen  ebenso  wie  im  Kleinen,  indem  die  band- 
förmigen schieferig  gewordenen  Gesteinstheile  die  unveränderten  augen- 
förmigon  umspannen,  wie  bei  dem  Flasergabbro  der  schieferige  Gabbro 
und  der  Amphibolit  die  körnigen  Gabbrolinsen  umziehen. 

Der  Miltitz -Gottleubaer  Turmalingranitzug.  Das  Turmalingranit- 
Vorkommniss  von  Miltitz  hat  in  jeder  Beziehung  eine  auffallende  Aehnlichkeit 
mit  dem  Turmalingranit  von  Gottleuba*)  und  Maxen**). 


*)  Blatt  Berggiesshübel  (102)  der  geol.  Specialkarte  von  Sachsen.  1889,  S.  33 — 36. 

**)  Blatt  Kreischa-Hänichen  (82)  n.  s.  w.  1892,  S.  54—56. 


34 


„Die  vier  langgestreckten  stockförmigen,  zum  Tkeil  gangartig  verschmälerten 
Granitstöcke  von  Gottleuba  liegen  sämmtlich  als  Glieder  einer  9 km  langen  Kette  auf 
einer  SO -KW  streichenden  Linie  , welche  eine  einheitliche  Spalte  anzudeuteu  scheint. 
Dieser  Granitzug  bildet  zugleich  die  Grenzscheide  zwischen  Gneiss-  und  Phyllitformation 
oder  hält  sich  wenigstens  ganz  nahe  der  liegenden  Grenze  der  letzteren.  Verfolgt  man 
von  dem  bei  Borna  auf  Blatt  Berggiesshübel  gelegenen,  nordwestlichsten  Vorkommnisse 
dieses  Granites  aus  die  den  Granitzug  beherrschende  Dichtung  weiter  nach  NW  zu,  so 
gelangt  man  nach  einem  Zwischenraum  von  5 km  im  Gebiete  von  Blatt  Kreischa  in  der 
Gegend  von  Maxen  auf  zwei  weitere,  ebenfalls  nach  NW  streichende  gangartig  ausge- 
zogene Granitpartien  dieser  Art,  welche  zusammen  über  3 km  Länge  besitzen.  Die 
nachweisbare  Gesammtlänge  dieser  local  von  Turmalingranit  erfüllten  Gangkluft  beträgt 
daher  über  17  km,“  (Bl.  Kreischa  82,  S.  55.) 

Verlängert  man  nun  die  Riclituiigslinie  dieser  sechs  Turmalingranit- 
Vorkoinmnisse  genügend  weit  nach  NW  zu,  so  stösst  man  genau  auf  den 
Turmalingranit  von  Miltitz.  Die  Entfernung  von  hier  bis  zum  nordwest- 
lichsten Granitpunkt  auf  Blatt  Kreischa  beträgt  etwa  33  km.  Auf  dem 
allergrössten  Theile  dieser  recht  beträchtlich  erscheinenden  Strecke  ist 
aber  das  Grundgebirge  durch  die  mächtigen  Schichten  des  Bothliegenden 
bedeckt;  nur  an  einer  Stelle  ragt  es  riffartig  hindurch  in  dem  geologisch 
interessanten  Spitzberg  bei  Possendorf. 

Ausser  durch  diesen  tektonischen  Gesichtspunkt  zeigt  sich  der 
Miltitzer  Turmalingranit  noch  durch  andere  Verhältnisse  mit  dem  von 
Gottleuba  und  Maxen  eng  verbunden.  Der  Granit  von  Gottleuba  ist  eben- 
falls ein  glimmerfreier  turmalinführender  Granit.  Neben  mittel-  bis  grob- 
körnigen Arten  kommen  auch  feinkörnige  vor.  Die  rothe  Farbe  des  Ortho- 
klases, die  durch  zahlreiche  Flüssigkeitseinschlüsse  hervorgebrachte  milch- 
weisse  Färbung  der  Quarze,  das  nur  stellenweise  und  spärliche  Auftreten 
von  hellem  Glimmer,  die  reichliche  Anwesenheit  von  primärem  Turmalin, 
,, welche  die  Bezeichnung  Turmalingranit  rechtfertigt‘%  alle  diese  Einzel- 
heiten erinnern  lebhaft  an  den  Turmalingranit  von  Miltitz. 

Dazu  kommen  endlich  als  wichtiges  Band  die  Druckersclieinungen 
am  Turmalingranit  von  Gottleuba  und  Maxen.  In  den  Erläuterungen  zu 
Blatt  Berggiesshübel  wird  die  Zertrümmerung  und  Zerklüftung  ausführlich 
beschrieben,  als  Folge  davon  auffällig  weit  vorgeschrittene  Verwitterung 
dieser  Gesteine,  die  Bildung  von  Kaolin,  Kaliglimmer  u.  s.  w.  besonders 
hervorgehoben  und  als  Grund  für  die  w^eitgehende  Zertrümmerung  gerade 
des  Turmalingranites  die  Sprödigkeit  des  massigen  glimmerfreien  Gesteines 
inmitten  der  glimmerreichen  schieferigen  und  darum  nachgiebigeren  Phyllite 
und  Gneisse  angesehen. 

Aber  noch  bedeutend  weiter  ist  der  Turmalingranit  auf  Blatt  Kreischa 
durch  den  Gebirgsdruck  verändert.  Er  zeigt  sich  hier  in  ein  „lang- 
flaseriges,  grobschieferiges  oder  feinlagenförmiges“  Gestein  ohne  eine  Spur 
des  ursprünglichen  rein  massigen  Gefüges  verwandelt,  „das  beim  ersten 
Blick  kaum  als  ein  Granit  wieder  zu  erkennen  ist“  (S.  55).  Vergl.  Taf.  II, 
Fig.  1 — 3. 

Auf  Grund  der  angeführten  Thatsachen  ist  die  Annahme  nicht  von 
der  Hand  zu  weisen,  dass  der  Miltitzer  Turmalingranit  der  nord- 
westlichste Ausläufer  des  bei  Gottleuba  beginnenden  Turmalin- 
granitzuges ist.  Dieser  würde  so  eine  Länge  von  50  km  haben,  von 
denen  aber  über  die  Hälfte  vom  Bothliegenden  verdeckt  wird.  Durch 
diese  Annahme  erklärt  sich  zugleich  das  ganz  ungewöhnliche  Auftreten 
von  Turmalingranit  in  der  Miltitzer  Gegend.  Die  vom  Turmalingranit 
ausgefüllte  grosse  Gangspalte  verläuft  im  Allgemeinen  der  Grenze  zwischen 


35 


der  erzgebirgischen  und  lausitzer  geologischen  Provinz  Sachsens  parallel, 
sie  geht  aber  von  SO  nach  NW  in  immer  jüngere  Formationen  über.  Wie 
oben  bereits  erwähnt,  bewegt  sie  sich  bei  Gottleuba  an  der  Stelle  der 
fehlenden  Glimmerschieferformation  zwischen  der  Gneiss-  und  der  Phyllit- 
formation.  Südlich  von  Maxen  ist  sie  in  die  Phyllitformation  eingetreten 
und  bei  Miltitz  endigt  sie  in  den  hangenden  Schichten  des  Obersilurs  an 
der  Grenze  zum  linkselbischen  Theile  des  Meissner  Syenitmassivs.  Damit 
würde  zugleich  ein  Anhalt  für  die  Altersbestimmung  dieses  Turmalin- 
granites, natürlich  auch  in  seinen  südöstlichen  Theilen  bei  Maxen  und 
Gottleuba,  gewonnen  sein.  Dieser  Turmalingranitzug  wäre  darnach  jünger 
als  das  Übersilur,  und  dem  steht  in  dem  südöstlichen  Gebiet  seines  Auf- 
tretens nichts  entgegen.  Es  gesellt  sich  so  dem  aus  dem  Nordwesten  weit 
nach  Südosten  sich  erstreckenden  Meissner  Granitsyenitmassiv  ein  weiteres, 
lang  ausgedehntes,  gleich  verlaufendes  Eruptivgebilde  hinzu,  eben  unser 
Miltitz  - Gottleubaer  Turmalingranit. 

Der  Aufschluss  darin  am  rechten  Triebischgehänge  bei  Miltitz  zeichnet 
sich,  so  mangelhaft  er  im  Allgemeinen  ist,  den  Gebieten  bei  Gottleuba  und 
Maxen  gegenüber  dadurch  vortheilhaft  aus,  dass  er  auf  kleinem  Raume  den 
Zusammenhang  der  schieferigen  Turmalingesteine  mit  dem  Turmalingranit  am 
deutlichsten  zeigt. 

2.  Aschenstructur  in  sächsischen  Porphyrtuffen.  Taf.  II,  Fig.  5 und  6. 

Porphyrtuffe,  die  häufigen  Begleiter  der  altvulcanischen  Quarzporphyre, 
haben  im  Gebiete  des  Königreichs  Sachsen  eine  ziemlich  weite  Verbreitung. 
Von  den  bisher  erschienenen  123  Blättern  der  geologischen  Specialkarte 
von  Sachsen  (es  fehlen  nur  noch  vereinzelte  Grenzblätter)  enthalten 
33  Porphyrtuffe,  meistens  in  beträchtlicher  räumlicher  Ausdehnung.  Da 
diese  Tuffe  einen  wertlivollen  Baustein  abgeben,  werden,  sie  an  vielen 
Stellen  in  grossen  Brüchen  gewonnen  und  sind  so  ausgezeichnet  aufge- 
schlossen. Wir  brauchen  nur  an  den  Rochlitzer  Berg  und  an  den  Zeisig- 
wald bei  Chemnitz  zu  denken. 

Um  so  auffallender  erscheint  es,  dass  jene  sogenannte  Aschenstructur, 
die  den  untrüglichsten  Beweis  für  den  vulcanischen  Ursprung  eines  Tuffes 
bildet,  bisher  nur  an  einem  einzigen  dieser  sächsischen  Vorkommnisse 
nachgewiesen  worden  ist,  an  dem  Tuff  von  Buch  heim  auf  Blatt  Lausigk 
(43)  und  Colditz  (44),  obwohl  man  wegen  der  ,, eigenartigen  Lagerung  und 
Verbreitung“  eine  gleiche  Entstehung  auch  für  die  Gesteine  von  Meissen, 
Rochlitz,  Chemnitz,  Schellenberg  und  Zwickau  angenommen  hat. 

Die  Aschenstructur  in  dem  Porphyrtuff  von  Buchheim,  dem  soge- 
nannten ,,Buchheimer  Stein“,  der  am  besten  in  den  Steinbrüchen  oberhalb 
Buchheim  am  Westrand  des  Blattes  Colditz  (44)  aufgeschlossen  ist,  wird 
in  den  Erläuterungen  zu  Blatt  Colditz  vom  Jahre  1879  auf  S.  20  von 
Penck  folgendermassen  beschrieben: 

„Unter  dem  Mikroskop  löst  sich  die  Grundmasse“  (des  Buchheimer  Tuffes)  ,,in  ein 
Haufwerk  unregfelmässig  gestalteter,  gebogener,  geschweifter,  meist 

durchlöcherter  kleiner  Scherbchen,  Häkchen  und  Splitter  auf, 

die  in  ihren  morphologischen  Eigenschaften  eine  unverkennbare  Aehn- 
lichkeit  mit  dem  Bimssteinstaub  recenter  Vulcane  besitzen.“ 

Ausserdem  finden  sich  nach  Penck  in  allen  Tuffarten  von  Buchheim 
bis  über  kindskopfgrosse  Kugeln  von  Porphyr,  an  die  sich  die  Tuffschichten 
derartig  anschmiegen, 


36 


„dass  es  das  Aussehen  hat , als  ob  diese  Sphäroide  plötzlich  in  den  sich  ablagernden 
Tulf  hineingefallen  seien.  Sie  sind  keine  Gerolle,  sondern  haben  eine  gedrehte,  ge- 
wundene, oft  zapfenähnliche  Form Alle  diese  Umstände  weisen  darauf 

hin,  dass  diese  Kugeln  vulcanische  Auswürflinge,  vulcanische  Bomben 
sind.  Sie  im  Vereine  mit  der  eigenthümlichen  aschenähnlichen  Be- 
schaffenheit der  Grundmasse  gewähren  der  Annahme  eine  bestimmte 
Stütze,  dass  die  beschriebenen  Tuffe  in  ähnlicher  Weise  wie  dierecenten, 
also  durch  Anhäufung  lockerer  vulcanischer  Auswürflinge  entstanden 
sind“. 

Damit  hat  Penck*)  meines  Wissens  zuerst,  nicht  Lossen,  wie  Bosen- 
busch**) angiebt,  oder  Bosenbusch,  wie  es  nach  Mügge***)  den  Anschein 
hat,  die  Aschenstructur  der  PorphyrtufFe  in  genetischem  Zusammenhänge 
mit  den  jungvulcanischen  Tuffen  richtig  gedeutet. 

Wenn,  wie  gesagt,  die  Aschenstructur  bis  jetzt  nur  in  einem  einzigen 
sächsischen  Porphyrtuff f)  gefunden  worden  ist,  so  giebt  es  dafür  mehrere 
Erklärungen.  Einmal  ist  ein  Theil  der  Porphyrtuffe  nicht  vulcanischen 
Ursprunges,  sondern  aus  feinzerriebenem,  zersetztem  und  zertrümmertem 
Quarzporphyr  gebildet  worden.  Verschiedene  Schichten  der  gleichen  Tuff- 
ablagerung können  auch  abweichende  Entstehung  haben;  während  die  einen 
Anhäufungen  vulcanischer  Auswurfsmassen  darstellen , sind  die  anderen 
zusammengeschwemmter  Porphyrdetritus.  Zweitens  kann  die  Aschenstructur 
da,  wo  sie  vorhanden  gewesen  ist,  durch  Zersetzungs-  und  Umsetzungs- 
vorgänge wie  die  Kaolinisirung  und  Verkieselung,  die  gerade  in  den  Porphyr- 
tuffeii  lebhaft  vor  sich  gehen,  ganz  verwischt  worden  sein. 

Auf  Grund  geologischer  Verhältnisse  nahm  man  für  den  oberen 
Porphyrtuff  auf  Blatt  Schellenberg  (97,  S.  101)  an,  dass  er  von  der  im 
Zeisigwalde  bei  Chemnitz  gelegenen  Eruptionsstelle  aus  durch  Wasser  und 
Wind  weit  verbreitet  worden  sei.  Dem  Verfasser  gelang  es  nun,  in  Proben 
dieses  Tuffes  aus  dem  forstfiscalischen  Bruche  im  OederanerWaldeff)  (3,3km 
westlich  von  Oederan)  die  Aschenstructur  in  ausgezeichneter  Ausbildung 
zu  beobachten.  Wie  Taf.  II,  Fig.  5 zeigt,  besteht  das  Gestein  aus  jenen 
eigenthümlich  gestalteten,  dicht  gelagerten  Körperchen,  die  den  Glas- 
scherben und  Bimssteinstückchen  des  jungvulcanischen  Staubes  vollständig 
entsprechen.  Vergl.  Taf.  II,  Fig.  6 nebst  Erläuterung.  Aber  wie  überall 
in  den  Porphyrtuffen  sind  sie  auch  hier  nicht  mehr  stofflich  erhalten,  das 
ursprüngliche  Gesteinsglas  ist  in  ein  Mineralaggregat  umgewandelt,  mikro- 
skopisch von  so  feinem  Korne,  dass  die  Bestimmung  der  Bestandtheile 
unmöglich  war.  Allem  Anscheine  nach  liegt  auch  hier  ein  Gemenge  von 
Quarz,  Feldspath  und  Sericit  vor. 

Das  Vorhandensein  der  Aschenstructur  in  dem  Tuff  aus  dem  Oede- 
ranerWald  bestätigt  vollständig  die  oben  erwähnte  Annahme  von  dessen 
vulcanischer  Entstehung.  Wahrscheinlich  wird  man  mit  der  Zeit  noch  in 
anderen  sächsischen  Tuffvorkommnissen  die  Beste  des  vulcanischen  Glas- 
staubes auffinden,  die  das  Hauptmaterial  zur  Bildung  geliefert  haben. 


*)  Vergl.  auch  A.  Penck:  Studien  über  lockere  vulcanische  Auswürflinge. 
Zeitschr.  deutsch,  geol.  Gesellsch.  30,  1878,  S.  97—129. 

**)H.  Bosenbusch:  Mikr.  Physiographie  der  massigen  Gesteine.  1887,  S.  424, 
und  1896,  S.  731. 

***)  0.  Mügge:  Untersuchungen  über  die  „Lenneporphyre“  u.  s.  w.  Neues  Jahrb. 
f.  Mineral.  VIII.  Beilageband  1893,  S.  699. 

f)  Ausserdem  noch  in  dem  Porphyrtuff  von  Weissig,  Bl.  Pülnitz  67,  1892,  S.  24. 
ft)  Vergl.  auch  Katalog  der  deutschen  Bauausstellimg  Dresden  1901.  Abth.  I: 
Staatsbauwesen,  S.  530. 


37 


3.  Uelber  den  „körnigen  feldspathreichen  Horntolendefels^^  von 
Gablenz  bei  Stollberg.  Taf.  II,  Fig,  4. 

Unter  den  Gesteinen,  die  im  Jahre  1900  von  der  staatlichen  Strassen- 
und  Wasserhauverwaltung  einer  genauen  technischen  Prüfung  unterworfen 
und  in  der  Bauausstellung* *)  zu  Dresden  ausgestellt  wurden,  befanden  sich 
auch  Proben  aus  dem  strassenbaufiscalischen  Bruche  in  Gablenz  bei  Stoll- 
berg.  Der  Bruch  liegt  SSW  vom  Chausseehaus  am  Südende  von  Gablenz 
auf  Blatt  Lossnitz  (126)  der  geologischen  Specialkarte  von  Sachsen.  Das 
Gestein  bildet  eine  Einlagerung  in  dem  thonschieferähnlichen  Phyllit  der 
oberen  Stufe  der  Phyllitformation  (Cambrium).  In  den  Erläuterungen  zu 
Blatt  Lössnitz  wird  es  auf  Seite  18  — 20  als  ,, körniger  feldspath- 
reicher  Hornblendefels“  mit  den  Hornblendeschiefern  zusammen 
beschrieben,  obwohl,  wie  aus  dem  Wortlaut  der  Beschreibung  hervorzu- 
gehen scheint,  seine  petrographische  Natur  und  Stellung  mindestens  als 
unsicher  anzusehen  sind. 

Die  hier  zur  Verfügung  stehenden  Proben  entsprechen  makroskopisch 
und  mikroskopisch  der  Beschreibung  in  den  Erläuterungen  zu  Blatt  Löss- 
nitz. Es  ist  ein  dunkelgrünes,  feinkörniges,  zähes,  epidotreiches  Gestein, 
massig,  ohne  jede  Schieferung,  Schichtung  und  Parallelstructur.  Nach 
dem  mikroskopischen  Bilde,  so  wie  es  durch  die  mineralische  Zusammen- 
setzung und  durch  die  Structur  bestimmt  wird,  kann  aber  der  Verfasser 
nicht  daran  zweifeln,  dass  ein  Diabas  und  zwar  ein  Uralitdiabas  vor- 
liegt. Der  Augit  ist  vollständig  in  der  allbekannten  Weise  in  Uralit  um- 
gewandelt. Augitreste,  die  in  den  Erläuterungen  zu  Blatt  Lössnitz  er- 
wähnt werden,  kamen  dem  Verfasser  zwar  nicht  zu  Gesicht,  deren  bedarf 
es  aber  hier  gar  nicht  zur  Erkennung  des  Uralites.  Die  Kennzeichen  des 
Uralites  und  die  Einzelheiten  der  Uralitisirung  sind  so  oft  kritisch  zu- 
sammengestellt worden,  dass  auf  die  betreffenden  Arbeiten  von  Lossen, 
Bosenbusch,  Kloos,  des  Verfassers  u.  a.  verwiesen  werden  muss. 

Der  Feldspath,  der  von  Dalmer  in  den  Erläuterungen  zu  Blatt 
Lössnitz  als  Labradorit  bestimmt  worden  ist,  hält  an  Menge  dem  Uralit 
etwa  das  Gleichgewicht.  Seine  lang  rechteckigen  Durchschnitte  (im  Dünn- 
schliff, vergl.  Taf.  II,  Fig.  4)  sind  durch  Gebirgsdruck  und  durch  die 
Veränderungen  im  Mineralbestand  meist  nicht  mehr  scharf  erhalten,  seine 
Substanz  ist  theilweise  verändert  und  von  Neubildungen  wie  Epidot  und 
Hornblendennadeln  überwuchert.  Titaneisen  fällt — jedes  Korn  mit 
einem  breiten  secundären  Leukoxenrand  versehen  — durch  seine  eben- 
falls dem  Diabas  eigenthümliche  Menge  und  Form  auf.  Die  durch  die 
Leistenform  der  Feldspäthe  und  deren  roh  radialstrahlige  Anordnung 
erzeugte  charakteristische  Diabasstructur  ist  im  Allgemeinen  und  stellen- 
weise noch  deutlich  erkennbar,  sie  hat  aber,  wie  schon  angedeutet,  durch 
Druck  und  durch  die  mineralischen  Veränderungen  wie  Uralit-, 
Epidot-  und  Strahlsteinbildung  stellenweise  an  Bestimmtheit  und 
Schärfe  verloren,  sie  ist  „verwaschen“.  Auch  hier  kann  wegen  der  ,, All- 
täglichkeit“ der  Erscheinungen  auf  weitere  Einzelheiten  verzichtet  werden. 

Die  mineralische  Zusammensetzung  und  Structur  unseres  Gesteines 
wären  für  einen  „echten  krystallinen  Schiefer“  durchaus  ungewöhnlich, 
vielmehr  schaut  die  Diabasnatur  aus  allen  Ecken  heraus. 


*)  Katalog  der  deutschenBauausstellung  Dresden  1901.  Abth.I:  Staatsbanwesen,  S.  522. 

* 


38 


Wie  dieser  ,, körnige  feldspathreiclie  Hornblendefels‘‘  von  Gablenz, 
so  wird  im  Laufe  der  Zeit  eine  wider  Erwarten  grosse  Zahl  von  Gesteinen, 
die  sogenannte  concordante  Einlagerungen  in  Schichtenreihen  bilden,  als 
Eruptivmassen  erkannt  werden.  Wenn  das  bei  vielen  verhältnissmässig 
spät  erst  geschieht,  so  liegt  dies  daran,  dass  von  den  beiden  Hauptmerk- 
malen, der  eruptiven  Lagerungsform  und  der  eruptiven  Mineral- 
zusammensetzung und  -structur  das  erste  oder  beide  verloren  ge- 
gangen sind.  In  den  gestörten  Schichtensystemen  haben  die  gebirgs- 
bildenden  Kräfte  die  ursprüngliche  eruptive  Lagerungsform  oft  ganz  ver- 
nichtet und  einheitliche  Eruptivmassen  in  einzelne  „linsenförmige  Ein- 
lagerungen“ aufgelöst.  Mit  stetig  wachsender  Sicherheit  vermag  man  aber 
dann  häufig  aus  dem  Mineralbestand,  aus  der  chemischen  Zusammensetzung 
oder  aus  der  Structur  den  eruptiven  Ursprung  zu  erkennen  wie  in  dem 
vorliegenden  Falle. 


Tafel  1. 

Taf.  I und  Taf.  II,  Fig.  1 — 3 stellen  immer  stärkere  Grade  der 
Zertrümmerung  und  Druckschieferung  an  dem  Turmalingranit  von 
Miltitz  und  Maxen  dar,  Taf.  I,  Fig.  1 im  gewöhnlichen  Lichte,  die  übrigen 
zwischen  gekreuzten  Nicols. 

Turmalingranit  vom  rechten  Triebischthalgehänge  bei  Miltitz, 
Text  S.  29  - 35. 

Fig.  1,  S.  30.  Vergrösserung  12. 

Die  ursprüngliche  Granitstructur  ist  noch  erhalten.  Gestalt  und 
gegenseitige  Abgrenzung  der  stark  getrübten  Feldspath-  und  der  hellen, 
von  Zügen  von  Flüssigkeitseinschlüssen  durchzogenen  Quarzkörner  zeigen 
im  gewöhnlichen  Lichte  keine  Veränderung.  Dagegen  deuten  zahlreiche, 
im  Bilde  von  oben  nach  unten,  den  Zügen  von  Flüssigkeitseinschlüssen 
parallel  laufende  Sericitspältchen  auch  hier  schon  Druckwirkungen  an. 

Fig.  2.  Das  vorige  zwischen  gekreuzten  Nicols.  Die  in  Fig.  1 ein- 
heitlich erscheinenden  Quarzkörner  sind  zerdrückt  und  zerfallen  in  ein 
kleinkörniges  Aggregat.  Auch  der  Feldspath  beginnt  seine  Einheitlichkeit 
zu  verlieren.  Die  Sericitspältchen  treten  deutlich  hervor. 

Fig.  3.  Vergrösserung  10.  Die  Zertrümmerung  der  Quarz-  und  Feld- 
spathkörner  ist  stärker  und  schon  im  gewöhnlichen  Lichte  erkennbar. 
Sie  erzeugt  stellenweise  eine  gneissartige,  gestrecktflaserige  und  Augen- 
structur. 

Fig.  4.  Vergrösserung  12.  Zahlreiche  und  breite  Sericitbänder 
durchziehen  das  Bild  und  bringen  eine  ausgeprägte  gestrecktflaserige 
Structur  hervor. 

Fig.  5.  Vergrösserung  11.  „Turmalinsericitgneiss.“  Augen- 
structur.  Der  Turmalin  in  der  Mitte  zeigt  nur  eine  geringe  randliche 
Absplitterung,  der  Granat  (links  vom  Turmalin)  ist  dagegen  stark  zerdrückt 
und  mondsichelförmig  ausgezogen. 

Fig.  6.  Vergrösserung  17.  „Turmalinsericitgneiss.“  Augen - 

structur  um  Feldspath  und  Granat.  Dieser  ist  stark  rissig. 


»• 


Abhandlungen 

der 

Naturwissenschaftlichen  Gesellschaft 

MS 

in  Dresden. 


1902. 


V.  lieber  Melanismus  korsischer  Käfer. 

Von  Prof.  Dr.  O.  Schneider,  Dresden-Blasewitz. 


In  der  entomologischen  Litteratur,  vornehmlich  in  französischen  Fach- 
zeitschriften, begegnen  wir  mehrfach  dem  Hinweise  darauf,  dass  in  Korsika 
bestimmte  Käferarten  nur  in  einer  dunklen  Varietät  oder  neben  der  Stamm- 
form auch  in  dunkleren  Aberrationen  auftreten;  diese  Angaben  erweisen 
sich  aber  als  keineswegs  erschöpfend  und  sind  zudem  auch  nie  zusammen- 
gefasst worden.  Dadurch,  dass  es  mir  vergönnt  war,  im  April  1899  vier  Wochen 
lang  bei  Ajaccio  und  auf  kürzeren  Ausflügen  über  den  Pass  von  Vizzavona, 
bei  Cauro,  bei  Corte,  besonders  im  Bestonikathale,  und  bei  Bastia  zu 
sammeln,  steigerte  sich  mein  Interesse  an  den  melanistischen  Käferformen 
Korsikas  so,  dass  ich  beschloss,  mir  über  den  Umfang  und  den  Grund 
dieser  Dunkelung  nach  Möglichkeit  Klarheit  zu  verschaffen.  Ich  hatte  nun 
wohl  die  Freude,  einige  noch  nicht  bekannte  Fälle  von  Melanismus  durch 
mein  Sammeln  in  Korsika  nachweisen  zu  können,  doch  musste  das  Er- 
gebniss  meines  dortigen  Forschens  sich  naturgemäss  sehr  lückenhaft  ge- 
stalten, da  dieses  ja  auf  nur  einen  Frühlingsmonat  und  in  der  Hauptsache 
auf  das  Küstengebiet  bei  Ajaccio  beschränkt  blieb;  so  war  es  denn  betreffs 
jenes  Planes  für  mich  von  hohem  Werthe,  dass  ich  für  denselben  das  leb- 
hafte Interesse  und  die  in  liebenswürdigster  Weise  gewährte  Hülfe  des 
Herrn  George  Paul  Vodoz  aus  Lausanne  gewann,  der,  seit  Jahren  in 
Korsika  weilend,  zumeist  bei  Ajaccio,  während  der  Hochsommermonate 
aber  im  Gebirge  bei  Vizzavona  oder  Bocognano  dem  Käferfange  oblag, 
soweit  es  sein  körperliches  Befinden  erlaubte,  ausserdem  aber  bei  Bocog- 
nano Knaben  und  in  weiterem  Gebiete  den  für  den  Insectenhandel  thätigen 
Korsen  Felix  Giuglielmi  sammeln  liess  und  Alles,  was  der  Letztere  fand, 
zur  Durchsicht  und  Auslese  vorgelegt  erhielt.  Ihm  verdanke  ich  neben 
ganzen  Reihen  aberrirender  Käfer  auch  Angaben  über  einzelne  in  seiner 
Sammlung  befindliche,  für  die  vorliegende  Betrachtung  bedeutungsvolle 
Stücke,  Mittheilungen  über  das  procentuale  Verhältniss  der  Aberrationen 
zu  der  Stammform  in  verschiedenen  Höhen  und  den  Nachweis  von  ent- 
sprechenden Bemerkungen  in  der  französischen  Litteratur,  also  überhaupt 
die  Möglichkeit,  meine  Darstellung  dem  Inhalte  nach  zu  einer  gewissen 
Vollständigkeit  zu  erheben. 

Bei  der  folgenden  Besprechung  der  zu  Melanismus  neigenden  korsischen 
Arten  bin  ich  nicht  durchaus  der  systematischen  Anordnung  gefolgt,  sondern 
habe  einige  für  die  zu  erörternde  Frage  besonders  wichtige  Thiere  an  die 
Spitze  gestellt.  Die  neben  der  Stammform  oder  einer  dieselbe  auf  Korsika 


44 


vertretenden  Varietät  daselbst  verkommenden  Farbenabänderungen  be- 
zeichne ich  nicht,  wie  in  der  Coleopterologie  meist  noch  Brauch,  als  Varie- 
täten, sondern  als  Aberrationen  (ab.)  im  Sinne  der  Lepidopterologen. 

1.  Necrophorus  corsicus  Laporte. 

Es  ist  gewiss  allen  .Käfersammlern,  die  reicheres  Material  vor  Augen 
batten,  aufgefallen,  dass  die  schwarzen  wie  die  rothgebänderten  Necro- 
plioren  sehr  selten  und  auch  dann  nur  wenig  in  der  Färbung  der  Flügel- 
decken abändern,  derart,  dass  bei  N.  germanicus  und  humator  rotbe  Fleck- 
chen auftreten,  während  bei  den  gebänderten  Arten  die  Ausdehnung  der 
rothen  Binden  sich  etwas  steigert  oder  verringert.  Solche  Bindenänderung 
sehe  ich  in  meiner  Sammlang,  abgesehen  von  der  var.  interriiptus  des 
N.  vestigator^  nur  an  einem  N.  vespilloides  von  Welschnoferi,  bei  dem  die 
schwarze  Mittelbinde  in  Flecke  aufgelöst  ist,  und  an  2 (von  20)  Exemplaren 
des  JSf.  interrnptiis  Steph.;  das  eine  der  letzteren  hat  ungewöhnlich  breite 
und  in  der  Mitte  verbundene  rothe  Binden,  so  dass  von  der  schwarzen 
Mittelbinde  nur  ein  mittelgrosser  Seitenfleck  und  ein  Fleckchen  an  der 
Naht  übrig  ist,  das  andere  dagegen  zeigt  eine  schmale  und  abgekürzte 
rothe  Spitzenbinde,  deren  innerster  Theil  durch  einen  schwarzen  Zwischen- 
raum als  ein  kleines  Fleckchen  von  dem  äusseren  Haupttheile  abgetrennt 
ist.  Nur  im  letzteren  Falle  giebt  sich  augenscheinlich  Neigung  zu  Mela- 
nismus, in  den  anderen  vielmehr  die  Tendenz  zu  grösserer  Aufhellung  kund. 
So  befinden  sich  zweifellos  auch  in  anderen  Sammlungen  Aberrationen  der 
typischen  Necrophoren,  doch  gewiss  wohl  nur  in  geringem  Procentsatze 
und  mit  geringer  Abänderung  besonders  in  melanistischem  Sinne.  Je 
weniger  nun  im  Allgemeinen  die  rothgebänderten  Todtengräber  variiren, 
desto  merkwürdiger  muss  ein  Mitglied  dieser  Gruppe  erscheinen,  das  auf 
engem  Fundgebiete  von  der  zweibänderigen  bis  zu  einer  fast  ganz 
schwarzen  Form  abändert  und  dabei  häufiger  in  melanistischen  Aberrationen 
als  in  der  zweibindigen  Stammform  auftritt;  das  aber  thut  N.  corsicus, 
der  deshalb  mit  Recht  in  dem  letzten  Catalogus  Coleopt.  Europae  et 
Caucasi  zwischen  die  schwarzen  und  gebänderten  Arten  gestellt  erscheint. 

Laporte  beschreibt  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.  I,  1832,  S.  399  seinen  Necro- 
phorus corsicus  folgendermassen:  ,, Niger,  fronte  macula  quadrata;  anten- 
narum  clava  et  fasciis  2 elytrorum  flavis,  prima  angustissima,  sinuata, 

interrupta  et  saepius  obsoleta Elytres  d’un  brun  noirätre  avec 

une  tache  transversale  d’un  jaune  orange  clair,  tres  etroite,  sinueuse, 
interrompue  et  quelquefois  entierement  effacee,  situee  derriere  Fangle 
humeral;  et  une  autre  de  meine  couleur,  grande,  large,  transversale  en 

arriere,  sinueuse  sur  les  bords  et  retrecie  pres  de  la  suture “ 

An  dieser  Beschreibung  ist  das  Folgende  auszusetzen:  Die  Grundfarbe 
ist  tiefschwarz,  nicht  schwärzlichbraun ; die  röthliche  Makel  am  Kopfschilde 
ist,  wie  bei  den  meisten  der  übrigen  Arten,  sehr  veränderlich  und  nur 
selten  annähernd  rechteckig,  öfter  dagegen  abgerundet  dreieckig  oder 
schmal  bogenförmig;  die  Farbe  der  ,,orangerothen“  Binden  ist  zumeist 
deutlich  düsterer,  stumpfer  als  bei  den  mitteleuropäischen  Verwandten 
und  der  Ausdruck  ,, interrupta“  (interrompue)  lässt  nicht  klar  erkennen, 
ob  Laporte  die  Form  mit  in  mehrere  Flecke  aufgelöster  oder  die  mit 
abgekürzter  Vorderbinde  vor  sich  hatte;  das  Letztere  lässt  der  Hinweis 
vermuthen,  dass  diese  Binde  völlig  öfters  erloschen  sei. 


45 


1839  hat  dann  Gene  in  seiner  Arbeit  De  quibusdam  insectis  Sar- 
diniae  novis  aut  minus  cognitis  (R.  Taurin.  Arcbyg.  Zool.  prof.  et  mus. 
hist,  natur.  praef.  fascicul.  II,  S.  18  — 19,  Taf.  I,  Fig.  13  und  13)  unsere 
Art  nach’  von  ihm  in  Sardinien  erbeuteten  Stücken  als  N.  funereus  von 
Neuem  beschrieben  derart,  dass  er  betreffs  der  Vorderbinde  behauptet: 
„Fascia  in  mare  interrupta  videlicet  macularis  (die  Abbildung  zeigt  einen 
grösseren  Seitenfleck  und  zwei  weitere  kleine  Fleckchen),  in  femina  latius- 
cula,  Continua,  undulata-dentata“.  Diese  Unterscheidung  der  Geschlechter 
des  korsischen  Todtengräbers  nach  der  Form  der  Vorderbinde  erscheint 
nach  dem,  was  mein  korsisches  Material  zeigt  und  auch  nach  einer  von 
mir  eingeholten  Auskunft  des  Herrn  Vodoz  völlig  unhaltbar;  ich  besitze 
auch  männliche  N.  corsiciis  mit  voll  ausgebildeter  und  weibliche  mit  in 
Flecke  aufgelöster  Vorderbinde.  Ebenso  irrig  ist  nach  den  korsischen 
Stücken  Gene’s  Behauptung:  „macula  clypei  omnino  nulla  in  faemina“, 
denn  meine  sämmtlichen,  zahlreichen  Weibchen  von  N.  corsicus  haben 
diesen  Fleck.  Da  Gene  ausdrücklich  erwähnt,  dass  sein  N.  funereus  in 
Sardinien  häuflg  sei,  scheint  es,  dass  er  nur  wenig  und  zwar  stark  gezeichnete 
Stücke  mitgenommen  hat  und  durch  dieselben  zu  irrigen  Angaben  verleitet 
worden  ist;  man  müsste  sonst  — abgesehen  von  den  offenbaren  Flüchtig- 
keiten in  Gene’s  Beschreibung  — annehmen,  dass  unsere  Art  in  Sardinien 
weit  weniger  zu  Melanismus  neige  als  in  Korsika,  was  nachzuweisen  von 
hohem  Interesse  sein  würde*). 

In  seiner  Fauna  baltica,  S.  216  schreibt  Seidlitz  dem  N.  corsicus  z\x: 
,,Nur  eine  gelbe  Querbinde  vor  der  Spitze  und  fast  ganz  schwarzen  um- 
geschlagenen Seitenrand“,  was  weder  der  Beschreibung  von  Laporte  noch 
den  Thatsachen  entspricht. 

Endlich  hat  Herr  W.  Meier  in  den  Entomologischen  Nachrichten  1900, 
S.  218  das  Ergebniss  einer  Untersuchung  von  22  N.  corsicus  mitgetheilt, 
die  er  von  Herrn  Vodoz  erhalten  hatte.  Er  sieht  die  Stammform  in  den 
Stücken,  bei  denen  die  Vorderbinde  nur  an  der  Seite  durch  eine  kleine 
Makel  angedeutet  ist,  und  dieser  Ansicht  lässt  sich  wohl  beistimmen,  da 
Laporte  diese  Form  zuerst  erwähnt  zu  haben  scheint  und  dieselbe  an 
Häufigkeit  alle  anderen  weit  übertrifft.  Die  von  Laporte  ebenfalls, 
doch  an  zweiter  Stelle  erwähnte  Form,  bei  welcher  die  Vorderbinde  gänzlich 
geschwunden  ist,  benannte  er  var.  Laportei,  die  mit  bis  über  die  Mitte 
der  Decke  reichender  Vorderbinde  var.  Vodo^i.  Nach  einer  brieflichen 
Mittheilung  des  Herrn  Vodoz  rechnete  Meier  zu  letzterer  Varietät  auch 
zwei  Stück  mit  in  zwei  Flecken  aufgelöster  Vorderbinde,  — (,,bei  einem  reicht 
die  Binde  durch  eine  abgesetzte  rothe  Innenmakel  fast  bis  zur  Naht,  bei 
dem  anderen  findet  sich  die  Normalmakel  am  Rande  und  ein  kleiner  gelber 
Fleck  nahe  dem  Schildchen“)  — was  denn  doch  der  Beschreibung  nicht 
scharf  entspricht  und  wegen  der  Nothwendigkeit,  die  Dunkelungsstufen 
schrittweise  verfolgen  zu  können,  unzulässig  ist. 

In  den  hellsten  Abänderungen  nun  erscheint  der  iV.  corsicus  in  Folge 
seiner  schmäleren  rothen  Binden  schon  weit  dunkler,  düsterer  als  alle 


*)  Dieser  Nachweis  ist  erfreulicherweise  inzwischen  bereits  durch  Herrn  Ag.  Dodero 
erbracht  worden,  der  im  vergangenen  Frühjahr  wiederum  in  Sardinien  sammelte  und  mir 
schrieb : „Les  N.  corsicus,  que  Ton  trouve  en  Sardaigne,  appartiennent  a la  var.  funereus 
Gene,  qui  a les  taches  jaunes  bien  developpöes,  meme  les  anterieures.  Les  exemplaires 
tj^piques  sont  bien  plus  rares“. 


46 


übrigen  gebänderten  Todtengräber  Europas  und  zumeist  wird  dieser  Eindruck 
noch  durch  mehr  oder  minder  starkes  Schwinden  der  rothen  Zeichnung 
erhöht;  es  ergeben  sich  nämlich  nach  dem  in  meinem  Besitze  befindlichen 
Materiale  in  Rücksicht  auf  die  rothen  Binden  folgende  Formen: 

1.  Vorderbinde  vollständig,  Hinterbinde  vollständig  = (funereus 
Gene  9)  ab-  Vodo^i  Meier. 

2.  Vorderbinde  in  zwei  bis  vier  Flecke  aufgelöst,  Hinterbinde 
vollständig  = {funereus  Gene  var.  Vodozi  Meier  ex  parte) 
ab.  solutus  m. 

3.  Vorn  nur  ein  Randfleck,  Hinterbinde  vollständig  = corsicus 
Lap.  (Meier). 

4.  Vorn  nur  ein  Randfleck,  Hinterbinde  durchbrochen  — ab. 
scissus  m. 

5.  Vorn  nur  ein  Randfleck,  Hinterbinde  zu  einem  grösseren  Rand- 
fleck abgekürzt  = ab.  mancus  m. 

6.  Vorderbinde  fehlt  ganz,  Hinterbinde  vollständig  = {corsicus 
Lap.  ex  parte)  ab.  Laportei  Meier 

7.  Vorderbinde  fehlt  ganz,  Hinterbinde  durchbrochen  = ab. m. 

8.  Vorderbinde  fehlt  ganz,  Hinterbinde  zu  einem  grösseren  Rand- 
fleck abgekürzt  = ab.  subniger  m. 

Bei  No.  2 sind  die  inneren  Flecke  meist  recht  oder  sehr  klein. 

Bei  No.  3 ist  der  Randfleck  oft,  bei  4 und  5 wohl  immer  klein  oder 
sehr  klein,  nicht  selten  nur  am  umgeschlagenen  Theile  des  Randes  sichtbar, 
hie  und  da  auch  in  zwei  Fleckchen  oder  Pünktchen  aufgelöst. 

Bei  dem  einzigen  Stück,  das  ich  von  No.  8 besitze,  entspricht  die 
eine  Flügeldecke  ganz  der  Beschreibung,  während  die  andere  an  der  Stelle 
des  inneren  Bindentheiles  noch  zwei  winzige,  nur  unter  Vergrösserung 
deutliche  rothe  Fleckchen  aufweist. 

Ein  ganz  schwarzer  N.  corsicus  ist  mir  und  auch  Herrn  Vodoz  noch 
nicht  vorgekommen,  doch  zweifle  ich  nicht,  dass  er  sich  finden  wird. 

Die  Röthung  des  umgeschlagcnen  Randtheiles  entspricht  einigermassen, 
doch  keineswegs  genau  der  Ausbildung  der  Binden:  Bei  den  Formen  1 — 5 
beginnt  sie  mit  dem  Vorderrande,  der  Mitte  oder  dem  Hinterrande  der 
Binde  oder  des  Randfleckes,  bisweilen  auch  erst  ein  Stück  hinter  demselben 
und  reicht  bis  zu  dem  spitzwinkeligen  Verlaufe  der  Fläche;  bei  den  Formen 
6—8  beginnt  sie  im  besten  Falle  ein  Stück  Jiinter  der  Stelle  des  nun 
fehlenden  vorderen  Randfleckes,  fehlt  aber  oft,  auch  schon  bei  ab. 
Laportei  ganz. 

Eine  Dunkelung  der  röthlichen  Fühlerkeule  habe  ich  nicht  beobachten 
können. 

Das  Zahlen verhältniss  der  verschiedenen  Formen  von  N.  corsicus 
schätzte  Herr  Vodoz  auf  Grund  dreijähriger,  viele  Hunderte  von  Stücken 
betragender  Ausbeute  für  das  Hundert  auf 
9 Vodozf 
15  solutus^ 

60  corsicus  (sammt  dem  seltenen  scissus)^ 

15  Laportei  (sammt  dem  seltenen  hifldus), 

1 mancus  oder  subniger. 


47 


Wenn  nun,  wie  doch  zweifellos  ist,  die  gegenüber  den  übrigen  ge- 
bänderten Necrophorus-kvioin  schon  sehr  dunkel  erscheinende  Form  Vodozi 
der  Entwickelung  nach  als  Stamm-  und  Ausgangsform  oder  doch  als  erste 
Dunkelungsform  einer  helleren  Stammform  des  korsischen  Todtengräbers 
anzusehen  ist,  so  ergiebt  sich  aus  den  obigen  Zahlen  doch  mit  Sicherheit, 
dass  sich  an  dieser  Art  in  Korsika  ein  Verdunkelungsprocess  vollzieht,  der 
mit  der  Hauptmasse  bereits  bis  zu  der  Form  corsicus  vorgeschritten  ist 
und  einerseits  die  früher  herrschenden  Formen  Vodo^i  und  solutus  über- 
wunden und  seltener  hat  werden  lassen,  andererseits  aber  auch-,  bereits 
kräftig  weiter  gewirkt  und  selbst  schon  fast  ganz  schwarze  Stücke  ge- 
liefert hat.  Wir  werden  also  wohl  annehmen  müssen,  dass  im  Laufe  der 
Jahrhunderte  die  einbindigen  Formen  überwiegen  werden  und  endlich  eine 
bindenlose,  völlig  schwarze  Aberration  als  die  vorherrschende  und  schliesslich 
alleinige  sich  herausbilden  wird.  Sollte,  während  diese  Wandelung  in 
Korsika  sich  vollzieht,  in  Sardinien  die  Art  wie  bisher  bei  den  zwei- 
bindigen  Formen  verharren,  so  würde  jede  der  Inseln  zuletzt  eine  be- 
sondere Localrasse  aufzuweisen  haben,  so  verschieden  von  der  der  Nach- 
barinsel, dass  man  kaum  in  beiden  Aberrationen  derselben  Stammform 
vermuthen  wird.  Die  an  sich  mögliche  Annahme,  dass  sich  an  Necropliorus 
corsicus  ein  Umwandelungsprocess  aus  einer  schwarzen  Stammform  in  eine 
zweibindige  Form  vollziehe,  erscheint  schon  durch  die  weiter  zu  besprechenden 
melanistischen  Aberrationen  auf  korsischem  Boden  als  unhaltbar. 

2.  Trichius  rosaceus  Voet  var.  corsicus  Kraatz. 

lieber  diese  korsische  Varietät  des  mitteleuropäischen  Trichius  rosaceus 
und  ihre  Aberrationen  hat  Kraatz  in  seinem  Aufsatz  „Die  Varietaeten 
des  Trichius  rosaceus  Voet“  in  d.  D.  E.  Z.  1891,  Seite  193  — 195  grund- 
legend gesprochen,  doch  bedürfen  seine  Ausführungen  einiger  Ergänzung. 
Wir  setzen  dabei  voraus,  dass  Trichius  corsicus  wirklich  als  Varietät  zu 
Tr.  rosaceus  zu  ziehen  ist,  was  vielleicht  noch  genauer  Untersuchung  be- 
darf. Die  Stammform  kommt  in  Korsika  nicht  vor ; sie  wird  da  vertreten 
durch  eine  Localrasse  (var.  corsicus>  Kr.)  mit  breiteren  schwarzen  Binden 
und  — was  Kraatz  nicht  erwähnt  — mit  breiter  geschwärzter  Naht. 
Es  kommt  also  schon  in  dieser  hellsten  korsischen  Form  des  Tr.  rosaceus 
ähnlich  wie  bei  dem  Necrophorus  corsicus  ab.  Vodozi  die  Neigung  zum 
Melanismus  zu  klarem  Ausdruck,  und  diese  erweist  sich  dann,  wie  bei  dem 
korsischen  Todtengräber,  in  sehr  häufigen  Abänderungen  derart,  dass  die 
schwarzen  Binden  in  der  Längs-  und  Querrichtung  minder  oder  mehr  zu- 
sammenlaufen, bis  bei  den  dunkelsten  Formen  die  gelbe  Grundfarbe  fast 
ganz  geschwunden  ist.  Dieses  häufige  und  starke  Abändern  in  mela- 
nistischem  Sinne  muss  auch  bei  dieser  Art  sehr  auffallen,  da  die  Trichius 
im  Allgemeinen  und  so  auch  Trich.  rosaceus  in  ein  und  demselben  Fund- 
gebiete selten  und  dann  meist  nur  wenig  von  der  herrschenden  Form  ab- 
weichen; von  letzterer  Art  besitze  ich  zehn  ganz  gleicli  gezeichnete  typische 
Stücke  aus  Holland,  dagegen  aus  Südtirol  eines,  bei  dem  die  Naht  breiter 
geschwärzt  ist  und  die  Mittelbinden  mit  den  Spitzenbinden  durch  je  ein 
gebogenes,  schmales  Band  verbunden  sind,  auch  die  Form  der  bis  nahe 
an  die  Naht  sich  erstreckenden  Mittelbinden  beider  Flügeldecken  und  eine 
braune  Dunkelung  des  schmalen  Zwischenraumes  die  Vereinigung  der  Mittel- 
binden über  die  Naht  hinweg  andeuten. 


48 


Von  Abänderungen  des  Tricli.  rosaceus  var.  corsiciis  sind  mir  aus 
Korsika  folgende  bekannt: 

1.  Schulter-  und  Mittelbinde  verbunden  = ab.  conjunctus  Kr. 

2.  Mittel-  und  Spitzenbinde  verbunden  = ab.  suturalis  Kr. 

3.  Alle  drei  Binden  in  der  Längsrichtung  verbunden  = ab.conneirtf5  Kr. 

4.  Flügeldecken  schwarz  mit  Ausnahme  eines  schwachen  gelben 
Streifens  neben  der  Naht  = ab.  Vodo^i  m. 

5.  Alle  Binden  in  der  Längs-,  die  beiden  hinteren  auch  in  der 
Querrichtung  verbunden  = ab.  interruptus  Kr. 

6.  Ebenso,  doch  durch  stärkeres  Ueberwiegen  der  schwarzen 
Zeichnung  dunkler  = ab.  zonatiis  Germ. 

Von  der  schönen  Form  No.  4 kenne  ich  nur  ein  Stück  in  der  Sammlung 
des  Herrn  Vodoz;  es  hat  als  Ueberrest  der  hinteren  gelben  Binde  auf 
jeder  Flügeldecke,  etwa  in  der  Mitte  zwischen  Naht  und  Seitenrand  ein 
winziges  gelbes  Pünktchen,  das  nur  unter  der  Lupe  deutlich  erkennbar  ist. 

Ganz  schwarze  Trichius  sind  aus  Korsika  noch  nicht  bekannt  geworden, 
doch  wird  man  deren  Auffindung  wohl  mit  Sicherheit  entgegensehen  dürfen, 
umsomehr  da  Gene  loc.  cit.  fascicul.  II,  S.  26  aus  Sardinien  einen  Trichius 
zonatus  var.  y mit  ganz  schwarzen  Flügeldecken  (elytris  penitus  nigris) 
erwähnt  (ab.  nigerrimus  m.).  Eine  auf  genügendes  Material  der  sardischen 
Aberrationen  des  Trichius  rosaceus  gegründeter  Vergleich  derselben  mit 
den  korsischen  würde  von  grossem  Interesse  sein;  vielleicht  dürfen  wir 
einen  solchen  von  Herrn  Dodero  erwarten. 

Herr  Vodoz  theilte  mir  mit,  dass  nach  Untersuchung  von  etwa 
700  Stück  des  korsischen  Trichius  auf  hundert  kommen 

47  corsicus, 

20  conjunctus^ 

15  suturalis^ 

10  connexus^ 

2 interruptus^ 

6 zonatus. 

Die  für  Korsika  hellste  Form  wiegt  also  noch  vor,  die  dunkleren  sind 
aber  häufig  und  machen  zusammen  mehr  als  die  Hälfte  der  gesammten 
Stücke  aus. 


3.  Cetonia  aurata  L. 

Ueber  das  Abändern  der  Cet.  aurata  auf  Korsika  haben  sich  Champion 
(Transact.  Entom.  Soc.  of  London  1894),  Reitter  (Entomol.  Nachr.  1896, 
S.  243  ff.)  und  Dr.  M.  Heller  (Ebenda  1900,  S.  54 — 57)  geäussert,  welcher 
Letztere  von  Vodoz  gesammeltes  Material  vor  Augen  hatte. 

Die  typische  Cet,  aurata  L.  ist  nach  brieflicher  Versicherung  des 
Herrn  Vodoz  bei  Ajaccio  häufig;  ihr  ist  an  Färbung  fast  gleich  ab.  corsicana 
Heller.  Die  oben  ebenfalls  grünen  Aberrationen  Hell.,  immaculata 

Hell,  und  thoracalis  Hell,  zeigen,  die  erste  durch  schwarze  Tarsen,  die  zweite 
durch  erzfarbene,  purpurn  übergossene  Unterseite,  die  dritte  durch  blaue 
Färbung  des  Kopfes,  Halsschildes  und  Schildchens  sowie  der  Schulterbeulen 
die  beginnende  Dunkelung;  ab.  tunicata  Reitt.  hat  die  bei  thoracalis 
blauen  Theile  purpurfarben,  die  Flügeldecken  grünlich  erzfarben,  ab.  sordida 


49 


Hell,  schmutzig  blaulichgriine  Decken  und  bleifarbenen,  schwach  grünlich 
schimmernden  Thorax;  ab.  viriditarsis  Hell,  ist  oben  und  unten  grünlich- 
kupferfarben; ab.  Heer  erscheint  in  seinen  korsischen  Abänderungen 

mehr  oder  minder  dunkelkupferroth  und  geht  durch  seine  düstersten  Stücke, 
hie  und  da  auch  durch  bereits  schwarze  Flügeldecken  oder  schwarzes 
Halsschild  über  in  die  völlig  schwarze  ab.  nigra  Gaut.,  wie  auch  die 
prächtige  grünlich-  oder  sattblaue  var.  meridionalis  durch  sehr  dunkel- 
blaue Stücke  in  ganz  schwarze  übergeht,  die  aber  immer  noch  einen  blauen 
Schimmer  zeigen.  Und  alle  diese  Aberrationen  stammen  aus  der  Küsten- 
ebene bei  Ajaccio  und  dem  Gebirgsgebiete  bei  Vizzavona  und  Bocognano; 
welche  Ausdehnung  der  Farbenwandlung  bei  einer  Art  auf  so  eng  be- 
grenztem Terrain ! 

Allgemein  gültige  Verhältnisszahlen  lassen  sich  nach  Herrn  Vodoz  für 
das  Auftreten  der  Aberrationen  nicht  geben,  da  im  Küstengebiete  die 
dunklen  (piirpurata^  meridionalis  und  nigra  mit  ihren  üebergangsformen) 
nur  sehr  selten  unter  der  Masse  der  Stammform  und  der  helleren  Ab- 
änderungen auftreten,  während  sie  bei  Vizzavona  etwa  ein  Viertheil  aller 
ausmachen. 

4.  Potosia  affinis  Andersch  ysly,  mirifica  Muls. 

Die  glänzend  hellgrüne  Stammform  von  Pot.  affinis  und  deren  aus 
Tirol  bekannte  röthliche  var.  pgrocliroiis  Reitt.  finden  sich  in  Korsika  nicht. 
Als  var.  mirifica  liegen  mir  von  da  vor  hell-,  dunkler-  und  bläulichgrüne 
Stücke  mit  bräunlichgelben,  erzgrüne  mit  purpurnen  und  dunkelblaue  mit 
gelblichgrünen  Flügeldecken wülsten,  und  Vodoz  besitzt  in  seiner  Sammlung 
ausserdem  leuchtendrothe,  dunkelviolette  und  bleigraue  Stücke,  welch  letztere 
je  nach  der  Beleuchtung  roth  oder  grün  schillern;  es  tritt  also  auch  diese 
Cetoniine  auf  der  Insel  in  auffällig  vielen  Farbenänderungen  auf,  die 
durchweg  und  zwar  zum  Theil  weit  dunkler  sind  als  die  Stammform. 

5.  Potosia  floricola  Hbst.  var.  cuprea  Muls. 

Da  die  Stammform  in  Korsika  nicht  vorzukommen  scheint,  müssen 
wir  der  cuprca  Muls.  für  die  Insel  das  Recht  einer  Varietät  zuerkennen. 
Dieselbe  ändert  nach  Vodoz’  Angabe,  der  über  1000  Stück  vor  Augen 
hatte,  ihre  hellgrünlichbraune  Färbung  wenig  ab;  nur  selten  findet  man 
graugrüne  Stücke.  Immerhin  kann  die  des  lebhafteren  Grün  mancher  P. 
floricola  völlig  entbehrende  Form  zu  den  melanistischen  gezählt  werden. 
Nach  Angabe  des  Herrn  Vodoz  bezeichnete  Reitter  die  Form  als  typische 
var.  cuprea. 

6.  Anomala  junii  Duft.  ys^y.  scutellaris  Muls. 

Auch  Anomala  junii  fehlt  auf  Korsika;  die  sie  da  vertretende  var. 
scutellaris  hat  stärker  punktirte  und  daher  etwas  weniger  glänzende  Flügel- 
decken und  einen  grossen  grünlich-  oder  röthlichschwarzen  Fleck  um  das 
Schildchen;  dabei  sind  aber  merkwürdigerweise  die  Seiten  des  Thorax,  die 
bei  A.  junii  nur  undeutlich  oder  schmal  gelb  gesäumt  sind,  sehr  breit 
gelb  gerandet,  und  dazu  treten  nicht  selten  an  der  Basis  vor  dem  Schildchen 
zwei  nach  aussen  offene  halbmondförmige  gelbe  Flecke,  die  hie  und  da 
in  loser  Verbindung  mit  dem  hinteren  Ende  des  gelben  Seitenrandes  stehen 
und  dieser  Aberration  (maculicollis  m.)  ein  fremdartiges  Aussehen  geben. 
Nur  selten  auftretende  Zwischenformen  leiten  von  der  var.  scutellaris  über 


50 


zu  der  ganz  dunkelgrünen  ab.  rugosula  Fairm.  (Doublier l Muls.),  die,  soweit 
ich  nach  geringem  Materiale  beurtheilen  kann,  keine  Spur  der  gelben 
Halsschildzeichnung  aufweist. 

Allgemein  gültige  Verhältnisszahlen  lassen  sich  auch  für  das  Auftreten 
dieser  Form  nicht  aufstellen,  denn  im  Tieflande  des  Campo  di  Toro  kamen 
nach  Vodoz  auf  100  scutellaris  nur  drei,  im  Gebirge  bei  Bocognano  aber 
33  rugosula^  beides  nach  dreijähriger  reicher  Ausbeute. 

7.  Cicindela  campestris  L.  var.  corsicana  Roeschke. 

Die  Stammform  fehlt  in  Korsika.  Die  korsische  Varietät  wurde  früher, 
auch  von  den  namhaftesten  Coleopterologen  zu  var.  connata  Heer  gezogen, 
was  ich  stets  bekämpft  habe.  In  den  Sammlungen  fand  ich  sie  auch 
fälschlich  als  var.  nigrita  bezeichnet.  Für  unsere  Betrachtung  ist  von 
Bedeutung,  dass  bei  corsicana  der  weisse  Scheibenfleck  „stets  in  einem 
grossen  tiefschwarzen  Wische  steht“  und  dass  sie  in  dunklere  Formen 
abändert.  Ich  fand  bei  Ajaccio  und  im  Restonikathale  auch  dunkler  grüne 
sowie  mattgrüne,  kupferig  übergossene  Stücke;  Herr  Vodoz  sah  bei  dem 
Sammler  Marshall  in  Ucciani  (380  m)  einige  ins  Rothbraune  ziehende 
Exemplare,  und  dazu  ist  seit  Langem  die  schwarze  Aberration  nigrita 
Dej.  von  Korsika  beschrieben  worden,  die  freilich  sehr  selten  und  local 
beschränkt  zu  sein  scheint.  Ich  sah  nur  das  eine  Stück,  das  mein  ver- 
ehrter Freund  Prof.  Dr.  Lucas  v.  Heyden  besitzt  und  mir  in  liebens- 
würdigster Weise  zur  Ansicht  sandte:  es  ist  unten  schwarz,  oben  dunkel- 
schwarzgrün, Grundfarbe  und  mattweisse  Zeichnung  sind  ohne  allen  Glanz, 
Humeral-  und  Apicalmakeln  unterbrochen.  Nach  einer  Aeusserung  des 
oben  erwähnten  Marshall  kommt  ab.  nigrita  nur  im  Gebirge,  besonders 
bei  Bastelica  (753  m)  vor.  In  Sardinien  scheint  var.  nigrita^  einer  brief- 
lichen Aeusserung  des  Herrn  Dodero  nach,  zu  fehlen;  auf  der  an  der  Süd- 
westküste von  Sardinien  liegenden  kleinen  Insel  San  Pietro  wird  Cic. 
campestris  durch  die  bis  in  neueste  Zeit  fälschlich  mit  nigrita  zusammen- 
geworfene sattblaue  var.  saphyrina  Gen.  vertreten. 

8.  Cicindela  litoralis  F.  var.  ohscurior  m. 

Während  ich  bei  Porto  Ferrajo  auf  dem  Korsika  so  nahen  Elba  bei 
zweimaligem  Besuche  dieser  Insel  die  grüne,  gross  und  hell  gefleckte 
Cicindele  fing,  die  in  den  Sammlungen  als  Cic.  litoralis  steckt,  erhielt  ich 
von  Ajaccio  zehn  im  Wesentlichen  gleiche  Stücke  der  Art  von  dunkelfahl- 
grüner Färbung  mit  kleineren,  matten  Fleckchen  und  zuweilen,  hie  und  da 
stark  unterbrochener  Achselbinde,  seltener  auch  mit  gelöster  Spitzenbinde, 
und  zwei  weitere  Stücke  derselben  Abänderung,  auch  von  Ajaccio  und  aus 
der  Hand  des  Herrn  Vodoz,  besitzt  das  Dresdener  Kgl.  Museum.  Ich  kenne 
von  keinem  anderen  mediterraneen  Fundorte  eine  ähnlich  düstere  C.  litoraMs, 
weshalb  ich  in  dieser  korsischen  Form  eine  besondere  Localrasse  vermuthe, 
für  die  ich  die  Bezeichnung  var.  ohscurior  vorschlage. 

9.  Eurynehria  complanata  h.Nav.  Kotscliyi  Rdtb. 

Herr  Vodoz  machte  mich  darauf  aufmerksam,  dass  die  an  der  Küste 
des  Campo  di  Toro  an  der  Gravonemündung  vorkommenden  Eurynehria 
compla7iata  stets  weit  stärker  gezeichnet  und  damit  dunkler  seien,  als  süd- 
französische Stücke,  die  er  besitze,  und  sandte  mir  sorgfältig  ausgeführte 


51 


Zeiclinuiigen  seines  hellsten  und  seines  schwärzesten  korsischen  Stückes. 
Aus  denselben  erhellt,  dass  die  korsischen  Eurynebrien  viel  dunkler  sind 
als  alle  Stücke  von  Morbihan,  Italien  und  Sicilien  in  meiner  Sammlung, 
dass  sie  aber  acht  vom  Grafen  Hoffmannsegg  in  Süclfrankreich,  wohl  nahe 
den  Pyrenäen  gesammelten  Exemplaren,  die  ich  besitze,  an  Ausdehnung 
der  schwarzen  Flügeldeckenzeichnung  noch  nicht  ganz  gleichkommen. 
Immerhin  gehören  aber  die  korsischen  Eurynebrien  zu  den  sehr  dunklen 
Vertretern  der  Art,  die  von  Redtenbacher  in  den  Denkschriften  der  Wiener 
Academie  1850,  S.  47  mit  dem  obigen  Varietätsnamen  belegt  worden  sind. 

10.  Bidessiis  bicarinatus  Latr.  var.  ohscurior  Desbr. 

Statt  der  durch  Vorwiegen  der  hellgelben  Grundfarbe  der  Elügel- 
decken  und  breiten  gelben  Mittelstreif  auf  dem  Halsschild  hellen  Stamm- 
form, wie  sie  z.  B,  bei  San  Remo  auftritt,  findet  sich  auf  Korsika  nur  und 
nach  Reitter’s  Katalog  nur  da  die  sehr  dunkle  Varietät  obscurior  Desbr.  mit 
im  Ganzen  schwarzer  Oberseite  und  wenigen,  zuweilen  kaum  mehr  erkenn- 
baren düsterrothen  Fleckchen  auf  den  Decken  und  der  Mitte  des  Thorax. 

11.  Bidessus  geminus  F.  var.  corsiciis  m. 

Der  hellste  Bid.  geminus,  den  ich  besitze,  hat  fast  ganz  gelbe  Decken 
und  stammt  aus  Buchara;  ihm  nahe  stehen  sämmtliche  Stücke,  die  ich  in 
Transkaukasien  (Poti,  Azkhur,  Etschmiadsin  und  Lenkoran)  sammelte, 
denn  sie  sind  alle  vorwiegend  gelb  auf  den  Flügeldecken,  deren  Basal- 
und Spitzenbinden  am  Rande  breit  gelb  verbunden  sind,  der  Vorderrand 
und  die  Seiten  des  Halsschildes  sind  breit  gelb  oder  röthlich  und  der  Kopf 
zumeist  zum  grossen  Theile  hellroth.  Meine  mitteleuropäischen  B.  geminus 
sind  nie  so  hell  und  ändern  zu  den  von  Schilsky,  D,  E.  Z.  1891,  S.  59  an- 
geführten dunkleren  Aberrationen  ab,  die  Dalla  Torre  als  var.  minimus 
Schranck  und  Duftsclimidi  D.  T:  bezeichnet  hat.  In  San  Remo  findet  sich 
nur  und  in  Menge  eine  recht  dunkle  Form,  die  man  zu  Duftsclimidi  ziehen 
kann;  auf  Korsika  ist  in  den  Tümpeln  am  Campo  di  l’oro  eine  noch  dunkler 
werdende  Varietät  gemein,  die  in  den  hellsten  Stücken  etwa  der  Beschrei- 
bung von  var.  Duftsclimidi  entspricht,  zuweilen  aber  keine  Spur  der  Vorder» 
binde  mehr  aufweist  und  oft  nur  geringe  Reste  der  Seiten -Längsbinde 
erkennen  lässt;  jedenfalls  ist  diese  nie  geschlossen. 

12.  Hydropdrus  varius  Aub.  ys^y.  pauper  m. 

Die  bei  der  Stammform,  wie  sie  sich  z.  B.  bei  San  Remo  findet,  aus 
kräftigen,  meist  an  den  Enden  verbundenen  gelben  Längsbinden  bestehende 
Zeichnung  der  Flügeldecken  ist  bei  den  korsischen  Stücken  nach  Länge 
und  Stärke  der  Binden  sehr  dürftig,  sehr  selten  sind  diese  verbunden,  oft 
dagegen  bis  auf  kurze  Strichelchen  geschwunden.  Ganglbauer  deutet 
(Die  Käfer  Mittel -Europas  1,  S.  467)  schon  an,  dass  die  Zeichnung  bei 
H.  varius  ,,oft  sehr  reducirt“  ist,  in  Korsika  aber  ist  sie  das  nach  meiner 
Beobachtung  stets,  so  dass  sich  da  eine  dunkele  Localrasse  herausgebildet 
zu  haben  scheint,  die  als  solche  wohl  einen  Namen  verdient. 

13.  Laccopliilus  variegatus  St.  yuy.  parump^tnctatus  m. 

Die  bei  Stücken  aus  Belgien,  Frankreich  und  Spanien  in  meiner 
Sammlung  sichtbare  helle  Fleckenzeichnung,  die  der  Art  den  Namen 


52 


„scheckig“  verschafft  hat,  ist  bei  der  korsischen  Varietät  höchstens  durch 
ein  paar  Pünktchen  und  Bogenstrichelchen  angedeutet,  dabei  sind  der 
Hinterrand  des  Kopfes  sowie  der  Vorder-  und  Hinterrand  des  Thorax 
breiter  schwarz  und  die  Unterseite  dunkler  braun  als  bei  der  Stammform. 
Da  Ganglbauer  loc.  cit.  1,  S.  483  bemerkt,  dass  bei  Lacc.  variegatm 
„manchmal  die  Flügeldecken  ganz  schwarz“  seien,  scheinen  ähnliche  Formen 
als  Aberrationen  hie  und  da  auch  anderwärts  vorzukommen. 

14.  Laccophilus  interruptiis  Panz.  yslv,  pichis  Küst. 

Alks,  was  ich  bei  Ajaccio,  besonders  am  Campo  di  Toro  von  Laccopli. 
interruptus  fing,  gehört  der  yslv.  pictus  an,  die  ja  ihren  Namen  davon  hat, 
dass  sich  von  ihren  dunkler  gefärbten  Flügeldecken  die  hellen  Seiten- 
fleckchen kräftiger  abheben  als  bei  der  Stammform.  Am  augenfälligsten 
aber  wird  der  Melanismus  der  korsischen  Stücke,  wenn  man  sie  mit 
solchen  der  hellen  var.  testaceiis  etwa  von  San  Remo  oder  Algier  vergleicht. 

15.  Orectochiliis  villosus  F.  var.  Bellie7‘'i  Reiche. 

Es  ist  bekannt,  dass  Orectoch.  villosus  auf  Korsika  durch  die  von  da 
beschriebene  var.  Bellieri  vertreten  wird,  die  von  der  Stammform  durch 
zum  Theil  angedunkelte  Unterseite  abweicht. 

16.  Laccohius  gracilis  Mötsch,  var.  nigritus  Rottb. 

Der  Autor  dieser  korsischen  Varietät  sagt  über  dieselbe:  ,,Eine  Ab- 
änderung, die  beim  ersten  Anblick  einen  von  der  Stammform  sehr  ab- 
weichenden Eindruck  macht  ....  Die  Färbung  ist  überwiegend  schwarz, 
meist  mit  einem  dunkelgrünen  Schimmer  bis  auf  die  Extremitäten,  einen  sehr 
schmalen  gelben  Seitenrand  des  Halsschildes  und  die  Spitze  der  Decken, 
welche  am  Aussenrand  und  innen  der  Naht  hellgelb  sind;  am  oberen  Ende 
ist  die  gelbe  Linie  meist  fleckenartig  erweitert.  Manche  Exemplare  zeigen 
auf  den  Decken  als  Rest  der  hellen  Färbung  noch  eine  bräunliche  un- 
regelmässige M^ürfelung.“ 

17.  Lycoperdina  validicornis  Gerst.  var.  suhpubescens  Reitt. 

Die  korsische  völlig  dunkle  Varietät  ist  nach  Reitter’s  Beschreibung 
und  zwei  Stücken,  die  ich  von  diesem  erhielt,  eine  ausgeprägte  Dunkelform 
der  ganz  hellen  sardischen  Stammform. 

18.  Nemosoma  elongatum  L.  var.  corsicum  Reitt. 

hat  nach  dem  Autor  statt  der  rostgelben  breiten  Binde  an  der  Basis  und 
einer  gleichgefärbten  Makel  an  der  Spitze  der  Flügeldecken  nur  eine  grosse 
rostgelbe  Makel  an  deren  Basis. 

19.  Hister  himaculatus  L.  var.  morio  Schmidt. 

Ueber  diese  Dunkelform  bemerkt  Schmidt,  Berl.  Ent.  Z.  1885,  S.  296: 
„Von  dieser  Art  (himaculatus)  kommt,  wie  es  scheint  vorzugsweise  im  Süden 
(Korsika,  Sicilien,  Algier),  eine  ganz  schwarze  Varietät  vor  (var.  morio  m.)“. 

20.  Caccohius  Schreheri  L.  var.  corsicus  m. 

Sämmtliche  unmittelbar  bei  Ajaccio  und  am  Campo  di  Toro  von  mir 
gefangenen  Stücke  des  Caccob.  Schreheri  haben  statt  der  grossen,  hie  und 


53 


da  selbst  in  der  Längsrichtung  zusammenfliessenden  hoclirotlien  Flecke, 
welche  meine  zahlreichen  Exemplare  aus  Südtirol,  Italien,  Ungarn  und 
Kaukasien  an  der  Basis  und  der  Spitze  der  Flügeldecken  tragen,  nur 
kleine,  düsterrothe  Flecke,  deren  vorderer  zuweilen  noch  in  zwei  Fleckchen 
aufgelöst  ist. 

21.  Aphodius  erraticus  L.  var.  ftimig atus  Muls. 

16  Stück  von  ApJiod.  erraticus^  die  ich  bei  Ajaccio  fing,  gehören  aus- 
nahmslos der  dunkelen  Abänderung  fmnigatus  an ; ob  neben  dieser  auf 
Korsika  auch  die  helle  Stammform  vorkommt,  ist  mir  unbekannt,  nach 
obiger  Erfahrung  aber  unwahrscheinlich. 

22.  Aphodius  lineolatus  111.  (var.  ?) 

Ich  konnte  etwa  20  Stücke  von  Ajaccio  mit  zwei  kalab rischen  meiner 
Sammlung  und  einer  Leihe  von  Exemplaren  aus  Frankreich,  Spanien  und 
Sizilien  in  dem  Dresdener  Museum  vergleichen;  es  ergab  sich  dabei,  dass 
die  Korsen  meist  wesentlich  dunkler  sind  durch  Ineinanderfliessen  der 
schwarzen  Linien,  in  denen  die  Punktreihen  stehen,  hie  und  da  auch  durch 
Schwärzung  der  Flügeldecken  neben  dem  Schildchen  und  am  Innentheile 
der  Basis,  doch  erscheint  mir  die  Aufstellung  einer  besonderen  korsischen 
Varietät  nicht  geboten. 

23.  Chalcophora  mariana  L. 

Nach  brieflicher  Mittheilung  des  Herrn  Vodoz  sind  die  korsischen 
Stücke  obiger  Art  nach  Prüfung  von  etwa  60  Exemplaren  stets  dunkel 
ohne  eine  Spur  von  rothem  Scheine.  Vodoz  vermuthet  in  ihnen  die  var. 
intermedia  Key,  veröffentlicht  in  L’Echange  1890,  S.  171,  welche  Zeit- 
schrift mir  nicht  zugänglich  war. 

24.  Elater  praeustus  F. 

soll  nach  freundlichem  Hinweis  von  Herrn  Vodoz  im  Gebirge  bei  Vizzavona 
bezüglich  des  schwarzen  Spitzenfleckes  stark  variiren,  was  auch  schon 
Champion  loc.  cit.,  S.  237  erwähnt  habe.  Das  einzige  Stück,  das  ich  zwischen 
Vizzavona  und  dem  Foce-Passe  erbeutete,  ist  zufällig  sehr  wenig  schwarz. 

25.  Cardiophorus  argiolus  Gene. 

Gene  berichtet  bei  Beschreibung  des  C.  argiolus  von  Sardinien,  dass 
nicht  ein  Stück  dem  andern  ganz  gleiche,  was  sich  auf  mehr  oder  minder 
starke  Ausbildung  der  schwarzen  Halsschildbinde  beziehen  muss.  Ich  be- 
sitze aus  Frankreich  ein  schmal  gezeichnetes  Stück,  von  Sardinien  solche 
mit  breiter  Binde  und  mit  zwei  schwach  verbundenen,  und  von  Sicilien 
zwei  mit  zwei  völlig  getrennten  Flecken.  Die  fünf,  welche  ich  in  Korsika 
fand,  tragen  alle  eine  breite  Binde  und  Herr  Vodoz  hatte  das  Glück,  ein 
„ganz  schwarzes“  Exemplar  zu  finden,  das  Du  Buysson  var.  (besser  ab.) 
neotericus  genannt  hat.  (Vergl.  Miscellanea  Entomologica  Vol.  X [1902], 
No.  3 — 4,  p.  64). 

26.  Bhag onycha  chlor otica  Gene  var.  corsica  Reiche 

ist,  soweit  ich  an  den  Exemplaren  meiner  Sammlung  ersehe,  an  Fühlern 
und  Beinen  viel  dunkeier  als  die  Stammform. 


54 


27.  Plialeria  Reyi  Seidl,  uad  Muls. 

Von  keiner  europäischen  Phaleria  sind  mir,  obwohl  ich  ein  sehr 
reiches  Material,  zumeist  durch  eigenes  Sammeln,  besitze,  so  dunkle  Stücke 
bekannt,  wie  die  Phaleria  Revelieri  von  Korsika  darstellt,  deren  ich  neben 
etwa  20  Stück  der  helleren  Aberrationen  zwei  am  Campo  di  Toro  aiiffand. 
Seidlitz  hat  leider  Ph.  Revelieri  und  die  von  ihm  aufgestellte  und  zur 
Stammform  erklärte  Ph.Reyi  sammt  ihren  übrigen  Abänderungen  zusammen- 
geworfen mit  einer  noch  grösseren,  breiteren,  weniger  gewölbten  und 
glänzenderen  Art  aus  Tunis,  die  zuweilen  durch  völlige,  tiefschwarze 
Dunkelung  des  Kopfes  und  Halsschildes  und  gleiche  Färbung  des  grössten 
Theiles  der  Flügeldecken  eine  noch  wesentlich  dunklere  Form  Pli.  Revelieri 
bildet;  sie  hat,  da  Seidlitz  die  Var.  Heydeni  seiner  Mischart  Reyi  als  nur 
in  Tunis  vorkommend  aufführt,  wohl  den  Namen  Ph.  Heydeni  zu  tragen, 
es  wird  jedoch  wohl  schwer  sein,  den  entstandenen  Namen- Wirrwarr  ohne 
Prüfung  der  in  der  Seidlitz’schen  Sammlung  steckenden  Typen  zu  lösen. 
Ich  erbat  wohl  von  Herrn  Dr.  v.  Seidlitz  Auskunft,  ob  er  bei  seiner  Be- 
arbeitung der  Phalerien  korsische  Exemplare  seiner  Reyi  vor  Augen  gehabt 
habe,  er  erklärte  mir  jedoch,  er  könne,  da  er  wegen  Umzugs  seine  Samm- 
lung augenblicklich  nicht  zur  Hand  habe,  mir  keinen  Bescheid  geben. 
Das  tunesische  Material,  das  Seidlitz  benutzt  hatte,  konnte  ich  dagegen 
prüfen;  es  steckt  in  der  v.  Heyden’schen  Sammlung  und  wurde  mir  mit 
liebenswürdigster  Bereitwilligkeit  zur  Ansicht  gesandt,  ja  ich  konnte,  da 
sich  die  Thiere  durch  ansteckende  Zettel  als  von  dem  Staudinger’schen 
Geschäft  angekauft  auswiesen,  von  diesem  noch  einige  Stücke  erwerben. 

28.  Tracliyphloeus  laticollis  Bob.  var.  fusciscapus  Desbr. 

Der  Name  der  von  Desbrochers  aufgestellten  korsischen  Varietät 
deutet  auf  eine  Verdunkelung  des  Fühlerschaftes  hin.  Nachlesen  konnte 
ich  leider  nicht,  umsoweniger,  da  ausnahmsweise  der  Katalog  den  Ort 
der  Veröffentlichung  nicht  angiebt. 

29.  Cyphus  nitens  Scop.  var.  atricornis  Muls. 

Nach  Versicherung  des  Herrn  Vodoz  kommt  die  Stammform  auf 
Korsika  nicht  vor.  Ich  besitze  von  da  zwei  Exemplare  der  schwarzfühlerigen 
Varietät,  hei  deren  einem  auch  die  Naht  stark  geschwärzt  ist,  und  Reiche 
beschrieb  in  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.  1862,  p.  297  eine  Aberration  von  Korsika 
mit  sehr  dunklen  Flügeldecken  (elytris  piceo-nigris)  als  var.  niger, 

30.  Leptura  fulva  Deg.  ab.  corsica  Pic. 

Nach  einer  freundlichen  Mittheilung  des  Herrn  Vodoz,  der  die  Stamm- 
form auf  Korsika  in  grosser  Zahl  erbeutete,  beschrieb  Pic  in  der  Revue 
zoologique  de  France  1894,  p.  206  die  obige  Aberration  als  ,,ganz  schwarz, 
nur  die  Schultern  und  die  äussere  Seite  auf  der  vorderen  Flügeldecken- 
hälfte hell“. 

31.  Leptura  maculata  Poda  ab.  nigricornis  Stierl. 

Bei  Vizzavona  herrscht  die  Aberration,  die  ganz  scliAvarze  oder  nur 
an  der  Wurzel  der  längsten  Glieder  angegilbte  Fühler  hat  und  an  den 
Beinen  viel  ausgedehnter  schwarz  ist  als  die  Stammform,  derart  vor,  dass 
ihr  fast  alle  56  Theil  der  9 J angehören.  In  der  Fleckenzeichnung 


55 


der  Flügeldecken  iibertreffen  meine  neun  korsischen  L.  nigricornis  meine 
zahlreichen  Vertreter  der  Stammform  aus  Deutschland,  Frankreich,  Salz- 
burg, Siidtirol,  Ungarn,  Kaukasien  und  Finnland  nicht. 

32.  Hylotrupes  bajulus  L.  var.  Kosioroiuiczi  Desbr. 

Diese  korsische  Varietät  soll  aller  hellen  Tomentflecken  auf  den 
Flügeldecken  entbehren  und  dadurch  viel  düsterer  aussehen  als  die 
Stammform. 

33.  Cryptocephalus  alboscutellatus  SnEr.  sih.  nigridorsum  Chevr. 

Die  99  des  in  Korsika  heimischen  Cr.  alboscutellatus  ändern  oft  zu 
der  var.  nigridorsum  ab,  die  stark  verbreiterte  schwarzgrüne  Nahtbinde 
aufweist. 

34.  Pachybracliys  scriptus  H.  Sch. 

bildet,  doch  nach  meiner  Erfahrung  selten,  die  durch  breitere  schwarze 
Streifen  der  Decken  dunklere  ab.  Helhvigi  Weise. 

35.  Chrysomela  americana  L.  ab.  übertini  Mars. 

Neben  Stücken,  die  der  Stammform,  wie  sie  sich  an  der  Riviera  findet, 
gleichen,  kommt  bei  Ajaccio  die  herrliche  Aberration  übertini  vor,  bei 
der  das  metallische  Grün  der  Grundfarbe  in  Blaugrün  oder  Röthlichblau, 
das  Gold  der  Streifen  aber  in  Lila  verwandelt  ist.  Trotz  ihres  Glanzes 
und  ihrer  Farbenpracht  ist  übertini  doch  als  eine  Dunkelungsform  auf- 
zufassen. 

36.  Chrysomela  viridana  Küster. 

In  Korsika  findet  sich  neben  der  Stammform  besonders  die  gold- 
kupferige  ab.  a,urocuprea  Fairm.,  ausserdem  treten  da  nach  Vodoz  auch 
duiikelpurpurrothe  Stücke  (cupreopurpurea  Costa?)  auf,  ja  der  Genannte 
fand  ein  Exemplar,  „das  man  beinahe  als  schwarz  mit  röthlichem  Metall- 
glanz bezeichnen  könnte“. 

37.  Galeruca  corsica  Joann.  ab.  aterrima  Weise. 

Die  Stammform  hat  gelbbraune  Flügeldecken,  die  Aberration  ist  ein- 
farbig tief  schwarz. 

38.  Podagrica  discedens  Boield.  ab.  luctuosa  Demaison. 

In  den  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.  1902,  S.  25  beschrieb  Demaison  nach  von 
Vodoz  mit  der  Futterpflanze  eingesandten  lebenden  Thieren  von  Ajaccio 
die  obige  Aberration,  die  schwarzen  Thorax  und  ganz  schwarze  Beine  und 
Fühler  besitzt.  Nach  Vodoz  ist  die  Stammform  bei  Ajaccio  sehr  häufig; 
im  April  fand  ich  da  nur  P.  semirufa. 

39.  Adonia  variegata  Goeze  var.?  corsica  Reiche 

wurde  1862  in  den  Ann.  Soc.  Ent.  Fr.,  S.  299  nach  Stücken  beschrieben, 
die  Kopf  und  Halsschild  schwärzer  und  auf  den  Flügeldecken  grössere 
schwarze  Flecke  haben  als  die  Stammform.  Ich  habe  Ad.  variegata  auf 
Korsika  nicht  gefunden  und  weiss  nicht,  ob  die  Stammform  daselbst 
vorkommt. 


56 


40.  Scymniis  bipunctatus  Kugel,  ab.  nigricans  Weise. 

Die  ganz  schwarze  Form  von  8c.  bipunctatus  wurde  von  Weise  nach 
Stücken  von  Korsika  beschrieben;  ich  fand  sie  daselbst  bei  Ajaccio  und 
Corte,  nachdem  ich  sie  früher  schon  bei  San  Kemo  und  auf  Borkum  nach- 
gewiesen hatte.  Bei  Ajaccio  erbeutete  ich  aber  auch  ein  Exemplar  der 
Stammform. 


Die  vorstehende  Liste  mit  ihren  Bemerkungen  erweist,  insbesondere 
wenn  der  verhältnissmässig  geringe  ilrtenreichthum  Korsikas  als  einer 
Insel  in  Betracht  gezogen  wird,  zweifellos  genügend,  dass  die  Neigung  und 
Fähigkeit,  dunkle  Aberrationen  zu  bilden,  der  korsischen  Käferwelt  mehr 
zu  eigen  ist  als  der  Coleopterenfauna  anderer  gleich  grosser  Gebiete,  Und 
sicher  wird  obiges  Verzeichniss  noch  vergrössert  werden  können,  wenn  in 
den  entlegeneren,  schwerer  zugänglichen  Theilen  Korsikas  emsig  und  durch 
Jahre  hindurch  gesammelt  und  beobachtet  sein  wird,  wie  das  bisher  nur 
in  wenigen,  eng  begrenzten  Gebieten  der  Insel  geschehen  ist.  Auch  wird 
wohl  zur  vollen  Klärung  der  Frage -der  Nachweis  zu  führen  sein,  wie  viel 
dunkle,  dunkel  gezeichnete  oder  wenig  hell  gefleckte  Arten  in  Korsika  sich 
finden,  die  in  anderen  Gebieten  durch  hellere  Arten  vertreten  sind;  ich 
will  nur  beispielsweise  auf  Nanophyes  niger^  Stylosomus  minutissimus  und 
corsicus^  Hister  pustulosus  verweisen.  Ueber  Melanismus  bei  korsischen 
Insecten  anderer  Familien  ist,  soweit  mir  bekannt,  bisher  wenig  verlautet. 
F.  Kollmorgen  erwähnt  in  seinem  ,,  Versuch  einer  Macrolepidopteren-Fauna 
von  Korsica“  (D.  E.  Z.  Iris,  1899)  nur,  dass  Polyommatus  eleiis  F.  oft  sehr 
dunkel,  einige  von  ihm  bei  Ajaccio  gefangene  gg  fast  ganz  schwarz  seien 
und  dass  die  korsische  Anthrometra  homochromata  Mab,  nach  Dr.  Bebel 
unzweifelhaft  als  eine  starke  melanistische  Aberration  anzusehen  sei; 
Handlirsch  sagt  in  seinen  Hummelstudien  (Annal.  des  natiirhist.  Hofmuseums 
Bd.  VI,  1891,  S.  447):  ^^Bombiis  hortoriim  verliert  so  wie  B.  terrestris  in 
Korsika  seine  gelben  Binden  und  vertauscht  die  weisse  Farbe  des  Hinter- 
endes mit  Both“,  und  einer  freundlichen  brieflichen  Nachricht  desselben 
Herrn  verdanke  ich  die  Kunde,  dass  die  Weibchen  von  Psammophila 
Inrsiita^  die  in  Mittel-  und  Südeuropa  stets  rothes  Abdomen  haben,  in 
Korsika  ganz  schwarz  und  deshalb  von  Lepelletier  als  Ps.  ebenina  be- 
schrieben wmrden  sind,  sowie  dass  auch  eine  Art  der  Grabwespengattung 
Astata,  die  sonst  roth  ist,  in  Korsika  schwarz  vorkommt;  und  als  ein 
Beispiel  für  Melanismus  bei  Fliegen  meldete  mir  Herr  Schnuse,  dass  die 
seltene  Apistomyia  elegans  Bigot,  die  er,  nachdem  Vodoz  das  Thier  da 
aufgefunden  hatte,  bei  Vizzavona  in  Anzahl  fing,  dort  nicht  selten  statt 
des  normalen  rothen  ein  schwarzes  Halsschild  aufweist.  Von  melanistischen 
Blattwanzen  Korsikas  konnte  mir  Herr  Dr.  Horvath  nur  Aphanus  alboa- 
ciiminatus  Goeze  var.  funereus  Puton  nennen,  die  aber  im  ganzen  Mittel- 
meergebiete bis  nach  Bussisch-Armenien  verbreitet  sei;  ich  fing  sie  auch 
bei  San  Bemo. 

Ueber  die  Ursachen,  welche  in  bestimmten  Gebieten  das  Auftreten  von 
Dunkelformen  in  ausgedehnterem  Masse  und  zugleich  die  Entwickelung 
von  sehr  ausgeprägt  melanistischen  Varietäten  und  Aberrationen  bedingen, 
liegen  bisher  wohl  nur  wenig  Meinungsäusserungen  vor. 

Lucas  V.  Heyden  besprach  1889  in  d.  D.  E.  Z,  in  zwei  Mittheilungen 
eine  Beihe  Nigrinos  von  Carabus  und  anderen  Carabicinen  vom  Pic  de  Nere 


57 


in  den  Hautes  Pyrenees  und  vermuthete  als  Grund  der  Dunkelung  das 
Leben  der  Larven  und  entwickelten  Thiere  auf  und  in  den  sumpfigen 
Hochmooren,  die  sich  in  der  That  an  der  fraglichen  Fundstätte  vorfinden. 
Und  sicher  hat  diese  Hypothese  sehr  viel  für  sich,  ihre  Nutzanwendung 
auf  die  korsischen  Verhältnisse  erscheint  jedoch  völlig  ausgeschlossen, 
denn  es  handelt  sich  bei  den  Arten  unserer  Liste  zum  grossen  Theile  nicht 
um  Erdthiere,  und  diejenigen,  die  in  der  That  als  solche  oder  als  Wasser- 
thiere  gelten  müssen,  leben  in  oder  auf  reinem  Granitsande  und  in  Tümpeln 
und  Bächen  nichtmoorigen  Wassers. 

Eine  besonders  unter  den  Lepidopterologen  weit  verbreitete  Ansicht 
bringt  die  Dunkelung  mit  dem  Leben  der  Thiere  in  höheren  Gebirgs- 
gebieten  und  in  höheren  Breiten  in  Verbindung.  So  äussert  sich  z.  B. 
H.  Fischer-Siegwart  in  einem  Aufsatze,  betitelt  Das  Gebirge  ein  Rückzugs- 
gebiet für  die  Thierwelt  (Mittheilungen  der  Aargauischen  Naturf.  Ges.  1902, 
S.  111  ff.):  ,,Im  Allgemeinen  kann  man  sagen,  dass  bei  den  Schmetterlingen 
die  Alpenwelt  in  der  Weise  ein  wirkt,  dass  sie  ....  kleiner  werden,  dass 
die  Vorderflügel  sich  verlängern,  . . . .,  sowie  dass  die  Farben  sich  ver- 
dunkeln, weil  hierdurch  die  Insolation  besser  zur  Geltung  kommt,  was 
ihre  Existenz  erleichtert“.  Ich  darf  aber  nicht  verhehlen,  dass  ich  diese 
Ansicht  auch  von  sehr  kundigen  Lepidopterologen  bekämpfen  hörte  und 
dass  die  wenigen  unser  Thema  berührenden  Aeusserungen,  die  sich  in 
Kollmorgen’s  schon  erwähnter  Arbeit  über  die  Macrolepidopterenfauna 
von  Korsika  finden,  einander  widersprechen,  denn  er  sagt  S.  316  von 
Polyommatus  eleiis:  „Besonders  in  heissen  Gegenden  oft  sehr  dunkel  und 
gross;  einige  von  mir  bei  Ajaccio  gefangene  56  ganz  schwarz  . . . . 

ln  den  höheren  Regionen  ist  auch  die  zweite  Generation  ziemlich  hell“, 
und  S.  321  über  Satyriis  semele  var.  aristaeus  Bon.:  ,,Die  P^xemplare  aus 
heissen  Gegenden  sind  grösser  und  viel  feuriger  als  die  der  Berge“,  die 
also  düsterer  sein  müssen.  Die  Zuchtversuche,  welche  Herr  Carl  Ribbe 
in  Radebeul,  der  verdienstvolle  Forscliuugsreisende  und  Redacteur  der 
D.  E.  G.  Iris,  anstellte,  indem  er  Schmetterlingspuppen  starker  Kälte  aus- 
setzte, ergaben  allerdings  oft  dunkle  Falter,  gleiche  Formen  entschlüpften 
aber  auch  Puppen,  die  grosser  Hitze  ausgesetzt  worden  waren,  wodurch 
sich  erwies,  dass  nicht  abnorme  Kälte  oder  Hitze,  sondern  der  schnelle 
Wechsel  stark  verschiedener  Temperaturen  das  Dunkeln  bedingten.  Auch 
das  kann  aber  dafür  sprechen,  dass  Höhenklima  Duiikelformen  hervorruft, 
denn  bekanntermaassen  herrschen  schroffe  und  bedeutende  Temperatur- 
schwankungen an  Gebirgslehnen  und  in  Hochthälern  nicht  nur  zwischen 
Sommer  und  Winter,  Tag  und  Nacht,  sondern  treten  auch  am  gleichen 
Tag  oft  plötzlich  ein,  je  nachdem  reiner  Himmel  oder  Bewölkung  und  Wind 
die  Wirkung  der  Sonne  fördern  oder  hemmen.  Dass  das  Hochgebirge 
auch  Dunkelformen  von  Käfern  liefert,  ist  bekannt;  ich  will  nur  auf  die 
kleine,  schwarze  Varietät  alpiniis  des  blauen  Geotrupes  vernalis^  die  dunklen 
oder  schwarzen  Formen  var.  Palae  und  var.  haldensis  des  Pterostichus 
metallicus  und  die  dunkel-,  beziehentlich  schwarzschildigen  var.  alpinus  und 
var.  noriciis  unseres  hellrothschildigen  CalatJms  melanocephalns  verweisen. 

Einer  freundlichen  Auskunft  des  Herrn  Prof.  Dr.  Simroth  über  Dunkel- 
färbung von  Nacktschnecken  entnehme  ich  das  Folgende:  Feuchtes  Gebirge, 
z,  B.  der  Brocken,  hat  nur  die  schwarzen  Formen  von  Arion  empiricorum. 
Bei  Umax  steht  die  Sache  ähnlich.  Limax  maximus  wird  in  feuchtem 
Gebirge  stets  ganz  schwarz  im  Alter,  ohne  die  Zwischenformen  mit  Binden 


58 


und  Flecken,  die  nur  im  Jugendkleid  vorhanden  sind,  während  sie  in 
niedrigeren  Lagen  das  ganze  Leben  über  sichtbar  bleiben.  Merkwürdig 
ist  es,  dass  bei  sehr  hoher  Schwärzung,  z.  B.  an  den  feuchtesten  Stellen 
des  Erzgebirges,  die  intensivere  Schwärzung  plötzlich  in  völlige  Farblosigkeit 
übergeht;  es  finden  sich  dann  unter  vielen  schwarzen  Thieren  vereinzelt 
weisse  (mit  schwarzen  Augen).  Vielleicht  ebenso  merkwürdig  ist  es,  dass 
im  Süden  die  Formen  fast  ebenso  dunkel  werden  als  auf  den  Gebirgen, 
Arion  em^iricorum  ist  z.  B.  in  Portugal  schwarz,  wobei  er  nicht  mit  gelben, 
sondern  mit  rothen  Jungen  einsetzt.  Aehnliches  wie  für  die  Nacktschnecken 
scheint  für  viele  Thiere  zu  gelten;  die  schwarze  Varietät  der  Kreuzotter 
z.  B.  ist  wohl  lediglich  Gebirgsform. 

Für  die  Beantwortung  der  besonderen  Frage,  ob  sich  bei  den  Dunkel- 
formen korsischer  Käfer  eine  Einwirkung  des  Höhenklimas  erkennen  lasse, 
liegen  glücklicherweise  die  gewissenhaften  Beobachtungen  des  Herrn  Vodoz 
vor,  die  er  mir  brieflich  mittheilte,  zum  Theil  auch  inzwischen  in  der 
Arbeit  „Observations  sur  la  faune  des  coleopteres  de  la  Corse  (Comptes 
rendus  de  FAssociation  Frangaise  pour  FAvancement  des  Sciences.  Congres 
d’Ajaccio  1901)“  veröffentlichte.  Sie  geben  volle  Gewissheit,  dass  für  eine 
Leihe  korsischer  Käfer  die  Höhenlage  des  Fundortes  in  ursächlicher  Be- 
ziehung zur  Bildung  dunkler  Aberrationen  steht.  Wir  stellen  diese  Arten 
hier  zusammen. 

Cicindela  campestris  var,  corsicana  ändert  bei  Ajaccio  und  nach  meinen 
Beobachtungen  auch  im  Restonikathale  sehr  wenig  ab,  bildet  da- 
gegen bei  Ucciani  (gegen  400  m)  rothbräunliche  Stücke  und  höher 
im  Gebirge,  besonders  bei  Bastelica  (700—800  m),  die  var.  nigrita. 

Die  Necrophorus  corsiciis  mit  ihren  Aberrationen  stammen  alle  aus 
der  Gegend  von  Bocognano  und  Vizzavona  (700 — 1000  m). 

Anomala  junii  var.  sciitellaris  lebt  auf  dem  Campo  di  Foro  und  bei 
Bocognano  auf  gleichem  granitischen  Boden  und  auf  denselben 
Pflanzen  {Mentha  Bequieni  und  AI.  insidaris),  weist  aber  unter  100 
an  der  Meeresküste  nur  drei,  bei  Bocognano  dagegen  33  der  dunklen 
Aberration  rngosida  {Douhlieri)  auf. 

Von  Cetonia  aurata  hatte  Champion  behauptet,  dass  auf  Korsika 
überall  und  in  allen  Höhenlagen  die  Stammform  mit  ihren  dunklen 
Aberrationen  gemischt  vorkomme.  Die  Beobachtungen  des  Herrn 
Vodoz  aber  haben  ergeben,  dass  in  der  Niederung  bei  Ajaccio  die 
dunklen  Abänderungen  nur  ganz  vereinzelt  unter  grossen  Mengen 
der  typischen  aurata  und  deren  hellen  Aberrationen  auftreten, 
während  sie  in  900  — 1100  m Höhe  bei  Vizzavona  vielleicht  ein 
Viertheil  aller  bilden.  Ende  Juni  1898  herrschte  die  bei  Ajaccio 
sehr  seltene  ab.  nigra  zwischen  Vizzavona  und  Tattone  auf  den 
Blüthen  des  Cistus  salviaefolius  vor;  als  1899  Vodoz  im  Juli,  wo 
der  Cistus  schon  verblüht  war,  an  den  gleichen  Platz  kam,  fand 
er  auf  dem  nun  blühenden  Samhucus  wohl  noch  einige  nigra^  vor- 
wiegend aber  die  blauen  Aberrationen  nigritarsis , thoracalis  und 
meridionalis. 

Die  Trichius  rosaceus  var.  corsicus  mit  ihren  noch  dunkleren  Aber- 
rationen sind  sämmtlich  aus  dem  Gebirge;  von  den  stark  ge- 
schwärzten Aberrationen  von  Elater  praeustus  und  Leptura  maculata 
var.  nigricornis  gilt  dasselbe. 


59 


Chrysomela  viridana  kommt  in  der  Küstenebene  in  der  typischen 
grünen  Form  ebenso  häufig  vor  wie  in  der  dunkleren  ab.  aurocuprea,- 
Bei  700  m Höhe  (bei  Bocognano)  aber  ist  die  typische  Form  fast 
nicht  zu  finden  und  aurocuprea  geht  oft  in  noch  viel  dunklere 
Aberrationen  über. 

Galeriica  corsica  mit  ab.  aterrima  ist  auf  das  Gebirge  beschränkt. 

Bei  all  diesen  Dunkelformen  erscheint  die  Einwirkung  von  Verhält- 
nissen, die  durch  die  Höhenlage  des  Lebeortes  der  Käfer  bedingt  sind  (oder 
durch  dieselbe  gesteigert  werden),  unverkennbar,  dagegen  ist  solche 
zweifellos  ausgeschlossen  bei  den  dunklen  Varietäten  und  Aberrationen, 
als  deren  Wohngebiet  allein  die  Küstenebene  nachgewiesen,  wie  die  typische 
Cicindela  corsicana^  Cic.  Utoralis  var.  obscurior^  Eurynebria  complanata  var. 
Kotschyi^  die  sämmtlichen  in  unserer  Liste  aufgeführten  Wasserkäfer, 
Hister^  Caccobius  und  Aphodius,  Phaleria  Bev eiterig  Chrysomela  americana 
var.  TJbertinh  Podagrica  discedens  ab.  luctuosa  VLud  Scymnus  bipunctatus 
var.  nigricans.  Worin  haben  wir  nun  wohl  den  Grund  für  die  Dunkelung 
dieser  Formen  zu  suchen? 

Bei  dem  Grübeln  über  diese  selbst  noch  recht  dunkele  Frage  gedachte 
ich  einer  gelegentlichen  mündlichen  Bemerkung  meines  verehrten  Freundes 
Dr.  M.  Heller,  dahin  lautend,  dass  die  unfern  von  Sangi  und  auch  von 
Celebes  liegenden  Talaut- Inseln  auffälligen  Melanismus  bei  Vögeln  zeigen; 
es  ist  darüber  in  dem  Werk  „The  birds  of  Celebes  by  A.  B,  Meyer  and 
L.  W.  Wiglesworth^Cvon  Letzterem  auf  Seite  61  darauf  hingewiesen,  dass 
auf  diesen  Inseln  drei  Vogelarten,  nämlich  Oriolus  melanisticus,  Dicaeum 
talautense  und  Pitta  inspeculata  melanotischen  Einflüssen  unterliegen 
oder  wenigstens  ihre  Färbung  verdunkeln.  Eingehendere  Veröffentlichungen 
über  melanotische  Einwirkung  des  Seeklimas  auf  Insekten  sind  mir  nicht 
bekannt,  doch  hörte  ich,  dass  auf  den  Südseeinseln  die  grossen  Tag- 
schmetterlinge auf  kleineren  Nachbarinseln  vielfach  in  dunklere  Formen 
abändern;  auf  der  Nordseeinsel  Borkum  leben  die  Dunkelformen  Laccobius 
var.  globosusj  Aphodius  var.  conflagratus , Donacia  var.  porphyrogenita^ 
Coccinella  var.  areata^  die  dunklen  Abänderungen  von  Cocc,  decempunctata 
sowie  Scymnus  var.  nigricans^\  und  wohl  auf  allen  ostfriesischen  Inseln 
die  vorwiegend  düstere  Cicindela  var.  maritima  und  der  stets  dunkle 
Geotrupes  vernalis  var.  insularis  m. ; die  hellere  Nebria  livida  des  Binnen- 
landes wird  an  den  Küsten  und  auf  den  Inseln  Norddeutschlands  durch 
die  dunklere  Varietät  lateralis  vertreten  und  auf  Teneriffa  hat  nach  Hand- 
lirsch  Bombus  terrestris  keine  gelben  Binden  oder  nur  Spuren  derselben. 
Es  scheint  demnach  immerhin  das  Inselklima  dunkelnd  auf  die  Färbung 
der  Thiere  einzuwirken.  Das  will  sich  freilich  mit  Ribbe’s  Beobachtungen, 
dass  schnelle,  starke  Temperaturcontraste  Melanismus  erwirken,  schwer 
vereinen  lassen,  denn  bekanntlich  ist  das  Klima  der  Inseln  und  Küsten, 
also  überhaupt  das  Seeklima,  falls  nicht  ganz  besondere  Verhältnisse 
locale  Abweichungen  von  der  Hegel  bedingen,  charakterisirt  durch  eine 
sehr  ausgeglichene  Temperatur  ohne  grosse  und  schroffe  Gegensätze,  und 
Ajacc.io  insbesondere  würde  nicht  ein  so  vortrefflicher  Heilort  für  Lungen- 
und  Halskrankheiten  sein,  wenn  es  nicht  jenen  Vorzug  des  Seeklimas  in 


*)  Freilicli  finden  sicli  da  ancli  die  helleren,  hmunm  Harpalus  servus  dh.maritimus  m. 
und  Eides sus  parvulus  ab.  subrufulus  m. 

* 


60 


vollem  Maasse  besässe.  So  ist  es  vielleicht  der  der  Seeluft  eigene  Feuchtig- 
keitsgehalt, der  Melanismus  bewirkt.  Es  würde  das  ja  auch  damit  recht 
gut  stimmen,  dass  Simroth  an  den  Nacktschnecken  feuchter  Gebirge  tiefe 
Schwärzung  fand,  und  wenn  er  gleiche  auch  an  portugiesischen  Stücken 
feststellen  konnte,  so  erklärt  sich  das  wohl  daraus,  dass  auch  dort  Seeluft 
wirksam  ist  und  der  herrschende  Südwestpassat  die  dem  Meere  entstiegenen 
Dunstmassen  an  die  Gebirgsgehänge  wirft.  Auch  dass  die  auf  den  Moor- 
sümpfen der  Pyrenäen  lebenden  Carabiden  Melanismus  zeigen,  Hesse  sich 
damit  unschwer  vereinen.  Nun  hat  ja  wohl  Korsika  ausgeprägt  sub- 
tropisches Klima  mit  regenlosem  Sommer  und  ausgiebigen,  doch  nicht 
anhaltenden  Regen  im  Winter,  aber  der  Südwesten  der  Insel,  dem  all’  die 
besprochenen  Käfer  entstammen,  dürfte  auch  im  Sommer  doch  von 
feuchtigkeitsreicher  Luft  überlagert  sein,  da  die  Dunstmassen,  die  dem 
warmen  Mittelmeere  und  seinen  zum  Theil  tief  in  die  Westseite  der  Insel 
einschneidenden  Golfen  entsteigen,  vom  Südwestpassat  über  die  Küste 
und  an  die  steil  bis  zu  1100 — 2700  m ansteigenden  Gebirgshänge  geweht 
werden.  Sie  werden  in  bekannter  Weise  am  meisten  in  den  höheren  Hängen 
sich  verdichten  und  wirksam  werden,  wodurch  auch  das  procentualiter 
viel  häufigere  Auftreten  der  Dunkelformen  in  dem  Gebirge  seine  Erklärung 
finden  würde.  Dass  auf  der  kleinen  Insel  Elba  die  typische  Cicindela 
litoralis^  nicht  eine  Dunkelform  gefunden  wurde,  könnte  sich  dadurch  er- 
klären, dass  der  Fundort  am  Strande  des  innern  Hafens  von  Porto  Ferrajo 
sich  befand,  der  von  dem  freien  Meere  durch  eine  Felsmauer  abgeschlossen 
ist  und  auf  der  Nordseite  der  gebirgigen  Insel  liegt. 

Ich  bin  weit  davon  entfernt,  zu  wähnen,  dass  die  schwierige  Frage  über 
die  Entstehung  der  melanistischen  Formen  durch  die  vorstehenden  Erörter- 
ungen endgültig  gelöst  sei,  habe  eine  solche  Lösung  auch  gar  nicht  geplant,  da 
es  mir  an  Zeit  zu  den  dafür  nöthigen  Sonderstudien  gebricht;  ich  wollte  viel- 
mehr nur  zu  weiteren  sorgfältigen  Beobachtungen  an  mit  Dunkelformen  ge- 
segneten Orten  anregen,  da  durch  solche  allein  das  Verständniss  für  die 
Herausbildung  der  Letzteren  erschlossen  werden  kann.  Ich  vernahm  zwar  vor 
Kurzem  das  Bekenntniss  eines  jungen  zoologischen  Heisssporns  modernster 
Richtung,  dahin  lautend,  dass  nur  das  Arbeiten  im  zoologischen  Labora- 
torium von  wissenschaftlicher  Bedeutung  sei,  da  nur  da  Naturgesetze 
entdeckt  werden  könnten,  bin  aber  der  Ansicht,  dass  der  junge  Forscher 
nichts  bewiesen  hat,  weil  er  zuviel  beweisen  wollte,  und  glaube,  dass  die 
Auffindung  des  Naturgesetzes,  das  der  Bildung  der  Dunkelformen  zu  Grunde 
liegt,  gleich  der  vieler  anderer  durch  Untersuchungen  mit  dem  Microtom 
vielleicht  gefördert  werden  kann,  indem  Anregungen  zu  Beobachtungen  in 
bestimmter  Richtung  gewonnen  werden,  dass  aber  die  Lösung  des  Räthsels 
nur  durch  andauernde  Beobachtung  der  entwickelten  Thiere  und  ihrer 
Entwickelungsformen  im  Freien,  unterstützt  durch  Zuchtversuche  der  Art, 
wie  Standfuss,  Ribbe  u.  A.  Vornahmen,  zu  erzielen  ist. 


Druckfehler  ■ Berichtigung. 

S,  44,  letzte  Zeile  lies:  „öfters  völlig“  statt  „völlig  öfters“. 


VI.  Graphitreiche  Zermalmungsproducte 
des  Lausitzer  Granites. 

Von  Dr.  Robert  Nessig. 


Wie  die  Arbeiten  der  geologischen  Landesuntersuchung  des  König- 
reichs Sachsen  gelehrt  haben,  sind  im  sogenannten  lausitzer  Granitmassiv, 
und  zwar  sowohl  in  unmittelbarer  Nachbarschaft  der  grossen  Haupt- 
verwerfung, wie  auch  inmitten  der  Granitinsel  an  verschiedenen  Stellen 
mechanische  Veränderungen  des  Gesteins  als  Folge  des  Gebirgsdruckes 
eingetreten.  Man  bezeichnet  diesen  dynamometamorphen  Process  treffend 
als  Zermalmung,  Zerquetschung  und  Auswalzung  der  Felsart.  Aus  dem 
regellos  körnigstruirten  Granit  sind  gneissähnliche,  ja  phyllitartige  Fels- 
arten geworden,  in  denen  zur  Zertrümmerung,  Zerreissung  und  Verzerrung 
der  Gesteinsgemengtheile  meist  auch  eine  chemische  Alteration  gekommen 
und  so  eine  Schaar  von  secundären  Mineralien  entstanden  ist,  unter  denen 
trikline  Feldspathe  (Mikroklin,  Mikroperthit),  Quarz  und  sericitähnliche 
Glimmer  nebst  Erzimprägnationen  eine  Hauptrolle  spielen.  Spiegel-  und 
Gleitflächen  liefern  ferner  untrügliche  Beweise  für  kräftige  Verschiebung 
der  Bergstücke  längs  der  die  Felsart  durchsetzenden  Klüfte.  Die  Klüfte 
herrschen  in  lausitzer  Richtung  vor,  laufen  also  parallel  dem  Bruchrande 
der  Granitplatte. 

Besonders  instructiv  sind  diese  Verhältnisse  in  dem  schönen  Bruche 
im  Losch witzgrunde,  gegenüber  dem  Gasthause  zur  Eule,  den  Verfasser 
seit  1894  genauer  untersucht  hat  und  in  dem  er  eine  Anzahl  secundärer 
Mineralien  sowie  pegmatitische  Schlieren  mit  grossen  dunklen  und  hellen 
Glimmern  und  fingerlangen,  schwarzen  Turmalinen  wiederholt  nachweisen 
konnte. 

Der  Anbruch  liess  früher  zwei  mit  etwa  60®  in  Nordost  einfallende 
scharfe,  in  lausitzer  Richtung  orientirte  Klüfte  erkennen,  längs  welcher 
eine  mattschwarz  glänzende,  an  weissem  Quarz  reiche  Reibungsbreccie  auflag. 

Durch  den  Bruchbetrieb  im  Jahre  1898  sind  weiter  längs  der  er- 
wähnten, etwa  IV2  ni  voneinander  abstehenden  Klüfte  faustdicke  Lagen 
eines  stark  veränderten,  gneissartig  ausgewalzten  und  zermalmten  Granites 
aufgeschlossen  worden,  die  stark  mit  unzweifelhaftem  Graphit  durchsetzt 
und  reich  an  spiegelglatten  Harnischen  sind.  In  den  folgenden  Jahren 
arbeitete  man  weiter  elbthalwärts  und  nach  oben  zu,  so  dass  endlich 
im  Jahre  1902  weitere  Klüfte  aufgeschlossen  wurden  und  das  Durch- 
setzen der  graphitreichen  Lagen  bis  zur  oberen  Lehmdecke  erkennbar 
wurde. 


6^ 


Der  Graphit  erscheint  überall  als  Belag  oder  Imprägnation  als  das 
bekannte  amorphe  Mineral,  mit  seinem  fettartigen  Metallglanze  und  stark 
ahfärbend.  Es  verbrannte  im  Gebläsefeuer  ohne  Schwierigkeiten.  Von 
metallischen  Beimengungen  konnten  Eisen  und  Spuren  von  Mangan  nach- 
gewiesen werden.  Ausdrücklich  sei  hervorgehohen,  dass  es  sich  nicht  um 
die  auch  anderwärts  im  Granit  gefundenen  Einschlüsse  von  Graphit  handelt, 
sondern  um  eine  starke  Durchtränkung  der  die  Klüfte  ausfüllenden 
grani tischen  Zermalmungsproducte. 

Die  mikroskopische  Untersuchung  führte  zunächst  zur  Erkennung  der 
bekannten  Trümmer-  oder  Kataklasstructur  des  Gesteines,  in  dem  zahl- 
reiche trikline,  deutlich  zwillingsgestreifte  Eeldspäthe  wohl  meist  secundärer 
Herkunft  neben  den  getrübten  primären  Orthoklasen  und  den  ab  und  zu 
noch  bläulich-grünen,  schwach  pleochroitischen  Glimmern  lagen,  während 
Quarz  verhältnissmässig  spärlich  zugegen  w^ar.  Auffällig  w^ar  aber  das 
massenhafte  Auftreten  secundären,  sericitähnlichen  Glimmers  in  regellosen 
Lagen  und  rosettigen  Aggregaten,  auf  den  Spaltungsrissen  reichlich  durch- 
setzt von  dem  schwarzen,  bei  abgeblendetem  Licht  schwach  metallisch 
glänzenden  Graphit,  der  auch  sonst  zwischen  den  Glimmer-Individuen  in 
Klumpen,  Ballen  und  Flocken  in  bedeutender  Menge  in  die  Erscheinung 
trat.  Bisweilen  imitirten  Graphit  und  Glimmer  eine  förmliche  Fluctuations- 
structur. 

Die  Thatsache,  dass  das  graphitische  Trümmergestein  in  ganzer  Aus- 
dehnung von  der  Bruchsohle  bis  zur  abschliessenden  Lehmdecke  durch- 
setzt, macht  die  Beantwortung  der  Frage  nach  der  Herkunft  des  un- 
zweifelhaft secundären  Graphites  in  doppelter  Weise  möglich.  Entweder 
das  graphitische  Material  ist  von  oben  her  in  die  mit  zermalmtem  Gestein 
erfüllten  Klüfte  infiltrirt  worden,  oder  es  ist  eine  Imprägnation  auf  der 
Kluft  von  der  Tiefe  aus  erfolgt,  vielleicht  durch  Beduction  kohlenstoff- 
haltiger Dämpfe,  wie  es  Johannes  Walther*)  für  die  Graphitlagerstätte 
von  Ceylon  annimmt. 

Verfasser  wagt  nicht,  diese  Frage  zu  entscheiden,  obwohl  bei  der 
Nähe  der  lausitzer  Bruchspalte  die  letztere  Annahme  nicht  ohne  Weiteres 
von  der  Hand  zu  weisen  sein  dürfte. 


*)  Job.  Walther:  Zeitschr.  der  deutschen  geol.  Gesellsch.  1889,  S.  359. 


VIT.  Die  mineralogisch-geologische  Durchforschung 
Sachsens  in  ihrer  geschichtlichen  Entwickelung. 

Von  Dr.  Paul  Wagner. 


Die  Erforschungsgeschiclite  des  heimathlichen  Bodens  ist  so  alt  wie 
die  Menschheit,  die  ihn  bewohnt.  Die  ersten  neolithischen  Jäger,  die,  den 
Flussläufen  folgend,  Einzug  in  unser  Land  hielten,  waren  die  ersten  Geo- 
gnosten.  Sie  durchsuchten  den  Geschiehelehm  nach  seinen  nordischen  Feuer- 
steinen, um  Pfeilspitzen  daraus  zu  gewinnen.  Sie  lernten  die  Zähigkeit 
der  Amphibolgesteine  schätzen  und  stellten  Beile,  Hämmer  aus  ihnen  her. 
Granit-  und  Quarzporphyrblöcke  wurden  ihre  Mahlsteine,  mit  denen  sie 
die  Ernte  des  Lössbodens  zerkleinerten.  Die  reichen  Thonlager  der  Lausitz 
bildeten  wichtige  Besiedelungscentren,  an  denen  die  Vorfahren  der  heutigen 
Töpfer  ihren  Sitz  aufschlugen.  Und  als  der  Mensch  die  trefflichen  Eigen- 
schaften der  Metalle  kennen  gelernt  hatte,  durchsuchte  er  auch  nach  diesen 
die  heimische  Scholle.  Im  Sande  der  Flüsse  fand  er  ihre  ersten  Spuren, 
und  die  uralten  Seifen  in  den  erzgebirgischen  Thälern  weisen  darauf  hin, 
wie  früh  schon  jene  Bodenschätze  den  Menschen  zum  Eindringen  in  die 
finstern  Gebirgswälder  verlockten*).  Die  Gerölle  wiesen  den  Weg  weiter 
an  ihre  Ursprungsstelle;  die  Schätze  der  Tiefe  wurden  gehoben;  der  Berg- 
mann übernahm  die  Bolle  des  bedeutendsten  Bodenkenners. 

Aber  es  sollte  fast  ein  Jahrtausend  vergehen,  ehe  die  Erfahrungen 
der  Bergleute  befruchtend  wirkten  auf  die  Mineralogie  und  Geologie  als 
Wissenschaft.  Die  Bergleute  waren  wanderlustig;  wo  das  Glück  ihnen 
lachte,  bauten  sie  ihre  Hütten.  Liess  die  Ergiebigkeit  des  Gesteins  nach, 
so  zogen  sie  weiter.  Die  Wünschelruthe  war  oft  ihr  einziger  Führer.  Aber 
jede  Gegend  brachte  neue  Einzelerfahrungen.  Diese  erbten  fort  von  Mund 
zu  Mund,  oft  als  Familienschatz  und  Geheimniss  vor  Fernerstehenden  ge- 
hütet. So  war  roheste  Empirie,  vermischt  mit  einem  guten  Theil  Aber- 
glauben, die  Naturkenn tniss  der  Praktiker.  Und  doch  war  sie  tausendmal 
mehr  werth,  als  die  Mineralogie,  die  unterdessen  in  deutschen  Landen  in 
den  Gelehrtenstuben  getrieben  wurde.  Das  Mönch thum,  die  einzige  Pfleg- 
stätte der  Wissenschaft  in  jener  traurigsten  Epoche  deutscher  Culturge- 
schichte,  war  mit  seinem  weitabgewandten  Cultus  kein  Nährboden  für 
naturwissenschaftliche  Studien.  Philologische  Spitzfindigkeiten  bildeten 
die  einzige  Ernte  aus  der  Lectüre  eines  Aristoteles  und  Plinius.  Man 


*)  Heinr.  Schurtz:  Der  Seifenbergbau  im  Erzgebirge  und  die  Walensagen. 
Forsch,  z.  deutsch.  Landes-  u.  Volksk.  5.  Bd.,  3.  H.  1890. 


64 


verglich  einen  Autor  mit  dem  andern  — die  Natur  selbst  zu  fragen  fiel 
Niemandem  ein.  So  verging  auch  die  erste  Blütheperiode*)  des  sächsischen 
Bergbaus,  das  12.  und  13.  Jahrhundert,  ohne  dass  wir  schriftliche  Nach- 
richten über  Ort  und  Menge  der  Bodenschätze  erhielten.  Der  Erste,  der  in 
jener  Zeit  selbständig  über  Mineralogie  nachdachte,  Albertus  Magnus**) 
(1193—  1280),  blieb  mit  seinen  Versuchen  noch  völlig  in  dem  Sumpfe 
stecken,  den  die  Astrologen  und  Alchymisten  seiner  Zeit  aus  dem  reinen, 
wenn  auch  kindlichen  Naturwissen  der  Alten  gemacht  hatten. 

Als  aber  die  ersten  Frühlingsstürme  des  Humanismus  über  die  Alpen 
nach  Deutschland  hereinbrausten,  die  dumpfe  scholastische  Atmosphäre  vor 
sich  herjagend,  als  mit  dem  genaueren  Studium  namentlich  der  griechischen 
Antike  auch  das  tiefere  Verständniss  für  den  grossen  Empiriker  Aristoteles 
erwachte,  da  war  auch  die  Zeit  gekommen,  der  Mineralogie  und  Geologie 
eine  Stätte  unter  den  Wissenschaften  einzuräumen.  Ein  Sachse  ist  es, 
den  man  als  „Vater  der  Mineralogie“  feiert,  ein  Zeitgenosse  von  Erasmus 
und  Luther.  Mit  ihm  beginnt  der  wissenschaftliche  Betrieb  der  Mineralogie 
und  Geologie,  mit  ihm  auch  die  geologische  Durchforschung  seines  und 
unsres  Vaterlandes.  Ihm  und  seinen  Zeitgenossen  sei  deshalb  auch  das 
erste  Capitel  unserer  historischen  Uebersicht  gewidmet. 

Georgius  Agricola  und  seine  Mitarbeiter. 

Georg  Bauer***),  dessen  Name  wahrscheinlich  von  seinen  Lehrern  lati- 
nisirt  worden  ist,  wurde  am  24.  März  1494  in  Glauchau  geboren.  Nach  in 
Glauchau  und  Zwickau  vollendeter  Schulzeit  bezog  der  Zwanzigjährige  die 
Universität  Leipzig,  wo  eben  der  Humanismus  siegreich  eingezogeii  war  und 
in  Petrus  Mosellanus  seinen  bedeutendsten  Vorkämpfer  hatte.  Unter  der  An- 
leitung dieses  Mannes  wurde  Agricola  in  vierjähriger  Studienzeit  ein  Meister 
der  alten  Sprachen,  durchdrungen  von  hellenischem  Geiste  und  aristotelischer 
Weltanschauung.  Als  Rector  der  Zwickauer  Stadtschulen  wandte  er  seine 
philologischen  Kenntnisse  zum  Ruhme  dieser  Anstalten  an.  Aber  schon 
1522  ging  er  nach  Leipzig  zurück,  um  als  Lector  seines  früheren  Meisters 
sich  aufs  Neue  philologischen  Studien  hinzugeben.  Ungefähr  1524  finden 
wir  ihn  — der  Gelehrtensitte  seiner  Zeit  entsprechend  — auf  einer  Reise 


*)  Vergl.  Herrn.  Müller:  Die  Erzgänge  des  Freiberger  Bergreviers.  Erläut.  z. 
geol.  Specialkarte  des  Kgs.  Sachsen  1901.  Ferner  F.  Zirkel:  Zur  Geschichte  des  Sächs. 
Bergbaus.  Wiss.  Beil,  der  Leipz  Ztg.  1887,  No.  34. 

**)  De  mineralibus  et  rebus  metallicis  libri  quinque.  Auctore  Alberto  Magno 
summo  Philosopho.  Coloniae  apud  Jo.  Birckmannura  et  Theod.  Baumium  1569. 

Darin  eine  Bemerkung  über  die  Menge  und  Reinheit  der  Freiberger  Silbererze. 

***)  G.  H.  Jacobi:  Der  Mineralog  Georgius  Agricola  und  sein  Verhältnis  s zur  Wissen- 
schaft seiner  Zeit.  Leipzig,  Diss.  1889. 

Reinhold  Hofmann:  Dr.  Georgius  Agricola  aus  Glauchau,  der  „Vater  der  Mine- 
ralogie“. Schönburg.  Geschichtsblätter.  Waldenburg,  Kästner  1898. 

F.  L.  Becher:  Die  Mineralogen  G.  Agricola  zu  Chemnitz  im  16.  und  A.  G. 
Werner  zu  Freiberg  im  19.  Jh.  Winke  zu  einer  biogr.  Zusammenstellung  aus  Sachsens 
Ciüturgeschichte.  Freiberg  1819. 

GeorgiiAgricolae  De  re  metallica  libri  XH,  quibus  officia,  instrumenta,  machinae, 
ac  omnia  deniqui  ad  metallicam  spectantia,  non  modo  luculentissime  describuntur,  sed 
et  per  effigies,  suis  locis  insertas,  adjunctis  latinis,  Germanicisque  appellationibus  ita  ob 
oculos  ponuntur,  ut  clarius  tradi  non  possint  etc.  Froben,  Basileae  1556. 

Georg  Agrikola’s  aus  Glauchau  Mineralogische  Schriften,  übersetzt  u.  mit  erläut. 
Anmerkungen  u.  Excursionen  begleitet  von  Ernst  Lehmann,  Bergamtsassessor.  Frei- 
berg, Craz  u.  Gerlach  1806. 


65 


nach  Italien  und  alsbald  in  Bologna  als  eifrigen  Jünger  der  Medicin. 
Der  Sprung  zu  dieser  Wissenschaft  war  nicht  so  gross,  als  es  uns 
heute  scheinen  möchte;  denn  die  Heilkunst  des  Mittelalters  war  nichts 
Anderes,  als  die  Anwendung  der  Recepte  alter  griechischer  und  römischer 
Aerzte.  Ein  Jahr  lang  lebte  er  in  Venedig  im  Hause  eines  Buchhändlers, 
wo  er  im  Verkehr  mit  Neugriechen  und  einem  arabischen  Arzte  seine 
Sprechfertigkeit  im  Griechischen  und  in  orientalischen  Dialecten  bedeutend 
erhöhte,  vor  Allem  aber  die  günstige  Gelegenheit  benutzte,  alle  möglichen 
Werke  des  Alterthums  in  guten  Ausgaben  zu  lesen.  Dabei  fiel  ihm  auf, 
wieviel  Heilmittel  aus  dem  Mineralreiche  die  alten  Aerzte  verwerthet  hatten 
und  wie  sehr  die  Anwendung  solcher  Mittel  ausser  Gebrauch  gekommen 
war.  Um  diese  Lücke  der  mittelalterlichen  Medicin  auszufüllen,  wählte 
er  nach  seiner  Heimkehr  als  ärztlichen  Wirkungskreis  die  eben  erblühte 
Bergstadt  Joachimsthal.  Von  den  Bergleuten  wollte  er  sich  in  das  Reich 
der  Steine  einführen  lassen  — zu  Nutz  und  Frommen  der  Heilkunde.  Aber 
bald  schwand  der  ursprüngliche  Beweggrund,  und  Agricola  wurde  zum 
begeisterten  Mineralogen,  Metallurgen  und  Geologen.  Mit  vieler  Mühe, 
grossem  Geschick  und  mancher  List  entlockte  er  den  Bergleuten  ihr  rohes 
empirisches  Wissen,  das  sich  bis  dahin  als  Tradition  fortgepflanzt  hatte, 
und  als  er  1528  seinen  „Bermannus  sive  de  re  metallica“,  eine  Einführung 
in  die  Bergbaukunst  in  Dialogform  schrieb,  vollzog  er  damit  eine  wissen- 
schaftliche Grossthat:  die  lang  entbehrte,  lang  ersehnte  Vereinigung 
antiken  Wissens  mit  den  Erfahrungsschätzen  der  einheimischen 
Praktiker.  In  Chemnitz,  wo  dann  Agricola  von  1533  — 1555  seinen  Wohn- 
sitz, theils  als  Arzt,  theils  als  Bürgermeister  und  Hofhistorienschreiber 
hatte,  baute  er  das  Lehrgebäude  weiter  aus,  das  ihm  den  Ehrennamen 
eines  „Vaters  der  Mineralogie“  eingebracht  hat.  Die  zehn  Bücher  „De 
natura  fossilium“  — 1546  waren  das  erste  Compendium  der  Mineralogie. 
„De  ortu  et  causis  subterraneorum“  und  „De  natura  eorum,  quae  effluunt  ex 
terra“  enthalten  die  Keime  einer  dynamischen  Geologie  und  Meteorologie. 
„De  re  metallica“,  sein  Hauptwerk,  ist  eine  von  Philologen  und  Natur- 
forschern seiner  Zeit  gleich  angestaunte  Gesammtdarstellung  der  berg- 
männischen Wissenschaften.  (Das  citirte  Prachtwerk  der  K.  Bibliothek 
zu  Dresden  enthält  unter  letzterem  Titel  die  sämmtlichen  Arbeiten 
Agricola’s.) 

Worin  besteht  nun  die  Bedeutung  Agricola’s  für  die  Mineralogie  und 
insbesondere  für  die  mineralogische  Erforschung  seines  Vaterlandes?  Er 
hat  das  Glück  gehabt,  schon  von  seinen  Zeitgenossen  als  Heros  der  Wissen- 
schaft anerkannt  und  von  seinen  Epigonen  als  Classiker  gepriesen  zu 
werden.  Sein  Uebersetzer  Lehmann  schreibt:  „Man  w^eiss  nicht,  was 
man  an  ihm  mehr  bewundern  soll,  ob  scharfe  Urtheilskraft , treffenden 
Witz,  glückliche  Beobachtungsgabe,  treues  Gedächtniss  und  andere  für- 
treffliche Naturanlagen,  oder  anhaltenden  Fleiss,  vielseitige  Gelehrsamkeit, 
gründliche  Kenntniss  des  Alterthums  und  ausgebreitete  Belesenheit.  Er 
ist  in  neueren  Zeiten  der  Erste,  welcher  über  mineralogische  Gegenstände 
mit  Beharrlichkeit,  Vorurtheilslosigkeit  und  Geistesfreiheit  nachgedacht, 
mit  griechischer  Eleganz  geschrieben.  Zwar  gehört  er  nicht  zu  den  kühnen 
schöpferischen  Genien,  welche  auf  selbstgebahnten  Wegen  den  Geheim- 
nissen der  Natur  nachgehen  und  auf  den  Trümmern  umgestürzter  Systeme 
aufbauen.  Dagegen  hat  er  die  Wege  seiner  Vorgänger  mit  vielem  Glück 
betreten,  ihre  Systeme  sorgfältig  studirt,  unparteiisch  gewürdigt.  Seine 


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Werke  enthalten  die  Quintessenz  von  allem,  was  über  Gegenstände  der 
Mineralogie  vor  ihm  geschrieben  worden  ist“. 

Wenn  wir  heute  mit  ruhigem  Blute  die  Leistungen  Agricola’s  würdigen, 
so  kommen  wir  vielleicht  zu  einem  etwas  kühleren  Urtheil.  Gewiss  — 
Agricola  war  ein  Philolog  und  Kenner  des  antiken  Schriftthums  wie  nur 
wenige  seines  forschungsfreudigen  Zeitalters;  er  war  Humanist  und  Aristo- 
teliker  reinsten  Wassers.  Aber  er  konnte  sich  nicht  frei  machen  von  dem 
wissenschaftlichen  Betriebe  des  Mittelalters;  auch  er  vergass  fast  über  dem 
sklavischen  Autoritätsglauben  die  Hauptforderung  seines  griechischen  Lehr- 
meisters: die  Natur  selbst  als  Quelle  zu  benutzen.  Mit  grösster  Gewissen- 
haftigkeit sucht  er  bei  Aufstellung  seiner  genetischen  Theorien  Citate  aus 
Aristoteles,  Theophrast,  Strabo,  Dioscorides,  Galenus,  Vitruvius,  Plinius 
zusammen  und  unterdrückt  seine  eigene  Meinung.  Die  Stellen,  die  wirk- 
lich von  Selbstgesehenem  zeugen,  sind  verhältnissmässig  dünn  gesät.  (Hier- 
her gehört  z.  B.  die  Erklärung  der  Vulcaneruptionen  auf  Grund  der  Be- 
obachtungen an  den  Planitzer  Kohlenbränden.)  Und  wie  er  auch  wettert 
gegen  die  Alchymisten  und  Astrologen,  die  märchenhaften  Recepte  der 
alten  Autoren  über  die  Heilkraft  der  einzelnen  Steine  nimmt  er  ohne  jede 
Kritik  auf,  und  die  Existenz  der  Erdgeister  und  Dämonen  ist  für  ihn 
ausgemachte  Thatsache. 

Wie  wenig  kritisch  er  sich  auch  den  ihm  zugetragenen  Mittheilungen 
seiner  Volks-  und  Zeitgenossen  gegenüber  verhielt,  zeigt  die  ausgiebige  Be- 
nutzung seines  Landsmannes  Erasmus  Stella*)  (seit  1513  Bürgermeister 
in  Zwickau),  eines  skrupellosen  Vielschreibers,  den  er  vielfach  wörtlich 
copirt. 

Der  Mangel  eigener  Beobachtungen  drängt  sich  uns  besonders  auf, 
wenn  wir  nach  der  Kenntniss  Agricola’s  von  der  Bodenbeschaffenheit  seines 
Vaterlandes  forschen.  Selbstverständlich  war  er  am  meisten  bewandert 
in  dem  Bergbaudistricte  des  oberen  Erzgebirges.  Seine  Schrift  „De  veteri- 
bus  et  novis  metallis“  ist  eine  reiche  — von  Späteren  viel  benutzte  — 
Quelle  über  die  Entstehungsgeschichte  der  einzelnen  Bergstädte,  über  die 
damals  bekannten  Erzfundorte,  die  längst  eingegangenen  Bergwerke  und 
Erzwäschen  früherer  Zeiten.  Er  kennt  die  uralten  Zinnfundorte  von  Ir- 
beresdorfium  (=  Ehrenfriedersdorf),  Thum,  Geyer,  Oelsnitz  i.  V. , Eyben- 
stock,  Schneeberg-Neustädtel,  Fletschmaul  am  Auersberg,  Jugel  bei  Johann- 
georgenstadt, Platten,  Bäringen,  Hengst,  Neudeck,  Altenberg,  Lauenstein. 
Silber  war  ihm  bekannt  von  Freiberg,  Marienberg,  Annaberg,  Geyer, 
Schneeberg,  Wolkenstein,  Trebach,  Tzschopau,  Oederan,  Trapenau  bei 
Sachsenburg,  Rochlitz,  Mitweyda,  Glashütte,  Hohenstein,  Scheibenberg, 
Elterlein,  Wiesenthal,  Joachimsthal,  Abertham,  Priesnitz;  Kupfer  von 
Schlema,  Hohenstein,  Geyer,  Annaberg,  Ereiberg,  Berggiesshübel,  Trapenau. 
Selbst  Gold  von  Kuttenheyde,  Wismuth  von  Schneeberg  werden  erwähnt. 
Eisen  fand  man  im  Dorfe  Pöhl  bei  Joachimsthal,  zwischen  Raschau  und 
Grünhayn,  bei  Lauenstein,  Berggiesshübel,  Schwarzenberg,  Eybenstock. 

In  der  ersten  Gruppe  seiner  ,, Fossilien“,  den  Erden  erwähnt  er  die 
treffliche  Töpfererde  von  Waldenburg,  den  Annaberger  Thon,  den  zu  Probir- 
schirbeln  und  Muffeln  verwendeten  Thon  von  Mitweyda,  die  aschgraue 
Walkerde  von  Leipzig. 


*)  Erasmi  Stellae  Libanotliani  viri  clariss.  De  gemis  libellus  unicus.  Argen- 
torati  per  Henricum  Sybold.  1530. 


67 


Unter  den  „harten  Säfften“  (succus  concretus)  zählt  er  auf:  Alaun 
von  Kadeberg  und  der  Zwönitzer  Heide.  Auch  die  Steinkohlen,  die  als 
„fossiles  erdiges  Bitumen“  unter  den  Mineralien  figuriren,  kennt  er  aus 
der  Gegend  von  Zwickau  und  „rechter  Hand  auf  der  Strasse  von  Dresden 
nach  Freiberg“. 

Haematit  und  Schistos  (jedenfalls  rother  Glaskopf)  ist  auf  der  Zeche 
„Goldene  Krone“,  5000  Schritt  von  Marienberg,  zu  haben.  Den  Glimmer 
unterscheidet  er  in  drei  Abarten,  von  denen  der  Magnetes  oder  Silber- 
weiss  bei  Marienberg  und  Schlettau  vorkommt.  Der  Mica,  „von  den  Berg- 
leuten Katzensilber  oder  Glimmer  genannt“,  macht  den  Sand  und  Marmor 
silberglänzend;  Ammochrysos  oder  Katzengold,  das  Agricola  als  den  ersten 
Lehrlingsversuch  der  Natur  in  der  Metallbereitung  betrachtet,  findet  sich 
ebenfalls  im  Sande. 

Die  dunklen  Granaten,  die  sich  wahrscheinlich  unter  dem  Bergmanns- 
namen „Wolfsschaum“  verbergen,  sind  ihm  aus  den  sächsischen  Zinnlager- 
stätten gebracht  worden.  Smirgel  fand  sich  in  den  meissnischen  Silber- 
bergwerken, z.  B.  von  Annaberg;  Quarz  namentlich  bei  Freiberg.  Merk- 
würdigerweise kennt  er  als  Chemnitzer  noch  keine  sächsischen  Achate. 

Dass  wir  von  Agricola  nicht  viel  Aufschluss  über  sächsische  Gebirgs- 
arten  erwarten  können,  geht  schon  aus  seinem  primitiven  petrographischen 
System  hervor.  Er  unterscheidet  1.  Sandstein,  2.  Moelstein,  3.  Schiefer, 
4.  Kalchstein.  Die  Sandsteine  spielten  schon  damals  eine  grosse  Rolle  als 
Baumaterial;  die  Brüche  von  Pirna  und  Lohmen  standen  in  gutem  Rufe. 
Dass  auch  des  Rochlitzer  Porphyrtuffs  unter  den  Sandsteinen  gedacht 
wird,  darf  uns  nicht  wundernehmen.  Noch  mehr  Verschiedenartiges  deckt 
der  Name  Moelstein  (saxum  molare):  weisse,  rothe,  gefleckte,  aschgraue 
Sorten,  z.  B.  bei  Chemnitz  (d.  i.  Porphyr)  als  steiler  Fels,  halbharte  aus 
dem  Steinbruche  hinter  der  Stadt,  harte  bei  Penig  und  Schloss  Rosen- 
burg (=  Rochsburg).  Vom  Schiefer  gibt  er  keinen  besonderen  Fundort  an, 
obgleich  ihm  sicher  die  Glimmerschiefer  und  Phyllite  zwischen  Joachims- 
thal und  Chemnitz  aus  eigener  Anschauung  bekannt  sein  mussten.  Kalch- 
stein kennt  er  von  Chemnitz,  Waldenburg,  schwarzen  von  Auerswalde, 
bunten  aus  dem  Müglitzthale.  Alle  Felsarten,  die  durch  Schleifen  Glanz 
annehmen,  werden  als  ,,marmora“  zusammengefasst.  Zu  den  eisen  schwarzen 
Marmorarten  rechnet  er  auch  den  ,, meissnischen  Basalt“,  auf  dem  das 
Schloss  Stolpen  steht.  Der  Ophites,  nicht  weit  vom  Schlosse  Lauterstein 
beim  Städtchen  Zöblitz,  ist  ein  gefleckter  Marmor,  den  unsre  Bergleute 
Serpentin  nennen.  Der  Name  ,, Syenit“,  für  einen  „rothgetüpfelten  Marmor“, 
wird  erwähnt,  aber  nicht  auf  sächsische  Vorkommnisse  angewendet. 

Wir  sehen,  die  Kenntnisse  Agricola’s  beschränkten  sich  in  der  Haupt- 
sache auf  Mineralien.  Zur  Unterscheidung  der  Gesteine  fehlten  ihm  eines- 
theils  die  Kriterien,  anderentheils  das  Interesse,  das  nicht  viel  weiter  ging 
als  die  praktische  Verwerthung  erheischte.  Noch  weniger  finden  wir  natürlich 
stratigraphische  Unterscheidungen.  Nur  vom  altberühmten  Mansfelder 
Kupferschieferlager  stellt  er  die  Schichtenfolge  auf:  Corium  terrae  erd  oder 
leim,  argilla  cinerea  thone  oder  than,  tertium  saxum  gerhulle,  quartum  saxum 
geniest,  quintum  saxum  schwehlen,  sextum  oberrauchstein*). 


*)  Wir  erwähnen  diesen  Passus,  obgleich  er  sich  auf  ein  aussersächsisches  Vor- 
kommniss  bezieht,  weil  Zittel  (Geschichte  der  Geologie)  die  mansfeldische  Schichtenreihe 
»erst  bei  Mylius  (1720)  nennt.  Dort  finden  wir  allerdings  eine  grössere  Gliederung. 


68 


So  ist  das  Bild  vom  geognostischen  Bau  unseres  Vaterlandes,  das  der 
Vater  der  Mineralogie  entrollt,  noch  weit  davon  entfernt,  auch  nur  die 
gröbsten  Grundlinien  festzulegen.  Aber  es  war  ein  erspriesslicher  Anfang 
gemacht.  Die  alten  Bergmannsnamen  waren  zu  wissenschaftlichen  Ehren 
gekommen,  die  Gesteinsarten  einigermassen  definirt  und  somit  eine  Mög- 
lichkeit zur  Verständigung  gegeben.  Das  bisher  bekannte  Einzelmaterial 
über  Fundorte  war  fixirt.  Vor  Allem  aber  hatten  Agricola’s  erste  Schriften 
weithin  Interesse  gefunden  und  den  mineralogischen  Sammeleifer  in  weiten 
Kreisen  geweckt  — wenn  auch  nicht  zu  übersehen  ist,  dass  zu  letzterem 
auch  die  allgemeinen  Zeitereignisse,  das  plötzliche  Emporblühen  von  zehn 
neuen  Bergwerksorten,  beitrugen.  Ueberall  fanden  sich  Liebhaber,  die 
mineralogische  Streifzüge  in  ihrem  engeren  Gebiete  machten,  Sammlungen 
anlegten  und  so  zur  Erweiterung  der  Kenntnisse  vom  vaterländischen  Boden 
beitrugen. 

Agricola  selbst  zog  von  dieser  Sammelbegeisterung  den  grössten  Vor- 
theil. Ein  grosser  Theil  seiner  Angaben  beruht  ja  auf  fremden,  ihm  zu- 
gesandten Unterlagen.  Und  wie  es  oft  in  der  litterarischen  Welt  der  Fall 
ist,  concentrirte  er  — unabsichtlich,  aber  zum  Theil  auch  absichtlich  — 
auf  seine  Person  den  Ruhm  so  manches  verdienstvollen  Zeitgenossen.  Schon 
der  Chronist  Petrus  Albinus  kann  sich  nicht  enthalten,  den  leisen  Vor- 
wurf der  Undankbarkeit  auszusprechen,  weil  Agricola  stets  versäumt  habe, 
seine  Hülfsarbeiter  gebührend  zu  nennen. 

Einer  der  fleissigsten  Gehülfen  war  Georg  Fabricius,  der  gelehrte 
Rector  der  Meissner  Fürstenschule,  der  ausgezeichnete  Schulmann  und 
Nachfolger  Agricola’s  als  sächsischer  Historiograph.  (Geboren  1516  in 
Chemnitz,  1539  in  Padua,  1544  in  Strassburg,  seit  1546  in  Meissen.)  Sein 
Bruder  Jacobus  Fabricius  aus  Chemnitz  hat  eine  Anzahl  gesammelter 
mineralogischer  Notizen,  die  sich  in  den  hinterlassenen  Papieren  vorfanden, 
veröffentlicht.  Aus  diesem  Büchlein*)  erfahren  wir,  dass  sich  Gold  „in 
saltu  Schellenbergiano“  findet.  Auch  die  Fabel  von  goldhaltigen  Granaten 
und  Eisensteinen  (bei  Annaberg  und  Zeblitz)  taucht  hier  schon  auf.  Selbst- 
verständlich kennt  er  auch  die  Silberbergwerke  „in  radicibus  Sudetarum 
montium“,  weiss  aber  auch  von  Quecksilber  bei  Hartenstein  zu  melden. 
Interessant  sind  seine  Angaben  über  das  Zinn  oder  Zwitter  (Plumbum 
candidum).  Er  zählt  dort  neben  den  ,,lapillis  nigris  puris  Zwitter“  auf: 
Lapilli  adulterini  et  steriles  — Wolffrham  oder  Schurei  oder  Schörle  oder 
Greiss  oder  Misspickel.  Wenn  H.  Jacobi  (a.  a.  0.)  anführt,  dass  Fabricius 
zum  ersten  Male  das  Wort  Gneiss  gebraucht,  so  beruht  dies  wohl  auf 
einem  Lesefehler  obiger  Stelle,  in  der  offenbar  Greisen,  das  Muttergestein 
des  Zinns  gemeint  ist.  Ebenso  wenig  möchten  wir  Jacobi’s  Vermuthung 
annehrnen^  dass  der  neue  Name  Schörl  von  Zschorlau  abstamme.  Es 
dürfte  eher  möglich  sein,  dass  beide  Worte  einen  gemeinsamen  Stamm 
haben**).  Wismuth  (Bisemutum),  zuerst  von  Agricola  genannt,  kommt  nach 
Fabricius  vorbei  Schneeberg,  Marienberg,  „necnon  inVallibus“  (=  Joachims- 
thal); ,,Plumbago,  Glantz  oder  gediegen  Bley“  bei  Freiberg.  Eisen  wird 
gefunden  ,,in  monte  Capha“,  zwei  Meilen  von  Wisentala,  mit  viel  Ocher 


*)  De  raetallicis  rebus  ac  nominibus  observationes  variae  et  eruditae,  ex  scbedis 
Georgij  Fabricij:  quibus  ea  potissimum  explicantiir,  quae  Georgius  Agricola  praeterijt. 
Tiguri  1566. 

**)  So  leitet  z B.  M.  G.  Körner  beide  Worte  von  zschorli  = quellen  rinnen  her. 
M.  Christoph  Gottlieb  Grundig’s  „NeueVersuche  nützlicher  Sammlungen— 45. Theil,  1761. 


69 


beim  Tschopafluss,  bei  Frankenberg;  Stibi  (Spissglass  vel  rectius  Spissglantz) 
in  Hobenbirke  bei  Freiberg. 

Der  bedeutendste,  Sammler  jener  ersten  Blütheperiode  mineralogischer 
Forschung  ist  unstreitig  Johann  Kentmann.  Dieser  Mineralog  war  1518 
zu  Dresden  geboren,  hatte  Medicin  studirt  und  hielt  sich  dann  als  Arzt 
zunächst  in  Meissen,  später  in  Torgau  auf,  wo  er  1574  starb.  Er  war 
einer  der  Ersten,  die  überhaupt  systematisch  Mineralien  sammelten  und  ge- 
ordnet aufstellten.  Und  da  er  sich  namentlich  die  Erforschung  der 
meissnischen  Lande  zur  Aufgabe  gemacht  hatte,  dürfen  wir  von  ihm  manches 
Neue  für  die  mineralogische  Landeskunde  erwarten.  Er  hat  1556  den 
Catalog  seiner  Sammlung  unter  dem  Titel:  „Nomenclator  rerum  fossilium, 
quae  in  Misnia  praecipue  et  in  aliis  regionibus  inveniuntur“  veröffentlicht. 
(Nach  der  Allg.  deutschen  Biographie.)  Die  Ausgabe,  die  1565  von  Gesner 
besorgt  worden  ist,  und  die  Verfasser  allein  auffinden  konnte*),  ist  ein 
so  bezeichnendes  Schriftstück  für  den  damaligen  Stand  der  Systematik, 
die  mineralogischen  Fachausdrücke,  dass  es  vielleicht  nicht  ganz  ohne 
Interesse  ist,  hier  einen  Auszug  — soweit  sächsische  Fundorte  in  Frage 
kommen  — wörtlich  einzuschalten. 


Sächsische  Mineralien  nnd  (lesteine  nach  dem  Catalogus 
Jo.  Kentmani  von  1565. 


Terrarum  genera. 


Terrae. 

Subcinerea  spissa  Vualdenburgica,  ex  qua  fiunt  vasa,  nullos  liquores 
sorbentia.  Waldenburgisch  erdtrich  / darauss  gefesse  werden  / die 
scheidtwasser  wie  das  Venedische  glass  halten. 

Cinerea  Annebergia,  cum  rubrica  fabrili  mixta.  Ein  graw  erdtrich  mit 
berckrötel  vermischt. 

Ilubea  mollis  scissilis  Vualdenburgica.  Schöne  rothe  schiffrichte  erde/ 
dem  quecksilber  ertz  nit  ungleich. 

Lapidosa  rubea  Rochlicensis.  Roth  steinicht  erdtrich  / darmit  das 
steinmarck  bricht. 

Aluminosa  Misnensis,  colore  vario,  sed  ochrae  et  ferruginis  praecipue. 
Haec  foditur  Heluigisdorfi  prope  Vuillansdorfium  duobus  supra 
Misenam  miliaribus  et  Burgi  prope  Dipoldisualdum  miliaribus  ab 
eadem  urbe  quatuor.  Alaun  erdtrich. 

Sulphurea  Radebergiana.  Schwefel  erdtrich. 

Carbonaria,  e cespitibus  Belgica  et  Misnensis,  qua  carbonum  vice 
utuntur.  Durff  / Dorpte. 


Argillae. 

Cinerea  Misnensis.  Schön  graw  Meisnischer  Than. 
’ Candida  Annebergia. 


*)  Joh  Kentmani  Dresdensis  medici  nomenclaturae  rerum  fossilium,  quae  in 
Misnia  praecipue  et  in  aliis  quoque  regionibus  inveniuntur.  Erster  Theil  des  Sammel- 
werkes: Re  omni  rerum  fossilium  genere,  gemmis,  lapidibus,  metallis  et  hujus  modi, 
dibri  aliquot,  plerique  nunc  primum  editi.  Opera  Conradi  Gesneri.  Tiguri,  execudebat 
Jacobus  Gesnerus  1565. 


70 


Cinera  Misnensis  prope  Risam  ad  Albim.  Lieclitgrawer  Than  von  Riss. 
Lutea  Misnensis.  Schön  gelber  Than. 

Fulva  Annebergia  in  Pila  monte.  Gelber  Than. 

Rubricae  fabrili  similis  e pago  Ocrolla. 

Marga. 

Cinerea  mediocris,  quae  reperitur  inter  Dresdam  et  Misenam.  Liecht 
aschenfarber  mergel. 

Fulva  crustacea  Radebergensis,  quae  reperitur  in  terra  arenosa  aurum 
in  se  continens.  Geier  schirblichter  Goldmergel. 

Medulla. 

Candida  et  fluida  saxorum  Rochlicensium. 

Lutea  geodi  inclusa,  ochrae  non  dissimilis,  quae  circa  Francobergam 
in  Misnia  cum  lithanthrace  reperitur.  Gelb  steinmarck  in  holen- 
steinen. 

Rubra  mollis;  incandida  rubra  saxorum  Rochlicensium. 

Picea  saxorum  Pirnensium.  Schwarz  steinmarck  / Bech  gleich. 

Viridis  saxorum  Chemnicensium  supra  Hilbersdorfium. 

Bolus. 

Annebergius.  Gebingescher  bolus. 

Creta. 

Lutea  mollis  Vualdenburgica  etc. 

Ochra. 

Innata  ferri  lapidibus,  effossa  Francobergi  ad  Tschopam  amnem. 
Innata  et  annata  lapidi  plumbario,  Fribergensis.  Freibergisch  ochra. 

Sncci  nativi. 

Alumen. 

Misnense,  quod  foditur  in  villis  Heruigisdorfo  et  Burgo. 
Atramentum, 

Radebergense,  cum  sulfure  mixtum.  Radebergisch  kupfferwasser  mit 
schwebel  vermischt. 

Chrysocolla. 

Nativa  Snebergensis  in  Misnia,  in  lapide  metallico  aerario.  Berckgrün 
in  einem  kuplferertz. 

Coeruleum. 

Nativum  insigne  glebosum  Snebergense,  intus  concavum.  Schön  blaw 
lasur  kuglen  / die  inwendig  hol  / und  in  einer  weissen  grisslechten 
erden  gefunden  werden. 

Nativum  Gishubelianum  in  pyrite.  Ein  bercklasur  in  einem  gar 
schönen  kupffer  kiess  / darauss  täglich  ein  grawe  färb  wechsst. 
Pyrites  Radebergensis,  ex  quo  misy,  melanteria  et  atramentum  tenue 
album  distincte  efflorescunt. 

Pyrites  Fribergius,  cum  sterili  plumbagine  ex  qua  s ul  für  educitur:  qui 
foditur  copiose  ad  Albim  Scharfenbergi. 

8ucci  pingues. 

Carbon  es  bituminosi,  molles  et  fissiles  qui  non  procul  a Dresda  effodiuntur. 
Weiche  steinkolen. 


71 


Lapides. 

Magnes  spissus  ferrei  coloris  mas,  Misnensis,  fossus  Suarceburgi,  prope 
Snebergum.  Ein  Schwartzburgischer  magnet.  etc. 

Haematites  ferri  coloris  glebosus,  Misnensis  prope  Zeblicium.  Ein  eisen- 
farbner  blutstein. 

Schisti  nodus,  Annebergicus.  Ein  glasskopff / damit  die  Goldtscbmidt 
das  Gold  gletten  / oder  polieren. 

Terra  rubra  rubricae  fabrili  similis,  in  qua  terra  in  Misnia  schistos 
reperitur.  Ein  roth  erde  / gleich  einem  bergrötel  / darinn  der 
schiffrichte  blutstein  bricht. 

Magnetis,  Minensis  in  candido  viridis,  scissilis. 

Glebosa,  in  qua  rnulti  lapilli,  duri,  rotundi,  ponderosi  insunt,  carbun- 
culis  impuris  similes.  Ein  schön  silberweiss  / darinn  rothe  stein- 
lein / unreinen  Granaten  nicht  ungleich. 

Mica  Mariebergica  argentei  coloris,  glebosa,  in  crustis  silicis.  Stuckicht 
katzensilber  in  schirblichtem  Hornstein. 

Aetites  Motteschanus.  Adlerstein  von  Motschen  / darinn  weisse  durch- 
sichtige viereckichte  flösse  / den  demut  punckten  gleich  wachsen. 

Gaeodes  Chemnicensis,  subfusci  coloris.  Ein  eisenfarbner  stein /darinn 
gelbe  erde. 

Cos  aquaria  Zebliciana,  qua  levigant  pocula,  quae  fasciunt  ex  ophite. 
Ein  Zeblitzer  Wetzstein. 

Stelechites,  qui  speciem  stipitis  habet,  prope  Misenam  in  argilla  reperitur. 
Stockstein  so  in  einem  Thane  bey  Meissen  gefunden  wirt. 

Lapis  subflavus,  levis,  instar  tophi,  qui  fistulas  grandes  habet  arena 
plenas,  qui  foditur  ßabschicij  supra  Misenam. 

Lapis  Zeblicianus  niger  durissimus,  in  quo  plurimi  granati. 

Tophus  Candidus  flstulosus  Misenus.  Ein  rörichter  Topstein. 

Candidus  Misenus  Kabschicius,  ex  quo  calx  uritur. 

Candidus  Misenus,  in  quo  folia  quercus  et  alni  sunt  impressa. 

Fluores  candidi,  pellucidi,  sexanguli,  forma  tignierecti,  ut  Bisaltes  Misenus. 
Wie  die  balcken  auffgericht. 

In  candido  purpurantes  quadranguli  et  sexanguli  e gaeode  Moteschano. 
(Ibidem  purpurei). 

Aldenbergij  flavi,  intus  albi,  foris  crocei,  colore  tincti  aqua  metallica. 
(Ibidem  sanguinei). 

Silex  Mariebergius  metallicus,  candidus,  cum  mica  candida. 

In  Trebisa  fluvio  inventus,  fluores  candidos  in  se  continens.  Auss 
der  Tribisch  ein  kissling  / darauff  weisse  unnd  braune  flösse  stehn. 

Coeruleus,  in  quo  ductus  linearum,  quae  formam  Theatri  referunt, 
inventus  in  agro  circa  Misenam. 

Crystallus  e monte  arcis  Cribensteiniae  in  Misnia  effossae.  So  licht  unnd 
schön  / wie  ein  lauter  brunnwasser. 

Amethystus  Misnica,  quae  Vuolchensteini  e fodina  quae  ex  amethysto 
nomen  invenit,  eruitur.  Ein  Meissnischer  Ametist  / der  in  bergen 
bricht. 

Quae  in  Misnia  in  rivis,  ut  prope  Stolpenam  et  in  fluvio  Trebisa  prope 
Misenam  reperitur. 

Quadrangula  et  sexangula  in  geode  Moteschano.  Braune  spitzige  / vier 
und  sechseckichte  Ametisten. 


72 


Carbunculus  Misenus  qui  in  rivo  supra  Hoensteinam  reperitur.  Ein 
Meissnischer  Granat. 

Zeblicius,  qui  effoditur  e colle  opposito  lapidicinae  ex  qua  ophites 
eruitur  et  qui  in  vicino  rivo  copiosissime  invenitur. 

Jaspis  borea  Strigensis,  in  coeruleo  albicans.  Türckiss. 

' Corensis,  ex  Misnia,  sanguineo  colore  rubeus.  Ein  schöner  rother 
Jaspis  / so  zu  Goren  in  Meissen  bricht. 

Marmor  candidum  Annebergium,"  in  metallis  repertum.  Annebergisch 
marmel  oder  spat  in  einem  glantz. 

Cinereum  Zeblicium,  quod  incolae  serpentinum  nominant,  cum  venis 
et  punctis  candidis,  flavis  et  nigris.  Serpentin. 

Rochlicianum,  cum  luteis  maculis. 

Nigrum  Annebergicum. 

Stolpense,  ferreo  colore  et  duricie,  hoc  Bisalten  nominat  Agricola: 
nos  Basalten.  Stolpischer  stein. 

Saxa. 

Saxa  arenaria  Pirnensia.  Weisser  Pirnischer  Sandstein. 

Lutea  Fribergia. 

Rubra  Rochlicia. 

Calcaria.  Saxa  candida  Pirnensia. 

Coeruleum  Pirnense  (cinereum). 

Saxum  nigrum,  granatos  in  se  continens.  Effoditur  Zeblicij  juxta 
ophitem,  interjecto  inter  utriusque  venas  fluviolo. 

Rubro  colore  tinctum  saxum  ab  humore  metallico,  non  procul  a Fribergo 
nascens,  in  qua  vena  nascuntur  stibi  et  schistos. 

Ligna  in  saxa.  Rami,  folia,  cortices  etc,  immissa  piscinae  prope  Schelle- 
bergam  arcem  in  Misnia,  in  saxa  corporantur. 

Arenae. 

Arena  fossilis,  tenuis  et  candida,  Misenae  in  charadris  versus  occasum. 
Schöner  weisser  saiidt. 

In  tophis  Misnensibus. 

Metallica,  ex  qua  lavatur  aurum  in  Albim.  Goldtschlich. 

Metallica  Misnensis,  in  pago  a piscatoribus  dicto,  prope  Leisnicium. 

Misnensis  in  rivo  prope  Schellebergiam  arcem,  in  ipsa  sylva. 

Auruiii. 

A.  purum,  ignem  non  expertum,  quäle  in  Albi  et  in  multis  rivis  Misenae 
lavatur.  Gedigen/ gewaschen  Goldt/gewasche  Goldflitzchen  / Goldt- 
körner  / geseifft  Goldt. 

Lapilli  qui  reperiuntur  in  rivis  circa  arcem  Honsteinam,  e quibiis  aurum 
excoquitur,  Goldtkörner. 

Auri  ramenta  gravia  ibidem  inventa.  Gedigen  gesteifft  Goldt. 

Argentum. 

Argentum  rüde  candidum,  gleobosum,  Schnebergium.  Paurertz  / schnee- 
weiss  gedigen  silber  / dicht  silber. 

Annebergium  candidum  in  marmore  metallico  candidissimo.  Ein  stüflein 
gedigen  silber  in  weissem  spadt. 


73 


Mariebergium  in  cadmia  metallica  subcinerea  fluida.  In  einem  grawen 
flüssigen  kobelt. 

Annebergium  candidum  capillare,  rüde,  rubrum,  pellucidum:  item  rüde 
plumbei  coloris  in  uno  lapide  distincte  conjunctum.  Ein  handt- 
stein  darinn  häriclit  silber  / durchsichtig  roth  gülden  ertz  / und  glass 
ertz  zugleych  underschiedlich.  etc. 

Cornu  pellucido  simile,  Mariebergium:  candelae  admotum  liquescit.  Ein 
durchsichtig  hornfarbs  gedigen  silber  / das  am  lichte  verschmiltzt. 

Aes  seu  Cuprum, 

Aes  sui  coloris  Gishubelianum,  adherens  instar  bractearum  lapidi  duro 
coloris  spadicei.  Angeflogen  gedigen  kupffer. 

Fribergium,  annatum  plumbo. 

Cadmia  metallica. 

Cadmia  metallica  foditur  in  venis  Bohemiae  et  Misniae  magna  copia:  quam 
nostri  metallici  cobaltum  nominant,  ut  et  genus  quoddam  daemonis 
metallici,  Cobaltum:  quae  voces  quam  notionem  habeant,  hujus 
laboris  non  est  investigare  aut  expendere. 

Fossa  Sonnebirbilij  prope  Valles,  plena  sulfure,  quae  accensa  ardet. 
Kobelt  der  brennet. 


Plumbago. 

Fribergia  variis  et  diversis  coloribus  tincta,  iridem  repraesentans.  Ein  glantz 
der  mancherley  von  färben  / sicht  wie  ein  schöner  rägenbogen. 

Plumbago  sterilis  flava  nitens  Scharfenbergia  prope  Misenam.  Licht  gelbe 
blende. 

Fyrites. 

Glebosus,  in  terra  arenosa  candida  dura,  repertus  Mariebergi.  Ein  weisser 
wasserkiess  in  einem  harten  sandtichten  erdtrich. 

Friburgius,  cum  plumbagine  mixtus. 

Mariebergius  e portiunculis  corapositus  tessellatis,  plumbo  nativo  similis. 
Einem  gedignen  wissmut  gleich. 

Annebergius,  angularis  in  pyrite  candido.  Ein  eckichter  goldt  gelber  kupffer- 
kiess  / in  einem  wasserkiess. 

Gishubelianus,  in  quo  chrysocolla  nativa.  Darinn  ein  berckgrün. 

Gishubelianus,  in  quo  plumbago  sterilis,  pici  similis.  Darinn  ein  bechblende. 

Annebergius  in  saxo  candido,  qui  facillime  igne  liquescit.  Ein  weisser 
flockquertze. 

Glebosus  Radebergius,  ex  quo  sulfur  excoquitur.  Darauss  man  schwebel 
sendet. 

Venenatus,  qui  plumbi  candidi  venis  adjungitur  Eberndorfl.  Ein  gifftiger 
kiess.  Vom  wasser  darinn  man  in  weschet/oder  das  dardurch 
oder  darüber  fleusst  / stirbt  alles  was  darvon  trinckt. 

Plumbum  candidum. 

Lapilli  Altenbergij  candidis  fluoribus  pellucidis  similes.  Weisse  zingraupen. 

Yirides  prope  Schreckenbergum  in  aquis  reperti.  Grawe  zingraupen /so 
man  auff  dem  Schreckenberge  wascht. 

Candidi  prope  Schnebergum  in  rivis  inventi.  Weisse  geseiffte  zingraupen. 


74 


Lapis  plumbarius  Annebergius,  qui  malleo  fractus,  argillae  fit  similis:  unde 
catilli  conficiuntur,  sed  non  apti  ad  metalla  propter  mixtionem 
plumbi  albi,  quod  lapis  in  se  continet.  Das  ertz  wirt  darinn  nicht 
flüssig  / unnd  calciniert  sich  zum  theil  / von  wägen  des  zins  so 
darinnen. 

Plumbum  einer eum. 

Aldebergium  in  lapide  cinereo  duro.  Ein  wissmut  in  einem  grawen  stein. 

Glebosum  Schnebergense,  in  lapide  nigro  friabili.  Stuckweiss  in  einem 
mürben  stein. 

Stibi. 

Nascens  juxta  schiston  lapidem  prope  Friburgum  in  Misnia.  spiessglass. 

Ferrum. 

Vena  ferri  Gishubeliana  jecoris  colore,  solida,  dura,  ponderosa. 

Inter  Hoenicham  oppidum  et  Veterocellam,  in  pago  Caldofano,  e puteo  effossa. 

Inter  Francobergam  et  Chemnicium  e puteo  effossa,  quae  intus  ochram 
continet. 


In  directen  persönlichen  Beziehungen  zu  den  sächsischen  Mineralogen 
der  Blüthezeit  stand  auch  Conrad  Gesner.  Dieser  berühmte  schweizer 
Polyhistor  (geb.  1516  in  Zürich),  der  erst  Theolog,  dann  Mediciner,  dann 
Naturforscher,  'insbesondere  Zoolog  war,  wandte  sich  in  seinen  letzten 
Lebensjahren  auch  der  Mineralogie  und  Petrefactenkunde  zu,  vielleicht 
angeregt  durch  Agricola’s  Schriften.  In  seinem  Todesjahre  1565  erschien 
von  ihm  jenes  bereits  genannte  mineralogische  Sammelwerk,  das  ausser 
Kentmann’s  Catalog,  des  Fabricius  Schrift  und  mehreren  kleineren  Aufsätzen 
verschiedener  Autoren  auch  eine  selbstverfasste  Arbeit  Gesner’s*)  enthält. 
Trotz  des  darin  angewandten  rein  äusserlichen  Systems,  trotz  der  ver- 
hältnissmässig  geringen  eigenen  Forschungsresultate  ist  uns  diese  Schrift 
doch  in  mancher  Beziehung  von  Interesse.  Einestheils  veranschaulichen 
uns  die  zahlreichen  Abbildungen  manchen  Kunstausdruck  jener  Zeit,  der 
heute  verschollen  ist.  Anderentheils  beruft  sich  Gesner  häufig  auf  briefliche 
Mittheilungen  Kenntmann’s,  durch  den  er  mit  sächsischen  Funden  bekannt 
wurde.  Vor  Allem  finden  wir  einen  hier  zum  ersten  Male  veröffentlichten 
ausführlichen  Brief  Kentmann’s  über  den  Basalt  von  Stolpen. 

Mit  Gesner  ist  das  Capitel  von  den  selbstthätig  schaffenden  Mineralogen 
der  ersten  Blüthezeit  abgeschlossen  und  es  folgt  eine  Periode,  in  der  im 
Wesentlichen  die  gewonnenen  Ergebnisse  compilirt  und  popularisirt,  aber 
wenig  durch  neue  Resultate  bereichert  werden. 

Die  Compilatoren  der  ersten  Periode. 

Schon  ein  Zeitgenosse  Agricola’s,  Christoph  Encelius**)  ist  nur  ein 
Abschreiber  und  Verschlechterer,  der  für  uns  um  so  weniger  bietet,  als  er 
sächsische  Gegenden  wenig  aus  eigener  Anschauung  kennt. 

*)  Conradi  Gesneri  De  rerum  fossilium,  lapidum  et  gemmarum  maxime,  figuris 
et  similitudinibus  Liber:  non  solium  Medicis,  sed  omnibus  rerum  Naturae  ac  Philologiae 
studiosis,  utilis  et  jucundus  futurus.  Tiguri  1565. 

**)  Christoph  Encelius  (Salfeld):  De  re  metallica,  hoc  est,  de  origine,  varietate 
et  natura  corporum  metallicarum , lapidum,  gemmarum  atque  aliarum,  quae  ex  fodinis 
eruuntur,  rerum,  ad  Medicinae  usum  deseruentium.  Libri  III.  Francof.  apud  Haered. 
Christiani  Egenolphi  1557. 


75 


Am  meisten  wirkten  Agricola’s  Lehren  im  Erzgebirge  nach,  und  hier 
begegnen  wir  vor  Allem  einem  Geistlichen,  der  sich  grosse  Verdienste  um 
die  Popularisirung  der  Mineralogie  gemacht  hat:  Johannes  Mathe sius 
(geh.  1504  in  ßochlitz,  gest.  1565).  Dieser  Bergprediger  von  Joachimsthal, 
der  begeisterte  Schüler  und  Biograph  Luther’s,  pflegte  seinen  Pfarrkindern 
von  Zeit  zu  Zeit  eine  belehrende  Predigt  über  Dinge  aus  der  Bergwissen- 
schaft zu  halten,  und  so  entstand  1562  seine  ,, Sarepta“*)  als  eine  Predigt- 
sammlung über  Mineralogie  und  Bergbau.  Diese  ,, Bergpostille“  mit  ihren 
siebzehn  Festreden  bietet  ein  merkwürdiges  Gemisch  von  sprachlichen  und 
kirchengeschichtlichen  Erörterungen  über  die  Namen  und  Erze  und  ihre 
Verwendung  im  Alterthum,  von  bergmännischem  Erfahrungswissen  und 
religiösen  Ermahnungen.  Dabei  hat  der  Verfasser  eine  köstlich  naive  Art, 
die  Naturvorgänge  zu  erklären  und  seinen  Zuhörern  durch  drastische 
Vergleiche  nahe  zu  bringen.  Soviel  er  auch  später  als  sächsischer 
Mineralienkenner  citirt  wird,  seine  Angaben  sind  meist  nicht  original, 
sondern  in  einem  der  früher  genannten  Werke  enthalten.  Vom  Spiessglas 
oder  gifftigen  Kiess  sagt  er:  „Er  sieht  dem  Wolfrumb  ähnlich;  der  Bauch 
und  stanck  darvon  verderbet  Laub,  Gras,  lloppen  und  getreide  und  das 
Wasser,  so  von  den  lautertrögen  und  henden  feilet,  ist  sehr  vergifftet“. 
(Also  ist  hier  Arsen  gemeint.)  „Der  Mispütl  oder  Mispickel,  welchen  etliche 
Katzensilber  nennen,  ist  weisslich  und  glintzert  im  Zwitter“.  Philologisch 
interessant  ist  vielleicht  eine  Bemerkung  vom  sächsischen  Zinnbergbau; 
er  sagt  dort  (S.  100):  ,,Zwitter  gewinnt  man  mit  Schlegel  und  eisen,  wo  ein 
Zechstein  ist,  da  es  aber  fest  und  gn eisig  wird,  muss  man  setzen,  und 
das  gestein  mit  fewer  heben“.  Diese  Stelle  macht  uns  zweifeln  an  der  Meinung, 
dass  das  Wort  Gneiss  von  Gnoischtsche  = faul,  mistig  herkommt**). 

Der  bekannteste  und  gründlichste  Compilator  jener  Zeit  ist  aber 
unbedingt  Petrus  Albinus  (geboren  1534  in  Schneeberg,  1578 — 1591 
Professor  der  Poesie  in  Wittenberg,  gestorben  1598  als  Secretarius  und 
Registrator  in  Dresden).  Seine  Meissnische  Landchronica***)  macht  uns 
zunächst  mit  der  Topographie  und  Geschichte  des  Landes  bekannt  und  ist 
in  Folge  dessen  eine  sehr  brauchbare  Quelle  für  Geographen  und  Historiker. 
Seine  Bergchronicaf)  stützt  sich  auf  alle  bisher  von  uns  genannten 


*)  Sarepta  Darinn  von  alleiiey  Bergwerck  und  Metallen,  Was  jr  eygenschafft 
und  natur,  und  wie  sie  zu  nutz  und  gut  gemacht,  guter  bericht  gegeben.  Mit  tröstlicher 
und  lehrhaffter  erklerung  aller  sprach,  so  in  heiliger  Schrift  von  Metall  reden,  Und  wie 
der  Heilig  Geist  inn  Metallen  und  Bergarbeit  die  Artickel  unsers  Christlichen  glaubens 
fürgebildet.  Sampt  der  Jochimsthalischeii  kurtzen  Chroniken  durch  M.  Johann 
Mathesium,  Pfarrer  in  S.  Joachimsthal  selber  für  seinem  seligen  ende  verfertigt. 
Nürnberg,  Dietrich  Gerlach  1571.  (Ist  eine  der  vielen  späteren  Auflagen!) 

**)  E.  Kalkowsky:  Die  Gneissformation  des  Eulengebirges.  1878. 

***)  Meissüische  Land-  und  Berg-Chronica,  In  welcher  ein  vollstendige  description 
des  Landes,  so  zwischen  der  Elbe,  Sala  und  Südödischen  Behmischen  gebirgen  gelegen, 
sowohl  der  darinnen  begriffenen  auch  anderen  Bergwercken,  sampt  zugehörigen  Metall 
un  Metallarbeschreibungen.  Gest  eilet  durch  Petrum  Albinum,  Dresden  1589. 

f)  Unter  dem  Sondertitel  Meissnische  Bergchronica:  Darinnen  fürnemlich  von 
den  Bergwercken  des  Landes  zu  Meissen  gehandelt  wirdt,  wie  dieselben  nacheinander 
auff körnen.  Mit  welcher  Ursach  und  gelegenheit  auch  anderer  benachbarten  / und  zum 
theil  abgelegenen  Bergwercken,  fast  in  gantz  Europa,  etwas  gedacht  wird,  damit  man 
sehe,  wie  die  Bergkwerge  nach  einander  belegt  worden.  Und  entlieh  von  allen  Metallen 
und  Metaliarien,  das  ist:  denjenigen  Erdgewechsen,  welche  man  zu  den  Metalls  zu  rechnen 
pfleget,  welche  im  Lande  zu  Meyssen  gefunden  werden.  Geschrieben  durch  Petrum 
Albinum.  Drefsden  1590. 

* 


76 


Autoren;  ja  er  nennt  uns  ausserdem  noch  Basilius  Wefring,  den  Zeichner 
Agricola’s,  sowie  Lorentz  B ermann  und  Hans  Hübsch  (Grossvater  des 
Alhinus)  als  Gehülfen  desselben.  Sein  Mineralverzeichniss  dient  in  den 
nächsten  zwei  Jahrhunderten  meist  als  Hauptquelle,  und  viele  Schriftsteller, 
die  Agricola  citiren,  kennen  ihn  wahrscheinlich  nur  aus  der  Bergchronica. 
Von  Mathesius  erzählt  Albinus,  dass  Derselbe  einen  Kobaltscherben  gehabt 
habe,  ,,der  wie  ein  Hirnschall  von  aussen  gesehen,  inwendig  viel  Gellen  und 
Kämmerlein  gehabt,  wie  ein  Menschenheubt,  und  weil  sie  vom  Quecksilber 
lauter  Gifft  gewesen,  ist  alles  gestorben,  was  draus  gedruncken“.  Er  sagt 
dann  weiter:  ,,Dies  Metall  ist  in  Meissen  sehr  gemein.  Im  Thal  (Joachims- 
thal) haben  Kobaltstuffen  gebrochen,  wenn  man  sie  zerpocht  und  zerschlagen, 
ist  sichtiger  und  gifftiger  Bauch  daraus  gefahren,  gleich  wie  so  man  ein 
gros  unssletliecht  ausleschet“.  Unter  anderen  uns  bereits  bekannten  Vor- 
kommnissen erwähnt  er  auch  den  Schneckenstein  (Strombites)  und  Tophus 
von  Rabschitz  im  Triebischthal,  Jaspis  von  Langenlungwitz,  Liebethaler 
Mühlstein,  Crystall  von  Freiberg,  Amethyst  von  Wolkenstein  und  aus  dem 
Triebischthal,  Chrysolith  von  Zwickau,  Reichenbach,  Chemnitz,  Langen- 
lungwitz, Schellenberg. 

Kur  der  Curiosität  halber  sei  hier  noch  ein  Werk  eingeschaltet,  das 
das  Erzgebirge,  in  der  Hauptsache  aber  böhmische  Funde  als  Grundlage 
hat:  Meyer ’s*)  Bergwerks  Geschöpft.  Der  Verfasser  schreibt  in  einem 
salbungsvollen,  schwülstigen,  oft  kaum  verständlichen  Stil,  behandelt  die 
Metalle,  die  alle  durch  ,, Vermischung  von  Schwefel  und  Quecksilbersalz 
entstehen“  und  erwähnt  unter  den  Erzen  Glassköpffe,  speisigen  Blutstein, 
Braunstein,  Eisenschörll  u.  a.,  ohne  nähere  Fundorte  anzugeben.  Dass  wir 
ein  Schlusscapitel  „Vom  Glassmachen“  finden,  genau  wie  bei  Agricola  und 
Mathesius,  lässt  die  Vermuthung  aufkommen,  dass  er  ebenfalls  diese 
Quellen  benutzt  hat. 

Mit  den  genannten  Autoren  können  wir  das  erste  Hauptcapitel  der 
sächsischen  Landesdurchforschung  abschliessen.  Keferstein  führt  in  seiner 
Geschichte  der  Geologie  noch  Caspar  Bruschius  als  Beschreiber  des 
sächsischen  Erzgebirges  und  des  Fichtelgebirges  an,  und  auch  Schurtz 
citirt  diesen  Autor.  Brusch  (geboren  1518  in  Schlackenwalde,  ermordet 
1559)  war  ein  weitgereister,  vielseitiger  Mensch,  der  bald  als  Hofpoet,  als 
Schulmeister  oder  Pfarrer  thätig  war,  meist  aber  sich  auf  ausgedehnten 
Fussreisen  befand.  Im  Jahre  1542  gab  er  ein  kleines  Werk  über  den 
,, Vichteiberg“  (=  Fichtelgebirge)  heraus,  in  dem  auch  das  Egerthal  behandelt 
wird.  Eine  Beschreibung  der  drei  anderen  Thäler,  die  im  Fichtelgebirge 
entspringen,  sollte  später  erfolgen;  doch  ist  der  Plan  nicht  ausgeführt 
worden,  üeber  das  Erzgebirge  enthält  das  Buch  in  seiner  ersten  — heute 
höchst  seltenen  — Auflage**)  nichts  als  eine  Laufbeschreibung  der  Zwota. 


*)  Berg'wercks  Geschöpff  und  wunderbare  Eigenschafft  der  Metalsfrüchte.  Darinnen 
gründl.  bericht  der  Gebirge,  Gestein,  Genge  und  derselben  anhengenden  safften,  krefften 
und  wirckung,  als  an  Gold,  Silber,  Kupffer,  Zinn,  Bley,  Quecksilber,  Eisen  und  andern 
Mineralien.  Auch  wie  die  Edlen  Gestein,  so  wol  die  Metals  arten  geferbet,  erkand  und 
mit  Gottes  Wort  verglichen  werden.  Durch  Georg  Meyern.  1595. 

**)  Des  Vichteibergs,  in  der  alten  Kariscenland  gelegen,  aus  welchem  vier  schiffreiche 
Wasser,  der  Mein,  die  Eger,  die  Nab  und  Saal,  entspringen,  gründtliche  Beschreibung. 
Darinnen  vil  alter  Historien  erkleret  werden.  Item  ein  klare  Beschreibung  des  Flusses 
Eger,  und  aller  inflissenden  wassern  und  anstossenden  Flecken  etc.  In  druck  verfertigt 
durch  Gaspar  Bruschen,  von  Keys.  May.  coronirten  Poeten.  Wittenberg  1542.  („über 
rarissimus“  der  K.  Bibi,  zu  Dresden.) 


77 


Alles,  was  spätere  Ausgaben*)  über  den  Bergbau  in  der  Nähe  von 
Schlackenwalde  und  am  Krzgebirgskamm  erzählen,  beruht  auf  Zusätzen 
des  Herausgebers  Zacharias  Theobald,  der  seinerseits  wieder  Mathesius 
benutzt  hat.  Auf  solchen  vermehrten  Auflagen  fussen  wohl  auch  die  Citate 
der  beiden  genannten  Forscher**). 

Das  17.  Jahrhundert,  das  Keferstein  in  geognostischer  Beziehung 
das  sammelnde  nennt,  ist  für  Sachsen  ungemein  ergebnissarm.  Das  lebendige 
Interesse  an  der  mineralogischen  Wissenschaft  schwand  dahin;  der  Berg- 
bau der  damaligen  Zeit  hatte  kein  Bedürfniss  nach  tieferem  Eindringen; 
die  Wirren  der  Kriegsjahre  Hessen  selbst  das  bereits  Erworbene  vielfach 
in  Vergessenheit  gerathen;  Aberglaube  und  kritikloses  Nachbeten  trat  an 
die  Stelle  der  ernsteren  Forschung.  Und  doch  erfordert  es  das  Verständniss 
der  künftigen  Perioden,  auch  den  leisen  Ansätzen  zu  mineralogischen 
Studien  in  diesem  traurigen  Jahrhundert  nachzuspüren. 

Die  Deognosie  im  Dienste  der  Renaissance -Baukunst. 

Es  mögen  zunächst  einige  Männer  genannt  werden,  die  wenigstens 
ex  officio  sich  mit  den  sächsischen  Gesteinen  beschäftigten  und  zwar  zu 
dem  alleinigen  Zwecke,  Bausteine,  insbesondere  Marmorarten  aufzusuchen, 
um  innerhalb  der  Landesgrenzen  Ersatz  für  die  theuren  italienischen 
Materialien  zu  haben,  die  der  anspruchsvollere  Benaissancestil  erheischte. 
Der  Erste  dieser  Männer,  der  bereits  ein  Zeitgenosse  des  Albinus  war, 
heisst  Nosseni.  Johann  Maria  Nosseni***)  wurde  am  1.  Mai  1544  in 
Lugano  geboren.  1575  finden  wir  ihn  als  kursächsischen  Bildhauer  und 
Maler  in  Dresden.  Er  sollte  nach  seiner  Anstellungsurkunde  sich  „zu 
allerlei  Kunstarbeit  mit  Bildhauen,  Malen  und  Conterfeyen,  steinen  Tisch, 
Credenz  von  Alabaster,  Ordinanz  von  Gebäuden,  Invention  von  Triumphen, 
Mummereien  u.  dergl.  gebrauchen  lassen,  die  Steine  dazu  in  unsern 
Landen  ausforschen,  eröffnen  etc.“  Er  verwandte  zunächst  meist  den 
schon  bekannten  Alabaster  und  Serpentin,  bekam  aber  oft  den  erneuten  Be- 
fehl ,,nach  Marmor  und  andern  fremden  Steinen  in  den  Kurf.  Landen  zu 
forschen“.  Ein  Gesuch  vom  24.  Mai  1580,  einen  anderen  Steinschleifer  zum 
Aufsuchen  und  Schleifen  von  Jaspis,  Achat,  Amethyst  und  anderen  Halb- 
edelsteinen in  landesherrliche  Dienste  zu  nehmen,  wurde  abgelehnt  mit 
dem  Hinweise,  dass  es  Nosseni’s  eigne  Pflicht  sei,  dies  zu  verrichten.  So 


*)  Griindtliche  Beschreibung  des  Fichtelberges . Besonders  auch  des  Schlacken- 

walderischen  Zienhergkwerks,  welches  die  Hueh  genennet  wird,  wie  dasselbe  jtziger  Zeit 
zufinden.  Neben  Vermeidung  was  der  Schwaden  sey,  so  die  Bergleute  ersticket.  Auf 
ein  newes  übersehen  und  mit  einem  nützlichen  Eegister  vermehrt  durch  M.  Zach ariam 
Theobai  dum  Juniorem.  Wittenbergk  1612. 

**)  Aus  dem;  16.  Jahrh.  sei  noch  genannt  Christian  Person;  Kurtzer  Bericht 
von  der  Natur  und  Eigenschafft  des  Kochlitzer  Steinmarks,  und  wie  dasselbe  in  der 
Artzney  nützlich  zu  gebrauchen.  Wittenberg  1596. 

***)  Beiträge  zur  Kunstgeschichte  Sachsens  im  16.  Jahrh.  Nach  archivalischen 
Quellen  von  Dr.  Julius  Schmidt:  Johann  Maria  Nosseni,  Hof bildhauer  und  Architekt 
unter  Kurfürst  August  Christian  I und  II.,  und  Job.  Georg  I.  Archiv  für  die  Sachs. 
Gesch.  Herausgeg.  v.  Dr.  K.  v.  Weber.  11.  Band,  1873. 

Victor  Hantzsch:  Beiträge  zur  älteren  Geschichte  der  kurfürstlichen  Kunstkammer 
zu  Dresden.  Neues  Archiv  f.  Sachs.  Geschichte  und  Altertumskunde.  Herausgeg.  von 
Dr.  H.  Ermisch.  23.  Band,  1902. 

Eine  monographische  Arbeit  über  Nosseni  ist  demnächst  zu  erwarten. 


78 


ging  er  denn  selbst  auf  Reisen.  Seine  erste  ,, Entdeckung“  war  der  Marmor- 
bruch bei  Lenge feldi.E.(=  Dolomit).  1586 — 87  fand  er  schwarzen  Marmor  bei 
Kalkgrüna,  rothen  bei  Wildenfels  und  vorzüglichen  weissen  bei  Crottendorf. 
Als  im  Jahre  1587  ein  Catalog  der  vom  Kurfürsten  Vater  August  gegründeten 
Kunstkammer  aufgestellt  wurde,  befand  sich  darin  auch  eine  von  Nosseni 
zusammengebracbte  Marmorsuite  von  32  verschiedenen  sächsischen  Gesteins- 
arten erwähnt:  Serpentin  von  Zöblitz,  buntfarbiger  Schiefer  von  Plaunitz 
(Niederplanitz),  ein  braunes,  tafelförmig  brechendes  Gestein  aus  dem 
Werdischen  Walde,  rother  Marmor  mit  weissen  Punkten  und  ein  grüner, 
roth  gefleckter  Stein  von  Wildenfels,  andere  grüne  Gesteine  von  Oederan 
und  aus  der  Gegend  von  Chemnitz,  schwarzer  Basalt  von  Stolpen,  vom 
Bielberg  bei  Annaberg  und  vom  Schneeberge  bei  Grünau,  Marmor  von 
Waldheim,  Maxen  und  Burgk  bei  Dresden,  marmorartige  Wackensteine 
von  Wolkenstein,  Schwarzenberg  und  Harzdorf,  ein  schön  geschichtetes 
Gestein  von  Ebersdorf,  Amethyst  von  Warmbad,  rothe  Steine,  zum  Theil 
mit  weissen  Punkten,  von  Saalhausen  unfern  Dresden,  ein  harter  flÖtzweise 
brechender  Stein  aus  Pennrich,  ein  feiner  weisser  Stein  von  Besseritz 
(Pesterwitz?)  bei  Dresden,  Jaspis  von  Langenlungwitz. 

Das  1595  erneuerte  Inventarium  fügt  als  neu  hinzugekommen  noch 
an:  weissen  Marmor  von  Crottendorf,  Lengenfeld  im  Amt  Wolkenstein, 
vom  Fürstenberge  im  Amt  Grünhain,  bunten  Stein  mit  schwarzen  Adern 
aus  dem  Walde  bei  Rochlitz,  schwarzen  mit  weissen  Adern  von  Grüna 
(Grünau)  im  Amt  Grünhain,  Serpentin  aus  dem  Amt  Lauterstein.  Wir 
finden  die  Sammlung,  die  wir  als  Grundstock  des  K.  Mineralogischen 
Museums  zu  Dresden  mit  einiger  Ehrfurcht  betrachten  müssen,  noch  1640 
erwähnt.  Wohin  sie  bei  der  Vertheilung  der  Gegenstände  an  die  Eiiizel- 
museen  gekommen  ist,  liess  sich  nicht  mit  Sicherheit  ermitteln.  Der  grosse 
Catalog  des  Naturaliencabinets  von  Eilenburg  führt  Nosseni  nicht  an, 
ebensowenig  die  Beschreibung  der  Naturalienkammer  in  den  Miscell.  Sax.* **)) 
und  ein  französischer  Führer  *'^)  vom  Jahre  1755.  Der  sehr  sorgfältige 
handschriftliche  Catalog  Gössel’s  führt  zwar  Marmorarten  von  Wildenfels  etc. 
auf,  ohne  den  Sammler  zu  nennen.  Aber  da  die  alten  Etiketten  nicht  mehr 
vorhanden  sind,  dürfte  es  schwierig  sein,  die  Stücke  selbst  zu  identificiren. 

Nosseni’s  Verdienst  um  die  geognostische  Erforschung  Sachsens  ist 
übrigens  wesentlich  geringer,  als  es  nach  obiger  Aufzählung  scheinen 
könnte.  Zwar  sagt  er  in  seiner  selbstgefertigten  Inschrift  an  der  Be- 
gräbnisskapelle  des  Freiberger  Doms:  ,,auch  die  Materia  und  Steine  habe 
ich  erstlichen  in  diesem  Lande  ausgeschürfft,  erfunden  und  auspoliret“. 
Aber  die  meisten  Fundorte  waren  schon  vor  ihm  als  Kalkbrüche  längst 
in  Betrieb.  Der  Schwerpunkt  seiner  Verdienste  liegt  darin,  dass  er  die 
Verwerthung  der  Gesteine  zu  Sculptur  und  Architectur  lehrte  und  dass 
er  diejenigen  Partien  und  Bänke  aufsuchte,  die  für  seine  Zwecke  am 
geeignetsten  erschienen.  Da  er  in  späteren  Jahren  ein  Monopol  auf  Ge- 
winnung und  Verarbeitung  sächsischer  Marmor-  und  Alabasterarten  hatte, 
lag  es  in  seinem  eigenen  Interesse,  die  Fundpunkte  zu  vermehren.  Nosseni 


*)  Miscellanea  Saxonica.  Darinnen  allerhand  zur  Sachs.  Historie  behörige  Ur- 
kunden, Privilegia  etc.  mitgetheilet  werden.  Dresden,  Georg  Roch  1767. 

In  der  2.  Hälfte  dieser  Zeitschrift  (1768)  ist  auch  ein  Aufsatz  ,,Von  der  Erfindung 
einiger  in  Sachsen  vorhandener  Marmorbrüche“,  in  dem  Nosseni  erwähnt  wird. 

**)  Description  du  Cabinet  Roial  de  Dresde  touchant  L’Histoire  naturelle.  A Dresde 
et  a Leipsic  ches  George  Conrad  Walther,  1755. 


79 


war  in  erster  Linie  Arcliitect  und  Künstler;  ein  rein  wissenschaftliches 
Interesse  an  den  Gesteinen  lag  ihm  ebenso  fern,  wie  seinem  Auftraggeber 
Vater  August.  Wenn  Geinitz*)  die  Meinung  vertritt,  Kurfürst  August 
habe,  angeregt  durch  die  Lectüre  Agricola’s,  Mineralogie  getrieben  und 
Nosseni  mit  der  Anlage  einer  Mineraliensammlung  beauftragt,  so  beruht 
dies  wohl  auf  einem  Irrthum.  Geinitz  nennt  noch  einen  zweiten  derartigen 
,, Sammler“,  David  Hirschfelder.  Es  konnte  über  diesen  nichts  Näheres 
gefunden  werden.  Vielleicht  liegt  hier  eine  Namensverwechselung  mit  einem 
Steinmetzen  Hirschberg  vor. 

Nach  Nosseni’s  Tode  (1620  — er  ist  beigesetzt  in  der  dresdner 
Sophienkirche  — ) unterblieben  ähnliche  Arbeiten.  Ja,  bereits  gewonnene 
Blöcke  und  angefangene  Sculpturen  blieben  unbeachtet  liegen,  bis  endlich 
Kurfürst  Johann  Georg  die  Absicht  äusserte,  selbst  diese  alten  Steinbrüche 
zu  besuchen.  Er  beauftragte  zunächst  den  Oberlandbaumeister  Wolf 
Caspar  Klengel,  Nachforschungen  nach  den  aufgelassenen  Brüchen  an- 
zustellen und  weiter  zu  fahnden,  wo  vielleicht  dergleichen  Gestein  zu  finden 
sei.  Klengel  entledigte  sich  dieser  Aufgabe,  indem  er  selbst  im  Lande 
umherreiste.  Den  schriftlichen  Bericht  über  seine  Re  visionsreise  besitzt 
die  K.  Bibliothek  zu  Dresden**).  Darin  sind  die  aufgefundenen  Orte 
ämterweise  aufgezählt.  Wir  finden  z.  B.:  Zöblitzer  und  Lengenfelder 
Granaten,  Amethysten  beim  Bad  unsrer  lieben  Frau  auf  dem  Sand,  beim 
Rittergut  Falkenbach,  grüne  ,, Flüsse“  vom  Wildsberg  bei  Annaberg,  grauen 
Marmor  von  Langefeldt,  der  bis  dahin  zum  Kalkbrennen  gebraucht  worden 
ist,  Crottendorfischen  Marmor  ,,von  solcher  perfection,  dass  er  dem 
schönsten  aus  Gracien  undt  Archipelagischen  Inseln  nichts  bevor  geben 
wird“.  Zwischen  Elterlein  und  Grünhayn  werden  „weisse  Kiesswacken“ 
erwähnt.  In  Gruna  (Amt  Grünhayn)  traf  Klengel  einen  Ortsrichter  Namens 
David  Blühr,  der  noch  Nosseni  persönlich  gekannt  hatte  und  der  ihm  die 
damals  betriebenen  zahlreichen  Brüche  der  Umgebung  zeigte. 

Aus  einem  weiteren  Bericht  erfahren  wir  über  den  Verkauf  der  liegen- 
gebliebenen Marmorstücke  und  die  Neueinstellung  von  Arbeitern  in  Crotten- 
dorf. Bei  einer  späteren  Gelegenheit  theilt  er  dem  Kurfürsten  nochmals 
,,Observationes  auff  einer  Obererzgebürgischen  Reise“  mit.  Darin  wird 
unter  Anderem  Folgendes  erwähnt:  weisse  Kiessei  zwischen  Freiberg  und 
Marienberg,  rother  Hornstein  von  Annaberg,  meergrüne  und  weisse  Quarzen 
auf  Scheibenberger  Revier,  Jaspis  von  Eibenstock,  Carniol  von  Zwickau, 
rother  Schiefer  von  Wolkenstein.  ,,Auf  dem  Wege  nach  Eibenstock  beim 
Forsthause  ohngefehr  1 Stunde  von  Schneeberg  ist  ein  eingefallener  To- 
pasenbruch.“ Sogar  Lapis  Nephriticus  befindet  sich  nach  Aussage  Christ. 
Gerhardt’s  „zum  Eibenstock“. 

Die  Chronisten  des  17.  Jahrhunderts. 

Der  dreissigjährige  Krieg  hatte  vollends  alle  wissenschaftlichen  Re- 
gungen versumpfen  lassen;  wir  suchen  deshalb  vergebens  nach  minera- 
logischen Veröffentlichungen  von  irgend  welchem  Werthe.  Die  Einzigen, 


*)  Das  König’l.  Mineralogische  Museum  zu  Dresden.  1858. 

**)  Revision  derer  Edelgestein-  und  Marmorbrüche,  So  auff  S.  Churf.  Durch!. 
Johann  Georg  des  Andern  Befehl  geschehen.  Im  Jahr  Christi  1659  und  die  Relation 
Sey  Churf.  Durchl.  am  8.  Novemhris  selbigen  Jahres  überreichet  worden  von  W.  C.  Kl. 
0.  L.  B.  Mscr.  Dresd.  a.  22b. 


80 


die  zu  retten  suchten,  was  noch  von  dem  geistigen  Besitze  besserer  Zeiten 
übrig  war,  die  Chronisten,  sind  in  der  zweiten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts 
die  Erhalter  mineralogischer  Wissensschätze.  Andreas  Möller*),  der 
Freiberger  Historiker,  schöpft  aus  Agricola.  Christian  Meitzer,  der 
Pfarrer  und  Chronist  von  Schneeberg  giebt  eine  besondere  Dissertation**) 
über  den  Bergbau  im  Erzgebirge  heraus.  Das  Buch  enthält  in  gedrängter 
Kürze  eine  Beschreibung  der  Bergwerke,  ihre  Geschichte,  Einrichtungen, 
Instrumente,  Arbeiten,  Aufbereitung  der  Erze,  Berggerechtigkeiten  u.  A. 
Bei  Allem  kommt  es  ihm  weniger  auf  ausführliche  Erklärung,  als  vielmehr 
darauf  an,  möglichst  viele  Worte  und  Redewendungen  der  Bergmanns- 
sprache zu  gebrauchen  und  kurz  zu  verdeutlichen.  Seine  Hauptquellen 
sind  Albinus  und  Mathesius.  Unter  den  tauben  Bergarten  zählt  er  auf: 
heissgretigen  Kobelt,  Pech-  und  lichte  Blende,  Fraueneiss  oder  Katzen- 
silber, Geneiss,  Spadt,  Flimme,  Qvertz,  Klassköpff  u.  a.  „Ertz“  ist  nach 
ihm,  ,,was  Metall  in  sich  hält,  wmil  es  die  beste  und  gniesslichste  Erde 
ist,  wie  man  Ertz  Bischöfe  hoher  und  grösser  würdet,  denn  gemeine  Ge- 
sell-Priester“. 

Die  Schneeberger  Chronik  desselben  Verfassers***),  die  allerdings 
schon  ins  nächste  Jahrhundert  hineinragt,  bietet  uns  ein  Capitel  „von 
mancherley  Silber  Ertzen,  raren  Stufen  und  seltzamen  Geschicken  anderer 
Metallen,  wie  auch  edlen  Steinen,  so  in  den  Zechen  auff  und  um  den 
Schneeberg  gebrochen“.  Auch  wichtige  Nachrichten  über  die  Ausbeute- 
mengen der  Bergwerke  werden  darin  gegeben. 

Wichtiger  noch  ist  der  Scheibenberger  Pastor  Christian  Lehmann. 
Derselbe  sammelte  fleissig,  aber  kritiklos  alle  Nachrichten,  die  er  aus  dem 
Obererzgebirge  erlangen  konnte,  mochten  sie  sich  auf  das  Land,  den  Boden, 
Pflanzen  und  Thiere,  den  Sagenkreis,  abergläubische  Gebräuche,  ünglücks- 
fälle  oder  sonst  etwas  beziehen.  Seine  Notizen  sollten  ,, seinen  lieben 
Kindern  ein  Natur-,  Welt-  und  Zeitspiegel  sein,  in  was  für  rauhem  Gebirge 
und  trübseligen  Zeiten  sie  erzogen  wmrden“.  Der  Verfasser  kam  nicht 
zur  Veröffentlichung  seiner  Sammlung;  aber  nach  seinem  Tode  im  Jahre  1688 
wurde  letztere  von  seinem  gelehrten  Sohne  Dr.  Christian  Lehmann,  Super- 
intendent in  Freiberg,  fortgeführt  und  schliesslich  nach  dessen  Ableben 
von  einem  Schwiegersöhne,  dem  Rector  der  Meissner  Fürstenschule,  Mag. 
Theophil  Grabner,  1699  herausgegeben  |).  Hugo  Rösch  ff)  nennt  das  Buch 
die  „älteste  und  ausführlichste  Kosmo-  und  Historiographie  des  sächsischen 


D Theatrum  Freihergeiise  Chronicum,  Beschreibung  der  alten  löblichen  Berg- 
hauptstadt Freyberg  in  Meissen.  Von  Andr.  Mollero.  1653. 

**)  De  Hermundurorum  Metallurgia  Argentaria.  Vom  Ertzgebürgischen  Silberbergk- 
werck  Dissertatio.  Christianus  Meitzer.  Leipzig,  Georgi  1680. 

***)  Historia  Schneebergensis  renovata.  Das  ist:  Erneuerte  Stadt-  und  Berg- 
Chronica  der  im  Ober-Ertz-Gebürge  des  belobten  Meilsens  gelegenen  Wohl-löbl.  Freyen 
Bergstadt  Schneeberg  v.  Christian  Meltzern.  Schneeberg  1716. 

f)  Christian  Lehmanns  Sen.  weil.  Pastoris  zu  Scheibenberg  Historischer  Schau- 
platz derer  natürlichen  Merckwürdigkeiten  in  dem  Meifsnischen  Ober-Ertzgebirge , da- 
rinnen eine  ausführliche  Beschreibung  dieser  gantzen  gebirgischen  und  angräntzenden 
Gegend,  nach  ihrem  Lager,  Gestalt,  Bergen,  Thälern,  Felfsen  etc.  etc.  enthalten.  Weiland 
von  dem  seel.  Autore  mit  grossem  Fleiss  aus  alten  Schriften  und  Documenten,  meisten- 
theils  aber  mühsamer  eigner  Erfahrung  zusammengetragen  — und  durch  öffentlichen 
Druck  aufgethan  von  den  Hinterlassenen  Erben.  Leipzig  1699. 

tf)  Hugo  Bösch:  Christ.  Lehmanns  Historischer  Schauplatz.  Ein  Quellenbuch 
für  erzgeb.  Heimathskunde  und  Geschichtsforschung.  Wiss.  Beil.  d.  Leipz.  Ztg.  1883, 
Kr.  26,  27. 


81 


Hochlandes  in  deutscher  Sprache“.  In  einem  Capitel  5,vom  Felsengebirge“ 
finden  wir  Sachsens  merkwürdigste  Felsformen  ausführlich  beschrieben 
und  zum  Theil  auch  abgebildet,  nämlich  1.  die  hohen  schwarzen  und 
rauhen  Felsen  hinter  Zöblitz,  aus  Kiessling  und  Feldsteinen,  2.  das  Pfeiler- 
gestein vorn  am  Scheibenberger  Hügel,  3.  das  Greitfensteinische  hohe  und 
grosse  wunderlich  formirte  Felsengesteine.  Was  Lehmann  sonst  unter 
dem  Titel  „Von  allerhand  Steinen“  erzählt,  sind  Wiederholungen  aus  den 
älteren  Autoren.  Die  „gemeinen  Steine“  erklärt  er  als  „zerstickte  Fels- 
wacken, welche  die  Sündfluth  von  hohen  Bergen  gewaltsam  abgerissen 
und  damit  das  Land  herum  besäet  hat“.  Ihre  Kenntniss  hält  er  für  sehr 
nöthig,  weil  ,, jetzt  befohlen  ist,  die  Häuser  von  Stein  zu  machen“.  Trotzdem 
geht  seine  eigene  Unterscheidungskunst  nicht  über  die  allgemeine  Phrase 
von  ,, Bruch-  und  Schiefersteinen“  hinaus.  Blauen  Schiefer  erwähnt  er  von 
Dittersdorf,  „faulen“  von  Schlettau.  Bei  Herold  und  Ehrenfriedersdorf 
giebt  es  Granatenbergwerke,  bei  Eibenstock  Lapis  Lazali. 

Am  Ende  des  17.  Jahrhunderts  findet  sich  noch  einmal  ein  Geschichts- 
schreiber, der  ähnlich  wie  Albinus  eine  vollständige  Monographie  der 
Marggraffschaft  Meissen  unternehmen  will,  weil  „die  alten  Quellen  ent- 
weder vernichtet  oder  sehr  versteckt“  seien.  Es  ist  Joh.  Conrad  Knauth, 
dessen  schriftlichen  Nachlass,  Stoffsammlungen  und  spätere  Ergänzungen 
zu  seinem  gedruckten  Hauptwerke  die  K.  Bibliothek  zu  Dresden  besitzt. 
Knauth  hat  viel  vorgehabt,  denn  seine  Misnia  illustrata*)  ist  gewisser- 
massen  nur  ein  Programm,  eine  Disposition  für  ein  später  zu  schreiben- 
des Compendium.  Er  liefert  neben  einer  Chorographia,  Hydrographia,  Geo- 
graphia,  Topographia,  Politigraphia,  Enchoriographia  auch  eine  Metallo- 
graphia.  Letztere  enthält  aber  weiter  nichts,  als  eine  Aufzählung  bekannter 
Mineralien,  ein  einfaches  Excerpt  aus  Albinus  in  genau  derselben  An- 
ordnung. Ausserdem  citirt  er  Agricola,  Mathesius,  Fabritius,  die  er  aber 
wahrscheinlich  nur  aus  der  Bergchronik  kennt.  Unter  Anderem  erwähnt 
er  eine  Kupfergrube  bei  Dippoldiswalde  und  Spathgänge  am  Wolfsberg 
bei  Schneeberg.  Schurtz  citirt  noch  eine  andere  Schrift  Knauth’s:  ,,Der 
alten  Conditorii  Altenzelle  etc.  Vorstellung.  1721“,  nach  der  am  Baderberge 
bei  Bosswein  zwischen  Muldenbrücke  und  Ertzdorff  stark  auf  Zien  gebaut 
worden  sein  soll. 


Walenbücher  und  Alchymisten. 

Ehe  wir  zur  Betrachtung  der  Litteratur  des  18.  Jahrhunderts  über- 
gehen, sei  einer  trüben  mineralogischen  Wissensquelle  gedacht,  die  Jahr- 
hunderte lang  zur  Verwirrung  der  Geister  beigetragen  hat.  Es  sind  die 
räthselhaften  Walenbücher,  die  schon  Agricola  kannte  und  die  noch  im 
Anfang  des  19.  Jahrhunderts  bei  vielen  Leuten  in  hohem  Ansehen  standen. 


*)  Jo.  Coiir.  Knauth:  Misniae  illustrandae  Prodromus  Oder  Einleitung  zu  des 
Edlen  Hochlöblichen  und  Hochbegabten  Marggraffthumbs  Meissen  Landes-  und  Ge- 
schicht-Beschreihung.  Dresden,  Joh  Riedel  1692. 

Ferner;  Misniae  illustrandae  Chorographia,  Topographia  illustrata.  Mscr.  Dresd. 
J 285.  (Enthält  Stoffsammlungen  zu  obigem  Werke.) 

Prodromus  Historiae  Misnicae  auctus  et  continuatus  oder  Anhang  verschiedener 
Anmerckungen,  so  in  der  ersten  Edition  entweder  übergangen  worden  oder  zu  verbesern 
dienen.  Dresden  1703.  Von  Herrn  Joh.  Conr.  Knauth  und  niemals  gedruckt.  Mscr. 
Dresd.  J 228. 

(Hier  ist  Turff  von  Elterlein  und  Scheibenberg  genannt.) 


Wer  wai-eii  die  Walen?  Wie  man  ihren  Namen  und  ihre  Herkunft  auch 
erklärt,  als  Vallenser,  Valliser,  Italiener,  Savoyarden,  Mausefallenhändler, 
fahrende  Schüler,  Zigeuner,  Juden  oder  aber  Kelten  aus  grauer  Vorzeit: 
wohl  immer  verstand  man  unter  ihnen  Ausländer,  die  mit  geheimnissvollen 
Kräften  ausgerüstet  ins  sächsische  Gebirge  kamen,  Gold,  Silber  und  Edel- 
gesteine fanden  und  in  ihre  Heimath  schleppten.  Auch  die  Kunst,  den 
Metallgehalt  eines  Erzes  durch  chemische  Mittel  zu  erhöhen,  traute  man 
ihnen  zu.  Nur  wenige  als  ,, Walen“  bezeichnete  Menschen  sind  urkundlich 
erwähnt  und  mit  ihrem  — meist  gar  nicht  italienisch  klingenden  — 
Familiennamen  genannt.  Aber  ein  Andenken  an  sie  hat  sich  hartnäckig 
fortgeerbt:  das  sind  die  nicht  weniger  räthselhaftenWalenbücher.  H.  Schurtz 
bietet  in  seiner  trefflichen  Studie*)  so  viel  Material  über  diesen  Gegenstand, 
dass  wir  uns  hier  beschränken  können  auf  das,  was  dem  genannten  Autor 
entgangen  ist,  resp.  was  von  ihm  nicht  erwähnt  wird.  Schurtz  nennt  die 
Walenbücher  „zusammengetragene  Notizen  phantastischer  Metallsucher,  die 
durch  allerlei  irrthümliche  Voraussetzungen,  Unvollkommenheit  der  mineralo- 
gischen Kenntnisse  und  die  trügerischen  Aussagen  der  Wünschelruthe  ver- 
leitet wurden,  in  tauben  Gesteinen  geheimnissvolle  Schätze  zu  vermuthen“. 
,,Sie  sind  ein  Gegenstück  zu  der  unübersehbaren,  aber  hohlen  alchymistischen 
Litteratur  mit  ihrer  Fülle  von  haltlosen  und  phantastischen  Behauptungen, 
und  die  Fahrten  der  ,, Walen“  entsprechen  vollständig  den  ernsthaft-tollen 
Bemühungen  der  Alchymisten.“ 

Da  die  Walenbücher  meist  durch  Abschriften  verbreitet  wurden,  so 
erklärt  sich  das  stereotype  Wiederkehren  gewisser  Redewendungen  und 
Sätze  in  den  einzelnen  Büchern.  Im  zweiten  Theil  des  früher  erwähnten 
Manuscripts  von  Klengel  finden  wir  z.  B.  eine  ,,Beschreibung  derer 
in  Sachßen  sich  findenden  Edelgesteinen,  Perlen,  auch  andern 
Erdt  Schätzen  p.  p.  auch  Wo  Goldtkörner  uud  Flammen  daselbst 
gefunden  werden“.  Die  Handschrift  ist  wohl  auch  von  Klengel;  aber 
der  ganze  Stil  lässt  keinen  Zweifel  zu,  dass  wir  es  mit  einem  abgeschriebenen 
Walenbuche  zu  thun  haben.  Eine  kleine  Blüthenlese  möge  dies  beweisen 
und  zugleich  den  Charakter  der  Walenbücher  verdeutlichen: 

„Im  blauenschen  Grundte  bey  Dreßden  ist  ein  fürtrefflicher  Talckgang 
hafftig,  unter  dem  Dorf,  das  auf  dem  Berge  lieget,  im  Grund,  darinnen 
seynd  3 Stollen  ganz  tief  gearbeitet. 

Am  Winterberge  unter  dem  Herrn  von  Ponißen  gelegen,  nahe  bei 
Jonasdorf,  bey  des  Herrn  Crezschmars,  da  bricht  ein  Erz,  hält  viel  0 auf 
dem  Berge  eine  gelbe  seynd  auch  graue  Körner,  bey  einem  Brünlein,  ein 
Birnbaum  steht  nicht  weit  davon,  auf  den  gehe,  auf  der  Leiten  gegen  die 
Elben,  da  liegen  der  Körner  ganz  viel. 

Bey  der  Zellen  in  dem  Wald  und  Siebein  bey  Nassau  an  der  Mühlen 
gelegen,  .da  liegt  gut  Erz  und  auch  guter  blauer  Schiefer. 

Zu  Odern  bey  Freyberg  bricht  gut  0 ist  reich  im  kleinen  Feuer  aber 
im  grossen  hält  es  nicht,  man  findet  auch  gute  Körner  allda. 

Wenn  du  kommst  an  den  Porschenstein,  da  findestu  ein  Waßer,  das 
heisst  die  Flöhe,  daßelbige  ist  ein  gross  . Waßer,  folge  ihm  nach  und  1 Meil 
Wegs  aufwärts  so  findestu  einen  kleinen  Fluss  auf  die  rechte  handt,  folge 
ihm  nach  auf  einen  Armbrust  Schuss,  darinnen  wirstu  finden  auch  etliche 


*)Heinr.  Schurtz:  Der  Seifenbergbau  im  Erzgebirge  und  die  Walensagen. 
Forsch,  z.  deutsch.  Landes-  u.  Volksk.,  5.  Ld.,  3.  H.,  1890. 


83 


Körner,  seynd  schwarz,  etliche  graue  und  tragen  auch  Q ist  beßer  den 
Ungarisch. 

Der  Schlich  oder  Sandt  an  der  Elbe,  derselbe  hält  12  loth  Silber 
ohne  das  Q,  zu  Dreßden. 

Gold  ist  auch  hei:  Sittau,  Glaßhutt,  Stolpen,  Schöneck,  Eibenstock, 
Frauenstein“. 

Denselben  Satz  vom  ,, fürtrefflichen  Talckgang“,  aber  auch  manche 
andere  Dinge  erwähnt  David  Kellner  im  zweiten  Theile  seines  ,,Berg- 
und  Saltzwerks -Buches“  vom  Jahre  1702*). 

Es  wird  in  den  Walenbüchern  weniger  gediegenes  Gold  angeführt,  als 
vielmehr  ,, braune  Körner“  (Granaten),  „spitzige  Marcasiten“.  Wie  man 
auf  den  Gedanken  kam,  Granaten  und  Markasit  für  goldhaltig  zu  erklären, 
ist  schwer  zu  erweisen;  doch  die  Alchymisten  wollten  ja  noch  ganz  anderen 
Stoffen  Gold  ahgewinnen.  Ein  tolles  Gemisch  von  Walen-  und  Alchymisten- 
glauben  bietet  eine  andere  Dresdner  Handschrift**)  von  einem  ,, patriotisch 
gesinnten  Anonyme“,  der  sich  S.  D.  G.  unterzeichnet.  Der  Verfasser  ist 
höchst  ärgerlich,  dass  die  massgebenden  Persönlichkeiten  und  die  praktischen 
Hüttenleute  sich  so  wenig  Mühe  geben,  den  Metallreichthum  des  Landes 
zu  heben,  obgleich  doch  längst  feststehe,  dass  viele  Gesteine  goldhaltig 
sind  und  dass  ausländische  Alchymisten  die  Kunst  der  Abscheidung  der 
Edelmetalle  und  ihre  Vermehrung  viel  besser  verständen.  ,,Der  allmächtige 
Gott  giebet  ja  einen  jeden  Menschen  einen  natürlichen  ^’erstand,  warum 
konnten  den  diejenigen,  so  die  schönste  Zeit  und  Gelegenheit  zum  Unter- 
suchen, solches  nicht  thun.  Man  fürchtet  sich  vor  dergleichen  vermeinten 
Kopfreißenden  Arbeiten  mehr,  als  vor  einem  halben  Duzent  Bouteillen 
Wein,  welche  viel  leichter  rutschen  (?),  es  ist  aber  etwas  unverantwortliches, 
noch  mehr,  wenn  dergleichen  Herrn,  so  nur  vor  ihr  gutes  Auskommen 
sorgen  und  um  den  Schaden  Josephs  sich  aber  im  geringsten  nicht  be- 
kümmern, über  dieses  ihre  Nebenchristen  schändlich  verachten,  darum,  dass 
sie  mehr  gethan,  als  sie“.  Im  schwülstigen  Stil  der  Alchymisten,  mit  vielen 
geheimnissvollen  Zeichen,  berichtet  uns  der  Verfasser  nun  über  das  Vor- 
kommen der  Metalle  in  Sachsen  und  über  deren  Benutzung.  So  sagt  er 
vom  „Mercurius“:  „Wenn  jemand  nach  diesem  fragt,  so  erwidere  ich:  dass 
man  denselben  ebenmässig  im  Lande  und  dessen  Mineram  antreffen  kann. 
Denn  wem  bewusst,  wo  Cinober  Minera  vorhanden,  derselbe  wird  auch 
diesen  Sbott-Vogel,  durch  den  Gegenstand  des  Martis  von  seiner  Sulphuri- 
schen  Gefangenschaft  befreyen  und  denen  sonst  ungläubigen  Thomasbrüdern 
sich  in  einer  ordentlich  laufenden  und  blinkenden  Gestalt  zeigen“. 

Wir  begegnen  Abdrücken  von  Walenbüchern  noch  mehrfach  in  den 
bald  näher  zu  betrachtenden  ,, wissenschaftlichen“  Zeitschriften,  z.  B.  in 


*)  Documenta  oder  alte  ührkunden  und  Nachrichtungen,  wo  hin  und  wieder  in 
römischen  Keiche  Gold  und  Silber  Ertzte,  Goldkörner,  Waschwerk,  Seiffenwerk  zu  finden 
seyn  soll.  Von  einem  der  Orten  wohl  kundigen  und  erfahrenen  Metallurgo  im  Anfang 
vorigen  Seculi  aufgezeichnet  und  nach  seinem  Tode  also  hinterlassen.  Itzo  aber  allen 
Liebhabern  der  Metallurgi  zu  Lieh  und  Dienst  zum  effentlichen  Druck  hefördeit  von  D.K.D. 

**)  Die  von  Gott  verliehene  und  begnadigte  Wunder  des  Theuersten  Sachsen  Landes 
über  und  unter  der  Erde  nach  Anleitung  Deren  dreyen  unterschiedenen  Natur- Eeiche, 
als  dem  Eegno  Animali,  — , — , in  was  vor  Arthen  die  vornehmsten  bestehen  und  Worzu 
selbige,  jedes  nach  seiner  Arth,  zu  Landes  Wohlfarth,  ersbriefslich  und  nüzlich,  zur 
heilsamen  Betrachtung  in  zwo  Abtheilungen  kürzlichst  abgefafset  von  Einem  Patriotisch 
gesinneten  Anonimo.  1749.  Mscr.  Dresd.  J.  214. 


84 


Horn’s  Historischer  Handbibliothek,  Grundig’s  Sammlung  und  den  sächsischen 
Miscellaneen* **)). 

Der  Text  in  letzteren  stimmt  völlig  überein  mit  einem  1784  anonym 
herausgegebenen  Werke*),  dessen  Autor  „ein  Enkel  des  alten  Pastor 
Lehmann“  ist.  Dort  erfahren  wir  zunächst,  was  Golderz  ist:  ,,Vor  allen 
Dingen  ist  zu  wdssen,  dass  das  Golderz  aus  dem  allerklärsten  und  besten 
Schwefel  ohne  verbrennliche  Feuchtigkeit  und  aus  dem  allerbeständigsten 
Quecksilber  aufs  höchste  gereinigt  besteht,  welche  Verbindung  das  grösste 
Feuer  nicht  kann  auflösen“.  Was  er  dann  an  alphabetisch  geordneten 
Fundorten  anführt,  entstammt  einer  handschriftlichen  Sammlung  des  Pastors 
Lehmann.  Auch  die  ,, gründliche  Nachricht  vom  Plauischen  Grunde  — “ 
die  von  einem  hier  Beagen  genannten  Walen  1685  in  einem  Schiefer- 
büchlein aufgeschrieben  worden  sein  soll,  und  die  bereits  in  den  Miscell. 
Sax.  bei  Horn  zu  finden  ist,  wird  wieder  mit  abgedruckt.  Als  Anhang  finden 
wir  einen  Abschnitt  vom  ,, Gebrauch  der  Berg-  und  Wünschelruthe,  was 
und  wie  vielerley  sie  sey  etc.  zur  Nachricht  entdeckt  von  Feudoviro. 
Leipzig.  Christ.  Gottlob  Hilscher  1784“.  Der  Verfasser  sagt:  „Ich  lebe 
hier  im  Gebirge,  wo  diese  Ruthe  täglich  auf  Klüfte  und  Gänge  gebraucht 
wird,  auch  deren  Gebrauch  durch  die  hirfahrung  gebilligt  wird.  Nicht 
weniger  sehe  ich,  dass  solche  hier  und  da  viel  Nutzen  schaffet;  hingegen 
viele  Zechen  bei  Unterlassung  derselben  liegen  blieben,  auch  andre  in  der 
Erde' befindliche  Sachen  verborgen  bleiben  würden;  darum  finde  ich  Ur- 
sache, jene  anzuzeigen,  zugleich  aber  auch  denselben  Missbrauch,  wmlcher 
jedoch  den  erlaubten  Gebrauch  nicht  auf  hebt,  anzuzeigen“. 

Das  schrieb  ein  Mann  am  Ende  des  18.  Jahrhunderts!  In  demselben 
Jahre,  in  dem  schon  ein  Charpentier  und  Werner  lehrte,  fristeten  wenige 
Meilen  von  der  wissenschaftlichen  Centrale  Freiberg  noch  die  Alchymisten 
ihr  Dasein,  und  die  Wünschelruthe  ersetzte  die  Kunst  des  Markscheiders 
und  Geognosten! 

Doch  kehren  wir  zurück  auf  den  Standpunkt  der  Wissenschaft  um 
die  Wende  des  17.  Jahrhunderts.  Es  sah  damals  böse  aus  um  das  Bildungs- 
wesen in  Deutschland.  Das  Gelehrtenthura  war  verloddert  und  in  lateinischen 
Disputirübungen  veräusserlicht.  Der  Adel  und  der  höhere  Bürgerstand 
bezog  seine  Bildung,  ja  seine  Sprache  vom  Auslande,  meist  von  Frankreich. 
Breit,  aber  seicht  und  schlammig  floss  der  Strom  der  Wissenschaft  dahin. 

Es  ist  schwer,  aus  der  bereits  verwirrenden  Menge  der  geologischen 
Litteratur  Sachsens  jener  Periode  das  wenige  Gute  auszusondern. 


*)  Joh.  Gottlob  Horns  Nützliche  Sammlungen  zu  einer  historischen  Hand- 
ßibliothec  von  Sachsen  und  dessen  incorporirten  Landen.  Leipzig,  Wolffgang  Deer  1728. 
2.  Theil:  Joh.  B eggen s Nachricht  von  den  im  Plauischen  Grunde  und  anderwerts  be- 
findlichen Gold-,  Silber-  und  Kupfter-Ertzen. 

M.  Christoph  Gottlieb  Grundig:  Neue  Versuche  nützlicher  Sammlungen  zu 
der  Natur-  und  Kunstgeschichte  sonderlich  von  Obersachsen  Schneeberg,  bei  Carl  Wilh. 
Fulden.  19.  Theil  1751:  E.  Tenzels  Vorschlag  zum  Aufnehmen  des  Landes  Goldwäschen. 

Miscellanea  Saxonica.  Darinnen  allerhand  zur  Sachs.  Historie  behörige  Ur- 
kunden, Privilegia,  Geschlechtsuntersuchungen,  ungedruckte  Chroniken,  Statuten  und 
Lebensbeschreibungen  sächsischer  Gelehrten  mitgetheilet  werden.  Dresden,  Georg  Roch, 
2.  Theil  1768:  Von  denen  Wahlen,  oder  gewissen  Ausländern,  welche  vor  Zeiten  in  hiesigen 
Landen,  sonderlich  im  Ertzgebirge,  Goldertz  aufgesucht. 

**)  Versuch  einer  mineralogischen  Erdbeschreibung  von  Obersachsen,  wie  solche 
ehemals  ’von  den  sogenannten  Wahlen  aufgezeichnet  wurden.  Nebst  einer  Abhandlung 
vom  Gebrauch  der  Wünschelruthe.  Frankfurt  u.  Leipzig  1784. 


85 


Die  wissenschaftlichen  Journale  aus  der  ersten  Hälfte 
des  18.  Jahrhunderts. 

Die  Seichtigkeit  der  damaligen  wissenschaftlichen  Bestrebungen,  aber 
auch  der  allmähliche  Gesundungsprocess  in  der  Zeit  der  grossen  Geistes- 
heroen kann  uns  nicht  klarer  vor  Augen  geführt  werden,  als  durch  eine 
Sichtung  der  zahlreichen  naturhistorischen  Periodica. 

Nach  dem  Vorbilde  des  Schweizer  Gelehrten  Scheuchzer,  desselben, 
der  durch  seine  Sündfluththeorie  und  den  Sündfluthmenschen  weite  Kreise 
für  paläontologische  Dinge  begeisterte,  wurden  viele  naturwissenschaftliche 
Zeitschriften  ins  Leben  gerufen.  Es  waren  weniger  ernste  Forscher,  die 
darin  das  Wort  führten,  sondern  Jeder,  der  irgend  etwas  ,,Curioeses“  zum 
besten  geben  konnte,  vor  Allem  Geistliche,  Aerzte,  Bergleute  waren  will- 
kommen. So  entstanden  meist  kritiklose,  frömmelnde,  schwülstige  Schreibe- 
reien, die  heute  keinen  Fachmann  ernstlich  interessiren  können.  Was  heut  zu 
Tage  Localblättchen  unter  der  Firma  ,,  Vermischtes“  ihren  anspruchslosen 
Lesern  auftischen,  das  bildete  damals  einen  Hauptantheil  des  Zeitschriftinhalts. 

D.  Urban  Gottfried  Bücher  machte  den  Anfang,  indem  er 
1723  des  ,,Sachßenlandes  Naturhistorie“*)  herausgab.  Sein  Unternehmen 
hatte  aber  keinen  rechten  Erfolg.  Nachdem  er  die  ersten  zwei  Bogen 
anonym  in  Pirna  herausgegeben  hatte,  stockte  schon  die  Lieferung.  Im 
nächsten  Jahre  setzte  er  die  Sammlung  unter  etwas  verändertem  Titel 
und  mit  einem  anderen  Verleger  fort**).  Viel  Angebot  von  Aufsätzen 
scheint  er  nicht  gehabt  zu  haben,  denn  er  beginnt  die  neue  Ausgabe  mit 
dem  wörtlichen  Abdruck  seiner  früher  veröffentlichten  Artikel. 

Einiges  Interesse  bietet  der  Aufsatz  von  dem  Radeberger  Bade.  Wir 
finden  darin  eine  Ansicht  über  die  Ablagerung  des  Haidesandes.  „Das 
Gehölz  wird  die  Dresdnische  Heyde  genennet,  durch  welche  ein  Fluss, 
die  Priessnitz,  zwischen  hohen,  oben  mit  Kiefern  und  Buchen,  unten  mit 
Erlen  bewachsenen  Sandufern  läuft,  der  oberhalb  Dresden  jenseit,  wie  die 
Weisseritz  diesseits  in  die  Elbe  fliesst  und  von  den  Vielen  Erlen  ein 
braunrothes  Wasser  führt.  Der  Boden  der  Heyde  ist  meist  Sand,  welcher 
von  oben  heruntergeschossen,  oder  von  diesem  Fluss  herabgeschwemmet 
zu  sein  scheint.  Davon  diese  Declivität  der  sonst  hohen  Einfassung  mehr  ge- 
dachter Vertiefung  entstanden.  Ja,  es  ist  glaublich,  wenn  nicht  die  öfteren 
West-  und  Südwinde  den  leichten  Sand  zurück  und  wieder  hinan  trieben,  dass 
selbiger  sich  unten  noch  mehr  von  dem  abspülenden  Regen  häufen  würde“. 

Wenig  Ausbeute  liefert  Horn’s  bereits  erwähnte  ,, Historische  Hand- 
bibliothek“. 

1743  folgt  dann  das  ,, Historische  Curiositätencabinet“,  gewöhnlich  als 
,,Curiosa  Saxonica“***)  citirt.  Hier  wird  uns  etwas  über  „die  Steinfelsen 


*)  Sachfsen- Landes  Natur-Historie  oder  Beschreibung  der  Natürlichen  Be  sch  aifen- 
heit  und  Vermögenheit  der  zu  Sachfsen  gehörigen  Provinzen.  Pirna,  Georg  Balthasar 
Ludewig  1722. 

**)  Sachsen- Landes  Natur -Historie,  In  welcher  Dieses  Landes  und  der  darzu 
gehörigen  Provintzen  Natürl.  Beschaffenheit,  Vermögenheit  und  Begebenheiten  in  unter- 
schiedenen Erzehlungen  vorgestellet  werden  von  Urban  Gottfried  Bücher  D. 
Dresden,  Joh.  Christoph  Krause  1723. 

***)  Neu  eröffnetes  Sachs.  Historisches  Curiositätencabinet  (1747)  Worinnen  in  allen 
12Monathen  auf  24  Bogen  83  alte  und  neue  merkw.  Begebenheiten  aus  der  Historia 
Politica,  Ecclesiastica,  Arteficialia,  Literaria,  Philosophia  mixta,  dergl.  aus  Geographie, 
Genealogi,  Heraldica,  Physica,  Oeconomia,  Mechanica,  Natura  etc.  anzutreffen.  Dresden, 
Petr.  Georg  Mohrenthal.  (Gezeichnet:  J.  C.  Cander.) 


86 


von  Liclitenliayii“,  von  den  Sandsteintliürmen,  Mauern,  Schlössern,  vom 
Kuhstall  und  anderen  Merkwürdigkeiten  der  Sandsteingebiete  erzählt. 

Der  Titel  der  Zeitschrift  wurde  später  umgeändert  in  ,,Analecta 
Saxonica“  und  nach  abermaligem  Wechsel  des  Herausgebers  in  „Mis- 
cellanea  Saxonica“  (1767—68).  (Hierin  die  früher  erwähnten  Nach- 
richten über  die  Kunstkammer,  die  Auffindung  einiger  Marmorbrüche  und 
die  Walen.) 

Recht  bequem  macht  sich  der  Schneeberger  Pfarrer  Gottlieb  Grundig 
seine  Redactionsarbeit.  Er  hatte  für  seine  schon  erwähnte  ,, Sammlung“ 
unter  Anderem  auf  das  Programm  geschrieben:  Bergwerks-,  Schmelz-  und 
Hüttensachen,  Berge,  Steine,  Schieffer  und  Erden,  Fossilien,  Mineralien 
und  allerley  versteinte  Höltzer.  Aber  er  holte  sich  die  Stoffe  einfach  aus 
anderen  Schriften,  sogar  aus  Journalen.  Wir  finden  da  friedlich  bei- 
einander: Bucher’s  ersten  Aufsatz  über  Dresden,  Christ.  Lehmann’s  Be- 
schreibung „Vom  Geyersberg  und  dessen  Stockwerk“,  die  Nachricht  „von 
den  Lichtenhaynischen  Steinfelsen“,  eine  Dissertation  Georg  Luther’s  „De 
terris“.  Neu  sind  einige  Berichte  über  den  Plauischen  Grund,  den  uns 
Christian  Gotth.  Hofmann  (13.  Theil)  als  ein  ,, Archiv  voller  uralter 
Urkunden  einer  traurigen  Ueberschwemmung“  schildert.  „Wenn  man  das 
Thal  betrachtet,  so  ist  nicht  anders  zu  urtheilen,  als  dass  es  durch  eine 
grausame  Eluth  entstanden  sei.  Hier  giebt  es  so  viel  Versteinerungen, 
dass  man  in  2 Stunden  ein  vierspänniges  Fuder  zusammenlesen  kann.  Die 
Felsen,  woraus  das  Hauptgebirge  beider  Ränder  meiner  Grenzen  besteht, 
sind  ein  wildes  braunes  Gestein,  welches  sich  mit  Stahl  und  Meisel  nicht 
erbeuten  lässt;  an  manchen  Stellen  mit  schwarzen  Schirl  oder  Wolfram, 
auch  Quartz-  und  Spaat-Plätzen,  Linsen-  und  Kirschkorns  gross,  zu  gleichen 
Theilen  untermenget  ist,  weshalb  es  füglich  ein  wilder  Porphir  geriennet 
werden  kann.  Ihre  Lage,  äusserliches  Ansehen  und  die  zu  tage  aus- 
streichenden verwitterten  Gänge  geben  sattsam  zu  erkennen,  dass  es  ein 
verdruckt  und  verschoben  Gebürge  sey“. 

Auch  Joh.  Gottlob  Lehmann  (7.  Theil)  kommt  zu  keinem  Resultat 
über  unsere  Syenitfelsen.  ,,Ich  wollte  nun  nichts  mehr  wünschen,  als  dass 
ich  Gelegenheit  hätte,  auch  das  Gebirge  gleich  bei  der  Plauischen  Holz- 
brücke genauer  kennen  zu  lernen,  allein  auf  eigne  Kosten  fällt  dies  zu 
schwer,  da  es  erstlich  ein  sehr  festes  Gestein,  zum  andern  allzunahe  am 
Wasser,  dass  man  nicht  beikommen  kann“. 

Weitere  geognostische  Aufsätze  in  Grundig’s  Sammlung  berichten  von 
mineralogischen  Seltenheiten  bei  Elterlein,  versteinten  Hölzern  bei  Chemnitz, 
von  Bädern  und  Brunnen  des  Landes,  von  den  Schriftstellern  über  Edel- 
steine (reiche  Litteraturangaben!),  vom  Schmirgel  am  Ochsenkopf  bei 
Johanngeorgenstadt;  endlich  finden  wir  interessante  Untersuchungen  über 
alte  Bergbauwörter. 

Joh.  Christ.  ThemeUs  ,, Obersächsische  Bergwerkshistorie“*)  bietet 
in  12  Heften  so  viel  kritikloses  Zeug,  dass  wir  auf  eine  Blüthenlese  ver- 
zichten wollen. 


*)  Sammlung  kleiner  ungedruckter  Ober-Ertzgebürgiscker  Schriften  vorgefallener 
Merkwürdigen  Sachen,  Von  allerhand  in  die  Obersächs.  Bergwerks-Historie,  als 
auch  in  die  hiesige  Naturwissenschaft  und  andern  Seienden  etc.  einschlagenden  merk- 
würdigen Abhandlungen.  Gesammlet  von  Joh.  Christian  Theraeln,  Dr.  med.  und 
Stadtlichter  zu  St  Annaberg,  Freyberg  und  Leipzig  1756. 


87 


Das  Dresdnische  Magazin*)  bringt  Nachrichten  von  versteinten 
Bäumen  (nebst  Abbildung),  von  den  SSternsteinen  bei  Chemnitz,  dem  Petre- 
factenberg  bei  Zehista,  und  giebt  eine  Aufzählung  sächsischer  Seltenheiten 
aus  dem  Mineralreiche  (z.  B.  grüner  Schirl  von  Berggiesshübel,  rothes  Spiess- 
glaserz  von  Braunsdorf,  'Fopase  vom  Schneckenstein,  Aquamarin  und  Berill 
aus  den  Seifen  von  Eibenstock,  Morion  von  Wolkenstein,  „Richtersche 
Erde^‘  von  Planitz,  Opal  von  Eibenstock  u.  a.).  Derselbe  Verfasser  liefert 
auch  eine  Zusammenstellung  von  Mineralien  der  Chemnitzer  Gegend.  Der 
Scheibenberg  mit  seinen  Pfeilern  und  Wacken  wird  als  ein  Product  der 
Sündfluth  vorgestellt. 

Trugen  die  bisher  genannten  Journale  specitisch  sächsischen  Charakter, 
so  liefern  uns  auch  allgemeine  Zeitschriften  manchen  Baustein  zu  Sachsens 
Geologie.  Vor  Allem  zeichnet  sich  das  Harnburgische  Magazin**)  durch 
seine  solidere  wissenschaftliche  Richtung  aus.  Ein  trefflicher  Mitarbeiter 
dieses  Werkes  war  J.  C.  Helk,  der  uns  wichtige  Nachrichten  über  das  Sand- 
steingebiet liefert.  In  seinem  Aufsatze  ,,von  den  Versteinerungen  um  Dreßden 
und  Pirna“  (4.  Bd.,  5.  Stück)  beschreibt  er  die  ,, Porphyrfelsen“  desPlauischen 
Grundes,  oben  darüber  eine  Decke  von  Kalk  und  zwischen  diesen  beiden 
Gesteinen  einen  ,, unreifen  Porphyr“  oder  ein  ,, grünlichgraues  glimmerichtes 
Gestein“,  in  dem  man  Kamm-  und  Schraubenmuscheln,  Ammonshörner, 
Schnecken,  Seeäpfel,  Luchssteine,  Würmchen  und  Pilze  findet.  Auch 
Koschitz,  Priesnitz  und  Cotta  b.  Dr.  nennt  er  als  versteinerungsreiche  Punkte. 
Im  Pirnaischen  Sandstein  kennt  er  Pinna  marina,  einen  Seestern  und 
,,cylindrische  Adern  wie  versteinerte  Baumzweige“. 

Recht  interessant  ist  auch  seine  ,, Beschreibung  des  Pirnaischen  Sand- 
steingebirges“ (6.  Bd.,  2.  Stück,  1750).  Er  schildert  die  Landschaft,  die 
parallelen  Gesteinslagen,  übersieht  auch  die  schwache  Neigung  derselben 
nicht  und  bildet  sich  schliesslich  eine  Theorie  über  den  Ursprung  der 
eigenthümlichen  Tafelberge:  „Im  Thal  der  Elbe  kann  man  sehr  deutlich 
wahrnehmen,  dass  dieser  Durchschnitt  im  Anfang  nicht  gewesen,  indem 
die  Lagen  der  Felsen  zu  beyden  Seiten  miteinander  übereinstimmen.  Viel- 
leicht hatte  dieser  Thon-  und  Sandhaufe  das  Wasser  vor  sich  her  in  Bogen 
gehemmt,  bis  es  zu  einer  solchen  Hohe  gesammelt,  dass  es  über  diesen 
Damm,  dessen  Oberfläche  mit  der  von  diesen  Felsen  in  einer  Linie  war, 
wegfliessen  konnte.  Da  nun  dieser  Haufe  nach  weniger  Zeit  seines  Ur- 
sprungs (die  darinnen  begrabenen  Muscheln  zeigen,  dass  er  ihn  durch  die 
Ueberschwemmung  gehabt)  seine  Festigkeit  noch  nicht  erhalten  hatte,  so 
spülte  die  Fluth  die  obersten  Lagen  hinweg  und  Hess  nur  hier  und  da 
einzelne  Stücke  oder  diese  Felsenzacken  bleiben,  und  riss  durch  diesen 
Damm  endlich  das  Thal,  durch  welches  sich  gegenwärtig  der  Strom  der 
Elbe  wälzt.  Vielleicht  war  also  die  Elbe  im  Anfang  dem  Rhein  ähnlich, 
welcher,  wenn  er  den  Bodensee  gefüllet  und  die  Höhe  erstiegen  hat,  über 
dieselbige  hinfliesst,  bis  er  sich  bey  Schaffhausen  wieder  in  die  Tiefe  herab- 
stürzt. Vielleicht  wäre  ein  Theil  von  Böhmen  noch  gegenwärtig  ein  grosser 
See,  und  vielleicht  könnten  wir  bey  Pirna  eben  das  Spektakel  wie  bey 


*)  Dresdnisches  Magazin  oder  Ausarbeitungen  und  Nachrichten  zum  Behuf 
der  Naturlehre,  der  Arzneykunst,  der  Sitten  u.  d.  schönen  Wissenschaften.  Dresden, 
Mich.  Groll  1760,  2.  Bd.  1765. 

**)  Hamhurgisches  Magazin,  oder  gesammlete  Schriften,  zum  Unterricht  und 
Vergnügen,  aus  der  Naturforschung  u.  d.  angenehmen  Wissenschaften  überhaupt.  Ham- 
burg, Georg  Christ.  Grund,  in  Leipzig,  A.  H.  Holle  (4.  Band  1749.) 


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Schaffhausen  sehen,  wenn  der  pirnische  Felsen  der  Macht,  der  Fluth  zu 
weichen,  nicht  so  willig  gewesen  wäre“. 

Muthet  uns  diese  genetische  Betrachtung  nicht  an,  als  wäre  sie  100 
oder  auch  150  Jahre  später  geschrieben? 

Dieselben  ernsteren  Ziele  wie  das  Hamburgische  Magazin  steckte  sich 
die  Zeitschrift  „Der  Naturforscher“  (Halle,  J.  J.  Gebauers  Wittwe  1774), 
die  ihrem  Herausgeber  Immanuel  Walch  zahlreiche  trefflich  illustrirte 
Originalaufsätze  über  Versteinerungen  verdankt. 

Die  Zahl  der  naturwissenschaftlichen  Journale  jener  Periode  ist  noch 
nicht  erschöpft;  doch  möge  obige  Auswahl  genügen,  um  das  Schaffen  in 
den  Kreisen  der  Gelehrten  und  Dilettanten  des  18.  Jahrhunderts  zu  be- 
leuchten. 

Curiositätenlitteratur  des  18.  Jahrhunderts. 

,,Curiosa“  war  das  Schlagwort,  das  uns  aus  den  Zeitschriften  entgegen- 
klang; die  Sucht  nach  Curiositäten  tritt  auch  in  der  übrigen  Litteratur 
desselben  Zeitraumes  hervor.  Mit  vielen  Worten,  mit  reichlichen  Aufblicken 
zu  der  Weisheit  und  Güte  Gottes  wird  möglichst  wenig  wissenschaftlich 
Brauchbares  oder  gar  Neues  vorgebracht.  Agricola  und  Albinus  sind  noch 
lange  nicht  ausgeschrieben,  und  trotz  mancher  Betheuerung  von  der  unend- 
lichen Mühwaltung  der  Autoren  ist  ihr  Werk  meist  doch  wieder  eine  Auf- 
frischung alter,  längst  bekannter  Thatsachen.  Vielfach  genügt  schon  die 
Wiedergabe  des  schwülstigen  Titels,  um  das  Buch,  seinen  Inhalt  und  seine 
Schreibweise  zu  kennzeichnen.  Nur  Einiges  sei  hier  erwähnt. 

Da  berichtet  uns  z.  B.  ein  Kaiserlicher  Physicus,  Namens  Christoph 
Hellwig,  „Anmuthige  Berghistorien“  und  „curiose  Relationen“*),  wärmt 
die  alten  Märchen  vom  Golde,  dem  sonderbaren  Schwefelquecksilbergebilde, 
auf  oder  erzählt  vom  Rochlitzer  Steinmark. 

Ein  Anderer  unterwindet  sich,  särnmtliche  Bergwerke  der  Welt  mit 
sämmtlichen  vorkommenden  Mineralien  zu  beschreiben.  Und  in  der  That, 
es  ist  auch  für  Sachsen  eine  erstaunliche  Fülle  von  Material,  die  Franz 
Ernst  Brückmann  in  seiner  „Unterirdischen  Schatzkammer“**)  nieder- 
gelegt hat.  Freilich  ist’s  nicht  viel  Selbsterschautes;  er  druckt  wörtlich 
nicht  nur  lange  Stellen  der  alten  Autoren  ab,  sondern  gleich  ganze  Arbeiten. 
Der  dicke  Folioband  hat  zwei  Theile,  deren  zweiter  spätere  Ergänzungen 
bringt.  Wir  sehen  aus  den  zahlreichen  abgedruckten  Zuschriften,  Zeitungs- 
ausschnitten, Ausbeutezetteln,  welches  Interesse  der  erste  Theil  erregt  und 
welches  Ansehen  der  Verfasser  genoss.  Neu  ist  vielleicht  hier  die  Angabe 
eines  Bergwerks  „am  Eulenberg  bei  Oschatz“  und  ,,ein  harter  schwarzer 
Marmor,  Basaltes  genannt,  der  allezeit  sechseckig  wächst“  und  bei  Dresden 
vorkommt.  Dass  auch  Kellner’s  ,, Documenta  von  den  Goldfunden“  wörtlich 


*)  Anmuthige  Berg- Historien,  Worinnen  die  Eigenschafften  u.  Nutz  der  Metallen, 
Mineralien,  Erden,  Edel-  u.  andern  Steinen  beschrieben,  nebst  curiosen  Relationen,  was 
vor  denkwürdige  Sachen  an  unterschiedlichen  Orten  über  u.  unter  der  Erden,  vornehmlich 
in  der  Baumanns- Hohl  u.  Brockelsherge  zu  sehen,  ans  Licht  gegeben  v.  L.  Christoph 
Hellwig.  Leipzig  1702. 

**)  Magnalia  Dei  in  locis  suhterraneis  Oder  Unterirdische  Schatzkammer  aller 
Königreiche  u.  Länder  in  ausführlicher  Beschreibung  aller,  mehr  als  MDC  Bergwercke  durch 
alle  4 Welt-Theile.  — Nebst  Anmerckung  aller  derjenigen  Länder  u.  Oerter  wo  Edel- 
gesteine zu  finden.  In  Geographischer  Ordnung  u.  einigen  Kupffer-Figuren  zu  besichtigen 
dargestellet  von  Francisco  Ernesto  Bruckmann,  Med.  Dr.  Bruns vic.  Braun- 
schweig 1727. 


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aufgenommen  sind,  bezeichnet  hinreichend  den  wissenschaftlichen  Standpunkt 
des  Verfassers. 

Unter  den  specifisch  sächsischen  Schriftstellern  verdient  der  Lockwitzer 
Pastor  Christian  Gerber  (geh.  1660,  gest.  1731)  genannt  zu  werden, 
nicht  weil  er  uns  etwas  Neues  böte,  aber  weil  er  wenigstens  sein  Vaterland 
auf  zahlreichen  Fusswanderungen  selbst  kennen  und  lieben  gelernt  hatte. 
Sein  Werk*)  hat  ja  auch  nur  den  Zweck,  Andere  zum  Wandern  anzuregen 
und  auf  Sachsens  Naturschönheiten,  seine  Felsen  und  Thäler,  seine  Boden- 
schätze hinzuweisen.  Ein  besonderes  Capitel  — auch  dieses  finden  wir 
übrigens  bei  Brückmann  wörtlich  abgedruckt  — zählt  die  sächsischen 
Mineralien  und  ihre  Fundorte  auf,  wiederum  nach  Agricola,  Kentmann, 
Fabricius,  Albinus  und  Mathesius. 

Viel  benutzt  von  späteren  Autoren  ist  ein  illustrirtes  Werk  von  Gottlob 
Friedrich  Mylius  über  des  ,, unterirdischen  Sachsens  seltsame  Wunder 
der  Natur“**).  Mylius  ist  nicht  Mineralog  im  Allgemeinen;  er  sucht  nur 
nach  dem  Wunderbaren,  Absonderlichen,  und  zählt  darunter  vor  Allem 
die  Versteinerungen  und  die  ,,lapides  figurati“.  Seine  zahlreichen  Ab- 
bildungen von  Steinkohlenpflanzen,  Muscheln,  Schnecken,  Seeigeln,  Dendriten 
zeugen  von  guter  Beobachtungsgabe,  wenn  ihn  dieselbe  auch  nicht  davor 
schützt,  gelegentlich  in  einer  Eisenniere  das  Bild  eines  Mannes  mit  Perücke 
oder  auf  einer  Schieferplatte  ein  versteinertes  Huhn  zu  finden. 

Was  Mylius  für  Sachsen  geleistet,  wollte  D.  S.  Büttner***)  für  die 
Gegend  von  Querfurt  unternehmen,  wenn  er  auch  bekennt,  dass  er  das 
„Studium  physicum  nur  horis  subcisivis  und  zur  Recreation“  treibt.  Wir 
wollen  ihm  aber  hier  eine  Stätte  gönnen,  weil  er  in  seinen  Betrachtungen 
über  die  Entstehung  der  Berge  auch  Sachsens  gedenkt.  Büttner  ist  eif- 
riger Diluvianer;  überall  sieht  er  die  Spuren  einer  traurigen  Sündfluth, 
in  den  Versteinerungen  sowohl,  als  in  den  Bergformen.  Vom  Pico  auf 
Tenereffa,  dem  „höchsten  Berge  der  Welt“  bis  zu  den  kleinen  Hügeln  der 
Heimath  erkennt  man  Formen,  die  der  Fluth  zu  verdanken  sind.  Unter 
Nr.  5 seiner  genetischen  Erklärungen  schreibt  er:  „Ich  erachte  auch  fel- 
sichte Hügel  und  Berge  entstanden  zu  seyn,  daraus  gleich  bei  der  Ab- 
drückung nach  der  Sündfluth  die  trucknende  Sand-  und  Schlamm-Bänke, 
theils  durch  die  ablaufenden  Wasser,  theils  von  der  Trucknung  selbst 
Ritze  gewonnen,  auch  wohl  theils  zersprungen  und  abgefallen,  wie  die  Er- 
fahrung täglich  lehrt.  Unter  diese  Klasse  zähle  ich  einige  Meissnische 
Felßhügel“.  Hierzu  giebt  er  zwei  Bildertafeln,  ,,an  denen  man  die  Strata 
aus  der  Verschwemmung  wohl  sehen  kann  und  doch  nicht  minder  die  un- 


*)  M.  Christian  Gerber:  Die  unerkannten  Wohlthaten  Gottes  in  dem  Churfürsten- 
thum Sachsen  und  desselben  vornehmsten  Städten,  darinnen  zugleich  der  Schul-  und 
Kirchenstaat  enthalten.  Dresden  und  Leipzig,  Jac.  Winklers  Wwe.  1717.  2 Bände. 

**)  Gottlob  Friedrich  Mylii  Memorabilia  Saxoniae  subterraneae  i.  e.  Des  Unter- 
irrdischen  Sachsens  seltsame  Wunder  der  Natur.  Worinnen  die  auf  denen  Steinen  an 
Kräutern,  Bäumen,  Blumen,  Fischen,  Thieren  und  andern  dergleichen,  besondere  Ab- 
bildungen, sowohl  unsers  Sachsen-Landes  als  deren,  so  es  mit  diesem  gemein  haben, 
gezeigt  werden.  Leipzig,  Moritz  Georg  Weidmann  1720.  (1.  Theil  1704,  11.  Theil  1718 
erschienen.) 

***)  M.  D.  S.  Büttners  Rudera  Diluvii  Testes  i.  e.  Zeichen  u.  Zeugen  der  Sündfluth, 
In  Ansehung  des  itzigen  Zustandes  unserer  Erd-  u.  Wasser- Kugel,  Insonderheit  der 
darinnen  vielfältig  auch  zeither  im  Querfurtischen  Revier  unterschiedlich  angetroffenen, 
ehemals  verschwemmten  Thiere  und  Gewächse,  Bey  dem  Lichte  natürlicher  Weifsheit 
betrachtet  und  nebst  vielen  Abbildungen  in  Druck  gegeben.  Leipzig,  Job.  Friedr.  Braun  1710. 


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förmliche  Gestalt,  welche  durch  gewaltige  Brüche  vor  dieses  muss  kommen 
seyn.“  Obgleich  nicht  dabei  steht,  woher  die  Abbildungen  stammen,  ist 
wohl  kein  Zweifel,  dass  sie  beide  Ansichten  der  Greifensteine  darstellen. 

Die  so  lange  vernachlässigte  Lausitz  fand  im  Anfang  des  18.  Jahr- 
hunderts auch  zwei  Lobredner.  Samuel  Grosser*)  erzählt  von  ,, denen 
innerhalb  der  Schoss  der  Erde  befindlichen  Gaben  Gottes“,  als  da  sind: 
Gold,  Erze,  Steine,  Erden,  Kalk.  Und  der  Zittauer  Bürgermeister  Job. 
Benedict  Carpzov  huldigt  in  seinem  Lausitzer  ,, Ehrentempel“**)  eben- 
falls den  zahlreichen  Mineralien,  Bergwerken  und  Gesundbrunnen.  Der 
Goldreichthum  der  Lausitz  ist  nach  Carpzov  ganz  erstaunlich;  denn  es  ist 
sogar  vorgekommen,  dass  sich  einem  Bauern  gediegener  Golddraht  um  das 
Rad  gewunden  und  ein  anderer  ein  Stück  wie  eine  Wurzel  aus  der  Erde 
gezogen  hat. 

Das  eigenartigste  litterarische  Erzeugniss  der  Periode  ist  jedenfalls 
eine  Dresdner  Handschrift***),  deren  Verfasser  sich  nicht  nur  vorgesetzt, 
alle  wichtigen  sächsischen  Mineralien  zu  beschreiben,  sondern  auch  abzubiiden. 
Auf  jedem  der  279  Folioblätter  finden  wir  eine  Charakteristik  nebst  farbiger 
Darstellung.  Realistischer  kann  man  wohl  nicht  malen,  als  dieser  Autor, 
der  einfach  Töpferthon,  Porzellanerde  u.  a.  auf  dem  Blatte  zu  einem  grossen 
Klex  verreibt,  oder  Bleiglanzstücke,  Glimmerblättchen  aufleimt.  Im  Ueb- 
rigen  ist  wenig  von  guter  Naturbeobachtung  zu  spüren,  kaum  dass  man 
Würfelkry stalle  von  hexagonalen  Pyramiden  unterscheiden  kann.  Trotz- 
dem möchten  wir  den  Bildern  einen  gewissen  Werth  nicht  absprechen, 
insoweit  es  sich  um  Verdeutlichung  alter  Mineralnamen  handelt.  Die  grosse 
Menge  der  aufgeführten  goldhaltigen  Steine  lässt  den  Einfluss  der  Walen- 
bücher  erkennen.  Von  den  übrigen  Mineralien  sei  folgende  Auslese  an- 
geführt: Mercurius  vivus,  vor  vielen  Jahren  bei  Hartenstein  gefunden. 
Zinnoberertz  aus  dem  Schonen  Grund.  Ganseköthig  Ertz  von  Johann- 
georgenstadt. Molybdaena  vera  Wasserbley  von  Ehrenfriedei’sdorf  und 
Geyer.  (Mit  aufgeklebten  Stücken.)  Grünes  Bley  Ertz  von  Zschopau.  Grüner, 
spiessiger  Schörl.  Ertzhaffte  Eisenschwiele  in  den  Pesterwitzer  hohlungen 
bei  Döhlen.  Asphaltum  viride  oder  Pechstein.  Corallenstein,  eine  Art 
Agath  von  Cunnersdorff.  Serpentinstein,  eine  grosse  Seltenheit  aus  dem 
Plauischen  Grunde.  Granitstein  in  2 Sorten,  bildet  ganze  Felsen  im 
Plauischen  Grunde.  Seitfenstein,  Murochtus  mit  Dendriten,  zum  Reinigen 


*)  Lausitzische  Merckwürdigkeiten , Darinnen  von  beyden  Marggraffthümern  in 
fünff  unterschiedenen  Theilen  von  den  Wichtigsten  Geschichten  — zulängliche  Nachrichten 
gegeben  v.  Samuel  Grofsern,  des  Görlitzschen  Gymnasii  Eectore.  Leipzig  u.  Budifsin, 
David  Richter  1714. 

**)  Neu  eröffneter  Ehren  Tempel  Merckwürdiger  Antiquitäten  des  ;.Marggraffthums 
Ober-Lausitz,  Von  Job.  Benedicto  Carpzovio.  Leipzigu  Budifsin,  David  Richter  1719. 

***)  Historia  naturalis  saxonica  oder  Vollständige  Sächsische  Naturhistorie  aus  allen 
drey  Reichen  der  Natur.  1.  Aus  dem  Mineralreich:  Eine  genaue  Abbildung  und  aus- 
führliche Beschreibung  aller  und  jeder  Mineralien,  so  in  Sachsen  gefunden  worden,  von 
Gold,  Silber,  Kupifer,  Bley,  Zinn,  Eisen  u.  allen  gantzen  u.  halben  Metallischen  Ertzen, 
ingleichen  allen  Sächs.  Edelgesteinen -Arten,  nebst  Anzeigung  der  Örter,  wo  selbige 
gefunden  werden,  ferner  allen  feuerfesten  Kalck,  Marmor,  Gyps,  Alabaster  u.  allen 
übrigen  Steinsorten,  bis  auf  den  geringsten  Sandstein,  auch  der  Erdarten,  welche  in 
der  Landwirthschaft  und  bey  verschiedenen  Profefsionen  nutzbarlich  gebrauchet  werden 
können,  auch  zu  Siegel  Erden  dienlich  sind.  Von  einem  Liebhaber  u.  Beflifsenen 
der  Naturkunde  aus  dem  Ertzgebürge  mit  grofser  Mühe  u.  Fleiss  zusammengetragen 
u.  beinahe  mit  Daranwendung  seiner  gantzen  Lebenszeit  ausgearbeitet.  1771.  Mscr. 
Dresd.  J.  61a. 


91 


der  Wolfe  .benutzt.  Porphirsteini  i auf  dem  Pöhlberg,  dunkblfotbbraun  mit 
sch'warizen  Fleqjken.  Bandstein  von  Frohburg.  Phosphorescirende  Blende 
von  Scharffenbefg.  sGneiss,  dunkelgrünlichgrau,  vermischte  Steinart,  sehr 
hart  und  Im  Feuer  :beständig,  dass  sie  dn  der  Schmeltzung  mit  denen  ver- 
mischten'edlem  Bergarten  ini  Feuer  .kaum  zu  zwingen,  deswegen  die  Berg- 
leute diese  Gangart  nichtigem  einbrechen  sehen  und  gern  über  die  Halde 
stürzen;  bricht ‘ sehr,  häufigT um  :Freyberg.<  'Speckstein  bei  Schlettan  und 
Scheibenberg.  Sächsische  Wunders  teinerde:,  ein  verhärtetes  Steinmark. 
Plänerstein.  Versteinerte  Krebs  b.  Plauen  i.  V.  Versteinertes  Medusen- 
haupts im  Vogtland  bei  Keichenbach  sehr  ,/rar , werden  theuer  ,.bezahlt. 
Calcinirta  Flephantenzähne  her  Rochlitz.  ...Echinitae,  Donnerkeule,  Globo- 
siten,*Hahnekamm-Muschelv  Venusherzmuschel,  Schraubenschhecken,.  Flügel- 
muschel, .Korallen,  pfeifenartiges  Korallengewächs,  Seetulpen,  Fungitae, 
Ammonshörner,  Weiideltreppmuscheh  Posthörngens,  Pectiniten  — alles 
Versteinerungen  aus  deni  Plauischen  und  Schoner  Grund, 
er;  s,'.  ...d-  ,^v 

Berichte  von  Edelgesteininspectoren  und  anderen  Beamten.  - d 

: Wie  im  17.  Jahrhlindert  dfe  ^Ländbäumhister  Nosseni  und  Klengel 
umherzogen,  um  dÄ  Aufträge  d&  Hofes  neue  Bausteine  zu  suchen,  so  gab 
fes  äuch  ilh’  18.  JätiiKundert;^ewisse‘^ Beamte,*  die  mit  ähnlichen  Forschungen 
b^raut  waren.  Hie  Schheebergef  Chronik  (S.  895)  erwähnt,  "dass  über  die 
Edelgesteihe  /Je  zu  Zeiteii  ein  gewisser  Inspector  bestellet  gewesen“.  „Und 
wfe'’hnho:16T&  Ch^ff;  Gn.^Ö^e^^^  hiesige  Bergamt  ergangen,  dass 

Johann  Nicol' In'  ^achsüchung  der  iin  Schneebergischen  BergUmts- 
rövier  befindlichen  EdUleh: ‘Gesteinen,  Perlen  mnd  Seilfen-Goldes  nicht  ge- 
hindert wärdeti'  Rollte;;  also  ist“derUiahfen , als  Edelgestein-Inspector  bestellet 
Christian  Ri chfu'F  alihfer;';  welcher  uiiterm^  13.  Sept.  an. ^1710  einige 
Specificatibn  ufeg^geben.  Wegbn  Üinläridischen  ^ Diamanten,  - Smaragden; 
Hiäcynthen,  Topasen  und“  Yöh  wegen  des  Lapidis  Lazali,  auch  Opalen- 
Prohen,  ' dergleichen  samint' denen  Hiäcynthen  hiebevör  bey  der  Sosa  in 
dennn  Seiffen  gefunden  ist. “^Gleichwie  er  auch  allerunterthänigsten  Bericht 
erstattet  wegen  derer,  Brüche  zu  Viehläühey  Zwickau  vom  neu  erfundenen 
Jaspis;  "deßgleichen  von  einigen' Achat-  und  Serpentinbrüchen“. 

' ; Einen  ganz  besonderen  "Ruf  hätte  sich  seiner  Zeit  Richter  durch  die 
Entdeckung^" der  sogenaUhten  „Wundererde“  erworben , die  weiter  nichts 
ist  als  jEisensteinmärk."/ Wir  find  eine  hoch  trabende  Ankündigung  der 
Entdeckung'  in  einem  gedruckten,  dem  König  Friedrich  August  gewidmeten 
Berichte  aus  dem  Jahre  1732  f).  ; . * 

“ 61  handcol'orirte  Darstelluhgen  seiner  „Wundererde“**)  zeigen  uns  die 

kühne  Phantasie  des  Malers,;  mit  der  er  an  den  Steinen  ,, bleiche  Gesichter, 
Bäume,  Gemsen,  Vogel,  römische  Sturmhauben,/ sogar  die  ganze  Auffarth 
ChnSti  in  Wolken“'  ehtdeckt  Und  in  „Schönen  Couleuren  sich  präsentiren 
lässt,  gar  artig  anzusehen,  daran  man  sich  belustigen  kann“.  In  einem 


- *)  Saxoniae  electoralis  miraculhsa  terra  oder.  Des  WeLtberülimten  Chur  - Sachsen- 

Landes  bewundernswürdige  Erde,  Wie  dieselbe  durch  des  Höchsten  Gottes  sonderbahre 
Gnade  und  verliehenen  Bergwercks -Verstand,  auch  unermüdeten  Fleiss  entdecket  worden 
von  Christian  Richtern,  Ihro  Königl.  Maj. .in  Pohlen  u.  Churf.  Durchl.  zu  Sachsen 
bestallten  Edelgestein-Inspectoreiund  E.  E.  Raths  der  Bergstadt  Schneeberg  Assessore. 
Schneeberg,  Job.  E.  Schnitze  1752.  ^ :■ 

**)  Die  Originale  zu  diesen  Bildem  befinden  sich  noch  heute  im  K.  Mineral.-geolo- 
gischen  Museum  in  Dresden.  - . . , o .. 

* 


93 


Schlusscapitel  legt  Richter  seine  Ansicht  dar,  wie  wohl  derartige  bunt- 
gefärbte Massen  entstehen.  Als"  Probe  seiner  Speculationsgabe  und  seines 
bombastischen  Stils  sei  ein  Satztheil  daraus  — seine  Sätze  pflegen  ge- 
wöhnlich ganze  Seiten  zu  füllen  — hier  aufgenommen:  Nach  seinem  „von 
Gott  verliehenen  Verstände“  hat  Derselbe  „dieser  Erden  Generation  wegen 
genau  observiret,  dass  sowohl  die  Situation  des  Gebürgs,  als  auch  die 
Gewitter  und  Regen  sehr  viel  beytragen;  denn  da  hat  er  befunden,  dass 
an  hangenden  und  liegenden  Gebirgen,  streichenden  Erden- Gänge  von 
weiser,  brauner,  gelber  und  allerhand  einfachen  couleuren  Erdg,  zumahl 
bei  denen  Mercurial-  und  Salpetrischen  Gängen  sich  antreffen  lassen,  und 
er  auch  Selbsten  erschürffet;  da  nun  diese  Erde  tenuis  materia,  und  von 
denen  allerreinsten  Wässern  ihren  Ursprung  hat,  so  geschieht  es,  "wenn 
einstens  durch  starke  Gewitter  das  Erdreich  lucker  gemacht  wird,  und 
die  starken  Regen  darzukommen,  sie  von  solchen  Gängen  in sgesambt  ab- 
gerissen und  untereinander  geführet,  misciret,  per  aquam  seu  humidum 
viscosum  gleichsam  filtriret  und  purifleiret  und  also  dadurch  zu  einer  so 
vielfärbichten  Erden  werden  — 

Ein  anderer  Bericht  entstammt  der  Feder  des  Chemnitzer  Edelgestein- 
inspectors David  Frenzei*),  ist  aber  von  einem  Anonymus  C.  G.  G.  in 
Freiberg  herausgegeben  worden.  Er  enthält  eine  trockene  Aufzählung  von 
Steinen  ans  der  Chemnitzer  Gegend,  jedoch  ohne  nähere  Fundortangabe. 
Es  sind  nicht  nur  die  Edelsteine  (darunter  Diamanten  und  Rauchtopasen, 
die  „Mütter  der  echten  Topasen“)  und  sonst  noch  politurfähigen  Mineralien, 
sondern  auch  „Steinarten  insgemein“  angeführt,  wie  z.  B.  pechartige  Steine, 
Conglomeratum  oder  allerley  Gemenge,  schwarze  Schiefer  mit  geschlän- 
gelten Quarzstreifen  von  weisser  Farbe,  Schiefer  mit  grossen  Granaten, 
Hornschiefer,  Gemsschiefer,  Spaat,  Wetzstein  u.  a.  Vom  Sande  meint  er: 
„Wo  nicht  der  Sand  der  Samen  der  Steine  gleichsam  zu  nennen,  so  ist 
er  doch  gewiss  ein  Rest  ihrer  Theile;  und  da  wir  mittels  des  Kalkes  und 
desselben  Steine  zu  und  in  Mauern  verbinden,  so  sehen  wir  genau,  wie 
ohngefähr  die  Natur  selbst  aus  Sand  Steine  erzeuge  und  zuwege  bringe“. 

Die  Institution  der  Edelgosteininspectoren  scheint  nur  eine  vorüber- 
gehende, je  nach  Bedarf  eingerichtete  oder  abgeschaffte  gewesen  zu  sein. 
Eine  gesetzliche  Verordnung  über  dieselbe  konnte  nicht  gefunden  werden; 
vielleicht  waren  es  bisweilen  nur  Bergbeflissene,  die  im  Nebenamt  die  Ver- 
richtung übernahmen.  Aehnliche  Pflichten  lagen  auch  den  „Inspectoren  bei 
der  Manufactur  des  Sächs.  porcellains“  ob,  wie  uns  eine  dresdner  Hand- 
schrift von  Joh.  Melchior  Steinrück**)  beweist.  Die  Arbeit  bezieht 
sich  auf  ganz  Westsachsen,  bietet  aber  nichts  Neues.  Wenn  Steinrück 
Topase  von  Schneeberg,  Lichtenau,  Rosenberg  und  Burkhardtsgrün  er- 
wähnt, wenn  er  berichtet,  dass  davon  ein  Stück  von  45  Pfd.  bei  Hofe  ein- 
geliefert worden  sei,  so  zeigt  dies,  dass  der  echte  Schneckensteintopas 
noch  immer  nicht  bekannt  war. 


*)  David  Frenzels,  Uhurf.  Sachs,  Edelgestein-Inspectors  in  Chemnitz,  Verzeich- 
niss der  Edelgesteine,  Fossilien,  Naturalien,  Erdarten  und  Versteinerungen,  welche  im 
Bezirk  der  Stadt  Chemnitz  in  Meisen  gefunden  und  bemerket  worden.  Chemnitz,  Joh. 
Dav.  Stössels  Erben  und  Putscher  1769. 

**)  Joh.  Melchior  Steinrück,  Insp.  bey  der  Manuf.  des  Sächs.  porcellains : Nach- 
richten von  denen  im  Churs.  Ertzgebürge  hin  und  wieder  befindlichen,  guthen  und  raren 
Gesteinen,  theils  aus  eigner  Erfahrung,  theils  auch  aus  bewehrter  Leuthe  Schriften,  mit 
Ernennung  der  örther,  wo  jede  Sorte  anzutreffen.  1715.  Mscr.  Dresd.  J.  375. 


93 


üebef  letzteren  giebt  uns  jedoch  auch  ein  Edelgesteininspector,  Namens 
Johann.  Gottlieb  Kern,  der  zugleich  Vorsteher  des  Halsbrücker  „Ver- 
einigt Felds^^  war,  Auskunft.  Die  Notizen,  desselben  sind  allerdings  erst 
nach . seinem  "Tode  von  Ignatz  edlen  von  Born*)  im  Jahr  1776  heraus- 
gegebeii  und  mit  5 Kupfertafeln  versehen  worden.  Wir  erfahren  daraus, 
dass  im  Jahre  1727  der . ..Schneckenstein , oder  .wohl  besser  die  Topasen 
in  demselben,  durch  einen  Mann  von  schlechtem  Kufe  entdeckt  worden 
seien.  Er  habe  die  Steine  heimhch - verkauft,  seinen  Fund  aber  später 
aus  Furcht  vor  Strafe ' dem  Kurfürsten  angezeigt,  worauf  Dieser  den  ganzen 
Felsen  vom  Besitzer  v.  Trutzschier  käuflich  erwarb. 

Wesentlich  höher  als  die  ziemlich  kritiklosen  Berichte  der  Edelstein- 
und  Porzellaninspectoren  ist  eine  Arbeit  zu  bewerthen,  die  der  Leipziger 
Professor  Christian  Gottlieb  Ludwig**)  im  Aufträge  des  Hofes  und  im 
Interesse  des  dresdner  Naturaliencabinets  ausführte.  Er  sollte  eine  Samm- 
lung sämmtlicher  sächsischer  „Erden“  '—'damals  ein  ziemlich  umfassender 
Begriff.'- — anlegen,  dieselben  beschreiben  und  catalogisiren.  Das  Ergebniss 
seiner  Studien  war  ein  gedruckter.  Folioband  in  lateinischer  Sprache  mit 
weitläufigen  sprachlich  historischen  Erläuterungen  der  Namen,  reichen 
Litteraturangaben,  Classificationen  und  schliesslich  mit  einer  Beschreibung 
der  gesammelten  Belegstücke,  die  zwar  nicht  ausschliesslich,  aber  zum 
grossen  Theil  aus  Sachsen  stammten.  Den  Anhang  bildet  eine  illustrirte 
Beschreibung  der  „Terrae  sigillatae“.  Die  ganze  Sammlung  Ludwig’s  ist 
leider  bei  dem  grossen  Zwingerbrande  1849  mit  vernichtet  worden. 

Gründung,  der  Freiüerger  Bergacademie. 

Es  waren  wenig  erquickliche  Bilder  von  dem  naturwissenschaftlichen 
Leben  in  Sachsen,  die  uns  die  letzten  Capitel  entrollt  haben,  und  mit 
vollem  Herzen  können  wir  einstimmen  in  die  Klage,  die  Ignatz  von  Born 
über  die  Seichtigkeit  der. mineralogischen  Litteratur***)  erhebt:  „Wie  selten 
ist  jetzt  noch  der  Bergmann  zugleich  Naturforscher,  und  noch  weit  seltener 
ist  der  Naturforscher  Bergmann.  Demungeachtet  schreiben  unsere  Natur- 
forscher mineralogische  Beobachtungen  ohne  Ende,  wenn  sie  auch  weiter 
nichts  als  die  Lage  einer  Versteinerung  in  einem  Steinbruch,  oder  eine 
Halde  irgend  eines  Flötzwerkes  gesehen  haben;  ja  sie  bauen  sogar  Systeme 
und  Theorien  der  Erdkugel!“ 

Doch  während  sich  noch  die  Grundig  und  Themel,  die  Hofmann  und 
Lehmann  mit  ihren  mineralogischen  Kleinigkeiten  abgaben,  bereitete  sich 
in  Freiberg’  schon  das  grosse  Ereigniss  vor,  das  Sachsen  mit  einem  Schlage 
zum  Tummelplätze  der  Geologen  aller  Länder  machen  sollte,  die  Gründung 
der  Bergacademief)...  • - 


*)  Johann  Göttlieh  Kern:  Vom  Schneckensteine . .oder,  dem  sächsischen  Topas- 
felsen. Zum  1.  Mal  herausgegehen  und  mit  Anmerkungen  vermehrt  von  Ignatz  edlen 
von  Born.  Mit  5 Kupfertafeln.  ' Prag  1776. 

**)  Terrae  Musei  Kegii  Dresdensis,  quäs  digessit  descripsit  illustravit  D.  Christianus 
Gottlieb  Ludwig.  Accedunt  Terrarum  sigillatarum  figurae.  Lipsiae,  Joh.  Friedr. 
Gleditzsch  1749. 

***)  Weitere  Litteraturangaben  aus  dem  18.  Jahrhundert  finden-  sich  bei  Benjamin 
Gottf  ried  Weinart,:  Litteratur  des  Staatsrechts  und  der  Statistik  von  Sachsen.  Meissen, 
W.  Erbstein  1802,  S.  39—81. 

. f)  Näheres  dariiher  siehe:  Die  Bergakademie  zu  Ereiberg.  Zur  Erinnerung  an  die 
Feier  des  100jährigen  Geburtstages  Werner’s  am  25.  September  1850.  Ereiberg. 

^4^ 


94 


Je  mehr  der  Bergbau  itn  sächsischen  Staatshaushalt  sich  bemerkbar 
machte,  um  so  höher  stieg  das  Interesse  der  Regierung  daran,,  allezeit 
theoretisch  und  praktisch  tüchtige  Bergbeamte  zur  Verfügung  zu  haben. 
Schon  am  26.  August  1702  waren  deshalb  laut  Verordnung  „300  fl.  de? 
putiret,  dass  dafür  einige  junge  Leute  zur  Erlernung  der  Bergwerkswissen- 
schatten  etc.  anzuführen  und  auf  Reisen  zu  schicken  wären“.  1709  wurde 
diese  Bergresolution  erneuert.  Aber  die  .intelligentesten  Köpfe  erkannten 
bald,  dass  damit  nicht  genug  gethan  sei,  dass  nur  ein  geordheter  SchuL 
unterricht  durchgebildete  Beamte  liefern  könne.  Zwei  treflliche  Vorkämpfer 
für  die  Idee  einer  Bergacademie  verdienen  auch  an  dieser  Stelle  Erwähnung, 
weil  sie"  beide  in  ihrem  Zukunftsplahe  der  geologischen  [ Erforschung  und 
Kartirung  Sachsens  einen  Ehrenplatz  hingeräumt  hatten,  . . . üü 

Der  erste  war  der  Churf.  Sächs.  Bergrath  Jnhann  Friedrich'Henkelf). 
Schon  in  Bezug  auf  die  Mineralogie  stellt  dieser  an  die  Bergbeflissenen 
höhere  Ansprüche,  als  man  bis  dahin  gewöhnt  war:  „nicht  »hur  die  Ertzte, 
nein  alle  Steinarten,  Steine,"  Erd-Hartzte  und  Saltze  müssen  behandelt 
werden“.  Dann  aber  trennt  er  eine  besondere  Geographia^  subterranea 
ab,  eine  Wissenschaft,  „Gänge,  Klüffte  und  ganze  Ertzt-Gebürge  zu  er- 
kennen“. Die  gesammten  Lagerstätten  eines  Gebirges  müssen"  betrachtet 
werden;  man  muss  ins  Feld  und  auf  die  höchsten  Berge;~^man  muss  die 
Lage  der  ganzen  Gegend  überhaupt  besehen,  muss  'das"  Streichen  rund 
Schieben  bemerken  u.  s.  w.  „Diese  Wissenschaft  ist  ein  Hauptwerk^  aber 
auch  sehr  schwer,  undv  kann  man  offt  nicht  gnug  Generalfif  und  SpeciäF 
Charten  haben,  um  sich  eine  recht  deutliche  Vorstellung  zu  machen.“ 
,,Ich  habe  diesfalls  noch  von  niemand  einige  Erwähnung  thun  hören,  ohne 
dass  ich  mich  erinnere  von  deni'grossen  Leibhiz  einen  Vorschlag  gelesen 
zu  haben,  dass  die  Gegenden^  wo  man  vörschwemmte  Müschelh  hhd -ändre 
frehade  Sachen  versteinert  findet,  in  eine  Chärte  zusänimengebrächt  würden;“ 
' Er  hebt  auch  den  grossen  Nutzen  einer  Landesuntersüchung^^ für 
Technik,  Baugewerke  u.  a.  hervor  und  beklagt  sich  bitter,  wieviel  in  Sachsen 
nach  dieser  Hinsicht  noch  ungethaii  sei.  ,,Es  ist  denen  sächsisehen  Natur- 
forschern eine  Schande  — sagt  er  in  seiner  Kiesshistorie  — 'dass  sie  ein 
so  schönes  Sandsteingebürge  haben,  solches  nicht  von  einem  untersucht 
und  beschrieben  sei.“  ünd  '^an  einer  anderen  Stelle  schreibt  er:  ,j.Wer 
hat  die  Lage  der  Steinkohlen^  die  Brüche  von  Schmirgel,  dCalek-  und  "Gips- 
steinen in  gantzen  Lands,  aufzusuchen  und  zü'^¥ntdecken'sich  bemühet? 
Der  innländische  Marmor  ist  auch  hoch  sehre  unbekannt,  und  wärfe  der  Topas 
nicht  von  einem  gewinnsüchtigen  Menschen  aufgeSucht  worden,  so  wüssten 
wir  bis  dato  nichts  davon.  Die  gäntze  Gegend  über  der  Elbe,  ist  näcK  ihrer 
unterirdischen  Beschaffenheit  moch  niemals  recht' Untersucht  wer deh,  öhh- 
geachtet  das  Radeberger  Bad  zu  mineralischen  Schätzen  Anzeigung" giebt^^l 

Noch  klarer  ist  das  Programm,  das  Carl  Friedrich  Zimmermann*) **) 
entwickelt.  Auch  er  hält  die  Gründung“  einer  Academie  für  unbedingt 

*)  D.  Johann  Friedrich  HenkelsKleineMineralogiseheundChymisclieScliirifften. 
Auf  Guthefinden  des  Herrn  Antoris  , Nehst  einer  Vorrede  von  den  Bergwerck^^Wifsen- 
schaöten  zu  Vermehrung  der  Cameral- Nutzungen  u.  mit  Anmerckungen  herausgegeben 
von  Carl  Friedr.  Zimmermann.  Dresden  u.  Leipzig,  Friedr.  Hekel  1744. 

. **)  Obersächsische  Berg -Academie,  in  welcher  die  Bergwerckswissenschaften  nach 

ihren  Grund -Wahrheiten  untersucht  u.  nach  ihrem  Zusammenhänge  entwörffen  werden. 
In  abgesonderten  Abhandlungen  ausgefertigt  von  Carl  Friedrich  Zimmermann. 
Dresden  u.  Leipzig,  Friedr.  Hekel  1746.  ■ - ^ ’ 


95 


nöthig;  da  die  ■Ausführung  dieses  Gedankens  noch  weit  entfernt  zu  sein 
scheint,  entschliesst  er  sich,  zum' Unterricht  für  Anfänger  das  ganze  System 
der  Bergwissenschaften  niederzuschreiben. 

’ Auch  er  gedenkt  dabei  der  Kartenaufnahmen.  Man  soll  sich  bemühen, 
die  Zeichnungen  von  ganzen  Berggegenden,  die  Markscheider-Risse  von  den 
Grubengebäuden,  soviel  man  deren  bekommen  kann,  zu  sammeln;  „anbey 
aber  soll  man  fleissig  seyn,  General-  4ind  special  Mappen  über  ein  Ertzt- 
Gebürge,  zufolge  der  Geographia  subterranea,  zu  verfertigen“.  Es  braucht 
nach  seiner  Meinung  kein  kostspieliges  Werk  zu  sein,  einmal  ganz  Sachsen 
nach  nutzbaren  Mineralien  zu  durchsuchen.  „Alles  kommt  darauf  an,  dass 
man  eine  Person  erwehle,  die  mehr  durch  ihre  Geschicklichkeit,  als  durch 
überhäuffte  Unkosten  dergleichen  Geschäfte  auszuführen  weiss.  Dies  aber 
wird 'geschehen,  wenn  ein  dergl.  Subiectum  nicht  nur  in  dem  Bergbau  er- 
fahren ist  und  sich  auf  Klüfte  und  Gänge  verstehet,  sondern  auch  vor- 
nehmlich ganze  Gegenden  selbst  zu  beobachten  und  zu  judiciren  weiss , 
also" dass'  er  vors  erste  auf  die  ganzen  Striche  eines  Gebürges  (Juga  mon- 
tiüm)  acht  hat,  und  dabei  besonders  zu  entdecken  sucht,  wo  sie  ihren 
Anfang  und  Ende  haben?  Ob  und  wie  sie  mit  einander  gleichlaufend  sind? 
Wo  sie  Zusammentreffen  oder  sich  von  einander  entfernen?  Ob  die  Thäler 
darzwischen  offen  oder’ geschlossen  sein?  Ob  selbige  nebst  denen  Bergen 
verschlenimet  oder  ausgewaschen  sein?  Wie  sich  die  Höhe  der  Berge  und 
Thäler,zu  einander  verhalte?  — — Würde  nun  eine  Person,  welche  also 
nicht  nur  ein  Bergmann,  sondern  auch  ein  Physicus  und  Chymicus  sein 
muss,  zu  dergl.  Untersuchungen  angenommen,  so  könnte  selbige  in  Zeit 
von  2— 3 Jahren  das  gantze  Gnbürge  des  Meissner  Landes  durchsuchen  und 
die  darin  noch  unbekannten  Ertzt- Gegenden  entdecken,  wenn  sie  nur  zu- 
gleich gehörige  Aufmerksamkeit,  unverdrossenen  Fleiss  und  Mühe,  und 
eine  unermüdete  Lust  zu  diesen  Sachen  besitzt.“ 

Was  die  beiden  Propheten  erträumt,  sollte  sich  bald  verwirklichen. 
Als  im  Jahre  1765  Prinz  Xaver,  der  damalige  Administrator  Sachsens 
für  den  unmündigen  Friedrich  August,  Freiberg  besuchte,  erkannte  er  das 
“Bedürfniss  für  eine  höhere  Unterrichtsanstalt  der  Bergwissenschaften  an , 
und  so  erfolgte  schon  am  13.  November  die  Gründung  der  Bergacademie, 
die.  für  ein  Jahrhundert  auch  die  Centrale  der  geologischen  Kartirung 
Sachsens  werden  sollte;  Ostern  1766  begannen  die  Vorlesungen.  Char- 
pentier  war  der  erste  Professor  für  Mathematik  (zugleich  auch  der  erste 
Schüler),  Lommer  verwaltete  die  Sammlungen,  die  Bibliothek  und  richtete 
eine  Mineralienniederlage  ein;  der  Bruder  des  Dichters  Geliert  vertrat  die 
Hüttenkunde.  Die  ersten  Stipendiaten  waren  v.  Trebra,  Beyer  und  Freies- 
ieben. ^ 

Charpentier  und  seine  Schule. 

Schon  nach  dem  ersten  Unterrichtsjahre  wurde  bestimmt,  dass  auf 
Kosten  der  Stipendienkasse  Reisen  und  Localuntersuchungen  gemacht 
würden,  damit  man  zu  einer  möglichst  vollständigen  systematisch-minera- 
logischen Kenntniss  von  Sachsen  gelange.  Johann  Friedrich  Wilhelm 
V.  Charpentier  (geboren  1728  in  Dresden,  hatte  in  Leipzig  Mathematik 
und  Rechtswissenschaft  studirt  und  erst  nach  seiner  Berufung  nach  Frei- 
berg sich  dort  in  die  Bergfächer  eingearbeitet)  wurde  die  Seele  dieses 
Unternehmens.  Bald  sah  er,  dass  mit  Schülerarbeiten  allein  nichts  Brauch- 
bares geschaffen  werden  könne,  und  so  begann  er  1771  selbst,  das  Land 


96 


zu  bereisen.  Alles  wurde  genau  beobachtet ^ „Steinbriiche^  hole  Wege, 
alte  und  neue  Bergwerke  etc.^k  Diese  Arbeit  interessirte  und  beschäftigte 
ihn  so,  dass  er  selbst  seine  Lehrpflichten  darüber  vernachlässigte.  Schliesslich 
wurden  die  Lücken  im  Vorlesungscyklus  so  empfindlich,  dass  sich  zu.seiner 
Entlastung  und  Vertretung  eine  neue  Lehrkraft  nöthig  machte:  1775  be- 
rief die  Regierung  den  früheren  Schüler  der  Anstalt  Werner  als  Lehrer. 
Was  dieser  in  den  nächsten  Jahren,  zum  Theil  gleichzeitig  mit  Charpen- 
tier,  schuf,  sei  in  einem  späteren  Gapitel  berichtet.  Die  Frucht  von 
Charpentier’s  eifrigem  Bemühen  war  die  „Mineralogische  Geographie  der 
Chursächsischen  Lande‘^  vom  Jahre  1778*),  Es  ist  schwer,  dieses  erste 
geologische  Hauptwerk  über  Sachsen  in  wenigen  Sätzen  hinreichend  zu 
würdigen.  Gestützt  auf  ein  reiches  theoretisches  Wissen,  eine  Fülle  sorg- 
fältiger Beobachtungen,  glücklicher  Combinationen  hat  der  Verfasser  hier 
nicht  nur  Einzelheiten  von  localer  Bedeutung  geliefert,  sondern  ein  voll- 
ständiges System  der  Geognosie  und  Stratigraphie.  ' 

Charpentier  hat  natürlich  in  Sachsen  besondere  Gelegenheit  gehabt, 
sich  mit  dem  Urgebirge  zu  beschäftigen.  Granit,  Gneuss,  Glimmerschiefer, 
Porphyr,  körnigen  Kalkstein  hält  er  für  gleichaltrige  und  vielfach  mit 
einander  wechsellagernde  Schichtgesteine.  Zum  ersten  Male  finden  wir 
hier  eine  eingehende  Darstellung  über  den  ,,Gneuss^^,  den  er  mit  Cronstädt’s 
„Gestellstein‘^  (saxum  compositum  particulis  quarzosis  et  micaceis)  identi- 
ficirt.  Freilich  ist  auch  bei  ihm  der  Begriff  noch  recht  dehnbar. , .Noch 
bei  Döbeln  findet  er  Gneussgebirge,  wenn  auch  „sehr  thonig  und  stücklich“. 
Die  ,, sogenannten  Schiefer“  bei  Schneeberg  gehören  ebenfalls  zum  „ver- 
änderten Gneuss“',  „wmnn  man  auch  hier  und  da  die  Benennung  eines 
quarzigen  Schiefers  füglich  gebrauchen  könnte.  Die  Grenzen  beider  Ge- 
steine gehen  unmerklich  in  einander  über;  es  scheint,  dass  sie  gleichzeitig 
entstanden  sind  oder  eine  sich  aus  der  andern  entwickelt  habe“.  Schiefrigen 
Gneuss  constatirt  er  auch  auf  dem  Auersherge.  Das  Gestein  des  Plauen- 
scheu  Grundes  nennt  er  Granit.  Der  Phörphyrtuff  des  Zeisigwaldes  gilt 
noch  als  Sandstein,  während  er  das  Gestein  des  Rochlitzer  Berges  als 
thon-  und  porphyrartig  anspricht.  Den  Pechstein,  bei  Garsebach  hält  er 
für  eine  Abänderung  des  Porphyrs. 

lieber  die  Entstehung  der  sächsischen  Sandsteinmassen  und  des  „Pläner“ 
drückt  er  sich  sehr  vorsichtig  aus  und  wagt  die  von  Helk  entwickelte 
Hypothese  nicht  ohne  Weiteres  anzunehmen.  „Dass  dieser  Sandstein  vom 
Wasser  abgesetzt  sei,  ist  wohl  unumstösslich  bewiesen;  wie  er  aber  abgesetzt 
worden  und  wie  dabei  Felsen  von  diesen  Fig.uren  entstanden  sein  mögen, 
auch  wie  es  ehedem  in  dieser  Gegend  möge  ausgesehen  haben,. überlasse  ich 
einem  jeden,  der  Lust  darzu  hat,  zu  erklären.  Ich  für  meinen  Theil  glaube, 
dass,  wenn  man  aus  dem  Ansehen  einer  Gegend  dergleichen  Schlüsse  mit 
Zuversicht  herleiten  wollte,  der  Standort  des  Beobachters  so  hoch  und 
sein  Auge  so  scharf  sein  müsste,  dass  er  imstande  wäre.,  ganze  Länder 
mit  einem  Blicke  zu  umfassen“. 

Das  Sandsteingebiet  bei  Zittau  erklärt  er  für  die  Ufer  eines  alten 
Stromthaies,  mit  dem  Hinweis  auf  die  abgerundete  Thalseite  des  Oybin. 
Die  nordsächsische  Grauwacke  gehört  noch  unter  die  phorphyrartigen 
Gesteine,  Der  Phonolith  führt  den  Namen  Hornschiefer.  Die  Basalte, 
namentlich  von  Stolpen,  Annaberg  und  Scheibenberg  finden  eingehende 


*)  Erschienen  in  Leipzig  bei  Siegfried  Lehrecht  Crnsius. 


97 


Berücksichtigung.  Er  vermeidet  ängstlich  eine  bestimmte  Meinung  über 
deren  Entstehung  auszusprechen.  Bald  findet  er,  dass  die  Kegel  oben 
keinerlei  kraterähnliche  Vertiefung  haben;  bald  machen  ihn  Bruchstücke 
mit  glasartigem,  schlackigem  Ueberzug  stutzig;  bald  berichtet  er,  dass 
unter  dem  Scheibenberg  ein  Stollen  auf  „lauter  Gerülle‘‘  gekommen  sei. 
Auch  über  die  Diluvialgebilde  finden  wir  eine  Andeutung:  Bei  Bautzen 
erwähnt  er,  dass  unter  der  Dammerde  viel  Geschiebe  mit  losem  Sande 
liegen,  zum  Zeichen,  dass  die  Gegend  mit  Wasser  bedeckt  war. 

Von  den  Mineralien  findet  eine  besondere  Behandlung  der  Schnecken- 
steiner Topas;  die  beigegebenen  Bildertafeln  bilden  eine  willkommene  Er- 
gänzung zu  den  Kupfern  des  früher  genannten  Kern’schen  Werkes. 

Was  aber  Charpentier’s  Buch  vor  Allem  auszeichnet,  ist  die  bei- 
gegebene „Petrographische  Karte  des  Churfürstenthums  Sachsen  und  der 
Incorporirten  Lande“.  Geologische  Karten  waren  damals  noch  etwas  ganz 
Neues.  Nach  einigen  verunglückten  Versuchen  der  Engländer  hatte  der 
berühmte  thüringer  Stratigraph  und  Vorgänger  Werner’s  G.  Ch.  Füchsel 
1762  eine  orographische  Karte  von  Thüringen  hergestellt,  in  der  die  ein- 
zelnen Gesteinsschichten  durch  Zahlen  angegeben  sind,  1775  folgte  dann 
der  Chursächsische  Vicebergmeister  Friedrich  Gottlob  Gläser*),  indem 
er  zum  ersten  Male  die  Verbreitung  der  Hauptgesteine  durch  Flächen- 
colorit  hervorhob.  Diese  erste  farbige  geologische  Kaste  unterschied 
1.  Roth:  granitartiges  Gestein,  2.  Gelb:  Sandstein,  3.  Grau:  Kalkstein.  Dazu 
werden  durch  besondere  Zeichen  die  Fundstätten  von  Gold,  Silber,  Kupfer, 
Eisen  und  Steinkohlen  angegeben. 

Charpentier  war  der  Erste,  der  dieses  Princip  auf  einen  grösseren 
Landstrich  anwandte.  Er  erzählt,  dass  er  seine  Karte  auf  Vorschlag  des 
schwedischen  Freiherrn  Tilas  gezeichnet  habe.  Die  durch  barometrische 
Messungen  gefundenen  Höhenzahlen  sind  auf  den  Elbpegel  in  Wittenberg 
bezogen.  Noch  dominirt  im  Colorit  die  Eintheilung  in  die  politischen 
Kreise.  Aber  ausser  diesen  bezeichnet  er  durch  Flächenfarben  bereits 
8 Gesteins-  und  Bodenarten:  Granit,  Gneus,  Schiefer,  Kalkstein,  Gyps, 
Sandstein,  Flusssand,  Thon  und  Leimen.  Durch  Zeichen  werden  dann  noch 
ergänzt:  porphyrartiges  Gestein,  Hornschiefer,  Basalt,  Serpentinstein. 

Die  Karte  ist  für  die  damalige  Zeit  und  in  Anbetracht  der  kurzen 
Arbeitsfrist  eine  Glanzleistung.  Wir  finden  beim  ersten  Totaleindruck  be- 
reits fast  alle  Grundzüge,  die  eine  moderne  Karte  von  Sachsen  zeigen 
würde.  Charpentier  giebt  an,  dass  er  als  Grundlage  eine  grössere  minera- 
logische Karte  in  vier  Blättern  benutzt  habe.  Es  war  leider  nicht  möglich, 
diese  Manuscriptkarte  im  Archiv  der  Bergacademie  ausfindig  zu  machen. 
Im  Druck  ist  sie  nicht  erschienen,  obgleich  Weinart  noch  1802  „eine 
grössere  Karte“  Charpentier’s  in  Aussicht  stellt.  Es  sei  aber  gleich  an 
dieser  Stelle  eingeschaltet,  dass  sich  in  der  Kartensammlung  der  K.  Bi- 
bliothek zu  Dresden  eine  „Neue  Karte  von  den  Chur-Fürstenthum  Sachsen 
und  angränzenden  Ländern,  1801“  befindet,  die  zwar  etwas  kleiner,  aber 
genau  in  der  Manier  der  petrographischen  Karte  Charpentier’s  gezeichnet 
ist.  Die  Farben  und  Zeichen  stimmen  völlig  überein;  nur  „Hornschiefer“ 
fehlt;  dafür  ist  neu  eingefügt  ein  Zeichen  für  „braune  Erde“  (Braunkohlen). 


*)  Friedrich  Gottlob  Gläser,  Chursächs.  Vicebergmeister  zu  Suhl:  Versuch 
einer  mineralogischen  Beschreibung  der  Gefürsteten  Grafschaft  Henneherg.  Leipzig, 
Lehr.  Crusius  1775. 


98 


Bei  Zittau  fehlt  aber  die  Angabe  von  Braunkoblengebieten.  Verfasser  und 
Verleger  der  Karte  Hessen  sich  nicht  feststellen;  das  Freiberger  Archiv 
weist  dieses  Blatt  nicht  auf.  ’ r üI  ■ ' " 

Mit  Charpentier’s  Karte  sind  wir  schöu  in  die  Werner’sche  Periode 
eingetreten;  doch  ehe  wir  der  Verdienste  dieses  Mannes’  gedenken^  #eien 
zwei  Forscher  genannt,  die  sich  selbst  als  Ergän;zer  der  „Mineralogischen 
Geographie‘‘  Charpentier’s  bezeichnen.  Der  erste  ist  Nathanael  Gottfried 
Leske,  ein  Mann,  der  mit  wenig  Mitteln,  mit  Vorschuss  auf  das  später 
von  ihm  herauszugebende  Werk*),  die  Lausitz  bereiste,  ,,um  sich  für  sein 
Lehramt  geschickter  zu  machen“.  Sein  Programm  war  isehr  umfassend': 
Thiere,  Pflanzen,  Steine,  Bewohner,  Oeconomie  sollten  gleich  vollständig 
behandelt  werden.  Und  er  hat  seinen  Subscribenten  nicht  zu  viel  ver- 
sprochen, wie  uns  eine  kurze  Inhaltsangabe  der  geologischen  Capitel  seines 
Buches**)  zeigen  wird.  Seine  Reiseroute  führte  ihn  über  KÖnigsbrück, 
Muskau,  Görlitz,  auf  die  Tafelfichte,  nach  Zittau  ^und  Herrhhut.  ^Ueber 
seine  Erlebnisse  berichtet  er  in  der  damals  beliebten  Form  wissenschafV 
lieber  Briefe.  Da  Charpentier  Ostsachsen,  wie  die  meisten;  seiner  Vorgänge^, 
ziemlich  stiefmütterlich  behandelt  hatte,  hoffte  Leske  auch  für  die  Gebirgs- 
kunde wesentliche  Ergänzungen  liefern  zu  können.  Er  fasst  seine  Leistungen 
auf  diesem  Gebiete  selbst  zusammen:  „Ich  habe  durch  wiederholte  Be- 
obachtungen unleugbar  bewiesen,  dass  der  Basalt  ein  Product  des  Feuers 
sein  müsse,  dass  er  nicht  nur  in  eckigen  und  kugeligen  Stucken,-  sondern 
häufig  nnd  fast  mehrentheils  in  Säulen  gefunden  wird,  die  baM"' aufrecht 
stehen,  bald  schief,  bald  wagerecht  liegen  und  ^ oft  duröh  Querklüfte  in 
Glieder  abgetheilt  sind.  Ich  habe  des  Herrn  Werners  Behauptung,  dass 
die  Basaltsäulen  nicht  krystallisiert,  sondern  durch  Spaltungen  des  festen 
Gesteins  entstanden,  an  mehreren  Orten  bestätigt  gefunden.  Ich  habe 
gezeigt,  dass  der  Tras  und  die  Pözzolanerde  nichts,  als  verwittertefssBasalt 
sei,  und  endlich  habe  ich  auf  verschiedenen r Bergen!  den  Zusaminäenhang 
des  Basalts  mit  dem  Granit  ünd-  die  Grenzen  beider  Gesteinsarten  entdeckt, 
anderer  mineralogischer  Beobachtungen  über  das  Kalksteingebirge  ünd 
andrer  noch  nicht  beschriebener  Steinarten  nicht  zu.  ge  denken“. = - 

Leske  schildert  in  trefflicher  Weise*  das  Erosionsthal  der  Pulsnitz, 
übersieht  dabei  nicht  die  Gesteinsgrenzen  des  „Hornschiefers“  mit  dem 
Granit***).  Bei  dem  Keulenberge  unterscheidet  er  scharf  die  beiden  Granit^ 
Varietäten,  die  an  seinem  Fusse  zusammenstossen.  „Es  lässt  iiieh  übrigens 
wohl  schwerlich  die  Ursache  mit  Gewissheit  .bestimmen,  woher  es  komme, 
dass  der  Granit  dieses  Berges  in  der  Tiefe  und  in  den  niederen  Gegenden 
grobkörnig,  auf  dem  Gipfel  aber  feinkörnig  sei.  Senkten  sich  etwa  die 
grösseren  Stücke  der  einfachen  Gesteine  zu  der  Zeit,  da  die  ganze  Gebirgs- 
masse  noch  flüssig  war,  vermöge  ihres  grösseren  Gewichts  in  die  Tiefe? 
Und  suchten  die  feiner  aufgelösten iTheile  die  oberen  Gegenden?  "Oder 
konnten  etwa  bei  der  Verhärtung  » dieser  Gesteinsmassen  äussere,  uns  un- 
bekannte Ursachen  eine  solche  Veränderung  hervorbringen?  Diesy  Fragen 


*)  In  Werner’s  Nachlass  heündet' sich  unter  die  geologischen  SchülerarbeiteU  ein- 
geheftet auch  ein  Brief  Leskes,  in  dem  er  seinen  Plan.  daHegt  und  um  Zahlung  eines 
Louisdor  als  Suhscriptionsvorschuss  auf  sein  Reisewerk  bittet. 

**)  Reise  durch  Sachsen  in  Rücksicht  der  Naturgeschichte  und  Oekonomie,  unter- 
nommen und  beschrieben  von  N athanael  Gotfried  Leske.  Leipzig^  J.  G.  Müller  1785. 

***)  L.  meint  Grauwacke.  Dieser  Name  wurde  im  selben  Jahre  durch  Fr.  Wiih. 
Heinr,  V.  Trebra  zum  ersten  Male  auf  die  verwandten  Gesteine  im  HarZ  angewtindt. 


m 


werden  sicli  niclit  eher  bestimmt  beantworten  lassen^  bis  wir  vom  der 
Bildung  und  Entstehung'-’ des  Granits  ■ eine  ' 'gewissere' - durch  unleugbare 
Beobachtungen 'mehr/: als ^ 'bis  jetzt  bestätigte  Kenntnis  erhalten  haben^^ 
-Die  Granite  beschäftigen  Leske  überall- -in  " besonderem  Maass'e;  er  be- 
obachtet ihre  Yerwitterungsformen.-'und  giebt  zahlreiche  Abbildungen  dazu. 
Freilich  rechnet  er  bei  Erklärung  der  Matratzen-  und  Wollsackbildungen 
noch  mit  gewaltigen Wassermassen,  '^yAlles  dies  giebt  einen  deutlichen 
Beweis,,  dass-  diese  abgerundeten'.  Felsen" 'ZwarT' noch.' an  dem  Orte  ihrer 
Entstehung  liegen,  aber  durch  ■■eheinalige ''grosse  üeberschwemmungen  viele 
Veränderungen  erlitten  haben, .---.ausgesebwemmt  und  ,die . ..scharfen  Kanten 
des.  ^Gesteins  dadurch  abgerundet,  sein  müss.en^k:  , Er. .. .durchwandert  -die 
tertiären  Sandberge,  untersucht:'die-'"G-eschiebe, ■' die  Thohlager  und  das 
,.,bituminö.se  Holz^^  der  Zittauer  .'-Gegend  und;  .giebt  ausführliche'Scbilderungen 
der  oberlausitzer  Sandsteinfelsen.  Den  Phonolith  nennt  er  „hornstein- 
artigen Porphir“,  kommt  also  der  Wahrheit  schon  näher,,  als  Charpentier; 
er  übersieht  auch  nicht,  dass 'Basalt-  und;  Hornsteinpörphir  oft  in  der 
-Kächharschaft  _ zu  , finden  sind..  .'...D.en,,  .Basalt  des!  Johannissteins  mit  seinen 
wagerechten  Säulen  nennt  er  Poiphir;  das  Gestein  hat  aber  „nach  allen 
Kennzeichen  eine  grosse  Aehnlichheit  mit' dem  ®hsalt,  welche  Vermuthung 
jedoch  nur!  durch  eine  nähere  chemische  Üntersuchung  vergewissert  werden 
kann^k  vDie^  Genesis  des.;  Zittaüer:  Gebirges  fasst-: ;er  folgendermas's^n  zu- 
sammen: „Der  Granit  ist  die  Grundlage  des  ganzen  Gebirges,  auf  welcher 
am  Fusse  einiger  Berge  der  Sandstein  aufgeschwemmt  worden  ist.  Am 
Abhange  des  höchsten  Gebirgs  und  auf  den  höchsten  Gipfeln  des  Vordef- 
gebirgs  liegt  . auf  dem  Grapit  der  hornartige  Porphir  und  ans  demselben, 
dem  Granit  selbst  und  auch  aug  dem  Sandstein  ist  der  Basalt  durch 
unterirdische  Gewalt  des  Feuers  r emporgehoben  worden‘k  Am  ünglücks- 
stein  und  an  der  Lausche  findet  Leske  poröse  LavascMackehy  die  auf 
vulcanische  Entstehung  der  Berge  hindeuten.  / V 

' vK  Alles  in  Allem:  Leske’s  Arbeit  muss  einen  Ehrenplatz  in  der  Geschichte 
sächsischer  Geologie  erhalten.  Er  war  leih  trefflicher  Beobachter,  achtete 
ebenso  sehr  auf  Structurfeinbeiten  der  Gesteine,  wie  auf  die  grossen  Züge 
der  Landschaft.  Er  haftete  nicht  an  dem,  was  unmittelbar  praktisch 
nützlich  ist,  sondern  zeigte  echt  geologische  Auffassung  der  ganzen  Gegend 
und  regesinteresse  an  genetischen  Vorgängen.  Und  wenn  man  liest,  dass 
sein  erster  Brief  vom  29.  Mai  1782  datirt  ist  und  der  letzte  vom  24.  Sep- 
tember desselben  Jahres,  und  betrachtet  darin  den  bibeldicken,  inhaltreichen 
Band,  so  kann  man  nur  lebhaft  bedauern,  dass  dieser  Mann  seine  Absicht, 
ganz  Sachsen  in.  gleicher  .Weise  zu  bereisen,  nicht  ausgeführt  ; bat.  Er 
wäre  ein  „Subiectum'^  gewesen,  das  narih  Zimmermann’s  Ideal  „billig  und 
.gut“ . gearbeitet  .hätte!  " ^ . . 

Der  zweite  Ergänzer  Charpentier’s  ist  C.  A.  S.  Hoffmann.  Je  mehr 
durch  Männer  wie  Charpentier  und  Leske  die  grossen  Züge  der  geologischen 
Landschaft  ins  Auge  gefasst  wurden,  um -so  hiöhr  trat  die  systematische 
und  topographische  Mineralogie  in  den  Hintergrund.  Es  ist  richtig,  auf 
diesem  Gebiete  lagen  weit  mehr  Vorarbeiten  hier  hatten  von  Agricola 
und  Kentmann  an  fast  alle  Autoren vuich^  hethätigt.  Aber  Allen  hatte  noch 
die  Dräcision'-’-i-n  -der-üm'-grenzung  der-.-M'inera-lbegnffe  '-gefehlt,  eine/ Arbeit, 
die  erst  , dem  letzten  Drittel  des  “iB:  Jahrhunderts  einigermassen  zu  lösen 
gelang.  Auf  Grund  dieser  geklärterem  systematischen  Ansichten  wollte 
Hoffmann  nun  wieder  ans  Werk  gehen.  Was  dem  Botaniker  die  Löcalfloren 


100 


sind,  das  sollte  seine  Oryktographie*)  für  den  Mineralogen  werden.  Sie 
sollte  bieten,  was  Charpentier  übergehen  musste:  zur  allgemeinen  Uebersicht 
die  Aufzählung  der  einzelnen  Minerallagerstätten  unter  Berücksichtigung  aller 
Varietäten.  Viel  Neues  finden  wir  in  der  systematisch  geordneten  Aufzäh- 
lung nicht,  wohl  aber  eine  kritischere  Sichtung  des  vorhandenen  Materials. 

Werner  und  die  erste  Landesuntersuehung. 

Wir  kommen  nun  zum  glänzendsten  Gestirn  der  Freiberger  Berg- 
academie,  zum  „Vater  der  Geologie‘^  Abraham  Gottlob  Werner  (geb. 
zu  Wehrau  1750,  1769  Bergstudent  in  Freiberg,  dann  in  Leipzig,  1775 
Professor  in  Freiberg,  gest.  1817  in  Dresden),  lieber  seinen  Lebensgang 
ist  schon  so  viel  geschrieben  worden,  dass  wir  auf  eine  genauere  Dar- 
stellung desselben  verzichten  können**).  Sein  Wirken,  seine  Bedeutung  für 
die  Wissenschaft  sind  ebenso  oft  dargestellt,  meist  in  begeisterten  Lobreden 
seiner  Schüler,  bisweilen  in  scharfer  Kritik  von  seinen  Gegnern.  Seit  dem 
Jahre  1775,  in  dem  Werner  als  Professor  der  Mineralogie  und  Bergbau- 
kunde in  Freiberg  zu  wirken  begann,  strömten  aus  allen  Ländern  fähige 
Männer,  oft  schon  in  den  reiferen  Jahren  stehend,  zusammen,  um  dem 
hinreissenden  Vortrage  des  Meisters  zu  lauschen.  Werner’s  erstes  Ziel 
war,  eine  präcise  Kunstsprache  zur  Beschreibung  der  Mineralien  und  ein 
brauchbares  System  zum  Einordnen  derselben  zu  schaffen***).  Dann  ging 


*)  C.  A.  S.  Hoff  mann:  Versuch  einer  Oryktographie  von  Kursachsen.  Bergmann. 
Journal,  herausgeg.  von  Alex.  Wilh.  Köhler,  1.  Band.  Freyberg  1788. 

Der  Verfasser  benutzt  schon  Werner’s  Forschungsresultate.  Eine  gute  Darstellung 
des  Standpunktes  dervorwernerschen  Mineralgeographie  Sachsens  bietet  Johann  Wilhelm 
Mo  eil  er  durch  Herausgabe  der  „Mineralogischen  Geschichte  des  Sächsischen  Erzgebirges“ 
„eines  Ungenannten“.  Hamburg,  C.  E.  Bohn  1775. 

**)  Vergl.  hierzu  T.  L.  Hasse:  Denkschrift  zur  Erinnerung  an  die  Verdienste 
des  K.  S.  Bergraths  Werner  und  an  die  Fortschritte  bei  der  Bergakademie  zu  Freiberg. 
Dresden  u.  Leipzig,  Arnoldi  1848. 

Zu  Wemer’s  Andenken,  gesprochen  in  der  Versammlung  der  K.  Akademie  der 
Wissensch.  zu  München  am  25.  Oktober  1817  von  Karl  Caesar  Bitter  v.  Leonhard. 
Frankfurt  a.  M.  1817. 

F.  L.  Becher:  Die  Mineralogen  G.  Agricola  zu  Chemnitz  im  16.  und  A.  G.  Werner 
zu  Freiberg  im  19.  Jahrhundert.  Freiberg  1819. 

Fried  r.  Ho  ff  mann:  Die  Geschichte  derGeognosie  und  Schilderung  der  vulkanischen 
Erscheinungen.  Vorlesungen  gehalten  an  der  Universität  zu  Berlin  in  den  Jahren  1834—35. 
Berlin  1838. 

Christian  Keferstein:  Geschichte  und  Litteratur  der  Geognosie.  Halle, 
J.  Fr.  Lippert  1840. 

Karl  Alfred  v.  Zittel:  Geschichte  der  Geologie  und  Paläontologie  bis  Ende  des 
19.  Jahrhunderts.  Leipzig  u.  München,  Oldenbourg  1899.  (23.  Band  der  „Geschichte  der 
Wissenschaften  in  Deutschland“,  herausgeg.  durch  die  histor.  Commission  bei  der  K. 
Akademie  der  Wissenschaften,  München.) 

***)  Von den  äusserlichen  Kennzeichen  der  Fossilien.  Leipzig,  Siegfr.  Lebrecht 
Crusius  1774. 

AxelvonKronstedtsV  ersuch  einer  Mineralogie.  Aufs  neue  aus  dem  Schwedischen 
übersetzt  und  nächst  verschiedenen  Anmerkungen  vorzüglich  mit  äusseren  Beschreibungen 
der  Fossilien  vermehrt  von  A.  G.  Werner.  Leipzig  1780. 

(Das  Originalwerk  erschien  1758  anonym  in  Stockholm  unter  dem  Titel:  Försök 
til  Mineralogie  eller  Mineral  Bikets  Upställning.) 

Ausführliches  und  sistematisches  Verzeichnis  des  Mineralien  - Kabinets  des  weil, 
kurf.  S.  Berghauptmanns  Herrn  Karl  Eugen  Pabst  von  Ohain,  herausgegeben  von 
A.  G.  Werner  Freiberg  u.  Annaberg  1791  u.  1792. 

A.  G.  Werners  letztes  Mineral- System.  Aus  dessen  Nachlasse  auf  oberbergamtliche 
Anordnung  berausgegeben  u.  mit  Erläuterungen  versehen  v.  J.  C,  Freiesieben.  Freiberg 
u.  Wien  1817. 


101 


er  weiter,  classificirte  auch  die  Felsarten,  entwickelte  das  Grundgesetz 
der  relativen  Altersfolge  und  schuf  damit  die  Formationslehre*).  Seine 
genetischen  Forschungen  erstreckten  sich  auf  die  Vulcane**)  — die  er  ganz 
wie  Agricola  mit  entzündeten  Steinkohlenfiötzen  in  Verbindung  brachte  — 
dann  auf  die  Erzgänge***)  und  schliesslich  gipfelten  sie  in  jenem  aus- 
gesprochenen Neptunismus,  der  einen  langen  und  erbitterten  Streit  unter 
den  Geologen  hervorrufen  sollte.  Was  Werner  durch  seine  glänzende 
Lehrbefähigung,  durch  sein  Talent  zum  Systematisiren  geleistet  hat,  das 
wird  seinen  Ruhm  leuchtend  erhalten,  so  lange  es  noch  Geologen  giebt. 
Wenn  er  sich  aber  aufs  Gebiet  genetischer  Speculationen  wagte,  so  machte 
sich  ein  Hauptmangel  in  seiner  eigenen  Ausbildung  bitter  fühlbar:  ihm 
fehlten  die  Erfahrungen  des  Feldgeologen.  „Er  gehörte  nicht  zu  dem 
Kreise  der  reisenden,  scharf  beobachtenden  Geognosten,  die  mit  klarem 
Blicke  die  Verhältnisse  der  Natur  im  Grossen  übersehen^^  (Keferstein.) 
Er  verliess  kaum  das  Erzgebirge,  und  als  er  in  späteren  Jahren  grössere 
Reisen  machte,  war  er  schon  so  in  seine  vorgefassten  Theorien  verbissen, 
dass  ihm  nicht  mehr  zu  helfen  war.  Nur  seine  geringe  Reise -Erfahrung 
erklärt  es,  dass  er  es  fertig  brachte,  auf  die  eine  „Neue  Entdeckung  am 
Scheibenberger  Hügeh^,  den  scheinbaren  Uebergang  zwischen  Sand,  Wacke 
und  Basalt,  die  weittragende  Schlussfolgerung  von  der  Neptunität  des 
Basaltes  zu  ziehen! 

Nicht  einmal  eine  gründliche  Bereisung  des  Erzgebirges  nahm  er  vor, 
und  keine  geologische  Karte  von  seiner  Hand  ist  uns  überliefert.  Nichts 
destoweniger  sollte  Werner  für  die  geologische  Kartirung  Sachsens  eine 
bedeutsame  Rolle  übernehmen. 

Bereits  im  Jahre  1788  war  auf  Veranlassung  der  Landes-Oeconomie- 
Manufactur-  und  Commerciendeputation  Befehl  zur  Aufsuchung  von  Stein- 
kohlenfiötzen gegeben  worden.  Das  Bergamt  erweiterte  den  Antrag  da- 
hin, dass  die  Untersuchungen  auch  auf  die  Entdeckung  anderer  nützlicher 
Mineralien  ausgedehnt  werde.  1789  wurde  dieser  Antrag  genehmigt;  aber 
es  fehlte  zunächst  an  einem  planmässigen  Vorgehen.  Die  Bergstudirenden 
erhielten  allerhand  Aufgaben,  theils  rein  technischer  Natur,  theils  Reise- 
berichte oder  Reisevorbereitungen,  Referate  über  erschienene  Werke. 
Ein^n  Einblick  in  die  Thätigkeit  jener  Jahre  gewähren  die  Manuscript- 
bände  im  Freiberger  Archiv  unter  dem  Titel  „Mineralogische  Geographie“. 

Erst  1798  nahm  man  die  Arbeit  ernstlich  in  Angriff,  indem  das 
Oberbergamt  zu  Freiberg  mit  der  Veranstaltung  einer  geologischen  Landes- 
untersuchung beauftragt  wurdeund  dieses  den  Bergrath  Werner  mit  der  Leitung 
dieses  Unternehmens  betraute.  Es  war  für  Sachsen  ein  Glück,  dass  Werner’s 
Ruhm  so  zahlreiche  und  tüchtige  junge  Geologen  nach  Freiberg  führte. 
Denn  aus  diesen  musste  das  Personal  für  die  Landesuntersuchung  ge- 


*)  Doch  wollen  wir  hier  nochmals  auf  die  trefflichen  Vorarbeiten  des  thüringer 
Geognosten  G.  C.  Füchsel  (geh.  1722)  hin  weisen.  Siehe:  Historia  terrae  et  maris. 
Act.  Acad.  elect.  Mogunt.  Ert  1762,  und:  Entwurf  zur  ältesten  Erd-  und  Menschen- 
geschichte. 1773. 

**)  G.  A.  Werner:  Versuch  einer  Erklärung  der  Entstehung  der  Vulkanen  durch 
die  Entzündung  mächtiger  Steinkohlenschichten,  als  ein  Beitrag  zu  der  Naturgesch,  des 
Basalts.  Magazin  f.  d.  Naturkunde  Helvetiens,  herausgeg.  v.  Dr.  Albrecht  Hopfner, 
4.  Band,  Zürich  1789. 

***)  Neue  Theorie  von  der  Entstehung  der  Gänge  mit  Anwendung  auf  den  Bergbau, 
besonders  den  freibergischen.  Ereiberg,  Gerlach  1791. 


102 


nommen  werden.  Werner  theilte  das  Land  in  92  Unter suoEungsdistricte, 
deren  Zahl  später  auf  111  erhöht  wurde.  (Auf  Antrag  von  Werner’s  Nach- 
folger Kühn  wurde  schliesslich  die  Zahl  entsprechend  der  Gebietsverrin- 
gerung Sachsens  wieder  reducirt.)  Jeder  District  sollte  einem  älteren,  theo- 
retisch gebildeten  und  auf  früheren  Excursionen  hinreichend  geübten  Aca^ 
demiker  übergeben  werden,  und  als  Beistand  wurde  ein  jüngerer  Studirender 
dem  Ersteren  untergeordnet.  Als  kartographische  Unterlagen  dienten  die 
Schenkischen  Charten  von  Sachsen.  (Später  standen  zur  Verfügung:  die 
Weimarschen  Sectionscharten,  die  Backenbergischen  Charten  über  den 
Schauplatz  des  7jährigen  Kriegs,  die  Eeymannschen  Chartenmnd  schliesslich 
die  Militairischen  Charten  von  Sachsen.) ' 

Jeder  Expeditionär  sollte  zunächst  eine  schriftliche  ,,Relation^‘  liefern, 
in  der  1.  ein  genaues  chronologisches  Untersuchungsprotocoll  und  2.  eine 
systematische^  Zusammenstellung  der  Ergebnisse  stünden.  “ Als  Illustration 
dazu  war  die  Herstellung  einer  „illuminierten  petrographischen  Charte“ 
verlangt.  Die  Farbenscala,  die  Werner  dazu  festlegte,  ist  im  Wesentlichen 
dieselbe,  die  sich  auf  die  neueren  Karten,  namentlich  auf  die  vön  Nau- 
mann fortgeerbt  hat.  Werner  benutzte  Roth  für  feldspathreibhe  Gesteine, 
Grün  für  die  Hornblende-  und  Augitreihe,  Gelb  für  Sandsteinbildungen, 
Blau  für  Kalksteine.  ^ . 

Die  erste  Arbeit  der  „geologischen  Landesuntersuchung“  wurde  am 
19.’ November  1798  von  Wilhelm  Gottlob  Ernst'Becker*)  an  Werner 
eingeliefert.  Das  430  Folioseiten  starke  Manuscript'  entspricht  einiger- 
massen  dem  aufgestellten  Programm,  wenn  auch  die  chronologische  Reihen- 
folge nicht  ganz  inne  gehalten  ist.  Wie  es  .noch  heute  eine  löbliche  Sitte 
unserer  Landesgeologen  ist,  fing  auch  Becker  seinen  Bericht  mit  einer 
allgemeinen  Landschaftsschilderung  an.  Es  handelt  sich  wesentlich  um 
das  Granulitgebirge.  Das  Hauptgestein  führt  der  Werfasser  als  „Gneiss“ 
ein;  doch  gehen  ihm  bei  manchen  AufscMusspunkten  Bedenken  über  die 
Berechtigung  dieses  Namens  bei,  und  so  hilft  er  SicK-ä vielfach  mit  dem 
Ausdrucke  „eine  dem  Gneiss  untergeordnete  GebirgsafPi.  Die'  Granite 
machen  ihm  bisweilen  den  Eindruck  von  später  eingeschalteten  Gang- 
gesteinen; doch  als  echter  Schüler  Werner’s  weist  er  diese  Vermuthung 
selbst  zurück.  „Man  könnte  vielleicht  nur  gedachten  Graiiit  für  einen  Gang 
ansehen  (hier  hat  Werner  ein  grosses  Fragezeichen  an  den  Rand  gemacht); 
aber  nebst  einigen  anderen  Umständen  bestimmen  mich  besonders  seine 
oben  und  unten  sichtbaren  Ablösungen,  denselben  für  ein  eigenes  Gebirgs- 
lager  anzunehmen,  weil  ich  dergleichen  Gänge  in  der  dortigen  Gegend  alle- 
mal fest  mit  den  Nebengesteinen  verbunden  ^gesehen  habe.“  Nach  Be- 
sprechung aller  einzelnen  Aufschlüsse  folgt  ein  zusammenfassendes  Capitel: 
,,Ueber  die  StructUr  der  in  dem  untersuchten  Districte  vorkommenden 
Gebirge“.  Alle  Gesteinsarten  sind  neptunisch  aufgefasst,  auch  der  Porphyr 
Nordsachsens. 

Als  Beigabe  finden  wir  erstens  eine  topographische  Uebersichtskarte 
von  Schenk  (Amsterdam  1749),  auf  der  mit  rother  Tinte  die  einzelnen 
Reisewege  eingetragen  sind  und  zweitens  die  ,, illuminierte  petrogfaphische 

*)  Auf  Höchstem  und  Hohem  Befehle  im  Sommer  d.  J.  gemachte  Geognostische 
Beobachtungen  in  den  Gegenden  von  Haynichen,  Waldheim,  Rochlitz,  Geringswalde, 
Hartha,  Leisnig,  Mügeln,  Lommatsch,  Döbeln  und  Rosswein,  vorzüglich  zu  Auffindung 
dort  vorkommenden  Turfs,  Steinkohlen  und  andern  brennlichen  Fossilien  von  Wilh. 
Gottlob  Ernst  Becker.  Freyberg,  19.  Nov.  1798..  . 


103 


Charte“.  Das  ist  nün  freilich  nichts  weniger,  als  ein  den  wirklichen  Ver- 
hältnissen entsprechendes  hleldblatt.  Man  könnte  naeinen,  die  tadellos 
glatten,  parallelen  Gesteinsgrenzen  seien  mit  dem  Zirkel  construirte  Ellipsen. 
Concentrisch  folgen -auf  einander  Gneüs,  Granit,  Serpentin,  Glimmerschiefer, 
Thonschiefer,  Porphyr.  Pfeile  deuten  das  in  der  Regel  radiale  Schichtenfallen 
an.  Andere  als  „uranfängliche  Gesteine“  kommen  nicht  zur  Darstellung. 

Es  kann  nicht  unsere  Absicht  sein,  in  gleicher  Ausführlichkeit  über  die 
zahlreichen  Arbeiten  zu  berichten,  die  sich  im  Archiv  der  Werner’schen 
Landesuntersüchung  allmählich  anhäuften.  Es  handelt  sich  hier  nur  darum, 
im  Allgemeinen  die  Arbeitsweise  zu  kennzeichnen.  ^ Jedenfalls  ist  das 
ursprüngliche  Programm  nie  streng  durchgeführt  worden.  Die  einzelnen 
Berichte  weichen  in  ihrer  Anordnung,  wie  in  der  Fassung  des  Themas 
wesentlich  von  einander  ab.  So  hatte  z.  B.  Freiesieben*)  nur  die  sehr 
beschräukte' Aufgabe  zu  lösen,  „ob  der  Verkauf  eines  Weinbergs  im  Spiz- 
gründe  einer  künftigen  Benutzung  des  dortigen  Kalkbruches  von  Nachtheil 
sein  könilte“.  Wir  finden  unter  den  Feldgeologen  eine  stattliche  Reihe 
vom  Namen,  die  später  in  der  Bergwissenschäft  einen  bedeutenden  Ruf 
besässen,  z.  B.  Engelbrecht,  Kühn;^  Breithaupt**),  v.  Cotta  u.  a.***). 

Nach  Werner’s  Tode  wurde  die  Direction  der  Landesuntersuchung  vom 
Bergcommissionsrath  Kühn  übernommen,  der  auch  als  Professor  der 
GeognOsie  Werner’s  Nachfolger  war.  Die  Arbeiten  wurden  bis  zum  Jahre 
1880  förtgeführt.  Zu  einer  Publication  der  Resultate  oder  gar  zu  einer 
zusämmenfassenden  Darstellung  derselben  kam  es  jedoch  noch  nicht.  Diese 
Aufgabe  sollte  erst  C.  F.  Naumann  lösen.  Doch  ehe  wir  in  diese  nächste 
Periode  fortschreiten,  seien  noch  einige  Karten  genannt,  die  dem  Werner- 
sehen Archiv  mngehören,  ohne  dass  sich  ihre  Zugehörigkeit  zu  irgend  einem 
Manuscript  erweisen  Hesse.  Am  ältesten  ist  jedenfalls  die  „Carte  von 
Ertzgebürgischen  Creyss  in  Churf.  Sachsen  mit  allen  darinnen  befindlichen 
Aemtern.  ln  Amsterdam  by-P.  Schenk“.  In  dieses  Blatt  sind  handschrift- 
lich mit' a?other  Tinte  die  Ei’zfundorte  und  zwar  mit  alchymistischen  Zeichen 
eingetragen.  Ausserdem  bezeichnen  Bieisti Minien  die  Grenzen  der  Erz- 
bezirke. Jede  Angabe  über  Verfasser  und  Jahr  fehlt;  es  ist  leicht  möglich, 
dass -diese  Karte  von  Werner  bereits  vorgefunden  ist.  Ein  anderes  sehr 
sauber  aüsgeführtes  Blatt  trägt  den  Titel  „Der  Tharandter  Wald  nebst 
denen  denselben  zunächsti' umgebenden  Gegenden.  Freiberg  1800“.  Die 
mit ' Flächencolorit  eingetragenen  Gesteine  sind:  Granit,  Gneuss,  Thon- 
schiefer,  ürtrapp  (—  körniger  Diäbas);  Quarzfels,  Kieselschiefer,  Urkalk- 
schiefer;  Porphyr, -Sandstein,  Sand,^  ^ Flötztrapp.  Pechstein  ist  nicht  an- 
gegeben. Die  Karte  ist  ziemlich  zuverlässig  und  auch  topographisch 
bemerkunswerthv-weil  sie  eine  Anzahl  von  Bergnamen  enthält,  die  auf  den 
jetzigen  Specialblättern  verschwunden  sind.  Recht  interessant  sind  acht 
äneinanderpassende,  aber  verschieden  grosse  Karten,  die  fast  das  ganze 
archäische  Gebiet  des  Erzgebirges  und  das  Elbsandsteingebiet  umfassen. 
Die  mit  Wasserfarben  colorirten  Blätter  tragen  die  Gesteinsnamen  mit 
Bleistift  eingetragen;  Merkwürdigerweise  ist  das  Granulitgebiet  grössten- 


, > *)  Untertkän.  Relation  über  die  zu  Folge  Höchsten  Befehles  vom  29./4.  bis  6./5.  1805 

in  der  Gegend  von  Moritzburg  und  Roswig  gehabte  mineralogisch-bergmännische  Expedition. 

**)  Rreithäupt’s  Arbeit  zeichnet  sich  durch  eine  prächtige  Karte  mit  peinlich  sauberer 
Terraindarstellung  in  Lehmann’scher  Manier  aus. 

***>  Die  Namen  sind  sämmtlich  (nebst  Archivnummer  der  Relationen)  bei  Naumann: 
„Geognost.  Beschreibung  des  Königreichs  Sachsen“  zu  finden. 


104 


theils  weiss  gelassen,  obgleich  die  Karte  bis  Rosswein  reicht;  auch  das 
Elbthalschiefergebirge  zeigt  grosse  Lücken.  Am  besten  sind  die  Granit- 
gebiete von  Eibenstock  und  Kirchberg  dargestellt,  um  die  sich  deutlich 
als  schmaler  Streifen  der  Contacthof  abhebt,  ohne  dass  natürlich  irgend 
welche  genetische  Andeutung  gemacht  wäre.  Leider  fehlt  auch  hier  jede 
Angabe  des  oder  der  Autoren.  Nur  aus  den  Thatsachen,  dass  der  seit 
1788  getaufte  „Syenit“  des  Plauenschen  Grundes  bereits  angegeben  ist 
und  dass  die  Blätter  im  Catalog  der  oben  erwähnten  Karte  vom  Jahre  1800 
vorausgehen,  lässt  sich  schliessen,  dass  die  Abfassung  zwischen  die  beiden 
genannten  Termine  fällt. 

Werner’s  Schüler. 

Werner’s  Auftreten  als  Lehrer  hatte  so  befruchtend  auf  die  geologische 
Wissenschaft  gewirkt,  dass  die  Litteratur  von  diesem  Zeitpunkte  an  mächtig 
anschwillt,  liebte  zunächst  auch  des  Meisters  Autorität  etwas  lähmend 
auf  die  freie  Entwickelung  der  Meinungen,  so  erhob  sich  nach  seinem 
Tode  bald  ein  frischer  Kampf  der  Geister,  der  bisweilen  zwar  etwas  hef- 
tige Formen  annahm,  die  Klärung  der  geologischen  Probleme  aber  rasch 
förderte.  Aus  der  Fluth  der  Neuerscheinungen  über  die  geologischen  Ver- 
hältnisse Sachsens  heben  wir  nur  das  Wichtigste  heraus. 

1805  lieferte  Chr.  Aug.  Engelbrecht  eine  „Kurze  Beschreibung  des 
Weisssteins,  einer  im  geognostischen  System  bis  jetzt  unbekannt  gewesenen 
Gebirgsart“.  Der  Verfasser  hatte  seiner  Zeit  bei  der  Kartirung  des  Weiss- 
steingebietes theilgenommen,  aber  vor  Beendigung  des  Protocolls  Freiberg 
verlassen.  Wir  erfahren,  dass  schon  1798  Werner  das  neue  Gestein  Weiss- 
stein getauft  und  für  eine  Anomalie  des  Gneisses  oder  Glimmerschiefers 
erklärt  habe.  Engelbrecht  sucht  im  Gegensatz  dazu  den  Weissstein  als 
einfache  Gebirgsart  anzusprechen. 

Im  selben  Bande  von  Moll’s  Annalen*)  finden  wir  eine  Arbeit  des  „tief- 
eindringenden“ Friedrich  Mohs  (geh.  1770,  gest.  1839)  über  „den  neuen 
Granit  im  sächsischen  Erzgebirge“.  Er  bricht  darin  mit  der  alten  An- 
schauung, dass  der  Granit  das  eigentliche  Urgebilde  sei  und  unterscheidet 
einen  neuen  Granit,  der  jünger  sein  müsse,  als  Thonschiefer,  z.  B.  der 
Ganggranit  von  Johanngeorgenstadt,  der  Granit  von  Geyer  und  dem  Greifen- 
stein. Zwar  hält  er  immer  noch  an  der  neptunischen  Entstehung  des  Granits 
fest;  aber  er  bemerkt  die  eigenartige,  stets  ungleichförmige  Lagerung, 
in  Gängen  oder  übergreifend,  die  durchaus  analog  der  neueren  Porphyr- 
und  Flötztrappformation  ist.  Er  schliesst  daraus  auf  eine  „unruhige, 
tumultuarische  Bildung“  **). 

Werthvolle  Aufschlüsse  verdanken  wir  den  gemeinsamen  Reisen  Karl 
V.  Raumer’ s***)  und  Moritz  v.Engelhardt’s,  die  Ersterer  im  Jahre  1808 
verarbeitete  und  — nachdem  die  betreffenden  Gegenden  nochmals  in  Ge- 
meinschaft mit  Rudolph  v.  Przystanowski  bereist  worden  waren  — 

*)  Annalen  der  Berg-  und  Hüttenkunde.  Herausgegeben  von  Carl  Erenbert 
Freih.  v.  Moll,  3.  Band.  Salzburg  1805,  S.  311—326. 

**)  a.  a.  0.,  S.  326—365. 

***)  K.  V.  Raumer  ist  1783  in  Wörlitz  geboren;  er  studirte  zunächst  Jura,  ging 
später  zu  Werner,  trug  sieb  aber  mehr  mit  philosophischen  Problemen,  als  mit  minera- 
logischen Studien.  Wegen  seiner  „Fragmente“  wurde  er  als  Professor  der  Mineralogie 
nach  Breslau  berufen.  Nach  den  Kriegsjahren  wurde  er  nach  Halle  versetzt ; 1823  war 
er  Privatlehrer  in  Nünberg,  1827  Professor  in  Erlangen,  wo  er  1865  starb.  Er  war  ein 
ebenso  geschätzter  Schulmann  wie  Geolog.  _ 


105 


1811  veröffentlichte*).  — K.  v.  Raumer  untersucht  darin  die  Granite  und  Sye- 
nite des  östlichen  Erzgebirges  genauer  und  kommt  zu  dem  Ergebniss,  dass 
diese  beiden  Gesteine  nicht  die  ältesten  seien,  sondern  dass  sie  stellen- 
weise den  Gneiss  und  Schiefer,  ja  sogar  das  üebergangsgebirge  überlagern. 
Die  beigegebene  Kartenskizze  ist  deshalb  von  Interesse,  weil  sie  ausser 
dem  Fallen  auch  das  Streichen  der  Schichten  zur  Darstellung  bringt. 

Auch  das  sächsische  Weisssteingebirge  wurde  durch  v.  Raumer  unter- 
sucht und  daraufhin  1808  von  Engelhardt  kartirt.  Doch  wurde  diese 
Karte  erst  1819  nebst  einem  kurzen  Text  als  Zugabe  zu  einer  Arbeit  über 
Schlesien  der  Oeffentlichkeit  übergeben**).  Es  heisst  in  dem  Text:  „Ver- 
schiedene Schiefer  folgen  in  gleichförmiger  Lagerung  dem  Weissstein,  welcher 
deutlich  in  sie  übergeht.  Sie  constituiren  mit  ihm  eine  eigene  Gebirgs- 
partie.  In  der  Mitte  dieser  Partie  liegt  der  Weissstein  mit  mehreren  ihm 
untergeordneten  mächtigen  Lagern  von  Serpentin.  Um  den  Weissstein  bilden 
die  Schiefer,  indem  sie  sich  gleichmässig  mit  dessen  äussersten  Schichten 
wenden  und  wie  sie  von  der  Mitte  rings  nach  allen  Weltgegenden  ab  fallen, 
einen  vollkommen  geschlossenen  Mantel“.  Die  ausgesprochene  Ansicht  deckt 
sich  also  wesentlich  mit  der  von  der  jetzigen  Landesuntersuchung  bisher  ver- 
tretenen. Das  Kartenbild  ist  ebenfalls  im  Ganzen  dem  heutigen  entsprechend. 
Die  Schwierigkeit  in  der  Darstellung  der  Grenze  gegen  das  Hainichener 
Zwischengebirge  hat  der  Autor  selbst  empfunden  und  daher  seine  Darstellung 
als  verbesserungsbedürftig  bezeichnet.  Ebenso  zeigen  sich  im  Gebiete  der 
Zwickauer  Mulde  starke  Abweichungen  gegen  die  heutige  Linienführung. 

Noch  ein  Schüler  Werner’s,  der  Schwede  Heinr.  Ohr.  Ströhm***),  tritt 
in  dem  Streit  um  das  Alter  der  Granite  auf  und  zeigt,  dass  bei  Freiberg 
Ganggranite  das  Schiefergebirge  durchsetzen,  also  jünger  sein  müssen. 
Und  da  der  Granit  überhaupt  oft  gangförmig  sei,  könne  er  nach  Ströhm’s 
Meinung  gar  nicht  als  Glied  der  alten  Schieferformation  betrachtet  werden, 
sondern  verhalte  sich  wie  ein  Porphyr. 

Unter  den  Kartographen  der  Periode  müssen  wir  Adolph  Schippan 
nennen,  der  nach  Werner’s  Tode  verpflichteter  Rathsgeometer  und  Privat- 
lehrer des  topographischen  Zeichnens  in  Freiberg  war.  Er  hat  zwei 
geognostische  Karten  in  sauberster  Terrainzeichnung  von  der  Umgegend 
von  Freiberg  und  Bräunsdorf  entworfen  f).  Die  geologische  Darstellung 
umfasst  nicht,  wie  damals  meist  üblich,  nur  die  Urgesteine,  sondern  be- 
rücksichtigt auch  Thon,  Sand,  Lehm,  Grus,  Torflager,  ja  selbst  die  unter- 
irdisch nachgewiesenen  Kalkpartien.  Die  Gesteinsgrenzen  sind  farbig  ein- 
getragen; auf  den  weissen  Flächen  dienen  als  Hilfen  verschiedene  Zeichen: 
Rechtecke,  Dreiecke,  Linien-  und  Punktsysteme. 


*)  Karl  V.  Raumer:  Geognostische  Fragmente.  Mit  einer  Charte.  Nürnberg, 
Job.  Leonh.  Schräg  1811. 

**)  Das  Gebirge  Nieder-Schlesiens,  der  Grafschaft  Glatz  und  eines  Theils  von  Böhmen 
und  der  Oherlausitz  geognostisch  dargestellt  durch  Karl  v.  Raumer.  Mit  2 Karten. 
Berlin,  G.  Reimer  1819.  Darin  S.  154:  Der  Weissstein  des  nordwestlichen  Erzgebirges 
und  die  ihn  umlagernden  ürschiefer. 

***)  Mineralogisches  Taschenbuch  von  1814. 

t)  Geognostisch -bergmännische  Karte  der  Umgegend  von  Freiberg  im  K.  S.  Erz- 
gebirge. Entworfen  u.  gezeichnet  1817  u.  1818  v.  Heinr.  Adolph  Schippan,  gestochen 
von  F.  Hajeck  1822.  Dresden,  Amoldische  Buchh,  1823. 

Geognostisch -bergmännische  Karte  der  Umgegend  von  Bräunsdorf,  Riechberg, 
Seifersdorf  u.  s.  w.  im  K.  S.  Erzgebirge.  Geognostisch  untersucht,  entworfen  u.  litho- 
graphirt  v.  H.  A.  Schippan  1825.  Freiberg,  Craz  u.  Gerlach. 


Wir  wollen  dieses"^  Cäpitel  mit  einer  Würdigung -des  Marines  schliessen, 
der  bis  an  sein  'Lebensende  der  treueste  ; Schüler  Werner’s  geblieben  ist 
und  am  meisten^  zur  Verbreitung  von  dessen  Ideen  beigetragen  bat:  Job. 
Karl  Freiesieben.  Derselbe  ist  als  Abkömmling  eirier  alten  Berg- 
mannsfamilie» in  Freiberg  geboren.  1790 — 92  besuchte  er  als  besonderer 
Günstling  Werner’s  die  Bergacademie,  Ü792—  94  die  Universität  Leipzig. 
Auf  seinen  Reisen^  imiL^Leopold  von  Büch  .^  Alexander  von  Humboldt  und 
von  Schlotheim  erweiterte  er  seinen:  Blick.  ; 1796  war  er  Bergamtsassessor 
in  M^irienbergv  1799  Bergmeister. in  idohanngeorgenstadt,  1800  Director 
der  Mansfelder  Kupferwerke.  .Nach  Werrier’s  Tode  wurde  er  niit  der 
Ordnung  von  Werner’s  bedeutendem  .Nachlasse  betraut  und  übernahm  bald 
darauf  die  Verwaltüng  .der  Freiberger  Sammlungen.  Diese  Thätigkeit  und 
sein  eigener  grosser  Sammeleifer  verschämten  ihm  einen  Ausserordentlichen 
üeberblick  über  die.  gesainmte  mineralogische  Litteratur  undjeine  hervor- 
ragende Kenntniss  der  Fundorte.  : Auf  diesem  Gebiete  liegt  auch  seine 
Hauptbedeutung  für 'die  Geologie  rSächserisl  ^ denn  jvon  “seinen  epoche- 
machenden Arbeiten;  über  die  Dyas»  des  Südharzes  müssen  wir  hier  abseheh. 
In  seinen  „Beiträgen  zur  mineralogischen  Kenntniss  von  SachsenMi,(FreiT 
berg  1817)  giebt  er  eine  ^grosse  Zahl  von  - kritischen  Einzelmittheilungeü. 
Welch  ungeheuere  Litteratur ’Lreiesleben  aber  gesichtet  hat,  wird  uns  am 
besten  beim  Dürchbliet  der  12  Bände  des  Magazins  für  die  Oryktographie 
von  Sachsen“  klär J).,.  Wlas  Hoffmann  vierzig  Jahre  früher  geleistet  hatte: 
eine  mineralogische  Ergänzung  zmüem  geologischenuGesammtbilde. Sachsens, 
das  war  auch  der  Plan  Freieslebän’s.  iDie  Früchte  einesi Jahrzehnte  langen 
Sammelns  = werden  uns  hier  worgelegt:  reine  üebersieht  aller.  Mineralfund^ 
orte  Sachsens,  NotizemJiber  rtechnische  Verwhrthung  derselbeni  vor  Allem 
aber  ein  Litteraturverzeichniss,  das  wohll  Alles. enthält,  was  seit  Kentmann 
über  sächsische  üMineralien  püblicirt,  worden 5 ist.  Es  ist  ' kaum  glaublich, 
wie  gewaltig  die  Kleinlitteratur  überdiesen  Gegenstand  schon  angeschwollen 
ist;  finden  wir.  doch;  allein  ^überAäcWsche  Quarze  gegen  .500  - und.  über 
den  Bergkrystall  insbesondere  mehr r als  200  Quellenangaben!  So  schuf 
Frejesl^en  ein  bibliographisches  Wertüber  ^ die  Mineraltopographie  Sachsens 
wie  es  in  gleicher 'Vollständigkeit  _wohl  :kein  Land  der  Erde  besitzt.  Sein 
langes  Leben  beschloss  er  mit/einerubedeutsamen  Abhandlung  „über  die 
sächsischen  Erzgänge“  (Freiberg  1843  — 45)f  Er. starb  1846  auf  einer  Reise 
in  Niederauerbach,  die -letzte’ Stütze  der  Werner’schen' Schule  — zu  einer 
Zeit,  da  der  Neptunismus  längst  YomkVulcariisirius  abgelöst  war  und  die 
Ansichten  sich  bereits  . :zu  einem  rriihigereri  Fahrwasser  durchgerungen 
hatten*) **).  ' 

*)  Magazin  für  die  Oryktographie  von  Sachsen.  Ein  Beytrag  zur  miheralogischeri 
Kenntniss  dieses  Landes  und  zur  Geschichte  seiner  Mineralien.  In  freyen  Heften  heraus- 
gegehen  von  Joh  Karl  Freiesiehe n.  1.  Heft  1828,  Freyberg,  Craz  u.  Gerlach.  . 

**)  Ein  Verzeichniss  der  Litteratur  von  1800—1816  gieht  das  „Neue  bergmännische 
Journal,  herausgegehen  von„C.  A.  S.  Hof f mann‘V  4.  (letzter)  Band,  Freiberg  1816,  S.488. 

Weitere  Arbeiten  über  Sachsen  von.  Werner’s  Schülern  nennt  Ke  f er  stein:  Ge- 
schichte und  Litteratur  der  Geognosie.  Halle  1840,  S.  228.  . 

Zusammenstellungen  von  Mineralienfündorten  aus  der  Werner’schen  Periode  siehe 
Carl  Friedr.  Mosch:  Sachsen  historisch  - topographisch  - statistisch  und  mit  natur- 
historischen Bemerkungen..  Dresden  u.  Leipzig,.  Steinacker  1816;  : \ 

Vollständiges  Staats-,  Post- und  Zeitungslexikon  von  Sachsen;  enthaltend  eine  richtige 
und  ausführliche  geographische,  topographische  und  historische  Darstellung  aller  Städte, 
Flecken,  Dörfer,  Schlösser,  Höfe,; Gebirge,  Wälder,  Seen,  Flüsse  etc.  Verfasst  von 
August  Schumann.  2.  Band,  Zwickaü  1815. 


107 


Periode  der  Zusammenfassung. 

So  lange  Werner  lebte,  hatte  er  eine  grosse  Schaar  Anhänger,  die 
ihm  blindlings  folgten.  Nur  die  gereiftesten  seiner  Schüler  wagten  es,  an 
den  aufgestellten  Dogmen  zu  zweifeln.  Nach  seinem  Tode  erlosch  dieser 
unheilvolle  Autoritätsglaube;  man  begann  einzureissen  und  aufzubauen. 
Aber  die  geologische  Wissenschaft  war  jetzt  kritischer;  sie  kämpfte  mit 
schärferen  Waffen;  allmählich  öffneten  sich  der  gereiften  Schwester  die 
Thore  der  Universität.  An  Stelle  des  einen  Centrums  der  Bergacademie 
traten  nun  mehrere,  die  in  regem  Wettbewerb  standen. 

Hand  in  Hand  mit  dieser  kritischen  Mauserung  der  Geologie  ging 
noch  eine  andere  Strömung.  Je  mehr  sich  der  Stoff  häufte,  je  schwieriger 
für  den  Einzelnen  die  Orientirung  wurde,  um  so  mehr  empfand  man  das 
Bedürfniss  der  Zusammenfassung  und  Schematisirung.  Was  Werner  der 
allgemeinen  Mineralogie  und  Geognosie  gegeben  hatte,  ein  System,  das 
erstrebte  das  nächste  Zeitalter  für  die  topographische  Geologie.  Man 
brauchte  Uebersichtskarten  und  übersichtliche  Länderbeschreibungen.  Der 
Erste,  der  es  wagte,  ganz  Deutschland  als  geologisches  Ganzes  zu  behandeln, 
war  Keferstein,  eine  heute  fast  vergessene  Persönlichkeit. 

Christian  Keferstein  (geboren  1784  in  Halle)  war  ursprünglich 
Advocat.  Erst  1835  gab  er  den  Staatsdienst  auf,  um  sich  als  Dilettant 
der  Mineralogie  zu  widmen.  Im  Umgänge  mit  K.  v.  llaumer  vertiefte  sich 
sein  Wissen,  er  begann  ßeisen  zu  machen  und  trug  von  diesen  ein  gross- 
artiges Material  zusammen,  namentlich  über  Deutschland.  Im  Streite  um 
die  Genesis  des  Basaltes  suchte  er  zwischen  Werner  und  seinem  vulcanisti- 
schen  Gegner  Voigt  zu  vermitteln,  indem  er  den  Basalt  durch  eine  Art 
Gährung  in  der  Tiefe  entstehen  und  durch  x4ufblähung  emporsteigen  Hess. 
1820  begann  er  mit  Meinecke  das  Taschenbuch  für  Mineralogie  heraus- 
zugeben, und  bald  darauf  ging  er  an  den  kühnen  Plan,  ganz  Deutschland 
auf  220  geologischen  Blättern  zu  kartiren.  Schon  1821  erschien  die 
Uebersichtskarte,  der  bald  Karten  einzelner  Landstriche  folgten.  Als  Text 
dazu  schrieb  er  eine  Geologie  von  Deutschland*)  in  Form  einer  freien 
Zeitschrift.  Das  System,  das  er  darin  zu  Grunde  legt,  weicht  etwas 
vom  Werner’schen  ab.  In  die  Gneussformation  rechnet  er  noch  immer 
den  Granit  und  Porphyr,  ferner  den  Syenit,  Gabbro,  Weissstein,  Horn- 
blendeschiefer, Kalk,  Grünstein  u.  A.  Die  einzige  vulcanische  ,, Formation“ 
umfasst:  Basalt,  Klingstein,  Trachit,  Dolerit,  Wacke,  Trass.  Schlacken, 
Bimsstein. 

Die  Beschreibung  Sachsens  finden  wir  im  2.  Hefte  des  2.  Bandes. 
Keferstein  gliedert  das  Land  in  folgende  Gebiete : 

1.  Sächsisch-böhmisches  Erzgebirge. 

2.  Sächsisches  Schiefergebilde. 

3.  Sächsisches  Porphyr-  und  Steinkohlengebilde. 

4.  Die  das  sächsische  Gebirge  umgebende  Ebene  mit  Lausitz,  Sächsischer 
Schweiz  und  dem  Basaltgebilde,  das  ganz  Sachsen  durchzieht.  Den  Weiss- 
stein stellt  er  dem  Glimmerschiefer  nahe,  unterscheidet  aber  auch  den 


*)  Teutschland , geognostisch  - geologisch  dargestellt,  mit  Charten  und  Durch- 
schnittszeichnungeii,  welche  einen  geologischen  Atlas  bilden.  Eine  Zeitschrift,  heraus- 
gegeben von  Ch.  Keferstein.  Weimar.  1.  Band  1821  (3.  Band  mit  der  Karte  von 
Sachsen  1824). 

* 


108 


Fruchtschiefer  und  „geschichteten  Granit“.  Das  sächsische  Schiefergebirge 
mit  seinen  Kieselschiefern,  Grauwacken,  Grünsteinen  und  Kalken  vergleicht 
er  mit  dem  Harz.  Im  ,, Steinkohlengebilde“  werden  Kohlensandstein  und 
Schieferthon  unterschieden.  Auch  der  „Alpenkalk“  von  Mügeln  findet 
Erwähnung. 

Wichtiger  als  der  Text  ist  für  uns  die  Karte,  die  dem  3.  Bande  bei- 
gegeben ist*).  (Maassstab  1 : 350000).  Die  Weiland’sche  topographische 
Unterlage  ist  nicht  viel  werth;  die  Berge  des  Erzgebirges  gleichen  fast 
alle  Tafelbergen,  die  Tiefe  der  Thäler  erscheint  stark  übertrieben.  Die 
geologische  Farbentafel  verdankt  Keferstein  keinem  Geringeren  als  Wolf- 
gang v.  Goethe,  der  sich  für  das  Unternehmen  sehr  interessirte  und  den 
der  Autor  als  grossen  Farbenkenner  um  Rath  gefragt  hatte.  Goethe 
erzählt  uns  selbst  über  die  ästhetischen  Grundsätze,  die  ihn  bei  der  Farben- 
wahl geleitet  haben**).  „Man  suchte  nur  die  Aufgabe  zu  lösen,  dass  der 
Eindruck,  welcher  immer  bunt  bleiben  musste,  entschieden  bedeutend  und 
nicht  widerwärtig  wäre.  Der  Hauptformation,  welche  Granit,  Gneis,  Glimmer- 
schiefer mit  allen  Abweichungen  und  Einlagerungen  enthält,  ertheilte  man 
die  Carminfarbe,  das  reinste,  schönste  Roth;  dem  unmittelbar  anstossenden 
Schiefer  gab  man  das  harmonirende  reine  Grün;  darauf  dem  Alpenkalk 
das  Violett,  auch  dem  Rothen  verwandt,  dem  Grünen  nicht  widerstrebend. 
Den  rothen  Sandstein,  eine  höchst  wichtige,  meist  nur  in  schmalen  Streifen 
erscheinende  Bildung,  bezeichnete  man  mit  einem  hervorstechenden  Gelb- 
roth;  den  Porphyr  andeuten  sollte  die  bräunliche  Farbe,  weil  sie  überall 
kenntlich  ist  und  nichts  verdirbt.  Dem  Quadersandstein  eignete  man  das 
reine  Gelb  zu,  dem  bunten  Sandstein  ein  angeröthetes  Chamois;  dem 
Muschelkalk  blieb  das  reine  Blau,  dem  Jurakalk  ein  Spangrün,  und  zu- 
letzt ein  kaum  zu  bemerkendes  Blassblau  der  Kreidebildung.  — Wird  nun 
der  intentirte  geognostische  Atlas  auf  solche  Weise  durchgeführt,  so  wäre 
zu  wünschen,  dass  die  Freunde  dieser  Wissenschaft  sich  vereinigten  und 
dieselben  Farben  zu  Bezeichnung  eben  desselben  Gesteins  an  wendeten,  wo- 
raus eine  schnellere  Uebersicht  hervorträte  und  manche  Bequemlichkeit 
entstünde,“ 

Leider  hat  Keferstein  nicht  gehalten,  was  Goethe  von  ihm  erhoffte, 
weder  in  der  ästhetischen  Ausführung,  noch  in  der  sachlichen  Zuverlässig- 
keit. Die  handcolorirte  Karte  von  Sachsen  zeigt  merkwürdige  Fehler.  So 
bedeckt  das  Quadersandsteingebirge  den  grössten  Theil  des  Lausitzer  Pla- 
teaus ; der  Granit  zieht  sich  nur  in  schmalen  Streifen  von  Radeberg  nach 
Königswartha,  über  Sebnitz  und  längs  des  Spreethaies,  und  dies  Alles,  ob- 
wohl der  Text  die  Grenzen  ganz  richtig  wiedergiebt.  Die  Lausitzer  Grau- 
wacke fehlt  vollständig.  Der  längst  bekannte  Bärenstein,  der  Basalt  von 
Wiesenthal  ist  nicht  angegeben;  der  Greifenstein  ist  als  Schiefer  bezeichnet. 
Die  Sandsteine  bei  Tharandt  und  Dippoldiswalde,  die  schon  1800  richtig 
umgrenzt  waren,  fehlen.  Die  Gegenden  von  Moritzburg,  Radeberg,  Königs- 
brück und  am  Keulenberg  sind  weiss  gelassen.  Wer  Keferstein  aus  seiner 
trefflichen  Geschichte  der  Geognosie  kennt,  kann  kaum  annehmen,  dass 


*)  Greneral-Cliarte  von  dem  Kgr.  Sachsen  nach  den  besten  vorhandenen  Hülfsmittelu 
und  nach  den  neusten  äusseren  und  inneren  Begränzungen  entworfen  von  C.  F.  Wei- 
land. Weimar,  im  Verl,  des  geogr.  Instituts  1824.  Keferstein’s  geognost.  Atlas, 
Tafel  12. 

**)  Goethe ’s  Sämmtliche  Werke.  Cotta’sche  Ausgabe*  Band  IX,  S.  553. 


109 


der  Verfasser  alle  diese  Dinge  nicht  gewusst  habe.  Fast  möchte  man 
glauben,  dass  es  sich  nur  um  schlechtes  Copiren  einer  Originalkarte 
handelte. 

Eins  zeigte  freilich  ausserdem  Keferstein’s  ganzer  kartographischer 
Versuch  unumstösslich:  ein  derartiges  Unternehmen  war  für  einen  Mann 
zu  riesengross  und  in  der  damaligen  Zeit  unmöglich  befriedigend  durch- 
zuführen. Dazu  fehlten  noch  die  Detailbeschreibungen  für  zu  viele  Ge- 
genden Deutschlands. 

Selbst  ein  Leopold  von  Buch*)  konnte  dies  Ziel  nicht  erreichen. 
Jener  Heros  der  Geologie  (geb.  1774  auf  Schloss  Stolpe,  gest.  1852  in  Berlin), 
der  auf  jedem  Gebiete  thätig  war,  der  einen  grossen  Theil  Europas  aus 
eigener  Anschauung  kannte,  der  durch  seine  Theorie  der  Erhebungskratere 
eine  neue  vulcanistische  Aera  begründete,  beschloss  seine  geologische 
Thätigkeit  ebenfalls  mit  der  Herausgabe  einer  geognostischen  Karte  von 
Deutschland**). 

Dieses  Werk  erschien  seit  1826  bei  Simon  Schropp  in  Berlin  ohne 
Angabe  des  Bearbeiters.  Es  besteht  aus  39  Blättern  (dazu  3 Füllblätter 
mit  Titel,  Farbentafel  etc.),  umfasst  noch  weite  Theile  von  England,  Frank- 
reich, Norditalien,  Oesterreich -Ungarn  und  besitzt  einen  Maassstab  von 
1 : 1088000.  Die  Farbentafel  weist  nicht  weniger  als  47  verschiedene 
Gesteinsarten  auf.  Friedr.  Hoffmann  urtheilt  über  die  Karte:  ,,Sie  ist 
nächst  der  durch  die  Bemühungen  der  geologischen  Societät  von  England 
herausgegebenen  bei  weitem  das  vollkommenste  geognostische  Bild,  welches 
wir  von  einem  gleich  grossen  bekannten  Theil  unserer  Erdoberfläche  be- 
sitzen“. Auch  der  sächsische  Antheil,  der  sich  grösstentheils  auf  „Section 
Dresden“  dargestellt  findet,  weist  einen  für  die  damalige  Zeit  hohen  Grad 
von  Genauigkeit  auf  Das  Archaicum  mit  seinen  Granit-  und  Porphyr- 
einschaltungen, das  Steinkohlengebiet,  die  nordsächsischen  Porphyre,  der 
Buntsandsein,  der  „Muschelkalk“  von  Mügeln  sind  angegeben.  Nur  die 
Grauwacke  fehlt.  In  der  Lausitz  ist  dieselbe  zum  Granit  geschlagen,  bei 
Oschatz  als  Thonschiefer  bezeichnet.  Der  Pläner  des  Elbsandsteingebiets 
führt  den  Namen  „Kreide“.  Die  Karte  von  Buch’s  erlebte  nach  der  An- 
gabe von  Zittel  bis  1843  fünf  Auflagen,  gewiss  ein  Beweis  für  ein  vor- 
liegendes Bedürfniss  und  die  Brauchbarkeit. 

Trotzdem  gab  derselbe  Verlag  kurze  Zeit  darnach  ein  ähnliches  Werk 
heraus,  das  mehr  Einzelheiten  zu  bringen  bestimmt  war.  Der  bereits 
früher  als  Historiker  genannte  Friedr,  Hoffmann  (geb.  1797,  gest.  1836 
als  Professor  der  physikalischen  Erdkunde  in  Berlin)  hatte  seit  1820  den 
Harz  und  das  Tiefland  Nordwestdeutschlands  genauer  untersucht  und  die 
Ergebnisse  seiner  Forschungen  1830  in  einer  Karte  zu  21  Blatt  (nach 
Zittel  24)  niedergelegt.  Nach  Hoffmann’s  Tode  beabsichtigte  die  Firma 
Simon  Schropp  u.  Comp,  unter  Benutzung  desselben  Maassstabes  eine 
Kartirung  des  im  Westen  anstossenden  Rheinlandes  und  vor  Allem 
ganz  Südostdeutschlands  anzuschliessen.  Die  Publication  begann  im  Jahre 
1836.  Das  Ueb  er  sichtsblatt  führt  48  (nicht  wie  im  Titel  angegeben  50) 


*)  Leopold  V.  Buch’s  Gesammelte  Schriften.  Herausgegehen  von  J.  Ewald, 
J.  Roth,  H.  Ecl^  und  W.  Dames.  Berlin,  Georg  Reimer  1867—1885. 

**)  Geognp^tische  Karte  von  Deutschland  und  den  umliegenden  Staaten  in  42  Blättern. 
Nach  den  vorzüglichsten  mitgetheilten  Materialien  herausgegehen  von  Simon  Schropp 
u.  Comp.  Berlin  1826. 


110 


neue  Sectionen  auf,  von  denen  aber’  scblie’sslich  nur  25  fertiggestellt 
wurden*). 

Auch  Sachsen  ist  unvollendet  geblieben.  Sowohl  der  Norden  (Section 
Leipzig,  Grossenhain,  Spremberg),  als  auch  der  Süden  (Section  Plauen, 
Zwickau,  Eger,  Teplitz)  fehlt.  Nur  drei  Blatt  sind  (wenigstens  in  der 
Ereiberger  Bibliothek)  vorhanden,  nämlich:  1.  Penig,  entworfen  und  ge- 
zeichnet von  H.  Berghaus  1816,  gestochen  von  Jäck;  2.  Zittau,  entworfen 
und  gezeichnet  von  Lieutenant  Fils  1830 — 34,  gestochen  von  Heinr.  Brose; 
3.  Dresden,  gestochen  von  Jäck,  ohne  Zeichnernamen  und  Jahreszahl. 
Alle  drei  Blätter  zeichnen  sich  durch  Angabe  von  ziemlich  viel  Einzelheiten 
aus,  so  dass  man  annehmen  muss,  die  Autoren  haben  die  Manuscriptkarten 
des  Freiberger  Archivs  benutzen  können.  Namentlich  Blatt  Penig  kenn- 
zeichnet sich  durch  gute  Linienführung.  Auf  Blatt  Dresden  sind  einige 
Flüchtigkeitsfehler,  die  vielleicht  beim  Copiren  der  Freiberger  Concepte 
entstanden  sind  (z.  B.  Unterbrechung  des  Gneisszuges  durch  Granit  bei 
Klotzsche,  Verwechselung  des  Buntsandsteins  mit  Quadersandstein).  In 
Ostsachsen  sind  fälschlich  mehrere  Syenitaufschlüsse  angegeben  und  der 
Töpfer  unter  die  Basaltberge  versetzt.  Selbstverständlich  ’ ist  auch  die 
Sonderung  von  Basalt  und  Phonolith  nicht  hinreichend  durchgeführt. 

Der  dritte  zusammenfassende  Geognost  neben  Keferstein  und  v.  Buch 
war  Ami  Boue  (geh.  1794  in  Hamburg,  studirte  in  Schottland  Medicin, 
später  in  Paris  Naturwissenschaften;  er  war  ein  Mitbegründer  der  Societe 
geologiqüe  de  la  France,  starb  1881  in  Vöslau).  Seine  ausgedehnten  Reisen 
in  Deutschland,  Frankreich,  Oesterreich,  Italien,  der  Balkanhalbinsel,  seine 
internationalen  wissenschaftlichen  Beziehungen  machten  es  ihm  möglich, 
auch  grosse  Gebiete  zu  bearbeiten.  Schon  1822  erschien  von  ihm  eine 
Abhandlung  ,, Memoire  geologiqüe  sur  FAllemagne^S  in  der  er  die  deutschen 
geognostischen  Verhältnisse  mit  denen  Englands  verglich.  Fernere  Arbeiten 
in  den  ,,Annales  d’histoire  nat.“  von  1824  und  eine  Darstellung  der  Alpen- 
gesteine (Annales  des  Mines  1824)  bildeten  die  Grundlage  zu  seinem 
Hauptwerke**),  das  von  C.  C.  v,  Leonhard  ins  Deutsche  übersetzt  worden 
ist.  Boue  liefert  keine  Länderkunde;  er  geht  formationsweise  vor,  stellt 
allgemeine  Sätze  auf  und  begründet  diese  aufs  vielseitigste  durch  Beispiele 
aus  Deutschland  oder  durch  Vergleiche  mit  anderen  Ländern.  Es  ist  in 
Folge  dessen  ziemlich  umständlich,  seine  Ansichten  über  Sachsen  heraus- 
zufinden. Fr  ist  ein  scharfer  Gegner  des  Neptunismiis  und  tritt  vor  Allem 
für  die  Gangnatur  der  Granite  und  für  die  Eruptivität  der  Porphyre  ein. 
„Mehr  als  ein  deutscher  Gebirgsforscher  hat  gegenwärtig  die  üeberzeugung 


*)  Unter  dem  Titel:  Geognostische  Charte  von  Sachsen,  Schlesien,  einem  Theile 
Böhmens  nnd  der  Bheinlande  in  50  Blättern.  Zur  östlichen  und  westlichen  Erweiterung 
der  geognostischen  Charte  vom  nordwestlichen  Deutschland  des  Prof.  Friedr.  Hoffmann. 
Berlin,  bei  Simon  Schropp  et  Comp.  1836. 

ln  Bezug  auf  die  beiden  zuletzt  besprochenen  Karten  herrscht  in  der  Litteratur, 
in  Bibliothekscatalogen  und  Bibliographien  eine  unglaubliche  Verwirrung.  Durch  Schreib- 
fehler, unvollständige  Wiedergabe  der  Titel  sind  eine  ganze  Anzahl  scheinbar  verschiedener 
Kartenwerke  daraus  geworden.  Als  Autoren  für  die  letzte  Karte  gelten  z B.  Schropp, 
Hoffmann,  von  Buch,  Fils,  Vogel  von  Falckenstein.  (Die  letzten  Beiden  waren  nur  als 
Zeichner  bei  einigen  Sectionen  beschäftigt.)  Als  Kartenzahl  finden  wir  24,  42,  50. 
Einzelne  Sectionen,  z.  B.  Dresden,  werden  als  besondere  Werke  behandelt.  Schliesslich 
werden  auch  die  Publicationsjahre  beider  Karten  verwechselt. 

**)  Ami  Boue:  Geognostisches  Gemälde  von  Deutschland  Mit  Rücksicht  auf  die 
Gebirgs- Beschaffenheit  nachbarlicher  Staaten.  Herausgegeben  von  C.  C.  v.  Leonhardt. 
Mit  8 Steindrucktafeln.  Frankfurt  a.  M.  1829. 


111 


erlangt,  dass  nie,  selbst  nicht  vor  den  Thoren  von  Freiberg,  geschichteter 
Gneiss  als  vollkommen  mantelförmige  Ueberlagerung  einer  Granitmasse 
gesehen  worden“.  „Man  kann  nicht  genug  erstaunen,  dass  man  nicht 
Ganggranite  als  spätere  Ausfüllung  im  Thonschiefer  ansieht,  wo  man  doch 
dieselbe  Theorie  für  die  Erzgänge  aufgestellt  hat“.  Die  eruptive  Gangnatur 
der  Porphyre  und  Pechsteine  von  Planitz  erläutert  er  durch  geologische 
Kärtchen  und  Profile.  Ebenso  wird  der  Pechstein  im  Triebischthal  als 
Verwandter  des  Porphyrs  erwähnt.  Selbst  ein  Einfluss  des  Porphyrs  auf 
das  Nachbargestein  wird  constatirt:  Ueberall,  wo  Porphyr  in  der  Nähe 
ansteht,  hält  der  Bergmann  seine  Arbeit  ein;  es  kommt  geringwerthiger 
Schiefer,  überall  Unregelmässigkeiten  im  Streichen  und  Fallen  der  Kohlen- 
schicliten.  Die  Plänerschichten  bezeichnet  Boue  als  „chloritische  Kreide“. 
Eine  besondere  Berücksichtigung  finden  die  tertiären  Gebilde,  die  Boue 
nicht  nur  in  den  grösseren  Becken,  sondern  auch  längs  der  erzgebirgischen 
Thäler  festlegt.  Er  hält  die  Ablagerungen  für  Ueberreste  alter  Seebecken 
mit  anstossenden  kleineren  Buchten. 

Zittel  urtheilt  über  das  ganze  Werk:  „Es  ist  dies  unstreitig  das  beste 
topographisch-geologische  Gemälde  Deutschlands  aus  älterer  Zeit,  das  mit 
grosser  Sach-  und  Litteraturkenntnis  alle  bis  1826  bekannten  Thatsachen 
zusammenfasst“  *). 

Zum  Schlüsse  sei  noch  erwähnt,  dass  Heinrich  v.  Dechen  (geb.  1800 
in  Berlin,  gestorben  1889)  namentlich  auf  Grund  der  grösseren  Schropp- 
schen  und  der  Hoffmann’schen  Karte  1838  seine  treffliche  „geognostische 
Uebersichtskarte  von  Deutschland,  Frankreich  und  den  angrenzenden  Ländern“ 
herausgab,  die  bis  zur  Herausgabe  der  im  Aufträge  der  deutschen  geolo- 
gischen Gesellschaft  1869  hergestellten  geologischen  Karte  von  Deutschland 
desselben  Verfassers  viel  benutzt  wurde. 

Konnten  auch  alle  diese  Allgemeindarstellungen  naturgemäss  noch 
nicht  auf  einer  hohen  Stufe  der  Vollkommenheit  stehen,  so  hatten  sie 
doch  einen  hervorragenden  Nutzen:  sie  erweiterten  den  Blick  der  Feld- 
geologen. Es  war  nun  nicht  mehr  angängig,  geologische  Streitfragen  auf 
dem  Boden  eines  engbegrenzten  Gebietes  schlichten  zu  wollen.  Die  Er- 
fahrungen Anderer  in  fremden  Gebieten  machten  die  Forscher  befähigter, 
ihr  eigenes  Arbeitsfeld  zu  bebauen.  Nachdem  die  vielgereisten  Männer 
V.  Buch,  V.  Humboldt,  Boue  gewirkt,  nachdem  Gelehrte,  wie  Hutton, 
Playfair,  Hall  die  Natur erfahrungen  durch  sinnreiche  Experimente  nach- 
zuprüfen begonnen  hatten,  konnte  keine  so  engherzige  Auffassung  in  der 
Geologie  mehr  Platz  greifen,  wie  sie  zu  Werner’s  Zeiten  herrschte. 

C.  F.  Naumann  und  seine  Zeitgenossen. 

Die  gewaltigen  Umwälzungen  der  geologischen  Anschauungen  bildeten 
die  Schule,  die  uns  Sachsen  einen  der  bedeutendsten  topographischen 
Geologen  des  19.  Jahrhunderts  erziehen  sollte:  Carl  Friedrich  Nau- 
mann**). (Geb.  1797  in  Dresden,  studirte  in  Freiberg,  wurde  1823  Privat- 


*)  B.  ist  übrigens  auch  der  Erste,  der  ganz  Europa  in  einer  geognostischen  Karte 
darstellte  (Leonhard,  Zeitschrift  f.  Mineralogie  1827).  Freilich  ein  ganz  roher  Versuch, 
in  dem  nur  die  Gesteine  der  „4  Zeitalter“  unterschieden  sind. 

**)  H.  Credner:  Worte  der  Erinnerung  an  Carl  Friedr.  Naumann,  im  Verein  von 
Freunden  der  Erdkunde  zu  Leipzig  gesprochen  am  17.  Dezember  1873.  Leipzig,  Engel- 
mann 1874. 


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docent  in  Jena,  1824  in  Leipzig,  1826  Professor  der  Krystallograpliie  in 
Freiberg,  1835  Professor  der  Geognosie  daselbst,  1842  Professor  der 
Mineralogie  und  Geognosie  in  Leipzig,  starb  1873).  Als  gläubiger  Anhänger 
Werner’s  zog  Naumann  nach  Norwegen;  bei  der  Bearbeitung  seiner  Beise- 
ergebnisse  erkannte  er  Granit,  Syenit,  Porphyr  als  Eruptivgesteine  und 
den  krystallinischen  Kalk  als  Contactproduct.  Mit  v.  Humboldt  und 
V.  Buch  fiel  er  dann  ins  andere  Extrem,  schwärmte  für  Erhebungskratere 
und  glaubte  im  sächsischen  Granulitgebirge  mit  seinem  Schiefermantel 
einen  solchen  zu  haben,  bis  er  endlich  kurz  vor  seinem  Tode  den  Granulit 
wieder  als  Schichtgestein  erklärte. 

Welche  Dienste  Naumann  seiner  Wissenschaft  leistete,  indem  er  sein 
,, Lehrbuch  der  Geognosie“,  das  bedeutendste  derartige  Werk  seiner  Zeit, 
herausgab,  das  steht  noch  mit  goldenen  Lettern  in  der  Erinnerung  der 
gegenwärtig  lebenden  älteren  Geologen.  Hier  finden  wir  die  reichen  Be- 
obachtungen seines  Lebens  in  glänzender  Weise  zu  einem  einzigen  Lehr- 
gebäude vereinigt.  Sachsen  hat  ihm  aber  noch  ein  anderes  Riesenwerk 
zu  verdanken,  nämlich  die  „Geognostische  Specialkarte“*)  nebst  Er- 
läuterungen. 

Von  der  Untersuchung  der  sächsischen  geologischen  Districte  unter 
Werner  und  Kühn  lagen  bis  1830  63  Einzelarbeiten  vor.  Noch  fehlte  aber 
das  zweite  Hauptstück  des  Unternehmens:  die  ,, bildliche  und  schriftliche 
Gesammtdarstellung“  des  ganzen  Gebietes.  Um  diese  zu  ermöglichen,  Hess 
zunächst  die  K.  Kameralvermessung  in  Dresden  mit  Benutzung  der  besten 
vorhandenen  Hilfsmittel  einen  Atlas  im  Maassstab  von  1 : 120  000  in 
28  Sectionen  herstellen.  Der  Ausgabe  einer  geologischen  Karte  in  gleichem 
Umfange  traten  aber  finanzielle  Bedenken  entgegen,  und  so  entschloss 
sich  die  Regierung,  die  Kartierung  auf  das  eigentliche  Gebiet  des  König- 
reiches Sachsen  zu  beschränken.  Auf  diese  Weise  blieben  nur  folgende 
11  Blatt  übrig:  6.  Bautzen,  7.  Zittau,  10.  Dresden,  11.  Teplitz,  12.  Nord- 
böhmen, 14.  Grimma,  15.  Chemnitz,  16.  Johanngeorgenstadt,  18.  Leipzig, 
19.  Plauen,  20.  Hof.  Im  Norden  wurden  die  Sectionen,  soweit  nöthig,  durch 
einige  Grenzstriche  erweitert.  Um  das  Rechteck  vollzumachen^  wurde  der 
Raum  von  Section  8 für  Aufnahme  des  Titels  und  der  Farbentafel  bestimmt. 

Zur  Colorirung  wurde  Werner’s  Scala  im  Allgemeinen  angenommen, 
einfache  Farben  bezeichneten  die  ausgedehnten  Massen,  gemusterte  die 
untergeordneten.  Im  Ganzen  brauchte  man  70  verschiedene  Gesteins- 
darstellungen. Buchstabensymbole,  deren  alphabetische  Reihenfolge  die 
Altersverhältnisse  angab,  dienten  zur  weiteren  Orientirung.  Schichten- 
streichen und  -fallen  wurden  ebenfalls  angedeutet.  Dunklere  Farbensäume 
bezeichneten  diejenige  Grenze  des  Gesteins,  wo  es  einem  älteren  auf  liegt. 

Diese  Karte,  ein  Meisterwerk  ersten  Ranges,  ist  zum  weitaus  grössten 
Theile  Naumann’s  Werk.  Zwar  spricht  er  im  Vorworte  der  Erläuterungen**) 
nur  von  „Revisionstouren“,  die  von  1830 — 34  stattgefunden  hätten;  aber 


*)  Geognostische  Specialcharte  des  Kgr.  Sachsen  und  der  angränzenden  Länder- 
Ahtheilungen.  Unter  Aufsicht  des  K.  Oberbergamtes  bearbeitet  von  den  Proff.  0.  F. 
Naumann  und  B.  Cotta.  Herausgeg.  v.  d.  K.  Bergacad.  zu  Freiberg.  Gezeichnet  u. 
lithogr.  V.  d.  K.  Kameralvermessung  zu  Dresden. 

**)  Geognostische  Beschreibung  des  Königreichs  Sachsen  und  der  angränzenden 
Länderabtheilungen.  Erläuterungen  zu  der  geognostischen  Charte  des  Kgr.  Sachsen  und 
der  angrenz.  Länderabtheilungen.  Herausgegeben  von  Dr.  Carl  Friedrich  Naumann. 
2.  unveränd.  Aufl.  Dresden  u.  Leipzig  1845. 


113 


es  finden  sich  so  viel  neue  Errungenschaften  in  jenen  Blättern  dargestellt, 
dass  wohl  kein  Theil  der  Karte  ohne  Naumann’s  eigenste  Mitarbeit  zu 
Stande  gekommen  ist.  Der  Beginn  der  Kartenherausgabe  fällt  ins  Jahr 
1835,  der  Schluss  ins  Jahr  1845.  Während  der  letzten  Periode,  namentlich 
nach  seiner  Berufung  an  die  Universität  Leipzig  (1842)  theilte  sich  Naumann 
in  die  Bearbeitung  mit  Bernhard  von  Cotta.  Zu  jeder  Section  wurden 
kostenlose  Uebersichten  geliefert;  denen  sich  später  heftweise  die  bereits 
erwähnten  Erläuterungen  anschlossen.  Es  erschienen  im  Ganzen  5 Hefte. 
Mit  der  revidirten  2.  Auflage  des  2.  Heftes  schloss  Naumann  die  Arbeit 
ab.  Eine  geognostische  Generalkarte*)  1 : 360000  folgte  noch  im  selben 
Jahre;  sie  bietet  24  handcolorirte  Farbenunterschiede.  Später  hat  dann 
Naumann  unter  Benutzung  der  trefflichen  topographischen  Karte  von 
Oberreit  das  erzgebirgische  Becken**)  besonders  in  2 Blättern  dargestellt, 
dem  kurz  vor  seinem  Tode  eine  anschliessende  Karte  des  Hainichener 
Zwischengebirges***)  folgte. 

Welch  gewaltige  Summe  von  Arbeit  in  all  diesen  Blättern  steckt, 
lässt  sich  im  Rahmen  dieser  Abhandlung  nicht  erörtern.  Aber  jeder  Geolog, 
der  heute  Specialgebiete  in  Sachsen  bearbeiten  will,  muss  noch  zurück- 
gehen auf  Naumann.  Er  war  seiner  Zeit  weit  vorausgeeilt;  er  erkannte 
geologische  Thatsachen  und  deutete  Verhältnisse,  ohne  dass  ihm  oft  die 
Forschungsmethoden  seiner  Zeit  erlaubt  hätten,  den  strengen  Beweis  für 
seine  Behauptungen  zu  erbringen.  Aber  die  Specialuntersuchung  unserer 
jetzigen  Landesanstalt  hat  oft  genug  Gelegenheit  gehabt,  diesen  fehlenden 
Nachweis  zu  liefern.  Ja  es  giebt  Fälle,  wo  unsere  Sectionsgeologen  von 
Naumann’s  Meinung  abgingen  und  die  neuesten  monographischen  Arbeiten 
doch  zur  alten  Ansicht  zurückkehren  mussten. 

Wir  können  Naumann’s  Leistungen  wohl  nicht  besser  kritisiren,  als 
der  berufenste  Beurtheiler,  sein  geistiger  Erbe  und  Nachfolger  Herrn. 
Credner:  „Die  Karten  und  Erläuterungen  bergen  einen  wahren  Schatz 
neuer,  hochwichtiger  Beobachtungen  und  ein  vollkommen  klares  Bild,  und 
erregten  als  die  ersten  Arbeiten  ihrer  Art  in  Deutschland  allgemeine  Be- 
wunderung. Sie  waren  lange  ein  Muster  für  alle  ähnlichen  Untersuchungen. 
Man  erstaunt  vor  dem  Scharfblick  des  Mannes,  der  über  ungenügende 
topographische  Grundlagen  gebietend,  die  verwickelte  Geotektonik  des 
Landes  so  richtig  zu  erfassen  und  wiederzugeben  wusste.  Man  wird  ihn 
umsomehr  bewundern,  wenn  man  bedenkt,  dass  die  Kartirung  nur  eine 
Ferienarbeit  war  und  dass  ihm  weder  eine  Anlehnung  an  Nachbararbeiten, 
noch  eine  Ausnutzung  specieller  Aufnahmen  zu  statten  kam“. 

Welchen  Antheil  Bernhard  von  Cotta  (geboren  1808  bei  Meiningen, 
1832 — 1842  an  der  Forstacademie  Tharandt,  1842 — 1874  Professor  der 
Geognosie  in  Freiberg,  gestorben  1879)  an  der  Herstellung  der  Special- 
karte hat,  lässt  sich  schwer  abgrenzen.  Die  Erläuterungen  geben  darüber 
ebenso  wenig  Auskunft,  wie  über  die  Betheiligung  anderer  Mitarbeiter. 


*)  Geognostische  Generalcharte  des  Kgr.  Sachsen  und  der  angrenzenden  Länder- 
Abtheilungen.  Unter  Aufsicht  des  K.  S.  Oberbergamts  zusammengestellt  von  C.F.  Nau- 
mann, herausgegeben  v.  d.  K.  Bergacademie  zu  Freiberg,  gezeichnet  u.  lithogr.  v.  d.  K. 
Kameralvermessung  zu  Dresden.  1845. 

**)  Carl  Naumann:  Geognostische  Karte  des  erzgebirgischen  Bassins  im  Kgr. 
Sachsen.  Leipzig,  W.  Engelmann  1866.  2 Sectionen. 

***)  Carl  Naumann:  Geognostische  Karte  der  Umgegend  von  Hainichen  im  Kgr. 
Sachsen.  Mit  Erläuterungen.  Leipzig  1871. 


114 


Doch  hatte  B.  v.  Cotta  auch  Gelegenheit,  sich  allein  um  die  Erforschung 
Sachsens  verdient  zu  machen.  In  seinen  „Geognostischen  Wanderungen“*) 
legte  er  die  Erfahrungen  nieder,  die  er  namentlich  auf  seinen  Excursionen 
in  der  engeren  und  weiteren  Umgebung  Tharandts  und  Dresdens  gesammelt 
hatte.  Auch  eine  Karte  über  die  Verbreitungsgebiete  der  Kohlen**)  ver- 
danken wir  ihm.  In  seinen  späteren  Lebensjahren  widmete  er  sich  mit 
grossem  Eifer  der  Popularisirung  der  Geologie.  Seine  Schriften  über,, Deutsch- 
lands Boden“  (1854)  und  die  „Geologie  der  Gegenwart“  (1866)  trugen  wesentlich 
zur  Verbreitung  geologischer  Kenntnisse  — auch  soweit  sie  sich  auf  den 
sächsischen  Boden  beziehen  — bei  und  erwarben  ihm  grosse  Anerkennung. 

Es  ist  charakteristisch,  wie  sich  in  der  Naumann’schen  Aera  allmählich 
eine  Decentralisation  der  geologischen  Forschung  einstellte.  Neben  Leipzig 
und  Freiberg  traten  Dresden  und  in  geringerem  Maasse  noch  verschiedene 
andere  Städte.  Es  bildeten  sich  naturforschende  Gesellschaften,  die  sich 
als  Hauptaufgabe  die  Erschliessung  des  heimathlichen  Bodens  stellten. 
Es  wäre  hier  am  Platze,  die  Verdienste  dieser  Gesellschaften,  die  in 
emsiger  Kleinarbeit  am  allgemeinen  Werke  sich  betheiligten,  vor  Allem 
die  Mitwirkung  der  Dresdner  „Isis“  zu  würdigen.  Wir  müssen  es  uns  ver- 
sagen und  auf  die  zahlreichen  Abhandlungen  dieser  Gesellschaften  ver- 
weisen. Aber  einige  Männer  mögen  als  Repräsentanten  jener  Bestre- 
bungen in  dankbarer  Anerkennung  erwähnt  werden.  Allen  voran  steht 
Hanns  Bruno  Geinitz  (geb.  1814  in  Altenburg,  seit  1837  in  Dresden, 
1838  Lehrer  an  der  Technischen  Bildungsanstalt,  1847  Inspector  des 
K.  Naturaliencabinets,  1857  Director  des  Mineralogischen  Museums,  gest. 
am  28.  Januar  1900)***).  Er  wurde  bald  nach  seiner  Ankunft  in  Dresden  der 
geistige  Mittelpunkt  aller  mineralogischen  und  geologischen  Bestrebungen 
daselbt.  Was  er  speciell  für  Sachsen  gethan  hat,  das  lehrt  am  besten  ein 
Gang  durch  das  K.  Mineralogische  Museum,  das  in  vielen  Theilen  seine  eigenste 
Schöpfung  ist.  Von  seinem  selbständigen  Amtsantritt  an  gründete  er 
eine  besondere  Abtheilung  für  vaterländische  Mineralien  und  stellte  sich 
als  Lebensaufgabe,  „die  Urgeschichte  Sachsens  in  allen  ihren  einzelnen 
Epochen  zu  erforschen  und  in  dem  wohlgeordneten  Museum  zu  verewigen“. 
Die  paläontologische  Geologie  war  sein  eigentliches  Forschungsgebiet.  Hier 
hat  er  gewaltiges  Material  zusammengetragen,  theils  auf  eignen  Excursionen, 
theils  mit  Hilfe  seiner  vielseitigen  Beziehungen.  Und  das  Wichtigste:  er 
hat  dieses  Material  in  dem  arbeitsreichen  Leben  eines  halben  Jahrhunderts 
fast  durchgängig  selbst  verarbeitet,  beschrieben,  gezeichnet.  Vieles  neu 
‘benannt.  Seine  Monographien  behandeln  die  Graptolithen  (und  fälschlich 

*)  B.  V.  Cotta;  Greognostische  Wanderungen.  Dresden  u.  Leipzig  1836. 

**)  Kohlenkarte , auf  welcher  die  Verbreitungsgebiete  der  Koblenformationen  im 
Kgr.  Sachsen  dargestellt  sind.  Herausgeg.  v.  B.  Cotta.  Freiberg,  Engelhardt  1856. 

***)  Hanns  Bruno  Geinitz.  Ein  Lebensbild  aus  d.  19.  Jahrh.  von  F.  Eugen  Gei nitz. 
Leopoldina  1900,  36.  H.  Mit  vollständ.  Verzeichniss  seiner  Veröffentlichungen. 

E.  Kalkowsky:  H.  B.  Geinitz,  die  Arbeit  seines  Lebens.  „Isis“  1899. 

Die  für  Sachsen  wichtigsten  Werke  Geinitz’s: 

1850.  Das  Quadergebirge  oder  die  Kreideformation  in  Sachsen. 

1852/53.  Die  Versteinerungen  der  Grauwackenformation  in  Sachsen  und  den  angrenzenden 
Länderabtheilungen. 

1855.  Die  Versteinerungen  der  Steinkohlenformation  in  Sachsen. 

1856.  Geognostische  Darstellung  der  Steinkohlenformation  in  Sachsen  mit  besonderer 

Berücksichtigung  des  Rothliegenden. 

1858.  Das  Kgl.  Museum  in  Dresden. 

1871/75.  Das  Elbthalgebirge  in  Sachsen.  ... 


115 


hierher  gestellten  Nereiten)  des  vogtländischen  Silurs,  die  Pflanzen  des 
Carbon  und  der  Dyas  und  vor  Allem  die  Versteinerungen  des  Elbsandstein- 
gebirges. Rastlos  forschte  er  auf  seinen  Hauptgebieten  weiter,  immer  aufs 
Neue  sich  selbst  ergänzend  und  verbessernd;  bis  kurz  vor  seinem  Tode 
war  er  litterarisch  mit  den  Schätzen  seines  Museums  beschäftigt.  Die 
zahlreichen  Anregungen,  die  die  „Isis“,  sein  Schoosskind,  von  ihm  em- 
pfangen hat,  wurden  ebenfalls  wichtig  als  Anstösse  für  neue  Arbeiten  von 
anderer  Seite.  Reiche  Anerkennung  ist  ihm  schon  bei  Lebzeiten  zu  Theil 
geworden,  als  ein  „Markstein“  ragt  seine  Persönlichkeit  aus  der  Geschichte 
der  neueren  Geologie  hervor  — als  eine  Klippe  freilich  auch,  die  oft  vom 
Streite  der  Meinungen  umtost  war.  Denn  Geinitz  war  äusserst  conservativ, 
für  Argumente  Anderer  schwer  zugänglich,  und  so  wurde  er  mit  der  ganzen 
Wucht  seiner  Autorität  zu  einem  Hemmniss  für  die  Fortentwicklung  mancher 
geologischen  Probleme  auch  innerhalb  Sachsens. 

Der  Oberst  Christian  August  von  Gutbier'“')  (geb.  1798  in  Ross- 
Avein,  1816  in  die  Armee  eingetreten,  1821 — 47  in  Zwickau,  nach  dem  Schles- 
Aviger  Feldzuge  in  Dresden,  1853  Untercommandant  der  Festung  Königstein, 
1863  pensionirt,  1866  in  Dresden  gest.)  gehört  ebenfalls  zu  den  thätigsten 
Mitarbeitern  der  Naumann’schen  Aera.  Jeder  seiner  Aufenthaltsorte  wurde 
der  Anlass  zu  bedeutsamen  geologischen  Arbeiten.  Der  Zwickauer  Stein- 
kohlenbergbau, der  in  den  30  er  Jahren  eben  aufzublühen  begann,  verdankt 
V.  Gutbier  die  erste  gründliche  stratigraphische  und  paläontologische 
Bearbeitung* **)'^).  Ein  grosser  Theil  der  fossilen  Pflanzen  ist  von  ihm  neu 
entdeckt  und  seine  Sammlungen  derselben  bilden  jetzt  einen  wichtigen 
Bestandtheil  des  dresdner  Museums.  Er  war  es  auch,  der  zuerst  die 
untere  Dyas***)  vom  Carbon  abtrennte  und  das  Verhältniss  zwischen 
marinem  Zechstein  und  terrestrischem  oberen  Rothliegenden  kartographisch 
fixirte.  Von  Königstein  aus  studirte  er  die  Fels-  und  Verwitterungsformen 
der  Sächsischen  Schweiz  und  gab  darüber  ein  treffliches  Werkf)  heraus. 
Die  Sandformen  der  Dresdner  Heide  ff)  beschäftigten  ihn  in  seinen  letzten 
Lebensjahren. 

Als  Dritter  verdient  genannt  zu  werden  Friedrich  August  Falloufff) 
(geb.  1795  in  Zörbig  bei  Dessau,  gest.  1877  in  Dietenhain  bei  Waldheim). 
Er  lebte  als  Advocat  in  Waldheim.  Die  benachbarten  Serpentinlager  bil- 
deten das  erste  geognostische  Thema*f),  mit  dem  er  sich  eingehender  be- 
schäftigte. Seine  Hauptleistuiigen  liegen  aber  auf  dem  agronomischen  Ge- 
biete, und  seine  Schriften  über  Sachsens  Boden *ff),  seine  agronomisch- 


*)  Biographie  und  Schriften  verzeichniss  in  den  Sitzungsberichten  der  „Isis“, 
Dresden  1866,  S.  59—63. 

**)  Geognostische  Beschreibung  des  Zwickauer  Schwarzkohlengehirges  und  seiner 
Umgebungen.  Zwickau  1834. 

Abdrücke  und  Versteinerungen  des  Zwickauer  Schwarzkohlengehirges  und  seiner 
Umgebung.  Zwickau  1835. 

***)  Die  Versteinerungen  des  Rothliegenden  in  Sachsen.  Dresden  und  Leipzig 
1849. 

f)  Geognostische  Skizzen  aus  der  Sächsischen  Schweiz.  Leipzig  1858.  Mit  geo- 
gnostischer  Karte. 

ff)  Die  Sandformen  der  Dresdner  Heide  bezogen  auf  das  Elbhassin.  Dresden 
1865. 

fff)  Biographie  und  Schriftenverzeichniss  siehe  in  den  Sitzungsberichten  der  „Isis“, 
Dresden  1878,  S.  1. 

*f)  Ueber  das  Waldheimer  Serpentingehiet.  Jahrbuch  für  Mineralogie  1843. 

*ff)  Grund  und  Boden  des  Kgr.  Sachsen  und  seiner  Umgebung.  Dresden  1868. 


116 


chromatisclien  Tafeln,  seine  Arbeiten  über  den  Löss*)  waren  seiner  Zeit 
bahnbrechend. 

Im  Jahre  1843  thaten  sich  die  Führer  der  sächsischen  Naturforscher 
zusammen,  um  ein  übersichtliches  Bild  von  Sachsen  zu  geben**).  Dieses 
Werk,  das  eine  geognostische  Skizze  von  Obersachsen  und  der  Lausitz 
enthält,  bietet  uns  in  Kürze  die  Grundsätze,  in  denen  sich  Naumann’s 
Auffassung  des  sächsischen  Gebirgsbaues  auszeichnet.  Das  Erzgebirge 
wird  als  einseitig  emporgetriebene  „Flarde“  der  Erdkruste  geschildert. 
Die  Granitmassen  zeigen  Einfluss  auf  die  benachbarten  Schichtgesteine. 
Der  Granulit  ist  ein  uraltes  platonisches  Gebilde,  das  die  ursprüngliche 
Erstarrungskruste  durchbrach  und  nach  aussen  wallartig  aufwarf,  sodass 
das  Sächsische  Mittelgebirge  einem  „Erhebungskrater“  gleicht.  Auch  das 
Oschatzer  Grauwackengebiet  ist  durch  den  Granit  des  Dürrenberges  empor- 
gehoben und  schiefgestellt  worden.  Das  erzgebirgische  Bassin  gilt  als  sehr 
alte  Mulde,  als  Resultat  von  Gebirgserhebungen.  Das  Elbbecken  wird  im 
SW  durch  eine  alte  Schieferabdachung  begrenzt,  während  die  rechte  Thal- 
seite mit  ihren  üeberschiebungen  noch  nicht  recht  aufgeklärt  ist.  Die  Ein- 
theilung  des  Kreidegebirges  ist  noch  ziemlich  einfach:  Unterquader,  Unter- 
pläner, mittlerer,  oberer  Pläner,  Oberquader. 

Um  die  Ergebnisse  der  Naumann’schen  Karte  allgemeiner  zugänglich 
zu  machen,  erschienen  fast  gleichzeitig  im  Jahre  1860  zwei  Nachbildungen 
derselben.  Die  eine  (1:592000)  bot  Henry  Lange***)  in  seinem  Atlas 
von  Sachsen,  nebst  einem  Text,  der  sich  eng  an  die  „Gäa“  anlehnt.  Die 
Karte  ist  sachlich  gut  copirt,  von  guter,  wenn  auch  etwas  zu  lichter  Farben- 
stimmung. Die  zweite  Karte  stammt  von  Moritz  von  Süssmilch- 
Hörnigf)  (1:500000).  Sie  unterscheidet  sich  stofflich  durch  Einführung 
des  ,, jüngeren  Gneiss“.  Die  Zahl  der  getrennten  Gesteine  ist  22;  aber 
der  Billigkeit  zu  Liebe  sind  nur  3 Farbenplatten  verwandt,  alles  übrige 
müssen  Striche  und  Punkte  thun.  So  entsteht  ein  Bild,  so  undeutlich  und 
unruhig,  dass  es  mit  Lange’s  Karte  nicht  entfernt  rivalisiren  kann. 

Mit  der  Herausgabe  dieser  popularisirenden  Karten  können  wir  die 
Aera  Naumann’s  als  abgeschlossen  betrachten. 

Die  geologische  Laudesanstalt  unter  H.  Credner. 

Die  Wissenschaft  kennt  keinen  Endpunkt.  Kaum  war  Naumann’s 
Specialkarte  vollendet,  so  begann  die  geologische  Forschungsmethode  einen 
solchen  Grad  der  Verfeinerung  anzunehmen,  dass  die  eben  beendete  Arbeit 
in  vielen  Theilen  veralten  musste.  Die  Paläontologen  schafften  reiches 
Material  herbei  und  ebneten  damit  die  Wege  für  eine  genauere  Alters- 
gliederung der  Versteinerungen  führenden  Formationen.  Die  Einführung 
des  Polarisationsmikroskops  in  die  petrographische  Untersuchung  während 
der  sechziger  Jahre  enthüllte  eine  so  ungeahnte  Mannigfaltigkeit  in  der 


*)  Ueber  den  Löss  bes.  in  Bezug  auf  sein  Vorkommen  im  Kgr.  Sachsen.  Jahrbuch  für 
Mineralogie  1867. 

**)  Gäa  von  Sachsen  oder  physikalisch-geographische  und  geognostische  Skizze  für 
das  Kgr.  Sachsen  etc.,  bearbeitet  von  0.  F.  Naumann,  B.  Cotta,  H.  B.  Geinitz,  A.  v.  Gut- 
bier, M.  A.  Schiffner  und  L,  Reichenbach.  Dresden  und  Leipzig  1843, 

***)  Henry  Langes  Atlas  von  Sachsen.  Ein  geographisch-statistisches  Gemälde  des 
Kgr.  Sachsen.  In  12  Karten  mit  erläut.  Text.  Leipzig,  Brockhaus  1860. 

t)  M.  V.  Sü  ssmilch-Hörnig:  Historisch-geographischer  Atlas  von  Sachsen  und 
Thüringen.  Dresden,  Boetticher  1860. 


117 


Structur  und  mineralogisclien  Zusammensetzung  der  Gesteine,  gab  so  zahl- 
reiche Anhaltspunkte  für  deren  Genesis  und  spätere  Umwandlungen,  dass 
das  System  derselben  sich  vollständig  umgestalten  musste. 

Niemand  wusste  diese  Biesenfortschritte  besser  zu  würdigen  als  Nau- 
mann selbst.  Er  war  es,  der  noch  an  seinem  Lebensabend  für  den  Plan 
ein  trat,  von  Neuem  und  mit  grösseren  Mitteln  an  die  Ausarbeitung  einer 
Specialkarte  von  Sachsen  heranzutreten,  einer  Karte,  wie  sie  Preussen  in 
Vereinbarung  mit  den  thüringischen  Staaten  bereits  seit  1863  zu  schaffen 
begonnen  hatte. 

Der  Plan  fand  bei  der  Regierung  Anklang;  aber  an  eine  Verwirk- 
lichung desselben  konnte  nicht  eher  gedacht  werden,  als  bis  eine  entsprechend 
genaue  topographische  Grundlage  — deren  Maassstab  wegen  der  Ueber- 
einstimmung  mit  Preussen  1 : 35000  sein  musste  — vorhanden  war.  Diese 
zu  schaffen,  wurde  1871  vom  K.  Finanzministerium  der  Oberst  Vollborn 
berufen..  Nach  einigen  Experimenten  über  die  Ausführung  derselben  — 
ob  mit  Schraffen  oder  Höhencurven,  ob  einfarbig  oder  mit  brauner  Gebirgs- 
und  blauer  Wasserplatte,  ob  Kupferstich  oder  Lithographie  — konnte 
Vollborn  der  „Isis“  in  Dresden  ein  Programm  vorlegen,  dem  wir  folgende 
Notizen  entnehmen*). 

Die  neue  Specialkarte  1 : 35000  sollte  156  Sectionen  umfassen,  die 
sich  auf  14  Gürtel  oder  Banden  vertheilten  und  je  10  Gradminuten  Rand- 
länge erhielten.  Als  Unterlage  dienten  die  alten  Mensalblätter  1 -.  13000 
bez.  1 : 34000  aus  dem  topographischen  Bureau  des  K.  Generalstabes.  Jedes 
dieser  alten  Blätter  entsprach  einer  Quadratmeile,  die  Meile  zu  13000 
dresdner  Ellen  gerechnet.  (Das  Verhältniss  der  dresdner  zur  geographischen 
Meile  ist  1 : 1,19.)  Diese  „Meilenblätter“  waren  nun  zunächst  im  Terrain 
zu  revidiren  und  dann  auf  photographischem  Wege  auf  den  Maassstab 
1 : 25000  zu  reduciren.  Jedes  neue  Blatt  enthielt  3,379  Quadratmeilen 
und  war  0,5  m breit  und  lang.  Die  Gesammtfläche  der  Karte  lässt  sich 
somit  auf  33,55  Quadratmeter  berechnen.  Um  die  Höhenverhältnisse  nach 
preussischem  Muster  in  Aequidistanten  darstellen  zu  können,  machte 
sich  eine  grössere  Zahl  neuer  Punktbestimmungen  nöthig,  die  Vollborn  für 
ganz  Sachsen  auf  33000  veranschlagt.  Die  Kosten  des  Unternehmens 
waren  vorläufig  mit  67476  Thaler  4 Neugroschen  angegeben. 

Nun  handelte  es  sich  um  die  schwierige  Frage,  wie  die  geologische 
Seite  des  Unternehmens  zu  reorganisiren  sei  und  vrer  die  Leitung  über- 
nehmen sollte.  Noch  stand  Naumann  in  Leipzig  am  Ruder  (sein  Rück- 
tritt erfolgte  1870);  er  kam  also  zunächst  in  Frage.  Ihn  ohne  frei- 
willigen Verzicht  zu  übergehen,  war  nicht  gut  angängig.  Ebenso  waren 
V.  Cotta  und  Geinitz  wegen  ihrer  Verdienste  bei  der  vorigen  Untersuchung 
in  Rücksicht  zu  ziehen.  Man  dachte  wohl  eine  Zeit  lang  an  ein  Triumvirat, 
in  dem  Naumann  die  Oberleitung  behielt,  v.  Cotta  für  sich  die  Eruptiv- 
gesteine und  Geinitz  die  paläontologischen  Sachen  reservirten.  Aber  dieser 
Plan  trug  den  Todeskeim  in  sich;  er  beruhte  auf  einer  Arbeitstheilung, 
die  undurchführbar  gewesen  wäre.  Ausserdem  war  noch  zu  bedenken, 
dass  ein  Unternehmen  von  voraussichtlich  Jahrzehnte  langer  Dauer  besser 
einem  jüngeren  Manne  der  neuen  Schule  anvertraut  wurde,  der  einige 
Garantie  bot,  es  auch  als  sein  Lebenswerk  zu  Ende  führen  zu  können. 


*)  Vollborn:  Die  kartographische  Grundlage  für  die  neue  geologische  Karte  von 
Sachsen.  Sitzungsberichte  der  „Isis“,  Dresden  1871. 


118 


Dieser  Meinung  war  auch  das  Ministerium,  vor  Allem  der  Decernent  Ge- 
heimrath Otto  Freiesieben,  der  als  Mitarbeiter  bei  der  Naumann’schen 
Kartirung  die  Schwierigkeiten  der  Aufgabe  voll  zu  würdigen  verstand,  besser 
als  Naumann  selbst,  der  sich  die  Aufnahme  zunächst  nur  als  eine  mehrere 
Jahre  dauernde  Revision  dachte.  Freiesieben  war  es  auch,  der  zuerst 
das  Augenmerk  der  Regierung  auf  einen  jüngeren  Mann  lenkte  und  diesen 
— allen  Gegenströmungen  zum  Trotz  — zum  Director  der  neuen  Landes- 
anstalt vorschlug.  Dieser  ,, Protege  der  Regierung“  war  Hermann  Credn  er. 

Credner  war  am  1.  October  1841  in  Gotha  als  Sohn  des  bekannten 
thüringer  Geognosten  Heinrich  Credner  geboren.  Er  hatte  in  Clausthal, 
Breslau  und  Göttingen  seine  Studien  absolvirt.  Seine  ersten  geognostischen 
Arbeiten  behandeln  die  Gegenden  von  Hannover  und  Andreasberg.  In 
den  Jahren  1864 — 68  bereiste  er  die  centralen  und  östlichen  Gebiete 
Nordamerikas.  Nach  seiner  Rückkehr  habilitirte  er  sich  1869  in  Leipzig 
und  wurde  bereits  im  Sommer  1870  ausserordentlicher  Professor.  Er  trat 
also  nach  Sachsen  ein  als  ein  Neuling,  noch  wenig  bekannt  durch  litterarische 
Arbeiten.  Aber  eins  hatte  er  sich  auf  seinen  nordamerikanischen  Reisen 
erworben,  was  ihn  in  hervorragendem  Maasse  zum  Feldgeologen  geschickt 
machte:  das  war  der  freiere  Blick  des  Weltreisenden,  die  im  Felde  ge- 
sammelte Anschauung  der  verschiedensten  Formationsgebilde. 

Wir  übergehen  mit  Stillschweigen  die  persönlichen  Schwierigkeiten, 
die  dem  jungen  „Ausländer“  in  den  Kreisen  sächsischer  Geologen  bereitet 
wurden  — genug,  durch  das  thatkräftige  Eintreten  Freiesleben’s  wurde 
Credner  im  Sommer  1872*)  mit  der  Organisation  und  Leitung  der  geo- 
logischen Kartirung  Sachsens  beauftragt. 

Das  Jahr  1872  verging  mit  Vorarbeiten.  David  Brauns  (bereits 
bekannt  durch  seine  Arbeiten  über  die  Juraformation  Norddeutschlands), 
Alfred  Jentzsch  (damals  noch  Student)  und  Seininarlehrer  E.  Weise  wurden 
ausgesandt,  um  eine  Anzahl  Bahnlinien  (zuerst  Leipzig— Zeitz)  geologisch 
aufzunehmen,  zu  profiliren  und  damit  einige  Fixpunkte  für  die  späteren 
Arbeiten  zu  schaffen. 

Am  31.  Januar  1873  trat  endlich  die  Regierung  mit  einer  Ver- 
ordnung hervor,  in  der  die  Gründung  einer  geologischen  Landesanstalt 
bekannt  gegeben  wird.  Da  wir  in  Ermangelung  des  früheren  Ernennungs- 
datums diese  erste  officielle  Kundgebung  als  den  Geburtstag  der  Landes- 
anstalt annehmen  müssen,  sei  ihr  Wortlaut  hier  abgedruckt: 

Verordnung, 

die  Bearbeitung  einer  neuen  geologischen  Karte  des 
Königreiches  Sachsen  betreffend, 

vom  31.  Januar  1873. 

Nachdem  mit  Allerhöchster  Genehmigung  Sr.  Majestät  des  Königs  die 
Herstellung  einer  neuen  geologischen  Karte  des  Königreiches  Sachsen  be- 
schlossen, auch  der  dazu  nöthige  Aufwand  von  den  Ständen  des  Landes 
bewilligt  worden  ist,  soll  zu  diesem  Zwecke  eine  specielle  Untersuchung 


*)  Da  die  Ernennungsurkunde  dem  Besitzer  abhanden  gekommen  ist,  sind  wir  nicht 
in  der  Lage,  den  Zeitpunkt  genauer  zu  bestimmen. 


119 


des  ganzen  Landes  vorgenommen  werden,  mit  deren  Leitung  der  Professor 
der  Geognosie  an  der  Universität  Leipzig  Dr.  Credner  beauftragt  worden  ist. 

Je  wichtiger  und  werthvoller  eine  möglichst  genaue  und  vollständige 
Kenntniss  der  Bodenverhältnisse  nicht  blos  in  wissenschaftlicher  Beziehung, 
sondern  namentlich  auch  für  die  land-  und  forstwirthschaftliche  und  ge- 
werbliche Bodenbenutzung  aller  Art  ist,  um  so  mehr  darf  erwartet  werden, 
dass  diesem  gemeinnützigen  Unternehmen  auch  von  Seiten  aller  nicht  un- 
mittelbar dabei  Betheiligten,  insbesondere  der  bestehenden  wissenschaftlichen 
und  landwirthschaftlichen  Vereine,  sowie  von  den  öffentlichen  Lehrern  und 
allen  sonst  sachkundigen  Personen  ein  entsprechendes  Interesse  geschenkt 
und  vorkommenden  Falls  die  wünschenswerthe  Erleichterung  und  Unter- 
stützung entgegen  gebracht  wird. 

Die  sämmtlichen  Verwaltungsbehörden  des  Landes,  sowie  die  Gemeinde- 
vorstände und  alle  Besitzer  und  Verwalter  von  Grundstücken  werden  daher 
aufgefordert,  dem  Professor  Dr.  Credner  und  seinen,  von  ihm  legitimirten 
Mitarbeitern  nicht  nur  die  Begehung  von  Grundstücken,  sowie  die  Einsicht 
in  Karten,  Schriften  und  Sammlungen  auf  Ansuchen  zu  gestatten  und  die 
thunlichste  Förderung  ihrer  Arbeiten  zu  gewähren,  sondern  auch  von  der 
Vornahme  einzelner,  interessante  x4.ufschlüsse  über  den  Bau  des  Erd-Innern 
versprechender  Arbeiten,  wie  Wegebauten,  Gräben-,  Stollen-,  Schacht-, 
Brunnenanlagen,  Bohrversuche,  Steinbrüche  u.  s.  w.,  sowie  von  dem  Funde 
etwaiger,  für  die  Geologie  verwerthbarer  Gegenstände,  wie  z.  B.  Skelette, 
Steinwerkzeuge,  Urnen  u.  s.  w.  oder  von  Meteorfällen,  Höhlenerschliessungen 
u.  dergl.  den  Professor  Dr.  Credner  möglichst  bald  zu  benachrichtigen, 
damit  derselbe  nöthigenfalls  die  geeigneten  Schritte  thun  kann,  die  sich 
bietenden  Aufschlüsse  für  die  Zwecke  der  geologischen  Landesuntersuchung 
nutzbar  zu  machen. 

Dresden,  den  31.  Januar  1873. 

Finanz -Ministerium,  Ministerium  des  Innern, 

Ministerium  des  Cultus  und  öffentlielien  Unterrichts. 

(gez:)  von  Friesen.  von  Nostitz-Wallwitz.  Gerber. 

Leonhardi. 

Gleichzeitig  unterbreitete  Credner  der  Oeffentlichkeit  sein  Ar  beit  s- 
programm^).  Er  bezeichnet  darin  als  Aufgabe  der  Landesanstalt  1.  die 
genaue  Erforschung  des  geologischen  Baues,  des  Mineralreichthums  und 
der  Bodenverhältnisse  Sachsens,  2.  die  Nutzbarmachung  der  Resultate  für 
Wissenschaft,  Land-  und  Forstwirthschaft,  Bergbau,  Verkehr  und  die 
übrige  technische  Betriebsamkeit.  Diese  Aufgabe  sollte  gelöst  werden  nicht 
nur  durch  Herstellung  der  Karten,  Profile  und  erläuternden  Text,  sondern 
auch  durch  Publication  von  selbständigen  Aufsätzen  und  grösseren  Ab- 
handlungen und  endlich  durch  Herausgabe  eines  abschliessenden  Haupt- 
werkes, Die  Resultate  der  Untersuchung,  Handstücke,  Dünnschliffe,  Original- 
karten sollten  zusammen  mit  einer  Bibliothek  zu  einemArchiv  vereint  werden. 
Besondere  Aufmerksamkeit  sollte  auch  ferner  der  Profilirung  der  Eisenbahnen, 
„der  grossartigsten  Schurfgräben,  welche  geologischen  Untersuchungen  zur  Dis- 
position stehen  können“,  gewidmet  werden,  um  in  diesen  Profilen  ein  Netz 


*)  H.  Credner:  Die  geologische  Landesuntersuchung  des  Königreichs  Sachsen. 
Leipzig  1873. 


120 


von  unverrückbaren  geologischen  Aufscblusspunkten  zu  construiren,  das 
zur  Controlle  und  möglichst  fehlerlosen  Grundlage,  sowie  zur  späteren 
Correctur  der  eigentlichen  geologischen  Aufnahme  dienen  sollte. 

Die  erste  Publication  der  Landesanstalt  war  rein  bibliographischer 
Natur:  sie  brachte  eine  Zusammenstellung  der  seit  1835,  also  seit  Beginn 
der  Naumann’schen  Aera,  veröffentlichten  Litteratur  über  die  Geologie 
Sachsens*),  gewissermassen  das  litterarische  Rüstzeug  der  jungen  Feld- 
geologen. 

Im  Frühjahr  1873  begann  die  eigentliche  Kartirung.  Es  war  ein 
schwerer  Anfang.  Schwierigkeiten  aller  Art  gab  es  zu  überwinden.  Deutsch- 
land besass  damals  noch  keine  geschulten  Kräfte  für  eine  derartige  Spe- 
cialaufnahme und  so  musste  gerade  in  der  wichtigsten  Periode  mit  Männern 
begonnen  werden,  die  kaum  die  Universität  verlassen  hatten,  die  für  ihre 
neue  Arbeit  nicht  viel  mehr  als  den  guten  Willen  mitbrachten.  Die  Landes- 
anstalt musste  sich  erst  selbst  Mitarbeiter  heranziehen,  bis  sie  nach  manchem 
Fehlgriff  und  mancher  Mühsal  über  einen  geeigneten  Stab  von  Forschern 
verfügte. 

Dazu  kamen  Schwierigkeiten  technischer  Natur.  Die  topographische 
Kartirung  war  noch  nicht  bis  zum  Druck  von  Blättern  vorgeschritten; 
man  war  vorläufig  (noch  theilweise  bis  ins  dritte  Jahr  hinein)  auf  die 
photographischen  Reductionsblätter  angewiesen,  die  zum  Aufträgen  von 
Ergebnissen  mit  Stift  und  Farbe  höchst  ungeeignet  waren.  Ausserdem 
wurde  die  Kartirung  durch  die  nothwendige  Anpassung  an  das  Fort- 
schreiten der  topographischen  Arbeiten  auf  Gebiete  gelenkt,  die  wegen 
ihrer  verwickelten  Verhältnisse  nicht  an  den  Anfang  gehörten.  Section 
Flöha  und  Chemnitz  waren  die  ersten,  deren  Kartengrundlage  fertig  wurde. 

Karl  Alfred  Jentzsch  (geb.  1850  in  Dresden)  bearbeitete  Flöha, 
durch  seine  geologische  Vielgestaltigkeit  wohl  eins  der  schwierigsten  Ge- 
biete, die  Sachsen  aufzuweisen  hat.  Als  die  Section  bis  auf  die  Nordwest- 
ecke fertig  kartirt  war**),  wurde  Jentzsch  nach  Königsberg  berufen  und 
seine  Karte  einstweilen  ad  acta  gelegt.  In  Chemnitz  arbeitete  Theodor 
Sieger t (geb.  1835  in  Oelsnitz  i.  V.),  weiter  westlich  begann  bald  darauf 
Hermann  Mietzsch***)  (geb.  1846  in  Burkhardswalde). 

Im  Gneissgebiet,  wie  im  erzgebirgischen  Becken  sollten  sich  aber  auch 
ernste  sachliche  Hemmnisse  in  den  Weg  stellen.  Wer  hätte  nach  den 


*)  A.  Jentzsch:  Die  geologische  nnd  mineralogische  Litteratur  des  Kgr.  Sachsen 
und  der  angrenzenden  Ländertheile  von  1835  bis  1873.  Leipzig,  Engelmann  1874. 

Diese  Arbeit  wird  ergänzt  durch  August  Erenzel’s  „Mineralogisches  Lexicon  für 
das  Königreich  Sachsen.  Leipzig,  Engelmann  1874“,  eine  Fortsetzung  zu  Freiesleben’s 
Oryktographie. 

Als  besonders  glücklicher  Umstand  darf  wohl  auch  betrachtet  werden,  dass  das 
Jahr  1873  zwei  Neuerscheinungen  brachte,  die  zum  ersten  Male  die  Methode  der 
mikroskopischen  Gesteinsuntersuchung  ausführlich  darlegten,  nämlich 

H.  Kosenbusch:  Mikroskopische  Physiographie  der  petrographisch  wichtigen 
Mineralien.  Stuttgart  1873; 

F.  Zirkel:  Die  mikroskopische  Beschaffenheit  der  Mineralien  und  Felsarten. 
Leipzig  1873. 

**)  Eine  genaue  Copie  dieser  Karte  wurde  dem  Verfasser  durch  die  Freundlichkeit 
des  Herrn  Prof.  Dr.  Kalkowsky  zugänglich  gemacht,  ebenso  wie  dessen  Originalauf- 
nahme des  Blattes  Zschopau  auf  photographischer  Kartengrundlage. 

***)  Mietzsch  ist  der  einzige  Landesgeolog,  der  aus  dem  Leben  geschieden  ist.  Er 
erlebte  auch  die  Publication  seiner  Aufnahmen  im  Steinkohlengebiet  nicht  mehr,  denn 
er  starb  1877.  (Nekrolog  in  der  „Isis“  1878,  S,  2.) 


121 


Vorarbeiten  H.  Müller’s*)  ahnen  können,  welcher  weitgehenden  Gliederung 
allein’  die  archäischen  Schiefer  fähig  waren!  Im  Carbon  und  Rothliegenden 
fehlte  -trotz  der  früher  erwähnten  Arbeiten  jedes  Schema  zu  einer  ein- 
gehenden zeitlichen  Gliederung.  Die  ersten  beiden  Geologen  dieses  Ge- 
bietes mussten  einstweilen  vollständig  unabhängig  Vorgehen,  die  gefundenen 
Schichten  numeriren  und  eine  Identificirung  späteren  Conferenzen  und  ge- 
meinsamen Begehungen  überlassen. 

Sobald  der  Fortschritt  in  der  topographischen  Aufnahme  es  gestattete, 
begann  man  das  Gebiet  in  Angriff  zu  nehmen,  das  bisher  bei  den  säch- 
sischen Geologen  stets  mit  besonderer  Vorliebe  behandelt  worden  war:  das 
Granulitgebirge.  Hier  arbeiteten  vor  Allem  E.  Dathe  und  J.  Lehmann. 

Noch  war  keine  Karte  endgültig  fertig  gestellt.  Es  galt  erst  noch, 
eine  Farbenscala  ausfindig  zu  machen,  die  der  grössten  Modulation  fähig 
war,  um  alle  die  zahlreichen  V arietäten  auszudrücken,  ohne  eine  zu  grosse 
Zahl  von  Farbsteinen  nöthig  zu  machen.  Von  Preussen  lagen  namentlich 
für  das  Archaicum  keine  Vorbilder  da.  Auch  hier  mussten  Experimente 
entscheiden.  Die  Firma  Giesecke  & Devrient,  die  bis  heute  den  Karten- 
druck in  der  Hand  behalten  hat,  lieferte  farbige  Probedrucke  der  Section 
Chemnitz.  Man  musste,  um  Platten  zu  sparen,  ein  sogenanntes  Ueberdruck- 
verfahren  einschlagen,  bei  dem  ausser  den  reinen  Farben  durch  Auflegen 
von  Schraffirungen,  Punkten  und  Netzen  neue  Nüancen  erzeugt  wurden. 
Ausserdem  machte  sich  zur  Erleichterung  der  Orientirung  das  Anbringen 
von  Buchstabensymbolen  nöthig.  Die  grossen  Lettern  blieben  für  die 
Eruptivgesteine,  die  kleinen  für  die  Schichtsteine  reservirt;  griechische 
Buchstaben  bezeichneten  Structur-  und  Localvarietäten,  vor-  oder  nach- 
gesetzte lateinische  die  charakteristischen  accessorischen  Gemengtheile. 
Die  Ausarbeitung  der  Farbenscala,  die  bei  jedem  Blatte  sich  aufs  Neue 
nöthig  machte,  ist  eine  der  zeitraubensten,  aber  auch  verdienstvollsten 
Arbeiten  des  Leiters  der  Anstalt. 

Im  Jahre  1877  konnte  man  endlich  sagen,  dass  die  Landesuntersuchung 
festen  Boden  unter  den  Füssen  hatte.  In  kurzer  Folge  erschien  zuerst 
Blatt  Chemnitz  und  zwar  in  doppelter  Ausführung  (1.  als  natürliche  Karte 
mit  56,  2.  abgedeckt  mit  38  Farbenbezeichnungen),  darauf  Lichtenstein, 
Zwickau,  Bochlitz,  ausserdem  die  Darstellung  der  Zwickauer  Kohlenfelder. 
Aus  dem  Granulitgebiet  lag  eine  Anzahl  von  Blättern  im  Manuscript  vor. 

Zu  gleicher  Zeit  trat  Credner  mit  seinem  ersten  Arbeitsbericht**),  der 
mancherlei  neue  Ergebnisse  zeigte,  an  die  Oeffentlichkeit.  Das  Granulit- 


*)  Neues  Jahrbuch  für  Mineralogie  1850,  1863,  1864. 

**)  Derartige  Berichte  erschienen  in  gewissen  Zeitahständen  an  verschiedenen 
Stellen,  z.  B. 

H.  Credner:  Die  geolog.  Landesuntersuchung  des  Kgr.  Sachsen.  Vergl.  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  Dresden  1874,  S.  118; 

Ders.:  Arbeiten  und  Puhlicationen  der  geolog.  Landesuntersuchung  von  Sachsen. 
Mitth,  des  V.  f.  Erdk.,  Leipzig  1877; 

Ders. : Die  geolog.  Landesuntersuchung  des  Kgr.  Sachsen  während  der  J ahre  1878—81. 
Mitth.  des  V.  f.  Erdk.  Leipzig  1880  und  Leipzig  hei  Mutze  1881; 

Ders. : Die  geolog.  Landesuntersuchung  des  Kgr.  Sachsen.  Leipzig  1885 ; 

Ders.:  Die  geolog.  Landesuntersuchung  des  Kgr.  Sachsen  im  Jahre  1889; 

Ders.:  Die  geolog.  Landesuntersuchung  des  Kgr.  Sachsen.  Zeitschrift  f.  praktische 
G-eologie  1893; 

Ders. : Die  geolog.  Landesuntersuchung  von  Sachsen  u.  ihre  Bedeutung  f.  d.  Praxis. 
„Civilingenieur“,  Band  51,  Heft  2,  1895. 

Siehe  auch:  Geologenkalender  von  1900. 


122 


gebirge  galt  nun  nicht  mehr  als  eruptiv;  es  gab  kein  feuerflüssiges  Lava- 
meer, keine  schwimmenden  metamorpliosirten  Schieferschollen,  keinen 
Kraterwall  mehr,  sondern  das  Granulitgebiet  wurde  als  eine  echte,  höchst 
Wechsel  volle  Sedimentärbildung,  als  eine  besondere  Facies  der  Gneiss- 
formation  angesprochen.  Im  Erzgebirge  war  die  flachkuppelförmige  Lagerung 
der  Urschiefer  erkannt;  das  Rothliegende  war  eingehender  gegliedert.  In 
Nordsachsen  wurde  von  grösstem  Einflüsse  für  die  Kartirung  die  Entdeckung 
Torell’s*)  vom  nordischen  Inlandeis;  Credner  war  einer  der  Ersten,  der 
sich  der  neuen  Anschauung  anschloss  und  seitdem  ununterbrochen  für  die 
Lösung  der  Glacialprobleme  gearbeitet  hat.  Damals  freilich  war  an  eine 
volle  Klarstellung  der  Verhältnisse  noch  nicht  zu  denken. 

Wir  sehen:  schon  am  Schlüsse  der  ersten  Arbeitsperiode  waren  die 
Grundlinien  der  Geologie  Westsachsens  aufs  Neue  festgelegt.  Nachdem 
einmal  ein  erspriesslicher  Anfang  gemacht  worden  war,  nahmen  die  Arbeiten 
einen  raschen  Fortgang.  Besonders  die  Untersuchung  des  Granulitgebirges 
wurde  so  gefördert,  dass  1880  bereits  ein  „geologischer  Führer“**)  durch 
dieses  Gebiet  erschien,  dem  dann  1884  eine  üebersichtskarte  nebst  Text- 
erläuterung***) folgte.  Ebenso  klärten  sich  die  Verhältnisse  im  Erzgebirge. 
Dalmer  hatte  im  westlichen  Erzgebirge  Phycoden  gefunden,  die  einerseits 
eine  Abtrennung  des  „oberen  Phyllits“  zu  Gunsten  des  Cambriuras  nöthig 
machten,  andererseits  aber  auch  zeigten,  wie  unmerklich  die  archäischen 
Schichten  in  die  Versteinerungen  führenden  Formationen  übergingen.  Ferner 
brachten  die  westlichen  Sectionen  hervorragend  schöne  Contacthöfe  zur 
Darstellung.  Das  erzgebirgische  Becken  wurde  noch  eingehender  gegliedert, 
besonders  auf  Grund  der  Erfahrungen  im  Lugauer  Gebiet  und  in  der 
Chemnitzer  Gegend,  wo  durch  SterzePs  werthvolle  Mitarbeiterschaft 
reiches  paläontologisches  Material  zusammenfloss.  Schon  1880  machte  sich 
eine  Neuausgabe  der  Section  Chemnitz  nöthig.  Besonderes  Aufsehen  er- 
regte die  Entdeckung  einer  eigenartigen  Saurierfauna  in  den  Süsswasser- 
ablagerungen des  Döhlener  Beckens,  deren  monographische  Bearbeitung  eines 
der  grössten  Verdienste  Credner’s  darstelltf). 

Im  Leipziger  Flachlande  war  man  unterdessen  zu  einer  besseren 
Gliederung  des  Oligocäns  und  Diluviums  gekommen.  Indem  die  nordischen 
Geschiebe  des  sächsischen  Diluviums  von  der  schwedischen  Landesanstalt 
in  Stockholm  auf  ihre  Herkunft  untersucht  wurden,  konnte  allmählich  die 
Bahn  festgestellt  werden,  die  die  Eismassen  auf  ihrem  Wege  durch  Nord- 
deutschland genommen  hatten.  Funde  von  einheimischen  Gletscher- 
schrammen bestätigten  die  Resultate,  weil  sie  durch  ihre  Richtung 
ebenfalls  einen  Anhalt  für  den  Lauf  des  Eises  gaben.  Eine  besonders 
schwierige,  aber  auch  lohnende  Aufgabe  war  es,  die  Kartirung  des  Schwemm- 
landes für  die  Landwirthschaft  dienstbar  zu  machen.  Zu  diesem  Zwecke 


*)  Jene  denkwürdige  Sitzung  der  deutschen  geologischen  Gesellschaft,  in  der  Torell 
unter  grossem  Widerspruch  seine  Ansichten  darlegte,  fand  am  3.  November  1875  statt. 
Vergl.  Zeitschr.  d.  deutsch,  geolog,  Gesellschaft  1875,  27.  Band,  S.  961. 

**)  H.  Credner:  Geolog.  Führer  durch  das  sächsische  Granulitgebirge.  Leipzig, 
Engelmann  1880. 

***)  H.  Credner:  Das  sächsische  Granulitgebirge  und  seine  Umgehung.  Leipzig, 
Engelmann  1884. 

f)  H.  Credner:  Die  Stegocephalen  und  Saurier  aus  dem  Rothliegenden  des 
Plauenschen  Grundes  hei  Dresden.  Mit  28  Tafeln  u.  102  Textfig.  Sonderabdruck  aus 
der  Zeitschrift  d.  deutsch,  geolog.  Gesellschaft  1881 — 1893,  u.  Natur w.  Wochenschrift  1890. 
Berlin,  Friedländer  u.  Sohn.  ’ ; 


123 


wurden  die  Bodenarten  möglichst  eingehend  nach  ihrem  chemischen  Gehalt 
gegliedert.  Feine  senkrechte  oder  waagerechte  Schraffen  über  den  Farben 
deutete  den  Grad  der  Durchlässigkeit  an.  Schliesslich  wurden  Tausende 
von  Bohrungen  — namentlich  durch  Sauer,  Hazard,  Dalmer,  Herr- 
mann — bis  zu  1 und  1,5  m Tiefe  ausgeführt  und  die  dabei  gefundenen 
Durchschnittswerthe  der  Deckschicht,  sowie  das  Symbol  für  die  darunter 
liegende  Bodenart  in  rother  Farbe  auf  die  Karten  gedruckt.  So  entstand 
eine  Darstellung  der  agronomischen  Verhältnisse  von  solcher  Genauigkeit, 
dass  besondere  Bodenkarten  überflüssig  wurden. 

Am  Ende  der  zweiten  Arbeitsperiode  erschien  auch  die  Section,  mit 
der  einst  Jentzsch  die  Feldarbeit  begonnen  hatte,  und  die  wegen  ihrer 
tectonischen  Schwierigkeiten  von  Sauer,  Siegert  und  Rothpletz  nochmals 
untersucht  worden  war. 

Auf  dem  deutschen  Bergmannstage  in  Dresden  1883  konnte  Credner 
zum  ersten  Male  mit  einer  tectonischen  Deutung  des  westsächsischen  Ge- 
birgsbaues  vor  die  Oeflentlichkeit*)  treten.  Er  wies  zwei  Faltungszeiten 
nach,  eine  nach  Ablagerung  des  Phyllits  und  eine  Hauptfaltung,  die  mit 
Ende  der  Culmzeit  abgeschlossen  war  und  in  Westsachsen  drei  Sättel  von 
absteigender  Grösse  aufthürmte.  Die  tertiären  Verwerfungen  hatte  bereits 
Naumann  richtig  erkannt.  Wichtig  war  noch  die  Feststellung  einer  grossen 
Ueberschiebung  bei  Sachsenburg,  die  endlich  das  Räthsel  von  der  sogenann- 
ten „postsilurischen  Gneissformation“  löste. 

1885  lagen  48  Sectionen  fertig  vor,  die  fast  ganz  Westsachsen  um- 
fassten. Einige  Schwierigkeiten  bereitete  noch  die  Aufnahme  der  vogt- 
ländischen Silur-  und  Devongebiete,  weil  dieselbe  nur  unter  fortwährender 
Controlle  mit  den  thüringischen  Nacbbarsectionen  vorwärts  schreiten  konnte. 
E.  Weise  arbeitete  daher  hier  unter  stetiger  Unterstützung  des  Geologen 
Thüringens,  Prof.  Liebe. 

Die  nächsten  Jahre  waren  der  Aufnahme  des  Elbthalgebiets  (haupt- 
sächlich durch  R.  Beck)  und  des  Lausitzer  Granits  gewidmet.  Zuletzt  kam 
das  Gebiet  von  Zittau  an  die  Reihe.  1893  waren  105  Sectionen  publicirt. 
1895  konnte  die  eigentliche  Kartirung  als  beendet  erklärt  werden.  Denn 
es  bestand  von  Anfang  an  durchaus  nicht  die  Absicht,  alle  156  Sectionen 
zu  bearbeiten.  Die  Grenzgebiete  sollten  vielmehr  zum  Theil  von  den 
Nachbarländern  untersucht  werden,  zum  Theil  — wo  es  sich  nur  um 
kleine  sächsische  Antheile  handelte  — auf  der  entsprechend  vergrösserten 
Nachbarsection  dargestellt  werden.  So  war  die  Zahl  der  programmgemäss 
zu  erledigenden  Blätter  auf  123  reducirt.  Eine  Sonderdarstellung  sollten 
ausser  den  Kohlenfeldern  aber  noch  die  Erzgangdistricte  Anden,  und  zwar 
durch  den  Freiberger  Bergrath  H.  Müller. 

Die  soweit  fertig  gestellte  Karte  wurde  durch  den  Sanitätsrath 
Dr.  Barth  als  Reliefkarte  ausgeschnitten,  eine  Arbeit,  die  wohl  auch  an 
dieser  Stelle  eine  anerkennende  Erwähnung  verdient**).  Die  sächsische  Re- 


*)  H.  Credner:  Ueber  das  erzgebirgische  Faltensystem.  Vortrag,  gehalten  auf 
dem  2.  allgemeinen  deutschen  Bergmannstag  zu  Dresden.  Dresden,  Fr.  Axt. 

**)  Dr.  Barth  führte  die  Karten  in  der  Weise  aus,  dass  er  unter  Benutzung  von  je 
einem  einzigen  Sectionsblatte  die  Höhenschichten  ausschnitt  und  auf  besonders  zu  diesem 
Zwecke  hergestelltes  Cartonpapier  aufklebte.  Sämmtliche  Sectionen,  mit  Ausnahme  des 
Leipziger  Flachlandes,  sind  ohue  Ueberhöhung;  kein  Land  der  Erde  kann  sich  einer 
ähnlichen  plastischen  Gesammtdarstellung  rühmen. 


124 


gierung  wusste  den  Werth  dieses  Reliefs  zu  würdigen,  indem  sie  auf  An- 
regung der  „Isis“  dasselbe  für  das  K.  Mineralogische  Museum  kaufte. 

Doch  die  Vollendung  der  Arbeit  war  nur  eine  scheinbare*).  Durch 
erneute  Verhandlung  mit  Preussen  waren  die  alten  Abmachungen  um- 
gestossen,  und  es  wurde  beschlossen,  bei  jeder  Grenzsection  von  Fall  zu 
Fall  Entscheidung  herbeizuführen,  welches  Land  die  Kartirung  zu  über- 
nehmen habe.  In  wenigen  Wochen  werden  noch  zwei  neue  Blätter  von 
der  sächsischen  Landesanstalt  herausgegeben  werden,  nämlich  Section  133 
(Kauschwitz)  und  141  (Misslareuth).  So  können  wir  auch  heute  nach  drei 
Jahrzehnten,  trotzdem  viele  Blätter  schon  in  revidirter  Auflage  erschienen 
sind,  noch  immer  nicht  von  einem  völligen  Abschlüsse  des  riesigen  Karten- 
werkes sprechen. 

Es  war  nicht  möglich,  an  dieser  Stelle  mehr  als  den  historischen  Gang 
der  officiellen  Arbeiten  zu  schildern.  Wir  müssen  uns  versagen,  auch  nur 
auszugsweise  die  vielen  trefflichen  Aufsätze  zu  berücksichtigen,  die  die 
Landesgeologen  privatim  in  wissenschaftlichen  Zeitschriften  und  Sonder- 
abhandlungen veröffentlichten.  Noch  weniger  können  wir  der  vielen  Klein- 
arbeitgedenken, die  in  den  Verhandlungen  der  sächsischen  naturforschenden 
Gesellschaften,  in  Dissertationen,  Programmen  etc.  niedergelegt  ist.  Nicht 
einmal  alle  Namen  der  Mitarbeiter  der  geologischen  Landesanstalt  haben 
wir  bisher  nennen  können.  Aber  wir  möchten  uns  dieser  Dankesschuld 
nicht  entziehen,  zum  Schlüsse  die  Namen  jener  wackeren  Männer  und 
ihre  jetzige  Lebensstellung  aufzuführen**): 

Beck,  R.,  Dr.,  o.  Prof,  der  Geologie  und  Lagerstättenlehre,  Bergakademie 
Freiberg. 

Credner,  R.,  Dr.,  o.  Prof,  der  Geographie,  Universität  Greifswald. 

Dalmer,  K.,  Dr.,  Sectionsgeolog  a.  D. 

Dathe,  E.,  Dr.,  K.  Preuss.  Landesgeolog. 

Danzig,  E.,  Dr.,  Oberlehrer,  Realschule  Rochlitz. 

Etzold,  F.,  Dr.,  Gustos,  Geolog.  Landesanstalt  Leipzig. 

Gäbert,  C.,  Dr.,  K.  Sächs.  Sectionsgeolog. 

Geinitz,  E.,  Dr.,  o.  Prof,  der  Mineralogie  und  Geologie,  Universität 
Rostock. 

Hazard,  J.,  Prof.  Dr. , Agronom,  Landwirthschaftl.  Versuchsstation 
Möckern. 

Herrmann,  0.,  Dr.,  Geolog,  Lehrer  f.  Chemie,  Techn.  Staatslehranstalten 
Chemnitz. 

Hibsch,  J.,  Dr.,  Prof,  für  Naturwissensch.,  Landw.  Akademie  Tetschen. 

Jentzsch,  A.,  Prof.  Dr.,  K.  Preuss.  Landesgeolog. 


*)  Anhangsweise  mögen  hier  die  Erdbehenforschnngen  erwähnt  sein.  Dieselben 
sind  zwar  vom  Director  der  Landesanstalt  organisirt  und  neuerdings  durch  Aufstellung 
eines  empfindlichen  Seismometers  erweitert  worden.  Doch  werden  die  Kosten  dafür  nur, 
soweit  es  sich  um  Nahebeben  handelt,  vom  Cultusministerium  (als  Arbeiten  im  geolog. 
Institut  der  Universität)  bestritten.  Sie  stehen  also  mit  der  geologischen  Landesanstalt 
in  keinem  Zusammenhänge. 

**)  Einen  Ehrenplatz  verdient  hier  auch  Dr.  Alfred  Wilhelm  Stelzner  (geh.  1840, 
gest.  1895).  Als  Professor  der  Ereiberger  Akademie  und  Sammlungsverwalter,  als  aus- 
gezeichneter Litteraturkenner  und  Mikroskopiker,  als  Specialist  für  Lagerstätten  hat  er 
sich  um  Sachsen  grosse  Verdienste  erworben.  Sein  Rath  war  oft  begehrt,  wenn  es  sich 
um  Anlage  von  Bergwerken,  Wassergewinnung  etc.  handelte.  Seine  ersten  Arbeiten 
betreffen  die  Granite  und  Zinnerzlagerstätten  bei  Geyer.  (Biographien  in  der  „Isis“  1895 
und  „Zeitschrift  f.  prakt.  Geologie“  1895.) 


125 


Kalkowsky,  E.,  Dr.,  o.  Prof,  der  Mineralogie  und  Geologie  an  der 
Techn.  Hochschule  und  Dir.  des  K.  Min.-geol.  Museums  nebst  der 
Prähist.  Samml.  Dresden. 

Klemm,  G.,  Dr.,  Grossh.  Hess.  Landesgeolog. 

Lehmann-Hohenberg,  J.,  Dr.,  Prof,  der  Geologie,  Universität  Kiel. 

Mietzsch,  H.,  Dr.  (gestorben  1877). 

Müller,  Geh.  Bergrath,  Bergamtsrath  a.  D.,  Freiberg. 

Penck,  A.,  Dr.,  o.  Prof,  der  Geographie,  Universität  Wien. 

Rothpletz,  A.,  Dr.,  a.  o.  Prof,  der  Geologie,  Universität  München. 

Sauer,  A.,  Dr.,  o.  Prof,  an  der  Techn.  Hochschule  Stuttgart. 

Schalch,  F.,  Hofrath  Dr.,  Grossh.  Bad.  Landesgeolog. 

Schröder,  W.,  Dr.,  Stadtapotheker,  Gera. 

Siegert,  Th.,  Prof.,  Sectionsgeolog,  Lehrer  für  Mineralogie,  Technische 
Staatslehranstalten  Chemnitz. 

Sterzei,  T.,  Prof.  Dr.,  Oberlehrer,  Höh.  Mädchenschule  Chemnitz. 

Vater,  H.,  Dr.,  Prof,  der  Geologie  und  Mineralogie,  Forstakademie  Tha- 
randt. 

Weber,  E.,  Dr.,  Thonwerksbesitzer,  Schwepnitz. 

Weise,  E.,  Prof.,  Oberlehrer,  K.  Seminar  Plauen  i.  V. 

Als  Zugabe  seien  schliesslich  noch  einige  Angaben  gemacht,  die  mit 
den  wissenschaftlichen  Arbeiten  nicht  in  directem  Zusammenhänge  stehen, 
aber  doch  nicht  ganz  ohne  Interesse  sein  dürften. 

Es  wird  oft  gefragt,  wieviel  Kosten  wohl  die  Herstellung  einer  Section 
verursache.  Wir  sind  in  der  Lage,  diese  Frage  auf  Grund  der  Angaben 
des  Herrn  Geh.  Bergrathes  Prof.  Dr.  H.  Credner,  der  von  Anfang  an  auch 
die  gesammte  Mühwaltung  der  Rechnungsführung  auf  sich  genommen  hat, 
durch  folgende  Zusammenstellung  beantworten  zu  können: 

200  Arbeitstage  im  Feld  ä 12  Mk.  . 2400  Mk. 

R PI QplrnG'fp'n  I 

Gehalt  des  Geologen  (2500— 3800  Mk.)  3000  ”, 

Druck  incl.  Text 1700  „ 

7200  Mk. 

Es  kostet  demnach  ein  Blatt  bei  einer  Auflage  von  600  Exemplaren  (früher 
stellte  man  nur  3—400  her)  dem  Staate  12  Mk.  Hierbei  ist  ausser  An- 
satz geblieben:  Gehalt  des  Directors  und  Custos,  Unterhaltung  der  Biblio- 
thek, Herstellung  der  Dünnschliffe,  Beschaffung  der  Arbeitsräume.  Diese 
Generalunkosten  müssen  zu  gleichen  Theilen  auf  die  in  einem  Jahre  fertig- 
gestellten Sectionen  verrechnet  werden.  Da  die  Zahl  derselben  von  1 — 10 
schwankt,  lässt  sich  eine  mittlere  Schätzung  schwer  ausführen;  doch 
dürfte  sich  der  Selbstkostenpreis  eines  Exemplars  leicht  auf  das  Doppelte 
der  oben  berechneten  Summe  belaufen. 

Einige  recht  interessante  Angaben  über  die  mechanische  Arbeit,  die 
bei  der  Aufnahme  und  Herstellung  der  Karten  geleistet  worden  ist,  ent- 
nehmen wir  einem  freundlichst  zur  Verfügung  gestellten  Privatbrief  des 
Herrn  Custos  Dr.  F.  Etzold  an  den  Leiter  der  Landesanstalt.  ' 

Setzt  man  180  Tage  als  Durchschnitt  für  die  Aufnahme  einer  Section 
und  20  km  als  tägliche  Marschleistung,  so  hat  der  Sectionsgeolog  3600  km, 
d.  h.  etwa  den  Weg  von  Paris  bis  Orenburg  zurückgelegt.  Hat  er  11  Sec- 
tionen aufgenommen,  so  hätte  er  ebenso  gut  den  Aequator  der  Erde  in 
derselben  Zeit  umlaufen  können.  Um  ein  Thal  mit  200  m hohen  Gehängen' 


126 


zu  kartiren,  musste  Hazard  mindestens  25  mal  hinaufsteigen  — er  hätte 
also  seine  Beine  nicht  höher  zu  heben  brauchen,  um  vom  Meeresspiegel 
bis  auf  die  Höhe  des  Montblanc  zu  steigen. 

Zur  Reinzeichnung  einer  Karte  sind  2 Wochen  erforderlich,  das  macht 
für  123  Sectionen  246  Wochen  oder  4^/^  Jahre  rein  mechanischer  Arbeit. 
Das  dreimalige  Correcturlesen  der  Karte  verschlang  123  mal  45  Arbeits- 
stunden oder  690  Tage.  Die  Correctur  der  7167  Seiten  umfassenden  Er- 
läuterungen, die  ebenfalls  dreimal  erfolgen  musste,  erforderte  einen  Zeitraum 
von  3 mal  1344  Stunden;  das  ergiebt  also  insgesammt  1194  Tage  oder 
nahezu  4 Jahre  ununterbrochenen  Lesens. 

Bis  1895  hatte  die  Firma  Giesecke  & Devrient  39500  Texthefte  und 
39100  Kartenblätter  gedruckt,  zu  welch  letzteren  1836  lithographische 
Steine  bearbeitet  und  583600  Einzeldrucke  ausgeführt  werden  mussten. 
Hätte  das  K.  Finanzministerium  wie  ursprünglieh  geplant  — • die 
1836  Steinplatten  gekauft,  so  könnte  dasselbe  jetzt,  da  jeder  Stein 
42  Mk.  kostet  und  ca.  85  kg  wiegt,  über  ein  Steinlager  im  Werthe  von 
77112  Mk.  und  im  Gewicht  von  156060  kg  oder  3121  Centnern  verfügen, 
zu  dessen  Transport  ein  Eisenbahnzug  von  16  Doppellowries  nothwendig 
wäre! 

Ausblick  in  die  Zukunft. 

„Wohl  dem,  der  seiner  Väter  gern  gedenkt,  der  froh  von  ihren  Thaten, 
ihrer  Grösse  den  Hörer  unterhält,  und  still  sich  freuend  ans  Ende  dieser 
schönen  Reihe  sich  geschlossen  sieht.“  (Iphigenie.) 

Möge  diese  Freude  auch  der  Leiter  der  geologischen  Landesanstalt 
empfinden,  wenn  er  unseren  Ausführungen  bis  hierher  gefolgt  ist.  Denn 
wir  sind  jetzt  nach  langer  Wanderung  durch  Jahrhunderte  der  Irrungen 
und  des  Strebens  an  dem  Zeitpunkte  angelangt,  da  wir  mit  aufrichtiger 
Bewunderung  Herrn  Geh.  Bergrath  Prof.  Dr.  H.  Credner  und  allen  seinen 
wackeren  Arbeitsgenossen  unseren  Glückwunsch  zur  Vollendung  des  dritten 
Decenniums  erfolgreicher  Forschung  darbringen  dürfen. 

Aber  nichts  in  der  Wissenschaft  ist  unübertrefflich;  auch  Sachsen 
hat  noch  lohnende  geologische  Aufgaben  zu  lösen,  alte,  die  schon  seiner 
Zeit  auf  dem  Programm  standen,  und  neue,  die  der  Fortschritt  der  For- 
schungsmethoden unablässig  hinzufügt.  Und  so  sei  es  gestattet,  unseren 
Rückblick  zu  schliessen  mit  einem  Ausblick  in  die  Zukunft,  mit  einem 
Wunschzettel  — nicht  nur  an  die  Adresse  der  Landesanstalt  und  der 
Staatsregierung,  sondern  Aller,  die  an  Sachsens  Landesdurchforschung  ein 
Interesse  haben,  sei  es  materieller  oder  wissenschaftlicher  Art. 

Dass  die  vorliegenden  Specialkarten  verbesserungsfähig  sind,  braucht 
an  dieser  Stelle  nicht  erst  bewiesen  zu  werden.  Jede  neue  Bohrung, 
Schürfung,  sowie  veränderte  theoretische  Ansichten  können  das  geologische 
Bild  im  Einzelnen  vervollständigen.  Aus  diesem  Grunde  hat  die  Landes- 
anstalt auch  bereits  seit  Jahren  die  Blätter,  deren  erste  Auflage  vergriffen 
war,  im  Terrain revidiren und  neuerscheinen  lassen.  Diese  Arbeit  wird  auch 
künftig  jährlich  einige  Geologen  in  Anspruch  nehmen.  Wenn  man  allerdings 
hört,  dass  die  Herstellung  eines  Revisionsblattes  fast  ebenso  viel,  wie  die  erste 
Bearbeitung  kostet,  wenn  man  erwägt,  dass  die  Landesanstalt,  um  das  einheit- 
liche Gepräge  des  Ganzen  nicht  zu  verletzen,  gar  nicht  alle  theoretischen, 
namentlich  genetischen  Entdeckungen  auf  den  Karten  ausdrücken  darf,  so 
wird  man  den  Werth  der  Neuauflagen  etwas  niedriger  einschätzen.  Hier 


127 


sollten  unseres  Erachtens  die  monographischen  Abhandlungen  einsetzen, 
die  nicht  an  das  Gebiet  einer  Section  gebunden  sind,  Arbeiten  über 
Gesteinsgruppen,  Tectonik,  Genesis,  Formationsgliederung*),  Paläonto- 
logie u.  s.  w.  Nur  hier  könnten  z.  B.  so  schwerwiegende  Fragen  erledigt 
werden,  wie  die  seit  Kurzem  wieder  aufgestellte  Theorie  von  der  Erup- 
tivität  des  Granulites  und  mancher  Gneisse.  Man  mag  einwenden:  für  solche 
Arbeiten  giebt  es  Zeitschriften  genug.  Giebt  aber  die  Landesanstalt  selbst 
Abhandlungen  heraus  (ob  die  Verfasser  Landesgeologen  sind  oder  nicht, 
muss  dabei  gleichgiltig  bleiben),  so  sichert  sie  sich  einen  grösseren  Ein- 
fluss auf  die  Wahl  der  Themen  und  auf  ein  planmässiges  Vorschreiten. 
Es  fehlt  in  Sachsen  nicht  an  arbeitswilligen  Männern,  die  gern  ihre  Kraft 
in  den  Dienst  dieses  gemeinnützigen  Unternehmens  stellen  und  wenigstens 
zeitweise  nach  den  Directiven  der  Landesanstalt  arbeiten  würden.  Zugleich 
wären  diese  Abhandlungen  eine  Centralstelle  für  Publicationen  von  Bohrungs- 
ergebnissen etc.,  die  sich  sonst  ungemein  zersplittern.  Die  gewaltige  Fülle 
dieser  Kleinlitteratur  lässt  uns  überdies  wünschenswerth  erscheinen,  dass 
wieder  einmal  durch  eine  Bibliographie  nach  Art  der  Arbeit  von  Jentzsch 
die  Publicationen  der  letzten  drei  Decennien  zusammengestellt  würden**). 

Eine  fernerhin  unumgänglich  nöthige  Arbeit  ist  die  Herausgabe  eines 
Uebersichtsblattes  von  ganz  Sachsen  und  eines  Textes  dazu.  Das  erstere 
Werk  dürfen  wir  wohl  in  nächster  Zeit  erhoffen,  und  der  treffliche 
bereits  erschienene  topographische  Unterdrück  lässt  erkennen,  wieviel  Mühe 
und  Geld  auf  diese  Karte  verwendet  wird.  Auf  den  Text  aber  warten 
sicher  Hunderte,  namentlich  in  der  sächsischen  Lehrerschaft,  mit  Schmerzen. 
Denn  wer  nicht  das  Glück  gehabt  hat,  H.  Credner  auch  als  hervorragenden 
Lehrer  in  seinem  Colleg  über  Sachsen  kennen  zu  lernen,  oder  wer  in 
Dresden,  Tharandt  bez.  Freiberg  ähnliche  Collegien  gehört  hat,  dem  fehlt 
für  das  Verständniss  einer  einzelnen  Section  völlig  die  Kenntniss  des  Ge- 
sammtbildes.  Höchstens  die  verstreuten  Notizen  in  Credner’s  ,, Elementen 
der  Geologie“  können  hier  vorläufig  einigen  Ersatz  bieten. 

Die  Verwerthung  der  geologischen  Ergebnisse  für  die  Praxis  ist  jeder- 
zeit von  der  Landesanstalt  selbst  besonders  hervorgehoben  worden.  Es 
ist  vielleicht  nicht  allseitig  bekannt,  dass  die  letztere  auch  officiell  mit 
der  Beantwortung  von  privaten  Anfragen  aus  technischen  und  Ackerbau 
treibenden  Kreisen  beauftragt  ist.  Es  wären  sonst  nicht  so  thörichte 
Unternehmungen  möglich,  dass  man  z.  B.  viel  Geld  für  Bohrungen  im  Gneiss 
ausgiebt,  um  dort  Steinkohlen  zu  finden,  weil  in  der  Nähe  der  Geschiebe- 
lehm einige  Kohleschmitzchen  enthalten  hatte.  (Dies  konnte  Verfasser 
erst  im  letzten  Sommer  auf  Section  Hammerunterwiesenthal  beobachten.) 
Wie  werthvoll  unsere  Karten  für  die  Landwirthschaft  sind,  wurde  bereits 
früher  betont.  Einen  Theil  der  agronomischen  Fragen,  namentlich  specielle 
Bodenuntersuchungen,  erledigt  überdies  jetzt  Dr.  Hazard  im  agronomischen 
Institut  zu  Möckern -Leipzig.  Dass  der  Bergbau  allezeit  den  grössten 
Nutzen  aus  den  geologischen  Forschungen  gezogen  hat,  ist  bekannt.  Die 
Gangkarten  von  H.  Müller,  die  Darstellung  der  Kohlenbecken  (zum  Theil 


*)  Eine  derartige  Monographie  von  hervorragendem  Werthe,  die  uns  Niemand  besser 
liefern  könnte,  als  H.  Credner  selbst,  wäre  die  übersichtliche  Behandlung  des  sächsischen 
Diluviums. 

**)  Einstweilen  haben  wir  ein  derartiges , wenn  auch  für  die  Geologie  bei  weitem 
nicht  vollständiges  Werk  in  Paul  Emil  Bichter:  Litteratur  der  Landes-  und  Volks- 
kunde des  Königreichs  Sachsen.  Dresden  1889.  Nachträge:  1 1892,  11  1894,  III  1898. 


128 


unter  Mitarbeit  des  Markscheiders  R.  Hausse)  zeigen,  dass  auch  in  der 
neuen  Landesuntersuchung  viel  in  dieser  Richtung  gethan  wird.  Welche 
nationalöconomischen  Vortheile  noch  in  Zukunft  aus  der  Kartirung  gezogen 
werden  können,  das  beweisen  schlagend  die  Beispiele  über  Anlage  von 
Wasserwerken,  Staubecken,  Thongruben,  Braunkohlenschächten,  Riesel- 
feldern auf  Grund  geologischer  Vorarbeiten,  die  Credner  auf  der  sächsischen 
Ingenieurversammlung  1894  anführte  (a.  a.  0.). 

Soll  das  Riesenwerk  einer  solchen  Specialkarte  im  Volke  noch  grössere 
Würdigung  finden,  so  müssen  auch  ferner  geeignete  Schritte  zur  Populari- 
sirung  der  Ergebnisse  gethan  werden.  Die  Zeit  ist  jetzt  günstig  dafür. 
Höhere  Lehranstalten  wie  Volksschulen  öffnen  ihre  Lehrpläne  mehr  und  mehr 
geologischen  Unterweisungen.  Das  Vaterland  muss  selbstverständlich  die 
Unterlage  derselben  bieten.  Dazu  gehören  aber  geeignete  Lehrmittel,  vor 
Allem  Schulkarten.  Das  zu  erwartende  Uebersichtsblatt  ist  für  diesen  Zweck 
in  keiner  Weise  brauchbar;  es  ist  als  Wandkarte  zu  klein,  als  Handkarte 
selbst  für  18jährige  Abiturienten  viel  zu  reichhaltig,  um  mit  elementaren 
Kenntnissen  gelesen  zu  werden.  Die  Schule  braucht  nur  die  schematisirten 
grossen  Züge  in  möglichst  eindringlichen  Farbentönen  — und  nicht  zu 
vergessen  — billigen  Preis  der  Blätter.  Wie  wir  zu  unserer  Freude  hören, 
sind  die  Vorbereitungen  zu  einem  derartigen  Werke  bereits  im  Gange. 

Doch  die  Geologie  ist  keine  isolirte  Wissenschaft,  sie  soll  befruchtend 
wirken  auf  die  benachbarten  Wissensgebiete,  besonders  auf  die  Geographie, 
die  Landschaftskunde.  Nur  auf  Grund  der  Gesteinskenntniss  ist  es  möglich, 
zu  einer  vertieften  Auffassung  der  Landschaftszüge  zu  gelangen.  Nur  dem 
geologisch  Vorgebildeten  wird  der  innige  Zusammenhang  zwischen  Boden 
und  Pflanzenwelt,  Bodencultur,  Siedelungen,  Bevölkerungsdichte,  Verkehrs- 
geographie völlig  erschlossen.  In  den  Einleitungscapiteln  der  Texterläuter- 
ungen unserer  Karte  liegt  in  dieser  Beziehung  noch  ein  gewaltiger  Schatz, 
den  zu  heben  insbesondere  die  Localmonographien  berufen  sind. 

Und  so  mögen  sich  alle  Zeit  in  Sachsen  Männer  finden,  die  bereit 
sind,  mit  zu  arbeiten  an  dem  grossen  Werke  vaterländischer  Forschung. 
Möge  alle  Zeit  Sachsen  das  Lob  verdienen,  das  ihm  Zittel  spendet:  das 
in  geologischer  Beziehung  am  genauesten  erforschte  Musterland  Deutsch- 
lands zu  sein! 


YIII.  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica 
in  den  Jahren  1899 — 1902. 

Von  Dr.  B.  Schorler. 


Die  letzte  Liste  der  Bereicherungen  der  Flora  Saxonica  findet  sich  in 
den  Isis  “Abhandlungen  1898.  Seit  dieser  Zeit  ist  wieder  einiges  Neue 
hinzugekommen.  Das  Bemerkenswertheste  ist  in  Folgendem  aufgeführt.  Es 
sind  in  der  Hauptsache  neue  Standorte.  An  neuen  Arten  sind,  wenn  wir 
von  den  Einschleppungen  absehen,  zwei  festgestellt  worden,  xiimMch.  Dactylis 
Aschersoniana  Graebner  und  ütricularia  ochroleuca  R.  Hartm.  Um  ein 
leichtes  Nachschlagen  und  Vergleichen  in  Wünsche’s  Excursionsflora  (jetzt 
Pflanzen  des  Königreiches  Sachsen)  zu  ermöglichen,  ist  wieder  wie  in  den 
früheren  Jahren  dessen  Reihenfolge,  also  jetzt  das  Engler’sche  System, 
der  Aufzählung  zu  Grunde  gelegt.  Verfasser  möchte  die  Gelegenheit  nicht 
vorübergehen  lassen,  ohne  abermals  an  alle  sächsischen  Floristen  die 
Bitte  zu  richten,  dem  botanischen  Institut  der  Technischen  Hochschule  zu 
Dresden  von  ihren  neuen  Funden,  seien  es  nun  Phanerogamen  oder 
Kryptogamen,  Mittheilung  zu  machen  und  eventl.  Belegexemplare  dem 
Herbarium  der  Flora  Saxonica  daselbst  einzusenden.  Das  Herbarium  ist 
bereits  auf  240  Fascikel  mit  ca.  25000  Einzelblättern  angewachsen.  Allen 
den  Herren,  die  durch  ihre  Funde  das  Herbarium  bereichert  haben,  wird 
auch  an  dieser  Stelle  verbindlichst  gedankt. 

Nephrodium  Thelypteris  Desv.  Grossenhain:  im  Bärenbruch  zwischen 
Bauda  und  Görzig,  aber  bis  jetzt  nur  in  dürftigen  Exemplaren  gefunden. 
(H.  Hofmann,  5.  September  1901.)  lieber  die  weitere  Verbreitung  dieser 
Art  siehe  Drude:  Hercynischer  Florenbezirk,  S.  237. 

Dactylis  Aschersoniana  Graebner.  Unter  diesem  Namen  hat  Graebner 
bereits  1899  im  Notizblatt  des  K.  Bot.  Gartens  und  Museums  zu  Berlin 
Nr.  17,  II,  S.  274  eine  von  D.  glomerata  gut  unterschiedene  Art  beschrieben, 
die  von  ihm  auch  in  Sachsen  bei  Leipzig  und  im  Dresdner  Grossen  Garten 
beobachtet  wurde.  Sie  dürfte  in  Sachsen  auf  buschigen  sonnigen  Hügeln 
und  in  Laubwäldern  auch  noch  weiter  verbreitet  sein.  Im  Herbarium  der 
Flora  Saxonica  liegt  ein  am  5.  Juli  1868  wahrscheinlich  von  E.  Vogel  ge- 
sammeltes Exemplar,  das  die  Bezeichnung  Dactylis  glomerata  var.  trägt 
und  aus  der  schattigen  Schlucht  hinter  dem  Felsenkeller  im  Plauenschen 
Grunde  stammt.  Das  ist  auch,  wie  ich  mich  überzeugt  habe,  Dactylis 
Aschersoniana  Graebn.  Da  das  Notizblatt  oder  auch  die  Synopsis  von 
Ascherson  und  Graebner  nicht  allen  botanischen  Mitgliedern  der  ,,Isis“  zur 
Verfügung  steht,  so  seien  hier  nach  der  Synopsis  die  Unterscheidungs- 
merkmale der  beiden  nahe  verwandten  Arten  angeführt: 


130 


Dactylis  glomerata  L. 

Pflanze  graugrün. 

Dicht  rasenförmig. 

Blätter  mit  meist  deutlich  rückwärts 
rauher  Scheide. 

Blatthäutchen  zerschlitzt. 

Kispe  geknäuelt,  stets  aufrecht. 
Bispenäste  abstehend  oder  zurück- 
geschlagen. 

Aehrchen  meist  3 — 4blüthig. 

Untere  Hüllspelze  1 nervig, 
obere  am  Kiele  steif  haarig  gewimpert, 
beide  derb. 


Dactylis  Aschersoniayia  Graebn. 

Pflanze  lebhaft  hellgrün. 

Grundachse  kriechend,  wenig  oder 
nicht  verzweigt,  bis  1 dm  lange 
dünne  Ausläufer  treibend. 

Blätter  mit  glatter  Scheide. 

Blatthäutchen  meist  nicht  zerschlitzt. 

Rispe  nicht  geknäuelt,  überhängend. 

Rispenäste  anliegend,  nur  zur  Blüthe- 
zeit  abstehend. 

Aehrchen  meist  Gblüthig. 

Beide  Hüllspelzen  Snervig, 

kahl  und 

durchsichtig  häutig. 


Ueber  die  Tracht  giebt  die  Synopsis  II,  S.  382  an: 

„D.  Ascher soniana  fällt  an  den  Standorten,  an  denen  sie  meist  in 
grossen  Mengen  vorkommt  und  oft  sogar  eine  ganz  charakteristische 
Formation  bildet,  durch  ihre  eigenartige  Tracht  sofort  auf.  Die  schlaff 
überhängenden  Blätter  erinnern  an  Melica^  die  Stengel  sind  sehr  schlank 
und  hoch  und  tragen  an  der  Spitze  die  überhängende  schlanke,  wenig 
auffällige,  hellgrüne  Rispe  und  stehen  fast  stets  einzeln  an  der  Pflanze. 
Dazu  kommt,  dass  man  noch  Anfang  Juni  auch  an  sonnigen  Standorten 
kaum  eine  Rispe  findet,  erst  Mitte  Juni  ragen  dieselben  aus  der  Scheide 
hervor.  Die  abgestorbenen  Stengel  bleiben  sehr  lange  stehen,  mindestens 
bis  zur  Mitte  des  folgenden  Sommers  und  drücken  dadurch  den  Beständen 
ein  ganz  charakteristisches  Gepräge  auf.“ 

Heleocharis  multicaulis  Koch.  Die  Art  ist  nur  auf  den  NO.  von 
Sachsen,  auf  die  Lausitzer  Teich-Hügellandschaft  (Territorium  9 von  Drude’s 
Hercynischem  Florenbezirk)  beschränkt.  Hier  findet  sie  sich  an  seichten 
torfigen  Teichrändern  mit  den  Rhynchospora-kiiQn  vergesellschaftet,  wie 
es  scheint,  gar  nicht  so  selten.  Nach  dem  ersten  von  Drude  1895  bei 
Grossgrabe  nordöstlich  von  Königsbrück  entdeckten  sächsischen  Standort 
haben  wir  auf  einer  gemeinsamen  Excursion  am  1.  und  2.  September  1900 
noch  weitere  Standorte  bei  Döbra,  nordöstlich  von  Kamenz,  und  bei  Königs- 
wartha und  Caminau  aufgefunden.  In  den  Teichen  zwischen  diesen  beiden 
letzten  Orten  sind  ihre  Rasen  so  zahlreich,  dass  ihr  gegenüber  Rhynchospora 
fusca  zurücktritt.  Die  Linie  Grossgrabe-Döbra- Königswartha- Caminau 
bildet  vorläufig  die  südliche  Verbreitungslinie  dieser  Art,  soweit  sie  in 
Sachsen  verläuft. 

Leucojum  vernum  L.  Elbsandsteingebirge:  im  Polenzthale  von  Neu- 
stadt bei  Stolpen  bis  zur  Frinzthalmühle  häufig,  an  manchen  Stellen  in 
grossen  Mengen  (Ostermaier). 

Salix  molissima  Ehrh.  (=  8.  amygdalina  L.><:purpureaL.).  Pirna:  bei 
Pratschwitz,  auch  bei  Loschwitz  und  üebigau  angepflanzt  (R.  Missbach, 
October  1902). 

Fumaria  officinalis  L.  var. Koch.  Dresden:  am  Eisenbahn- 
einschnitt bei  Oberau,  greg.  (Fritzsche,  3.  Juni  1902). 


131 


Dentaria  enneaphylla  L.  Elbsandsteingebirge:  im  Polenzthal  mit 
Asperula^  Daphne  und  Arum  maculatiim  zahlreich  (Ostermaier). 

Bosa  gallica  L.  Am  21.  December  1902  theilte  mir  Herr  Hofmann- 
Grossenhain  mit,  dass  er  diese  Art  im  letzten  Sommer  unterhalb  Meissen 
am  Zadeler  Abhang  aufgefunden  habe  und  dass  dieses  Vorkommen  weder 
Wünsche  noch  Schlimpert  erwähnten.  Ich  habe  auch  unter  den  von 
Schlimpert  seiner  Zeit  dem  Herbarium  der  Flora  Saxonica  eingesandten 
Belegexemplaren  den  Standort  nicht  vertreten  gefunden,  er  ist  also  neu. 

Potentilla  Fragariastrum  Ehrh.  Am  12.  Mai  1902  im  Rabenauer 
Grunde  zwischen  der  Rabenauer  und  der  Spechtritz-Mühle  von  Herrn  Dr. 
Wolf  aufgefunden.  Die  Befürchtung,  die  Dr.  Wolf  in  seinen  ,,Potentillen- 
Studien“,  S.  12  aussprach,  dass  der  einzige  bisher  sicher  nachgewiesene 
Standort  in  Sachsen  im  Weisseritzthal  durch  die  Hochfluth  zerstört  worden 
und  dadurch  die  Art  aus  der  sächsischen  Flora  verschwunden  sei,  ist  also 
zum  Glück  nicht  in  Erfüllung  gegangen. 

Fotentilla  collina  ^thyrsifiora  Hülsen  (s.  Wolf:  Potentillen  - Studien, 
S.  30).  Meissen:  am  Strassengraben  «bei  Brockwitz  (Fritzsche). 

f Fotentilla  intermedia  L.  (non  aliorum).  Auf  Schutt-  und  Bauplätzen 
an  der  neuen  Strasse  zwischen  Dresden  und  Vorstadt  Plauen.  Eingeschleppt. 
Vaterland  Central-Russland.  1901  zum  ersten  Male  bei  Dresden  resp.  in 
Sachsen  beobachtet  (Dr.  Wolf). 

f Medicago  arabica  All.  Diese  durch  ihre  purpurrothen  Flecken  auf 
den  Blättern  leicht  kenntliche  Pflanze  wurde  am  3.  December  1902  von 
Herrn  J.  Hottenroth-Gersdorf  für  das  Herbarium  der  Flora  Saxonica  ein- 
gesandt  mit  der  Angabe,  dass  die  Pflanze  in  der  Umgegend  von  Gersdorf 
bei  Hohenstein -Ernstthal  heimisch  zu  werden  anfängt.  Im  Sommer  des 
Jahres  1901  wurde  ein  Exemplar,  1902  dagegen  sechs  Exemplare  gefunden. 
Der  Finder  meint,  dass  die  Pflanze  mit  dem  Wollstaub  in  die  Gersdorfer 
Gegend  gekommen  ist,  der  dort  vielfach  zur  Düngung  der  Kartoffelfelder 
gebraucht  wird.  Die  Pflanze  ist  in  Südeuropa  verbreitet  und  an  ver- 
schiedenen Stellen  in  Deutschland  durch  fremde  Wolle  eingeführt  und 
verwildert. 

Trifolium  ochroleucum  L.  Die  Art  war  bisher  in  Sachsen  nur  aus 
der  Gegend  von  Meissen  und  Penig  (s.  Sitzungsber.  und  Abh.  d.  Isis  1895, 
Abh.  IV,  S.  52)  bekannt.  Am  1.  Juli  1900  fanden  wir  sie  auch  im  Gott- 
leubathal oberhalb  Pirna  bei  Neundorf  in  ca.  180  m Höhe  auf  einem  nach 
SW.  gerichteten  bebuschten  Hang  mit  Astragalus  glycyphyllos  und  Trifolium 
montanum  in  wenigen  Exemplaren.  Möglicherweise  stammen  diese  nur, 
aus  einer  Cultur.  Auf  jeden  Fall  ist  aber  auf  das  Vorkommen  der  wichtigen 
Art  an  jener  Stelle  zu  achten. 

Symphytum  tuberosum  L.  Meissen:  auf  den  Wiesen  am  Gosebach  bei 
Naundörfel  ganz  vereinzelt  unter  typischen  Wiesenpflanzen  (Fritzsche, 
4.  Juni  1902). 

Stachys  alpina  L.  Auf  meinen  diesjährigen  Excursionen  im  Erzgebirge 
fand  ich  am  19.  August  in  voller  Blüthe  Stachys  alpina  am  Nordosthange 
des  Plessberges  bei  Abertham  (in  Böhmen)  in  950  m Höhe  copiös  mit  Clino- 
podium  und  Aspidium  ‘^lobatum  unter  Gebüsch  zwischen  Basaltblöcken. 
Der  Standort  scheint  schon  sehr  lange  bekannt  zu  sein.  Celakovsky  giebt 
in  seinem  Prodromus,  S.  358  an  ,,Blösslingberg  und  Wölfling  bei  Abertham 
(Reiss)“.  Der  erstere  ist  der  jetzige  Plessberg.  Der  Standort  ist  aber  durch 
neuere  Funde  nicht  mehr  bestätigt  worden,  daher  schreibt  auch  Garcke 


132 


noch  in  der  17.  Auflage  seiner  Flora  „angeblich  auf  dem  Blössberge  und 
am  Wölfling  bei  Abertham“.  Der  von  Reiss  entdeckte  Standort  dieser 
Pflanze  existirt  also  noch.  Er  ist  dadurch  interessant,  dass  er  der  einzige 
im  Hercynischen  Florenbezirk  ist,  wo  Stachys  alpina  wirklich  wie  in  den 
Sudeten  und  Karpathen  Gebirgspflanze  ist.  Die  Standorte  in  Sachsen  im 
Zschopauthal  bei  Kriebstein  und  Steina  liegen  nur  200 — 250  m hoch. 

Utricularia  0 ehr oleuca  R.  Hartm.  Angeregt  durch  eine  Arbeit  von 
H.  Glück  in  den  Berichten  der  Deutschen  Botan.  Gesellschaft  1902,  H.  3, 
S.  141,  untersuchte  ich  die  Utricularien  im  Herbarium  der  Flora  Saxonica. 
Während  Utricularia  vulgaris  und  U.  minor  hier  sehr  reich  und  an  den 
verschiedensten  Standorten  gesammelt  vertreten  sind^  sind  nur  zwei  Bogen 
mit  U.  intermedia  vorhanden.  Das  eine  Exemplar  stammt  aus  dem 
Reichenbach’schen  Herbarium  und  ist  bei  Lausa  gesammelt.  Es  ist  ein 
typisches  U.  intermedia  Hayne.  Das  zweite  Exemplar  habe  ich  selbst  am 
21.  Juni  1896  nördlich  von  Grossenhain  bei  Frauenhain  in  der  Runze  bei 
Roden  (Section  17  der  topographischen  Karte)  gesammelt  und  seiner  Zeit 
als  U.  intermedia  bestimmt.  Bei  einer  erneuten  Untersuchung  nach  den 
von  Glück  aufgestellten  Unterscheidungsmerkmalen  von  U,  intermedia 
Hayne  und  U.  ochroleuca  R.  Hartm.  entpuppten  sich  meine  sterilen  Exemplare 
als  zweifellose  U.  ochroleuca.  Da  U.  intermedia  von  verschiedenen  Stand- 
orten im  nördlichen  Theile  von  Sachsen  angegeben  ist,  z.  B.  Grossenhain: 
bei  Zabeltitz,  Dresden:  bei  Seiffersdorf,  Grünberg,  Ottendorf  (s.  Wünsche), 
so  dürfte  es  sich  empfehlen,  die  von  dort  stammenden  Pflanzen  einer 
nochmaligen  Prüfung  zu  unterziehen.  Es  wird  wahrscheinlich  unter  dieser 
Art  die  zum  mindesten  gute  Subspecies  vertreten  sein.  Die  sterilen  Exemplare 
der  beiden  Arten  lassen  sich  leicht  durch  folgende  der  Glück’schen  Arbeit 
entnommene  Merkmale  unterscheiden:  Bei  U.  intermedia  sind  die  grünen 
assimilirenden  Blätter  schlauchlos,  die  Blattzipfel  stumpf  mit  aufgesetzter 
Spitze  und  die  kleinen  Stacheln  am  Blattrande  sitzen  direct  dem  Rande 
ohne  Seitenläppchen  an;  bei  U.  ochroleuca  dagegen  tragen  die  grünen 
assimilirenden  Blätter  sporadisch  Schläuche,  die  Blattzipfel  laufen  allmählig 
in  eine  lange  Spitze  aus  und  die  kleinen  Stacheln  am  Blattrande  sitzen 
öfters  zu  zweien  einem  winzigen  kleinen  Seitenläppchen  auf. 

Diese  nordatlantische  Art  ist  für  Sachsen  neu,  denn  der  in  Wünsche’s 
Flora  angegebene  Standort  Sohra  liegt  nordöstlich  von  Görlitz.  Ihr  Vor- 
kommen ist,  wie  auch  das  von  Utricularia  intermedia  Hayne  ausschliesslich 
auf  die  Lausitzer  Teich -Hügellandschaft,  also  Territorium  9 des  Hercyni- 
schen Florenbezirks,  beschränkt. 

Phyteuma  orhiculare  L.  Meissen:  auf  den  Wiesen  am  Gosebach  bei 
Naundörfel,  selten  (Fritzsche). 


IX.  Der  Burgwall  auf  dem  Staubenberge 
bei  Westewitz. 

Yon  Clemens  Vogel,  Lehrer  in  Dresden. 


Wenige  Kilometer  unterhalb  der  Einmündung  der  Zschopau  in  die 
Freiberger  Mulde  erheben  sich  in  fast  gleicher  Höhenlage  am  linken  Mulden- 
ufer mehrere  Berge,  die  dem  Abfalle  des  Sächsischen  Mittelgebirges  ange- 
hören. Es  sind  dies,  wenn  man  der  Laufrichtung  der  Mulde  folgt,  der 
Spitzstein,  der  Staubenberg,  der  Gackenberg  und  der  Tannenberg. 

Am  meisten  bekannt  und  auch  am  meisten  besucht  ist  unter  diesen 
Erhebungen  der  erstgenannte  Berg,  der  Spitzstein.  Man  erzählt  von  diesem 
Berge,  dass  hier  in  uralten  Zeiten  eine  Opferstätte  gewesen  sei.  Auch 
geht  von  ihm  die  Sage,  dass  hier  ein  Lindwurm  gehaust  habe,  der  endlich 
von  einem  Ritter  von  Stauben  getödtet  worden  sei. 

Es  ist  jedoch,  sowohl  wenn  man  die  Kuppe  des  Berges,  als  auch  den 
tiefer  liegenden,  fast  senkrecht  aus  der  Mulde  aufsteigenden  Felsvorsprung 
besichtigt,  heute  nichts  mehr  zu  finden,  das  die  Annahme  einer  uralten 
Opferstätte  auf  diesem  Berge  stützt. 

Ist  somit  ein  zur  Auffindung  vorgeschichtlicher  Reste  unternommener 
Besuch  des  Spitzsteins  bis  jetzt  ohne  Erfolg,  so  hat  man  seine  helle 
Freude,  wenn  man  dem  zweiten  der  vorgenannten  Berge,  dem  Stauben- 
berge oder  dem  Stauben,  wie  er  in  der  Volkssprache  kurz  genannt  wird, 
einen  Besuch  abstattet;  denn  dieser  Berg  trägt  eine  Wallanlage,  die  nicht 
allein  in  Hinsicht  auf  ihren  Umfang  zu  den  grössten  aller  derartigen  An- 
lagen in  Sachsen  gerechnet  werden  darf  und  hierdurch  bereits  die  Auf- 
merksamkeit älterer  Forscher  erregt  hat*),  sondern  die  sich  auch  des  sehr 
seltenen  Vorzuges  rühmen  kann,  dass  sie  bis  heute  in  allen  ihren  Theilen 
wohl  erhalten  ist. 

Der  Stauben  selbst,  der  Träger  dieses  Walles,  überragt  mit  einer 
Höhe  von  234  m den  Gipfel  des  Spitzsteins  nur  um  3 m.  Da  die  Thalsohle 
der  nahe  vorbeifliessenden  Mulde  hier  ungefähr  145  m hoch  liegt,  so 
beträgt  die  relative  Höhe  des  Berges  in  seinem  höchsten  Theile  etwa  89  m. 

Wie  die  geologische  Karte  des  Königreichs  Sachsen  angiebt,  besteht 
der  Stauben  wie  die  anderen  vorgenannten  Berge  aus  Leisniger  Quarz- 


*)  K.  Preusker:  Blicke  in  die  vaterländische  Vorzeit,  III.  Bd.  Leipzig  1844,  S.  230. 
0.  Schnster:  Die  alten -‘Heidenschanzen  Deutschlands.  Dresden  1869,  S.83,  Nr. 65. 
R.  B e h 1 a : Die  vorgeschichtlichen  Rund  wälle  im  östlichen  Deutschland.  Berlin  1888, 
S.  96,  Nr.  11. 


134 


porphyr,  einem  Gestein,  das  in  frischem  Zustande  aus  einer  rothbraun  bis 
gelblichbraun  gefärbten  Grundmasse  gebildet  wird,  worin  6—7  mm  lange 
Feldspathe,  glasglänzende  Orthoklase,  ferner  rauchbraune  Quarzkrystalle 
und  Magnesiaglimmerblättchen  ausgeschieden  sind.  Im  verwitterten  Zu- 
stande bildet  dieses  Gestein  eine  dunkelbraune,  seltener  weisslich  gelbe, 
grobkörnige  Masse. 

Der  Gipfel  des  Staubenberges  bildet  ein  Plateau  von  der  Gestalt  eines 
rechtwinkeligen  Dreiecks,  wovon  die  eine  Kathete  520  und  die  andere 
400  m lang  ist.  Das  Plateau  senkt  sich  nach  Norden  und  Osten  hin  mehrere 
Meter.  Die  Abhänge  sind  steil,  am  steilsten  im  Südwesten  und  Nord- 
osten. Bei  dem  südwestlichen  Abhange  dürfte  die  Neigung  etwa  45  Grad 
erreichen.  Da  der  Staubenberg  im  südwestlichen  Theile  seine  grösste 
Höhe  erreicht,  so  ist  der  Anblick  von  dieser  Richtung  aus  am  eindrucks- 


vollsten. Die  Stirnansicht  des  Berges  ist  dem  Muldenthale  zugekehrt. 
Der  Berg  scheint  von  der  Natur  zu  einer  Befestigungsanlage  im  grossen 
Stile  wie  geschaffen. 


Der  ganze  Berg  hat  einen  sehr  schönen  Fichtenbestand.  Der  Wald 
ist  Staatsforst  und  gehört  zum  Forstrevier  Minkwitz. 

Die  Bewohner  der  nächstgelegenen  Dörfer  wissen  von  dem  Berge  zu 
berichten,  dass  da  oben  eine  alte  Burg  gestanden  haben  soll.  Auch  er- 
zählt man,  dass  einem  auf  dem  Berge  Geister  nachwandeln.  Grössere 
an  das  alte  Erdschanzwerk  anknüpfende  Sagen  sind  nicht  vorhanden. 

Der  Wall  selbst  zieht  sich  rings  um  das  Bergplateau  herum.  Er  ist  ein 
geschlossener  Ringwall.  Er  verläuft  immer  an  der  Grenze  des  Plateaus  und  ist 
da  so  aufgeworfen,  dass  sein  äusserer  Abfall  in  den  Abhang  des  Berges  über- 
geht. Da  das  Plateau  die  Form  eines  rechtwinkeligen  Dreiecks  hat,  so  trifft 
diese  Gestalt  im  Wesentlichen  auch  für  den  Wall  zu.  Nach  einer  im  Juli  1901 
von  mir  unternommenen  sorgfältigen  Messung  beträgt  die  Länge  des  Walles 


135 


1670  m.  Es  ist  dies  eine  Ausdehnung,  wie  sie  selten  bei  alten  Wall- 
anlagen vorkommt.  Die  mittlere  Höhe  des  Walles  ist  etwa  1,50  m,  an 
• manchen  verdrückten  Stellen  ist  er  nur  1 m hoch.  Oben  ist  der  Wall 
1,80 — ^ ni  breit.  Nach  Innen  fällt  er  4 — 5 m ab,  nach  Aussen  ist  der 
Abfall  meist  etwas  länger.  Der  Wall  hat  somit  eine  Basis  von  9 — 10  m. 

Am  schönsten  zeigt  sich  der  Wallcharakter  im  südöstlichen  Theile  des 
Berges,  wo  das  Plateau  etwas  abfällt.  Bei  einer  Höhe  von  1,80 — 2 m kann 
man  nicht  selten  einen  äusseren  Schrägabfall  von  15—17  m Länge  treffen. 
Sehr  schön  tritt  auch  der  Wallcharakter  im  nordwestlichen  Theile  des 
Berges  hervor,  wo  sich  das  Plateau  ebenfalls  etwas  senkt. 

Im  südöstlichen  Theile  ist  der  Wall  an  vier  unmittelbar  nebeneinander 
liegenden  Stellen  durchstochen.  Nach  den  Mittheilungen  eines  Holzfuhr- 
mannes hatte  hier  vor  einigen  Jahren  ein  Fuchs  seinen  Bau  im  Walle. 
Um  den  Fuchs  herauszujagen,  Hess  der  Förster  seine  Dachshunde  in  die 
Laufröhren  hinein.  Der  Fuchs  aber  verscharrte  den  Hunden  die  Röhren, 
dass  sie  nicht  wieder  heraus  konnten.  Jetzt  blieb  dem  Förster  nichts 
weiter  übrig,  als  den  Wall  an  mehreren  Stellen  durchstechen  zu  lassen. 
Unbeabsichtigt  ist  uns  mit  diesen  Durchstechungen  ein  Einblick  in  den 
Aufbau  des  Walles  verschafft  worden. 

Der  Wall  besteht  zunächst  aus  einem  etwa  1,20  ni  hohen  Aufwurfe 
sehr  lockerer,  gelblicher  Erde.  Dieser  Aufwurf  ist  bogenförmig  überdeckt 
mit  einer  etwa  20—  30  cm  hohen  Steinschicht,  und  über  dieser  befindet 
sich  wieder  eine  Schicht  Erde.  Kalkmörtel  ist  bei  der  Steinschicht  nicht 
verwendet  worden. 

Die  zum  Wallaufwurfe  erforderlichen  Erdmassen  sind  dem  Berge 
selbst  entnommen,  indem  man  unmittelbar  an  der  inneren  Wallseite  den 
Boden  abgestochen  hat.  Deshalb  zieht  sich  auch  an  der  Innenseite  des 
Walles  in  seiner  ganzen  Ausdehnung  eine  mehrere  Meter  breite  Eintiefung 
hin.  Das  Steinmaterial  ist  allem  Anscheine  nach  aus  den  Thälern  herauf- 
geschafft worden.  Es  besteht  theils  aus  Quarzporphyr,  theils  aus  Fluss- 
geschieben. 

In  den  Erdmassen  des  Walles  kommen  kleine  Thonscherben  vor.  Auch 
findet  man  darin  Holzasche. 

Zwei  fahrbare  Wege  führen  vom  Muldenthale  her  auf  den  umwallten 
Gipfel  des  Staubenberges.  Beide  zweigen  von  dem  von  Westewitz  nach 
Kloster- Buch  führenden  Wege  ab.  Der  Westewitz  zunächst  abzweigende 
Weg  verläuft  Anfangs  in  südwestlicher  Richtung,  wendet  sich  aber  dann 
in  nördlicher  Richtung  dem  Berggipfel  zu.  Der  andere,  etwas  weiter  thal- 
abwärts  abzweigende  Weg  führt  in  südlicher  Richtung  direct  auf  den  Berg, 
ist  infolgedessen  ziemlich  steil.  Der  Wall  hat  somit  zwei  fahrbare  Ein- 
gangspforten, eine  von  Süden  und  eine  von  Norden  her.  Dass  beide  Ein- 
gänge die  alten,  ursprünglich  angelegten  Eingangspforten  sind,  geht  daraus 
mit  grösster  Sicherheit  hervor,  dass  bei  der  südlichen  Eingangspforte  der 
Wall  besonders  hoch  und  breit  ist,  und  dass  bei  der  nördlichen  Eingangs- 
stelle der  Wall  auf  beiden  Seiten  über  50  m einwärts  biegt.  Durch  diese 
Wendung  nach  Innen  wird  bei  dem  Wege,  der  vom  Muldenthale  her  direct 
auf  den  Gipfel  führt,  die  Steigung  etwas  gelindert.  Von  den  Holzfuhr- 
leuten und  Waldarbeitern  wird  die  südliche  Eingangspforte  „Oberthor“ 
und  die  nördliche,  etwas  niedriger  gelegene  „Niederthor“  genannt,  Be- 
zeichnungen, die  auch  darauf  hindeuten,  dass  der  Wall  ursprünglich  diese 


136 


beiden  Eingänge  hatte.  An  beiden  Thoren  rückt  der  Wall  unmittelbar 
an  den  Weg  heran  und  lässt  ihm  nur  eine  Breite  von  2 m.  Jetzt  hat  der 
Berggipfel  noch  einen  dritten  Zugangsweg  im  südöstlichen  Theile.  Dieser 
Fahrweg  ist  aber  unzweifelhaft  erst  später  zur  leichteren  Holzabfuhr  an- 
gelegt worden.  Bemerkt  sei  hierzu  noch,  dass  sich  bei  Westewitz  eine 
alte  Furth  durch  die  Mulde  befindet,  die  noch  heute  benutzt  wird.  Eben- 
falls ist  hier  eine  alte  Fährstelle. 

Da  der  Gipfel  des  Staubenberges  gegenwärtig  mit  hohen  Bäumen  be- 
wachsen ist,  so  ist  der  Wall  bequem  zu  begehen.  Nur  am  Oberthore 
muss  man  sich,  falls  man  den  Wall  nicht  verlassen  will,  eine  Strecke  von 
etwa  50  m durch  kleine,  eng  aneinander  stehende  Fichten  durcharbeiten. 

Innerhalb  des  Walles  findet  man  im  südwestlichen  Theile  des  Berg- 
plateaus Beste  eines  ehemaligen  Gemäuers.  Der  Grundriss  desselben  ist 
jedoch  nur  wenig  umfangreich.  Die  Länge  lässt  sich  sicher  feststellen, 
sie  beträgt  10  m.  Die  Breite  ist  etwa  4 m.  Die  Form  ist  ein  Rechteck. 
Unmittelbar  anschliessend  an  dieses  Gemäuer  findet  man  Mauerreste  von 
gleicher  Breite,  aber  von  nur  etwa  5 m Länge.  Die  Steine  dieses  Mauer- 
werkes sind  unbehauene  oder  wenigstens  sehr  wenig  behauene  Quarz- 
porphyrsteine. Da  diese  Mauerreste  im  höchsten  Theile  des  Berges  Vor- 
kommen, so  darf  man  wohl  annehmen,  dass  hier  ein  Wächter  wohnte  und 
das  Gebäude  ein  „Lug  ins  Land“  war. 

Dieses  wenig  umfangreiche  Mauerwerk,  das  übrigens  nur  ganz  wenig 
aus  dem  Boden  hervorragt,  mag  für  die  Bewohner  der  nächstgelegenen 
Dörfer  Veranlassung  gewesen  sein,  anzunehmen,  dass  auf  diesem  Berge  eine 
mittelalterliche  Burg  gestanden  habe,  welcher  Meinung  auch  Preusker  ist. 

In  östlicher  Richtung  von  diesen  Mauerresten,  fast  in  der  Mitte 
des  Bergplateaus,  findet  man  einige  recht  grosse  Porphyrsteine  und  in 
einiger  Entfernung  um  sie  her  mehrere  weniger  grosse.  Welchem  Zwecke 
diese  Steine  ehemals  dienten,  vermag  ich  nicht  zu  enträthseln. 

Fragen  wir  nach  dem  Zwecke  des  Burgwalles  auf  dem  Staubenberge, 
so  ist  bei  der  gewaltigen  Ausdehnung  des  Walles  und  der  Grösse  des  von 
ihm  umschlossenen,  etwa  12  Hectar  grossen  Gebietes  die  Annahme,  dass 
hier  nur  eine  Stätte  der  Gottesverehrung  gewesen  sei,  vollständig  ausge- 
schlossen. Der  Wall  war  lediglich  zu  Vertheidigungszwecken  angelegt, 
war  ein  militärisches  Schanzwerk,  und  zwar  ein  solches  erster  Klasse. 
Gross  genug,  um  in  seinem  Innern  eine  zahlreiche  Bevölkerung  der  näheren 
oder  weiteren  Umgebung  mit  den  erforderlichen  Hausgeräthen,  Nahrungs- 
vorräthen,  Zugthieren  u.  s.  w.  aufzunehmen,  bot  der  umwallte  Berggipfel 
in  dieser  Gegend  die  örtlich  denkbar  günstigsten  Verhältnisse  zur  Ver- 
theidigung  und  zur  siegreichen  Abwehr  anstürmender  Bedränger.  Selbst 
im  Falle  einer  siegreichen  Erstürmung  der  Wallburg  bot  sich  hier  noch 
die  Möglichkeit  einer  rettenden  Flucht  in  die  angrenzenden  grossen  Wal- 
dungen, die  vom  Erzgebirge  bis  hierher  an  die  Mulde  herabreichten. 

Es  erübrigt  nur  noch,  der  Frage  nahe  zu  treten,  welches  Volk  den 
Burgwall  auf  dem  Staubenberge  angelegt  hat.  Man  könnte  sich  versucht 
fühlen  zu  antworten,  dass  das  zweifellos  die  Sorben -Wenden  waren,  da 
der  Staubenberg  an  der  südlichen  Grenze  der  in  dieser  Gegend  vorkom- 
liienden  sorbischen  Niederlassungen  liegt.  Aus  der  Beurtheilung  der  bisher 
in  den  Erdmassen  des  Walles  aufgefundenen  Scherben  ergiebt  sich  jedoch 
mit  Sicherheit,  dass  der  Wall  älteren  Ursprunges  ist,  dass  Germanen  die 


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Erbauer  des  Walles  waren.  Alle  Scherben  sind  nänalich  mit  der  Hand 
ohne  Benutzung  der  Drehscheibe  hergestellt  und  gleichen  solchen  aus  den 
Urnenfeldern  vom  Lausitzer  Typus.  Ein  einziger  Scherben  hat  Verzierung. 
Das  Muster  besteht  aus  einem  um  das  Gefäss  herumführenden  breiten 
Striche  und  aus  einer  Keihe  schräggestellter,  etwa  1 cm  langer  Einzel- 
striche darunter.  Die  Striche  verlaufen  gerade. 

Für  diejenigen,  die  den  Staubenberg  einmal  besuchen  wollen,  mag 
zum  Schlüsse  noch  bemerkt  werden,  dass  Westewitz  Station  der  Leipzig- 
Döbeln -Dresdener  Eisenbahn  ist. 


X.  Eückblicke  auf  die  Bearbeitung  der  Pflanzen 
geographie  von  Sachsen  und  Thüringen. 

Von  Dr.  Oscar  Drude.' 


Seit  Beginn  meiner  eigenen  Wirksamkeit  in  unserer  botanischen  Section 
bis  zum  jetzt  erfolgten  Abschluss  des  6.  Bandes  der  „Vegetation  der  Erde“*), 
welcher  unter  dem  Titel:  „Der  Hercynische  Florenbezirk;  Grundzüge 
der  Pflanzenverbreitung  im  mitteldeutschen  Berg-  und  Hügellande  vom 
Harz  bis  zur  Rhön,  bis  zur  Lausitz  und  dem  Böhmer  Walde“  die  pflanzen- 
geographischen Verhältnisse  Sachsens  in  ihrer  natürlichen  Verbindung  mit 
den  anschliessenden  Landschaften  behandelt,  habe  ich  der  Section  unaus- 
gesetzt Berichte  geliefert  über  die  Fortschritte  dieser  Arbeit,  und  es  er- 
scheint wie  eine  Pflicht,  heute  darauf  hinzuweisen,  dass  nunmehr  ein 
grosser  Theil  dieser  Bestrebungen  an  einem  bestimmten  Ruhepunkte  an- 
gelangt ist. 

Am  22.  Januar  1880  hielt  ich  in  der  botanischen  Section  unserer  Ge- 
sellschaft einen  Vortrag  über  die  moderne  Bearbeitung  der  Flora  von 
Sachsen  (Isis-Sitzungsber.  1880,  S.  12 — 16),  in  dem  als  leitender  Gedanke 
ausgeführt  ist:  Die  älteren  Florenwerke,  von  denen  auch  Sachsen  eine  treff- 
liche Reihe  besitzt,  sowie  die  heutigen  Excursionsfloren  kennen  nur  den 
systematisch-classificirenden  und  beschreibenden  Theil;  sie  fügen  von  geo- 
graphischen Betrachtungen  nur  die  Standorte  der  im  systematischen  Cataloge 
genannten  Pflanzen  auf.  Seitdem  aber  die  Pflanzengeographie  als  ein 
streng  wissenschaftlicher  und  sich  neben  die  Systematik  einordnender,  zu- 
gleich aber  auch  Physiologie  und  Klimatologie  berücksichtigender  Gesichts- 
punkt geltend  gemacht  hat,  genügt  für  eine  botanische  Landesdurchforschung 
nicht  mehr  die  Aufstellung  eines  Pflanzencataloges  mit  Angabe  der  Fund- 
stätten, sondern  es  ist  ein  besonderer  pflanzengeographisch-biolo- 
gischer Theil  neben  jenen  zu  stellen,  welcher  noch  in  allen  die  Flora 
Sachsens  behandelnden  Werken  bislang  vermisst  wird. 

Dies  damals  gefällte  ürtheil,  zu  einer  Zeit,  wo  ich  noch  nicht  alle  in 
Zeitschriften  versteckten  Einzelabhandlungen  kannte,  bedarf  nur  einer  ge- 
ringen Einschränkung.  Sehen  wir  die  ausführlichen,  jetzt  im  ersten  Ab- 
schnitt des  „Hercynischen  Florenbezirkes“  von  Dr.  Schorler  für  dieses  Buch 
sorgfältig  zusammengestellten  und  zu  historischen  Uebersichten  verarbeiteten 
Litteratur-Register  vom  Weissen  Elsterlande  (S.  27)  bis  zur  östlichen  Lausitz 
(S.  31)  und  dem  Erzgebirge  (S.  35)  durch,  so  finden  wir  wenige  im  wahren 


*)  Mit  5 Vollbildern,  16  Textfiguren  und  1 Karte;  671  S.  Lex.  8®.  W.  Engelmann, 
Leipzig  1902.  (Directer  Bezugspreis  für  unsere  Mitglieder  20  Mark.) 


139 


Sinne  pflanzengeographische  oder  auch  biologisch-klimatische  Abhandlungen 
aus  der  Zeit  vor  1880.  Während  westlich  von  uns  die  Flora  des  Saale- 
thaies auf  den  Muschelkalk -Gehängen  um  Jena  in  Bogenhard  schon  im 
Jahre  1850  eine  in  Anbetracht  der  damaligen  Zeit  und  der  Jugend  des 
Verfassers  ganz  bedeutende  Arbeitsleistung  hervorgerufen  hatte,  deren 
Studium  noch  heute  den  Leser  mit  genussreicher  Belehrung  erfüllt,  war 
in  Sachsen  die  beste  Arbeit,  eine  Programm -Arbeit  des  Dresdner  Kreuz- 
gymnasiums 1855  von  C.  T.  Sachse:  „Zur  Pflanzengeographie  des  Erz- 
gebirges“, doch  nicht  zu  weiterer  Bedeutung  gelangt  und  hatte  keine  Er- 
weiterungen im  Gefolge.  Der  im  Jahre  1843  unter  der  Anregung  von 
Geinitz  entstandene  botanische  Theil  der  „Gaea  von  Sachsen“  enthielt 
nichts  als  eine  nach  vier  Districten  eingetheilte  Listen -Aufstellung.  Nur 
eine  Zwickauer  Programm-Arbeit  von  Dr.  Otto  Gern  dt  aus  dem  Jahre  1877 
war  eine  wirklich  pflanzengeographische  Arbeit  über  die  Gliederung  der 
deutschen  Flora  mit  besonderer  Berücksichtigung  Sachsens,  die  aber  die 
Species-Areale  und  nicht  die  im  Lande  zusammenkommenden  Pflanzenbe- 
stände, die  Formationen,  berücksichtigte.  Kleinere  Beiträge  hatte  Fallou 
schon  1845  in  seinen  geologischen  Skizzen  über  die  Gebirgsformationen 
zwischen  Mittweida  und  Rochlitz  (Zschopau  und  Mulde)  und  ihren  Einfluss 
auf  die  Vegetation  geliefert,  auch  Reichel  hatte  schon  im  Jahre  1837  die 
Standorte  der  selteneren  und  ausgezeichneteren  Pflanzen  in  der  Umgegend 
Dresdens  in  Gruppen  gebracht,  während  Wobst**)  im  Jahre  1880  die  Ver- 
änderungen der  Dresdner  Flora  im  Programm  der  Annenrealschule  behandelte. 
Auch  möchte,  was  Dresdens  Flora  anbetrifft,  nicht  unerwähnt  bleiben,  dass  die 
botanische  Bibliothek  der  Technischen  Hochschule  unter  der  Hinterlassen- 
schaft von  Friedrich  August  II.  ein  von  diesem  in  mitteleuropäischer  Flora 
so  ausserordentlich  tief  durchgebildeten  und  mit  seltener  Arbeitsfreudigkeit 
schaffenden  König  eigenhändig  ausgearbeitetes  Manuscript  besitzt,  in  welchem 
die  Flora  von  Dresden  durchaus  richtig  nach  den  Gesichtspunkten  geo- 
graphischer Floristik  gewürdigt  wird,  das  Elbthal  mit  seinen  seltenen 
Standorten  und  der  Abhang  des  Erzgebirges  von  Süden  her  und  endlich 
der  granitische  Höhenzug  im  Norden  als  Ausläufer  des  Lausitzer  Granits 
mit  seinen  eingestreuten  Moorwiesen  und  Teichen  als  gut  geschiedene  Theile 
der  Gesammtflora  hervortreten.  Willkomm’s  im  Jahre  1866  in  der  Tha- 
randter  Festschrift  veröffentlichte  Arbeit  über  die  Vegetationsverhältnisse 
im  unteren  Weisseritz  - Gebiet  brachte  Beiträge  für  den  Uebergang  der 
Hügelformationen  im  Plauenschen  Grunde  zu  den  Bergwaldschluchten  am 
Abhänge  des  Erzgebirges,  aus  dessen  oberen  Torfmooren  schon  20  Jahre 
früher  Binder  prächtige  Schilderungen  über  den  dortigen  Vegetationsbestand 
der  Moorkiefer  (Pinus  ohliqua)  in  der  damals  noch  erscheinenden  „Allge- 
meinen deutschen  naturforschenden  Zeitung  Isis“  veröffentlicht  hatte. 

So  erkennt  man  aus  dieser  Auslese  pflanzengeographischer  Sonder- 
abhandlungen, dass  nur  in  wenigen  Schriften  (wie  von  Sachse  und  Gerndt) 
grössere  Gesichtspunkte  für  die  sächsische  Pflanzengeographie  entwickelt 
waren  und  dass  ausserdem  nur  recht  zerstreute  Landschaften  zum  Gegen- 
stände für  Vegetationsschilderungen  gemacht  waren,  die  aber  gegenseitig 
nicht  auf  einander  Rücksicht  nahmen.  Das  von  mir  1880  für  die  pflanzen- 
geographische Durchforschung  Sachsens  aufgestellte  Programm,  welches 


**)  Wie  schon  F.  Burckhardt  im  Jahre  1853  für  die  Flora  der  Umgehung  von  Görlitz. 
(Ahh.  naturw.  Ges.  Görlitz  IV,  S.  55 — 59.) 


* 


140 


bei  der  50jährigen  Stiftungsfeier  im  Jahre  1885  einen  erneuten  Ausdruck 
im  Festvortrage  erhielt,  hatte  demnach  in  erster  Linie  für  die  allgemeine 
und  gleichartige  Aufstellung  der  Zielpunkte  zu  sorgen  und  musste  auch 
zunächst  nach  einer  natürlichen  Abgrenzung  des  Arbeitsgebietes  fragen. 
Diese  entwickelte  sich  von  selbst  aus  meinen  in  Deutschlands  Pflanzen- 
geographie^")  schon  zum  Theil  niedergelegten  Studien,  wonach  das  deutsche 
Mittelgebirgsland  von  West  nach  Ost  zweckmässig  in  drei  Hauptabtheilungen 
zerlegt  wird:  das  rheinische,  das  hercynische  und  das  sudetische. 
Sachsen  gehört  mit  Thüringen  zu  dem  hercynischen  Hügel-  und  Berglande, 
welches  mit  vielen  seiner  Arten  scharf  Front  macht  gegen  die  im  Norden 
sich  ausdehnende,  nach  West  und  Ost  getheilte  deutsche  Niederung; 
die  Westgrenze  des  hercynischen  Bezirkes  läuft  vom  Vogelsberge  zum  Weser- 
gebirge, die  sehr  viel  schmälere  Ostgrenze  scheidet  sich  zwischen  Reichen- 
berg und  Görlitz  an  der  Neisse  von  dem  hier  im  Isergebirge  am  weitesten 
gen  West  vorgeschobenen  Sudetenzuge;  die  Südgrenze  läuft  vom  Fichtel- 
gebirgsknoten  noch  gen  SSO  über  die  Bergregion  des  Böhmer-  und  Bayeri- 
schen Waldes  hinweg  bis  zum  Durchbruch  der  Moldau  aus  dem  Gebirge. 

In  diesem  Umfange  ist  nun  das  hercynische  Berg-  und  Hügelland  in 
dem  vorliegenden  Bande  der  „Vegetation  der  Erde“  in  pflanzengeogra- 
phischer Hinsicht  bearbeitet.  Berg-  und  Hügelland  werden  in  der  Hauptsache 
durch  die  400—500  m-Linie  geschieden;  an  Nordhängen  in  tief  eingeschnit- 
tenen Thälern  liegt  die  Grenze  tiefer  unten,  während  sie  an  Südhängen  auf 
Kalk-  und  Basaltboden  viel  höher  ansteigt  und  in  der  Rhön  ihre  grösste 
Durchschnittshöhe  (600  m)  erreicht.  Das  Bergland  besteht  fast  ganz  aus 
krystallinischen  Gesteinen  mit  den  Sedimenten  der  paläozoischen  Perioden 
vom  Gambrium  bis  Steinkohlengrauwacken,  das  Hügelland  aus  denselben 
Gesteinen  mit  weiten  Flächen  und  Höhenzügen  vom  Zechstein  bis  zur 
Kreide,  mit  gelegentlichem  Tertiär  (besonders  im  Territorium  der  unteren 
Saale)  und  mit  mächtigen  diluvialen  Ueberschüttungen  von  der  Nordgrenze 
des  ganzen  Bezirkes  her  bis  weit  in  das  Innere  hinein.  Das  Saalethal 
trennt  das  Hügelland  in  der  Hauptsache  in  eine  kleinere  Osthälfte  mit 
viel  Silicatböden  aus  krystallinischen  Gesteinen,  Kreidesandsteinen  und 
Diluvium,  und  in  eine  grössere  Westhälfte  mit  sehr  viel  Muschelkalkbergen, 
Zügen  von  Buntsandstein,  Mulden  von  Keuper,  denen  sich  im  Norden 
kleinere  Höhen  von  kalkreichen  Jura-  und  Kreidegesteinen  anschliessen ; 
das  Hügelland  westlich  der  Saale  verfügt  demnach  über  wesentlich  viel 
mehr  kalkreiche  Böden.  Diese  konnten  einer  anderweiten  Besiedelung  in 
den  seit  der  Eiszeit  über  unser  Land  ergehenden  wechselvollen  Perioden 
sich  darbieten,  so  dass  die  Bodenunterlage  ein  nicht  unwesentlicher  Factor 
für  die  Abgrenzung  der  verschiedenen  natürlichen  Landschaften  des 
Hügellandes  ist.  Dieselben  werden  folgendermaassen  geschieden: 

I.  Westhercynischer  (hessisch -südhannöverscher)  Gau. 

1.  Weserland.  — 2.  Braunschweiger  Land.  — 3.  Hügelland  der 
Werra  und  Fulda  mit  der  Rhön. 

H.  Mittelhercynischer  (thüringischer)  Gau, 

4.  Thüringer  Becken.  — 5.  Hügelland  der  unteren  Saale.  — 
6.  Land  der  Weissen  Elster. 


*)  Bd.  I,  Stuttgart  1895. 


141 


III.  Osthercynischer  (sächsischer)  Gau. 

7.  Muldenland.  — 8.  Hügelland  der  mittleren  Elbe.  — 9.  Lau- 
sitzer Hügelland. 

Aus  diesem  zusammenhängenden  Hügellande  heben  sich  wie  langge- 
zogene Inseln  die  hercynischen  Bergländer  heraus,  deren  Umgrenzung 
sich  nach  orographischen  und  hypsometrischen  Linien  dann  von  selbst 
ergiebt.  Es  sind  folgende: 

10.  Das  Lausitzer  Bergland  (einschliesslich  Elbsandsteingebirge, 
Jeschken).  — 11.  Der  Harz.  — 13.  Der  Thüringer  Wald.  — 
13.  Das  Fichtelgebirge  mit  dem  Frankenwalde  und  dem  vogt- 
ländischen Berglande.  — 14.  Das  Erzgebirge.  — 15.  Der  Böhmer- 
und Bayerische  Wald. 

Während  die  hercynischen  Hügellandschaften  sämmtlich  zu  der  in 
Deutschlands  Pflanzengeographie  Bd.  I,  Karte,  in  grösserem  Umfange  ab- 
gegrenzten mittel-  und  süddeutschen  Vegetationsregion  (Reg.  UI)  gehören, 
bilden  die  sechs  Berglandschaften  den  in  Deutschland  am  weitesten  gen 
Norden  vorgeschobenen  Theil  der  Berglands-  und  subalpinen  Waldregion 
(Reg.  IV),  und  es  hat  sich  daher  als  zweckmässig  erwiesen,  auch  bei  der 
Behandlung  und  Vertheilung  des  Stoffes  im  hercynischen  Florenbezirk  stets 
dieser  Zweitheilung  nach  Vegetationsregionen  im  weiteren  Sinne  eingedenk 
zu  bleiben  und  dies  in  der  Gliederung  hervortreten  zu  lassen. 

In  einem  Vortrage  vor  der  botanischen  Section  am  30.  October  1898 
(siehe  Isis-Abhandlungen  1898,  S.  83 — 91)  habe  ich  der  ausgedehnten  Reisen 
und  Excursionen  gedacht,  welche  zur  floristischen  Durchmusterung  dieses 
hercynischen  Länderraums  nothwendig  waren;  ich  habe  darin  der  werth- 
vollen Hülfe  meiner  Assistenten  am  botanischen  Institut  der  Technischen 
Hochschule,  der  dankbar  anzuerkennenden  Unterstützung  des  K.  Cultus- 
ministeriums  für  Sammlungsförderung  und  Reisekosten  gedacht,  und  ich 
will  darauf  heute  nicht  noch  einmal  zurückkommen.  Nur  muss  betont 
werden,  dass  der  Herbarium- Gustos  Dr.  Bernhard  Schorler  seit  einem 
Jahrzehnt  sich  zu  meinem  unentbehrlichen  Genossen  in  den  floristischen 
Aufnahmen  und  treuen  Mitarbeiter  in  der  Bewältigung  der  Herbarium- 
massen herausgebildet  hat,  dass  er  auch  insbesondere  die  bryologischen 
und  algologischen  Aufnahmen  und  Bestimmungen,  unausgesetzt  aus  dem 
reichen  Schatz  der  Erfahrungen  unseres  Bibliothekars  C.  Schiller  bereichert, 
mit  diesem  gemeinsam  oder  allein  gemacht  hat,  so  dass  ich  selbst  darin 
nur  wenig  zu  arbeiten  hatte,  so  anziehend  auch  sowohl  Moosstudien  für 
die  Gebirgsfelsen  als  Algenstudien  für  den  Jahreszeitenwechsel  in  den  Ge- 
wässern sind.  Und  was  auf  diesen  Gebieten  an  Einzelaufnahmen  und 
grösseren  Vorarbeiten  zusammengebracht  und  geleistet  ist,  hat  nur  zum 
kleinsten  Theile  in  der  jetzt  vorliegenden  Pflanzengeographie  des  hercy- 
nischen Florenbezirks  Raum  finden  können,  rechnet  vielmehr  auf  Vervoll- 
ständigung in  den  kommenden  Jahren  und  auf  Veröffentlichung  in  ganz 
anderer  Form.  Das  bleibt  mit  vielem  Anderen  eine  Sorge  der  Zukunft. 


In  dem  erwähnten  kurzen  Programm  vom  Jahre  1880  waren  die  Arbeiten 
gegliedert  besonders  in  die  floristischen  Aufnahmen  der  Standorte  und 
Species -Verbreitung,  in  die  phänologischen  Beobachtungen,  richtig 
vertheilt  über  das  ganze  Land,  und  in  die  Bearbeitung  der  Vegetations- 


142 


formationen.  Die  floristischen  Aufnahmen  haben  zu  einem  stattlichen 
Herbarium  der  Flora  von  Sachsen  und  Thüringen  mit  den  angren- 
zenden hercynischen  Landschaften  geführt;  aus  kleinem  Anfänge  von  damals 
sieben  Fascikeln  ist  heute  eine  Sammlung  von  SöOFascikeln  und  30000  Spann- 
blättern geworden.  Hierbei  habe  ich  die  starke  Unterstützung  unserer 
Isis -Mitglieder  dankbar  hervorzuheben,  welche  damals  für  diesen  Zweck 
erbeten  wurde:  C.  F.  Seidel,  der  nun  schon  nicht  mehr  unter  den  Lebenden 
weilt,  übermachte  sein  an  Standorten  aus  älterer  Zeit  sehr  reiches  Her- 
barium dem  botanischen  Institut;  ebenso  schenkte  Albert  Kuntze  sein 
schönes  Herbar,  in  dem  allerdings  die  sächsische  Flora  hinter  Südeuropa 
und  dem  Orient  zurücktritt.  Prächtige  Specialsammlungen  von  Farnen 
konnten  wir  erwerben;  die  reichen  Sammlungen  von  Ruhus  und  Rosa 
sind  besonders  der  uneigennützigen  Arbeit  von  Professor  K.  Wobst  zu 
verdanken;  die  Herren  Schlimpert  (f),  Fritzsche,  Hoffmann,  Müller,  Wolff 
und  viele  Andere,  deren  Namen  auch  von  Dr.  Schorler  in  dessen  Be- 
richten über  neue  Funde  in  der  Flora  Saxonica  erwähnt  werden,  haben 
mit  Herrn  Schiller’s  Moosbestimmungen  wesentlich  zur  Bereicherung  unseres 
Quellenmaterials  beigetragen.  Viel  Material  wurde  käuflich  erworben, 
besonders  auch  aus  Thüringen,  von  wo  ausser  unseren  eigenen  Formations- 
aufnahmen die  Zugänge  an  seltenen  Pflanzen  etwas  spärlicher  flössen;  aber 
die  Namen  Lutze  und  Zabel  brauchen  nur  unter  den  Sammlern  genannt 
zu  werden,  um  deren  gediegene  Arbeit  auch  für  diesen  Gau  zu  kenn- 
zeichnen. 

Die  phänologischen  Beobachtungen  kamen  nach  1880  zuerst  zu 
einer  zusammenfassenden  Gestaltung.  Schon  im  folgenden  Jahre  wurde 
ein  Aufruf  zu  gemeinsamer  Anstellung  derselben  in  der  „Isis“'  erlassen*), 
und  seit  dem  Jahre  1882  bis  jetzt  haben  solche  Beobachtungen  noch  nicht 
wieder  aufgehört.  Schon  in  der  Sitzung  vom  19.  Juni  1884  trug  Ober- 
förster Kosmahl  über  dreijährige  Ergebnisse  am  Westrande  des  Elbsand- 
steingebirges vor,  und  in  den  Jahren  1891  und  1892  bearbeitete  ich  selbst 
die  bis  dahin  gewonnenen  Resultate,  den  zweiten  Theil  gemeinsam  mit 
Dr.  A.  Naumann**).  Dazu  kam  noch  eine  kleinere  Arbeit  von  mir  in  den 
Mittheilungen  der  Oekonomischen  Gesellschaft  im  Königreiche  Sachsen***) 
über  die  Culturzonen  Sachsens,  beurtheilt  nach  der  Länge  der  Vegetations- 
periode. So  konnte  denn  in  dem  V[.  Bande  der  „Vegetation  der  Erde“ 
die  Phänologie  verhältnissmässig  kurz  und  mit  den  seit  1892  durch  Hinzu- 
fügung thüringer  Stationen  gewonnenen  Ergänzungen  im  allgemein  klima- 
tisch-geographischen Abschnitte  besprochen  werden,  besonders  unter  Be- 
rücksichtigung der  Länge  der  Vegetationsperiode.  Bekanntlich  fällt 
bei  uns  die  Frühlingshauptphase  (in  Dresden  Ende  April)  zusammen  mit 
dem  Ueberschreiten  der  mittleren  Temperaturcurve  von  10^  C.,  und  wir 
treten  mit  dieser,  durch  die  Obstbaumblüthe  ausgezeichneten  Phase  in  die 
,, warme  Jahreszeit“  mit  Temperatur  [>  10^  C.  ein.  Es  hat  sich  nun  heraus- 
gestellt, dass  diese  ,, warme  Jahreszeit“,  welche  sich  auch  als  die  thermisch 
charakterisirte  Vegetationsperiode  bezeichnen  lässt,  nur  an  sehr  wenigen 
Orten  die  Dauer  von  sechs  Monaten  erreicht  oder  übersteigt;  nach  Regel 
beträgt  sie  in  der  wärmsten  Lage  Thüringens  (bei  Jena)  nur  176  Tage 


*)  Isis-Abhandl.  1881,  Abh.  I,  S.  1 — 24. 

**)  Ebenda  1891,  Abh.  VI,  und  1892,  Abh.  XHI. 

***J  1891—92  Nr.  V. 


143 


und  dauert  in  Erfurt  und  Arnstadt  nur  163 — 165  Tage,  also  nur  5^2  Mo- 
nate. An  der  oberen  Grenze  des  Hügellandes  bei  400 — 500  m dauert  diese 
warme  Jahreszeit  nur  noch  — 5 Monate,  und  so  muss  man  also  der 
hercynischen  Hügelregion  die  Andauer  von  4^2 — 6 Monaten  oder  kaum 
irgendwo  darüber  für  die  warme  Vegetationsperiode  zumessen.  Auch  in 
Dresden  besitzt  sie  nach  den  genauen,  auf  Pentaden  durchgeführten  Dar- 
stellungen der  Jahrestemperatur- Curve  von  Neubert  aus  dem  40 -jährigen 
Zeiträume  von  1848 — 88  nicht  mehr  als  165  Tage,  beginnend  mit  dem 
1.  Mai  und  endend  mit  dem  13.  October*).  Nach  den  von  Franz  Wolf  in 
seiner  vortrefflichen  Darstellung  der  klimatischen  Verhältnisse  der  Stadt 
Meissen**)  gegebenen  Dekadenmitteln  der  Temperatur  scheint  auch  hier 
dieselbe  Länge  der  Vegetationsperiode  ^ 10^  C.  von  165  Tagen  heraus- 
zukommen; die  letzte  Dekade  des  April  mit  9,35^  C.  als  Mittel  und  die 
erste  Dekade  des  Mai  mit  10,37®  C.  zeigen  auch  hier  die  gleiche  Wende- 
zeit wie  in  Dresden,  und  ähnlich  im  October. 

Die  Frostdauer  (Tage  unter  Null)  besetzt  an  der  genannten  wichtigen 
Demärcationslinie  von  400 — 500  m den  nicht  unbeträchtlichen  Zeitraum 
von  2^/2“  3 Monaten.  — . Steigen  wir  auf  zu  der  nächst  höheren  Grenze 
von  allgemeiner  Bedeutung,  nämlich  zu  der  Buchen-  und  Tannengrenze 
gegenüber  dem  oberen  geschlossenen  Fichtenwald,  so  finden  wir  hier  die 
warme  Jahreszeit  nur  noch  3^/2 — 4 Monate  andauernd,  die  Frostzeit  da- 
gegen schon  4 — 5 Monate,  also  beträchtlich  länger.  Die  von  Buche^ 
Tanne,  Bergahorn  und  Fichte  zusammengesetzten  Bergwaldungen  breiten 
sich  also  im  hercynischen  Bezirk  in  einer  Höhenschicht  von  ca.  400  m 
Breite  aus,  an  deren  unterem  Rande  die  warme  Jahreszeit  ^ 10®  C.  noch 
beträchtlich  über  der  mittleren  Andauer  des  Frostes  überwiegt,  während 
an  ihrem  oberen  Rande  umgekehrt  die  Frostdauer  über  die  warme  Jahres- 
zeit überwiegt.  — Als  phänologisch  den  frühesten  Frühling  besitzendes 
Gebiet  hat  sich  die  Gegend  der  Weissen  Elster  und  Saale  von  Gera  und 
Halle  gezeigt,  wo  der  Frühling  zwei  Tage  früher  als  im  Dresdner  Elbthal 
einzieht. 

Die  Bildung  der  Vegetationsformationen  hat  unter  den  Programm- 
Punkten  als  der  wichtigste  im  Zusammenhang  mit  den  Arealen  besonderer 
,, Leitpflanzen“  die  grösseste  Arbeit  erfordert  und  ihr  ist  in  dem  „Hercy- 
nischen Florenbezirk“  daher  auch  der  ganze  Abschnitt  III  von  S.  90 — 276 
gewidmet.  Ueber  ihn  hier  eingehender  zu  berichten,  ist  um  so  weniger 
nothwendig,  als  die  Grundzüge  der  Formationsgliederung  bereits  im  Jahre 
1888  der  botanischen  Section***)  vorgelegt  worden  sind;  später  haben  sie 
nochmals,  in  zehn  Hauptgruppen  zusammengefasst,  in  dem  Vortrage  über 
die  Resultate  der  floristischen  Reisen  in  Sachsen  und  Thürin  gen  f)  Ver- 
wendung gefunden,  unter  Hinzufügung  einiger  für  sie  besonders  kennzeich- 
nender Arten. 

Die  Arealgeographie  dieser  Leitpflanzen  ist  von  hervorragender 
Bedeutung,  und  sie  ist  nur  durch  ausgedehntere  Studien  nach  Herbarien 
und  Florenwerken  weit  über  Deutschlands  Grenzen  bis  in  die  arktische, 
Steppen-  und  Mediterranzone  hinein  zu  gewinnen.  Daraus  gingen  die  in 


*)  Isis  - Abhandl.  1888,  Abh.  V (S.  37)  mit  Taf.  I. 

**)  Meissen  1890  (L.  Mosche),  S.  96  — 97;  Zeitraum  von  1855  — 1888. 

***)  Isis -Abh.  1888,  Nr.  VI:  Die  Vegetationsformationen  und  Charakterarten  im 
Bereich  der  Flora  Saxonica. 

f)  Isis -Abh.  1898,  S.  86—87. 


144 


demselben  Vortrage  1898  (S.  91)  kurz  gekeunzeiclineten  Areal -Signaturen 
hervor,  von  denen  ich  an  den  zugehörigen  Stellen  meines  Buches  ausge- 
dehnte Verwendung  gemacht  habe. 

Von  den  Areal-Genossenschaften,  welche  zugleich  durch  ihre 
biologischen  Ansprüche  an  sonnige  Lage  und  trockenen,  felsigen  Boden  oder 
Lösslehm  eine  ganz  bestimmte  Formationsgruppe,  die  der  sonnigen  Hügel 
(lichte  Haine,  Grassteppen  und  felsige  Geröllflora)  auszeichnen,  ist  in  der 
hercynischen  Flora  keine  bestimmter  charakterisirt,  als  die  der  pontischen 
Pflanzenarten,  zwischen  %v eiche  sich  aus  ganz  anderer  Richtung  herkom- 
mend in  Thüringen  viele  und  im  sächsischen  Hügellande  wenige  Bürger 
der  Voralpen-F eisen  gemischt  haben.  Dieser  Gruppe  interessanter  Pflanzen 
war  schon  in  der  Festschrift  der  ,,Isis“  vom  Jahre  1885  eine  Abhandlung 
gewidmet,  der  dann  im  Jahre  1895  eine  zweite,  gemeinsam  mit  Dr.  Schorler 
bearbeitete,  folgte:  „Die  Vertheilung  östlicher  Pflanzengenossenschaften 
in  der  sächsischen  Elbthal -Flora  und  besonders  in  dem  Meissner  Hügel- 
lande“; eine  Karte  zeigt  die  wichtigsten  Standorte  abwärts  von  Dresden 
an.  Dieselbe  Gruppe  von  Arten,  erweitert  auf  das  grössere  hercynische 
Gebiet,  hat  dann  nochmals  im  Jahre  1900  einer  Abhandlung  über  „die 
postglaciale  Entwickelungsgeschichte  der  hercynischen  Hügelformationen“*) 
zur  wichtigsten  Unterlage  gedient,  um  die  Wirkungen  der  Eiszeit  und  der 
nachfolgenden  Steppenperiode  zu  erläutern.  Aus  ihr  sind  in  dem  jetzt 
vorliegenden  Buche  die  langen  Ausführungen  über  die  trockenen  Hügel- 
formationen (S.  159 — ^210)  und  die  entwickelungsgeschichtlichen  Skizzen 
im  5.  Abschnitt  (S.  620  •—  637)  geworden.  Die  betreffenden  Areale  treten 
nunmehr  unter  den  Signaturen  PM  und  Po  nebst  H^  oder  Mm  der  früher 
erwähnten  Arealbezeichnungen  auf. 

Fast  durchgängig  verschiedene  Areale  treten  in  den  Torfmooren  der 
Niederung  und  denen  des  Berglandes  auf,  und  als  Beispiele  für  die  Be- 
deutung solcher  Arealformen  mögen  deren  Charakterarten  (gemäss  Ab- 
schn.  III,  Cap.  5,  S.  228)  hier  folgen: 

a)  Niederungsmoore  im  Bereich  unserer  Flora. 

NAtl  (nordatlantisches  Areal,  siehe  Isis  1898,  S.  93). 

Hydrocotyle,  Erica  Tetralix,  Drosera  intermedia. 

ME^  (mitteleuropäisches  Areal). 

Rhynchospora  fusca,  alba,  — 

b)  Gebirgsmoore. 

AE®  und  AE®  (arktisch-nordeuropäisches  und  mitteleuropäisches  Areal). 

Betula  nana  und  carpathica.  — 

Empetrum  nigrum,  Andromeda  polifolia,  Vaccinium  uliginosum  und 
Oxycoccus,  Eriophoruni  vaginatum^  TrichopJiorum  (Scirpus) 
caespitosum  und  alpinum,  Sedum  villosum, 

BU®  (boreal-uralisches  Areal,  nicht  hocharktisch). 

Scheuchzeria  palustris,  Carex  pauciflora  und  limosa.  [Ledum 
pälustre  mit  gleichem  Areal  jetzt  fast  nur  noch  in  Niederungs- 
mooren.] 

H®  (Areal  der  mitteleuropäischen  Hochgebirgsgruppe). 

Pinus  montana  allein  in  mehreren  Varietäten. 


*)  Tsis-Abh.  1900,  11.  Heft,  S.  70— 84. 


145 


Etwa  die  Hälfte  des  ganzen  Buches  ist  der  besonderen  Schilderung 
der  oben  aufgefiihrten  15  Landschaften  gewidmet  in  der  Absicht,  den 
Besonderheiten  ihrer  floristischen  Vertheilung  auf  geographischer  Grund- 
lage gerecht  zu  werden;  hier  sind  zahlreiche  Skizzen  eingestreut,  die  auf 
den  eigenen  Reisen  und  Excursionen  durch  oftmals  im  Jahreszeitenwechsel 
sich  ergänzende  Aufnahmen  gewonnen  wurden. 

Eine  Karte  zeigt  die  genaue  Abgrenzung  der  Territorien  und  zugleich 
die  Hauptgrenzen  gewisser  grosser  Areal-Genossenschaften  (besonders  der 
pontischen  Arealgruppe),  durch  grünes  Colorit  die  Ausbreitung  der  Berg- 
formationen; von  Vegetationslinien,  mit  denen  die  Karte  nicht  beladen 
werden  sollte,  haben  nur  diejenigen  der  Tanne  und  Fichte  Aufnahme  ge- 
funden. Fünf  Vollbilder  und  eine  grössere  Zahl  in  den  Text  eingestreuter 
Autotypien  stellen  Charakterlandschaften  der  Hercynia  als  Standplätze  aus- 
geprägter Formationen  dar,  Felsabstürze  von  Basalt  und  Granit,  die  Baum- 
grenze am  Brocken  und  Jeschken  (durch  Wind -Depression),  Hochmoore 
im  Erzgebirge;  mehrere  kleine  Kärtchen  im  Text  sind  der  Abhängigkeit 
der  Formations-Ausbreitung  vom  orographischen  Aufbau  gewidmet  (Rhön, 
Brocken,  Böhmer- Wald). 

Wenn  in  dem  an  Umfang  nicht  unbeträchtlichen  Buche  die  allgemeine 
Vertheilung  der  Charakterarten  und  der  Formationen  in  Sachsen  und 
Thüringen  so  weit  dargestellt  ist,  als  überhaupt  ein  Werk  wie  die  „Vege- 
tation der  Erde“  auf  deutschem  Gebiete  eingehenderer  Schilderung  seine 
Bände  öffnen  kann,  so  ist  nur  noch  kurz  darauf  hinzuweisen,  dass  sehr 
viele  Dinge  verschwiegen  bleiben  mussten,  weil  sie  nur  localfloristisches 
Interesse  haben.  Diese  bleiben  ergänzenden  Abhandlungen  Vorbehalten, 
zumal  einer  alle  Species  enthaltenden  Aufzählung.  Es  fehlt  ferner  die 
biologische  Darstellung  des  Pflanzenkleides  im  Wechsel  der  Jahres- 
zeiten, ein  genaueres  Eingehen  auf  Culturgeographie  mit  klimatisch - 
phänologischer  Grundlage,  die  Kartographie  der  Formationen  und  ihrer 
in  Isis  1888,  S.  63  genannten  wichtigen  Leitpflanzen.  Zusammen  mit  der 
planmässigen  Einreihung  der  Moose,  Flechten  (und  zum  Theil  der  Pilze), 
sowie  der  Algen  in  die  grossen  Formationen  giebt  es  demnach  noch  viel 
Arbeit  für  die  Zukunft! 


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Taf.  1, 


Abliandl.  d.  Isis  in  Dresden,  1902. 


40 


Tafel  11. 

Fig.  1 — 3.  DruckscMeferiger  Turmalingranit  vom  Höllenhübel 
bei  Maxen,  Text  S.  34. 

Zwischen  gekreuzten  Nicols.  Vergl.  auch  die  Erklärung  zu  Taf.  I. 

Fig.  1.  Vergrösserung  18.  Die  linke  Hälfte  des  Bildes  zeigt  porphyr- 
artige Trümmerstructur,  die  rechte  sehr  feinstreifige  druckschiefe- 
rige Bänderung.  Die  grossen  abgedrückten  Feldspathstücke  in  der 
Mitte  gleichen  vorgeschobenen  Dämmen  oder  Felsen,  an  denen  sich  der 
„Fluss“  der  rechten  Hälfte  staut. 

Fig.  3.  Vergrösserung  12.  Ein  grösserer,  wie  zerdreht  aussehender 
Quarz  in  einem  feineren  sericitreichen  Gemenge  mit  porphyrartiger 
Trümmerstructur. 

Fig.  3.  Vergrösserung  13.  Flammenstreifig  zerdrückter  grösserer 
Quarz.  Schmale  spitz  zulaufende  Quarzstengel  mit  streifiger  Polarisation 
sind  durch  sehr  feines,  mit  Sericitschuppen  gemengtes  Quarzzerreibsel 
getrennt. 

Fig.  4,  Text  S.  37.  Vergrösserung  8.  „Körniger  feldspathreicher 
Hornhlendefels^^  von  Gablenz  bei  Stollberg.  Die  Leistenform  der 
(hellen)  Feldspäthe  und  die  Diahasstructur  sind  deutlich  erkennbar.  Weil 
absichtlich  ein  etwas  dickeres  Präparat  zur  Darstellung  gewählt  wurde, 
können  die  dunklen  und  stark  lichtbrechenden  Gemengtheile  wie  Uralit 
(oben  Mitte),  Epidot,  Titaneisen  mit  Leukoxenrand  im  Bilde  nicht  unter- 
schieden werden. 

Fig.  5,  Text  S.  35.  Vergrösserung  14.  Aschenstructur  im  Porphyrtuff 
aus  dem  Oederaner  Wald.  Dicker  Schliff.  Die  dunklen  Stellen  des 
Bildes  sind  zum  grössten  Theile  jene,  auf  Seite  35  erwähnten  Glas- 
scherbchen  und  Bimssteinbröckchen.  Am  auffälligsten  tritt  das  Stück 
rundblasigen  Bimssteines  in  der  Mitte  hervor. 

Fig.  6.  Vergrösserung  170.  Fester  Andesittuflf  aus  der  Quebrada 
de  las  Vueltas  in  Columbien,  Südamerika.  (Vergl.  Reiss  und  Stübel, 
Colombia  H,  S.  93,  94.)  Der  Tuff  ist  reich  an  vollständig  frischen  Glas- 
scherbchen  und  Bimssteinstückchen,  die  als  vulcanischer  Staub 
den  Tuff  mit  haben  bilden  helfen.  In  der  Mitte  ein  rundblasiges  Bims- 
steinbröckchen. 

Das  Bild  ist  der  Abzug  einer  Positivplatte,  also  ein  Negativ.  In 
Wirklichkeit  sind  die  Glasscherben  farblos  und  wasserhell,  heben  sich 
aber  dann  weniger  scharf  von  der  hellen  Umgebung  ab. 


Abhandl.  d.  Isis  in  Dresden,  1902. 


Taf.  U. 


(3. 


der 


Naturwissensehaftliehen  Gesellschaft 

ISIS 

Dresden. 


Herausg-eg-eben 

von  dem  Redactions-Oomite. 


Jahrgang  1902. 

Janixax*  bis  dTixrii. 


Mit  3 Tafeln. 


In  Commission  der  K.  Säch/.  H'ofbuchhandliing'^  Burdach. 

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Redactions-Comitö  für  1902. 

Yorsitzender:  Prof.  Dr.  Fr.  Fo erster. 

Mitglieder;  Prof.  Dr.  J:  Deichmiiller^  ' D-eh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof. 
Dr.  E.  Kalkowsky,  Heh.  Hofrath  Prof.  Dr.  H.  Nitsche,  Prof.  Dr.  A.  Sehlossmann 
und  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 

Verantwortlicher  Pedacteur:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Inhalt. 

A.  Sitzungsberichte. 

I.  Section  für  Zoologie  S.  3.  — Drude,  0.:  Temperaturverhältnisse,  Fauna  und  Flora 
des  Plattensees  S.  4.  — Engelhardt,  H.:  Neue  Litteratur  S.  3.  — Heller,  K.: 
Neue  Methode  der  Präparation  von  Schmetterlingen  S.  3 ; Fauna  von  Celebes  S.4.— 
Nits  che,  H. : Der  Kranich  als  Brutvogel  im  Königreich  Sachsen  S.  3;  neuere  An-  . 
schauungen  über  das  Wesen  der  ParthenOgenesis  und  die  künstliche  Erzeugung  der- 
selbe, neue  Litteratur  S.  4.  — Schiller,  K.;  Die  biologische  Station  im  Adirondac- 
Gebirge  S.  3.  — ^ Schneider,  0.:  Melanismus  bei  corsischen  Käfern  S.  3.  — 
Schorler,  B.:  Neue  Litteratur  S 3.  — Thallwitz,  J.;  Die  Thierwelt  der  Hoch- 
gebirgsseen, neue  Litteratur  S.  3.  — Viehmeyer,  H.:  Heber  Höhlenkäfer  S.  3. 

II.  Section  für  Botanik  S.  4.  — - Drude,  0.;  Die  Ooniferen  Europas  und  des  Kau- 
kasus und  die  Grenzen  der  westpontischen  Waldflora  um  Wien  S.  über  Iris  para- 
doxa^  das  neue  biologische  Quartier  im  K. Botanischen  Garten  S.  6.  — Fritzsche,  F.: 
Vorlagen  S.  6.  — Menzel,  P. : Beziehungen  jetztlebender  Abietineen  zu  denen  des 
Tertiärs  S.  6.  — Neumann- Spallart,  G.  von:  Vorlage  S.  6.  — Pohle,  ß.:  Die 
Pflanzengeographie  von  Nordrussland  S.  4. 

III.  Section  für  Mineralogie  und  Geologie  S.  6.  — Deninger,  K.:  ßeisehilder  aus 
Sardinien  S.  7.  — Stübel,  A.:  Genetische  Verschiedenheit  vulcanischer  Berge  S.  7. 
— Wagner,  P.:  Heber  den  Würmsee  und  über  die  Insel  Hsedom  S.  6. 

lY.  Section  für  prähistorische  Forschungen  S.  7.  — Deichmüller,  J.:  Neue  Litteratur 
S.  7.  — Döring,  H.:  Funde  aus  neolithischen  Herdstellen  hei  Lockwitz  und  vom 
Burgwall  Kopschien  S.  7.  — Ludwig,  H.:  Die  neolithische  Siedelung  von  Seeb- 
schütz S,  7.  — Excursion  nach  dem.  Pfaffenstein  S.  7. 

Y.  Section  für  Physik,  Chemie  und  Physiologie  S.  8.  — Fo  er  st  er.  Fr.:  Einwirkung 
von  Jod  auf  Alkali  S.  8.  — Hallwachs,  W.:  Heber  Strahlung  und  Temperatur- 
hestimmung  durch  Strahlung  S.  8.  — Müller,  M.  E.:  Quantitative  Bestimmung  der 
Halogene  durch  Elektrolyse  S.  8.  — Pehenstorff,  H.:  Hnterrichtsversuche  über 
Toninterferenz -Erscheinungen  S.  8.  — Schlossmann,  A.:  Fettausscheidung  durch 
die  Faeces  S.  8. 

YI.  Section  für  reine  und  angewandte  Mathematik  S.  8.  — Gravelius,  H. : Auf- 
suchung und  Discussion  von  Periodicitäten  bei  meteorologischen  und  klimatologischen 
Erscheinungen  S.  9.  — Heger,  P. : Besondere  Kreise  in  homogenen  Coordinaten 
S.  8;  die  Kugeln,  welche  die  Seiten  eines  windschiefen  Vierecks  berühren  S 10.  — 
Krause,  M.:  Theorie  der  trigonometrischen  Functionen  S.  9.  — Vieth,  J.  von:  : 
Die  Dual -Arithmetik  von  Oliver  Byrne  S.  9. 

YIT.  Hauptversammlungen  S.  10.  — Veränderungen  im  Mitgliederbestände  S.  11.  — 
Pechenschaftsbericht  für  1901  8 10  und,  12.  ^ Voranschlag  für  1902  S.  10.  — Grün- 
dung einer  Section  für  Physiologie  und  Biologie  S.  10.  — Helm,  G.:  Denkmal  für 
Otto  voiiGuericke  S.IO.  — Lewicki,  E.;  Heber  Dampftuijbinen.S. PL  -r^  Sehorler,  B.:;  ‘ 
Geschichte  der  Floristik  bis  auf  Linne  S.  lOl  ---  Vater,' H.:  ^Hhtwickelung  der  Petro-;  j 
graphie  in  ihren  Grundzügen  S.IO.  — Excursion  nach  dem  Stadtkrankenhaus  , in;  1 
Dresden- Johannstadt,  nach  Moritzburg  S.  TI.  1 . . r 


Bi  Abhandlungen. 

Bergt,  W.:  lieber  einigt  sächsische  Gesteine.  Mit  2 Tafeln.  S.  29.  ' 

Graveliiis,  H.:  Methodische  Bemerkungen  zur  Discussion  von  Beriodicitäten  in  der 
Klimatologie.  S.  24. 

Mammen,  F.:  Analyse  der  Kalke  von  Tharandt  und  Braunsdorf.  S.  23. 

Schorler,  B.:  Geschichte  der  Floristik  bis  auf  Linne.  S.  3, 


Die  Verfasser  sind  allein  verantivortUch  für  den  Irnhalt  ihrer 

Abhandlungen* 


Die  Verfasser  erhalten  von  den  Abhandlungen  .50,  von  den  Sitzungsberichten  auf 
besonderen  Wunsch  25  Sonder  - Abzüge  unentgeltlich,  eine  grössere  Anzahl  gegen  Er- 
. ‘ ‘ stattung  der  Herstellungskosten. 


SitzungsKalehder  für  1902^ 

September.  25.  Hauptversammlung.'  ' ■ • > r'  ■ 
OctoW*.  , 2.  Physik  und' Chemie.  ' 9.  ‘ Mathematik’.  16.:  Prähistorische  Forschungen. 

" 23.  Zoologie.  '30.  Hauptversammlung;  ' ' ' ' : 

T?ovember.  6.  Botanik.  13.  Mineralogie  und  Geologie.  20.  Physik  und  Chemie. 

27;. Hauptversammlung.'  ' ' ” 'V.,  ; : . ■ - 

December.-  ' 4.  Zoologie  und  Botanik.  11.  PrähistoTische..Fm,schpngen.—r  Mathematik. 
18.- Hauptversammlung.  , . . , 


Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  ,,Isis‘S  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 


Weise  festgestellt  worden: 

Denkschriften.  .Dresden  1860.  8. 1 M.  50  Pf. 

Pestschrift.  Dresden  1885.  ,8.  ...  . . . . . . . . . 3 M.  — Pf. 

Schneider,  0.:  Natnrwissensch.  Beiträge  zur  Kenntniss  der 

Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . . 6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861  ...  . . . . . . . . . 1 M,  20  ?Pf. 

Sitzungsberichte,  Jahrgang  1863  ! . . , . ' . . ...  . 1 M,  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  . . IM.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-December 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 M.  — - Pf. 

Sitzungsberichte,  Jahrgang  1869  . , . 3 M,  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April- Juni,  October-December  2 M.  — Pf, 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December  , . . , . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  pro  Jahrgang  . . 4M.  — Pf. 
Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar- Juni  . . . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juli-December  .....SM.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-Decelnber  3 M.  — Pf. 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1901,  pro  Jahrgang  . 5 M.  — Pf 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen,  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1902.  Januar- Juni.  2 M.  50  Pf. 


Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Eabatt  von  25  Proc.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  ,,Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Prof.  Dr.  Deicinntiller,  Dresden-A.,  Zwingergebäude, 
K.  Mineral. -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittirt  wird. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  in  Dresden. 


der 


NaturwissensehaMiehen  Gesellschaft 


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ISIS 


in  üresden. 


Herausgegeben 

von  dem  Redactions-ComitO. 


Jahrgang  1902. 

Juli  bis  December. 


Mit  1 Abbildung  im  Text. 


Dresden. 

In  Commission  der  K.  Sachs.  Hofbuchhandlung  H.  Burdach. 

1903.  , 


Redactions -Comite  für  1902. 

Vorsitzender;  Prof.  Dr.  Fr.  Fo  erst  er. 

Mitglieder;  Geh.  Hofrath  Prof.  Dr,  H.  Kitsche  (f),  Oberlehrer  Dr.  J.  Thallwitz, 
Geh.  Hofrath  Prof.  Dr.  0.  Drude,  Prof.  Dr.  E.  Kalkowsky,  Prof.  Dr.  J.  Deich- 
müller,  Prof.  Dr.  A.  Schlossmann  und  Prof.  Dr.  Ph.  Weinmeister. 
Verantwortlicher  Redacteur:  Prof.  Dr.  J.  Deichmüller. 


Sitzungskalender  für  1903. 

.Januar.  8.  Botanik.  15.  Mineralogie  und  Geologie.  22.  Physik,  Chemie  und  Physio- 
logie. 29.  Hauptversammlung. 

Februar.  5.  Prähistorische  Forschungen,  12.  Mathematik.  19.  Zoologie.  26.  Haupt- 
versammlung. 

März.  5.  Botanik.  12.  Mineralogie  und  Geologie.  19.  Physik,  Chemie  und  Physio- 
logie. 26.  Hauptversammlung. 

April.  2.  Zoologie.  16.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik.  23.  Botanik. 
30.  Hauptversammlung. 

Mai.  7.  Mineralogie  und  Geologie.  14.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  21.  Excursion 
oder  :28.  Hauptversammlung. 

Juni.  11.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik.  18.  Zoologie  und  Botanik. 

25.  Hauptversammlung. 

September.  24.  Hauptversammlung. 

October.  1.  Botanik  und  Zoologie.  8.  Mathematik.  15.  Mineralogie  und  Geologie. 

22.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  29.  Hauptversammlung. 

November.  5.  Zoologie.  12.  Prähistorische  Forschungen.  — Mathematik.  19.  Botanik. 

23.  Hauptversammlung. 

December.  3.  Mineralogie  und  Geologie.  10.  Physik,  Chemie  und  Physiologie.  17.  Haupt- 
versammlung. 


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Die  Preise  für  die  noch  vorhandenen  Jahrgänge  der  Sitzungs- 
berichte der  „Isis“,  welche  durch  die  Burdach’sche  Hofbuch- 
handlung in  Dresden  bezogen  werden  können,  sind  in  folgender 
Weise  festgestellt  worden: 


Denkschriften.  Dresden  1860.  8 1 M.  50  Pf. 

Festschrift.  Dresden  1885.  8 3 M.  — Pf» 

Schneider,  0.:  Naturwissensch.  Beiträge  zur  Kenntniss  der 

Kaukasusländer.  1878.  8.  160  S.  5 Tafeln  . . . 6 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1861 . . . . 1 M.  20  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1868  1 M.  80  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1864  und  1865,  pro  Jahrgang  . . 1 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1866.  April-December 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1867  und  1868,  pro  Jahrgang  . . 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1869  3 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1870.  April-Juni,  October-December  2 M.  — Pf» 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1871.  April-December 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1872.  Januar-September  . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1873  bis  1878,  pro  Jahrgang  . . 4M.  — PI 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1879.  Januar-Juni  . . . . . . 2 M.  50  Pf. 

Sitzungsberichte.  Jahrgang  1880.  Juh-December 3 M.  — Pf. 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrg.  1881.  Juli-December  3 M.  — Pf» 
Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1882  bis  1884, 

1886  bis  1902,  pro  Jahrgang 5 M.  — Pt 

Sitzungsberichte  und  Abhandlungen.  Jahrgang  1885  . . . . 2 M.  50  Pf» 


Mitgliedern  der  „Isis“  wird  ein  Rabatt  von  35  Proc.  gewährt. 

Alle  Zusendungen  für  die  Gesellschaft  „Isis“,  sowie  auch 
Wünsche  bezüglich  der  Abgabe  und  Versendung  der  „Sitzungs- 
berichte der  Isis“  werden  von  dem  ersten  Secretär  der  Gesell- 
schaft, d.  Z.  Prof.  Dr.  Deiclmiüller,  Dresden-A.,  Zwingergebäude 
K.  Mineral. -geolog.  Museum,  entgegengenommen. 

9^^  Die  regelmässige  Abgabe  der  Sitzungsberichte  an  aus- 
wärtige Mitglieder  und  Vereine  erfolgt  in  der  Regel  entweder 
gegen  einen  jährlichen  Beitrag  von  3 Mark  zur  Vereins- 
kasse oder  gegen  Austausch  mit  anderen  Schriften,  worüber 
in  den  Sitzungsberichten  quittirt  wird. 


Druck  von  Wilhelm  Baensch  1h  Dresden. 


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